Gratis Selbsttests aus der Apotheke – so geht’s

Etwas der Klickbait-Titel, aber da es seit Wochen in der Presse ist, dass die Selbsttest-Abgabe kommt – und wir jetzt auch endlich in der Schweiz zugelassene Selbsttests gegen Covid haben, ist das hier meine Q&A dazu:

Wo gibt es die Selbsttests in der Schweiz? Nur in der Apotheke. Damit das für die Bevölkerung gratis ist, wird das den Krankenkassen verrechnet, deshalb geht das nur so.

Was ist es für ein Test? Er nennt sich Roche Sars-CoV-2 Rapid Antigen Test Nasal und wird als Nasenabstrich (nicht so tief wie die PCR und Schnelltests) durchgeführt. Der Test wurde erst am 30. März von den Behörden offiziell zugelassen, ist aber in anderen Ländern schon in Gebrauch.

Was brauche ich für den Bezug? Die Krankenkassenkarte! Auch wenn Du bei einer Kasse bist, bei der Du sonst selber zahlen musst (Assura, Supra, Compact und Co.), musst Du sie für den Bezug dabei haben.

Kann jeder diese Tests beziehen? Ja – jeder mit Krankenkassenkarte. Wenn Eltern für die Kinder die Karte mitbringen, können sie für das Kind beziehen. Momentan gibt es seitens BAG keine offizielle Empfehlung für die Anwendung von Selbsttests bei Kinder. Bei Kindern > 6 Jahren mit Symptomen wird ein PCR-Test empfohlen (in Testzentren, beim Arzt etc.).

Wieviele Selbststests sind gratis? Pro Person und Monat (= 30 Kalendertage) sind 5 Selbststests gratis. Bitte merken: Die Apotheke kann nicht nachkontrollieren, ob innert einem Monat (woanders) schon bezogen wurde – Aber die Krankenkasse kann das! Die schickt für zu viel oder zu früh bezogene Tests dann die Rechnung an den Patienten.

Kann ich die Tests einzeln beziehen? Theoretisch schon, aber praktisch werden sie wohl grad in den 5er Einheiten zu beziehen sein. Die Tests müssen von der Apotheke vorher nämlich aus Grosspackungen ausgeeinzelt werden – und das bedeutet jedesmal in ein Plastikbeutel abfüllen: Teststreifen, Röhrchen mit Extraktionspuffer, Spenderkappen, sterile Wattestäbchen plus Packungsbeilage – und alles Dolumentieren. Vom Aufwand her, vom Material und vom Abrechnen nachher ist das vernünftiger das grad einmal für die 5 Tests zu machen als 5 x einzeln.

Kann ich mehr Tests bekommen, wenn ich selber bezahle? Nein.

Kann ich Tests vor- oder nachbeziehen? Nein. 5 Tests pro Monat, wenn man sie einmal nicht gebraucht oder geholt hat, kann man sie nicht nachbeziehen. Auch nicht früher beziehen und die Apotheke rechnet das dann im nächsten Bezugsmonat ab. Start der Abgabe ist der 7.4.2021 – nicht vorher!

Hilft die Apotheke mir bei der Durchführung der Tests? Nein. diese Dienstleistung können wir nicht anbieten. Es wird wegen der Testabgabe ein enormer Mehraufwand erwartet und das liegt einfach nicht drin. Der Test ist aber sehr einfach, so dass man ihn sehr gut selbstständig durchführen kann. Nur ein Tipp von mir zur Durchführung: verwende eine Wäscheklammer als Halterung für das Röhrchen mit Extraktionspuffer.

Können mit den Tests die bestehenden Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen gelockert werden? Nein. Der Selbsttest ist kein Ersatz für Hygiene-, Abstands-und Verhaltensregeln und bestehende Schutzkonzepte.

Wann ist ein Selbsttest sinnvoll? Bei Personen ohne Symptome und ohne Kontakt zu Covid-19-Fällen, die einen Test zu Hause vornehmen möchten. Zum Beispiel vor einem Besuch von der Familie oder Freunden.

