Lehrstellen, Leerstellen?

In der Apotheke / Drogerie in der ich arbeite bekommen wir aktuell täglich Anfragen zu Lehrstellen und Schnupperlehren. Das ist interessant – ich meine … eigentlich ist es nichts neues, wir bilden sind ein Lehrstellenbetrieb und bilden aus, aber so viele Anfragen hatten wir glaube ich noch nie.

Nach dem Lehrergespräch vor etwa 2 Wochen, ist mir etwas klarer, weshalb. Es ist nicht nur, dass die Schüler (Junior jetzt auch) lernen müssen Bewerbungen zu schreiben. Sie sollen aktiv Schnupperlehren suchen, um einen Einblick in das Berufsleben zu erhalten. Und es scheint schwieriger zu sein, eine Lehrstelle oder Schnupper-Lehr-Stelle zu finden. Gerade jetzt können viele Betriebe keine Anbieten. Lockdown (egal wie halbpatzig), Homeoffice, geschlossene oder heruntergefahrene Betriebe. Ich will nicht die vorgeschriebenen Hygienekonzepte dafür verantwortlich machen, das geht auch mit, wie die normale Arbeit, macht es aber teils aufwändiger.

Es ist ein bisschen eine Trendumkehr. Vor-Corona mussten Geschäfte in manchen Branchen und Orten fast um Bewerber buhlen. In den letzten Jahren hatten wir wenig Auswahl an Lehrlingen, dieses Jahr gehen wir fast unter in Bewerbungen. Gleichzeitig nimmt die Anzahl Studenten wieder zu. Spannend auch, dass die Stadtflucht abnimmt / sich umkehrt, man besinnt sich wieder auf lokales.

Apotheken / Drogerien gehören zu den Geschäften, die offen haben und auch weiter offen bleiben werden. Das macht sie vielleicht auch attraktiver für Bewerbungen, aber ich denke, dass möglicherweise auch andere Betriebe eine Steigerung der Anmeldungen merken?

Jedenfalls – und hier könnte ich die Macht des Internet brauchen – suche ich für Junior Ideen für seine Zukunft, was den Beruf betrifft. Die Apotheke / Drogerie fällt (ich finde: leider) für ihn aus, da er dafür nicht die nötigen schulischen Voraussetzungen hat. Papas Fahrradgeschäft steht ihm zwar immer offen, aber eigentlich suche ich für ihn etwas eigenständigeres.

Er ist in der Oberstufe: Sekundarschule, 2. Klasse: keine Kleinklasse mehr und es läuft gut. Nicht so gut, dass er aufs Gymnasium gehen wird, aber eine Berufslehre und -Schule liegt gut drin. Obwohl er gerne zur Schule geht (und ordentliche Noten schreibt) ist es aber nicht so, dass er das nur um des Lernens willen macht. Er arbeitet gerne mit den Händen, ist handwerklich geschickt, liebt es Sachen auseinanderzunehmen und neu zusammenzubauen (seine Lego-Konstruktionen waren schon immer einzigartig). Er arbeitet lieber mit Metall und Holz und Co als mit Stoff. Er arbeitet gerne selbständig und alleine, sucht aber auch den Kontakt zu anderen Leuten und ist teamfähig. Er ist grundfreundlich und grosszügig – etwas, was er vom Papa hat. Ausserdem hat eine rasche Auffassungsgabe, und als Computer-native ein Händchen für den PC und kann ausgezeichnet auf englisch kommunizieren.

Momentan tendiert er in Richtung Maschinenmechaniker – damit hat mein Papa und mein Bruder auch angefangen, auch wenn sie danach in verschiedenen Branchen gelandet sind (Luftbefeuchter-Kundenbetreuung respektive IT). Ideal fände ich für ihn etwas, das er (als solide Grundausbildung) als Sprungbrett gebrauchen kann oder eine Nische, die vielleicht vor dem Aussterben ist, da kaum Nachfolger gefunden werden. Ich habe nur keine Ahnung, was es da gibt.

