Ich glaub nicht, dass wir das waren …

Gestern hatte ich einen dieser frustrierenden Begegnungen, wenn ein Kunde davon überzeugt ist, dass er recht hat und ich Unrecht und keine Erklärung daran etwas ändert.

Es war ein älteres Pärchen, das eine Packung Calcimagon Kautabletten mitbrachte. Die Packung hatte noch das alte Design (das hat vor einigen Monaten gewechselt) und es war ein Etikett darauf von uns – mit dem Abgabedatum von vor über einem Jahr.

Die Box war voll von Tabletten – bräunlichen, die ganz sicher nicht Calcimagon waren. Die sind nämlich weiss.

Das Pärchen war davon überzeugt, dass das die Box Calcimagon war, die sie von uns vor ein paar Wochen bekommen hatten – und dass wir einen Fehler gemacht hätten / ihnen eine alte Box verkauft hätten / die Packung fehlerhaft war. (Such dir eins aus – vielleicht auch gleich mehreres)

Ich habe versucht, sie darauf hinzuweisen, dass diese Schachtel schon vor über einem Jahr abgegeben wurde … und dass sie die vielleicht in der Zwischenzeit als Aufbewahrungsort für diese braunen Tabletten benutzt haben. Das haben sie aber glatt abgestritten, da sie „keine anderen Schachteln Calcimagon im Haus hätten.“

Also … habe ich ihnen eine neue Schachtel gegeben (sie hatten sowieso ein Dauerrezept) und ihnen dringend geraten, diese alte Schachtel mit den unbekannten Tabletten wegzuwerfen.

Die Dinger kamen mir überhaupt nicht bekannt vor – vielleicht irgendein Nahrungsergänzungsmittel aus der Migros?

17 Antworten auf „Ich glaub nicht, dass wir das waren …

  1. Erinnert mich daran, wie ich mal statt eines „Captopril“-Produkts eine „Metoprolol“-Packung geliefert haben sollte. Blöder Weise war das „Metoprolol NOK“ schon seit 2 Jahren auf „Metoprolol NK“ umbenannt – aber ich habe die falsche Schachtel geliefert! Die von mir korrekt gelieferte Schachtel „Captopril“ fand sich dann zwei Monate später unter dem Autositz des zwischenzeitlich in Urlaub gefahrenen Sohns der Familie (der übrigens – da ich diese Vermutung auch angesprochen hatte – im Zeitalter des Handys und des Hoteltelefons nicht mal telefonisch zu erreichen war, um in sein Auto zu schauen), weil sie aus der Tüte gefallen und unter selbigen Sitz gerutscht war… (Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass sich später bei mir für die Unterstellung entschuldigt wurde).

    Oder das abgelaufene Insulin, welches ich wenige Tage vorher beliefert haben sollte. Blöder Weise klebte ein Aufkleber eine anderen Apotheke drauf. Wozu ich sagen muss, dass ich von diesem Insulin, welches bei uns sehr häufig läuft, maximal einen Monatsvorrat da habe, und das die meist weit über 1 Jahr haltbar ist. Wenn man natürlich das „neue“ Insulin immer vorne in den Kühlschrank stellt, ist das „alte“ Insulin irgendwann verfallen… (Diese Patientin entschuldigte sich nicht, sie verließ stinksauer das Geschäft, weil sie keine 100€-Packung als „Kulanz-Umtausch“ von mir geschenkt bekam…)

    Oder immer wieder gern erinnert – das defekte Handgeleks-Blutdruckmessgerät. Ein Modell, welches ich vorher noch nie gesehen hatte. Der Ehepartner hatte aber fest versichert, das das Gerät bei uns erworben wurde! Dummer Weise war ein Branding-Aufkleber eines der größtes deutschen Versandhäuser drauf.


    Ich will mir nun keinen Heiligenschein verpassen. Ich mache auch Fehler, denn ich bin auch ein Mensch. Und wenn diese (mir) auffallen, versuche ich die auch möglichst umgehend zu richten. Was ich aber immer echt nervig finde: Wenn jemand mir einen Fehler unterschieben will, und selbst wenn er feststellt, dass der Versuch nicht geklappt hat, dumm rumdiskutiert als das von der sportlichen Seite zu sehen.


    Pharmama – ihr kennzeichnet das Abgabedatum einer Schachtel mit einem Aufkleber?

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    1. Hier in der Schweiz werden die Dosierungen für den Kunden per Computer auf eine Klebe-Etikette aufgedruckt und auf die Packung geklebt. Diese Etiketten haben ein „Ausdruckdatum“, welches automatisch mitgedruckt wird; genauso wie das Visum des Abgebenden und die Adresse und ev. Tel.nr. der Apotheke.

