Blog-Review 2018

Der Blog 2018 in Zahlen:

  • 150 veröffentlichte Beiträge,
  • 814’325 Aufrufe*
  • 370’831 Besucher
  • 1865 Kommentare und
  • 604 Likes.

*Ja, das ist erstmals seit 2011 weniger als 1 Mio. An was liegt es? Zu wenig geschrieben? Weniger Interesse? Mehr Feedreader-Leser? Die Zahlen sind abnehmend … zumindest was Besucher / Aufrufe angeht – Auch wenn der Blog seit Entstehung 10 Millionen Besucher hatte. Inzwischen sind mir die Zahlen aber auch nicht mehr so wichtig … wichtiger finde ich, die Diskussionen und Kommentare, die sich durch die Blogposts ergeben. Davon habe ich persönlich viel mehr, auch ein Gefühl von „Verbundenheit“: ich bin nicht alleine mit den Problemen hier. Danke Euch für’s lesen und mitmachen!

Top Ten der meistgelesenen Artikel 2018:

10) Weshalb Homöopathie (doch) in die Apotheke gehört – Homöopathie ist ein Reizwort und nicht mein Lieblingsthema. Das war ein Gastbeitrag und Plädoyer, nicht unbedingt für die Homöopathie, sondern für einen richtigen Umgang damit.

9) Nur Sie machen mir Immer Probleme! – Das beruht auf Gegenseitigkeit, liebe Patientin. (Sorry)

8) Seltsames vor Ladenschluss …  – Wie sicher bist Du, dass das nicht ernst gemeint ist?Nur Sie machen mir Immer Probleme!

7) Dieses böse Korson … – Das missverstandene Kortison. Immer eine Diskussion wert.

6) Happiger Aufschlag oder Schuss ins eigene Bein? – Eine der Dienstleistungen der Apotheke ist der Austausch von (teuren) Medikamenten durch günstigere. Dafür darf (beim ersten Mal) auch etwas verlangt werden. Die Frage ist: lohnt sich das für irgendwen?

5) Von der schwarzen Liste und Rabeneltern – Die Krankenkasse ist eine Versicherung, sie wird aber auch zunehmend teurer. Was passiert, wenn die Eltern die Prämien der Kinder nicht zahlen?

4) Beleidigend direkt? – Wie sage ich es meinem Patienten?

3) Mengenabgabekontrolle durch die Versandapotheke: Nicht vorhanden. – Der Post hat mir fast eine Abmahnung von der Versandapotheke gebracht. Aber ich stehe dazu. Zu meiner Meinung zu den bestehenden Fakten.

2) Wann ist Schluss?  –In der Apotheke führt man die Rezepte der Ärzte aus. Aber was, wenn man da mitbekommt, dass der Arzt nicht mehr „fit“ dafür ist zu praktizieren?

1) Ein Hundebiss in Thailand  Ein sehr unangenehmes Erlebnis in unseren Ferien. Schnell passiert mit langen Nachwirkungen. Ob man etwas hätte besser machen können?

Das war mein 2018

Die Zeit zwischen den Jahren ist immer auch Rück- und Ausblick-Zeit. Eine Gelegenheit inne zu halten und Fazit zu ziehen. 2018 war … ein interessantes Jahr. Es ist viel passiert, es war gut, es war schlecht, es hatte von allem ein bisschen. Nicht alles bekommt man hier auf dem Blog mit – aber so einiges vielleicht doch.

Ich bin 45 Jahre alt geworden. Jaja, Alt, ich weiss – und über das Alter redet man ja nicht. Also will ich nix mehr darüber hören.

Vor 25 Jahren hatte ich die Matura – und dieses Jahr deshalb ein Treffen der ehemaligen Schüler von damals.

Vor 20 Jahren habe ich das Diplom als Apothekerin gemacht – und dieses Jahr haben wir das in einem grossen Treffen gefeiert.

Vor 15 Jahren habe ich die Verwaltung der Apotheke übernommen.

Vor 13 Jahren haben Kuschelbär und ich geheiratet. Aber ein unglückliches Jahr war 2018 deshalb nicht :-)

Vor 12 Jahren bin ich Mama geworden. Damit gehört „Junior“ jetzt auch schon zu den Grossen. Nix mehr Kleinkind und auch nix mehr mit vielen Vergünstigungen (zum Beispiel in den Ferien). Momentan ist alles dran wie sein weiterer schulischer Weg aussieht – Effektiv zeigt sich im Januar wie die Lehrer entschieden haben. Viel Mitspracherecht hat man da nicht.

Vor 10 Jahren habe ich angefangen als Pharmama zu bloggen.