Jetzt ihr: was kennt ihr, was könnt ihr empfehlen an Berufen die dazu passen?

Erste Schnupperlehre(n) sollte er noch dieses Jahr machen, aber nächstes Jahr wird es ernst mit der Suche nach einer Lehrstelle. Ich hoffe, bis dahin sieht es wieder besser aus. Allgemein.

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Kinder, Corona und die Schule

Ich staune jeden Tag ein bisschen darüber, in was für einer Welt wir aktuell leben. Wie unterschiedlich sie ist verglichen mit noch vor einem Jahr. Trotzdem leben wir das „neue Normal“, trotzdem verändert es sich immer noch. Wer hätte vor einem Jahr sich vorstellen können, wie es heute ist – und wer denkt noch, dass das in ein paar Wochen oder gar in ein paar Monaten alles vorbei sein wird?

Ich will nicht jammern. Uns geht es nicht schlecht hier. Es ist einfach … anders. Klar, es war besser ohne das – aber „ohne das“ bezieht sich genau so auf den neuen Coronavirus und seine Auswirkungen wie auch auf die Versuche das Virus Einzuschränken, was uns (als potentieller Virus-wirt, – verbreiter und -Opfer) gezwungenerweise ebenso einschränkt.

Denkt an die Kinder!“ hört man aus den verschiedensten Ecken. Wie müssen die das alles empfinden? Die möglichen psychologischen Auswirkungen, die „verlorene Zeit“ für die Weiterbildung in der Schule … Allgemein wird danach gestrebt, die Kinder möglichst fernzuhalten von all den Änderungen, die das Virus und die Reaktionen darauf mit sich bringen. Aber: bringt das überhaupt etwas?

Ich denke, dass die meisten Kinder mit der aktuellen Situation recht gut umgehen können – und dass der Grund für die „fehlenden (negativen) Reaktionen“ darauf nicht darin liegen, dass sie ihre Probleme nicht äussern können. Kinder sind anpassungsfähig. Für sie änderte sich sowieso schon immer so viel in ihrer Entwicklung. Umzüge innerhalb des Hauses in ein eigenes Zimmer, Umzüge an einen neuen Wohnort, Kindergarteneintritt, Schuleintritt, Klassenwechsel, neue Lehrer, andere Hobbies … Eigentlich schon alleine der Verlauf der Jahreszeiten: Wir „Alten“ wissen nach Jahren, was wir zu erwarten haben, wenn die Blätter fallen und es kalt wird. Schnee und Eis und Erkältungen, sie überraschen (und verunsichern) und nicht mehr nach den ersten paar Malen. Wir haben damit zu leben gelernt – und Kinder lernen mit der jetzigen Situation zu leben.

Ich denke auch, dass unsere Reaktion als Eltern und Erwachsene auf (irgendwelche) Situationen viel Einfluss darauf haben, wie das Kind die Situation einschätzt und auch, was es davon zurückbehält. Ein Beispiel, das wohl jedes Elternteil kennt: das Kind lernt laufen, es fällt hin. Vielleicht hat es sich wehgetan, vielleicht nicht. Fängt es an zu schreien? Reagiere ich mit ausgesprochener Besorgtheit und entsprechendem Sorgen-Gesichtsausdruck und eile ihm etwas zu geben, damit es besser wird (Salbe, Pflaster, Arnikakügeli etc.), oder versuche ich darüber wegzusehen, es zu ignorieren und weiter machen zu lassen? Beides kann nötig sein. Beides kann aber auch im schlechtesten Fall und übertrieben angewendet zu bleibenden psychologischen Problemen führen, zu einer Erwartungshaltung auch beim Kind. Ich bin kein Psychologe, aber ich behaupte: Kinder schauen sehr darauf, wie wir Eltern (und Bezugspersonen, Lehrer etc.) auf eine Situation reagieren. Wenn wir besonnen und unübertrieben reagieren und auch erklären, dann wird aus dem neuen, seltsamen, anderem etwas normales und gewöhnliches für sie. Einschränkungen wie das Maskentragen in der Öffentlichkeit oder Schule ist auch nicht zu vergleichen mit dem Todesfall eines Elternteils oder dem Verlust der Wohnung wegen einer Bombe.

