Für was ist das schon wieder?

Ruft eine ältere Frau in der Apotheke an.

„Ich habe vom Arzt ein Medikament aufgeschrieben bekommen, habe aber keine Ahnung, für was das ist. Könnten sie mir das sagen?“

Das Medikament um das sie sich sorgte war Aricept, sie hatte keine Ahnung weshalb sie die nehmen muss.

Der Apotheker erklärt ihr für was es ist – sie sagt, sie begreift nicht, warum ihr Arzt ihr das verschreiben würde, das Problem habe sie gar nicht.

Der Apotheker erklärt ihr, dass manche Medikamente auch für andere Probleme eingesetzt werden als das sie ursprünglich sind (z.B. Antiepileptika bei Migräne), er sich aber bei Aricept keiner sogenannten off-label Anwendung bewusst ist.

Frau: „Dann muss ich am Montag wohl den Arzt anrufen und das besprechen.“

Keine 5 Minuten später ruft sie wieder in der Apotheke an: „Für was haben sie gesagt ist das Aricept noch mal?“.

Und dann nach weiteren 5 Minuten nochmals „Entschuldigen sie, für was haben sie gesagt, braucht man das?“

Der Apotheker wundert sich jedenfalls nicht mehr, warum der Arzt ihr das verschrieben hat.

Aricept ist ein Mittel gegen Alzheimer.

Manchmal finde ich sowas echt tragisch.

Gesundheitstipps für Krisenzeiten: 4 Augenentzündungen

Augenentzündungen – umgangssprachlich auch „rote Augen“ entstehen aus den unterschiedlichsten Gründen und können von störend bis gefährlich sein. An was es jetzt genau liegt, lässt sich oft schon durch die genaue Evaluation der Beschwerden herausfinden – aber in erster Linie ist es wichtig, dass man bei diesen Warnzeichen bald (!) zum Arzt geht. Wir haben nur 2 Augen.

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Warnzeichen / Red Flags: Tritt eine oder mehrere dieser Beschwerden auf, MUSS man zum Arzt.

Schmerzen im Auge, starke Kopfschmerzen
Schmerzen beim Bewegen der Augen
Sehverlust oder schlechteres Sehen
Sehstörungen wie Doppeltsehen, farbige Ringe, fliegende Flecken oder Funken
Lichtempfindlichkeit
Schwellung oder Rötung um/hinter dem Auge
Vorhergegangener direkter Kontakt mit starker Lichtquelle
Fremdkörper im Auge (Splitter etc.)
Augenverletzung
Voroperierte Augen
Zusätzlich schlechter Allgemeinzustand
Zusätzlich Übelkeit und Erbrechen
Hautausschlag (Bläschen: Gürtelrose)
Kontaktlinsenträger mit einseitiger, schmerzhafter Augenentzündung

Vorsicht auch, wenn eines davon: Beschwerden über 7 Tage, Kind unter 2 Jahren, Schwanger, Immunsupprimiert, Diabetes, Psoriasis – hier schaut immer besser der Arzt drauf, wenn möglich.

Ursachensuche und Behandlung

Keine dieser Warnzeichen? Dann kann man versuchen, die mögliche Ursache (und entsprechend Behandlung) herauszufinden. Die Apotheke mit dem Fachpersonal kann hier helfen.

Beide Augen sind betroffen, es juckt (aber keine Schmerzen)?
Wenn noch keine Allergien bekannt sind, versucht man es am besten mit Hygienemassnahmen (Hände waschen/desinfizieren, nicht die Augen reiben), Lidrandreinigung, Tränenersatzprodukten – das trockene Auge verursacht auch diese Beschwerden. Die Behandlung ist einfach – muss aber länger durchgehalten werden, damit das Problem nicht wieder auftritt.
Bei bekannten Allergien und wahrscheinlicher allergischer Reaktion (Pollen, Staub etc.) behandelt man mit antiallergischen Augentropfen, oder wenn andere Beschwerden wie Nasenlaufen, kratzen im Rachen, Husten auftreten, kann man auch antiallergische Tabletten einnehmen.
Bessern die Beschwerden damit, kann man weitermachen, ansonsten ist ein weiterer Besuch in der Apotheke oder beim Arzt angesagt.

Beide Augen sind betroffen und zusätzlich verklebt? Besteht kein Juckreiz?
Wahrscheinlich ist es eine Bindehautentzündung mit bakterieller Ursache. Die ist ansteckend. Eine Erstbehandlung kann man selber versuchen: Hygienemassnahmen (Hände waschen/desinfizieren, nicht die Augen reiben), Lidrandreinigung, Tränenersatzprodukte … diesmal zum spülen und reinigen des Auges, Euphrasia Augentropfen, desinfizierende Augentropfen.
Tritt nach 2 Tagen keine Besserung auf: Es braucht vermutlich Antibiotische Augentropfen. Das gehört zum (Augen)arzt – oder: in der Schweiz darf die Apotheke nach entsprechenden Abklärungen (kostenpflichtig! antibiotische Augentropfen abgeben).
Auch hier: wenn keine Besserung auftritt, handelt es sich vielleicht um eine anderes Problem: das gehört zum Arzt

Es ist nur ein Auge betroffen (und keine Warnsymptome vorhanden)?
Plus das Auge tränt, oder sondert ein wässriges, durchsichtiges Sekret ab?: wahrscheinlich eine beginnende virale Bindehautentzündung. Sie kann später auch beidseitig werden. Behandlung mit Tränenenersatzpräparaten, Euphrasia Augentropfen, desinfizierenden Augentropfen – zum spülen und reinigen des Auges.
Plus man sieht eine Lidschwellung, ev. sogar ein Eiterstippchen (pickelartig)?: sehr wahrscheinlich ein Gerstenkorn, eine bakterielle Lidrandentzündung. Man behandelt das mit feucht-warmen Kompressen, am besten mit Schwarztee (sonst Kamille), desinfizierenden Augentropfen, Euphrasia Augentropfen.
Treten hier bei der Behandlung Warnsymptome auf, oder bleiben die Beschwerden über 10 Tage, sollte man das dem Arzt zeigen.

