Für was ist das schon wieder?

Ruft eine ältere Frau in der Apotheke an.

„Ich habe vom Arzt ein Medikament aufgeschrieben bekommen, habe aber keine Ahnung, für was das ist. Könnten sie mir das sagen?“

Das Medikament um das sie sich sorgte war Aricept, sie hatte keine Ahnung weshalb sie die nehmen muss.

Der Apotheker erklärt ihr für was es ist – sie sagt, sie begreift nicht, warum ihr Arzt ihr das verschreiben würde, das Problem habe sie gar nicht.

Der Apotheker erklärt ihr, dass manche Medikamente auch für andere Probleme eingesetzt werden als das sie ursprünglich sind (z.B. Antiepileptika bei Migräne), er sich aber bei Aricept keiner sogenannten off-label Anwendung bewusst ist.

Frau: „Dann muss ich am Montag wohl den Arzt anrufen und das besprechen.“

Keine 5 Minuten später ruft sie wieder in der Apotheke an: „Für was haben sie gesagt ist das Aricept noch mal?“.

Und dann nach weiteren 5 Minuten nochmals „Entschuldigen sie, für was haben sie gesagt, braucht man das?“

Der Apotheker wundert sich jedenfalls nicht mehr, warum der Arzt ihr das verschrieben hat.

Aricept ist ein Mittel gegen Alzheimer.

Manchmal finde ich sowas echt tragisch.

Ich verstehe sie nicht!

Ein Mann kommt in die Apotheke und lehnt sich, leicht hüstelnd an ein Regal, also gehe ich ihn fragen, ob er etwas braucht.
Er schaut mich an, murmelt etwas unverständliches und greift sich an den Hals.
Pharmama: „Haben sie Halsschmerzen?“
Kunde: Verständnisloser Blick.
Pharmama: „Oder Husten?“
Immer noch keine Reaktion.
Er zeigt auf seinen Hals, und hustet wieder.
Pharmama: „Do you speak english?“ … versuche ich es, „Parlez-vous francais? Parla italiano?“ – letzteres kann ich zwar nicht, aber wir haben zumindest jemanden hier, der das kann.
Kunde: „Albana“ oder so etwas ähnliches sagt er. Nun, zumindest das hat er verstanden …
Aber weiterhelfen tut mir das nicht

Also versuche ich es mit Phantomime.

Inzwischen haben wir hinter ihm 2 Kunden die warten und zuschauen.
Ich greife an den Hals und verziehe das Gesicht: „Halsschmerzen?“
Kunde: verständnisloser Blick
Ich huste mir in die Hand – „Husten?“

Immer noch keine wirkliche Reaktion – ausser von den anderen Kunden, die meine Pantomime wohl lustig finden und zuschauen, wie ich mich abmühe.

Noch ein Versuch. Ich ziehe ihn vor das Regal mit den Erkältungsmitteln.
Pharmama: „Brauchen sie das?“ Zeige auf die Halsschmerztabletten – vielleicht erkennt er ja eine Marke?
„Oder das?“ Zeige auf den Hustensirup.

Er schaut mich nur an und zuckt mit den Schultern.

Was soll ich machen?

Ein letzter Versuch noch: ich nehme Kugelschreiber und ein Blatt Papier und halte sie ihm hin. Vielleicht kann er etwas aufmalen oder aufschreiben und ich google es nachher.
Aber: Wieder nichts. Er gibt mir das Blatt einfach wieder zurück.

Jetzt habe ich so ziemlich alles versucht und von ihm kommt gar nichts.

Einfach ein Aspirin in die Hand drücken und sagen: „Nehmen sie mal das“ mache ich nicht. Er kann mir ja noch nicht mal sagen, ob er noch irgendetwas anderes nimmt.

Also gebe ich es auf, zucke auch mit den Schultern, schüttle den Kopf und sage: „Ich kann ihnen nicht helfen.“

Er dreht sich um und geht langsam wieder raus.

Und ich wende mich dem nächsten Kunden zu, der mich versteht und ich ihn und den ich wirklich beraten kann.

Aber glaubt ihr mir, dass ich das frustrierend finde?

Schlechte Lagerhaltung?