Man muss und kann die aktuelle Situation nicht vor den Kindern fernhalten. Ich bin dankbar, dass auch jetzt noch gilt, dass Kinder nicht Hauptopfer des Virus sind. Die wenigstens werden bei einer Infektion so krank, dass sie sterben oder bleibende Schäden zurückbehalten. Ich habe aber keinen Moment geglaubt, dass Kinder nicht massgebliche Überträger der Virus sein können. Böse ausgedrückt (aber auch liebevoll): Kinder sind wahre Virenschleudern. Dass sollte jede Mama oder Papa selber erfahren haben können – ich selber hatte nie so viele Infektionen wie seit ich Junior im Tagi hatte. Norovirus, Erkältungen immer wieder. Windpocken und 3-Tagesfieber haben wir wohl nur deshalb nicht auch bekommen, weil schon selber mal gehabt. Es ist auch ausgeprochen schwer, eine Übertragung dann innerhalb der Familie zu verhindern. Junior braucht sehr viel Nähe – auch heute noch, aktuell vielleicht sogar noch mehr.

Da kommt die Schule ins Spiel – was macht sie gegen die Übertragung des neuen Coronavirus? Und wie hält sie den Schulunterricht aufrecht (Bildung ist ja auch wichtig und ausserdem obligatorisch)? Nun – die kämpfen und schwimmen auch.

Im Lockdown letztes Jahr wurde das Homeschooling mittels online Unterricht innert kürzester Zeit organisiert – etwas, das ansonsten in der Schweiz Jahre gebraucht hätte aufzugleisen, wurde innert Tagen bis Wochen gewuppt. Und (zumindest bei uns) – das ging. Unterricht fand statt, Junior hat zu Hause und weitgehend selbständig Aufgaben erledigt, sie zum korrigieren eingesendet, online sich in Sitzungen mit der Klasse ausgetauscht. Klar, dabei bekommt man nicht den selben Unterrichtsstoff durch, wie beim Frontalunterricht, aber … es ging. Noten gab es keine.

Dann war wieder Kontakt-Schule – mit Abstandsregelung, vorgeschriebenem Händewaschen- und Desinfizieren. (Junior hat so häufig desinfiziert, dass er praktisch ein Handekzem bekommen hat – die Anwendung von viel und regelmässig Handcreme hat das Problem aber beseitigt).

Ausserschulische Aktivitäten wurden eingeschränkt bis abgesagt. Nichts mehr mit Schwingen, Schwimmunterricht, etc.

Dann wurde das Maske tragen in den Gängen und in der Pause eingeführt. (Reichlich spät in meinen Augen). Die Masken wurden durch die Schule gestellt – und über die Qualität von den Dingern sage ich lieber nichts, supergünstige und chemisch stinkende Ware jedenfalls. Junior bekommt davon Kopfschmerzen und deshalb jetzt von mir Masken aus der Apotheke.

Dann (nach ein paar positiv-Fällen und Quarantäne der Klasse) wurde die Maskenpflicht (endlich) auf den Unterricht ausgeweitet. (Kontraproduktiv fand ich hier manche Lehrern, die den Schülern schon praktisch suggerierten, dass sie auch bei normalen Aktivitäten damit doch wohl Mühe hätten mit Atmen – oder? Und daneben praktisch Werbung für gewisse Stoffmasken machten).

Weitere Einschränkungen von Aktivitäten – Sportunterricht wie der freiwillige Ballsport wurde abgesagt, genauso wie die nächsten Schwimmkurse. Schullager sind bis auf weiteres komplett gestrichen.