Wann sollte kein Selbsttest gemacht werden? Bei Personen, die Krankheits-Symptome haben. Diese sollten einen PCR-Test oder Antigen-Schnelltest in einem Spital, einer Arztpraxis, einem Testcenter oder einer Apotheke durchführen. Ebenfalls kein Selbsttest vor einem Besuch von besonders gefährdeten Personen und Gesundheitseinrichtungen wie Altersheim oder Spital – der Selbsttest zählt da nicht.

Zählt der Selbsttest als Covid-Test vor einer Reise? Das lässt sich leider nicht verbindlich beantworten, aber meist werden PCR Tests verlangt. Bitte schau dir die Angaben für das Reiseland auf deren Botschaftsseite an oder die Übersicht auf der offiziellen BAG Seite.

Was mache ich bei einem positiven Resultat des Selbsttests? Nach Anweisung des BAG: Isolation. Ausserdem muss zur Bestätigung des Resultates ein PCR-Test durchgeführt werden. Der Test wird dann auch vom BAG bezahlt und kann in den Testzentren durchgeführt werden.

Was mache ich bei einem negativen Resultat des Selbststests? Das Testresultat ist nur am Testtag gültig. Hygiene-, Abstands- und Verhaltensregeln des BAG müssen weiterhin befolgt werden.

Das ist alles, was ich bis jetzt darüber weiss. Ich hoffe, es hilft.

Assistenzzeit (2) Erste Wochen

Schon ein Monat vorbei und ja, wir sind einiges vorwärts gekommen. Unserer Assistentin das Computerprogramm mit dem wir arbeiten näher gebracht, so dass sie die Kasse bedienen und auch schon Rezepte eingeben kann. Wir fangen klein an, indem wir sie ausserhalb der Sicht der Patienten üben lassen: erst mal Rezepte lesen (bei gewissen Arztschriften braucht das Jahre Übung, aber andere gehen zum Glück besser). Dann Sachen zusammensuchen lassen. Dann selber gefaxte oder gemailte Rezepte vorbereiten und eingeben lassen.

Daneben gehen wir zu Randzeiten die wichtigsten Medikamente zu den aktuell wichtigsten Indikationen durch. Sachen, die OTC (freiverkäuflich) sind und auch rezeptpflichtige Sachen. Wir fangen an mit Schmerzmitteln und dann mit Allergien.

Ich mache das gerne mit einer Auslegeordnung auf dem Tisch: Wirkstoffe gruppieren und ob rezeptpflichtig oder nicht … und dann erzähle ich dazu etwas und stelle Fragen. Optimalerweise weiss die Assistentin am Schluss, wann man was einsetzen kann (Schwangere, Kinder, Empfehlungen OTC, wann darf ich rezeptpflichtiges auch ohne Rezept abgeben?).

Ich staune über die Lernmethode meiner Assistentin. SIe ist sehr organisiert und benutzt ein iPad. Dort hat sie zu so Indikationen ein Riesen-Spread-Sheet wo alles festgehalten wird. Ich hätte das *damals* vielleicht auch so gemacht – ich bin jemand, der sehr „optisch“ lernt, also viel indem ich es aufgeschrieben habe, dann zusammengefasst, dann Kärtchen … So geht es sicher schnell(er) – vor allem macht sie von manchen Sachen einfach mal ein Foto und schreibt dann dazu.

Nach den ersten 2 Indikationen haben wir sie dann auch schon auf die ersten Patienten losgelassen. Dabei stehen wir natürlich anfangs noch nebenbei und machen es gemeinsam, dann unter Aufsicht, dann stehe ich in den Hintergrund. Funktioniert auch ganz gut, jedenfalls so lange es nicht grad ein Ansturm an Patienten ist vorne.

