
„Sieht das für Sie nach Läusen aus?“ – kurz bevor man den Haarschopf vom Kind unter der Nase hat … oder alternativ ein Plastiksäcklein mit Krabbelgetier drin.
Kennt ihr das auch? Was ist euer unbeliebter Satz?

„Sieht das für Sie nach Läusen aus?“ – kurz bevor man den Haarschopf vom Kind unter der Nase hat … oder alternativ ein Plastiksäcklein mit Krabbelgetier drin.
Kennt ihr das auch? Was ist euer unbeliebter Satz?
Kommunikation ist einfach: jeder macht das, jederzeit, sogar wenn man nichts sagt redet der Körper weiter. Aber trotzdem (oder genau deshalb?) sollte man nicht automatisch annehmen, dass einen das Gegenüber auch richtig versteht. Da spielt mehr mit rein, als man denkt – die eigenen Erfahrungen und die des Gegenübers lassen einen Worte anders auffassen als das ursprünglich gedacht war. Sprachprobleme erschweren das zusätzlich. Manchmal ist es auch nur eine kurzfristige Verwirrung. Hier ein paar Beispiele aus der Apotheke:
Unbedingt zu vermeiden: Da gibt es ein paar Sachen in der Apotheke, die man besser nicht so formuliert.
Missverständnis intern – Si?
Hoppla mein Fehler (Missverständnis)
Wo ist der Fehler? Missverständnis bei der Dosierungsangabe
Unsensibel – doch nicht schwanger
Step by Step – man hat es ihr gesagt, ob es angekommen ist, ist eine andere Frage
Die Verhütungspille – wie wichtig es ist, sich korrekt auszudrücken
Verständigungsprobleme – manchmal liegt’s auch an der Sprachbarriere
Was ich mich schon gefragt habe – oder einfach: Was?
Und natürlich die:
Wir haben da einen Kunden – nennen wir ihn Herrn Timber – wenn der in die Apotheke kommt, meist am Abend spät, dann lache ich inzwischen schon, denn ich weiss: Das wird interessant!
Herr Timber kommt so gut wie nie wegen irgendwelchen Gesundheitsproblemen – er ist fit und gesund, um die 30 … und sieht ein bisschen „wild“ aus: Vollbart und lange Haare. Aber nicht wie der Hippster Typ –mehr wie der Holzfäller :-)
Aber die Sachen, mit denen er kommt…
Das erste Mal hatte ich ihn, weil ihn der Lehrling an mich weiterreichte da sie nicht wusste, ob das erlaubt ist. Er wollte Wasserstoffperoxid hochkonzentriert. Mehrere Liter. Und: ja, da sind wir ziemlich vorsichtig mit der Abgabe, da man dass zum Bombenbauen missbrauchen kann – und gerade in grossen Mengen … Hmmmhmmm?
Also habe ich ihn ein bisschen ausgequetscht und er war sehr kooperativ.
Pharmama: „Für was brauchen Sie das denn?“
Herr Timber: „Zum Schädel bleichen.“
Ummm …. was?
Ja, er wisse, das sei etwas ungewöhnlich, und wenn das nicht gehe, sei das auch okay. Aber er arbeite in einem Aquarium und gelegentlich konservieren sie nach dem Tod eines Bewohners dessen Skelett (Respektive Gräten?). In dem Fall war es ein Hai, dessen Schädel nach ein paar Jahren nicht mehr so gut aussah, und den wollte er jetzt bleichen. Mit Wasserstoffperoxid. Damit er weisser wird.
Ich hab’s ihm gegeben, nachdem ich das festgehalten habe und eine Kopie von seiner ID gemacht habe.
…
Ein anderes Mal fragte Herr Timber nach Mastix. Das ist ein Baumharz.
„Das habe ich nicht da – für was brauchen Sie das denn?“
„Zum Bart ankleben, ich habe im Internet gelesen, dass das geht.“
Ich habe schon erwähnt, dass er einen Bart hat .., dass der angeklebt sein soll wäre mir bis jetzt aufgefallen, weshalb ich ihn wohl ein bisschen schräg angeschaut habe – worauf er nur lachend meinte:
„Nein, das ist nicht für mich, mein Kollege braucht das für ein Mittelalterfestival demnächst.“
Im Internet habe er gefunden, dass man das mit gelöstem Mastix macht, ob ich weiss, wie das genau geht – oder ob ich eine andere Idee habe? Er bräuchte das noch bald.
Ich hatte dann eine andere Idee: Wimpernkleber! Damit klebt man künstliche Wimpern an, da wird das auch mit Haaren an anderen Hautstellen gehen. Und den hatten wir da.
…
Wieder ein andermal kam Herr Timber abends vorbei und wollte etwas zum die Haare weiss färben, aber nur für kurz – Karneval oder so. Da gibt’s schon etwas, aber das macht die Haare reichlich kaputt, ist dauerhaft und wie das aussieht, nachdem ein Laie das gemacht hat ?… am Schluss habe ich ihm Trockenshampoo verkauft … das ist so weisses Pulver, das er dann halt so grosszügig auf dem Haar verteilen soll und das dann drauf lassen. (Normalerweise nimmt man nicht so viel und bürstet es wieder aus).
…
Aber mal Ehrlich – nach all den Anfragen kommt mir langsam der Verdacht, dass er vielleicht ein Geheimagent ist. Was denkt ihr?

