Rückkehrergedanken #covidindenferien

Es war klar, dass die letzten Posts starke Reaktionen ergeben würden. Ich verstehe das und bemühe mich, mich nicht persönlich angegriffen zu fühlen. Manchen Kommentaren merkt man allerdings an, dass sie nicht über „Reise trotz positivem Test fortgesetzt“ hinausgelesen und sich dann ereifert haben. Auch wenn ich unser Vorgehen definitiv nicht empfehle: Keine unserer Handlungen war unüberlegt – tatsächlich haben wir uns grösste Mühe gegeben, niemanden zu infizieren und bei allem was wir getan haben und bei allen Kontaktmöglichkeiten hatte ich immer das Risiko im Kopf. Hier ein paar von meinen Überlegungen.

Am grössten war das Risiko einer Übertragung von Covid auf andere zu Beginn – eigentlich noch bevor wir wussten, dass wir angesteckt sind (am 3. Tag der Reise). Wobei ich hier das „wir“ relativieren will. Ich: sicher. Mann: wahrscheinlich. Junior: möglich. Die Infektiosität ist vor Beginn der Symptome und ein paar Tage danach am höchsten. Ab wann ist unklar – genauso wie wie lange. Man geht heute davon aus, dass man nach 10 Tagen und 48 Stunden Symptomfreiheit nicht mehr ansteckend ist. Es gibt einige reduzierende Faktoren für die Infektiosität – zum Beispiel wenn man wenig Beschwerden hat, wenn die Hygienemassnahmen gut beachtet und wenn man geimpft ist. Geimpfte (liest man) hätten nicht nur leichtere Symptome, sondern eventuell auch eine nicht so hohe Viruslast, die ausserdem schneller abnehmen sollte. Wir sind alle 3 doppelt geimpft.

Nicht jeder Kontakt mit dem Virus führt zur Infektion. Dazu braucht es eine gewisse Menge Virus. Deshalb gibt es die Abstandregel, die Empfehlung sich lieber draussen zu treffen, gut zu lüften. Damit das Virus nicht massenweise in die Luft geht, trägt man Maske (ja, für die anderen, nicht für sich), sollte man in die Ellboge husten oder niesen (Maske nicht abziehen) und nicht laut reden oder singen. Im Flugzeug empfehlen sie deshalb nur mit Maske mit dem Personal zu reden.

Auf Oberflächen können die Viren teils überleben, allerdings nicht ewig lange. Länger bei Kälte und Trockenheit; kürzer bei Sonnenbestrahlung (UV-Licht) und Hitze. Waschen mit Wasser und Seife killt das Coronavirus effektiv. Alkohol in genug hohen Konzentrationen ebenfalls. Für eine Infektion muss das Virus dann noch ins Gesicht gelangen – indem man sich hinfasst.

Situation in Namibia: Das Virus (auch die Deltavariante) gibt es dort wie überall anders. Sie haben die 3. Welle überstanden und sind aktuell etwas am lockern. Der Tourismus ist nach dem Bergbau der zweitgrösste Wirtschaftszweig. Es gibt Vorschriften: In Innenräumen ist Maske zu tragen. Ich habe (im Gegensatz zu bei uns) bei den beiden Malen, die wir einkaufen mussten keinen einzigen gesehen, der keine Maske anhatte. Dasselbe gilt für Angestellte an der Rezeption und Kellner. Zugegeben: da wir möglichst Kontakte vermieden haben ist meine Beobachtung nicht umfassend. Ansonsten haben sie die selben Vorgaben wie wir: Abstand halten, Hände waschen und desinfizieren. Zum Testen haben sie andere Empfehlungen, was vor allem damit zusammenhängen wird, dass sie viel weniger Teststellen (und Tests) haben als wir. Es gibt nur PCR Tests, keine Antigentests wie Schnelltests oder Selbststests.
Namibia ist ein riesiges Land und die Bevölkerung (und die medizinischen Einrichtungen) konzentrieren sich auf die grösseren Ortschaften. Windhoek, Swakopmund. In mittleren Ortschaften wie Grootfontein, Outjo, Khorixas (um die nördlichen zu nenen) gibt es Spitäler. In kleineren Ortschaften haben sie öffentlich zugängliche, sehr einfache medizinische Einrichtungen. Bis auf die Spitäler und Zentren in Swakopmund / Windhoek / Walvis Bay sind die nicht mit denen bei uns zu vergleichen. Namibia ist auch nicht Südafrika, wo die Situation / das Gesundheitswesen anders (enger und moderner) strukturiert ist. Dazu kommt, dass zwischen den Ortschaften sehr grosse Distanzen liegen und die Strassen häufig ungeteert sind. Wir lieben die Weite, die ungeteerten Strassen und den wenigen Verkehr in Namibia, aber für akute Gesundheitsprobleme sind sie schlecht. Nach dem was ich im Netz lesen konnte ist die aktuelle Empfehlung für die Bevölkerung sich bei leichten Symptomen in Isolation zu begeben für 10 Tage. Bei stärkeren Symtomen sollen sie in die nächste Gesundheitsstation gehen – wo sie getestet, in Quarantäne geschickt und behandelt werden. Für Fragen betreffend Covid gibt es eine 0800-Nummer. Die Nummer geht wahrscheinlich auch für Besucher, wobei ich das wirklich nicht testen wollte. Das Telefonnetz hat ziemliche Lücken, oft hatten wir unterwegs keinen Empfang – ausserdem ist roaming exorbitant teuer.