Mit der aktuellen Zugangsbeschränkung geht das … ich habe ein bisschen Bammel, dass sie nächste Woche nicht untergeht, wenn der Ansturm auf die „Gratis-Selbsttests“ losgeht. Momentan sind wir am Abfüllen derselben im Labor – 5 Stückweise in Mingripps jeweils mit Bedienungsanleitung. Eine ganze Pallette will abgepackt sein. Abgabe nur gegen Krankenkassenkarte. Merke: gratis ist nie gratis, jemand zahlt immer – wir mussten die Dinger auch einkaufen. Und der Grosshändler Migros beklagt sich, weil nur Apotheken die Tests abgeben dürfen. Nun, ich denke, dass sie die verkauft hätten, nicht abgegeben – und jetzt ist das auch uninteressant für sie weil sie das nicht abrechnen können. Ob uns der Aufwand (jetzt schon gross und ab dem 7. April schwer einschätzbar) dafür irgendwie entgolten wird, weiss ich immer noch nicht. Der Apothekerverband spricht von einem Ansehensgewinn für die Apotheke und Chance die Apotheke als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen weiter zu positionieren.

Nun, Ein Anlauf wird das geben….

Test, Test

Kein Aprilscherz. Ich teste nur, ob noch alles läuft wie zuvor, nachdem heute offenbar versucht wurde Zugriff auf mein WordPress-Konto zu nehmen. X Anforderungen nach Passwortzurücksetzung …. Interessanterweise auch per SMS in Japanisch plus ein Code dafür. Nachdem der Kinderdok letztens seinen Twitter-Account verloren hat, bin ich jetzt extra Vorsichtig und habe nicht nur (natürlich nicht via die geschickten Links, sondern direkt) nicht nur das Passwort wieder mal geändert sondern auch grad die Zwei-Faktor Authentifizierung eingeführt. Finde ich zwar persönlich mühsam, aber besser als den Blog zu verlieren ist es allemal.

Ich denke ich habe rechtzeitig reagiert – ist halt auch etwas blöd so aus den Ferien, auch wenn die diesmal in der Schweiz stattfinden.

Habt ihr mal einen ernsthaften Angriff auf eines Eurer Konten gehabt – und: hat das funktioniert?

Assistenzzeit in der Apotheke (1)

Die erste Woche mit der neuen Apothekerin im Assistenzjahr ist vorbei – und ich bin sehr zufrieden. Gut gewählt oder Glück – wir haben wieder jemanden sehr engagierten und aufmerksamen bekommen.

Was macht sie bei uns? Die Assistenzzeit ist Bestandteil des Masterstudiums und bietet die Gelegenheit, die praktische Arbeit in der Offizin- und Spitalapotheke kennen zu lernen.

Montag morgen Arbeitsbeginn, Schurz, Namensschild und Spind / Fächli sind vorbereitet. Nachdem ich sie den Mitarbeitern vorgestellt habe, zeige ich, was wo ist; Toilette, Wareneingang, Büro, Verkaufsraum – davon wird sie vorerst nicht allzu viel sehen, da die erste Zeit mehr hinten gearbeitet wird. Es dauert noch etwas, bevor ich sie auf die Kunden und Patienten loslassen kann. Wie lange kommt auf sie an. Die mutigeren lasse ich unter Aufsicht bald mal nach vorne, andere brauchen mehr Sicherheit und Hintergrundwissen.

Dann folgt auch schon das erste längere Gespräch, oder vielleicht besser Monolog von mir –

Thema 1: Das Patientengeheimnis. Die Kurzfassung ist: Apotheker unterstehen dem Berufsgeheimnis. Patientendaten sind besonders schützenswert. Darunter fällt so ziemlich alles, was wir in der Apotheke erfahren, eigentlich sogar „dass“ jemand bei uns Patient ist. Wenn sie für die Uni Kopien oder derartiges machen muss, müssen die Patientendaten entfernt werden. Wir sammeln und vernichten/enstorgen Dokumente mit Patientendaten darauf separat. Wir sind vorsichtig bei Anfragen nach Auskünften.