Vor 5 Jahren ist ein Buch von mir bei einem Verlag veröffentlicht worden. „Haben Sie diese Pille auch in grün?“ – Inzwischen in der 4. Auflage (!). Darauf bin ich immer noch stolz, auch wenn man an manchen Kritiken sehen kann, dass das manche als Patientenbashing ansehen … als was es wirklich nicht gedacht ist.

Und dieses Jahr selber? In der Apotheke läuft es. Und wie. Die Arbeitsbelastung hat zugenommen – in einem Mass, dass es sich auch durch Teilzeitarbeit kaum mehr kompensieren lässt, oder anders gesagt: ich bin danach häufig so kaputt, dass ich kaum mehr etwas daneben machen kann. Das Bloggen leidet etwas darunter (habt ihr sicher gemerkt). Für die Familie ist das auch nicht so toll. Fazit ist: wir brauchen mehr Personal in der Apotheke. Dieses Jahr sollte sich das (damit) etwas beruhigen. Hoffe ich. Neben mehr Patienten haben wir ausserdem mehr Kompetenzen erhalten, oder anders gesagt: wir bieten mehr Dienstleistungen an in der Apotheke. Das bedingt natürlich auch wieder, dass man sich weiterbildet. Regelmässig. Wer denkt, er sei nach Schule und Uni fertig mit lernen, denkt falsch (und sollte auf gar keinen Fall Apotheker werden).

Januar 2018 hatte ich ein Bloggertreffen mit anderen „Medizin-Bloggern“ in Berlin. Das erste grosse – und es war toll. SO toll, dass wir das 2019 wiederholen – in Hamburg.

Neben dem Blog habe ich auch vermehrt Artikel für Zeitschriften geschrieben: Erst ein Artikel, dann als Offizinicus (Kolumne) im OTX-World. Zur Weiterbildung und Unterhaltung wieder im Bulletin der Astreaapotheke. Für Pharmapro habe ich ausserdem Artikel geschrieben rund um HR (Personalmanagement). Und für die Jubiläumszeitschrift der Pharmasuisse (des schweizer Apothekerverbandes) durfte ich ebenfalls einen Artikel beitragen.

Zwei Mal durften wir Ferien machen. Einmal in Thailand Badeferien und die in Südafrika konnte man hier verfolgen. Ferien sind toll – und die Zeit, die ich mit der Familie und (weit) weg von Apotheke richtig geniesse. Auch wenn ich im Frühling einen ziemlichen Schreck hatte mit dem Hundebiss und den anschliessenden Tollwutimpfungen. Ich lebe noch – und habe es wegen Tollwutimpfmangel trotzdem noch immer nicht geschafft, den Rest der Familie vorimpfen zu lassen, damit sie das im Falle nicht durchmachen müssen.

Es ist also einiges passiert und ich habe einiges gemacht – und trotzdem… das Gefühl, dass das Jahr richtiggehend vorübergerannt ist. Wir haben schon 2019. Irgendwie … fasse ich das noch nicht richtig.

Ich gehe mit Elan ins neue Jahr. Ich möchte jeden Tag nutzen können, mehr Augenmerk auf Familie und das Jetzt legen. Mich weniger stressen (lassen).

Es wird weitergehen hier … nur vielleicht etwas … langsamer.

Vom Asbest in Talk – Frauen und Babies in Gefahr?

JuJAktie

Interessant, wie so Veröffentlichungen einen Einfluss auf den Wert einer Firma haben können. Der „Abbruch“ der Aktie von Johnson & Johnson am Mittwoch 12. Dezember wurde ziemlich sicher durch den Artikel der Reuters (danach Blick und anderen angehängten Medien) verursacht.

Der US-Pharmariese soll seit Jahrzehnten davon wissen, dass sein ­Babypuder Spuren von Asbest enthalte. Dieser wird auch in der Schweiz vermarktet.

und in der 20 Minuten:

Das grösste Apothekennetzwerk der Schweiz nimmt das Babypuder von Johnson & Johnson aus den Regalen. Das Produkt soll Spuren von Asbest enthalten.

Sowas macht mir keine Freude als Apothekerin. Nehme ich das jetzt auch aus dem Regal? Ich habe keinen offiziellen Rückruf und bisher keine Beanstandungen durch die swissmedic oder durch Kunden hier. Und … es ist mit Abstand das günstigste Talcum-Puder, das wir haben. Nicht, dass wir das wahnsinnig oft brauchen.