Die Impfung: Namibia hat ziemlich vorwärts gemacht mit den Impfungen und im Tourismusbereich sind die Leute fast durchgehend geimpft (schreiben sie zumindest). Vor allem mit diesen würden wir Kontakt haben.

Nachdem ich dort im Selbsttest positiv getestet habe, haben wir zwar uns nicht bei der Nummer oder der Botschaft gemeldet, aber uns so gut wie möglich isoliert. Das bedeutet: Kontakte vermieden, wo wir konnten und strengste Hygienemassnahmen eingehalten, wenn das nicht möglich war. Konkret:
Sobald andere Menschen in der Nähe waren (und wir nicht im Auto) haben wir Masken getragen. Dabei kam uns in dem Fall zu gute, dass wir abseits unterwegs waren und es aktuell auch in den Unterkünften noch kaum andere Besucher hatte. Die ersten 4 Tage nach dem Test (und 2 Tage vorher) waren wir zudem auf Campingplätzen und weit weg von allen anderen. Kein Campingplatz war voll oder auch nur gut besetzt – auf der Toilette haben wir 3 in den 4 Tagen insgesamt etwa 10 andere Menschen gesehen, dabei haben wir sowohl Maske getragen als auch Abstand eingehalten. Die nächsten 6 Tage waren wir in Hotels/Lodges, auch die praktisch leer. Sobald wir aus dem Zimmer gingen hatten wir Masken an. Beim Essen (das nicht möglich war im Zimmer: kein Tisch) haben wir sowohl auf mindestens 3 Meter Abstand zu anderen Gästen als auch darauf geachtet die Maske nur zum Essen abzunehmen. Wo immer möglich haben wir draussen gesessen.
Vor jedem Kontakt mit Oberflächen die auch von anderen berührt werden haben wir die Hände desinfiziert: Stifte an der Rezeption (ca. 14x), Restaurant- oder Hotelrestaurant Besuch (10x) Einkaufen (2x).

Meine Symptome (hauptsächlich leicht laufende Nase und etwas Augentränen / Abgeschlagenheit haben am Tag vor dem Test begonnen und 3 Tage nachher wieder aufgehört. Der Geruchsverlust hat danach begonnen und ist nach 10 Tagen schon wieder besser geworden, aber noch nicht ganz weg. Die Beschwerden vom Mann waren etwas schwieriger einzuordnen. Er hatte am Testtag etwas Niesen und eine leicht laufende Nase, die aber 1 Tag später wieder weg war. Am 3. Tag nach meinem Test hatte er (hoch) Fieber und ist kollabiert. Das war allerdings nach einem halben Tag in der Sonne ohne Schatten und zu wenig trinken – ich vermute einen Hitzekollaps (Vorläufer vom Hitzeschlag). Mit kühlen und ruhen war am nächsten Tag alles gut – auch keinerlei erhöhte Temperatur mehr. Am 4. Tag hat er einen Hautausschlag entwickelt – so wie ich das sehe, habe ich ihm beim kühlen mit Wasser und Tüchern auch Bakterien in eine kleine Hautwunde gebracht. Die Infektion / der Ausschlag ging mit (fetter) desinfizierender Salbe zurück. Am 8. Tag hat er nachts angefangen sich zu erbrechen und am nächsten Tag Durchfall bekommen, der 1 Tag anhielt (bis ich ihm Imodium gegeben habe). Obwohl das auch Covid-Symptome sein könnten, vermute ich hier eher eine Lebensmittelvergiftung durch Biltong. Das deshalb, weil ich auch von dem selben Trockenfleisch hatte (nur weniger) und ich auch Übelkeit und Durchfall hatte (auch nur weniger). Junior hatte bis auf einmal Naselaufen keinerlei Beschwerden und keine erhöhte Temperatur und auch kein Durchfall, da er nicht von dem selben Bilton gegessen hat.