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      1. Was wiederum voraussetzt, dass die Dosierung bekannt – also vom Arzt angegeben – ist. Was in D tatsächlich nicht leider unbedingt üblich ist. Sehr zum Leidwesen der Pharmazeuten.

        Wird dieses Dosisedikett auch bei Arbeimitteln mit unklarer/veränderlicher Dosierung (Insulin in intensivierter Therapie) und bei OTC (z.B. Ibuprofen akut 400 10St.; Xylo-Nasenspray) draufgeklebt?

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        1. Die Anschreibe-Praxis ist natürlich in verschiedenen Apotheken auch unterschiedlich. Manche schreiben dir alles an (Rx und OTC); andere nur, was der Arzt auch auf dem Rezept vermerkt hat; wieder andere OTC nur auf Kundenwunsch etc…
          Jedenfalls ist das Datum immer dann drauf, wenn das Arzneimittel angeschrieben wird…

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          1. Wir schreiben eigentlich alles an von den Rezepten – im schlimmsten fall, mit „Nach Anweisung des Arztes einnehmen / anwenden“ … auch damit der Preis auf der Packung ist (der ist nämlich auch noch auf der Etikette). OTC schreibe ich eigentlich nur in speziellen Fällen an – Kundenwunsch, oder wenn ich merke, dass sie sehr unsicher sind.

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    1. Das Gefühl habe ich oft auch…
      Deren Zeit mag das vielleicht wert sein, aber meine?! :-(

      Oft frage ich mich nach dem 4. oder 5. „nein“ wirklich, ob es das wert ist… Oder wenn ich die Polizei rufen muss, weil sie ohne ihre „Trophäe“ das Geschäft nicht verlassen wollen! (Ja, das hatte ich wirklich schon…!)

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        1. Das glaubst du sowiso nicht: es ging um Paracetamol(!)… Aber eigentlich wohl ums Prinzip oder um was Anderes… Keine Ahnung, was den Kunden geritten hat..?!? Aber er wollte die Apotheke nicht mehr verlassen – bis die Polizei da war…

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  2. Genau aus diesem Grund bin ich kein Fan von Dosen.
    Was habe ich schon für Reklamationen gehabt! In der Apotheke ist das relativ schnell abgehandelt. Vielleicht schickt man die Packung noch schnell mit einen kurzen handschriftlichen Brief zum Hersteller, um eine Ersatzpackung zu bekommen. Das war es dann aber auch. Selten kommen Reklamationen über die AMK (Arzneimittelkommission).
    In der Industrie läuft bei Eingang einer Reklamation aber immer ein ganzer Prozess ab: Reklamation aufnehmen, Eingangsschreiben verschicken, Grund suchen, ausführlichen Bericht schreiben, Antwort verschicken… Da sind immer mindestens 2 Abteilungen mit beschäftigt und diverse Personen, meist aber noch mehr und in unserer globalisierten Welt sogar verschiedene Länderniederlassungen!

    Besonders schön ist es, wenn man falsche Produkte darin findet, denn dann schrillt gleich erst einmal die Alarmglocke los. Viele Kunden kippen offenbar gerne ihre Tabletten von unterschiedlichen Herstellern zusammen und erschrecken sich dann ein paar Tage später, dass da zwei verschiedene Tablettensorten drin sind. Ultranervig, auch wenn bei Generika sich in den meisten Fällen die falschen Tabletten schnell der Konkurrenz zuordnen lassen und nicht der eigenen Fabrik. Gerne wird zu Hause offenbar auch der Doseninhalt auf den Tisch gekippt und dann wieder zusammengeschaufelt, einschließlich des roten Saucenfleckes auf dem Tisch. Dann kommt die empörte Reklamation als „Blut an der Tablette“.

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    1. Dann bist Du sicher auch kein Fan der amerikanischen Methode: die Tabletten aus Vorratsbehältern für den Kunden in Dosen abzufüllen… Und letzthin habe ich grad gelesen, dass die das im Normalfall ohne Handschuhe machen … Und Tabletten, die auf den Boden fallen werden wieder aufgehoben und auch abgefüllt. … Mal abgesehen, dass das in meinen Augen nur noch eine Fehlerquelle mehr ist, Tabletten abfüllen, kontrollieren, ob das auch die richtig aussehenden sind …