Momentan schliessen sie ganze Schulen und gehen (kurz- oder mittelfristig?) wieder auf Homeschooling und Online-Unterricht zurück. Die Mutation des Corona-Virus breitet sich, einmal hier, wirklich rasant aus – und Schüler / Kinder sind halt doch Infektionstreiber. Sie schicken jetzt auch nicht nur die Kontaktpersonen 1 (direkter Kontakt mit positiver Person), sondern auch Kontakt 2 (Kontakt mit Kontaktperson 1) in Quarantäne. Das bedeutet, dass auch die Eltern von Schülern mit positivem Klassenkamerad automatisch in Quarantäne landen.

Als nächstes werden regelmässige Massentests auf Covid in der Schule durchgeführt. Aktuell wird dafür die Einwilligung der Eltern eingesucht. Dabei handelt es sich um Spucktests – und wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird da die Spucke der ganzen Klasse gemischt getestet, falls das positiv ausfällt gibt es danach Einzeltestungen … und dann weiter Quarantäne.

Ich bin gespannt. Die Schulen kämpfen, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass das nicht reichen wird, dem Virus soweit Herr zu werden, dass das bald etwas ändert. Ich bin jetzt dafür, dass wir einen richtigen Schnitt machen sollten. Mit obligatorischem Homeschooling für alle.

Junior ist inzwischen übrigens nicht mehr im Tagi. Auch die haben immer gekämpft mit der Virus-Übertragungs-Situation (Ich sag doch: Virenschleudern) und nachdem er wiederholt nicht gehen konnte – am Schluss weil praktisch das gesamte Betreuungsteam in Quarantäne musste – und er auch das Alter hat, dass er nicht mehr Rundum-Betreuung braucht und für sich selber sorgen kann, habe ich ihn abgemeldet. Das spart uns ausserdem noch etwas Geld. Da es auch mit grossen Ferien nicht so gut aussieht dieses Jahr und wir auch nicht aus Essen gehen können … momentan gebe ich mein Geld für Lieferservice aus, das erleichtert es mir etwas, denn nach einem Arbeitstag habe ich aktuell wirklich nicht mehr Lust zum kochen und dafür einkaufen mag ich in der Situation auch nicht wirklich.

Juniors „neues Normal“ ist also: Er ist mehr zu Hause. Mehr Essen mit uns zusammen. Essen halt vom Lieferservice (wer mag keine Pizza?). Soziale Kontakte mehr online – er benutzt seinen PC für Online-Spiele wie Roblox, auch jetzt höre ich zu, wie er nebenan (englisch) mit seinen Kollegen da redet. Schulweg und Schule ist mit Maske – auch das ist für ihn normal und er beklagt sich nicht nur nicht, er hat auch keine gesundheitlichen Auswirkungen davon. Klassenkameraden hat er auch schon früher kaum eingeladen. Ab übernächster Woche können wir hoffentlich mit Oma und Opa wieder etwas unternehmen. Gelegentlich treffen wir seinen Götti, der passt wirklich gut auf mit Homeoffice etc., da habe ich keine Bedenken. Ansonsten haben wir soziales wirklich heruntergefahren – wir warten und wir reden abends. Ich habe nicht das Gefühl, dass er davon psychologische Schäden davontragen wird. Als Kind ist die Familie seine Welt, als Teenager wird sie weiter, aber momentan scheint er keine Freunde zu haben, die er vermisst. Sozialkontakte sind mit seinem ADHS sowieso immer ein „Problem“ gewesen, aber ich selber (ohne ADHS dafür sehr introvertiert) hatte auch immer sehr wenige Freunde, vielleicht beunruhigt es mich deshalb auch nicht sehr. Und auch dies hier … es wird vorbeigehen. Dann gibt es wieder ein „neues Normal“ – ein hoffentlich sozialeres. Es liegt an uns Eltern, wie unsere Kinder daraus hervorgehen. Und an der Schule. Geben wir unser bestes.

