MiGeL – oder Mich Gruselt es Langsam?

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Die MiGeL (die Mittel und Gegenstände-Liste) scheint von den Krankenkassen wirklich zum Sparziel auserkoren worden zu sein – anders kann ich mir die vielen Änderungen in der letzten Zeit nicht erklären.

Schon jetzt ist es so, dass wir bei Verbandsmaterial etc. häufig den Fall haben, dass was die Krankenkasse bezahlt unter dem Verkaufspreis liegt. Bei einfachem Material wenig – und wenn es unter 2 Franken 50 liegt, erlassen wir das dem Patienten (sprich, wir schenken ihm die Differenz), liegt es allerdings darüber und ich kann nicht versuchen, das seiner Zusatzversicherung zu verrechnen (weil er zum Beispiel keine hat, oder die so strikt ist wie die der CSS/Arcosana), dann muss er das bezahlen (oder sie – ich verzichte hier darauf pc zu sein). Ich versuche schon lange hier Alternativen zu finden und an Lager zu haben, die ganz übernommen werden. Zum Beispiel gebe ich keine Webcol-Alkohol-Tupfer ab, auch wenn die gerne verschrieben werden, weil da der Packungspreis über dem MiGeL-Listpreis liegt. Stattdessen nehme ich die Soft-Zellin. Dass in den Softzellin nur 100 drin sind und beim Webcol wären es 200 interessiert die Kasse nicht, nur dass der Abgabepreis pro Packung (hier) unter – was ist es? 5 Franken? liegt.

Gerade gesehen: in der aktuellsten MiGeL-Änderung haben sie das offensichtlich gemerkt und angepasst: jetzt steht da, dass pro Stück 5 Rappen übernommen werden (also auch 5 Franken für 100…)


Von der Abrechnungsstelle kam Ende Jahr die Meldung, dass von den Krankenkassen selbsterfasste Produkte nicht mehr akzeptiert werden, da das ihre Statistik verfälscht. Es könnte deshalb zu Zurückweisung von Abrechnungen kommen.

Das betrifft bei uns vor allem steril einzelverpackte Gazeplätzchen. Die werden häufig von den umgebenden Spitälern und Kliniken zur weiteren Wundversorgung verschrieben – und da es (zumindest früher) keine kleinen Packungen gab, haben wir die grossen aufgemacht und die Gazekompressen einzeln verkauft oder auf Rezept genommen. Das war wirtschaftlich …. ist aber offenbar, da nicht in die Statistik der Kassen passend, nicht mehr gewünscht. Die korrekte MiGeL-Nummer wird dabei nicht übertragen … und eingeben ist bei uns im System nicht möglich.

Zwei Möglichkeiten das zu umgehen: Kleinere Packungen suchen, die existieren und die auch von der Krankenkasse übernommen werden und die nehmen (Minimum sind 5er Packungen bei den Gazekompressen) – oder beim Rezept die richtige MiGeL-Nummer eingeben – die ist im System – und als Kommentar dazu schreiben, welche Plätzchen das gewesen sind. Der Kommentar wird dabei aber nicht an die Krankenkassen übertragen, das ist nur für uns in der Apotheke, damit wir wissen, was das war. Wenn man hier statt Einzel- auch etwa 5 Stück nimmt, stimmt das etwas mit dem Preis von vorher überein.


Mitte letzten Jahres kam mit der neuen MiGeL-Liste die grösste Änderung (die ich gesehen habe): sie betraf die Krücken – Verzeihung, Geh-hilfen. Konnten die früher noch gemietet werden (oder einzeln verkauft), ist es jetzt nur noch möglich sie (Paarweise) zu verkaufen – respektive der Krankenkasse abzurechnen. Ausnahme sind Kinderkrücken – da ist eine Miete weiterhin möglich.

Für den Kauf von 1 Paar bekommt die Apotheke von der Krankenkasse 25 Franken. …. und die günstigsten, die ich gefunden habe sind 31 Franken. Auch hier zahlt der Patient auf.