Insgesamt halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass wir jemanden angesteckt haben während der Reise – vor allem nach dem Test.

Zurückgereist sind wir am Tag 11 nach Test. Junior hatte nie Symptome. Ich zu dem Zeitpunkt (ausser dem Geruchsverlust) seit mehreren Tagen nicht mehr und der Mann nur Durchfall/Bauchkrämpfe – höchstwahrscheinlich wegen Lebensmittelvergiftung. Ein PCR Test hätte vielleicht noch angegeben. Ich schätze trotzdem die Ansteckungsgefahr durch uns mit allen Hygienemassnahmen (die wir religiös befolgt haben) als ausgesprochen gering ein – auch bei dem mehrstündigen Flug.

Nach der Reise habe ich es zu Hause gemeldet bei Arbeitgeber und Schule. Laut Arbeitgeber ist es schon so lange her, dass ich normal anfangen darf zu arbeiten – unter Beibehaltung der üblichen Hygienemassnahmen. Juniors Schule wurde ebenfalls informiert – er darf, da sie hier aktuell wieder Maskenpflicht haben nach den Ferien (sehr sinnvoll! eig. auch länger) in den Unterricht. Heute Mittwoch wurde er mit dem Rest der Klasse im Pool getestet. Da wir bis jetzt nichts gehört haben, ist er Negativ. Mein Mann nimmt sich noch ein paar Tage frei zum auskurieren und war beim Arzt um den Rest des Hautausschlages anschauen zu lassen. Der Durchfall ist nicht wieder gekommen.

Nach den Kommentaren hätten wir in der Situation:
1. Erst gar nicht reisen sollen, schon überhaupt gar nicht auf Afrika. Das war unverantwortlich, eigensüchtig und offensichtlich rassistisch, da es uns offensichtlich ja nichts ausmachen würde, dabei ein paar (Ausdruck mit N, der nicht Namibianer heissen sollte) zu gefährden.
2. Sobald ich den Verdacht auf eine Covid Infektion hatte, das den Behörden melden müssen und uns einliefern. Die Reise fortzusetzen war egoistisch. (Ja, war es. Obwohl wir praktisch alle Aktivitäten ausliessen und uns nur entweder im Auto, Dachzelt oder Hotelzimmer aufgehalten haben, die Gegend konnten wir trotzdem geniessen beim Transit … und unsere gemeinsame Zeit)
3. Das der Schweizer Botschaft melden müssen. (ob die das interessiert?)
4. In Afrika den Rest der Ferien (und noch Tage darüber hinaus) in einem Zimmer verbringen müssen. Wahrscheinlich getrennt in mehren Zimmern.
5. Uns auch zurück in der Schweiz noch weitere Zeit komplett isolieren.

Natürlich, ist denen nicht alles bekannt, was und wie es gelaufen ist. Den meisten reicht es, Leute nach minimaler Info zu verurteilen.

Wenn ich nicht gedacht hätte, dass wir uns selber isolieren und von anderen fernhalten können und alles tun um eine eventuelle Übertragung zu verhindern, hätten wir das gemacht. In einem anderen Land und in einer anderen Situation hätten wir das gemacht. In der Schweiz hätte ich das gemacht.

Wir haben es nicht. Das ist kein Aufruf an andere, sich gleich zu verhalten. Das ist nichts, worauf ich stolz bin. Im Moment ist es einfach so.

Wenn es ein paar andere wieder aufmerksam darauf macht, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist und dass es weiterhin wichtig ist aufmerksam zu bleiben und vorsichtig, dann reicht mir das. Das Corona-Virus ist da draussen und wir werden es nicht wieder los. Den Kontakt vollständig zu vermeiden ist fast unmöglich. Selbst wenn man es schon gehabt hat, selbst wenn man geimpft ist, selbst wenn man getestet ist, kann man es bekommen und vielleicht übertragen. Es gibt keine 100% Garantien – auch mit 3G nicht. Es gibt keine Sicherheiten – und am besten ist immer noch die eigene Vorsicht … auch in der Freizeit, auch in den Ferien.