Apothekerin im Assistenzjahr

Apothekerin* im Assistenzjahr, so nennt man heute die Studierenden der Pharmazie im Praktikum, das man in der Apotheke während des Master-Studiums machen muss. 33 Wochen in der Apotheke, bei der die Studentin alles über die Arbeit in der Apotheke nicht nur lernen, sondern praktisch erfahren darf. Seit einigen Jahren ist auch unsere Apotheke dabei und nimmt pro Jahr eine Studentin (oder Student – *ich schreibe hier zwar vor allem in der weiblichen Form, aber die Männer sind immer mitgemeint). Aktuell bin ich grad am Vorbereiten der Aufnahme unserer neusten (und leider immer kürzesten) Mitarbeiterin.

Bisher habe ich hier im Blog nicht viel von meinen Praktikanten geschrieben – obwohl ich mit ihnen meistens wirklich sehr glücklich war und es mir viel Spass macht, sie in die Offizin einzuführen. Vielleicht ändere ich das jetzt mal – auch wenn das Studienjahr wegen Corona sicher anders aussieht für die Studierenden, in der Apotheke machen wir (bis auf Änderungen im Hygienemanagement) weiter wie gehabt.

Hat da jemand Interesse daran? Irgendwelche Pharmaziestudenten grad unter den Mitlesern? Ich muss etwas vorsichtig sein, um Rückschlüsse auf meine Apotheke zu vermeiden – und ich weiss, dass da draussen Spezialisten sind, die …. schon mal recht nahe dran waren. Deshalb werde ich Geschichten über die Apotheker im Assistenzjahr „mischen“ – es muss nicht die aktuelle Person sein, die im Blogpost erscheint.

Wie gesagt, bin ich aktuell am Vorbereiten. Ausgesucht wurde sie schon letztes Jahr – wir hatten Glück und jemand sehr motiviertes hat sich gemeldet, hat Probe gearbeitet und ist auch von den anderen Mitarbeitern gut aufgenommen worden. Die Verträge sind unterschrieben und sie an die offiziellen Stellen gemeldet, Namensschild bestellt, Spind und Postfach vorbereitet, Organigramm geändert, Visumliste vorbereitet, Pflichtenheft vorbereitet, Einführungsplan parat, Arbeitspläne für die ersten 2 Wochen mal geschickt. Sie kann kommen.

Von Mitte Februar bis etwa Dezember haben wir Zeit aus dem theoretischen Wissen auch praktisches zu machen. Einmal pro Woche hat die Studentin einen Selbstlerntag – an dem Tag muss sie nicht in der Apotheke sein, sondern kann ihr Wissen selber zu Hause vertiefen. Daneben haben die Studenten weiter Vorlesungen (oder momentan wahrscheinlich eher Online-Kurse) an der Uni, sowie gelegentlich Prüfungen und weitere Kurse, wie die von CAP angebotenen.

Der CAP (Centre d’Animation des Pharmaciens) ist eine schweizweite Vereinigung von Apothekerinnen und Apothekern, die ihren Beruf vor allem in der Offizinapotheke ausüben. Der CAP zählt mehr als 1000 Mitglieder aus allen Regionen der Schweiz; die Mehrheit davon aus der Suisse romande, dann aus der Deutschschweiz und aus dem Tessin. Von ihnen gibt es einen ausgezeichneten Ordner zur Ausbildung in der Apotheke und Kurse, die ich angehenden Apothekern sehr ans Herz lege.

weitere Links zum Pharmaziestudium:
pharmasuisse – Ausbildung zum Apotheker in der Schweiz
asep – Verein schweizerischer Pharmaziestudierenden
epsa – European Pharmacy Student Association
ipsf – International Pharmaceutical Students Federation
scrubsmag – das Studentenmagazin der apobank (Deutschland)

Schläger, Drogenhändler, Nerd

Ich weine hier gerade – vor lachen. Habe Junior gerade dieses Meme gezeigt:

Darin schreibt die Mutter zum Bild, das die Tochter gemalt hat, ein paar erklärende Worte: Sie sei nicht (und nie gewesen) eine exotische Tänzerin. Sie arbeite bei Home Depot und habe ihrer Tochter erzählt, wie hektisch es die Woche vor dem Schneesturm zuging. Das Bild zeige sie, wie sie die letzte Schneeschaufel verkaufe, die sie hatten – und nicht wie sie an einer Stange strippt vor Leuten mit Banknoten in der Hand.