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    2. Letzteres kann ich nur bestätigen:
      ich arbeitete bei einem Pharmahersteller und wir hatten mal eine Reklamation, dass die Schwarzkümmelöl-Kapseln so komisch fischig riechen würden.
      Erklärung war, dass da tatsächlich Fischöl-Kapseln drin waren, die wir auch im Sortiment haben. Die sollten wir angeblich vertauscht haben (was aber gar nicht ging, denn das Fischöl wird bei uns in einer anderen Fabrik in einer anderen Stadt abgefüllt, als das Schwarzkümmelöl). Der Kunde bestand darauf, dass wir das in der Produktion vertauscht haben sollten. Laut Apotheke hat er allerdings beide Produkte unserer Marke bezogen und mit Sicherheit das gleiche Spielchen wie oben beschrieben veranstaltet.
      Die Apotheke kann nichts dafür, aber das Theater und der Ärger ist immens – immerhin hat der Kunde die Apothekenmitarbeiter und drei Abteilungen von uns beschäftigt (Vertrieb, QM, Produktion).
      Meist machten wir uns das bei solchen Fällen einfach und haben lieber einmal zuviel das Produkt ersetzt, als elendig lange Nachforschungen zu erstellen, die vom Aufwand und Geld in keinem Verhältnis stehen.

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      1. Ersatz wird ja meist aus Kulanz schnell geschickt, egal ob berechtigt oder nicht. Nach dem möglichen Grund muss man aber aus GMP-Gründen trotzdem schauen und das auch dokumentieren. Sonst gibt es Ärger mit den Behörden, wenn die bei einer Inspektion draufschauen.
        Und wenn zufällig beide Sorten aus der gleichen Fabrik stammen, dann wird es besonders schwierig. Dann muss man nämlich noch glaubhaft darlegen, warum es doch nicht passiert sein kann. Glücklicherweise sind die Produkte dann oft mit Abstand von mehreren Wochen produziert worden, so dass eine Vermischung in der Produktion praktisch ausgeschlossen ist.

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  3. War hinten auf dem Blister der braunen Tabletten nichts aufgedruckt?

    Bzgl Dosierung: in meiner Stammapotheke wird die Dosierung, die sowohl Hausarzt als auch Kinderarzt immer mit aufs Rezept drucken, immer ungefragt auf einen Aufkleber oder die Schachtel übertragen. UND es wird noch angesprochen „hat er Ihnen gesagt, wie Sie das einnehmen sollen?“ Jetzt war ich in einer anderen Apotheke, hatte die Dosierung nicht nachgelesen auf dem Rezept und natürlich keinen Vermerk drauf bekommen. Weil ichs so sehr gewöhnt war, dass das da drauf geschrieben wird, habe ich das natürlich erst nach 20 Uhr abends bemerkt.
    Zum Glück ließ der Beipackzettel dann nur eine Möglichkeit die irgendwie mit meinem Erinnerungsvermögen übereinstimmte.

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    1. Ich denke, die braunen Tabetten waren loose in der Schachtel. So lese ich es zumindest im Text.

      Ich übertrage die Dosierung, so ich sie kenne, nicht unbedingt per Aufkleber, auch durchaus auch per Kugelschreiber auf die Schachtel. Bei Rezepten für Geschwister gern auch die Anfangsbuchstaben der Namen, damit klar ist, welches Medi (mit welcher Dosierung) für welchen Zwerg sein soll. Und unser einer Kinderarzt ist auch der, der bei (fast) jedem Medikament die Dosierung aufs Rezept schreibt. Das finde ich prima!

      Aber gerade bei individuell sehr unterschiedlich einzunehmenden Medikamenten (Blutdruck, bestimmte Neuroleptika) steht die Dosierung fast nie auf dem Rezepten, und dann kommt die Patienten-Frage: Und wie soll ich die einnehmen? Klar hatte der Arzt was gesagt, aber da hatte man gerade nicht hingehört. Und überhaupt hatte der so viel so unwichtiiges zu erzählen, wie soll man da wissen, was nun das wesentliche war…? ;-) Und diese Frage kommt dann meist auch nach Praxisschluss, so dass ich nicht einfach zum Telefon greifen kann, um das nochmal nachzuforschen…

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      1. Ich gestehe, ich kann mir auch nicht immer merken, was der Arzt jetzt sagt. Besonders in akuten Zeiten wo ich mit 3-5 Rezepten da rausmarschiere und schlimmstenfalls mein Gehirn dank eines fiesen, hartnäckigen Infekts total umnebelt ist, kriege ich nicht alles korrekt gespeichert. Da bin ich wirklich froh, dass er unter jedem Medikament auf dem Rezept in klein stehen hat (1-0-0) oder ähnliches. Diese Eingabe poppt in seinem Computer automatisch auf und ich liebe sie. In 90% der Fälle kann ich mir merken, was ich wie zu nehmen habe nur manchmal ist es zuviel oder ich bin zu krank.

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