Einfach Schwimmen (in der Welle)

Momentan wünschte ich mir manchmal Dorys Kurzzeitgedächtnis. Dann könnte ich gewisse Dinge einfach vergessen.

Dass die zweite Welle hier in vollem Gang ist.
Dass jeder zweite, den man fragt, für wen die Lutschtabletten oder das Schmerzmittel ist antwortet, dass es für den Covid-positiven Verwandten oder Freund ist.
Dass wir Berichte von sehr kurzen Spitalbesuchen bekommen. „Blutige Entlassung“ trifft es schon nicht mehr … momentan wird alles, was nicht grad lebensbedrohlich ist, angeschaut und baldmöglichst wieder weggeschickt. (Erbrechen bis zur Dehydration? Hier ein Motilium und ein Rezept. Trinken Sie mehr. Wiedersehen.)
Dass wir Anrufe zum beliefern ebendieser Rezepte bekommen. (Und Vorsicht bei der Auslieferung. Ich bin Covid-positiv)
Dass wir von Kunden und Patienten immer mehr Berichte von kürzlich (an Covid) verstorbenen Verwandten und Bekannten hören.
Dass der Vater der Mitarbeiterin im Altersheim an Covid gestorben ist, nachdem er vor einer Woche positiv getestet wurde. Sie konnte ihn nicht mehr sehen.

Dass es währenddem wir das jetzt so direkt mitbekommen rechts und links und gestern und heute es immer noch Leute gibt, die da stehen und behaupten: dass es das Virus gar nicht gibt / das Virus gar nicht so schlimm ist / das alles nur gemacht wird um dem Staat mehr Einfluss zu geben und die persönlichen Freiheiten zu beschneiden / dass es ja eh nur die älteren trifft / man halt an irgendetwas sterben muss. (Kotz).

Dass die Leute nicht testen gehen, obwohl sie Erkältungssymptome haben. Man will ja nicht ausfallen bei der Arbeit. Und Quarantäne ist nervig, einsam und deprimierend … und so schlimm habe ich es ja nicht.

Dass die ganzen Einschränkungen (Öffnungszeiten und Mengenbeschränkung in den Restaurants, keine sportlichen und kulturelle Veranstaltungen über 15 Personen, Discos etc. geschlossen, Maskentragepflicht in den Innenräumen) zwar umgesetzt werden, aber man das Gefühl hat, dass viele den Grund nicht wirklich sehen, den Vorschriften vielleicht den Buchstaben nach folgen, aber nicht verstanden haben um was es geht und es darum unmotiviert und nur das Minimum machen. Das sieht man schon darin, wie die Masken getragen und gehandhabt werden (über die Nase ziehen! Nicht vorne anfassen! Die Hände vor und nach dem Berühren waschen / desinfizieren).
Dass sich immer noch zu viele privat treffen … und dabei die ältere Generation anstecken.

Dass die Wirtschaft daneben wirklich leidet. Restaurants, Kulturschaffende, Sportveranstaltungen, Hotellerie, … Nicht „Systemrelevant“ ist so ziemlich alles Schöne, Interessante, Angenehme – das fällt jetzt weg und das merkt man dann gut an der allgemeinen gedrückten Stimmung. Sich etwas „gönnen“ ist schwierig in diesen Zeiten. Und langsam hängt es jedem an.

Die Impfung ist ja eigentlich ein Lichtblick, aber …. immer noch zu weit weg. Immer noch zu viele Unsicherheiten. Und jetzt schon unmögliche und unnötige Diskussionen von wegen „Impfzwang“ und „Impfen ist gefährlich“.

Und was machen wir währenddessen? Weiterschwimmen … äh, arbeiten.

Ich summe jetzt Dories „einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen ….“ und mach weiter. Gibt ja nichts anderes.

Weniger Diskutieren, mehr zuhören, Bitte.

Was ist los? Haben die Leute die Fähigkeit verloren zuzuhören? In den letzten Tagen häufen sich in der Apotheke die Anfragen bei denen ich während (zu) langer Zeit etwas erklären und wiederholen muss. Zwei Beispiele?

Gestern:

Ein Mann kommt mit dem Abriss einer Packung Vinyl-Handschuhe in die Apotheke – zu mir. Ich nehme den Abriss, sehe, dass das von einer Packung Handschuhe war, die wir (bis die Lieferprobleme wegen Corona anfingen) an Lager hatten … aber jetzt natürlich nicht mehr.