Dann meinte ich, dass ich mindestens 3 so peinliche Eindrücke bei Lehrern oder Pädagogen von ihm hinterlassen habe. Danach wäre ich Kinderschläger, Drogenhändler und Nerd … und habe es ihm erzählt, wie das ging:

Da war die Logopädin, die ihm Bilder von Gegenständen gezeigt hat, die er einerseits benennen und andererseits sagen sollte, was man damit macht. Ging alles grossartig (Schuhe – laufen, Teller – essen ….) bis wir zur Pfanne kamen. „Schlagen!“ – sagt Junior überzeugt. Weder ich noch Kuschelbär machen das, aber er hat den Film Rapunzel kurz vorher gesehen. Zum Glück konnte ich das gleich klären. (Schlagende Argumente).

Oder die Lehrerin, die offenbar der Überzeugung war, dass ich kleine Drogensäcklein verticke. Das nachdem ich so eines beim Elterngespräch verloren habe … sie hat mir damals sehr vorsichtig angerufen. Am Ende handelte es sich um Trocknungsmittel das mir aus der neugekauften Jacke gefallen war. Mein Beruf hatte wahrscheinlich auch etwas mit der Fehlannahme zu tun. (kleine Säcklein).

Oder damals, als ich der Lehrerin erklären durfte, dass unsere Familie weniger Grimms Märchen sondern eher der kleine Hobbit als Vorlesestoff hat. Und das sind halt 13 „Zwerge“ und nicht 7, die da „hinter den Bergen“ wohnen – zählt trotzdem als falsch bei den Hausaufgaben. (Über den Bergen, bei den … Zwergen).

Und (nur weil’s so süss war, hat aber ausser uns niemand mitbekommen): sein „Tschüss Papa!“, als er dachte, der verblutet jetzt nach der Mini-Haus-OP. Merke: Man sollte gut darauf achten, wie man einem Kind etwas sagt.

So, jetzt ihr: Was für einen Eindruck haben andere Leute dank eurer Kinder von Euch denn so?

Auflage, die sechste

Ich habe Post bekommen! Und freue mich riesig. Erinnert ihr Euch daran, dass ich erwähnt habe, dass Amazon es irgendwie geschafft hat mein Buch auszuverkaufen? Jetzt weiss ich auch warum: die 6. Auflage (!) von Haben Sie diese Pille auch in Grün? ist draussen. Ich hab das als Anlass genommen ein Influenzer-wertiges Foto zu schiessen und dafür die Dragier-Übungstabletten aus dem Pharmazie-Praktikum hervorgeholt. Keine grünen dabei, übrigens 😂. #habensiediesepilleauchingrün #buch #pharmama #post #impfluencer

Der Begriff Auflage bezeichnet (nach Wikipedia) im Verlagswesen die Gesamtzahl der nach einer bestimmten unveränderten Satzvorlage gedruckten Exemplare einer Publikation (Bücher, Zeitschriften oder Zeitungen etc,)] von der nach ihrem Abverkauf auch weitere erstellt und dann entsprechend fortlaufend mit Nummern wie z. B. „2. Auflage“ versehen werden können.

Nun also die sexte, äh, sechste Auflage. Gut … ich weiss nicht genau, wie viele sie bei so einer Auflage jeweils drucken, aber mir zeigt es: das Buch wird immer noch gekauft (und hoffentlich gelesen) – und das freut mich riesig.