Inzwischen hatte ich einen Kunden, der das auf dem Rezept hatte – und der hat mir die Krücken nach einem Tag praktisch angeschmissen, weil sie so mies sind.

Aber halt! Es gibt noch eine Möglichkeit: wenn er die länger als einen Monat braucht, kann man als Apotheke auch die mit anatomischen-/orthopädischem Griff anbieten. Da bekommt die Apotheke von der Krankenkasse 56 Franken …. Die sind allerdings auch teurer, also bezahlt der Patient da 11 Franken auf. Wenn der Patient bereit ist das zu machen, würde ich das allen empfehlen … auch bei ev. kürzeren Gebrauchzeiten. Weiss die Krankenkasse denn, wie lange die effektiv gebraucht werden?


Dann noch etwas – ein Fall, den ich vor ein paar Jahren wirklich hatte (nachzulesen hier Retax auf Schweizerisch): da wollte mir die Krankenkasse die abgegebenen Blutzucker-Teststreifen für einen Patienten nicht bezahlen, weil er in einem Altersheim lebt und das in der Pauschale, die sie dem Altersheim zahlen enthalten ist. Ich habe mich damals dagegen gewehrt mir der Begründung, dass ich ein korrektes Rezept dafür vorliegen hatte und mir weder daraus noch von der Krankenkassenkarte ersichtlich war, dass der Patient im Altersheim wohnt. Die Kasse hat das dann schliesslich murrend doch bezahlt. Offenbar gab es inzwischen mehr derartige Fälle, die auch vor Gericht gelandet sind, so dass die Abrechnungsstelle inzwischen die Apotheken warnt: Keine MiGeL Produkte an Alters- oder Pflegeheimbewohner via Krankenkasse!

Ich habe mal gegoogelt, was da drunter fällt:

Für folgende Mittel und Gegenstände werden den Heimen eine Tagespauschale (gültig für alle Stufen) in der Höhe von CHF 1.90 pro Bewohner/in ausgerichtet:
Applikationshilfen
Inkontinenzhilfen
Kälte- und/oder Wärmetherapie-Mittel
Kompressionstherapiemittel
Messgeräte für Körperzustände-/Funktionen
Verbandmaterial

Also mal abgesehen von: 1.90.- pro Tag, wenn jemand wirklich Inkontinent ist und/oder Diabetes hat oder eine offene Stelle … wow.

Ich sehe aber immer noch nicht anhand der Krankenkassenkarte, ob der Patient in einem Alters- oder Pflegeheim ist. Ich sehe nur eine Strassenadresse. Entweder frage ich jetzt jeden ab einem gewissen Alter ob das der Fall ist (peinlich!) oder ich gleiche die Adresse mit einer Liste der Adressen der Alters- und Pflegeheime ab. Nur … da gibt es so viele, ich habe da natürlich auch nur die in der Nähe drauf.

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Das Datum ist wichtig!

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Patient bringt mir am heute ein Rezept und einen Entlassbrief vom Spital und drückt mir die Papiere mit folgenden Worten in die Hand: „Es ist wichtig, dass Sie das Datum richtig eingeben: es ist vom 30. Dezember!“

Er schaut mich erwartungsvoll an, während ich das Rezept und den Medikamentenplan ansehe. Interessanterweise steht auf dem Rezept selber nicht mal ein Datum – hat der Arzt wohl vergessen, dem Entlassbrief nach, den er wohl am selben Tag bekommen hat, ist es aber wohl schon von da.

Nur …

Pharmama: „Das mag sein, aber – ich gebe Ihnen die Medikamente heute ab. Das ist das Datum, das auf der Rechnung an der Krankenkasse steht. Ich kann und darf das nicht zurückdatieren.“

Ja, er wollte, dass das noch auf die Rechnung vom letzten Jahr geht, da hätte er die Franchise schon erreicht gehabt. Tja – dann hätte er auch am 30.12. noch kommen müssen.