Es sind nicht alle möglichen Augenprobleme hier explizit aufgeführt, die gefährlichen sollten aber mit den Warnsymtomen abgedeckt sein.
Augentropfen gehören zu den Sachen, bei denen man die Aufbrauchsfristen nach dem Öffnen wirklich beachten sollte: Einzeldosen nur während ein paar Stunden, konservierte Augentropfen normalerweise während 30 Tagen, Augentropfen in Spezialfläschchen nicht über die angegebene Aufbrauchsfrist hinaus. Nach dem Verfalldatum würde ich sie auch nicht mehr länger als innert ein paar Monaten (3?) verwenden,

Zusammenfassend: Das Augenlicht ist wichtig. Treten Warnsymptome auf, gehört das bald zum Arzt, alternativ zum Notfall. Wenn keine red flags vorhanden sind, kann eine Selbstbehandlung versucht werden. Die meisten Sachen dafür bekommt man in der Apotheke.

Gut zu Hause zu haben:
befeuchtende Augentropfen oder Tränenenersatz: kann man zum befeuchten, reinigen und ausspülen des Auges bei fast allen Problemen brauchen. Ersatzweise geht notfalls auch sterile 0.9% NaCl-Lösung (physiologische Salzlösung)
Schwarzteebeutel: damit kann man Umschläge machen für einige Hautprobleme und Augenprobleme und sie wirken äusserlich beruhigend, hautstärkend (gerbend) und entzündungshemmend. Man kann sie warm direkt auf die Augen legen oder einen starken Tee machen und die Flüssigkeit für Umschläge brauchen. 10 Minuten, mehrmals (2-3x) täglich helfen bei Lidrandentzündungen und Augenentzündungen.
Sterile Gazeplätzchen: Zum reinigen und abdecken und für Umschläge.

….

Disclaimer: Dies sind Tipps zu Gesundheitsthemen, gegeben von einer Apothekerin. Die medizinischen Informationen, die hier geäussert werden, dienen der Diskussion und Unterhaltung. Sie sollte nicht als einzige Informationsquelle für medizinischen Rat verwendet werden. Wer die im Blog oder den Kommentaren geäusserten Ratschläge verwendet, ohne einen Arzt oder andere Fachperson aufgesucht zu haben, ist selbst voll verantwortlich für die Konsequenzen.

Mit den hier gegebenen Informationen, bekommt ihr Hilfestellung: Was kann man selber behandeln, was kann ich nehmen, was für Hilfe bekommt man in der Apotheke? Was gehört zum Arzt? Wann sollte man (auch jetzt, bei ev. stark belastetem System) in den Notfall? Normalisiert sich die Situation wieder, erübrigen sich viele dieser Tipps, respektive, dann gibt es teils bessere „Best Practice“ Vorgehensweisen. Die hier empfohlenen Massnahmen sollten wirksam sein und korrekt umgesetzt ungefährlich. Im Zweifel fragt man die Fachperson!

Gesundheits-Tipps für Krisenzeiten: 3 Werdet kein Notfall!

Wieso sollte man sich bemühen in Krisenzeiten kein Notfall zu werden? Da gibt es die verschiedensten Gründe, allen voran, dass das „Notfallnetz“ das uns normalerweise zur Verfügung steht, da sehr löchrig geworden sein kann. Der überlastete Rettungsdienst braucht Stunden statt Minuten, um vor Ort zu sein, Spitälern fehlt der Platz zur Aufnahme (das kann an fehlenden Betten oder fehlendem Personal liegen), bis zum nächsten Krankenhaus mit freiem Platz zu fahren dauert – und Zeit spielt bei Notfällen eine wichtige Rolle. Und auch danach im Spital kann dann der „Service“ wirklich heruntergefahren sein, wenn Ärzte und Pflegepersonal fehlen.

Wie wird man kein Notfall? Indem man möglichst vorbeugt. Das ist … oft nicht wirklich beliebt. Wie Viruloge Drosten schon sagte: „There is no glory in prevention.“ – Es liegt kein Ruhm in der Vorbeugung – beim Retten, Behandeln, auch Pflegen kann man durchaus heldenhaft auftreten und kommt der Umwelt auch so vor, aber nicht beim (meist stillen) Vorbeugen.

Die häufigsten Ursachen, weshalb Leute im Spital landen sind: Verletzungen / Unfälle, Kreislaufprobleme, Probleme mit dem Atmungsystem, Krebs, psychische Probleme, Probleme im Magen-Darm und Probleme im Urogenitaltrakt.

Verletzungen und Unfälle vermeiden: Etwas spät jetzt, aber es wird überall geraten kein Feuerwerk loszulassen. Jedes Jahr gibt das schwerwiegende Unfälle, von Verbrennungen, abgerissenen Händen über verlorenes Augenlicht bis Tote. Kinder und Jugendliche, die das versehentlich trifft, genauso wie unvorsichtige und alkoholisierte Erwachsene. Das ist Sprengstoff mit dem man da hantiert. Daraus resultierende Feuer beschäftigen auch immer die Feuerwehr.
Vorsicht bei gefährlichen Sportarten: gerade in der Winterzeit sind Schlitteln und Skifahren und Snowboarden beliebt – und gefährlich. Wenn ihr geht, zieht euch entsprechend an (Protektoren), bleibt auf der Piste, achtet auf Lawinenwarnungen und fahrt den Umständen und dem Können angepasst und vorsichtig. Ich war Skileiterin und weiss, dass es auch so schon dauern kann, bis man jemanden von der Piste gerettet hat, in Zeiten wie diesen ist das noch mehr zu vermeiden. Auch im Strassenverkehr ist Vorsicht angesagt. Denkt an die richtigen Reifen auf dem Auto, tragt Gurt oder Helm und steigt auch mal ab und lauft, wenn ihr mit dem Fahrrad unterwegs seid: es kann rutschig sein.

Atemwegserkrankungen vermeiden: Die beste Vorbeugung die vorhanden ist und die man aktiv machen kann ist Impfen. Die Influenza (Grippe) und Covid (Coronavirus) verursachen bei einem Anteil Betroffener auch ernsthafte Beschwerden. Pertussis (Keuchhusten) trifft kleine Kinder hart. Je mehr daran erkrankt sind, desto mehr landen auch im Spital. Indem man sich dagegen impft, kann man sich und andere davor schützen. Daneben sollte wir Anfangs 2020 gelernt haben, wie man die Ausbreitung von Viren allgemein eindämmt: social distancing, Massen meiden, Maske tragen, Hygienemassnahmen wie Hände desinfizieren, ins Taschentuch oder die Ellbeuge niesen … das hilft alles auch für andere Erkältungsviren (und mehr), wie RSV.