Pharmama: „Genau die habe ich nicht mehr – aber ich habe andere. Moment.“ Ich gehe und hole eine Packung Handschuhe in L. Nitril, nicht Vinyl, aber auch kein Latex.

Mann: „Das sind nicht die, die ich hatte. Ich will die hier.“

Pharmama: „Tut mir leid, aber wir bekommen diese aktuell nicht mehr.“

Mann: „Aber ich hatte sie von hier!“

Pharmama: „Das stimmt, wir hatten die – aber ich habe im Moment haben wir keine von diesen mehr.“

Mann: „Können Sie bestellen?“

Pharmama: „Ich versuche eigentlich alle paar Tage Handschuhe zu bestellen, aber diese hier bekomme ich nicht. Sie sind nicht lieferbar. Seit längerem.“

Mann: „Bitte bestellen sie welche für mich.“

Pharmama: „Wenn sie möchten, aber …“

Mann: „Wann sind sie da? In ein paar Tagen?“

Pharmama: „Nein, eher nicht …“

Mann: „In einer Woche? Zwei?“

Pharmama: „Wenn, dann wahrscheinlich in ein paar Monaten. Aber ich habe hier welche, wenn sie vorher welche brauchen.“ Zeige ihm nochmal die Packung.

Mann: „Die sind wahrscheinlich nicht gross genug.“

Pharmama: „Das ist auch Grösse L, wie die, die sie hatten.“

Mann: „Aber das sind nicht dieselben. Sie haben sie also nicht und können sie nicht bestellen?“

Pharmama: „Nein.“

Mann: „Sicher nicht? Ich kann auch zahlen?“

Pharmama: „Das ändert leider nichts daran.“

Mann: „Ich versuche es woanders.“

Heute:

Telefon, ich nehme ab mit „Pharmamas Apotheke, Pharmama?“ Startet die Frau am anderen Ende der Leitung damit, dass wir eine Weinlieferung für (Name) haben, die sie morgen ausliefern.

„Wein? Sind sie sicher? Wir bestellen eigentlich keinen Wein – und ich glaube auch nicht, dass das für einen unserer Kunden ist.“

Doch, doch, versichert sie mir, wir hätten das auch schon gemacht. (Das wüsste ich aber). Sie war voll überzeugt – ich gar nicht … bis ich sie schliesslich gefragt habe: „Sind Sie sicher, dass Sie an der richtigen Adresse sind? Hier ist Pharmamas Apotheke. In (Ort)“

„Pharmamas Apotheke in (Ort)…? Oh. Nein. Da bin ich wohl falsch. Ich wollte eigentlich nach (total anderer Ort).“ – und wahrscheinlich auch keine Apotheke.

Echt jetzt? Ich meine, ich melde mich. Deutlich und langsam.

Das waren in beiden Fällen 15 Minuten, die ich gerne zurück hätte.

Test, Test, Test … Covid-Test in der Apotheke?

Seit dem 2. November dürfen die Apotheken Covid-Tests machen in der Schweiz. Wir sind eine Apotheke … aber machen wir das? Aktuell nein.

Der Apothekerverband hatte die Testmöglichkeiten schon länger im Visier und arbeitete darauf hin. Allerdings (und das ist hier etwas verwirrend) erst mal für die Antikörpertests auf Covid – also den Nachweis einer vergangenen Infektion. Die Haltung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) gegenüber den Antikörpertests ist, dass diese derzeit aufgrund der begrenzten Aussagekraft zur Immunität nicht empfohlen, sind. In der Bevölkerung besteht jedoch ein Interesse und von Seiten der Behörden könnte es sein, dass das Interessant wird, sobald ein Impfstoff verfügbar ist. In 4 Apotheken wurde die geplante Dienstleistung getestet – und sie entspricht den Qualitätsanforderungen und kann im Rahmen der geltenden Gesetze durchgeführt werden. Das gibt es immer noch (in den Pilotapotheken dafür), weitere werden in Zukunft folgen.

