Apotheken aus aller Welt, 762: Kairo, Ägypten

besten Dank an Peter für seine (schon vor längerer Zeit) eingeschickte Apotheke!

Anbei findest Du Bilder von 2 Apotheken aus Cairo Downtown. Beide Apotheken liegen in Kairo Downtown und sind nur wenige Gehminuten vom Tarhir Platz entfernt. Die erste und ältere Apotheke (Stephensons) hat noch die ca 120 Jahre alte Einrichtung. Die zweite Apotheke (Anglo-Eastern) ist da etwas spartanischer..auch was die Öffnungszeiten angeht. Dort hat man eher zwischen18 und 23 Uhr Glück wenn man einkaufen möchte.
Auch wenn die Apotheken auf den ersten Blick in Ägypten relativ ähnlich zu den deutschen und schweizer Apotheken sind gibt es ein paar sehr wichtige Unterschiede. (Man beachte dazu unter anderem das Augmentin und das Concor in dem Schaufenster)
Es gibt eine Freiwahl und eine Sichtwahl und den berühmten Tresen im hinterem Teil an dem die Rezepte eingelöst werden. Wenn nun aber mal ein Medikament nicht vorhanden ist, dann sollte man nicht auf eine zeitnahe Bestellung hoffen. Mit ein wenig Glück wird einem angeboten bei der nächsten Bestellung auch das gesuchte Medikament mitzubestellen. Dies kann aber auch mal ein paar Wochen dauern. Viel wahrscheinlicher wird man in die nächste Apotheke geschickt. Und wenn man mit einem anderem vergleichbaren Wirkstoff zufrieden wäre, dann sollte man auch nicht auf einen Vorschlag warten. Als Kunde muss man auch hier ein wenig aktiv werden.
Dafür ist im Gegensatz jeder Beipackzettel auf Arabisch und Englisch. Zudem ist eine telefonische Bestellung und sofortige Lieferung nach Hause oder in das Hotel fast Standart.
Notdienste gibt es in Cairo übrigens auch nicht wirklich. Irgendeine Apotheke wird schon geöffnet haben.

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Das ist ein sehr klassisches Interieur – ähnliches habe ich in alten Apotheken auch bei uns schon gesehen. Dunkles Holz und Goldaufschriften.

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Betrug mit Rezept

Vor ein paar Tagen hatten wir die Diskussion in den Kommentaren: Wenn die Patienten die Rechnungen vom Arzt nicht bezahlen, aber das Geld bei der Krankenkasse zurückholen gehen. Nun ist aktuell offenbar eine Betrügerin unterwegs, die in den Apotheken versucht mit derselben Masche Geld zu machen.

Sie ruft an um ein teures, rezeptpflichtiges Medikament zu bestellen. Gilenya anscheinend. Dann erzählt sie am Telefon, dass sie das Rezept und eine Kostengutsprache der Krankenkasse hat – diese ihr das also zurückerstattet. Sie will das Medikament aber auf Rechnung von der Apotheke beziehen. Ausserdem stellt sie in Aussicht, bei Abholung gleich noch mehr bestellen zu wollen, da sie ins Ausland geht.

Geht die Apotheke darauf ein, besteht die Möglichkeit, dass die Frau mit der (unbezahlten) Rechnung der Apotheke von der Krankenkasse das Geld „zurück“ bekommt, sie die Apotheke dann aber nie bezahlt. Dabei handelt es sich immerhin um etwa 6700 Franken …

Auch unschön: Bestellt die Apotheke das Medikament und sie kommt das nicht abholen (zum Beispiel, weil man gesagt hat, dass man das nur macht, wenn man selber mit der Krankenkasse abrechnet), dann darf man für das Zurückschicken auch noch extra Handlinggebühren beim Grossisten zahlen. Das ist ein kleinerer Verlust als die paar Tausend, aber nervt!

Experimentierset: die kleine Apothekerin

Der schweizerische Apothekerverein feiert sein 175jähriges Bestehen und hat dafür ein kleines Geschenk für die kleinen Besucher der Apotheke (und eventuellen zukünftigen Kollegen) entwickelt. Es ist ein komplettes Chemie-Set, gut für 8 verschiedene Experimente. Da ist fast alles drin: die Chemikalien (Zitronensäure, Natron), Reagenzgläser und Halter, Pipette, Schutzbrille(!), Ballone und natürlich die Beschreibung. Seit Mitte Juni ist das für interessierte Kinder in ausgewählten Apotheken erhältlich. Gratis.

Ich habe es Junior testen lassen. Er war begeistert!

Im Film die Experimente Brausender Ballon und Farbiger Tröpflitanz. Das einzige was im Set nicht enthalten ist und was man braucht / vorher herstellen muss ist der Rotkrautsaft. Wir haben geschummelt und ihn mit Rotkraut aus der Dose hergestellt, das ging (wie man sieht) auch.

Die Experimente sind ungefährlich, kleinere Kinder sollte man trotzdem beaufsichtigen und die Schutzbrille braucht es zwingend… auch wir hatten einen kleinen „Unfall“ mit spritzendem Rotkrautsaft, aber bis auf ein paar bunte Flecken ist nichts passiert.

Hier findet ihr mehr Info zum Experimentierset: http://www.ihr-apotheker.ch/experimentierset – und schaut Euch, wenn ihr da seid, doch auch die Hauptseite an. Dein Apotheker kann mehr, als Du vielleicht denkst :-). Und wir brauchen Nachwuchs.

Jetzt mit Extra Eisen!

Ihr kennt die Angaben auf Nahrungsmitteln – und Nahrungsergänzungsmitteln: zum Beispiel die einfache Packung Cornflakes. Sie enthält laut den Angaben darauf 100% des täglichen Bedarfs an Eisen. Gesund! Beeindruckend! Braucht ja jeder – speziell Kinder in der Entwicklung …

Deshalb dürfen auch auf Nahrungsmitteln mit Eisenzusatz und Nahrungsergänzungsmitteln diese Anpreisungen draufstehen:
Eisen trägt zur normalen kognitiven Entwicklung von Kindern bei, Eisen trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei, Eisen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, Eisen trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei …

Aber – ist da auch drin, was draufsteht? Sollte eigentlich. Wobei … Nahrungsergänzungsmittel und auch Nahrungsmitteln unterliegen bei weitem nicht so strengen Kontrollen wie Medikamente und zugelassene Mittel.

Und das kann dann zu so was führen:

Ihr müsst nicht den ganzen Film schauen … die beeindruckendste Szene ist hier dargestellt:

Was da am Magneten hängt – und aus der Cornflakes-Wasser-Mischung extrahiert wurde ist Eisen.  Na toll, denkt man – da ist wirklich drin, was drauf steht!

Nur dass das elementares Eisen ist. Eisen0 wie in Nägeln vorhanden. Deshalb wird es vom Magneten angezogen. Das können wir aber nicht aufnehmen. Was wir brauchen ist Fe2+, dass der Körper auch aus Fe3+ mittels Säure (Vitamin C) umwandeln kann. Aus elementaren Eisen bekommt man mittels Salzsäure nur einen sehr kleinen Teil heraus … das meiste davon wird einfach wieder ausgeschieden werden.

Aber Hauptsache, man kann es auf sein Produkt draufschreiben. Und darf es dann mit Aussagen anpreisen, die sehr … gesundheitsbezogen sind.

Der Film ist schon älter, hat mich aber beeindruckt.

Wie ein Apotheker die Drohnenfotografie erfand

Apotheker sind ja sehr erfinderisch – wie ich schon im Artikel Wer hat’s erfunden? Ein Apotheker gezeigt habe. Aber habt ihr gewusst, dass auch die erste Drohnenfotografie von einem Apotheker stammt? Und zwar schon von 1907.

Glaubt ihr nicht? Dann schaut mal in dem Wikipedia-Artikel :-). Der Apotheker Julius Nebronner in der Nähe von Frankfurt benutzte wie sein Vater vorher schon Brieftauben um sich Rezepte liefern zu lassen – und offenbar auch zum ausliefern dringender Medikamente, solange sie leicht genug waren. Ob eines davon unterwegs verlorengegangen ist, ist unbekannt, aber als eine seiner Tauben 4 Wochen verschwunden war, überlegte er sich, wie er herausfinden könnte, wo sie gewesen ist. Zu diesem Zweck entwickelte er eine leichte Kamera, die der Taube angeschnallt werden konnte:

pidgeonfotograph

Die liess er dann nach anfänglichsen Schwierigkeiten (das Patentamt glaubte nicht, dass das funktionierte) auch patentieren. Durch Fotos liessen sie sich überzeugen … auf dem bekannten ersten Bild sieht man sogar die Flügelspitzen des Kameraträgers:

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Im Zweiten Weltkrieg wurden die mobilen, kleinen Luftfotografen dann auch eingesetzt … aber leider schon bald von Fotographie aus dem Flugzeug abgelöst. Das hat der Erfinder, der 1932 starb schon nicht mehr mitbekommen.

Ganz fertig war aber noch nicht mit der Fotografie aus kleinen fliegenden Objekten heraus … noch um 1970 herum hat das CIA die Brieftauben-Methode gebraucht. Ich schätze heute wurden sie aber komplett durch Drohnen abgelöst.