Richtig inhalieren

Auf dem Rezept per Fax steht ein Pari Inhalationsgerät. Das sind diese Ultraschallvernebler – früher waren die sehr beliebt, heute brauche ich weniger, aber wir haben noch.

Dar Patient ist leider in sehr schlechtem Zustand und kann das Haus nicht verlassen, seine Frau ist nicht viel besser dran, also bringt man ihm das Gerät und die Medikation dazu (Dospir Ampullen) noch am Morgen vorbei und erklärt die Anwendung gleich vor Ort.

Am selben Abend bekommen wir ein Telefon: „Das Gerät muss kaputt sein, wir kommen damit nicht zurecht, kann nicht nochmals jemand vorbeikommen das erklären?“

Leider kann ich das heute nicht mehr. Ich versuche herauszufinden an was es liegt.

Pharmama: „Was macht es? Läuft es?“

Mann: „Ja, es pumpt und es dampft – aber das hört ja gar nicht auf. Wie lange muss ich das machen?“

Pharmama: „Nun, was nehmen Sie zur Inhalation?“

Mann: „Nur die Dospir Ampullen. Das sind zweieinhalb milliliter.“

Pharmama: „Das sollte nicht so lange gehen … vielleicht maximal 15 Minuten bis alles verdampft und inhaliert wurde? Ich würde aber mindestens 10 Minuten inhalieren.“

Mann: „Sooo lange? Äh – ich schicke morgen noch meine Frau vorbei, dann können Sie das mit ihr zusammen anschauen.“

Hmmm. Seltsam.

Die Frau kommt am nächsten Tag nur mit dem Verbrauchsmaterial – Schlauch und Vernebler – in die Apotheke. Den eigentlichen Apparat hat sie zuhause gelassen … aber der funktioniert ja angeblich.

Ich erkläre also noch einmal, wie man den Vernebler öffnet, die Lösung einfüllt … (Dabei kommt mir ein Teil der Lösung, die noch drin ist entgegen, also hat er wirklich nicht fertig inhaliert) … dass man das nach dem inhalieren waschen soll mit Wasser und etwas Seife.

Frau: „Und wie geht das inhalieren?“

Also zeige ich ihr, dass man das Mundstück in den Mund nimmt und dann dadurch ein- und ausatmet. Aus Hygienegründen nehme ich es nicht in den Mund, aber ich tu so als ob.

Pharmama: „Wenn er nicht dadurch ausatmen will, kann er das auch daneben machen.“

Frau: „Und dann schlucken.“

Pharmama: „Schlucken? Nein, Sie atmen das ein – das ist eine Inhalation, das muss in die Lunge.“

Frau: „Ah!“

Ah. Das war das Problem. Offenbar hat er das in den Mund genommen und dann geschluckt. Mit entsprechend viel Luft … kein Wunder wollte er das nicht 10 Minuten lang machen.

Sollte ich fragen, ob er noch etwas gegen Bläungen will?🙂

Ich hab’s ihr dann so erklärt: „Das ist wie rauchen. Tief einziehen, einen Moment warten und dann ausatmen, und das dann machen, bis nichts mehr im Vernebler drin ist.“

Ich hoffe, das ist jetzt klar.

Pharmama in den Medien (8)

Manchmal ist es so in der Blogger-Welt: Da schreibt man einen Artikel über etwas, das einen bewegt hat … und der findet Anklang. So sehr, dass er schliesslich ausserhalb des Blogs landet – in den Printmedien.

So geschehen gerade eben mit dem Blogpost Isotretinoin-Rezepte und Frauen im gebärfähigen Alter.

Erst hat sich Medinside dafür interessiert, den Blogpost (so) auf ihrer Seite zu bringen, dann bekam ich eine Anfrage eines Journalisten, der das gelesen und vertiefte Informationen darüber wollte.

Und jetzt bin ich deswegen in der NZZ am Sonntag erwähnt:

isotretinoinnzz

Quelle: © NZZ am Sonntag; 28.08.2016; Ausgabe-Nr. 35; Seite 12

Interessant fand ich dabei, die Einschätzung des schweizerischen Apothekerverbandes, die die Häufigkeit dieser Rezepte (Isotretinoin als Grosspackung oder Dauerrezept bei Frauen) bei jeder dritten Verordnung schätzen – ich habe 4 von 10 geschätzt, also sind wir nicht so weit entfernt … und da spielen sicher gewisse regionale Unterschiede noch mit.