#covidindenferien Teil 4: Rückkehr

In Windhoek im Hotel – und sonst gar nix. Da mein Mann immer noch stark Übelkeit hat, essen nur Junior und ich im Restaurant (im Freien, mit Abstand) und nehmen sein Essen ins Zimmer. Erst 4 Uhr Nachts geht es ihm gut genug, wieder etwas zu essen.

Am Morgen (Abreisetag) ist die Übelkeit besser, aber er leidet unter Durchfall und Krämpfen. Wir dürfen etwas länger im Hotelzimmer bleiben. Auschecken, Mietauto zurückbringen, zum Flugplatz. Die Stadttour ist gestrichen – wie so vieles anderes in den Ferien auch.

Was brauchen wir für den Rückflug via D in die CH? Für D selber eigentlich einen aktuellen PCR Test, aber da wir nur Transit haben ist das nicht verlangt. Für die Einreise in der Schweiz als Schweizer und geimpfte benötigen wir nur ein Einreiseformular, online ausgefüllt. Auf dem Einreiseformular sind übrigens keinerlei Fragen betreffend dem aktuellen Gesundheitsszustand. Nur die persönlichen Daten, der Flug, die Sitzplätze im Flugzeug müssen angegeben werden.

Beim Ausstellen der Flugtickets werden die Impfzertifikate angeschaut – und das wars. Ein zweiter Sicherheitsscheck vor dem Boarding beschränkt sich auf den Inhalt des Handgepäcks.

Der Nachtflug verläuft ruhig, unterbrochen nur von diversen Toilettenstopps vom Mann. Umsteigen in Frankfurt – wir haben über 4 Stunden Zeit. Diesmal müssen wir durch eine Pass- und eine Sicherheitskontrolle, bevor wir am Gate sind.

Mein Mann bekommt wieder mehr Magendarm-Krämpfe und hat stark Durchfall. Ich dope ihn mit Imodium. Zum Glück, ansonsten wären die über 1 1/2 Stunden, die wir im Flugzeug auf den Abflug warten müssen, kaum überstehen zu gewesen.

Endlich angekommen in Zürich will das Gepäck nicht kommen – Probleme beim Ausladen. 1 Stunde später haben wir es doch raus geschafft. Keine Passkontrolle, keine Kontrolle der (elektronisch ausgefüllten) Formulare, nix.

Wir werden übrigens vom Freund der Freundin (die uns hingebracht und angesteckt hat) zurück nach Hause gebracht. Sie selber ist kurzfristig in die Ferien auf Ungarn. Kein Kommentar dazu meinerseits.

Zu Hause (endlich) halbtot ins Bett. Froh, wieder in der Schweiz zu sein. Mit einem Sicherheitsnetz, das in Afrika einfach nicht vorhanden ist. Hier ist der nächste Arzt oder das Spital nicht Stunden Fahrt über ungeteerte Strassen weg. Hier habe ich überall Telefonverbindung und kann jederzeit ins Internet, wenn ich Informationen brauche.

Heute hätte ich wieder anfangen müssen zu arbeiten. Dank lieber Mit-Apothekerinnen kann ich noch einen Tag ausruhen. Ich hab’s nötig. Bin immer noch schnell erschöpft und dem Mann gehts gleich. Aktuell schläft er grad neben mir. Der Geruchssinn kommt aber schon wieder. Ich bin so dankbar, dass es Junior gut geht. Er hatte nichts. Ich bin auch sehr dankbar für die Impfung. Auch wenn wir Covid trotz kompletter Impfung bekommen haben, ich bin überzeugt, dass die Infektion ohne sie vor allem bei meinem Mann viel schlimmer (Spitalaufenthalt etc.) gewesen wäre.

Junior ist fit genug, dass er in die Schule geht, die auch heute wieder angefangen hat. Ich hab den Lehrer gestern noch informiert, dass er aufs Maskentragen bei allen achtet – und dass der nächste Pooltest vielleicht wegen ihm positiv ist.

#covidindenferien Teil 3: Namibia

Im Etosha Nationalpark und der Selbsttest ist positiv. Ich mit leichten Symptomen, dem Mann und Junior geht es gut. Ich mache mir Sorgen, vor allem um den Mann. Er ist zwar auch geimpft, aber trotzdem Risikoperson. Älter als ich, männlich, Übergewicht und Bluthochdruck. Das sind die Leute, die (ungeimpft) im Spital landen.