Irgendwie kommt mir das bekannt vor …. Ja, richtig, ähnliches hatten wir schon. Inzwischen hat es datentechnisch Änderungen gegeben – jetzt WEISS ich, dass ich das nicht machen soll – und irgendwann demnächst wird es auch gar nicht mehr möglich sein vom System her.

Rost, Metallsplitter und verlängerte Verfalldaten – Qualitätsproblem im Schweizer Gesundheitssystem?

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Die Schweiz ist ein kleiner und ziemlich gut abgeschotteter Markt, vor allem was Medikamente und Medizinprodukte betrifft. Als solcher ist er auch sehr gut kontrolliert – die Swissmedic ist Zulassungs- und Aufsichtsbehörde.

Qualitativ sind wir Spitze. Dafür sorgen die hohen Hürden bei der Zulassung und die Kontrollen bei Medikamenten und Medizinprodukten. Und ich will auch, dass das so bleibt – mit ein Grund, weshalb ich wirklich nicht für Parallelimporte bei den Medikamenten bin. Dass das eine mögliche Einfallstelle für Arzneimittelfälschungen in die Lieferkette ist, mussten sie in Deutschland jetzt schon mehrmals bemerken.

Aber gestern kommen gleich zwei Vorfälle betreffend der Qualität von Medikamenten und Medizinprodukten ans Tageslicht, die beide Spitäler betreffen und sehr unschön sind.

Fall eins: Die Firma Alkopharma aus Martigny VS verfälscht während Jahren die Verfalldaten um die Medikamente länger verkaufen zu können. Die Ampullen Krebsmedikament haben eine Haltbarkeit von nur 18 Monaten und werden künstlich (und ohne Stabilitätsstudien) verlängert und nach 7 Jahren noch verkauft in Frankreich und der Schweiz. Krebsmedikamente sind teuer, dementsprechend geht es hier um Millionen Franken. Abgelaufene Medikamente enthalten wegen dem Abbau mit der Zeit nicht mehr die selbe Wirkstoffmenge – sie entfalten also auch nur noch eine reduzierte Wirkung. Der Fall betrifft die meisten grossen Schweizer Spitäler.  Quelle

Da können die Spitäler nicht viel dafür – haben sie doch bei (anscheinend) zuverlässiger Quelle ihre Medikamente bezogen … und leiden jetzt wahrscheinlich darunter, dass als Folge der Sistierung einige (wichtige) Medikamente der Firma mehr nicht mehr lieferbar sind. Und in der Schweiz haben wir kaum Ausweichmöglichkeiten.

Fall zwei: Drei grosse Spitäler kaufen über Jahre bei der Firma Swsi teils grob fehlerhafte Medizinprodukte ein. Die Swsi Medical AG im Kanton Zug vertrieb günstige Medizinprodukte, die aus Pakistan stammen. Die Ärzte und Einkaufsverantwortlichen bemängeln zwar die Qualität in mehreren Emails an die Firma – wir reden hier von verbogenen, rostigen Instrumenten, falsch beschrifteten Packungen, brechenden Saugkanülen und verstopfende Sauger, Rückstände wie Metallsplitter in Saugkanülen und ähnlich beunruhigendem – aber sie machen keine Meldung an die Swissmedic. Deshalb sind die Spitäler inzwischen bestraft worden und die Swsi ist in Liquidation. Die Strafe an die Spitäler betrug übrigens 5000 Franken … man fragt sich, ob das in Kauf genommen wurde – ich bin sicher, der Billigeinkauf der Produkte über Jahre hat sich rentiert. Quelle

Hmm, hmm – Sparen im Gesundheitssystem, aber man schaue gut an welcher Stelle.

Bestes Patientenzitat heute

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bestesPatientenzitat

Ohne es mir mit den mitlesenden Ärzten vertun zu wollen (und „Fehler“ ist vielleicht ein zu starkes Wort für manches davon), aber … wenn der Patient der das gesagt hat gesehen hätte, was ich schon gesehen haben ….