Impfungen kontrollieren und machen. Man impft gegen Krankheiten, bei denen es sinnvoll ist, sie zu meiden. Leider kommen viele dieser Krankheiten jetzt wieder mehr vor. Mehr Kranke bedeutet auch immer mehr schwer betroffene. Bei einer Risikoabschätzung gewinnt immer die Impfung gegenüber der Krankheit – das wurde getestet: die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung sind nachgewiesen viel seltener als Krankheitsfolgen. Deshalb: kontrolliert eure Impfpässe (oder lasst sie kontrollieren), ob die Grundimmunisierung vorhanden und die letzte Impfung nicht zu lange her ist. Für einen Kurz-Check: Tetanus (Wundstarrkrampf, kann man bei Verletzungen bekommen) alle 10 Jahre, die Impfung wird heute mit der für Diphterie und Pertussis (Keuchhusten) kombiniert. Polio (Kinderlähmung) alle 10 Jahre. Zeckenecephalitis (FSME) und Gürtelrose (Herpes Zoster) sind ebenfalls gut zu haben. Eine Leberentzündung durch Hepatitis A kann auch Erwachsene länger flachlegen und wird durch Nahrung übertragen, die Impfung gegen Hepatitis B ist zumindest empfohlen für Leute im Gesundheitsystem (wird durch Blut und Körperflüssigkeiten übertragen).

Krebs-Vorsorge: Es ist eine schlechte Idee Vorsorgeuntersuchungen auszulassen oder zu lange zu verschieben. Manches kann man selber machen: Frauen sollten ihre Brüste regelmässig abtasten, Männer die Hoden, anderes muss beim Arzt getestet werden: Der Kontrollabstrich der Gebärmutter bei den Frauen, die Mammographie bei den älteren Frauen. Die Prostatauntersuchung beim Urologen für die Männer. Darmkrebs-screening und Muttermal-Kontrolle bei allen. Bei gefährdeten Personen (zum Beispiel bei einer positiven Familien-history) gibt es Blutuntersuchungen auf manche Krebsmarker.
Unbedingt hierhin gehört auch die Impfung gegen HPV – die Viren verursachen Gebärmutterhalskrebs und andere dadurch verursachte Krankheiten. Die Abnahme an diesen Krebsarten ist bemerkenswert, es wird deshalb auch empfohlen, die Jungen zu impfen, die sonst Überträger sein können.
Ansonsten: Nicht Rauchen (weder Zigaretten noch E-Zigarette), Sonnenschutz benutzen, ausgewogen ernähren, genug Bewegen, Übergewicht vermeiden. Und bei Gesundheitsproblemen nicht allzu lange den Arzt-Besuch aufschieben. Je früher man den Krebs (und auch Diabetes etc.) erwischt, desto besser sind die Aussichten.

Magen-Darm-Probleme: Lebensmittel können kaputtgehen und mit Bakterien, Viren oder Pilzen kontaminiert werden. Je nach Lagertemperatur kann das ziemlich schnell gehen, wenn etwas nicht konserviert ist und offen stehen gelassen wird. Die heutige Generation mit Kühlschränken und Tiefkühlern und Konservierungsmitteln scheint sich da vielem nicht mehr so bewusst zu sein. Lebensmittelvergiftungen kann man sich rasch einfangen. Vorsicht bei Geflügelprodukten und Fleisch: separate Teller für rohes und gekochtes Fleisch verwenden und Sachen richtig (genug lange) erhitzen. Speisen, die rohe Eier enthalten sind wirklich nicht lange haltbar, vor allem bei warmen Umgebungstemperaturen: wir reden hier von Stunden. Dasselbe gilt auch für angeschnittene Früchte. Wichtig: Gemüse und Früchte vor dem Verzehr schälen und/oder waschen um Insektizide und andere Kontaminationen zu entfernen. Pilze nur essen, wenn sie wirklich bekannt sind und essbar. Sachen mit Schimmel ganz wegwerfen, nicht nur den befallenen Teil. Wenn etwas seltsam/ anders riecht: nicht mehr essen. Aufgeblähte Behältnisse: entsorgen und nicht mehr verwenden. Bei uns ist das Wasser aus dem Hahnen noch gut, aber im Zweifel: abkochen oder nur Wasser aus Flaschen verwenden.
Im Zweifel: Cook it, boil it, peel it, or forget it.
Neben den Bakterien gibt es verschiedene Viren, die Magen-Darm-Grippe verursachen wie das Norovirus, Rotavirus, Coronavirus … auch hier kann man durch hygienische Massnahmen einen Grossteil der Übertragungen verhindern. Hände waschen, desinfizieren von Oberflächen und auch Maske kann helfen.

Psychische Probleme können sich neben langem Burn-Out und Depressionen auch in sehr akuten Beschwerden wie Panik-attaken äussern mit Symptomen, die zum Beispiel einem Herzinfarkt ähneln. Sie schlagen sich auf Dauer auch in möglicherweise ernsten anderen körperlichen Beschwerden nieder: Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislaufprobleme etc. Vorbeugen ist wichtig aber schwierig. Resilienz entwickeln, sich Hilfe von aussen holen, auf sich hören, seine Probleme mit jemandem besprechen können, Selbsthilfegruppen … Wenn es geht, auch zum Psychologen und Psychiater – allerdings ist da die Wartezeit anscheinend jetzt schon sehr lange.

In dem Sinne: Bleibt gesund! Passt auf euch und eure Liebsten auf. Beugt vor, wo ihr könnt – seid vorsichtig und umsinnig in dem, was ihr tut. Damit (falls doch etwas passiert) der Rettungsdienst euch helfen kann.

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Disclaimer: Dies sind Tipps zu Gesundheitsthemen, gegeben von einer Apothekerin. Die medizinischen Informationen, die hier geäussert werden, dienen der Diskussion und Unterhaltung. Sie sollte nicht als einzige Informationsquelle für medizinischen Rat verwendet werden. Wer die im Blog oder den Kommentaren geäusserten Ratschläge verwendet, ohne einen Arzt oder andere Fachperson aufgesucht zu haben, ist selbst voll verantwortlich für die Konsequenzen.