Aber was am 2. November von der BAG „freigegeben“ wurde sind die Antigentests auf Covid. Das kam eher kurzfristig. Die Antigen-Schnelltests für den direkten Nachweis von akuten Infektionen mit Sars-CoV-2 reagieren qualitativ auf spezifische Virusproteine und liefern normalerweise innert 30 Minuten ein Ergebnis. Dafür wird ähnlich wie beim PCR-Test ein Abstrich an der hinteren Nasenwand genommen. Die Sensitivität/Spezifität ist allerdings tiefer als beim PCR-Test. Der Vorteil der Antigen-Schnelltests gegenüber den PCR-Tests ist neben der Nachweisgeschwindigkeit der tiefere Preis und die Unabhängigkeit von teuren Laborgeräten. Grundsätzlich wäre eine Durchführung solcher Tests in Apotheken eine ideale Möglichkeit zur Ausweitung der Testkapazitäten und Entlastung von Spitälern, Arztpraxen und Testcentern … die Durchführung musste bisher aber in einem mikrobiologischen Labor mit einer Bewilligung von Swissmedic erfolgen. Eben das hat die BAG jetzt für die Apotheken aufgehoben.

Das hat dann (1-2 Wochen vorher) eine Reihe von Aktivitäten zur Organisation ausgelöst, dazu gehören Koordination mit Softwareanbietern und BAG wegen Meldesystem, Koordination wegen Bevorratung mit Test-Kits, Erarbeiten von Musterdokumenten (angepasstes Schutzkonzept, Prozessdokumente, Triagefragebogen), Organisation von Weiterbildung für die praktische Schulung des Nasen-Rachen-Abstrichs, Abklärungen bezüglich Rahmenbedingungen inklusive Abgeltung …

Dadurch wussten wir dann bald, wann die Schnelltests empfohlen sind / gemacht werden:

Personen mit Symptomen, die folgende Kriterien erfüllen

  • Symptombeginn vor weniger als 4 Tagen (Test möglichst rasch nach Symptombeginn)
  • UND: Nicht zu den besonders gefährdeten Personen gehörend
  • UND: Nicht im Gesundheitswesen mit direktem Patientenkontakt arbeitend
  • UND: Ambulante Behandlung

Personen ohne Symptome, die potentiell SARS-CoV-2 ausgesetzt waren:

  • Meldung einer Begegnung mit einem COVID-19 Fall durch die SwissCovid App. Ein einziger Test sollte frühestens ab dem 5. Tag nach Kontakt erfolgen ODER
  • Im Rahmen einer Ausbruchsuntersuchung und -kontrolle (ärztlich angeordnet)

Ein negatives Testergebnis bei symptomlosen Personen hat keine Auswirkung auf die Dauer der Quarantäne (!)

Dann kamen nach und nach die Gesundheitsdienste der Kantone, die vorgaben, was die Bedingungen für die Apotheke sind, damit man die Tests machen darf. Denn: Ich muss nicht nur mich selber als testende Person schützen (mit Schutzausrüstung wie Einmal-Anzug, Handschuhen, FFP-Maske, Brille und ev. Gesichtsvisier) sondern auch die Patienten, die normal in die Apotheke kommen. Man sollte hier im Hinterkopf behalten, dass diejenigen die wir testen sollen wahrscheinlich Covid haben. Das bedeutet, dass man sie beim warten und testen von den anderen Patienten (in der Apotheke viele Risikopatienten) trennt. Dafür braucht es einen zweiten Eingang zur Apotheke (nur für das) und ein Testraum, der nach jedem Patient gut desinfiziert werden kann. Und einen ausgebildeten Apotheker (oder auch Pharmaassistentin unter Aufsicht), die während der Testzeit dann nicht für etwas anderes (wie Rezeptkontrolle) gebraucht werden können. Multitasking geht da nicht.