Und spannend: wie der Ärzteverband FMH reagiert:

Eine gründliche Aufklärung vor Therapiebeginn sowie die entsprechenden Untersuchungen werden durchgeführt und schriftlich festgehalten, ebenso monatliche Kontrollen im Therapieverlauf.

… wie sie die Kontrollen allerdings machen, wenn sie die Patientin nicht monatlich sehen (man erinnere sich: Grosspackungen und Dauerrezepte, da geht die nicht mehr unbedingt zum Arzt, bei uns zahlt man ja für jeden Besuch und gerade Termine beim Hautarzt brauchen manchmal 2-3 Monate, bis man einen hat), weiss ich nicht.

Auch schön: zudem sei die Abgabe von 100er Packungen nicht illegal. „Sonst wären sie verboten und somit nicht auf dem Markt erhältlich.“.

… ja – aber es gibt ja nicht nur Frauen, die 100er Packungen sind für Männer und vielleicht noch für Dosierungen gedacht, die nicht mit einer Kapsel alleine erreicht werden können, zum Beispiel wenn der Arzt 30mg verordnen will. (Es gibt 5mg, 10mg, 20mg und teils 40mg Dosierungen).

Ich finde es gut, wenn das Thema etwas bekannter wird. Ich hätte da noch ein paar ähnliche, die ich noch bringen muss. Clozapin-Verschreibungen zum Beispiel.

 

Merken

Buchsichtung auf der Aida!

Danke Leserin Marion, die mir das hier zukommen liess:
aidabuchsichtung
Als langjährige, treue Leserin deines Blogs habe ich mich sehr gefreut, dein Buch „Haben Sie diese Pille auch in Grün?“ in der Bord-Bibliothek zu finden. Bisher hatte ich nie Zeit und Gelegenheit, das Buch zu lesen, da war das perfekt (siehe Foto). Ich war überrascht, wie dick es doch ist und wie interessant es sich liest, auch wenn ich seit vielen Jahren dein Blog lese und einige der Anekdoten natürlich kannte. Ich habe es mir jetzt gleich noch als Ebook zugelegt.

Ist das nicht cool? Ich bin stolz wie bolle🙂

Ich warte ja immer noch drauf, dass ich mal jemanden das lesen sehe … ich denke, dann würde ich fragen, ob die Person vielleicht ein Autogramm will …

Nicht ganz so Gut-Scheine

Gutscheine sind immer wieder ein Thema. Wir haben Kundenkarten und gelegentlich bekommen die Leute Gutscheine als Bonus dafür, die sie dannbei uns in der Apotheke einlösen können beim nächsten Einkauf. Dann gibt es noch die Gutscheine, die sich in Heften und Zeitschriften (auch unserer eigenen) finden. Am döfsten finde ich die Gutscheine in öffentlichen Zeitungen, die einem versprechen, dass man damit in der Apotheke etwas gratis dazubekommt oder ein Muster dazu abholen kann … aber die Firma hat sich nicht die Mühe gemacht, die Apotheke darüber zu informieren, geschweige denn die Muster dazu geschickt.

Aber zurück zu unseren Gutscheinen:

Kundin: „Wann bekomme ich mal etwas für meine Kundenkarte?“

Ich schaue in ihr Dossier – eigentlich müsste sie schon mehrmals Gutscheine von uns bekommen haben, bei dem Umsatz. „Sie bekommen Gutscheine, tatsächlich sollten Sie schon ein paar bekommen haben.“

Kundin: „Habe ich nie!“

Pharmama: „Das ist seltsam. Bekommen Sie keine Post von uns?“

Kundin: „Schon, aber die sortiert mein Mann immer aus und wirft sie gleich weg. Er mag keine Werbung.“

Pharmama (nach innerlichem facepalm): „Da waren die Gutscheine drin. Sagen Sie ihrem Mann, dass er das nicht wegwerfen soll.“

Kundin: „Können Sie mir keine neuen dafür ausstellen?“

Pharmama: „Nein. Tut mir leid.“

Im gleichen Stil: nach dem Einkauf und beim Einkassieren.

Kundin: „Ich habe einen Gutschein – aber zu Hause.“

Pharmama: „Ich brauche ihn hier, um das abzuziehen.“

Kundin: „Können Sie nicht im System nachschauen wieviel das war und das dann machen?“

Pharmama: „Nein. Tut mir leid.“

Kundin: „Oh. Na dann halt nicht.“

Neuer Kunde, neues Glück. Manchmal auch nicht.

Ich zum Kunden: „Haben Sie eine Kundenkarte bei uns?“

Kunde: „Ja!“

Er gibt mir die Krankenkassenkarte.