Mit den hier gegebenen Informationen, bekommt ihr Hilfestellung: Was kann man selber behandeln, was kann ich nehmen, was für Hilfe bekommt man in der Apotheke? Was gehört zum Arzt? Wann sollte man (auch jetzt, bei ev. stark belastetem System) in den Notfall? Normalisiert sich die Situation wieder, erübrigen sich viele dieser Tipps, respektive, dann gibt es teils bessere „Best Practice“ Vorgehensweisen. Die hier empfohlenen Massnahmen sollten wirksam sein und korrekt umgesetzt ungefährlich. Im Zweifel fragt man die Fachperson!

Gesundheits-Tipps für Krisenzeiten: 2 Haltbarkeit und Verfalldaten von Medikamenten

DISCLAIMER zu dem Text: siehe unten!

Mit den Verfalldaten der Medikamente scheint es ähnlich zu sein wie bei den Lebensmitteln: da gibt es welche, die fast religiös daran festhalten und die andern, die nicht glauben, dass das „Exp“ eine wichtige Bedeutung hat. Jetzt in Zeiten von Lieferproblemen und Mangelverwaltung, werden ziemlich sicher mehr Leute darüber nachdenken, ihre eventuellen Medikamentenvorräte zu Hause noch zu brauchen. Aber sollte / kann man das wirklich?

Erst Mal ein paar Fakten zum Verfall von Medikamenten:

Medikamente müssen ein Verfalldatum haben. Auch auf Verbandsmaterial, Inkontinenzprodukten, Stützbandagen und Spritzenmaterial findet sich das.
– Das Verfalldatum darf nicht mehr als 5 Jahre nach dem Herstellungsdatum sein.
– Das Verfalldatum findet sich auf der Packung hinter dem Kürzel EXP (kurz für Expiry Date).
– Bis zum Verfalldatum sind die Medikamente (wenn korrekt aufbewahrt) innerhalb der vorgegebenen Spezifikationen. Sie enthalten die Wirkstoffe in der angegebenen Dosierung. Das wurde ausgiebig getestet und die Firma garantiert und haftet.
– Wirkstoffe können sich mit der Zeit verändern. Sie werden zu anderen Stoffen umgebaut. Diese können unwirksam sein, aber theoretisch auch giftig!
Feuchtigkeit und Licht und höhere Temperaturen beschleunigen diesen Ab- und Umbau. Das Badezimmer ist deshalb ein ungeeigneter Ort, wenn man Medikamente lagern will.
– Ein Medikament wird weder sofort unwirksam noch giftig direkt nach dem Überschreiten des Verfalldatums. Das ist ein Prozess.
– gerade bei festen Arzneimitteln (Tabletten) weiss man, dass sie noch lange, wahrscheinlich Jahre über das offizielle Verfalldatum hinaus noch gut sind.
– Die Lagertemperatur der meisten Medikamente ist die Raumtemperatur, also 15 bis 25 (oder 30) Grad Celsius. Darüber hinaus gehen sie sehr schnell kaputt. Im Kühlschrank ist aber ebenfalls meist schlecht: da ziehen sie schneller Feuchtigkeit und Flüssige Arzneimittel könnten Wirkstoffe auskristallisieren. Tiefkühlen ist meist ganz schlecht.

Und nun zur Frage, die sich wahrscheinlich jeder anhand eines überschrittenen Verfalldatums mal gestellt hat:

Kann ich das noch verwenden?

Rechtlich gesehen, muss ich in der Apotheke dazu raten, abgelaufene Medikamente nicht mehr zu verwenden. Das wäre korrekt und sicher.

Aber wir sind hier nicht in der Apotheke, also … hier meine Ratschläge zur Anwendung. Es ist immer eine Nutzen-Risiko-Abschätzung! Also: Was kann passieren, wenn ich es nehme, gegen: was passiert, wenn ich es nicht nehme?

Wenn das Medikament abgelaufen ist – und du kannst es ersetzen, dann mach das. Besorg dir eine neue Packung in der Apotheke, beim Arzt, wegen mir auch in der Online Apotheke.

Wenn Du das Medikament nicht ersetzen kannst und die Anwendung jetzt notwendig ist: Wie sicher muss es wirken? abgelaufene Medikamente können weniger Wirkstoff enthalten. Es ist nicht so schlimm, wenn die Kopfwehtablette etwas weniger Wirkstoff enthält, die Wirkung vom Blutdruckmedikament kann man mit dem Messgerät überprüfen, vom Antihistaminikum gegen die Allergie kann ich zwei nehmen, ohne dass das Probleme macht. Das Immunsupprimierende Mittel aber MUSS wirken und da geht selbst eine geringe Abnahme des Wirkstoffes gar nicht. Ebensowenig wie bei Antiepileptika und auch Schilddrüsenmedikamenten.

Ist es ein Antibiotikum? Nimm es nicht! Nicht nur ist die noch enthaltene Wirkstoffmenge unsicher, hier gibt es auch eher unangenehme Abbaustoffe. Und überhaupt: wie sicher bist du, dass das das richtige Antibiotikum für die jetzige Situation ist?

Ist das Medikament flüssig? Saft, Sirup, Nasensprays, Inhalationslösungen, Augentropfen, Fertigspritzen, Tinkturen, Lösungen etc.
Wenn ja UND es ist früher geöffnet worden: Weg damit! Zubereitete Suspensionen wie Antibiotikasirupe sind nur wenige Tage haltbar. konservierte Augentropfen nach dem Öffnen nur 30 Tage (und du hast nur 2 Augen!). Die meisten flüssigen Sachen sonst kann man bis 6 Monate nach dem Öffnen brauchen. Ausnahmen sind vielleicht sehr alkoholhaltige Lösungen, die noch etwas länger gut sind.
Ist es nach dem Verfall, wäre ich auch bei ungeöffneten Sachen sehr vorsichtig, da Flüssigkeiten rascher abbauen, als die festen. Maximal ein paar Monate drüber und auch nur wenn da kein Bodensatz, Verfärbung, sichtbare Schwebestoffe oder Trübung vorhanden ist.

Ist es eine Salbe oder Zäpfchen? Auch hier gilt, dass sie nach dem Öffnen und der ersten Anwendung nur begrenzt haltbar sind. Aber auch ungeöffnet und über dem Verfall geben sie, wie die flüssigen Mittel, rasch ab. Ausser dem Wirkstoffumbau kann hier die Grundlage ranzig werden, was man ziemlich schnell riecht. Trennt sich die Salbe oder das Zäpfchen und scheidet Wasser ab, ist verfärbt oder gar Pilzverfall sichtbar, würde ich sie wegwerfen, egal ob verfallen oder nicht.

Handelt es sich um Tabletten, Dragees oder Kapseln? Hier hat man gute Chancen, dass sie noch zu brauchen sind. Schau sie dir an: Wenn sie Verfärbungen haben, Risse oder sie Bröckeln, dann nimm sie nicht mehr. Wenn sie arg anders riechen als sonst, würde ich auch darauf verzichten. Ansonsten kann man sie nehmen, auch wenn sie schon Monate oder vielleicht Jahre abgelaufen ist. Mehr als 5 Jahre drüber würde ich aber auch hier nicht empfehlen. Die Packung kann man ziemlich sicher noch beenden. Das sollte einem genug Zeit verschaffen, sich eine neue Packung oder Ersatz zu besorgen.

Verbandmaterial / Inkontinenzprodukte, Verbrauchsmaterial: Wenn es nicht steril sein muss, kann man das Verfalldatum hier getrost ignorieren und danach gehen, wie es aussieht.

Also Fazit: Offiziell empfehlen kann ich eine Einnahme nach dem Verfall nicht. Trotzdem kann man einiges (vor allem in Tablettenform) sehr viel länger als das Verfalldatum anwenden. Aber es ist immer eine individuelle Risikoabschätzung und jeder ist für eventuelle Folgen selber verantwortlich.

Disclaimer: Dies sind Tipps zu Gesundheitsthemen, gegeben von einer Apothekerin. Die medizinischen Informationen, die hier geäussert werden, dienen der Diskussion und Unterhaltung. Sie sollte nicht als einzige Informationsquelle für medizinischen Rat verwendet werden. Wer die im Blog oder den Kommentaren geäusserten Ratschläge verwendet, ohne einen Arzt oder andere Fachperson aufgesucht zu haben, ist selbst voll verantwortlich für die Konsequenzen.

Mit den hier gegebenen Informationen, bekommt ihr Hilfestellung: Was kann man selber behandeln, was kann ich nehmen, was für Hilfe bekommt man in der Apotheke? Was gehört zum Arzt? Wann sollte man (auch jetzt, bei ev. stark belastetem System) in den Notfall? Normalisiert sich die Situation wieder, erübrigen sich viele dieser Tipps, respektive, dann gibt es teils bessere „Best Practice“ Vorgehensweisen. Die hier empfohlenen Massnahmen sollten wirksam sein und korrekt umgesetzt ungefährlich. Im Zweifel fragt man die Fachperson!

Gesundheits-Tipps für Krisenzeiten 1: Allgemeines und Vorbereitung

Krisenzeit bedeutet hier: Liefer- und Beschaffungsprobleme verschiedenster Medikamente und Grundversorgungsmittel, auch auf längere Zeit. Ein sehr belastetes Gesundheitssystem mit vielen Kranken (auch beim Personal). Das ist leider kein Zukunftszenario, das ist aktuelle Realität. Es ist kein Grund zur Panik – das hilft niemandem. Aber es braucht jetzt (alles) mehr Geduld und Zeit und viel Flexibilität.

Disclaimer: Dies sind Tipps zu Gesundheitsthemen, gegeben von einer Apothekerin. Die medizinischen Informationen, die hier geäussert werden, dienen der Diskussion und Unterhaltung. Sie sollte nicht als einzige Informationsquelle für medizinischen Rat verwendet werden. Wer die im Blog oder den Kommentaren geäusserten Ratschläge verwendet, ohne einen Arzt oder andere Fachperson aufgesucht zu haben, ist selbst voll verantwortlich für die Konsequenzen.

Mit den hier gegebenen Informationen, bekommt ihr Hilfestellung: Was kann man selber behandeln, was kann ich nehmen, was für Hilfe bekommt man in der Apotheke? Was gehört zum Arzt? Wann sollte man (auch jetzt, bei ev. stark belastetem System) in den Notfall?
Normalisiert sich die Situation wieder, erübrigen sich viele dieser Tipps, respektive, dann gibt es teils bessere „Best Practice“ Vorgehensweisen. Die hier empfohlenen Massnahmen sollten wirksam sein und korrekt umgesetzt ungefährlich.

Allgemeine Vorbereitungen:

Für sich (und jedes Familienmitglied) aufschreiben und auf dem Telefon oder Papier auf sich tragen:

  • Name, Alter, Gewicht, Grösse,
  • Liste mit Medikamenten und Dosierungen, die genommen werden.
  • Allergien (mit Wirkstoffnamen), auch pflanzliches etc. (Bitte nur echte Allergien angeben und nicht normale Nebenwirkungen)
  • Zusätzliche wichtige Info: Schwanger (berechneter Geburtstermin)? Stillend? Nieren- oder Leberprobleme? Blutungsprobleme oder Blutverdünner? Immunsupprimiert?
  • Versicherung (Krankenkasse / Unfallversicherung) und Nummer bereit haben.

Habt ihr einen Hausarzt? Optimalerweise sucht man sich einen, bevor man Probleme hat. Dasselbe gilt auch für die Apotheke – eine Hausapotheke ist Gold wert und kann, wenn man dort bekannt ist, besser Beraten und liefert im Notfall, wenn man niemanden schicken kann.

Versicherung checken: Krankenkassenkarte, Deckung- was übernimmt sie? Hat man vielleicht ein spezielles Versicherungsmodell? Bei manchen muss man (ausser für ausgesprochene Notfälle) erst zum Hausarzt, andere verlangen eine telefonische Anmeldung vor einem Arztbesuch.

Wo bekommt man vernünftigen Rat bei medizinischen Problemen? Auch die Einteilung Bagatelle bis Notfall gehört dazu, falls man Mühe hat, das selber zu entscheiden.
Im Internet: steht leider viel Unsinn neben Vernünftigem, als Laie kann man das schwer auseinanderhalten. Man sollte sich nicht nur darauf verlassen. (Ja, das gilt auch für alles hier Geschriebene).
Telemedizin: Bei vielen Krankenkassen kann man heute telefonisch oder per Video eine erste Einschätzung des Problems durch einen Arzt machen lassen. Die sollten eigentlich auch nötig vorsichtig sein und werden einen weiterschicken, wenn sie unsicher sind oder etwas persönlich angeschaut werden muss.
Apotheke: hier arbeitet medizinisches Personal, das gelernt hat, Gesundheitsprobleme einzuschätzen, zu behandeln oder weiterzuschicken. Achtung!: In der Schweiz haben wir Apotheker mit der Ausbildung „Anamnese in der Apotheke“ weitergehende Kompetenzen, was die Diagnose und auch Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente angeht – im Gegensatz zu Deutschland.
Beim Hausarzt oder in Walk-In-Kliniken: Die Medizinischen Praxisangestellten machen telefonisch eine erste Einschätzung der Schwere des Problems.

Der Notfall sollte für wirkliche Notfälle reserviert sein. Bevor man in den Notfall geht (ausser es ist ein Unfall oder etwas akut lebensbedrohliches), sollte man gerade in Krisenzeiten die anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Ansonsten wird er wegen Überlastung rasch inoperabel. Dann kann es sein, dass wirkliche Notfälle nur zeitverzögert dran kommen oder Rettungswagen sehr weit fahren müssen um einen freien Platz zu finden.

Beim Apotheken- Arzt- oder Spitalbesuch: Versicherungsdeckung UND oben vorbereitete Informationen mitnehmen, vor allem, wenn die Info nicht komplett bei denen bekannt ist. Und das ist sie im Normalfall tatsächlich nicht – eine zentrale Datenspeicherung dafür wäre sehr hilfreich, aber von der elektronischen Gesundheitskarte sind wir noch weit entfernt.

Geht nicht krank zur Arbeit!– Nicht nur Für sich selber, um etwas richtig auszukurieren oder nicht zu verschlimmern, sondern auch für die Mitarbeiter, die man anstecken könnte. Wenn man arbeiten geht, sollte man sich überlegen, bei Erkältungssymptomen Maske zu tragen und natürlich die anderen zu informieren. In dem Fall macht Maske tragen im ÖV und Menschen zu meiden immer noch Sinn.

Haltet zu Hause einen Vorrat an Wasser in Flaschen und an haltbarem Essen – für etwa 2 Wochen. Etwas Bargeld zu Hause zu haben ist ebenfalls empfohlen.

Habt ihr noch weitere allgemeine Tipps? Anmerkungen zu diesen? Wünsche für Themen unter diesem Titel? Ab in die Kommentare damit!

Das irre Jahr

Irgendetwas ist ja immer. Aber dieses Jahr, war „irgendetwas“ häufig auffallend extrem. Ich komme nicht mehr so häufig zum bloggen, wie ich gerne wollte. Ich hab auch gelegentlich das Gefühl, das liest / interessiert nicht mehr so viele, Dabei hätte es so einiges gegeben, über das ich schreiben hätte können. Na, dann hole ich das doch mal etwas konzentriert nach. Wenn jemand etwas davon interessiert, kann ich ja mehr dazu schreiben.

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Die Apotheke ist ausgerüstet gegen Covid. Wir haben Plexiglasscheiben (immer noch – wenn ich sehe, was da hängen bleibt, seit die Masken im März abgeschafft wurden, bin ich froh, auch wenn das nicht gegen Aerosole nützt). Wir haben Desinfektionssteller am Eingang – auch immer noch. Die werden erstaunlich rege genutzt. Auch seit sie fast überall sonst abgebaut wurden. Maskenpflicht herrscht nur noch im Beratungsraum – ansonsten trägt (ausser mir immer wieder mal) kaum einer noch Maske. Die Ausnahme sind die Angestellten, die sich krank fühlen, oder die arbeiten kommen, wenn sie positiv sind. Das ist bei uns sogar in den „Post-Corona-Verhaltensrichtlinien“ festgehalten: „Wer sich arbeitsfähig fühlt, kann arbeiten. Dies gilt unabhängig davon, ob ein Corona-Test gemacht wurde und ob das Resultat negativ oder positiv ausgefallen ist.“ Wir hatten natürlich immer wieder Ausfälle wegen Covid und diversem anderen. Das kommt so phasenweise und ist belastend für alle, die noch arbeiten und einspringen müssen.

Personaltechnisch war es auch deshalb nicht einfach. Letztes Jahr haben wir eine 100% Stelle verloren, die lieber zu den Krankenkassen arbeiten ging, als sich den Stress in der Apotheke anzutun. Die haben wir mit Mühe mit internem Aufstocken der Arbeitsprozente und mittels Springer / Einsätze von aussen abdecken können. Parallel haben wir durchgehend jemanden gesucht – bis im September. Der Fachkräftemangel ist inzwischen extrem spürbar. Wir haben dann zwei Pharmaassistentinnen einstellen können. Eine davon haben wir von einer anderen Apotheke, wo sie nicht sehr glücklich war. Die andere war ein Versuch: sie ist Wiedereinsteigerin, hat zwar die Ausbildung, aber seit über 15 Jahren nicht mehr im Beruf gearbeitet (!). Wer weiss, was sich in der Zeit alles geändert hat, hat eine Ahnung, wie schwer das sein kann. Da sie aber top-motiviert ist und auch super ins Team passte, haben wir sie angestellt. Parallel zum arbeiten und lernen bei uns macht sie einen Wiedereinsteigerkurs. Beide haben sich bestens eingearbeitet, sind toll integriert und geben alles, das bringt doch etwas Erleichterung hier. Gerade noch rechtzeitig auf die sehr stressige Zeit am Jahresende.

Dann war da noch der Lehrling in der Drogerie, der (die) Anfang August anfangen sollte. Beim Unterschreiben des Lehrvertrages im letzten Herbst waren die Eltern mit dabei. Nach dem Unterschreiben haben sie meinem Mit-Chef (Betriebsleiter Drogerie) vermeldet, dass sie „nicht möchten, dass wir mit ihr hier über Impfungen reden“. Mit-Chef hat dazu nur sehr diplomatisch gemeint, dass wir hier ja nicht nur eine Drogerie, sondern auch eine Apotheke wären und dass sie deshalb nicht um das Thema Impfen komplett herumkämen. Immerhin machen wir hier regelmässig Impfungen und auch Impfberatungen. Mich hat das ehrlicherweise etwas schockiert: ein Lehrling mit Impfgegnereltern in der Apotheke, ob das gut geht? Nun, etwa 3 Wochen vor eigentlichem Lehrbeginn, als alles vorbereitet war (Schurz, Namensschild, Spind, Organigramm, Arbeitsplan, Einführungsplan…) kommt ein mail: Sie wird die Lehre bei uns nicht antreten. Ihre Schulnoten haben sich im letzten Jahr so verbessert, dass man beschlossen hat, sie in die weitergehende Schule zu schicken, sie melden sie deshalb bei uns ab. Ja nun. Schön für sie, Mist für uns – und eine absolut unmögliche Art das so kurzfristig mitzuteilen, so haben wir keine Möglichkeit sie zu ersetzen. Also noch eine Person weniger in der Drogerie. Und eine Stelle, die jetzt nicht ausgebildet wird und auch später fehlt (auch Drogisten sind gesuchte Fachkräfte).

Letztes Jahr haben wir noch einige Antikörpertests auf Covid gemacht, aber seit man kein Zertifikat mehr braucht (für nix mehr) und da das ja nicht übernommen wird, ist das total eingebrochen. Zum Identifizieren brauchen wir da die Krankenkassenkarte und eine ID mit Bild (anscheinend gab es da ein paar Betrüger). Interessant aber: bis dahin hatten wir zwei Patienten, bei denen rauskam, dass sie keine Krankenkasse besitzen. Beide waren überzeugt, sie seien noch versichert. In der Schweiz ist es obligatorisch, eine Krankenversicherung zu haben, die kann ihnen auch nicht künden, aber wenn man nach Arbeitswechsel nicht merkt, dass der Arbeitgeber einen dort abgemeldet hat … und man sich nicht weiterversichert oder woanders angemeldet hat… kann man offenbar auch in der Schweiz ohne Krankenkasse dastehen. Ja, das hat mich auch überrascht.

Im Frühling sind wir wieder auf Thailand gereist. Das Reisen braucht in Pandemie-Zeiten enorm viel mehr Vorbereitung. Für Thailand hiess das: Vorher Thailand-Pass online beantragen mit allen Unterlagen, die hochgeladen werden mussten: kompletter Impfschutz, Hotelbestätigung, Reisepässe, Versicherungsnachweise. Ich war alleine damit 2 Stunden beschäftigt. Danach war es nur noch 1 negativer PCR-Test Nachweis, nicht älter als 72 Stunden vor Ankunft. 1 PCR Test den sie am Flughafen bei der Einreise gemacht haben (und wo man das Hotel bis zum Bescheid nicht verlassen durfte). 1 PCR Test nach 5 Tagen, den man vorher buchen musste und das Ergebnis auch wieder im Hotel abwarten musste. Danach war man frei herum zu reisen. Der Flug dauerte dann noch etwas länger als sonst, da man wieder nicht durch den Luftraum der Ukraine und Russlands fliegen durfte. Flashback zurück nach 2014 – und hoffen, dass sie nicht (wieder) ein Passagierflugzeug abschiessen.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine, der Krieg ist danach allgegenwärtig und löst in den Medien die Covid-Problematik komplett ab. Nukleare Drohungen von Seiten Russlands auf der einen Seite, Solidarität mit der Ukraine praktisch weltweit auf der anderen Seite. Sanktionen und NATO-Hilfe. Diskussionen über Waffenlieferungen … das habt ihr genauso mitbekommen. Gefühlsmässig stirbt bei mir die Hoffnung, dass die Menscheit vielleicht vernünftiger wird, damit komplett.

In der Apotheke fragte ein Mann, der bei uns eigentlich nur vorbei kommt, um sich „französisch zu duschen“ (lies: von oben bis unten mit Parfüm einzusprayen), ob er bei uns auf die Toilette kann. Wir verweisen auf die öffentliche Toilette im Kaufhaus wenige Meter daneben: wir lassen aus verschiedenen Gründen keine Kunden auf unsere Personaltoilette. Er zieht es vor stattdessen vor der Apotheke stehen zu bleiben, dann mit den Händen den Stuhl aus der Unterhose zu fischen und ihn fallen zu lassen, das durch hin- und hergehen zu verteilen und sich dann die Hände mit der Flüssigkeit vom Desinfektionssteller zu reinigen. Das klappt nicht wirklich, weil das zu wenig Flüssigkeit ist, auch wenn man mehrmals sich bedient. Erst als die Kollegin kommt um zu schauen, was er da (so lange) macht, und entsetzt reagiert ob der Sauerei, verzieht er sich. Laut schimpfend.

Nach Aufhebung der Covid-Massnahmen hatten wir eine Menge mehr Diebstähle in der Drogerie. Da wir umgestellt haben, stehen an den Klau-Hotspots jetzt nicht mehr die Parfüms, sondern ätherische Öle und Shampoos. Wir stellen fest, dass offenbar auch Läuseschampoos beliebte Klauware sind. Mehrmals stellen wir Diebe, die wir erwischen zur Rede. Anzeigen bringt leider nichts, aber wir sprechen inzwischen grosszügig Hausverbote aus und nach einem Diebstahl informieren wir das Personal mit dem Bild der Täter, damit sie aufmerksam sind, falls die zurück kommen. Die meisten ertappten Diebe sind peinlich berührt, aber es gibt ein paar die werden laut und einer hat versucht meine (da schwangere) Kollegin anzuspucken. Sowas geht gar nicht! Leider haben wir von ihm die Personalien nicht – und offenbar fällt das hierzulande nicht unter versuchte Körperverletzung, sondern nur Beleidigung, aber das wäre mir eine Anzeige wert gewesen.

Mit der Polizei hatten wir aber auch sonst zu tun. Im Sommer hatten wir einen Kreditkartenbetrüger, der in der Drogerie für mehrere Hundert Franken Parfüm eingekauft hat. Dem Besitzer war die Karte kurz vorher geklaut worden, er hat die Abbuchung aber auf seiner App gesehen. Da er Karte und PIN hatte, war der Einkauf (ausser vielleicht der Menge) unauffällig. Wir konnten die Videoaufzeichnung weitergeben, aber er war mit Maske hier (einer der wenigen, die noch Maske tragen!) und deshalb schlecht zu identifizieren. Etwa 2 Monate später hat er es noch einmal bei uns versucht! Und er hatte das Pech dieselben Angestellten wie beim ersten Mal zu erwischen. Sie haben ihn vorne solange hingehalten, bis die (hinten) alarmierte Polizei kam und ihn in Handschellen mitgenommen hat. Dem Beklauten wird das nur ein kleiner Trost sein, denn dadurch, dass der Dieb seine PIN hatte, muss er den ersten „Einkauf“ bei uns trotzdem bezahlen. – Leute, passt auf eure PIN auf!

Auf der amüsanten Seite: Ich habe im Oktober fast die Polizei „bestochen“. Es war nicht Absicht, aber ich hab dann einen Brief der Kantonspolizei bekommen, weil sie von mir eine Einzahlung erhalten haben und nicht wissen wofür? Hoppla! Als ich den Betrag gesehen habe, wusste ich schon wofür. Eigentlich wollte ich ja die Kinderarzt-Rechnung per Computer bezahlen. Leider hatte die Rechnung keinen QR-Code (kurz vorher war die Umstellung) und es waren auch keine Angaben für eine Banküberweisung zu finden. Da hat mein Kuschelbär gemeint, er googelt das kurz und gibt mir die IBAN durch. Ja – das war dann die falsche.

Dann hatten wir dieses Jahr dreimal Audits: Einmal das interne Sicherheitsaudit, einmal das externe QMS-Audit und einmal das externe Chemikalienaudit. Wir sind durch-auditiert und haben die Bestätigung, dass (trotz allem) alles korrekt läuft bei uns. Und gründlich waren diese Audits! Alleine rund ums Chemikalien-audit gäbe es so einiges zu berichten. Vor allem, weil wir daneben auch noch ein paar seltsame Kundenanfragen hatten. Nicht gefährlich-seltsam, aber … wusstet ihr, dass Anfang 23 das Bundesgesetz über Vorläuferstoffe für explosionsfähige Stoffe in Kraft tritt? Dann brauchen Privatpersonen zum Bezug von manchen Chemikalien (in der Apotheke) neu eine Bewilligung, die sie online beantragen müssen.

Im Herbst habe ich mir Ende Ferien in Island dann Covid eingefangen. Das ist mein zweites Mal. Für die Apotheke ist das praktisch, werde ich doch hauptsächlich in den Ferien krank. Immerhin habe ich es hinbekommen, dank Vorsicht und Verhaltensmassnahmen den Rest der Familie nicht anzustecken. Viel genützt hat es nichts, denn 2 Monate später hat sich Junior und auch meine Mama angesteckt, beide zum Glück mit wenig Beschwerden. Junior habe ich zu Hause gelassen für ein paar Tage und bei ihm einen PCR Test gemacht. Für Mama, die mit über 75 und künstlichen Herzklappen und Übergewicht eindeutig Risikopatientin ist (trotz 4 Impfungen), wollte ich eigentlich Paxlovid organisieren. Leider verschreibt ihr Hausarzt das nicht. Und da sie dem Hausarzt nicht in den Rücken fallen will und das sonst auch sehr aufwändig wird, hat sie darauf verzichtet. Zum Glück ist das gutgegangen. Aber es zeigt mir, wie schlecht die Schweiz in dem Fall wirklich vorbereitet ist. Es besteht eine Riesen-Diskrepanz zwischen dem, was öffentlich kommuniziert wird und was Sache ist.

Zunehmend wird es ein Problem, Medikamente zu bekommen. Lieferschwierigkeiten waren schon immer ein Thema, aber in den letzten Monaten hat sich das akut verschärft. Gerade bei Erkältungsmedikamenten, aber auch sonst fehlen so einige Wirkstoffe. Ob das noch Nachwirkungen vom liegengebliebenen Schiff im Suez-Kanal vom letzten Jahr sind, oder Nachschubprobleme in Asien wegen Covid-Ausfällen, oder allgemein erhöhte Nachfrage, oder alles zusammen und mehr? Das Problem betrifft nicht nur Medikamente, auch Computerteile und mechanische Ersatzteile. Mein Mann ist Fahrradmechaniker und erzählt mir von Lieferzeiten von 2 bis 3 … (wait for it) Jahren! Und auch bei den Medikamenten sieht es teils so aus.

Was noch? Die Mittel- und Gegenstände Liste (MiGeL), nach der Nicht-Medikamente von der Krankenkasse übernommen werden, wurde angepasst. Dieses Jahr schon das 3. Mal … und es wird immer noch gefühlsmässig schlechter. (Weniger übernommen, komplizierter, mehr Limitationen).

Die LOA V kommt frühestens Januar 2024. Das ist der Vertrag zwischen den Apotheken und den Krankenkassen, damit und wie die Leistungen abgerechnet werden. Dafür haben sie es am 16. Dezember geschafft, den bestehenden Vertrag zu verlängern, damit wir ab Januar nicht in einen vertraglosen Zustand fallen.

Die elektronische Gesundheitskarte kommt … vorläufig auch nicht. Es sieht so aus, als könnten sich die Parteien partout nicht auf gemeinsame Standards einigen. Und dann gibt es noch die Sicherheits- und Datenschutzbedenken…

Und was ich speziell Mist finde: Nachdem die Seite MeineImpfungen.ch eingegangen ist, auf der man seine Impfungen eingeben und validieren konnte und die einem auch angezeigt hat, wie es um Nachholimpfungen aussieht, ist nun auch die professionelle Version, das Programm viavac abgeschaltet worden. Die Daten von Meineimpfungen.ch und auch was ich in der Apotheke noch hatte sind weg. Damit fehlt mir nun eine (einfache) Möglichkeit für eine Impfberatung. Das erfolgt nun aktuell, bis es hoffentlich einen Nachfolger gibt alles wieder „von Hand“.

Und last but not least die Energiekrise: Angefeuert durch den Russland-Ukraine Krieg, einen sehr heissen Sommer (und AKW-Kühlproblemen), Pandemie und dem Klimawandel steigen die Energiekosten und es gibt Nachschubprobleme beim Strom und Gas und Benzin und … Die Nebenkosten steigen hier grad ziemlich stark, was Privathaushalten und auch Firmen und Geschäften zu schaffen macht. Ich hab die Befürchtung, dass die Lohnerhöhnungen das nur begrenzt kompensieren und Sparmassnahmen sind immer gut, aber … ob das ausreicht?