Das fängt schon bei einfachen Dingen an: Patientenname nicht auf Rezept, falscher Name drauf, eigener Name statt dem vom Patienten (ich glaube der Arzt war etwas übermüdet) … ausgesprochen unpassende Dosierungen (ja, man nimmt Xarelto einmal täglich und Brilique zwei mal täglich – ziemlich relevanter Unterschied bei den Blutverdünnern), Betäubungsmittel auf normalem Rezept verordnet, Wechselwirkung oder Allergie nicht beachtet undsoweiterundsofort … – ihr lest ja diesen Blog, also kennt ihr das auch 🙂

Das allermeiste macht nicht viel und lässt sich vor Ort korrigieren oder nach einem raschen Telefonanruf mit dem verschreibenden Arzt. Die nehmen das auch (meistens) nicht persönlich – sind halt auch nur Menschen.

 

Beratung bei jedem freiverkäuflichen Bonbon?

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Das Beispiel des Notfalls im letzten Blogpost war ein sogenanntes Hypo: eine Unterzuckerung, die ziemlich gefährlich werden kann – und das schnell.

Wer Medikamente gegen hohen Blutzucker nimmt (oder gar Insulin spritzt) muss sich vor Hypoglykämien in Acht nehmen. Die Patienten selbst wissen – v.a. wenn sie sich intensiv mit Ihrem Diabetes beschäftigt haben, wahrscheinlich mehr über die eigenen Warnsymptome als ich, dementsprechend will ich hier nur ein paar Anmerkungen anbringen.

Eine Hypoglykämie ist definiert als ein Blutzuckerspiegel unter 2,8mmol/l (50mg/dl). In der Regel ist das begleitet von neurologischen Symptomen wie Schwitzen, Herzklopfen, Hunger, Verwirrung, Sprach- und Sehstörungen, bis hin zu Krampfanfällen und Koma. Eine schwere Hypoglykämie kann aber auch ohne Vorwarnung auftreten. Wenn man Insulin spritzt, ist es wichtig, dass man relativ gleich danach etwas isst, speziell bei den schnellwirkenden Insulinen kann sonst der Blutzucker rasch abfallen.

Behandlung: so rasch wie möglich Kohlenhydrate geben, d.h. Zucker, z.B: Traubenzucker, Orangensaft … In dem Moment macht das auch nichts, wenn man einem Zuckerkranken Zucker gibt, denn ein niedrigerer Blutzucker ist viel schlimmer als ein momentan zu hoher.

Soviel zur Vorausinfo – da gab es nämlich einen Blogpost im Bestatterweblog von Peter Willhelm vor ein paar Jahren, in dem er über seinen Zucker schreibt … und darüber, wie ein Mann wegen nicht erfolgter Beratung bei freiverkäuflichen Bonbons wohl gestorben ist.

Zusammenfassend (man lese sonst gerne den Originalpost, Peter Willhelm schreibt echt gut, auch wenn ich da mal nicht seiner Meinung bin):

Ein (in der Apotheke bekannter) Diabetiker verlangt und kauft in der Apotheke immer auch Hustenbonbons. Er benutzt die allerdings nicht gegen den Husten, sondern wenn eine Unterzuckerung droht. Weil er aber die neue Sorte nimmt, die zuckerfrei sind, helfen sie ihm danach nicht, als er tatsächlich in ein Hypo kommt. Er stirbt.

Das ist tragisch. Schreibt der Bestatter:

Ich persönlich finde, daß die Apothekenverkäuferin einen großen Fehler begangen hat. Sie hätte genauer zuhören müssen und heraushören müssen, daß der Mann die Bonbons wegen ihres Zuckergehalts haben wollte. Stattdessen hat sie ihm zuckerfreie Bonbons verkauft.

Ja – nur WISSEN wir denn, dass die Angestellte in der Apotheke (die die Apothekerin, die PTA oder eventuell auch der Lehrling sein konnte) gewusst hat, dass er die dafür braucht? Hat er es wirklich so gesagt beim Einkauf? Denn … in meinen Augen nimmt man für eine Unterzuckerung sowieso besser Traubenzucker – der löst sich ja auch schneller auf als so ein Bonbon … das mehr wegen des Geschmackes und wegen der Halsberuhigenden Wirkung gekauft wird.