Ich bin sauer auf die Freundin, die uns (wie sich jetzt herausstellt) ungeimpft, sorglos und mit leichten Beschwerden gefährdet hat. Und ich mache mir schwerste Selbstvorwürfe, dass wir die Maske nicht angezogen haben – wo wir sonst immer so vorsichtig sind.

Was jetzt? Wir diskutieren es in der Familie. Mein Mann ist der Fahrer – auch wenn ich das könnte. Nach dem was ich online lese (fehlendes Netz und Internet sind hier auch ein Problem) soll man sich in Namibia bei leichten Symptomen selber isolieren und nur stärkere melden. Keine Ahnung, wo hier die nächste Teststation ist. Eine Telefonnummer ist an den Rezeptionen angegeben, wo man Auskunft bekäme. Sicher hat es welche in Windhoek und Swakopmund. Aber eigentlich brauche ich keine zusätzliche Bestätigung und ins Spital hier will ich unbedingt vermeiden.

Wir beschliessen uns so gut es geht zu isolieren und uns weiter zu beobachten. Bei schlimmeren Symptomen können wir es noch melden und müssen dann wohl ein Spital suchen gehen. Wir sind alleine unterwegs und jetzt noch weitere 3 Tage auf Campingplätzen und kochen selber.

Die nächsten 2 Tage liege ich ziemlich flach. Das Augentränen lässt nach, die Nase läuft nicht mehr so. Temperatur habe ich zwischen 37.8 und 37.2 Grad. (Ja, wir haben einen Ohr-Fieberthermometer dabei, eigentlich wegen Malaria). Wir wechseln vom Etosha nach Palmwag. Ein riesiges privates Schutzgebiet in sehr einsamer Gegend. Hier gibts wirklich nur Schotterstrassen.

Unser Auto mit den Dachzelten. Hübsch hier, aber sehr warm – und kein Schatten.

Am 2. Tag in Palmwag erwischt es meinen Mann. Nachmittags fällt er praktisch ohne Vorwarnung vor meinen Augen um und ist kurz bewusstlos. Hitze, Kreislauf? Herz? Ins Bett (oben im Dachzelt) bekomme ich ihn nicht er ist zu schwach und zu schwer. Er liegt vorne im Auto bis es ihm etwas besser geht. Seine Temperatur ist 39.9 Grad! Aussentemperatur etwa 35 Grad. Ich kühle ihn mit nassen Tüchern und er bekommt ein Mittel gegen das Fieber.
Die Leute hier sind nett, aber hilflos. Arzt gibt es hier keinen, das nächste Spital ist in Khorixas, 170 km über Schotterstrassen entfernt (also etwa 3 Stunden Fahrt).

Er erholt sich relativ rasch wieder. Das Fieber geht runter mit den abends sinkenden Aussentemperaturen. Wir warten bis am nächsten Morgen mit der Entscheidung Spital oder weiter mit dem Reiseplan. Nachts darf/ soll man hier sowieso nicht fahren, das ist zu gefährlich. Morgen steht Cape Cross auf dem Plan, das ist näher an Swakopmund … und damit medizinischer Versorgung.

Am Morgen ist er wieder fit. Sogar fit genug um die 300km Schotterstrasse (ca 4 Stunden) nach Cape Cross selber zu fahren – obwohl ich darauf vorbereitet war, das zu machen. Temperatur normal, einfach etwas müde.

Die Cape Cross Lodge liegt am Rande des Meeres (und der Welt, scheint es – so abseits). Obwohl die einzige Unterkunft weit und breit hat es hier wenig andere Gäste. Beim Abendessen sind wir bis auf ein Pärchen am Tisch 4 m weiter alleine.
Die Masken bleiben auf wenn wir aus dem Zimmer kommen, ausser beim Essen selber. Wir machen einen kurzen Ausflug zur Seelöwenkolonie bei Cape Cross, ansonsten bleiben wir genau da: im Zimmer.

Ich rieche nichts mehr seit etwa 2 Tagen, nicht einmal die Seelöwen (die stinken, sagt Junior). Mein Mann merkt da, dass er auch nichts mehr riecht. Der Geschmackssinn ist noch da – zum Glück.

Mein Mann beklagt sich über Schmerzen am Fuss/Bein. Ich finde einen üblen Hautausschlag, der stark entzündet aussieht. Ich behandle mit Vita-merfen und einbinden. Das muss nicht von Covid kommen – ich vermute eher meine ausgiebige Anwendung von nassen Tüchern external hat da was ausgelöst.