Kunde, der ein spezielles Produkt will:

„Warum haben sie das nicht an Lager? Ich habe es vor 3 Jahren hier gekauft!“

Letztens hatte ich noch einen besseren Fall: Und dieses Produkt musste ich fotografisch festhalten. Das war eine Extrabestellung, nachdem der Kunde sich sehr darüber erregt hat, dass wir ein derart klassisches und bekanntes Produkt nicht an Lager haben. Geht ja gar nicht! :

haarblut

Nun, ein „Klassiker“ ist das ziemlich sicher. Dem Design nach könnte es das Mittel seit Anfang letzten Jahrhunderts geben. Heute gehört das aber auch eher nicht zu den Sachen, die wir an Lager halten. Das erste Mal in 15 Jahren ist irgendwie zu wenig Nachfrage.

Immerhin können wir das noch bestellen – und das wie anderes ziemlich rasch. Und wir machen das auch – im Gegensatz zum Kaufhaus.

Für die Lippen

In einer belebten Apotheke (nicht unserer) :

Apothekerin: „Kann ich ihnen helfen?“

Ältere Frau (in voller Lautstärke): „Ich brauche KY Creme für meine LIPPEN hat der Arzt gesagt!“

Apothekerin: „Ah, Entschuldigung?“

Ältere Frau: „ICH BRAUCHE KY CREME FÜR MEINE LIPPEN¨“

Apothekerin: „Ok …. Hat Ihr Arzt gesagt, sie sollen das KY für einen speziellen Grund auftragen?“

Ältere Frau: „MEINE LIPPEN SIND TROCKEN!“

Apothekerin: „Ist es denn für ihren Mund?“

Ältere Frau: „NATÜRLICH! WO HAT MAN SONST LIPPEN???“

(unterdrücktes Gelächter von hinter ihr)

Apothekerin: „OK, Ich denke aber er hat eher eine Fettcreme wie Vaseline gemeint.“

Ältere Frau: „OH, OK. ABER FÜR WAS IST DENN DIE KY CREME?“

Apothekerin: „Nun, das wird gebraucht als Gleitcreme für die Vagina.“

Ältere Frau: „DIE WAS?“

Apothekerin: „DIE VAGINA!“

Ältere Frau: „OH, NEIN … DIE BRAUCHE ICH NICHT MEHR.“

Apothekerin: „Okay, das macht 5.95 für die Vaseline – man könnte die auch an beiden Stellen anwenden …“

(Repost leicht adaptiert vom Juli 09)

Bin ich denn die Krankenkassenangestellte?

„Sie müssen mir einen Vorbezug machen, mein Baby zahnt!“

Ja. Wow. Das machen Babies so. Die meisten sogar ohne Probleme, ein paar speicheln und kauen auf allem was sie in den Mund bekommen können herum und noch ein paar bekommen Rötungen, reagieren mit Unruhe und eventuell Fieber.

Wenn das Fieber ein Problem ist oder es wirklich Schmerzen haben sollte, habe ich etwas – Paracetamolzäpfchen kosten nicht mal 3 Franken die Packung.

Aber dafür … rufe ich nicht den Arzt an (kostet 80 Rappen), verlange dass er ein Rezept ausstellt (kurze Telefonische Beanspruchung: das verrechnet er der Mutter oder der Krankenkasse dann mit mindestens CHF 8.60), uns das per Fax schickt (80 Rappen), ich gebe das alles bei uns im Computer ein, UND muss das wahrscheinlich auch noch selber mit der Krankenkasse abrechnen (Arbeitszeit, einschicken etc.). Nur damit die Krankenkasse das dann – weil der selber zu bezahlende Anteil (die Franchise) nicht erreicht ist- wieder der Patientin in Rechnung stellt (auch wieder Arbeitsaufwand, diesmal von der Krankenkassenangestellten und Porto).

Aber Fieber war nicht mal das Problem – sie wollte dringend homöopathische Zahnungskügeli.

Okay – das zahlt die Krankenkasse gar nicht. Rezept oder nicht Rezept. Noch ein Grund weniger, dass ich dafür den Arzt anrufe und eines verlange. Auch wenn das mit 12 Franken teurer ist. Eine Krankenkasse ist eine Versicherung und keine Bank – und ich bin keine Angestellte der Krankenkasse sondern eine medizinische Fachperson.

Und wenn ich denke, wie lange das gebraucht hat, der anspruchsvollen Mutter das zu erklären, weshalb sie das selber kaufen kann (und muss, wenn sie es will), dass auch im Gesundheitssystem nichts „gratis“ ist und der Aufwand hier in keinem Verhältnis steht zu dem was rauskommt (Am Ende bezahlt sie es dann ja trotzdem selber) …  Puh.

Ein schönes Wochenende Euch, liebe Leser! Nützt Eure Frei-Zeit sinnvoll, wenn ihr nicht arbeiten müsst.