Von Zuckerpillen und Verschreibungspraktiken

Es hat etwas seltsames, wenn Ärzte Zuckerpillen verschreiben – fand auch Ben Goldacre von Bad Science. Er hat Zugriff auf OpenPrescribing.net, ein Statistik-Tool das Daten sammelt und teilt über alles, was von den Allgemeinärzten in England verschrieben wird. Dank dem sind sie in der Lage die Verschreibungsgewohnheiten zu analysieren – auch in Hinsicht auf deren Effektivität, Einhaltung von Sicherheitsmassnahmen und Kosten-Effektivität. So kann zum Beispiel angeschaut werden, ob die Ärzte Methotrexat „sicher“ verschreiben; oder ob der Arzt ungewöhnlich viele der neuen teuren Statine (Cholesterinsenker) verschreibt, die nicht besser sind als die günstigen Statine. Oder ob die Empfehlungen zur Verschreibung von Antibiotika umgesetzt werden. So wissen sie auch welche Allgemeinärzte Homöopathie verschreiben. Und sie wollten wissen, ob es da einen Unterschied gibt zu den Ärzten welche keine Homöopathie verschreiben.

Is use of homeopathy associated with poor prescribing in English primary care? A cross-sectional study

Für die Studie wurden Arztpraxen identifiziert, die in den 6 Monaten zwischen Dezember 2016 und Mai 2017 Homöopathische Mittel verschrieben haben. Dann wurde geschaut, ob es einen Zusammenhang geben würde mit 4 Verschreibungs- und 2 Praxis-Qualitäts-Indikatoren.

In kurz: In der Meta-Auswertung wurde festgestellt, dass Allgemeinärzte die Homöopathie verschrieben auch eine grössere Wahrscheinlichkeit haben schlechter in Evidenz-basierter Medizin zu sein.

Conclusions:

Prescribing homeopathy is rare within NHS primary care, but even a low level of prescribing is associated with poorer practice performance on a range of standard prescribing measures. This is unlikely to be a direct causal relationship; it is more likely to reflect deeper underlying features of practices that are harder to measure, such as the extent of respect for evidence-based practice, or the quality of team-work around optimising treatment while managing the prescribing budget.

In etwa: Das Verschreiben von Homöopathie ist selten in der Grundversorgung in England, aber selbst bei dem niedrigen Level ist eine Assoziation mit schlechterer Praxis-Leistung bei einer Reihe von Standard-Verschreibungs-Massnahmen ersichtlich. Das ist wahrscheinlich nicht aufgrund einer direkten kausalen Verbindung, es wiederspiegelt eher tiefere zugrundeliegende Eigenheiten der Praxen die schwerer zu messen sind, wie dem Ausmass des Respektes für Evidenz-basierte Medizin oder der Qualität der Teamarbeit um die Verbesserung der Behandlung während man gleichzeitig das Verschreibungsbudget managt.

Zugegeben: da wird jetzt schon recht wenig Homöopathie verschrieben von den Ärzten in England. Selbst bei den «Viel-Verschreibern»: nur 19 Arztpraxen in ganz England, die in den 6 Monaten mehr als 20 homöopathische Mittel verschrieben … und mehr als die Hälfte der 644 (nämlich 363) haben nur ein einziges Mittel verschrieben.

Aber die Statistik-Datenbank OpenPrescribing mit den Empfehlungen finde ich interessant.

Zum Beispiel das mit den Statinen und den Empfehlungen des NHS:

Bei der Behandlung von hohen Cholesterinwerten gibt es die Empfehlung Statine zu verschreiben, die sowohl weniger kosten also auch das Cholesterin um mindestens 40% senken können. Diese Statine (wie Simvastatin oder Atorvastatin) sind geeignet für die Mehrheit der Patienten.

Auf der Seite sieht man auch die Auswertung der einzelnen Praxen – rote Linie im Vergleich zum Mittelwert (plus Abweichungen) … der Mittelwert deshalb als «Ziel», weil etwa 50% schon so oder besser verschreiben.

Das gibt dann so nette Auswertungen wie die:

If it had prescribed in line with the median, this CCG would have spent £166,171.39 less over the past 6 months. If it had prescribed in line with the best 10%, it would have spent £236,327.89 less.