Thema 2: Eigenverantwortung der Assistentin. Das ist etwas, was schon beim Bewerbungsgespräch angesprochen wurde, aber weil es so wichtig ist, wiederhole ich das hier jeweils noch einmal. Wir als Ausbildungsapotheke sind dazu da, der Assistentin jegliche Möglichkeiten zu bieten, damit sie lernen kann, was es heisst, eine Apothekerin zu sein. Wir bieten Infrastruktur (Apotheke, Labor, Geräte, Bücher, Programme …), das Wissen langjähriger Mitarbeiter (teils mit Ausbildnerweiterbildung), die Zeit bei uns und die Selbstlerntage (zum Teil zu Hause). Aber lernen muss die Assistentin selber. Ich bringe ihr gerne bei, was ich weiss und wie es in der Apotheke läuft: all die praktischen Dinge über Medikamente, Beratung, Anwendung von Gesetzen und Vorschriften, die Anwendung der verschiedenen Programme, Herstellung von Rezepturen im Labor … Ich werde Vorschläge machen, wenn von ihr nicht selber etwas kommt (welche Themen als nächstes angeschaut werden, was für Aufgaben sie übernehmen kann um zu profitieren), aber ich finde es grundsätzlich besser, wenn von der Assistentin selber die Themenvorschläge kommen. Sie weiss besser, was gerade an der Uni Thema ist, das hilft beim Verküpfen der Informationen von verschiedenen Seiten. Am Schluss der Assistenzzeit sollen dann möglichst viele, wenn nicht alle der Themen durchgegangen worden sein. Ich mache auch keine Vorträge über Wirkungsmechanismen, nur über Beratung und Triage, halt das was ich in der Apotheke „brauche“. Ich warne die Assistentin auch, dass es sein kann, dass wir viel zu tun haben und sie dann wirklich aktiv kommen muss, wenn ich oder jemand anders etwas erklären soll – und nicht warten, bis wir auf sie zu kommen. Ich weiss, es ist viel – und es ist auch nicht die Idee, dass man das grad sofort alles kann oder sofort alles macht, aber: am Schluss sollte möglichst viel davon bekannt und gemacht sein.

Pharmasuisse (der schweizerische Apothekerverband) stellt auf ihren Seiten einige Hilfsmittel zur Verfügung. Sie können hier angeschaut werden. Dazu gehört:
Checkliste Arzneimittel und Rezeptvalidierung (Das sind die verschiedensten Indikationen und Medikamente und ihre Anwendung am Patient)
Checkliste Triage (dazu gehört die Beratung bei verschiedenen Gesundheitsfragen, das Erkennen von Krankheiten, Anamnese und Umgang mit Patienten)
Checkliste Herstellung in kleinen Mengen (Von Arzneimitteln natürlich: Rezeptur und Defektur)
Checkliste Apothekenbetrieb und Berufsausübung (Gesetze, Vorschriften, Krankenkassen, Abrechnung, Lagerhaltung, Wirtschaftlichkeit etc.)

Ich bin hocherfreut, als ich feststelle, dass die Studenten dieses Jahr die 300er Medikamente schon lernen mussten. Das ist eine Liste von Medikamenten, die häufig gebraucht werden: Inhaltstoffe, Indikationen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen inklusive. Das ist ziemlich beeindrucken und hilft doch sehr, auch wenn natürlich jetzt noch bei weitem nicht alles sitzt und die Informationen rein theoretischer Natur sind. Aber für die Praxis sind wir jetzt ja da.

So eine Apothekerin im Assistenzjahr hat eine etwas kuriose „Stellung“ in der Apotheke. Sie kommt mit ziemlich viel theoretischem Wissen, auf dem man aufbauen kann, so dass sie eigentlich rasch „aufsteigt“. Sie beginnt wie ein Lehrling, geht über Pharmaassistentin zu Apothekerin unter Aufsicht – und das Ziel ist, dass sie am Schluss selbständig als Apothekerin in der Apotheke steht, und genug weiss und kann, dass sie verantwortungsvolle Entscheidungen treffen kann. Bis jetzt haben wir das noch mit jeder geschafft und es ist immer eine Freude, dieser Entwicklung zuzusehen.