„Was soll das heissen: ‚die Krankenkasse übernimmt das nicht‘? Der Arzt hat mir das verschrieben!“
Wenn das so funktionieren würde, dann würde ich mir Schokolade grad kiloweise und auch Ferien verschreiben lassen. Tatsächlich kann der Arzt so ziemlich alles auf ein Rezept schreiben, aber das heisst nicht, dass die Krankenkasse das auch übernehmen muss.
Aber obiges höre ich noch gelegentlich von Patienten. Das letzte Mal gestern, eine ältere Frau, der der Arzt Dynamisan verschrieben hat. Das ist ein Aufbaumittel – und es steht auf der sogenannten Negativliste. (Zur Erinnerung: in der Schweiz werden Medikamente und Mittel von der Krankenkasse anhand verschiedener Listen vergütet: SL: Spezialitätenliste von der Grundversicherung, NLP: Nicht-Listen-Präparate eventuell von der Zusatzversicherung, MiGeL: Mittel-und-Gegenstände-Liste für Sachen wie Verbandsmaterial, Kompressionstrümpfe, Teststreifen etc. Auf der LPPV: der Negativliste stehen die Sachen, die die Krankenkassen gar nicht übernehmen.)
Das gab dann eine längere Diskussion, die ihr Euch sicher vorstellen könnt – immerhin „will der Arzt ja, das ich das nehme, sonst hätte er es nicht aufgeschrieben“ und „Für was zahle ich eigentlich monatlich die Krankenkassenprämien?“ … nicht für das offensichtlich. Aber Sie werden ganz froh um die Krankenkasse sein, wenn Sie mal regelmässig teure Medikamente brauchen oder eine Operation benötigen.
Aber wirklich doof finde ich, dass ich bei so etwas immer den Ärger der Leute abbekomme und endlos diskutieren muss. Als Apotheke steht man halt mittendrin.
Vor-Gestern haben wir dem Arzt eine Anfrage gefaxt, ob wir bei einem Patienten ein Dauerrezept aus dem bisherhigen Rezept machen können. Weil heute noch nichts gekommen ist, ruft man an.
Praxisassistentin: „Nein, der Arzt hat das abgelehnt, aber er hat ein neues Rezept ausgestellt und das haben wir ihnen gefaxt.“
Pharmama: „Bei uns ist nichts angekommen.“
Praxisassistentin: „Wir habe es an die Pinguin-Apotheke gefaxt.“
Pharmama: „Die Pinguin Apotheke? Die gibt es nicht mehr. Das hier ist Pharmamas Apotheke. Unsere Nummer ist…“
Praxisassistentin: „Aber … da steht auf dem Rezept, wir haben es schon gefaxt …“
Pharmama: „Jaaa – aber nicht an uns.“
Mit Mühe und Not konnte ich sie dann überzeugen den Fax doch noch einmal zu schicken. An uns.
Apotheker sind genau so wenig unfehlbar wie Ärzte. Auch wenn wir alles tun um Fehler zu vermeiden … kommt es gelegentlich vor, dass etwas nicht so läuft, wie es soll. Das kann verschiedene Ursachen haben, die man nach so etwas finden und nach Möglichkeit eliminieren sollte. Nicht immer liegt das Problem intern. Lehrreich sind die Fehler dafür so gut wie immer.
Fehler passieren: Fehlermanagement – Was tun bei?
Vom Richtigen Umgang mit Fehlern – wie sag ich’s dem Patienten?
Warum es Apotheker braucht. (Oder: weil Ärzte auch nur Menschen sind)
Fehler, Fehler. FEHLER! Es war die Dosierungsetikette
Fehlerkorrektur -bei der Pille danach
Ein Verpackungsfehler und 113 schwangere Frauen – aus den USA
Wessen Fehler ist das? Falsch auf- und falsch angeschrieben und dann so genommen
Jeder Fehler zählt – ein apothekenrelevantes Beispiel von der Seite
Arzneimittel für Kinder – ein Beispiel von einer anderen CRIS Seite für Ärzte
Ich weiss nur, dass ich nicht alles weiss.
Ich glaube nicht, dass wir das waren: nicht immer liegt der Fehler bei uns
Ich verlange Wiedergutmachung … ein Fall aus der Drogerie
Alles – dann bekommt er auch „alles“ und darf es behalten.
Bitte spearat verpacken (sonst drohen Fehler?)
Über Sorgfaltspficht und Fahrlässigkeit in der Apotheke – ein ganz tragischer Fall aus Deutschland.
Nach Anweisung des Arztes – zum inhalieren. Mit was?
Immer aufmerksam bleiben – und nicht einfach ungefragt etwas abgeben, auch nicht, wenn es verschrieben wurde
Rückruf .. ruf … ruf – noch ein externen Fehler, den die Apotheke teils ausbaden darf
Zufallsfund – noch vor Abgabe festgestellt
Das gehört da nicht rein – Sammlung von Produkten mit Fehlern
Dosierungen – sind nachzukontrollieren. Vor allem bei schlecht geschriebenen Rezepten
Schadenersatzforderungen an Apotheker – offenbar im Kommen in England
Kann ich das dem Arzt verrechnen? Wenn er etwas falsches aufschreibt und das abgegeben wird?
Für Verluste wird nicht gehaftet
Umtausch – nicht einfach so.
Der Kunde hat nicht immer Recht – deshalb haben wir in der Apotheke auch Patienten.
Falsch getestet … Apothekentest für Wechselwirkungen. Nicht ganz korrekt so.
Es gibt noch Hoffnung – und wie gut es ist, wenn Patienten mitdenken.