Diese Praxis hätte also über 166’000 Pfund sparen können in den letzten Monaten

Zurück zur Homöopathie, dort steht:

Why it matters: In 2010 House of Commons Science and Technology Committee found that the use of homeopathy was not evidence-based, and any benefits to patients was due to placebo effect.

Dazu passt der (furchtbar geschriebene und von Fehlern strotzende) Artikel vor ein paar Tagen im Blick am Abend: Homöopathie kostet viel aber bringt nichts: die Globuli Illusion

Ja – die Krankenkasse übernimmt in der Schweiz Homöopathische Medikamente. Leider. Aus der Grundversicherung. Ich bin immer noch der Überzeugung: da gehören sie nicht hin! Übernehmt das doch via die Zusatzversicherung – da können die Kassen es sich auch leisten: damit machen sie jährlich Millionenüberschüsse. In der Grundversicherung ist Sparen angesagt und sollte für Sachen mit Wirksamkeitsnachweis reserviert sein.

Und jetzt hoffe ich, dass ihr mich nicht kreuzigt. Mir ist bewusst, dass es einige gibt, bei denen Homöopathie (aus welchem Grund auch immer) funktioniert (hat). Ich selber kenne aber kaum Erfolgsgeschichten und keine konsistent reproduzierbaren Resultate. Und nur „Probier’s mal“ reicht (mir) nicht.

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Da können Sie noch was lernen!

In der Apotheke arbeiten nicht nur Apothekerinnen (ja, ich verwende zur Vereinfachung die weiblichen Bezeichnungen, aber die Männder sind immer mitgemeint), Pharmaassistentinnen sondern (hier) auch Drogistinnen und Lehrlinge. Die Apothekerinnen haben die umfangreichste Ausbildung nicht nur in der Anwendung der Medikamente, sondern auch (und immer mehr) beim Erkennen von Krankheiten und Gesundheitsproblemen. Aber wir sind keine Ärzte. Wir erkennen die häufigen Probleme, müssen aber dabei nur mit dem was wir in der Apotheke meist ohne etwelche Geräte sehen können oder was wir von dem Patien von der Vorgeschichte erfahren können arbeiten. Deshalb sind alle Mitarbeiter angehalten eine Apothekerin zuzuziehen, vor allem, wenn es ihre Kompetenzen übersteigt. Andererseits arbeiten hier auch Leute mit viel Erfahrung … deren Wissen man nicht unterschätzen sollte, auch wenn nicht „Apothekerin“ auf dem Namensschild steht.

Ich bin gerade beschäftigt mit einem Arzttelefon wegen angezeigter starker Wechselwirkung: Kontraindikation zweier Medikamente als Donna, langjährige und erfahrene Pharmaassistentin, zu mir kommt.
Sie schaut schon etwas entschuldigend drein. Nicht weil sie stört, sondern weshalb.
Donna: „Ich habe da eine Kundin, eine ältere Frau. Sie sagt, sie hat Schmerzen und will wissen, was sie hat. Sie will aber nicht zum Arzt.“
„Moment – (bin grad am Telefon am warten). Wie lange hat sie Schmerzen und wo?“
„An den Gelenken und … sie sagt, schon lange … seit Monaten.“ Wieder dieser entschuldigende Blick.
„Ja – umm, das hört sich nach einem eher chronischen Problem an. Aber was genau es ist – wie will ich das sagen? Das gehört zu einem Arzt.“
„Ja, das habe ich mir gedacht, aber … sie will unbedingt, dass die Apothekerin sich das ansieht.“
„Ich komme gleich, wenn ich hier fertig bin.“
…¨
Die ältere Frau – tatsächlich ist das eher eine alte Frau: Ich schätze an die 80 Jahre, ruft aus, kaum dass sie mich sieht:

„Ah, die Apothekerin! (Und zu Donna): Jetzt können sie noch was lernen!“

Leider dann doch nicht. Bei der Befragung durch mich kam nichts neueres heraus. Die Frau hat seit Monaten (oder Jahren) zunehmend Gelenkschmerzen. Ansonsten ist sie erstaunlich gesund und fit, weshalb sie mindestens ebenso lange nicht mehr beim Arzt gewesen ist. Zu dem will sie jetzt auch nicht. Ich vermute Abnützungserscheinungen als Alterserscheinung, aber wenn sie das genau wissen will – und etwas gegen die Schmerzen, das sie länger anwenden darf – dann sollte sie zum Arzt.
Etwas enttäuschend, nicht wahr?
Und Donna hat ihr schon genau dasselbe gesagt.