So – daran scheitert es bei uns. Zu wenig Personal und kein zweiter Eingang. Darum machen wir das nicht, auch wenn das Interesse der Bevölkerung sicher vorhanden ist. Noch etwas hält mich davon ab das anders zu organisieren (zum Beispiel mit einem Raum ausserhalb der Apotheke und der Organisation von zusätzlichem Personal): die Abgeltung der Tests. In der Apotheke (wie auch beim Arzt etc.) muss abgeklärt werden, ob der Patient unter die vorgegebenen Kriterien fällt (dann ist der Test für sie gratis, ansonsten müssen sie zahlen), dann der Test durchgeführt und der Patient über das Ergebnis orientiert. Dafür bekommen wir CHF 57.50. Der Arzt bekommt dafür übrigens etwa 82 Franken, denn er darf zusätzlich noch ein Beratungshonorar (nach Tarmed) verlangen. Offenbar ist das BAG der Meinung, dass wir Apotheker den Patienten wohl das Ergebnis des Tests mitteilen können, aber ihnen nicht sagen, was das jetzt genau bedeutet für sie, respektive, was sie zu tun haben damit. Das Beratungsgespräch zum Test ist also in Apotheken faktisch gratis. Und das weiss ich auch ohne selber zu testen: das gibt IMMER Diskussionen und Beratungsbedarf.

Wer wissen will, welche Apotheken die Antigentests auf Covid durchführen, findet die Liste hier auf der Seite Ihre-Apotheke.ch

Um die ganze Sache noch etwas zu verkomplizieren gibt es noch eine weitere Art Test, die Von Reiseveranstaltern angeboten werden. Sie geben den Kunden Testkits mit nach Hause, nach denen sie den Nasenabstrich selber machen und das Teststäbchen an ein Labor einschicken, welches dann nach etwa 12-24 Stunden das Ergebnis mitteilt. Das ist dann wieder ein PCR-Test (wie in den offiziellen Testzentren), allerdings finde ich die Aussagekraft hier trotzdem extrem fragwürdig: eigentlich sollten bei diesen Tests die Probeentnahme durch medizinisch geschultes Personal erfolgen (wie Ärzte oder ausgebildete Apotheker etc.) und nicht durch Laien. Es ist dann auch fraglich, ob das im Zielland als gültiger Test anerkannt wird. Bezahlen muss man den als Patient komplett selber (mit einem Preis um die 160 Franken).

Leben in der Welle

Es hat sich angezeichnet, jetzt ist sie da, die zweite Corona-Welle. Und sie wird grösser (und übler) als die erste. In der Apotheke merken wir das schon seit ein paar Wochen. Die Erkältungskrankheiten (und Beschwerden) kommen wieder. Das bedeutet, dass sich die Leute wieder anstecken. Es war lange ruhig in die Richtung, ein Nebeneffekt der (konsequent) angewendeten Massnahmen zur Vorbeugung von Covid-19. Nach den Sommerferien fingen die Leute offenbar an nachzulassen. Vielleicht haben es ein paar auch mitgebracht von den Ferien? Ansteckungen erfolgten dann wohl vor allem zu Hause im Familien- und Freundeskreis. Und in der Schule oder am Arbeitsplatz gab man es dann weiter. Undsoweiterundsofort.

Was die Apotheke als Arbeitsplatz angeht – da fühle ich mich sicher. Unser Schutzkonzept verhält – wir stecken uns nicht an den Kunden an und umgekehrt sie sich nicht an uns. Wir haben immer noch die Plexiglasscheiben vor den Kassen. Wir tragen Hygienemasken (ausser beim Essen und Trinken) rund um die Uhr. Wir halten Abstand in den Pausen und es dürfen nicht mehr als 2 im Pausenraum sein. Wir waschen die Hände und desinfizieren die Oberflächen (fast stündlich). Dennoch hatten wir in den letzten Wochen Ausfälle … Mitarbeiter mit Symptomen, die wir testen geschickt haben. Lehrlinge, die vom Kantonsarzt in die Quarantäne geschickt wurden, da ein Mitschüler positiv getestet wurde (und sie zusammen Mittag gemacht haben ohne Maske). Aber wir hatten Glück – kein einziger positiv-Fall bei uns.

Wenn ich es bekomme, dann auch via Familie. Entweder bringt es mein Kuschelbär aus seiner Werkstatt (bisher hat er noch ohne Maske gearbeitet) oder Junior aus der Schule. Dort haben sie zwar auch ein Sicherheitskonzept, doch das ist (bei Kindern sowieso) notgedrungen löchrig. Im Klassenzimmer sitzen sie ohne Masken recht nahe nebeneinander. Oder sassen. Das ändert jetzt.