Dennoch: der Mann könnte noch leben. Wenn er die richtigen Zuckerbonbons bekommen hätte, wenn das Hypo im Supermarkt rechtzeitig erkannt worden wäre und behandelt. Wenn …

Für uns in der Apotheke vielleicht ein Denkanstoss, auch bei so einfachen Sachen genau hinzuhören. Und zu fragen: „Für Sie selber?“, „Für was brauchen Sie es?“ …

Der Apotheker – Dein Ersthelfer?!

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Vorgestern habe ich von einer etwas fehlgeleiteten Ersthilfe erzählt und meiner Freundin, die im Skilager ohnmächtig geworden ist. Ich denke ich erinnere mich deshalb so gut an den Vorfall, weil ich ihn als Anlass genommen habe mich danach als Nothelfer ausbilden zu lassen. Das war schon vor der Berufswahl brauchbar, zum Beispiel für die Rettungsschwimmerausbildung und natürlich die Autoprüfung und die freiwillige Feuerwehr. Das Wissen konnte ich schon häufig anbringen seitdem. Viele haben aber nie so ein Erlebnis gehabt … Aber an der Uni hatten wir diesen Professor, der uns vor dieses Szenario gestellt hat … dafür bin ich ihm wirklich dankbar:

Er hat die Klasse gefragt: „Also, was würdet ihr machen, wenn eine Patientin, die gerade ihr neues Dauerrezept für Lantus bringt auf einmal sagt, dass sie sich schwach fühlt?“

Erst hatte niemand in der Klasse den Mumm zu antworten – es könnte ja die falsche Antwort sein.

Da hat der Professor das Ganze vorgespielt, indem er die Patientin verkörperte. Er lief direkt zu einer Studentin in der ersten Reihe und sagte: „Schnell, ich werde gleich ohnmächtig! Tu etwas!“

Und als die schockstarre Studentin nicht reagierte, lief er zu einem anderen Studenten und wiederholte das.  Der Student sagte: „Ich rufe die Sanität!“

Das hörte sich nach einer guten Antwort an.

Professor: „Nein, ich bin Diabetiker, verflixt! Sie sollten das wissen, weil Sie gerade mein neues Rezept für Insulin bekommen haben.“

Andere Studentin: „Äh, ihr das Insulin verabreichen?“

Professor: „Oh nein, jetzt haben Sie mich in ein Koma versetzt!“

„… Haben Sie denn Traubenzucker in der Apotheke, wo sie das Praktikum machen?“

Alle nicken. Natürlich haben wir das.

„Okay – das Problem der Patientin ist, dass ihr Blutzucker zu niedrig ist. Sie wird demnächst bewusstlos. Aber solange sie das nicht ist, und sich dann wahrscheinlich an dem was sie ihr geben können verschluckt, gebt ihr das Traubenzucker um den Blutzucker wieder hoch zu bekommen.“

Na klar! Aber da es für viele von uns wohl das erste Mal war, dass wir mit der Geschwindigkeit, mit dem sich ein richtiger Notfall direkt vor unseren Augen entwickeln kann konfrontiert wurden … etwas, das man nicht aus Büchern lernen kann … haben wir versagt.

Der „Schock“ dieser Lektion hat uns das bewusst gemacht – wir konnten noch nicht richtig reagieren, auch aus Angst, das falsche zu tun.

Und Situationen wie diese kommen im richtigen Leben vor, und sind es auch: in meiner Apotheke, während der Arbeit.

Ich habe schon Herzinfarkte gesehen, Schrittmacher die nicht mehr richtig funktionierten, akute Asthmaanfälle, Epileptische Anfälle und auch eine Hypoglykämische Krise … eben die Unterzuckerung die oben beschrieben wurde.

Dann muss man reagieren können.