Pharmama: „Nein, ich meine eine Kundenkarte – aber ich schau mal unter dem Namen nach.“

Ich finde nichts.

Kunde: „Vielleicht ist sie auch unter dem Namen meiner Frau?“

Ich schaue, finde aber keinen Frauenvornamen mit dem Familiennamen und erwähne das …

Kunde: „Ah, meine Frau heisst ...(total anders).

Immer noch nichts. So langsam wird es peinlich.

Kunde: „Aber ich habe zu Hause etwas zugeschickt bekommen!“

Pharmama: „Dann bringen Sie die Karte mit, mit den Namen, die sie mir bis jetzt genannt haben, finde ich nichts.“

Kunde: „Es war ein Gutschein.“

Mir dämmert was.

Pharmama: „In einer Zeitschrift? Das bedeutet nicht, dass sie bei uns auch eine Kundenkarte haben.

Kunde: „Aber ich kaufe immer hier ein!“

Pharmama: „Oh gut . dann würde sich eine Kundenkarte wirklich für Sie lohnen. Ich stelle ihnen eine aus, okay?“

Online Apotheken beliefern gefälschte Rezepte

Dass in Deutschland für Online-Apotheken offenbar andere Gesetze gelten als die Vor-Ort Apotheken merkt man noch relativ schnell – und ich spreche hier nicht einmal von denen, die sich ausserhalb der Landesgrenzen befinden, oder denen, die ihre Produkte aus Asien schicken (häufig gefälschte Medikamente).

Während auch wir hier bei Medikamenten, die abhängig machen oder bei falscher Anwendung unangenehme bis gefährliche Nebenwirkungen haben können (wie Nasenspray oder Schmerzmittel) nur jeweils eine oder zwei Packungen für die Person abgeben, darf man das in den Online Apotheken offensichtlich in 10er Grosspackungen bestellen.

Während wir Notdienst anbieten müssen, Rezepturen herstellen und jederzeit für Fragen um die Medikamente da sind, haben Online Apotheken Geschäfts-Öffnungszeiten, es ist okay, wenn es ein paar Tage dauert, bis es kommt – und Rezepturen machen sie auch nicht. Beratung findet nur statt, wenn der Patient selber aktiv wird uns (von 9-12 und 14-17 Uhr oder so) anruft.

Während bei uns vorgeschrieben ist, dass beim Rezept abgeklärt wird, ob es nicht gefälscht ist: Der richtige Patient, der richtige Verschreiber und das richtige Medikament … scheint auch das bei Online Apotheken nicht so zu sein: Testbericht.de hat 10 online Apotheken getestet, indem sie mit Rezeptvordrucken, Stempel von falschen (nicht vorhandenen)  Ärzten rezeptpflichtige Medikamente bestellt hat. Nachzulesen hier: https://www.testbericht.de/publikationen/10-online-apotheken.html.

Die Ergebnisse finde ich verheerend: 8 von den 10 Apotheken (willkürlich ausgewählt, darunter auch so bekannte wie docmorris, pharmeo, medpex) haben die Rezepte anstandslos beliefert.

Bestellt wurden Medikamente wie Viagra, Dolomagon, Deltaran, Losartan, Lorazepam, Vigil, Modafinil, Fluoxetin, Gabapentin und Hydrocortison. Alles aus gutem Grund rezeptpflichtige Medikamente, viele davon missbrauchgefährdet.

Bei 3 Online Apotheken konnte mit dem erfundenen Kundennamen auch auf Rechnung bestellt werden.

Nur 2 Online Apotheken haben die Testperson nicht beliefert: vitalix24 und apomagic. Diese beiden haben sich offenbar die Mühe gemacht nachzuschauen, ob es die Ärzte überhaupt gibt.

Wie kann so etwas sein?

Es handelte sich hier um Privatrezepte, für die keine Formvorschriften gelten wie für die Kassenrezepte. Das wären bei uns in der Schweiz übrigens so ziemlich alle Rezepte: ausser bei den Betäubungsmittelrezepten gibt es auch bei uns keine „offiziellen“ Rezeptformulare, wodurch wir alles sehen: A5, A4, Fresszettel, handgeschrieben, Computerausdrucke, gemischte …. Die normale Apotheke in Deutschland kann schon Probleme bekommen, wenn schon nur die Telefonnummer des Arztes nicht auf dem Rezept ist und muss erkennen können, dass es sich vielleicht um eine Fälschung handelt – vor allem bei den Rezepten, die den Krankenkassen eingeschickt werden, aber theoretisch auch sonst. Und hier reden sich die Online Apotheken heraus mit ebenden fehlenden Vorschriften bei Privatrezepten. Es sei nicht möglich alle auf ihre Herkunft zu prüfen. Man habe auch keine zentrale Datenbank aller verschreibungsberechtigten Personen (weder von Deutschland, noch der EU – deren Rezepte in Deutschland ja auch gelten müssen) und die Prüfplicht ende ja nicht bei den Pharmazeuten sondern bei den Kostenträgern (Und wenn das nicht der Krankenkasse eingeschickt wird, sondern selber bezahlt macht das denen ja nichts?).