Weiter geht die Fahrt nach Swakopmund. Wir kommen wieder auf Teerstrassen und Zivilisation. Auch hier sind nicht allzu viele Leute im Hotel. Wir vermeiden Kontakt wo immer wir können. Inzwischen bin ich bis auf den Geruchsverlust ohne Symptome und mein Mann hat nur den Ausschlag. Wir sind weiter maximal vorsichtig, aber beim Essen lässt es sich nicht vermeiden zumindest in 2m Nähe von anderen zu sitzen.

Im Bild: malerische Autowracks bei Solitaire.

Letzter Stop vor Windhoek und Rückreise ist Büllsport. Die wunderbare Lodge liegt etwas abseits der Touristenrouten und wir kennen sie vom ersten Namibia-Besuch. Wir sind die einzigen Gäste an dem Tag.

Am Morgen wollten wir einen Ausflug in die Köcherbaumschlucht machen – der wird allerdings gestrichen, nachdem mein Mann nachts anfängt sich zu übergeben und wieder Kreislaufprobleme bekommt. Ich habe ebenfalls etwas Schwindel und Übelkeit – wahrscheinlich ist das Biltong schuld. Das im PicknPay selbst gekaufte Biltong, möchte ich anmerken. Wir starten also später von Büllsport und diesmal fahre ich wirklich. Zumindest die 100+ km Schotterstrasse bis Rehoboth. Dann übernimmt mein Mann bis Windhoek, jetzt wieder auf Teerstrassen.

Noch vergessen: an dem Tag noch den 2. Selbsttest gemacht bei meinem Mann. Nicht dass ich Zweifel habe, dass er es auch erwischt hat. Der Test war auch (immer noch?) leicht positiv. Verdammt.

#covidindenferien – Teil 2 Reisebeginn

Wir fliegen via Zürich, Frankfurt nach Windhoek in Namibia.

Zum Flugplatz Zürich bringt uns eine Freundin. Wir kennen sie schon lange und waren froh, als sie angeboten hat uns 3 hin zu bringen. Auf der Fahrt unterhalten wir uns angeregt. Masken haben wir keine an.

Flughafen Zürich, einchecken, Boardingkarten holen, Gepäck abgeben. Unsere negativen PCR Test-Zertifikate werden angeschaut – und nochmal, bevor man boarded. Leichte Verspätung von 10 Minuten beim Abflug deswegen.

Flughafen Frankfurt. Nicht viel Zeit zum Transit (etwas über 1.5 Stunden), aber da wir nicht durch eine einzige Kontrolle müssen dabei, passt das gut. Vor dem Boarding wird noch einmal der negative PCR Test kontrolliert und ein „kontrolliert“ Stempel auf das Ticket gemacht.

Kleine Aufregung: Sie rufen unseren Namen auf, während wir warten. Weshalb? Wir bekommen überraschend bessere Sitzplätze in der Economy plus mit mehr Beinfreiheit.

Kurz darauf: Öffentlicher Aufruf. Jetzt suchen sie Leute, die bereit sind auf den morgigen Flug umzubuchen. Sie bieten 600 Euro und Hotelübernachtung. Anscheinend überbucht? Nichts für uns allerdings, nicht nur will ich (endlich) in die Ferien, wenn wir 24h später ankommen, ist der PCR Test nicht mehr innerhalb der 72h Limite, die angegeben wurde.

Der Rest vom Flug ist nicht bemerkenswert. Höchstens interessant, dass in der Sicherheitsdurchsage ausser dem obligatorischen Maske-tragen auch erwähnt wird, dass man die Lüftung des Platzes ausschalten sollte. ? Ich dachte mal anderes gelesen zu haben.

Ankunft in Windhoek nach dem Nachtflug. Unser Autovermieter holt uns vom Flugplatz ab. Er bietet uns an, die Masken abzunehmen – immerhin sind wir geimpft und dazu noch frisch getestet – nur an den Polizeikontrollpunkten sollten wir sie anhaben. Wir lassen sie an.

Unser Toyota mit 4WD steht bereit. Leider ist nur 1 von 2 Dachzelten montiert. Wir sind zu 3. und in einem Zelt können nur 2 Leute schlafen. Das Problem ist sehr schnell behoben und nach kurzer Instruktion über Dachzelt, Campingausrüstung und Fahren auf Schotter gehts los.

Erster Stopp im PicknPay einkaufen. Wir haben später 6 Nächte Camping und sind Selbstversorger. Die Kreditkarte vom Mann geht nicht (später finden wir heraus, dass er ein SMS bekommen hat, ob das wirklich wir seien) und man kann keinen Alkohol kaufen, da Sonntag.