Ich würde wirklich vorschlagen, dass im Pharmaziestudium mehr „richtiges Reagieren im Notfall“ gelernt wird. Es ist ziemlich erschreckend, wenn in einem akuten Fall auf einmal alle auf einen schauen, weil man die Person mit dem besten medizinischen Verständnis im Raum ist. Aber es ist ein Unterschied, ob man die Theorie über die Vorgänge im Körper kennt oder weiss, wie man in so einer Situation richtig reagiert.

Die Sanität zu rufen WAR eine gute Antwort. Aber noch besser ist es, etwas zu tun, während man auf sie wartet.

Das war 2017 – ein Blick zurück

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rueckblick17

Da WordPress es offenbar aufgegeben hat, einen Jahresrückblick vom Blog zu liefern, bekommt ihr halt einen selbstgebastelten von mir 🙂

Das war 2017 auf dem Blog:

  • 1’227119 Seitenaufrufe
  • 492931 Besucher
  • 263 veröffentlichte Beiträge
  • 1772 Gefällt mir Angaben
  • 2591 Kommentare

Und was lief hier so?

Das mit Abstand beste Posting (zahlenmässig) war: Droh-Kettenbriefe an Kinder mit über 13’000 Zugriffen. Ein Thema, das nichts mit der Apotheke zu tun hat, aber offenbar nicht nur mich bewegt.

Danach kommen ein paar Klassiker mit Fragen, die offenbar immer noch aktuell sind:

Beliebte Blogposts von 2017 waren:

Und ihr? Des Bloggers Brot sind ja die Kommentare – ohne die würde es nicht annähernd soviel Spass machen zu bloggen. Ausserdem bekomme ich so immer unglaublich spannenden Input, News und Einsichten. Das ist nicht nur Brot, das sind Kuchen 🙂

Insgesamt hat die Seite 51’146 Kommentare, der aktivste Tag war der 27.Oktober 2017.

Hauptkommentatoren:

  1. Der Flo
  2. Gedankeknick
  3. Mr. Gaunt
  4. Turtle of doom
  5. Nickel
  6. Sebastian

Danke Euch im speziellen – ich lese Euch gerne!

Dank dem Blog erhalte ich gelegentlich Schreibaufträge und Zusammenarbeit mit anderen Medien. Danke an dieser Stelle an die AstreaApotheke, wo ich für das AstreaBulletin für Pharmaassistenten und Lernende schreibe und an Pharmapro wo ich auch Artikel veröffentlichen durfte. Mein Buch Haben Sie diese Pille auch in grün? verkauft sich weiterhin … ganz ordentlich, vor allem vor Weihnachten ist es offenbar zum verschenken beliebt.

Und sonst? Junior wächst zum Teenie und wir sind stolz auf ihn. Inzwischen ist er in der 5. Klasse. Die Schule geht (offenbar üblicherweise) nicht ganz problemlos – und allzu viel will ich hier nicht darüber schreiben – aber wir schaffen das. Gesundheitlich gehts uns allen auch gut, was wir dieses Jahr ausgenutzt haben, indem wir ein paar Mal Ferien gemacht haben: Im Frühling in Thailand, im Sommer eine Woche Auszeit in Arosa (kurzfristig organisiert, aber wirklich gut für uns) und im Herbst in Südafrika. Yay! Gut habe ich keine teuren Hobbies … tatsächlich kommt mit dem Bloggen und schreiben noch ein bisschen Geld herein. Jetzt wisst ihr, für was das ausgegeben wird …

Das neue Jahr wird sicher auch neues bringen … wir sind gespannt. Hier in der Schweiz ist das Thema neues Heilmittelgesetz sehr aktuell … noch ist nicht ganz klar, was für Auswirkungen das effektiv auf den Apothekerberuf haben wird. In Deutschland … Seufz … Ich wünschte ich könnte ein bisschen mehr helfen, aber es ist hart mitanzusehen, wie dort die Politik (geschmiert von gewissen Interessensverbänden) offenbar die Absicht hat ihr eigenes Gesundheitswesen komplett kaputt zu machen.

Jedenfalls – es wird auch dieses Jahr genug geben um darüber zu bloggen – und ich bin auch für Ideen und Einsendungen hier (auch wenn ich nicht alles umsetzen kann).