Meine stürzt sich auf die Arbeit … vielleicht ist sie auch nur einfach froh, mal wieder „raus“ und unter Leute zu kommen. Die Corona-Zeit und Home-Schooling hängen auch bei den Studenten langsam an. Ich übergebe sie dem Lehrling die ihr zeigt, wie der Wareneingang funktioniert und wie und wo man die Sachen dann versorgt. Auch hier sehe ich wieder ihr Engagement: sie nimmt einzelne Medikamente in die Hand und schaut was drin ist – und geht teils nachschlagen im Computer und ihren Büchern. (WOW!)

Lehrstellen, Leerstellen?

In der Apotheke / Drogerie in der ich arbeite bekommen wir aktuell täglich Anfragen zu Lehrstellen und Schnupperlehren. Das ist interessant – ich meine … eigentlich ist es nichts neues, wir bilden sind ein Lehrstellenbetrieb und bilden aus, aber so viele Anfragen hatten wir glaube ich noch nie.

Nach dem Lehrergespräch vor etwa 2 Wochen, ist mir etwas klarer, weshalb. Es ist nicht nur, dass die Schüler (Junior jetzt auch) lernen müssen Bewerbungen zu schreiben. Sie sollen aktiv Schnupperlehren suchen, um einen Einblick in das Berufsleben zu erhalten. Und es scheint schwieriger zu sein, eine Lehrstelle oder Schnupper-Lehr-Stelle zu finden. Gerade jetzt können viele Betriebe keine Anbieten. Lockdown (egal wie halbpatzig), Homeoffice, geschlossene oder heruntergefahrene Betriebe. Ich will nicht die vorgeschriebenen Hygienekonzepte dafür verantwortlich machen, das geht auch mit, wie die normale Arbeit, macht es aber teils aufwändiger.

Es ist ein bisschen eine Trendumkehr. Vor-Corona mussten Geschäfte in manchen Branchen und Orten fast um Bewerber buhlen. In den letzten Jahren hatten wir wenig Auswahl an Lehrlingen, dieses Jahr gehen wir fast unter in Bewerbungen. Gleichzeitig nimmt die Anzahl Studenten wieder zu. Spannend auch, dass die Stadtflucht abnimmt / sich umkehrt, man besinnt sich wieder auf lokales.

Apotheken / Drogerien gehören zu den Geschäften, die offen haben und auch weiter offen bleiben werden. Das macht sie vielleicht auch attraktiver für Bewerbungen, aber ich denke, dass möglicherweise auch andere Betriebe eine Steigerung der Anmeldungen merken?

Jedenfalls – und hier könnte ich die Macht des Internet brauchen – suche ich für Junior Ideen für seine Zukunft, was den Beruf betrifft. Die Apotheke / Drogerie fällt (ich finde: leider) für ihn aus, da er dafür nicht die nötigen schulischen Voraussetzungen hat. Papas Fahrradgeschäft steht ihm zwar immer offen, aber eigentlich suche ich für ihn etwas eigenständigeres.

Er ist in der Oberstufe: Sekundarschule, 2. Klasse: keine Kleinklasse mehr und es läuft gut. Nicht so gut, dass er aufs Gymnasium gehen wird, aber eine Berufslehre und -Schule liegt gut drin. Obwohl er gerne zur Schule geht (und ordentliche Noten schreibt) ist es aber nicht so, dass er das nur um des Lernens willen macht. Er arbeitet gerne mit den Händen, ist handwerklich geschickt, liebt es Sachen auseinanderzunehmen und neu zusammenzubauen (seine Lego-Konstruktionen waren schon immer einzigartig). Er arbeitet lieber mit Metall und Holz und Co als mit Stoff. Er arbeitet gerne selbständig und alleine, sucht aber auch den Kontakt zu anderen Leuten und ist teamfähig. Er ist grundfreundlich und grosszügig – etwas, was er vom Papa hat. Ausserdem hat eine rasche Auffassungsgabe, und als Computer-native ein Händchen für den PC und kann ausgezeichnet auf englisch kommunizieren.

Momentan tendiert er in Richtung Maschinenmechaniker – damit hat mein Papa und mein Bruder auch angefangen, auch wenn sie danach in verschiedenen Branchen gelandet sind (Luftbefeuchter-Kundenbetreuung respektive IT). Ideal fände ich für ihn etwas, das er (als solide Grundausbildung) als Sprungbrett gebrauchen kann oder eine Nische, die vielleicht vor dem Aussterben ist, da kaum Nachfolger gefunden werden. Ich habe nur keine Ahnung, was es da gibt.

Jetzt ihr: was kennt ihr, was könnt ihr empfehlen an Berufen die dazu passen?

Erste Schnupperlehre(n) sollte er noch dieses Jahr machen, aber nächstes Jahr wird es ernst mit der Suche nach einer Lehrstelle. Ich hoffe, bis dahin sieht es wieder besser aus. Allgemein.

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Kinder, Corona und die Schule

Ich staune jeden Tag ein bisschen darüber, in was für einer Welt wir aktuell leben. Wie unterschiedlich sie ist verglichen mit noch vor einem Jahr. Trotzdem leben wir das „neue Normal“, trotzdem verändert es sich immer noch. Wer hätte vor einem Jahr sich vorstellen können, wie es heute ist – und wer denkt noch, dass das in ein paar Wochen oder gar in ein paar Monaten alles vorbei sein wird?

Ich will nicht jammern. Uns geht es nicht schlecht hier. Es ist einfach … anders. Klar, es war besser ohne das – aber „ohne das“ bezieht sich genau so auf den neuen Coronavirus und seine Auswirkungen wie auch auf die Versuche das Virus Einzuschränken, was uns (als potentieller Virus-wirt, – verbreiter und -Opfer) gezwungenerweise ebenso einschränkt.

Denkt an die Kinder!“ hört man aus den verschiedensten Ecken. Wie müssen die das alles empfinden? Die möglichen psychologischen Auswirkungen, die „verlorene Zeit“ für die Weiterbildung in der Schule … Allgemein wird danach gestrebt, die Kinder möglichst fernzuhalten von all den Änderungen, die das Virus und die Reaktionen darauf mit sich bringen. Aber: bringt das überhaupt etwas?

Ich denke, dass die meisten Kinder mit der aktuellen Situation recht gut umgehen können – und dass der Grund für die „fehlenden (negativen) Reaktionen“ darauf nicht darin liegen, dass sie ihre Probleme nicht äussern können. Kinder sind anpassungsfähig. Für sie änderte sich sowieso schon immer so viel in ihrer Entwicklung. Umzüge innerhalb des Hauses in ein eigenes Zimmer, Umzüge an einen neuen Wohnort, Kindergarteneintritt, Schuleintritt, Klassenwechsel, neue Lehrer, andere Hobbies … Eigentlich schon alleine der Verlauf der Jahreszeiten: Wir „Alten“ wissen nach Jahren, was wir zu erwarten haben, wenn die Blätter fallen und es kalt wird. Schnee und Eis und Erkältungen, sie überraschen (und verunsichern) und nicht mehr nach den ersten paar Malen. Wir haben damit zu leben gelernt – und Kinder lernen mit der jetzigen Situation zu leben.

Ich denke auch, dass unsere Reaktion als Eltern und Erwachsene auf (irgendwelche) Situationen viel Einfluss darauf haben, wie das Kind die Situation einschätzt und auch, was es davon zurückbehält. Ein Beispiel, das wohl jedes Elternteil kennt: das Kind lernt laufen, es fällt hin. Vielleicht hat es sich wehgetan, vielleicht nicht. Fängt es an zu schreien? Reagiere ich mit ausgesprochener Besorgtheit und entsprechendem Sorgen-Gesichtsausdruck und eile ihm etwas zu geben, damit es besser wird (Salbe, Pflaster, Arnikakügeli etc.), oder versuche ich darüber wegzusehen, es zu ignorieren und weiter machen zu lassen? Beides kann nötig sein. Beides kann aber auch im schlechtesten Fall und übertrieben angewendet zu bleibenden psychologischen Problemen führen, zu einer Erwartungshaltung auch beim Kind. Ich bin kein Psychologe, aber ich behaupte: Kinder schauen sehr darauf, wie wir Eltern (und Bezugspersonen, Lehrer etc.) auf eine Situation reagieren. Wenn wir besonnen und unübertrieben reagieren und auch erklären, dann wird aus dem neuen, seltsamen, anderem etwas normales und gewöhnliches für sie. Einschränkungen wie das Maskentragen in der Öffentlichkeit oder Schule ist auch nicht zu vergleichen mit dem Todesfall eines Elternteils oder dem Verlust der Wohnung wegen einer Bombe.

Man muss und kann die aktuelle Situation nicht vor den Kindern fernhalten. Ich bin dankbar, dass auch jetzt noch gilt, dass Kinder nicht Hauptopfer des Virus sind. Die wenigstens werden bei einer Infektion so krank, dass sie sterben oder bleibende Schäden zurückbehalten. Ich habe aber keinen Moment geglaubt, dass Kinder nicht massgebliche Überträger der Virus sein können. Böse ausgedrückt (aber auch liebevoll): Kinder sind wahre Virenschleudern. Dass sollte jede Mama oder Papa selber erfahren haben können – ich selber hatte nie so viele Infektionen wie seit ich Junior im Tagi hatte. Norovirus, Erkältungen immer wieder. Windpocken und 3-Tagesfieber haben wir wohl nur deshalb nicht auch bekommen, weil schon selber mal gehabt. Es ist auch ausgeprochen schwer, eine Übertragung dann innerhalb der Familie zu verhindern. Junior braucht sehr viel Nähe – auch heute noch, aktuell vielleicht sogar noch mehr.

Da kommt die Schule ins Spiel – was macht sie gegen die Übertragung des neuen Coronavirus? Und wie hält sie den Schulunterricht aufrecht (Bildung ist ja auch wichtig und ausserdem obligatorisch)? Nun – die kämpfen und schwimmen auch.

Im Lockdown letztes Jahr wurde das Homeschooling mittels online Unterricht innert kürzester Zeit organisiert – etwas, das ansonsten in der Schweiz Jahre gebraucht hätte aufzugleisen, wurde innert Tagen bis Wochen gewuppt. Und (zumindest bei uns) – das ging. Unterricht fand statt, Junior hat zu Hause und weitgehend selbständig Aufgaben erledigt, sie zum korrigieren eingesendet, online sich in Sitzungen mit der Klasse ausgetauscht. Klar, dabei bekommt man nicht den selben Unterrichtsstoff durch, wie beim Frontalunterricht, aber … es ging. Noten gab es keine.

Dann war wieder Kontakt-Schule – mit Abstandsregelung, vorgeschriebenem Händewaschen- und Desinfizieren. (Junior hat so häufig desinfiziert, dass er praktisch ein Handekzem bekommen hat – die Anwendung von viel und regelmässig Handcreme hat das Problem aber beseitigt).

Ausserschulische Aktivitäten wurden eingeschränkt bis abgesagt. Nichts mehr mit Schwingen, Schwimmunterricht, etc.

Dann wurde das Maske tragen in den Gängen und in der Pause eingeführt. (Reichlich spät in meinen Augen). Die Masken wurden durch die Schule gestellt – und über die Qualität von den Dingern sage ich lieber nichts, supergünstige und chemisch stinkende Ware jedenfalls. Junior bekommt davon Kopfschmerzen und deshalb jetzt von mir Masken aus der Apotheke.

Dann (nach ein paar positiv-Fällen und Quarantäne der Klasse) wurde die Maskenpflicht (endlich) auf den Unterricht ausgeweitet. (Kontraproduktiv fand ich hier manche Lehrern, die den Schülern schon praktisch suggerierten, dass sie auch bei normalen Aktivitäten damit doch wohl Mühe hätten mit Atmen – oder? Und daneben praktisch Werbung für gewisse Stoffmasken machten).

Weitere Einschränkungen von Aktivitäten – Sportunterricht wie der freiwillige Ballsport wurde abgesagt, genauso wie die nächsten Schwimmkurse. Schullager sind bis auf weiteres komplett gestrichen.