Double Trouble

Eine nette ältere Frau in der Apotheke, nachdem sie von mir ihr Medikament auf Rezept bekommen hat (eine total alltäglich Transaktion) habe ich etwas Zeit und frage sie, wie es ihr geht. Irgendwie scheint sie mir etwas … neben den Schuhen zu stehen.

Da bröckelt ihre bis dahin gut aufrechterhaltene Fassung. Ihre Augen werden tatsächlich etwas feucht, als sie mir das erzählt:

„Nicht so gut. Gestern wurde mir das Portmonne geklaut auf der Strasse und als ich dann zu Hause war habe ich das gemerkt. Ich dachte erst, ich hätte das verloren und habe es gesucht.“

Pharmama: „Ja, das kenne ich, da bekommt man wirklich einen Schreck.“

Frau: „Und dann habe ich einen Anruf bekommen von der Polizei.“

Pharmama: „Wegen dem Portmonee?“

Frau: „Das dachte ich Anfangs. Er hat gesagt, er sei von der Polizei (Kanton) und dass mein Geld bei mir nicht sicher sei …“

Pharmama: „Uh …“

Frau: „Da habe ich ihm gesagt: das habe ich gemerkt, mein Portmonee mit dem ganzen Geld von der AHV drin wurde mir gerade geklaut! Davon wusste er aber nichts. Ich habe gefragt, ob ich bei ihm grad die Anzeige machen kann …“

Kleiner Einschub: Die Polizei ruft einen nicht an, um zu sagen, dass das Geld bei einem nicht sicher ist … und empfiehlt dann ihnen das Geld zur Sicherheit persönlich zu übergeben. Das wäre wahrscheinlich als nächstes gekommen. Es ist eine Betrugsmasche, von der ich schon gelesen habe.

Frau: „Aber er hat gesagt, das könne ich nicht! Dann hat er einfach aufgehängt! Dann bin ich auf den Polizeiposten. Die haben gesagt, von ihnen hat niemand angerufen und dass so Anrufe auch nicht von ihnen kommen.“

Au ja. So wie es sich anhört, hat derjenige, der da angerufen hat, gemerkt, dass da (diesen Monat) nichts mehr zu holen ist und es deswegen aufgegeben. Oder er hat sein Gewissen gefunden … Die Polizei scheint sie aber aufgeklärt zu haben. Nicht dass sie da nochmals Opfer wird.

😦

 

Blogdesign? Hilfe?

Ich bin am überlegen, das Design meines Blog anzupassen / zu ändern.

Bevor ich das aber mache, habe ich ein paar Fragen an Euch, meine lieben Leser. Ich wäre Dankbar, wenn ihr Euch ein paar Minuten Zeit lassen würdet, sie mir zu beantworten.

WordPress schaltet Werbung – ich habe festgestellt / gehört, dass das vor allem bei den Lesern via mobile ein Problem ist, weil das sogar die einzelnen Blogposts „unterbricht“. Ich habe an den Einstellungen etwas gedreht – ist das immer noch so? Ich denke, eine Einschaltung pro Artikel (oben oder unten) mag es vertragen, mehr fände ich auch nervig.

Was hättet ihr gerne für „Features“ / was ist wichtig für Euch auf einem Blog? Also zum Beispiel, dass man wieder auf das Titelbild klicken kann um zur Startseite zurückzukommen? Anzeige anderer (passender) Blogposts dazu? Einfacher Zugang zu den verschiedenen Kategorien? Kommentaraufbau?

Sollen die Artikel auf der Hauptseite weiterhin im ganzen Text angezeigt werden oder lieber als „weiterlesen“-Teaser?

Wie wichtig sind Euch Bilder? Darf? / Kann? / Muss?

Andere Gedanken / Ideen?

Passt grad: das von mir verwendete Theme gibt es nicht mehr???

funki

 

 

Cannabis, THC und CBD in der Schweiz (und vor allem: in der Apotheke)

Einiges hat sich getan mit Cannabis und dessen Inhaltsstoffen seit ich das letzte Mal darüber gebloggt habe. In Deutschland ist es inzwischen verordnungsfähig – auch das Kraut zum rauchen, braucht aber ein Rezept. In der Schweiz ist die Lage noch etwas kompliziert …

Ich versuche mich mal an einer Zusammenstellung und ein Einblick in die aktuellen rechtlichen Grundlagen. Wenn jemand mehr Infos hat (oder davon abweichende), möge man das in den Kommentaren gerne bringen. Cannabis ist eine Nutzpflanze die seit langem bekannt ist, aber bis vor noch nicht allzu langer Zeit vor allem im Osten für medizinische / rekreationale Zwecke eingesetzt wurde.