Einige weisen darauf hin, dass es deshalb entweder Formular-Vorschriften auch für Privatrezepte brauche … oder nur noch die elektronische Verschreibung. Damit bin ich nicht ganz einverstanden.

Am besten gefiel mir die Antwort von apomagic (eine der 20%, die das Rezept nicht beliefert haben):

Versuche, mitttels gefälschter Rezepte verschreibungspflichtige Arzneimittel, auch Psychopharmaka oder Schlafmittel zu bestellen, sind leider nicht selten. Leider ist nicht auszuschließen, dass einzelne Versandapotheken hier nachlässig arbeiten. Dabei mögen sich widersprechende Interessen eine Rolle spielen. Der Gesetzgeber muss überlegen, ob ein Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel in dieser Form gewollt und sinnvoll ist.

In der Schweiz wird der Medikamentenversand übrigens so eingeschränkt, dass auch für rezeptfreie Medikamente ein Rezept vonnöten ist. Und seit neuerem darf das auch nicht ein Arzt (zum Beispiel in der Versandapotheke selber) nach Ausfüllen eines einfachen Fragebogens im Internet ausstellen – er muss zuvor direkten Kontakt mit dem Patienten gehabt haben. Rezeptkopien dürfen Versandapotheken auch nicht annehmen – und ausländische Rezepte sind in der Schweiz nicht gültig.

 

Isotretinoin Rezepte und Frauen im „gebärfähigen Alter“

Die junge Frau (im Fachjargon wäre das: „Frau im gebärfähigen Alter“- und ich erwähne das nur, weil das für viele medizinische Belange noch wichtig ist, wie auch für diesen hier …) kommt in die Apotheke mit einem Rezept für Isotretinoin Kapseln 10mg.

Netterweise hat der Arzt sich für einmal an die Vorschriften gehalten und der Frau (etwa 20jährig) tatsächlich nur eine 30er Packung aufgeschrieben. Ehrlich, langsam nervt das, dass ich da inzwischen fast immer (!) Dauerrezepte und Packungen zu 100 Stück sehe. In der Packungsbeilage und Fachinformation steht deutlich drin, dass man bei diesem Medikament bei Frauen im gebärfähigen Alter (… was ja heute eine Spanne von was? 14 bis nach 50 umfassen kann) jeden Monat eine ärztliche Kontrolle machen muss vor dem Ausstellen eines neuen Rezeptes – sie darf wirklich nicht schwanger werden. Der Wirkstoff ist teratogen, macht also Missbildungen.

Wenn man das mit den (nicht erlaubten und trotzdem immer wieder ausgestellten) Dauerrezepten für Frauen weiss, dann verwundert es vielleicht etwas weniger, dass im letzten Jahr (2015) in der Schweiz 15! Frauen unter Isotretinoin schwanger wurden.  5 haben die Schwangerschaft freiwillig abgebrochen, 2 hatten Spontan-Aborte, ein Kind kam zu früh und mit Missbildungen zur Welt, 1 zur Normalzeit mit Missbildungen, beim Rest ist unbekannt, wie es ausging. Auch 2014 waren es 13 Frauen die unter Isotretinoin schwanger wurden (2012 waren es noch 5)  Quelle: Vigilance News 12-2014

Meiner Meinung nach ist da jede einzelne zuviel. Deshalb habe ich Anfang Jahr an die schlimmsten Verschreiber (was das angeht) einen Informationsbrief geschrieben … könnte ja sein, dass sie nicht wissen, dass das nicht wirklich legal ist, was sie da machen mit den Dauerrezepten für Isotretinoin. Zumindest sollten sie dann auf dem Rezept eine Notiz machen, damit ich weiss, dass die Problematik bekannt ist, die Patientin genügend aufgeklärt und ich das wirklich als Dauerrezept abgeben soll. Ein einfaches „!“ oder „sic“ reicht mir dafür. Ausserdem habe ich sie darauf hingewiesen, dass ich auch dann keine grossen (100er) Packungen abgebe, sondern nur monatlich eine 30er Packung – so dass ich zumindest die Gelegenheit habe nachzuprüfen und zu wiederholen, dass sie nicht schwanger sein oder werden darf, wenn sie das nimmt. Gerade mal ein Arzt hat darauf reagiert … und das war noch derjenige, der das am wenigsten macht … wir hatten einfach die eine Kundin, der er das Medikament nicht selber mitgibt jeden Monat.