Rezeptur, Die verlorene Kunst

Ich finde es ja persönlich schade, aber es ist eine eindeutige Entwicklung (zumindest in der Schweiz): die Kunst der Rezeptur geht zunehmend verloren. Die Rezeptur, also die individuelle Herstellung eines Arzneimittels aufgrund eines verordneten Rezeptes nimmt seit Jahren ab. Das hat verschiedene Gründe:

Es gibt (mehr) Spezialitäten, die Herstellungen ersetzen. Das stimmt nicht für alles, gerade im Bereich Arzneimittel für Kinder herrscht hier immer noch ein Defizit, aber die Tendenz ist zunehmend.

Die Herstellung ist nicht günstiger als eine mögliche alternative, existierende Spezialität. Das mag in Deutschland noch anders sein, aber dort werden Rezepturen hauptsächlich durch die PTAs hergestellt (und nicht durch die Apotheker, wie hier) und sehr schlecht abgegolten.

Die Krankenkassen schauen bei Rezepturen immer genauer hin und zahlen sie teils nicht mehr – zum Beispiel, wenn sich ein Inhaltsstoff nicht in der ALT (der Arzneimittel-Liste mit Tarif) findet. Egal, ob er zu neu dafür ist aber offiziell schon zur Therapie zugelassen. Dasselbe gilt für Mischungen mit Salben oder Herstellungen mit Tabletten, die nicht auf der Spezialitätenliste sind, die die Krankenkasse bezahlt.

All das habe ich schon 2018 geschrieben: Weshalb die Rezeptur in der Schweiz ausstirbt

Aber es gibt noch einen Grund, den ich damals nicht erwähnt habe: Das Wissen der Ärzte zu den Rezepturen nimmt ab. Ich denke von den neueren wissen schon eine Menge nicht mehr, dass das überhaupt eine Möglichkeit ist, noch wie man das richtig verordnet. Dabei stammt der Name Rezept genau von dieser Kunst ab. Auch ein Arzt-Rezept war früher faktisch eine „Kochanleitung“, einfach zur Herstellung eines Arzneimittels. Und den Pharmazeuten oblag es dann, daraus ein funktionierendes Mittel zu machen. Das ist auch eine Kunst: Wirkstoffinkompatibilitäten, Löslichkeit des Wirkstoffes, Stabilität der Grundlage, Konservierung, Alkoholmischtabellen, Isotonisch machen von Augentropfen … all das will bedacht sein und umgesetzt.

Im Studium habe ich all das (und mehr) gelernt, brauchen tu ich es zunehmend weniger (was ich schade finde) … und deshalb muss ich heute teils mehr nachforschen, bevor ich eine Rezeptur herstelle. Dass Nivea Creme trotz des Namens keine Creme ist, sondern eine Salbe und ich deshalb eine Cortison Salbe nehmen muss zum mischen, weiss ich. Das war früher eine beliebte Mischung, respektive einfache Verdünnung. Heute wird das kaum mehr gebraucht, vielleicht auch, weil die Hautärzte gelernt haben mehr mit den verschiedenen Cortison Klassen zu „spielen“ und deshalb keine Klasse III (stark) mehr verdünnen lassen müssen um ein mittelstarkes zu erhalten, da nimmt man grad eine Klasse II in Salbenform. Beim Dexeryl, das es noch nicht so lange gibt und das vermehrt für Rezepturen verschrieben wird, muss ich nachschauen gehen, was ich da am besten dazunehme: Elocom in Creme oder Salbe. Offenbar ist hier die Empfehlung auch die Creme zu nehmen – nach der Herstellung bin ich aber nicht wirklich glücklich mit dem Resultat, es scheint zwar stabil zu bleiben, trennt sich nicht, hat aber auch nach mehrmals mischen auf der Salbenplatte immer noch eine … ansatzweise inhomogene Qualität. Das nächste Mal versuche ich es mal mit der Salbe.