THC (Tetrahydrocannabinol) ist für die meisten pharmakologischen Wirkungen, vor aller der psychischen Effekte der Hanfpflanze verantwortlich. Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Der unbefugte Umgang mit Produkten, die einen Gehalt über 1% aufweisen ist verboten.

Dronabinol ist der Internationale Freiname von THC. Es ist oft halbsynthetisch hergestellt.

CBD (Cannabidiol) ist das wichtigste nicht psychotrope Cannabinoid der Hanfpflanze (es gibt noch über 80 weitere). Es unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

THC-arme Cannabisprodukte, also solche mit weniger als einem Prozent THC fallen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Darunter fallen die meisten Extrakte in Form von Ölen und Pasten, Kapseln, Liquids für E-Zigaretten, Duftöle, Kaugummis … Da diese auch keine Heilversprechen haben dürfen, sind sie als Nahrungsergänzungsmittel oder Pflegeprodukte im Handel.

Cannabisharz (Haschisch) fällt unter die verbotenen Substanzen, selbst wenn es weniger als 1% THC enthält.

Was gibt es in der Schweiz – und wie sind die gesetzlichen Grundlagen?

Sativex ist ein Medikament, ein fertiges, zugelassenes Arzneimittel in Form eines Sprays, das in den Mund gesprüht wird. Es enthält einen standardisierten Cannabisextrakt mit THC und CBD. Es ist rezeptpflichtig – ein Betäubungsmittelrezept reicht dafür. Es ist zugelassen für die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von Multipler Sklerose bei Patienten, die nicht angemessen auf eine andere anstispastische Arzneimitteltherapie angesprochen haben. Es ist nicht auf der Spezialitätenliste – das bedeutet, die Krankenkasse muss das nicht bezahlen. Es kann aber (bei Anwendung gemäss der Indikation) vom Rezept-ausstellenden Arzt eine Kostengutsprache veranlasst werden, dann wird es bei einzelnen Patienten trotzdem von der Kasse übernommen. Der Preis ist hoch: 690.- für 3 Fläschchen zu 10ml

Dronabinol-Lösungen (2.5 und 5%) und normierte Cannabis-Tinktur (10mg THC/ml) und Cannabis-Öl (10mg THC/ml) brauchen um es in der Apotheke zu beziehen ein Betäubungsmittel-Rezept sowie eine Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Damit kann es von der Apotheke oder dem Patienten selber bei der Bahnhof Apotheke in Langnau AG oder der Apotheke zur Eiche in Herisau bezogen werden. Da diese Mittel keine Zulassung als Medikament haben ist die Anwendung automatisch off-label use. Eingesetzt werden sie häufig bei Krämpfen oder Schmerzen. Die Krankenkasse bezahlt das als Nicht-Medikament auch nicht. Auch diese sind recht teuer. 10ml normierte Cannabis-Tinktur kosten 120 Franken.

Mittel mit CBD (und niedrigem THC Gehalt) Da CBD nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, sind sie praktisch frei verkäuflich. Sie dürfen aber nicht mit Heilanpreisungen beworben werden, da sie sonst unter das Heilmittelgesetz fallen, entsprechend kontrolliert werden müssen und Studien zur Anwendung liefern müssten.

Das BAG hat einen Leitfaden erstellt, in dem man nachlesen kann, als was THC arme Produkte / CBD zugelassen werden kann / unter was für Gesetze es fällt.

CBD als Rohstoff – ohne Zweckbestimmung- Z.Bsp. Hanfblüten, CBD Pasten, reines CBD. Ohne Kenntnis der Dosierung rsp. des Endproduktes kann man das nicht Einstufen. Das ist ähnlich wie bei Coffein oder Nikotin: alle haben eine pharmakologische Wirkung, aber sie finden in unterschiedlichen Produktkategorien Verwendung. Gewisse Rohstoffe können legal z.Bsp zur Herstellung von Duftölen verwendet werden. Verkehrsfähig ist das nicht.

CBD als Arzneimittel – sobald etwas medizinische Zweckbestimmung hat / so angepriesen wird, gelten CBD-haltige Produkte als Arzneimittel und fallen unter das Heilmittelgesetz. Dann dürfen sie ohne Zulassung nicht in Verkehr gebracht werden. Die Zulassung erteilt die swissmedic. Momentan gibt es da keine – die Studien die dafür verlangt werden sind langwierig und teuer und die Kontrollen der Qualität rigoros.

CBD in Magistralrezepturen (Herstellungen aus der Apotheke) – Da CBD weder in der Schweiz noch in einem anderen Land als Monopräparat zugelassen ist, ist eine Verwendung in von der Apotheke hergestellter Rezeptur nicht möglich, da es sich damit um einen nicht zulässigen Wirkstoff gemäss Verordnung über die Arzneimittel handelt. Daran ändert (leider) auch nichts, dass für CBD eine Monografie ins DAC/NRF (Deutscher Arzneimittel-Codex/Neues Rezept Formularium) aufgenommen wurde.

CBD in Lebensmitteln (CBD angereicherte Hanfextrakte, Hanfsamenöl mit Zusatz CBD, Nahrungsergänzungsmittel mit CBD) – Als Lebensmittel gelten alle Stoffe oder Erzeugnisse, die dazu vestimmt sind, dass sie in verarbeitetem, teilweise verarbeitetem oder unverarbeitetem Zustand vom Menschen aufgenommen werden. Nicht als Lebensmittel zählen u.a. Arzneimittel, Betäubungsmittel und psychotrope Stoffe. Grundvoraussetzung ist, dass sie sicher sind (nicht gesundheitsschädlich). Wenn etwas aber vor 1997 nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurde braucht das eine Bewilligung durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), rsp. eine Zulassung der europäischen Kommission. CBD-angereicherte Lebensmittel benötigen also eine Zulassung durch das BLV und werden auf den Höchstgehalt von THC kontrolliert.

CBD als Kosmetika – Da Cannabis auf der Tabelle I des Einheitsübereinkommens über Betäubungsmittel (verbotene Mittel) aufgeführt ist und gemäss Definition die Blüten- oder Fruchtstände der Hanfkrautpflanze beinhaltet und da CBD aus Cannabis gewonnen wird, ist die Anwendung in Kosmetika untersagt. Ausnahmen für die Anwendung von Cannabis in Kosmetika sind die Extrakte aus Samen und Blättern ohne untergemischte Blütenstände.

CBD als Gebrauchsgegenstand – Liquids für e-Zigaretten? Da es sich bei den Liquids um Gegenstände handelt, die mit den Schleimhäuten in Berührung kommen, fallen sie unter das Lebensmittelgesetz. Dementsprechend dürfen sie nur Stoffe in Mengen enthalten, die gesundheitlich unbedenklich sind. Verboten ist der Zusatz von Substanzen, die den Erzeugnissen pharmakologische Wirkungen verleihen, deshalb ist der Zusatz von CBD in Liquids für e-Zigaretten in wirksamer Dosierung nicht zuverlässig (gleicher Grund, weshalb in der Schweiz keine Nikotinhaltigen e-Liquids zugelassen sind!). Ebenfalls verboten sind jegliche Hinweise, dass es sich um ein Heilmittel handelt.

CBD als Chemikalie – Duftöle. Das Chemikalienrecht regelt vor allem Verpackung und Kennzeichnung chemischer Produkte. Die Hersteller sind vor Inverkehrbringen zur Selbstkontrolle verpflichtet, dazu gehört eine Beurteilung ob das chemische Produkt das Leben oder die Gesundheit des Menschen oder die Umwelt gefährden kann. Es muss nach den Bestimmungen der Chemikalienverordnung ein Sicherheitsdatenblatt erstellt werden. CBD-haltige Produkte können als Duftöle also legal in Verkehr gebracht werden, die Aufmachung muss allerdings auch entsprechend sein. Verkauf in Kartuschen für E-Zigaretten geht da genau so wenig wie wenn es aussieht, als ob es zum Einnehmen wäre …

Hanf mit einem Gesamt THC Gehalt von unter 1% gilt als nicht psychotrop wirksam und kann auch als Tabakersatzprodukt verkauft werden. CBD ist kein Betäubungsmittel und darf auch in Tabakersatzprodukten enthalten sein. Heilanpreisungen wie „beruhigende und sedierende Wirkung“ und ähnliches sind verboten. Die Produkte müssen gemäss Tabakverordnung (im Lebensmittelgesetz) gemeldet werden. Hanf fällt auch unter die Tabaksteuer.