Aber ich schweife ab. Das Rezept hier war okay, die Kundin wusste um die Anwendung und auch dass sie nicht schwanger werden darf, was sie mir grad mit der nächsten Frage nochmals bewies …

„Könnte ich grad noch eine Packung (Pille zum Verhüten) haben? Ich habe aber kein Rezept dabei – ich habe das zu Hause vergessen.“

Gut, sie hatte diese Pille schon einmal bei uns, aber unter den Voraussetzungen hätte ich das garantiert auch so gegeben.

 

Eines für alles – Multitalent Cortison

Die Mutter reicht mir ein Rezept vom Hautarzt für ihr Kind, ein kleines Mädchen. Ich suche die Sachen zusammen und schreibe es entsprechend den Vorgaben des Haut-Arztes an:

Clarelux Schaum – 1 x täglich auf Stellen der Kopfhaut auftragen.

Dermovate Salbe – 1 x täglich auf Stellen an den Beinen auftragen.

Optiderm Creme – 2-3 x täglich auf die Beine auftragen (nach Diprogenta).

Ich erkläre ihr die Produkte und die Anwendung bei der Abgabe.

Alles gut und sie geht.

Ich ziehe mich ins Büro zurück um ein paar verwaltungstechnische Sachen zu erledigen (Arbeitspläne schreiben gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, muss aber auch erledigt werden). Ich gehe mit Konzentration an die Sache weshalb ich die Zeit nicht sagen kann, die vergangen ist, als auf einmal unser Drogist Urs vor mir steht:

Urs: „Du hattest doch vorher eine Patientin mit dem da.“

Er zeigt mir den Schaum und die Dermovate Salbe

„… und jetzt ist der Vater da und hat eine Frage.“

Hmm, seltsam. Ich dachte eigentlich, das war ein ziemlich einfaches und deutliches Rezept und ich habe doch alles auf die Dosierungsetikette geschrieben …?

Ich gehe nach vorne.

Der Vater deutet auf die Produkte unter meiner Nase: Dermovate und Clarelux

Vater: „Da steht drauf, das ist für den Kopf.“

Pharmama: „Ja?“

Vater: „Und da steht drauf, das ist für die Beine.“

Pharmama: „Ja.“ (?)

Vater: „Aber das kann nicht sein.“

Pharmama: „Weshalb?“

Vater: „Da ist bei beiden dasselbe drin.“

Das stimmt sogar, bei beiden ist es Clobetasol – wie das neu ja auch schön gross auf der Packung steht. Ein Cortison.

Pharmama: „Ja. Und?“

Vater: „Aber sie hat verschiedene Sachen auf dem Kopf und an den Beinen, das ist nicht dasselbe.“

Pharmama: „Für was braucht sie es auf dem Kopf?“

Vater: „Sie hat so Haarausfall an runden Stellen.“

Pharmama: „Ja – kreisrunder Haarausfall, das ist auch für das.“

Vater: „Und an den Beinen hat sie an einer Stelle so rote, schuppige Haut.“

Pharmama: „Ja, wahrscheinlich ein Ekzem? Das ist auch dafür.“

Vater: „Aber … kann das sein?“

Pharmama: „Ja. Der Wirkstoff ist ein Cortison.“

(geschockter Blick vom Vater – wieso ist das immer noch so verrufen? Ich kenne keinen einzigen Fall in den bald 20 Jahren Apotheke, der von Kortison aufgetragen oder gar eingenommen üble Nebenwirkungen gehabt hätte. Und trotzdem ist das noch so in den Köpfen der Leute.).

„Das ist ein sehr wirksames Mittel gegen alle Arten von Entzündungen und Hautveränderungen aufgrund vieler Ursachen.“

Vater: „Dann ist das wirklich gegen beide Probleme – derselbe Wirkstoff?“

Pharmama: „Ja. Und es sind verschiedene Mittel, da man Salbe nicht so gut in die Haare schmieren kann: das verfettet alles, deshalb ist das eine ein Schaum.“

Vater: „Okay … Tut mir leid für die Störung!“

Pharmama: „Kein Problem.“

Er nimmt die Produkte und geht wieder.