Hierzulande wird kaum noch ein Baby damit eingepudert – das macht auch wenig Sinn: sobald das Puder dann feucht wird (unweigerlich in der Windel) verpappt es ziemlich unangenehm. Ausserdem bietet es nie den Hautschutz von Salben, die auch Talk und/oder Zinkoxid enthalten können. Als Puder hat es noch ein Problem: wenn es in die Luft gelangt (verstäubt), kann es in der Lunge landen. Das ist als Fremdkörper auch schon ohne Asbest nicht gut. Dass Talkumpuder mit Asbest verunreinigt sein kann ist tatsächlich schon lange bekannt, das hat mit der Gewinnung des „natürlichen“ Materials zu tun. Deshalb gibt es seit langem Vorschriften und Grenzwerte. Medizinisch verwendetes Talk muss frei von Asbest sein.

Interessanterweise ist Lungenkrebs nicht mal die Ursache für die Anklagen, die Johnson&Johnson in den USA wegen dem (angeblichen) Asbest im Talkpuder betreffen. Die klagenden Frauen sind an Eierstockkrebs erkrankt. Sie haben auch nicht zwingend Babies: sie haben über Jahre und Jahrzehnte ihren eigenen Intimbereich mit Talkumpuder gepflegt – etwas, das bei uns noch unüblicher ist als das Baby-pudern.

Aber was mache ich jetzt mit dem Babypuder von J&J nach dem negativen Medienrummel (vielleicht auch gut für etwas Eigenwerbung ausgenützt durch „das grösste Apothekennetz der Schweiz“ (hustGalenica-Vitalis-Amavitahust)?

Mal direkt bei der Firma anfragen für eine Stellungsnahme und Unterlagen.

Und es gibt Entwarnung:  Die zugestellten Unterlagen inklusive Prüfprotokolle bestätigen die Asbestfreiheit eindeutig. Die Unterlagen zeigen auf, dass der Hersteller seit Jahren eine minutiöse Qualitätskontrolle etabliert hat und regelmässig auf Asbestfreiheit prüft. Tatsächlich belegt es, dass es sich beim verwendeten Talk um eine geprüfte Arzneibuchqualität handelt, welche frei von Asbest ist und das regelmässig überprüft wird.

Das ist schön. Also bleibt das bei uns drin. Ich frage mich, ob „das grösste Apothekennetzwerk“ das auch nachgefragt hat und ob es da auch wieder im Regal steht. DAS geht dann natürlich nicht so gross durch die Medien.

Nachtrag: Wie das früher gewesen ist von wegen Asbest im Babypuder (sicher nicht nur J&J) ist ziemlich sicher eine andere Geschichte und durchaus möglich – auch mit den Folgeschäden, mit denen die Firma jetzt im klagefreudigen USA betroffen ist.

Basteln mit Junior – Lippenpomadestifte

Etwas wirklich einfaches zum machen – man muss nur die Zutaten haben. Am schwierigsten aufzutreiben waren die leeren Lippenpommaden-stift-dosen, vor allem weil diejenigen, die ich erst bestellt habe zu lange gebraucht haben. Do-It-Yourself Shops haben die hier offenbar auch nicht, aber bei unserem eigenen Apotheken-Laborbedarf-Lieferanten wurde ich dann noch rechtzeitig fündig.

Benötigtes Material: pro 10-12 Lippenstifttuben

  • 2 Teelöffel Kokosnussöl
  • 1 Teelöffel Kakaobutter
  • 1 Teelöffel Mandelöl (oder Arganöl)
  • 2 Teelöffel Bienenwachs
  • Melissenöl oder Pfefferminzöl 5-10 Tropfen

IMG_0182

Die Lippenstifttuben zum füllen vorbereiten: öffenen und aufrecht hinstellen, dass sie nicht umfallen können.

Herstellung: In einer Tasse im heissen Wasserbad die Fette und das Wachs zusammenschmelzen, bis alles aufgelöst ist.

Das ätherische Öl dazugeben. Wir haben echtes Melissenöl genommen, nicht nur weil das sehr erfrischend ist, es hat auch eine gewisse antivirale Wirkung, weshalb es zum vorbeugen von Fieberbläschen gut ist. Das Zeug ist allerdings erstaunlich teuer, kommt in einem Mini-Fläschchen mit einem Mini-mini-Tropfer. Hier gibt Junior grad die 5 Tropfen dazu. Bei nicht so reinem Öl muss man mehr zugeben: 10 Tropfen.

IMG_0185

Dann geht es ans giessen, was man ziemlich zügig machen muss, da ansonsten die Mischung schon im Trichter aushärtet. Man füllt die Tuben bis möglichst ganz oben, am Schluss kann man nicht ganz volle noch etwas nachfüllen. Wird die Mischung in der Tasse fest, kann man sie einfach nochmals wärmen.