Die (stetigen) Nachrichten aus der Schule mit Corona-Updates und Informationen machen immer weniger Freude:

In der Klasse Ihres Kindes wurde ein Schüler positiv auf COVID-19 getestet. Auf Anordnung des kantonsärztlichen Dienstes befindet er sich in Isolation und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. In Absprache mit dem kantonsärztlichen Dienst besteht aktuell kein weiterer Handlungsbedarf. Für Ihr Kind bedeutet das, dass es wie gewohnt zur Schule kommt.

Keine Info wer, aber das ist durchgesickert, ebenso wie die Info, dass das Kind wegen Beschwerden testen gegangen ist … und der Kantonsarzt es nach dem testen und vor dem Ergebnis in die Schule geschickt hat. (Entspricht definitiv nicht den vorgeschriebenen Massnahmen).

Daraufhin ist der Eltern-Whatsapp-Chat kurz explodiert mit „Weshalb hat man ihn nicht zu Hause behalten?“ „Weshalb werden die anderen Mitschüler jetzt nicht alle auch getestet?“ Und (fast natürlich) mit der Covid-Zweifelnden Mutter, die erklärte: „Notabene, Der PCR Test kann MAXIMAL eine Sequenz eines Erregers feststellen, aber NICHT dass der Erreger sich im Menschlichen Körper vermehrt !!! Somit sind die angeblich positiv infizierten, lediglich Test positive Personen ! Daher verstehe ich den ganzen Wahnsinn nicht.

Kann ich natürlich so nicht stehen lassen, darum hab ich’s ihr – und dem Rest der Gruppe – gerne erklärt. Damit man die Sequenz feststellen kann, braucht es eine gewisse Menge, und das bedeutet, dass sich das Virus stark vermehrt hat. Und da man (aktuell) nur testet, wenn man schon Symptome hat … ja, dann ist man krank. Dass von den positiv getesteten etwa 5% im Spital landen und von denen 20% auf die Intensivstation und 50% davon intubiert werden müssen (und davon etwa die Hälfte dann stirbt). Dass wir von den langfristigen Schäden (eventuell auch leichter Covid-Infektionen) immer noch nur wenig wissen. Wen es interessiert, wie man so Falschaussagen und auch Pseudo-Fragen beantworten kann, der findet hier eine gute Übersicht: https://www.facebook.com/psHolstein/posts/2964634043637072

Die Reaktion darauf war (natürlich): „Jeder nimmt die Tatsachen so wahr wie er möchte und bildet sich die eigene Meinung dazu, deshalb ist jede Diskussion darüber überflüssig.“

In der Zwischenzeit kamen nach dem Wochenende erst 3, dann 4 Kinder nicht in die Klasse, ob wegen Symptomen oder vorsichtigen Eltern ist natürlich nicht bekannt. Meiner ging (inzwischen tragen sie auch im Klassenzimmer Masken) … bis er am Mittwoch abend Halsschmerzen bekam und dezent Temperatur (37.8°C) . Da das am Donnerstag nicht weg war, ist Kuschelbär mit ihm testen gegangen.

Ebenfalls Donnerstag (abends) kam dann diese Nachricht: „Aufgrund eines zweiten positiven Corona-Falles in der Klasse Ihres Kindes hat der kantonsärztliche Dienst verfügt, dass sich alle Schülerinnen und Schüler bis und mit Montag in Quarantäne begeben müssen. Ihr Kind darf während dieser Zeit die Wohnung/das Haus nicht verlassen! Dies gilt auch für das Wochenende. Versuchen Sie auch innerhalb der Familie, den direkten Kontakt zu vermeiden. Morgen Freitag und am Montag findet Fernunterricht statt. (Lehrer) informiert die Schülerinnen und Schüler darüber. Sollte Ihr Kind in den kommenden Tagen Symptome entwickeln (krank werden), nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit einem Arzt (Kinderarzt oder Hausarzt) auf und informieren sie (Lehrer) entsprechend.“

Alles klar. Als Eltern der betroffenen Kinder, darf man trotzdem weiterarbeiten. Allerdings verzichte ich lieber darauf meinen 80 jährigen Papa im Spital zu besuchen, in das er wegen einem Unfall zu Hause am Dienstag gekommen ist. Oder meine Mama, die jetzt alleine zu Hause ist :-(

Donnerstag morgen war hart. Ich war in der Apotheke arbeiten, Junior mit Kuschelbär am Test machen und mein Papa im Spital, frisch operiert und unwillig zu bleiben. Daneben vorbereiten, was ich mache, wenn Junior positiv getestet wird – dann darf ich nämlich auch nicht mehr arbeiten. Und so üppig sind wir nicht besetzt in der Apotheke, dass man einen 10 Tages-Ausfall mal eben so easy kompensiert. Mir ist schon klar, dass das wohl kommt … es ist dasselbe Problem wie im Spital mit dem Pflegepersonal. Und dann … was, wenn mein Mann das bekommt? Er ist etwas älter als ich, nimmt Blutdruckmedikamente und könnte ein paar Kilo weniger wiegen. Er ist gefährdeter … und ich muss ihn schicken um Junior testen zu lassen.

Am Freitag morgen die Entwarnung: Junior ist negativ getestet worden. Puh!

Ich durfte Freitag und Samstag arbeiten. Aktuell hat Junior Schule via Computer. Mal sehen, wie es morgen aussieht.

Covid-kommt definitiv näher, nein – es ist da. Gibt es hier überhaupt noch jemanden, der nicht jemanden kennt, der es hat oder hatte? Und wie? Seid froh und dankbar, wenn es nur leichte Beschwerden sind. Ich bin es für jeden und ich will es trotzdem (auch leicht) nicht bekommen.

Missionieren in Zeiten von Corona

Ich fand es ja einen netten Nebeneffekt der Pandemie-Regeln (Abstand halten, Kontakte reduzieren!), dass wir zu Hause keinen Besuch von Tür- zu Tür-Verkäufern oder missionierenden Zeugen Jehovas mehr bekamen. Das ersparte mir (eh schon introvertierter Person) unnötige Diskussionen. Interessant fand ich deswegen den handgeschriebenen (!) persönlich addressierten Brief, den wir von den Zeugen vor etwa 2 Wochen bekommen haben. Darin gehen sie auf die aktuelle Situation und die Belastung, die sie psychisch mit sich bringt ein, und bieten mit einem aufbaunden Psalm sich (und ihren Glauben) als Stütze in diesen schwierigen Zeiten an. Das empfand ich (auch wenn ich die Zeugen sonst wie alle missionierenden Gruppen nicht sehr mag) als positiv.

Weniger gut kam der Brief der CCHR Schweiz an, den ich in der Apotheke bekommen habe. Betreff: Klassische Schulmedizin versus Alternativmedizin. Der Inhalt ein etwas seltsamer Mix aus Schmeicheleien (Als kompetente Fachperson kennen Sie die Problematik wohl bestens … Als Verantwortliche für eine gute Beratung Ihrer Kunden in alternativen Möglichkeiten einer Behandlung kennen Sie die Realität wohl besser als alle anderen …) und Behauptungen (Die Pharmaindustrie kommt immer mehr ins Kreuzfeuer der Medien … Die klassische Schulmedizin dominiert bei der Behandlung von psychischen Leiden) … die dann aber wenig mit dem eigentlichen Ziel des Schreibens zu tun haben. Nämlich dass man bei ihnen Informationsbroschüren bestellt: Glücklicherweise ist es uns möglich, ihnen das … Informationspaket abzugeben. Zahlreiche Fragen werden zu Psychopharmaka, Antidepressiva, Tranquilizer und psychiatrischen Diagnosen beantwortet.

Ja …. wirklich aufmerksam wurde ich bei den Bildern auf den Broschüren … auch dem einen Kärtchen, das sie beigelegt haben. Irgendwie ausgesprochen abschreckend und hat auch nicht viel mit (alternativen) Medikamenten oder neutraler Info zu tun. Auf den Broschüren sind Titel wie: Die Vermarktung erfundener Krankheiten – sind wir alle psychisch krank? Psychopharmaka verursachen Gewalt und Selbstmord. Antidepressiva Risiken und Nebenwirkungen. Und die Bilder dazu erspare ich Euch hier, die machen mich beim anschauen schon fast depressiv.

Da ich die CCHR oder Citizen Commission on Human Rights (Bürgerkommission für Menschenrechte) nennt nicht kannte, googelte ich mal – und fand so recht rasch, dass es sich um eine Gruppe handelt, die total Anti-psychiatrie ist und regelmässig öffentliche Veranstaltungen in schwarzen Zelten und mit denselben „Psychiatrie ist Folter“-Bildern gemacht hat … und die enge Verbindungen zur Scientology hat.