 

Jaaa … Hautärzte. Die verschreiben sehr gerne Kortisonhaltige Mittel … ich meine, ich versteh’s ja. Ein Multitalent und sehr wirksam mit meist schnellem Effekt. Vielleicht sollten sie es aber noch ein bisschen besser erklären, was sie da verschreiben.

Kontakt(linsen)-Probleme in der Apotheke

Ich habe ja eine Brille, gelegentlich trage ich auch Kontaktlinsen, allerdings hauptsächlich in den Ferien, wo die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist und ich sie auch nicht mindestens 8 Stunden drin haben „muss“, was ich als ziemliche Qual empfinde, da sie meine Augen sehr austrocknen. Diese Ferien habe ich es wieder mal versucht – hauptsächlich weil ich im Pool und Meer nicht gut die Brille anhaben kann – und auch diesmal musste ich sie nach kurzer Zeit wieder abziehen. Was … mir bei der einen mehr Probleme bereitete, als gewohnt. Die eine wollte einfach nicht. Immer wieder „flutschte“ sie in Form und aufs Auge zurück. Ziemlich nervig, vor allem wenn man bedenkt, dass sie erst nicht rein wollte und das schon ein paar Versuche gebraucht hat.

Aber … ich habe sie rausbekommen. Und mich dabei an die Frau erinnert, die ich vor den Ferien in der Apotheke hatte. Wie konnte ich die Begegnung vergessen?

Eine Frau, Mitte 20 mit patsch-rotem Auge, in dem so ziemlich jedes Äderchen sichtbar ist kommt in die Apotheke.

Frau: „Könnten Sie mal schauen ob meine Kontaktlinse noch drin ist? Ich weiss es nicht.“

Der Lehrling zieht mich bei – ich werfe ein Blick auf das rote Auge und beschliesse, dass das einiges über das herausgeht, was man noch mit unseren Mitteln behandeln kann. Ich schaue auch genau in ihr Auge, aber ich sehe ausser rot gar nichts.

Pharmama: „Tut mir leid, ich kann nicht sehen, ob da noch eine Kontaktlinse drin ist oder nicht, aber mit der Entzündung würde ich das jemandem zeigen, der mit professionellen Mitteln ins Auge schauen kann.“

Frau: „Was das sehen sie nicht? Das kann man sehen, wenn man genau hinsieht. Im anderen Auge habe ich eine Linse drin, die sehen Sie ja auch!“

Pharmama: „Ja, die sehe ich – im anderen Auge sehe ich nichts, das ist wahrscheinlich zu rot. Wissen Sie denn nicht selber, ob da eine drin ist oder nicht?“

Frau: „Nein. Am Anfang dachte ich nicht, aber nach einer Weile hatte ich das Gefühl als ob, wenn man blinzelt und so tut das fast weh … können sie das nicht sehen?“

Pharmama: „Nein, wie gesagt. Ich würde damit auch zum Arzt gehen. Jetzt. Die Linse kann auch nicht mehr vorne sein, die kann sich verschoben haben unter die Augenlider. Und wie gesagt, das rot sieht gar nicht gut aus. Gehen sie zum Arzt das zeigen.

Frau:„Ach, das ist nur rot, weil ich darin herumgegusselt habe um die Linse eventuell zu finden. Könnten Sie mir nicht versuchen das rauszunehmen?“

Pharmama: „Ich sehe sie nicht. Ich werde ihnen sicher nicht auch noch ins Auge fassen, vor allem wenn ich nichts sehe. Ausserdem sieht das auch nach einer grösseren Entzündung aus.“

Frau: „Sie sind auch gar keine Hilfe. Haben Sie mir dann vielleicht ein paar lindernde Tropfen?“

Sie ist wirklich der Typ, wo man besser nichts gibt, weil sie ansonsten nicht zum Arzt geht. Also …

Pharmama: „Wenn Sie dafür ein Rezept vom Arzt bringen.“

Frau: „Aber ich bin zu ihnen gekommen, weil ich nicht zum Arzt will.“

Pharmama: „Und ich sage ihnen, es ist nötig, dass sie gehen. Gleich.“

Ich weiss nicht, ob sie dann gegangen ist. Ich hoffe es. Es gibt beim Auge Infektionen, die sehr schnell verlaufen können und bei denen man tatsächlich blind werden kann, wenn man nichts macht.

Halbzeit

nur kurz die Meldung: es gibt uns noch und uns geht’s gut. Ich hoffe Euch auch?

image.png

Ferienmodus

Die nächsten 2 Wochen bin ich weg – Sonne, Sand und (Mittel-)meer. Deshalb wird es hier wieder etwas ruhig … ihr kennt das schon.