Momentan schliessen sie ganze Schulen und gehen (kurz- oder mittelfristig?) wieder auf Homeschooling und Online-Unterricht zurück. Die Mutation des Corona-Virus breitet sich, einmal hier, wirklich rasant aus – und Schüler / Kinder sind halt doch Infektionstreiber. Sie schicken jetzt auch nicht nur die Kontaktpersonen 1 (direkter Kontakt mit positiver Person), sondern auch Kontakt 2 (Kontakt mit Kontaktperson 1) in Quarantäne. Das bedeutet, dass auch die Eltern von Schülern mit positivem Klassenkamerad automatisch in Quarantäne landen.

Als nächstes werden regelmässige Massentests auf Covid in der Schule durchgeführt. Aktuell wird dafür die Einwilligung der Eltern eingesucht. Dabei handelt es sich um Spucktests – und wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird da die Spucke der ganzen Klasse gemischt getestet, falls das positiv ausfällt gibt es danach Einzeltestungen … und dann weiter Quarantäne.

Ich bin gespannt. Die Schulen kämpfen, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass das nicht reichen wird, dem Virus soweit Herr zu werden, dass das bald etwas ändert. Ich bin jetzt dafür, dass wir einen richtigen Schnitt machen sollten. Mit obligatorischem Homeschooling für alle.

Junior ist inzwischen übrigens nicht mehr im Tagi. Auch die haben immer gekämpft mit der Virus-Übertragungs-Situation (Ich sag doch: Virenschleudern) und nachdem er wiederholt nicht gehen konnte – am Schluss weil praktisch das gesamte Betreuungsteam in Quarantäne musste – und er auch das Alter hat, dass er nicht mehr Rundum-Betreuung braucht und für sich selber sorgen kann, habe ich ihn abgemeldet. Das spart uns ausserdem noch etwas Geld. Da es auch mit grossen Ferien nicht so gut aussieht dieses Jahr und wir auch nicht aus Essen gehen können … momentan gebe ich mein Geld für Lieferservice aus, das erleichtert es mir etwas, denn nach einem Arbeitstag habe ich aktuell wirklich nicht mehr Lust zum kochen und dafür einkaufen mag ich in der Situation auch nicht wirklich.

Juniors „neues Normal“ ist also: Er ist mehr zu Hause. Mehr Essen mit uns zusammen. Essen halt vom Lieferservice (wer mag keine Pizza?). Soziale Kontakte mehr online – er benutzt seinen PC für Online-Spiele wie Roblox, auch jetzt höre ich zu, wie er nebenan (englisch) mit seinen Kollegen da redet. Schulweg und Schule ist mit Maske – auch das ist für ihn normal und er beklagt sich nicht nur nicht, er hat auch keine gesundheitlichen Auswirkungen davon. Klassenkameraden hat er auch schon früher kaum eingeladen. Ab übernächster Woche können wir hoffentlich mit Oma und Opa wieder etwas unternehmen. Gelegentlich treffen wir seinen Götti, der passt wirklich gut auf mit Homeoffice etc., da habe ich keine Bedenken. Ansonsten haben wir soziales wirklich heruntergefahren – wir warten und wir reden abends. Ich habe nicht das Gefühl, dass er davon psychologische Schäden davontragen wird. Als Kind ist die Familie seine Welt, als Teenager wird sie weiter, aber momentan scheint er keine Freunde zu haben, die er vermisst. Sozialkontakte sind mit seinem ADHS sowieso immer ein „Problem“ gewesen, aber ich selber (ohne ADHS dafür sehr introvertiert) hatte auch immer sehr wenige Freunde, vielleicht beunruhigt es mich deshalb auch nicht sehr. Und auch dies hier … es wird vorbeigehen. Dann gibt es wieder ein „neues Normal“ – ein hoffentlich sozialeres. Es liegt an uns Eltern, wie unsere Kinder daraus hervorgehen. Und an der Schule. Geben wir unser bestes.