Hier noch ein Einschub wegen der Anwendung von Tabakersatzprodukten mit CBD und dem Strassenverkehr: Es gilt die gesetzliche Vermutung, dass bei Vorliegen bestimmter Substanzen (wie THC) eine Fahrunfähigkeit vorliegt. Auch sehr geringe Mengen können dazu führen, dass der erlaubte Blut-Grenzwert von 1.5 microgramm THC pro Liter Blut überschritten wird.

Was bekomme ich an Cannabis/THC/CBD in der Apotheke?

Sativex: Mit Betäubungsmittelrezept vom Arzt. Vom normalen Lieferanten. Das einzige, wo man auch eine Chance hat, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Aber nur bei Schmerzen/Krämpfen aufgrund von MS

Dronabinol-Lösungen (2.5 und 5%), normierte Cannabis-Tinktur (10mg THC/ml) und Cannabis-Öl (10mg THC/ml): Mit Betäubungsmittel-Rezept und Ausnahmebewilligung vom BAG. Bezug via die Bahnhof Apotheke Langnau AG.

CBD-Tropfen zum einnehmen – Firmen mit pharmazeutischer Qualität:

Panakeia (Bahnhof Apotheke Langnau AG) macht CBD Tropfen in 5% und 10% in den Grössen 10, 20 und 50g. Dafür verlangen sie aber ein Rezept und eine schriftliche Dokumentation der Indikation, wenn es für etwas anderes als Epilepsie verwendet wird.

Supair / Medropharma macht 4 verschiedene Tropfen (zu finden als Cannabis sativa L. extrakt / öl), zwei auf öliger Basis-> Sesamöl ( Eher für Kinder und Tiere geeignet) und zwei auf alkoholischer Basis ( für Erwachsene). Sie haben einen Pharmacode und sind über den Grossisten bestellbar. Nicht ganz klar ist mir, als was die zugelassen sind?

Drogovita GmbH in Thun: Extrahiert aus Schweizer Hanf, sie verwenden für ihre Tropfen Sonnenblumenöl. Zulassung als Nahrungsergänzung – Vergleichsweise günstig. Die 5% und 10% Tropfen haben einen Pharmacode, sind momentan aber nicht beim Grossisten bestellbar. Direktbestellung möglich.

Es gibt sicher noch mehr. Ausserhalb der Apotheke gibt es jetzt ja auch einige Hanfläden, die das anbieten – in mehr oder weniger gesicherter Qualität.

 

CBD in der Apotheke gesucht

Aus aktuellem Anlass bin ich auf der Suche nach einem „vernünftigen“ Produkt mit CBD für eine interessierte Kundin. CBD = Cannabidiol ist ein Wirkstoff aus Cannabis, der auch vermehrt in den Medien kommt.

Momentan sehe ich noch nicht so Nachfrage in der Apotheke, auch da wir genug Shops in der Umgebung haben, die das verkaufen. Von denen will ich das aber nicht unbedingt beziehen.

Auf der Suche bin ich über ein Werbe-mail eines Herstellers von Hanföl mit CBD gestolpert, das wir in der Apotheke erhalten haben. Er schreibt darin von kontrollierter Herstellung und CBD Gehalt etc., zählt die Anwendungsmöglichkeiten auf (bei Schmerzen, Krämpfen … medizinische Indikationen / siehe auch Bild unten) und hängt sogar ein paar „Studien“ an. Er schreibt davon, dass sein Produkt in der ganzen EU als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sei und dass man für die Schweiz extra ein neues Label machen musste … Gleichzeitig wird aber im mail erwähnt, dass sein Mittel in der Schweiz keine Zulassung hat, auch nicht als Nahrungsergänzung … und ganz klein steht noch irgendwo geschrieben, dass das Hanföl nur zum auftragen zugelassen ist.

Kann ich nicht brauchen.

Die rechtliche Situation scheint etwas kompliziert zu sein. Davon im nächsten Artikel mehr.

cbdQuelle Bild: hempworx