Dennoch, eine Rezeptur vom Kinderspital für „Elocom-Dexeryl 1:1“ oder 1:2 kann ich herstellen. Da weiss ich, was ich machen muss. Mehr Mühe habe ich mit Rezepten wie diesem hier:

Also auch wenn wir mal davon absehen, dass der Hautarzt noch nicht mitbekommen hat, dass es die Aknemycin Emulsion nicht mehr gibt, das untere ist eine Herstellung für die ich zuwenig Angaben habe. Hautspiritus 2%. Hautspiritus ist einfach eine Mischung mit Alkohol für die Haut. Das 2% dürfte sich dabei kaum auf den Alkohol beziehen, sondern auf einen Wirkstoff … der leider nicht spezifiziert ist. Was darf’s denn sein? Salicylsäure? Menthol? Polidocanol? Etwas anderes? Wenn ich raten müsste, würde ich auf Salicylsäure tippen, aber ich soll nicht raten bei Rezepten. Also frage ich bei der Praxis nach. Und deren Antwort hat mich etwas brüskiert: ich soll das doch bei (andere Apotheke) bestellen, die haben das schon hergestellt. Was genau drin ist könne sie mir auch nicht sagen. – Es war dann ein Salicylsäure-Hautspiritus, mit 2% Salicylsäure und 70% Alkoholgehalt. Und ich habe ihn nicht bestellt, sondern selber hergestellt. Ich kann das nämlich auch.

Noch mehr Mühe hatte ich mit dem Rezept:

Feigensirup / Paraffin 1:1 1000 ml.

Ich meine: schon klar, es soll etwas zum abführen sein. Feigensirup gibt es als Spezialität (wird von der Krankenkasse nicht übernommen, es sei denn, es handelt sich um Verstopfung wegen Opioiden Medikamenten). Paraffin ist ein inertes Öl, das aus der Erdölindustrie stammt und das man auch zum abführen verwendet hat (es wird theoretisch nicht aufgenommen vom Körper) heute wird es pur kaum mehr verwendet, es findet sich noch in Spezialitäten wie Paragol. So wie der Arzt es aufgeschrieben hat, kann ich das aber unmöglich herstellen. Wenn man das einfach zusammenmischt, trennt sich das sofort: Man denke an Salatsauce nur aus Essig (Feigensirup) und Öl (Paraffin). Ich müsste versuchen eine Emulsion herstellen, ähnlich wie der Paraffinöl-Emulsion der Pharmakopoe und dabei die wässrige Phase durch Feigensirup ersetzen. Das fällt für mich schon unter hohe Kunst – und (ausser dass mir dafür die Inhaltsstoffe wie die Emulgatoren und Stabilisatoren fehlen) ich bin nicht sicher, wie stabil das werden würde. Auch die Mischung der fertigen Spezialitäten wie Zeller Feigensirup und Paragol wäre ein Experiment mit reichlich unsicherem Ausgang (und Geschmack). Da könnte der Patient auch beide Sachen einzeln nehmen … Nach Rücksprache mit dem Arzt (der reichlich erstaunt war, dass wir das nicht grad „sofort einfach machen“ können), hat die Patientin dann ein einfaches Abführmittel bekommen, das im Handel ist. Das hat auch funktioniert.

Also Rezeptur ist eine Kunst, sowohl für den Verschreiber (Arzt), als auch den Hersteller (Apotheker). Wenn ihr so etwas verschreibt, dann bitte mit möglichst genauen Angaben, bei Unsicherheiten ob etwas geht, oder ob Alternativen bestehen, kann auch die Apotheke kontaktiert werden. Wir wissen das (noch).

Für historisch interessierte: Hier ein Leitfaden von 1936 zur Ausstellung von Rezepten:

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (1) Einleitung
Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (2) Zusammenarbeit mit Apotheken
Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (3) – wie sieht das Rezept aus?
Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (4) – Anwendung und lateinische Formulierung
Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (5) – Dosierungsangaben und Aufschreiben von Arzneistoffen / Spezialitäten
Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (6) – wie finde ich die richtige Dosierung
Wie stelle ich ein Rezept aus -Anno 1936 (7) – Dosierung bei Schwangeren und Kindern