Erste Übernachtung im Waterberg Camp nach etwas über 300km. Nur der letzte Teil ist Schotterstrasse (fester Sand hier eigentlich). Wir haben einen Bungalow. Eigentlich wollten wir ins Restaurant hier. Das ist voll. Also kochen wir selber. Respektive wir grillen im Freien.

Ich starte den nächsten Tag mit einer laufenden Nase und tränenden Augen. Wenn ich allergisch wäre, würde ich denken, dass das das Problem ist. So verdächtige ich eher die trockene Luft im Flugzeug.

Weiter gehts auf Schotterstrassen unten um den Waterberg rum, dann hoch via Grootfontein und Hoba Meteorit in Richtung Etosha. Wir kommen langsamer vorwärts als ich dachte und als wir endlich wieder auf die Teerstrasse kommen, meldet sich das Auto mit einem lauten Warnsignal … dass wir zu schnell fahren? Wir werden GPS überwacht. Es ist laut, nervig und falsch. Offenbar ist ihr Kartenmaterial nicht up-to-date. Die Teerstrasse gibt 120km/h als Geschwindigkeitsbegrenzung an – das Überwachungsding reklamiert bei knapp 90. Mein Mann ist super-genervt und ich werde nervös wegen dem Weg, den wir noch zurücklegen müssen (nochmal Einkaufen gehen habe ich grad gestrichen). Wir rufen die Autovermietung an, die das Ding zurücksetzen lassen.

Das Onguma Camp, wo wir heute und morgen nächtigen ist sehr hübsch. Unser Camping-Stell-Platz hat eine eigene Toilette/Waschanlage. Wir haben eine Sundowner-Safari-Fahrt gebucht, die wir sehr geniessen. Wir sitzen ganz hinten im offenen Jeep und tragen Masken. Auch wenn das seltsam aussieht, da die anderen beiden Touristen das nicht tun. Aber ich bestehe darauf, da ich immer noch leichtes Nasenlaufen habe. Und ich wäre froh, wenn alle mit irgendwelchen Symptomen das tun würden. Muss ja nicht Covid sein (woher auch?). Will ja niemand in Afrika krank werden – egal was ist. Und ich hätte ein echt schlechtes Gewissen, wenn ich jemanden anstecken würde.

Weiter geht es in den Etosha. Ich baue ab – bin müde, die Nase läuft immer noch (vor allem am Tag, Nachts ist sie einfach nur trocken) und die Augen tränen. Durch den Etosha fahren wir fast nur durch bis ins Onguma Camp, wo wir heute und morgen sind. Und hier zeigt mir mein Mann die SMS, die er von unserer Freundin bekommen hat, die uns an den Flughafen in ZH gebracht hat. Sie ist am Sonntag abend testen gegangen und hat positiv auf Covid getestet. Sie hat uns beim Kontakt-Tracing nicht angegeben, damit wir keine Probleme bekommen. Äh- Danke?

Ich mache sofort den Selbsttest, den ich mitgenommen habe. Das Ergebnis ist überdeutlich:

Der Teststreifen ist deutlicher als der Kontrollstreifen. Ich bin Covid-Positiv. In Namibia. In Afrika.

Totaler Schock. Was jetzt? Wir sind weit (weit!) weg von der nächsten Teststation … ich bin geimpft, habe leichte Symptome und wenn wir das hier melden (wo?) stecken sie uns dann irgendwo in Isolation und für wie lange?

#covidindenferien – Teil 1 Reisevorbereitungen

Hallo! Uns gibt es noch. Man sollte denken, dass Ferien für mein burn-out-Problem eine Lösung sind, aber … vielleicht nicht solche Ferien, wie wir sie gerade hatten. Wir sind wieder hier und das ist gut. Ich bin selten so froh gewesen aus den Ferien zurück zu kommen wie dieses Mal. Ich hätte auch nie gedacht, dass wir (ausgerechnet) in den Ferien und in Afrika Covid bekommen würde. Aber hier sind wir.

Weshalb überhaupt jetzt in die Ferien? Und weshalb Afrika? Das fragen sich sicher einige.
Die 2 Wochen-Reise durch Namibia war seit 2019 geplant und gebucht. Ursprünglich für Herbst 2020 – das klappte dann aus bekannten (Covid)Gründen nicht. Namibia kennen wir schon und wir waren schon 2x da, letztes Mal (2009) schon mit unserem Junior. Ein wunderschönes Land, das gut auf eigene Faust bereist und erlebt werden kann.