Los geht’s!

Kommt ihr mit?

Wasser ins Gesicht?

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Man ruft mich zu einem Notfall nebenan. Die Angestellte ist im Laden plötzlich umgefallen und nicht mehr ansprechbar. Ich packe meine Notfalltasche und ein paar Traubenzucker und eile hinüber. Sie liegt immer noch auf dem Boden als ich ankomme.

Ich knie mich zu ihr, wobei ich merke, dass meine Hose nass wird (?). Ich schau sie mir an.

Sie ist bewusstlos (nicht gut). Sie atmet (gut!).

Praktischerweise liegt sie schon fast in stabiler Seitenlage, so dass nicht mal viel an ihr herumziehen muss.

Keine sichtbaren Verletzungen, kein Blut, nur … eine Pfütze?

Pharmama: „Weshalb ist das so nass hier? Ist das von ihr?“

Sie hat nicht eingenässt, das ist zu weit oben: im Kopf- und Schulterbereich. Hat sie erbrochen? Die Flüssigkeit ist zwar klar, so weit ich sehen kann …

Sagt ihre Arbeitskollegin: „Nein. Das war ich – ich hab versucht sie wieder wachzubekommen. Mit Wasser.“

Ja – wie im Trickfilm. So wie’s aussieht hat sie der bewusstlosen Kollegin mindestens den Inhalt eines Glases Wasser angeworfen oder über den Kopf geleert.

Wach ist sie davon nicht geworden, auch meine Ansprech- und Schmerzreiz-versuche bewirken nichts, weshalb ich die Ambulanz rufen lasse.

Während ich bei ihr bleibe, bis die kommen, verlange ich ein paar Tücher um ihr wenigstens das Wasser aus den Ohren und der Nase zu entfernen.

Echt jetzt: Das macht man nicht. Das ist etwa so wirkungsvoll wie das pumpen mit den Armen, wenn man jemanden aus dem Wasser gezogen hat.

Sie wird wieder wach, als die Sanitäter eintreffen, die sie trotzdem zur Abklärung mitnehmen.

Einen Tag später ist sie wieder da – und ich gehe nachfragen: Was war es? An dem Tag hatte sie starke Menstruationsschmerzen … und ist wegen dem tatsächlich umgekippt. „Notaus“ von ihrem Körper. Dafür war sie aber ziemlich lange weg. Zumindest gefühlt dauert das ja ewig, auch wenn es nur ein paar Minuten sind …

Ich erinnere mich daran, wie meine Freundin in einem Skilager einmal etwas ähnliches gemacht hat. Wir haben Ping-Pong gespielt, die Tischplatte war nicht fest und ist abgerutscht und ihr, als sie versucht hat sie festzuhalten auf den Finger gefallen. Sie hat es noch bis zum Lavabo geschafft, wo sie die Hand unter das kalte Wasser gehalten hat. Dort ist sie umgekippt mit den Worten: „Ich glaube mir wird schwarz vor den  …“

Damals habe ich auch nicht wirklich ideal reagiert – sie ist mir praktisch in die Hände gefallen und ich habe versucht, sie festzuhalten – statt sie hinzulegen – während ich um Hilfe gerufen habe.

Heute weiss ich es besser – und ihre Kollegin wohl auch – und vielleicht nimmt sie das als Anlass um zu lernen, wie man in (einfachen) Notfällen richtig reagiert. Ist auch nicht so schwierig.

Eigentlich wollte ich hier ein Bild einfügen von so einer „Wasser ins Gesicht-Wiederbelebung“ aus einem Cartoon, aber … ich habe nichts gefunden! Ich kann mich an einige so Szenen erinnern, aber offensichtlich sind die nicht im Netz?

From Instagram: Liebe Alle: ich wünsche Euch ein abwechslungsreiches, friedliches, schönes neues Jahr! Ich bin Dankbar für was wir haben und gespannt und hoffnungsvoll auf was kommt. #newyear #2018 #danke #wp

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