Die Lippenstifttuben stellt man ins Kühle über Nacht, damit sie ganz aushärten können. Danach bastelt man Etiketten und klebt sie auf die Tuben. Hier das Endprodukt: zart-Schmelzende (aber nicht zu weiche) feine Schoko-Melisse Lippenpommadenstifte. Schokolade wegen dem Kakaobutter, das einerseits zur guten Konsistenz beiträgt und andererseits einen deutlichen Eigengeschmack hat.

IMG_0188

Sind wirklich gut geworden!

Basteln mit Junior – Salbe mit ätherischen Ölen

Verwandte und Freunde weggeschaut, denn hier kommt das diesjährige Weihnachtsgeschenk, zumindest der erste Teil – für den zweiten Teil fehlt mir noch etwas, ich hoffe, das kommt rechtzeitig.

Es ist eine Salbe mit ätherischen Ölen – ich habe sie Aethorub getauft. Faktisch Vaporub … mit Anpassungen, die es Tigerbalm etwas ähnlicher machen, das mir geruchsmässig besser passt.

Man braucht:

10 Salbentöpfe, Glas, Material für die Salbengrundlage (s.u.), äetherische Öle (s.u.), Melamingefäss zum rühren, Wassertopf.

aethorub1

Salbengrundlage: (reicht für 10 Dosen zu 60ml)

aethorub2

In einer Schüssel im heissen Wasserbad alles zusammenrühren, bis es geschmolzen ist. Das braucht Zeit, bis auch das letzte Körnchen Wachs es geschafft hat.

Die Schüssel in ein kaltes Wasserbad stellen und rühren, rühren, rühren. Irgendwann wird es etwas trüber, dickflüssiger.

Dann die gewünschte Mischung ätherische Öle dazugeben. Pro 100g Grundlage braucht man etwa 60 Tropfen. Es lohnt sich auf Reinheit zu achten oder Arzneimittelqualität zu nehmen, immerhin wird das auf die Haut aufgetragen. Ich habe genommen:

  • Eucalyptusöl (Eucalypti aetherolum)  10ml
  • Zimtöl (Cinnamomi aetherolum)   5ml
  • Nelkenöl (Caryophylly aetherolum) 3ml
  • Lavendel (lavendula aetherolum) 3ml
  • und dazu noch Levomenthol – fein pulverisiert, etwa 2 Esslöffel voll (oder: 1g auf 100g)

aethorub3

Weiterrühren. Irgendwann hat Junior die Geduld verlassen (und ich habe angefangen zu zweifeln, dass das je wirklich fest wird. Kann man das auch als Bodylotion verschenken? Wir haben dann beschlossen es doch nicht „lege artis“ kaltzurühren, sondern flüssig abzufüllen und in den Kühlschrank zu stellen, in der Hoffnung, dass es so auch fest wird und nicht trennt.

Das hat dann bestens funktioniert: Das Ergebnis ist eine gut riechende, geschmeidige Salbe, die besser einzieht als Vicks Vaporub und so fein riecht wie Tigerbalsam:

aethorub4

Jetzt noch die Etiketten kreiert, herzig einpacken und es bereit zum verschenken. Volià, Salbe für Erkältungen und Husten und auch bei Sportverletzungen. Sie wirkt mit ihren aetherischen Ölen auf die Atemwege und auf der Haut kühlend / schmerzstillend.

Und Tschüss.

186apotschuess

Aus aktuellem Anlass. Bei manchen Kunden hofft man wirklich, dass sie ihre „Drohungen“ einmal wahr machen. Und dann auch weg bleiben. Und nicht am nächsten Tag schon wieder auftauchen und tun, als wäre nichts gewesen.

Ja, er musste tatsächlich mal 10 Minuten warten. Wir haben eine Apothekerin, und da geht jedes einzelne Rezept über sie. Bei dem Ansturm, den wir diesen Monat haben kann es dabei zu „Stau“ kommen. Das geht dann auch nicht schneller, wenn sie dann „töibele“* wie ein kleines Kind, wenn es nicht schnell genug geht.

Zum Überlegen für diese Kunden – die ja noch gerne die Apotheke wechseln, da sind wir nicht die erste und nicht die letzte: Was ist denn der gemeinsame Nenner bei all den Apotheken, die ihnen nicht passen? (vielleicht sie selber?)

So zurück an die Arbeit.

*töibele. Schwer zu übersetzen. Eigentlich schweizerdeutsch für trotzen, das machen vor allem Kleinkinder, dabei ist es aber mehr … lautstark und körperlich ausgedrückt. Im englischen wäre das „throw a tantrum“.