Happy

Eventuell gibt es ein paar Bilder auf Instagram – und wer mich vermisst, darf sich gerne durch den Blog lesen – quer oder auch kreuz und quer mit der Zufallsfunktion in der rechten Seitenleiste.

Euch einen schönen Sommer und bis bald!

Und meinen Mitschweizern einen guten 1. August!

Genau das, was ich im Spital hatte!

Die etwas schwierige Patientin (Frau Chatterer: multimorbid, allergisch gegen fast alles, viele Medikamente) kommt aus dem Spital zurück mit einem Rezept für ihre offenen Hautstellen. Sie ist ziemlich übergewichtig und hat häufiger Hautprobleme, vor allem in den Hautfalten, wo sich im Sommer die Wärme staut und wenn man schwitzt, sich oft entzündet. Wegen dem ist sie nicht im Spital gewesen, aber das haben sie da mitbehandelt. Offenbar gut.

Auf dem Rezept steht eigentlich nur: Vliesstoffkompresse, 20×20 cm

Einfach genug, sollte man denken. Aber …

Frau Chatterer: „Es muss aber genau das sein, was drauf steht. Das, was ich dort hatte.“

Pharmama: „Diese Grösse sehe ich nicht. Das Grösste, was ich bestellen kann sind 10x20cm“

Frau Chatterer: „Dann nehmen sie die, ich hätte die anderen sowieso zusammengelegt. Aber es müssen ganz weiche sein!“

Pharmama: „Das sind die Vliesstoffkompressen: weich.“

Wir bestellen ihr die auf den nächsten Tag und bringen sie – denn sie ist nicht sehr gut zu Fuss und geht nicht gerne aus der Wohnung.

Am mittag kommt das Telefon von Frau Chatterer: „Das sind nicht die richtigen Kompressen!“

Pharmama: „Das sind Vliesstoffkompressen – wie der Arzt das verschrieben hat.“

Frau Chatterer: „Ja, aber das sind nicht die, die ich im Spital gehabt habe – die waren besser. Und grösser. Es muss genau die sein, die sie im Spital benutzt haben. Könnten sie nicht anrufen und fragen, was die dort nehmen?“

Ich versuche es. Wer meinen Blog liest, weiss, wie ungern ich mit dem Spital telefoniere.

Nach einigem Weiterverbinden lande ich auf der Station, auf der sie war. Ich bitte darum, in den Unterlagen nachzusehen, was das gewesen ist, aber bekomme nur die Auskunft, dass sie das Pflegematerial da nicht einzeln auflisten und sie mir das deshalb nicht sagen können. Nein, nicht mal, was sie so „allgemein“ verwenden.

Ich rufe der Patientin an, die mit der Auskunft … nicht so zufrieden ist.

Frau Chatterer: „Dann fragen sie doch den Arzt, den ich am Schluss hatte. Der hat das auch verwendet. Ich weiss noch, dass er sie immer von oberhalb des Lavabos genommen hat, da muss er dann nur rasch nachschauen, was das war.“

Sie gibt mir den Namen des Arztes und ich versuche es noch einmal.

Ich bekomme ihn tatsächlich ans Telefon und frage.

Fängt er tatsächlich an etwas herumzudrucksen.

„Ja, die Kompressen, die wir für zwischen die Hautfalten gebraucht haben … die habe ich von dem Schränkchen in der Toilette. Das sind so Tücher, die … ah … eigentlich zum reinigen des Lavabos verwendet werden …“

Pharmama: „….“

„Das ist ah – Reinigungsmaterial?“

Arzt: „Ja. Das kann man nicht verschreiben, deshalb habe ich die Vliesstoffkompressen aufgeschrieben.“

Pharmama: „Oookay. Danke für die Auskunft.“

Die gebe ich weiter – etwas entschärft. Und dass wir das nicht bestellen können, weil „Spezialmaterial“ fürs Spital.