Ah. Nein. „Nice try“, die Apotheke für ihre Missionsarbeit einzuspannen, aber deren Alternative zur Psychiatrie und Medikamenten besteht in eigenen „Kursen“ mit meiner Meinung nach eher zweifelhaften Auswirkungen.

Da landet das Schreiben in der „Rundablage“ – da hilft auch der Schlussatz nichts:

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit in der Alternativmedizin. Ihre Arbeit ist geschätzt und benötigt …

Pharmazie auf dem Mond

Gelegentlich findet man in Kundenretouren von Alt-Medikamenten wirkliche Schätze. Dieses hier zum Beispiel:

Marzine war ein Mittel gegen Übelkeit, das ich auch noch kannte. Es ging 2008 – damals habe ich angefangen zu bloggen – in der Schweiz ausser Handel. Es enthält Cyclizin, ist ein altes Antihistaminikum (erste Klasse) und wirkt antiallergisch, antiemetisch (gegen Übelkeit) und beruhigend. Cyclicin gehörte zu den ersten Antihistaminika und wurde von der NASA beim Mondflug als Mittel gegen Übelkeit verwendet. Dabei macht es anscheinend weniger müde als andere Antihistaminika, weshalb es von der WHO 2011 auf die Liste der unentbehrlichen Medikamente für Kinder aufgenommen wurde. Dabei wurde die Wirkung gegen Übelkeit wie Seekrankheit und Erbrechen (man kann sich vorstellen, dass das speziell in einem Raumschiff eher ungeschickt ist), als „erwünschte Nebenwirkung“ eher zufällig entdeckt. (Wen’s interessiert: hier ist ein Paper über die Entwicklung von Antiemetika)

Aber eben: Mond! Auf alten Werbungen für das Mittel sieht man das auch prominent erwähnt: „As chosen by Nasa for all the Apollo Space Missions“. und wie oben im Bild: „Marzine has gone to the Moon, Travel sickness hasn’t„. Cool. Damit ist Marzine sozusagen DAS Mittel gegen Weltraumkrankheit (Space sickness).

Das Apollo Programm lief von 1961 bis 1975 und war das Raumfahrt Projekt der USA das (zum ersten und bisher einzigen Mal) Menschen auf den Mond brachte. Der erste Mensch auf dem Mond war 1969 mit der Apollo 11 Mission Neil Armstrong (mit Buzz Aldrin und Michael Collins) – und der letzte Mensch, der Fuss auf den Mond setzte war 1972 Harrison Schmitt mit der Apollo 17 Mission.

Harrison Schmitt war übrigens allergisch auf den Mond, genauer gesagt auf den Mondstaub. Er war Geologe und dafür veantwortlich Gesteinsproben zu sammeln, dabei blieb unvermeidlich auch Staub an den Anzügen hängen. Im Innern der Kapsel und nach Öffnen bekam Schmitt eine verstopfte Nase und belegte Stimme. Zum Glück nicht mehr, aber auf der Erde hatte einer der Leute, die die Anzüge handhaben nach Kontakt mit dem Mondstaub eine heftigere Reaktion. Entweder war das wahnsinnig Pech, dass gerade zwei Leute so reagieren, oder es sind vielleicht noch sehr viele Menschen mehr allergisch auf Mondstaub (oder etwas das darin ist). Interessant wäre auch was genau – handelt es sich hier um eine Kreuzreaktion auf etwas anderes? Für zukünftige Missionen empfahl Harrison Schmitt möglichst keinen Kontakt mit Mondstaub zu haben – also die Anzüge und das Material sonst abweisend zu machen. Als Apothekerin empfehle ich ausserdem Antiallergika. Eigentlich … können sie ja auch grad wieder das Marzine nehmen, das wirkt als Antihistamin nicht nur gegen Übelkeit, sondern auch gegen Allergien.

Blue Marble – Image of the Earth from Apollo 17 – das letzte Bild vom Mond aus geschossen, auf der Apollo 17 Mission.

Wer sonst noch Spass hat an alten Medikamenten findet hier noch ein paar: Alt und Neu