Vor der Reise verfolgte ich die Situation in Namibia intensiv. Und es sah nicht schlecht aus: Die dort 3. Welle wurde überstanden. Zahlen stetig am sinken.

Natürlich alles mit einem Körnchen Salz zu nehmen: Es ist kaum zu erwarten, dass sie dort gleich testen wie bei uns (nicht alle Infektionen werden gemeldet). Aber auch die Todeszahlen sind aktuell tief (auch da: wahrscheinlich nicht alles gemeldet).
Namibia ist gross und die Bevölkerung (2.5 Mio) verteilt sich auf ein weites Land. Das Gesundheitssystem ist ok, beschränkt sich aber hauptsächlich auf grössere bis grosse Orte wie Windhoek und Swakopmund.

Zu den Reisevorbereitungen gehört auch, die neusten Einreisevorschriften zu beachten. Diese dienen heute auch dazu, den Import von Covid zu minimimieren. Es braucht kein Visum, aber anderes. Für doppelt gegen Covid geimpfte wie uns 3 sind das aktuell:

  • Nachweis der Covid-Impfungen – in engl. Übersetzung. Das Impf-Zertifikat aus der CH reicht dafür. Sicherheitshalber haben wir auch die Impfausweise selber dabei. Ich bin Moderna geimpft, Junior und Mann mit Pfizer/Biontech.
  • Ein negativer PCR Test in engl. (nicht älter als 72h vor Einreise … obwohl in manchen Unterlagen online steht „maximal 7 Tage alt“). Diesmal muss auch Junior (14J) testen gehen. Wir erledigen das Donnerstag abends auf dem Flugplatz. Ankunft ist Sonntag morgen, das reicht.
  • Pro Person zwei Formulare zum ausfüllen über den aktuellen Gesundheitsszustand. Gefragt wird nach den persönlichen Daten, der Impfung, aktuellen Symptomen …
  • Reiseverlauf mit den (allen) gebuchten Unterkünften und Kontaktdaten von einem selber und den Unterkünften.
  • Nachweis der Versicherung(en) in englisch, dass wir auch im Ausland gegen Covid und sonst für alle Behandlungen versichert sind und die für Folgekosten aufkommen. Nachweise haben wir mitgenommen von den Krankenkassen und dem TCS. Ausserdem sind wir noch bei der Rega.
  • Ausserdem noch Juniors Geburtsurkunde (engl. Übersetzung) mit den Namen von uns Eltern (beiden) drauf. Das ist nicht Covid-spezifisch, aber nötig für Nambia, Botswana und Südafrika wegen dem Problem des Kinderhandels. Das ist ein Dokument, das sie diesmal nicht angeschaut haben.
  • Im Land selber herrscht Maskenpflicht in der Öffentlichkeit: also wann immer man keinen Abstand von mindesten 1.5m einhalten kann und in Innenräumen. Ausser man isst und trinkt grad etwas im Restaurant. Ah ja – und auf den Flughäfen und beim Flug selber (10h+) muss man natürlich auch immer eine Maske tragen.

Alles machbar – und wir sind gut vorbereitet in die Ferien gegangen.

Für Afrika generell packe ich als Apothekerin ausserdem immer eine sehr ausgiebige Reiseapotheke. Wenn wir so abseits unterwegs sind, habe ich auch Antibiotika und Spritzenmaterial dabei (bitte kein ev. wiederverwendetes Material für uns im Spital …). Ausserdem 2 Selbsttests.

Nicht, dass ich sehr besorgt gewesen wäre Covid zu bekommen. Wir sind sehr vorsichtig, sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit. Wir treffen nur sehr wenige Leute ohne Maske. In Nambia sind wir an 6 von 12 Nächten Selbstversorger (Camping).

Reiseverlauf:
Tag 1 CH-D-Namibia
Tag 2 Windhoek Automiete 4wD mit Dachzelt, Waterberg Camp
Tag 3 und 4 Onguma Camping (Neben Etosha)
Tag 5 und 6 Etosha Camping
Tag 7 und 8 Palmwag Camping
Tag 9 und 10 Cape Cross Lodge
Tag 11 und 12 Swakopmund Hotel
Tag 13 Büllsport Lodge
Tag 14 Windhoek Hotel
Tag 15 Namibia-D-CH

Zum Flughafen (und zurück) bringt uns eine Freundin im eigenen Auto. Das umgeht den ÖV und ist für uns eine Erleichterung. … und letztlich das Problem.