Frau Chatterer: „Dann nehme ich halt weiterhin Papiertaschentücher wie vorher. Das geht auch.“

Na dann …

Alte Röntgenbilder

Letzthin wurden uns in der Apotheke eine ganze Menge Röntgenbilder von jemandem gebracht … zum entsorgen. Das haben wir – aber vorher habe ich sie mir durchgesehen. Ich finde das interessant. Ich erkenne zwar sehr wenig, aber dass beim einen Kniegelenk ein (wohl störender) grösserer Buckel im Gelenkzwischenraum war und auf einem anderen Foto ein Teil abgesplittert war, das konnte auch ich sehen. Wenn das meine Bilder wären, hätte ich sie wohl behalten, vielleicht kann man die später zum Vergleich brauchen. Die Frau, die sie gebracht hat (und von der die Bilder sind) ist auch noch nicht so alt, dass sie das sicher nicht mehr braucht, aber … ihre Entscheidung. duckyxrayAber das Bild vom Knie hat mich an die (interne) Weiterbildung eines Nahrungsergänzungsmittels bei Knorpelproblemen erinnert, der stolz von seinen eigenen Fortschritten damit erzählt hat und auch Vorher- und Nachher-Bilder seines Knies zum anschauen dabei hatte. Interessanterweise gingen die Bilder bis zur Hüfte, so dass auf beiden ein positives Throckmorton-Zeichen gut sichtbar war.  Vielleicht war das aber auch Absicht … er sollte sich bewusst sein, dass er seine Vorträge in Apotheke und Drogerie vor zumeist weiblicher Belegung macht.

Gefälschte Rezepte

Merke:

Die Wahrscheinlichkeit eines gefälschten Rezeptes ist direkt proportional zur Zeit an der man schliesst – oder zu der Zeit, in der der Arzt sicher nicht erreichbar ist.

Gefälschte Rezepte, darüber habe ich schon ein paar Mal geschrieben:

Warnung vor schweizweitem Rezept Betrüger – gefälscht.

Gefälscht und verfälscht: Rezepte (mit meinem ersten gefälschten Rezept)

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – wirklich

Gefälschte Rezepte – und eine Bitte an die Ärzte Rezeptblöcke nicht herumliegenlassen!

Was ist hier falsch? Sehr plump. Angeblich weiss sie nicht, dass das nicht geht …

Comic Rezeptfälschung

heilsamer Schreck Rezepte fälschen oder verfälschen ist Urkundenfälschung und kann bestraft werden.

aus Amerika: die böse Apothekerin liess mich verhaften?!

Was denkt ihr? – nicht nur ein altes Rezept. Auflösung: Das seltsame Rezept

Was haltet ihr davon? – und dazu gehörend: Das verdächtige Rezept

indirekt auch das: Das ist kein Betäubungsmittelrezept. Das auch nicht, nein.

Auf der Sperrliste – das kann auch passieren, wenn man Rezepte fälscht.

Aber heute will ich von Euch wissen: habt Ihr Geschichten dazu? Was war Euer erstes / Euer auffälligstes / Euer erinnerungswürdigstes gefälschtes Rezept?

Erzählt es mir!

Apotheken als Pokestops?

Nicht ganz sicher, ob das eine Ente ist (Sommerloch lässt grüssen): apotheke adhoc meldet, dass die ABDA (der deutsche Apothekerverein) einen Deal mit Nintendo geschlossen hätte und alle Apotheken Pokestops werden sollen … Leider finde ich keine Quelle und keinen anderen Link dafür. Kann das jemand bestätigen?

pokestopapotheke

Bei uns in der Apotheke ist auch das Pokémon go – Fieber ausgebrochen und die halbe Belegschaft spielt das … allerdings auf dem Arbeitsweg und nicht in der Apotheke selber. Wir haben zwar einen Pokestop in relativer Nähe, aber direkt in der Apotheke – ich glaube das wäre keine wirklich gute Idee. Auch wenn ich Taubsi- und Rattfratz jagende Spieler momentan lustig finde.

Im Bild sieht man die Pokestops (die blauen Würfel), einen aktivierten Pokestop (das violette Ding, vor dem unsere Spielfigur steht) und zwei Arenen: die grösseren Gebilde. Die Farben zeigen, welches Team die Arena gerade hält: rot, blau oder gelb.

Mein Lieblingspokemon ist das Evoli – auch weil es so unglaublich wandelbar ist. Inzwischen sind wir auf Level 14 – Junior und ich gehen gelegentlich zusammen raus laufen und jagen … und seitdem hat er sich nicht mehr beklagt, wenn er länger laufen muss.  Das ist ein positiver Aspekt von dem Spiel: man muss raus. Dann finde ich es ja toll, dass man die Pokemon nicht verliert, wenn man trainiert oder kämpft (nur in den Arenen möglich) und dass es von Vorteil ist, wenn man gemeinsam spielt – mehrere an einem Pokestop oder Arena.

Spielt ihr? Welches Level? Welches ist euer liebstes / stärkstes Pokemon? Und: was ist der seltsamste Ort an dem ihr eines gefangen habt? Demnächst in der Apotheke??

 

%d Bloggern gefällt das: