Nicht ganz so Gut-Scheine

Gutscheine sind immer wieder ein Thema. Wir haben Kundenkarten und gelegentlich bekommen die Leute Gutscheine als Bonus dafür, die sie dannbei uns in der Apotheke einlösen können beim nächsten Einkauf. Dann gibt es noch die Gutscheine, die sich in Heften und Zeitschriften (auch unserer eigenen) finden. Am döfsten finde ich die Gutscheine in öffentlichen Zeitungen, die einem versprechen, dass man damit in der Apotheke etwas gratis dazubekommt oder ein Muster dazu abholen kann … aber die Firma hat sich nicht die Mühe gemacht, die Apotheke darüber zu informieren, geschweige denn die Muster dazu geschickt.

Aber zurück zu unseren Gutscheinen:

Kundin: „Wann bekomme ich mal etwas für meine Kundenkarte?“

Ich schaue in ihr Dossier – eigentlich müsste sie schon mehrmals Gutscheine von uns bekommen haben, bei dem Umsatz. „Sie bekommen Gutscheine, tatsächlich sollten Sie schon ein paar bekommen haben.“

Kundin: „Habe ich nie!“

Pharmama: „Das ist seltsam. Bekommen Sie keine Post von uns?“

Kundin: „Schon, aber die sortiert mein Mann immer aus und wirft sie gleich weg. Er mag keine Werbung.“

Pharmama (nach innerlichem facepalm): „Da waren die Gutscheine drin. Sagen Sie ihrem Mann, dass er das nicht wegwerfen soll.“

Kundin: „Können Sie mir keine neuen dafür ausstellen?“

Pharmama: „Nein. Tut mir leid.“

Im gleichen Stil: nach dem Einkauf und beim Einkassieren.

Kundin: „Ich habe einen Gutschein – aber zu Hause.“

Pharmama: „Ich brauche ihn hier, um das abzuziehen.“

Kundin: „Können Sie nicht im System nachschauen wieviel das war und das dann machen?“

Pharmama: „Nein. Tut mir leid.“

Kundin: „Oh. Na dann halt nicht.“

Neuer Kunde, neues Glück. Manchmal auch nicht.

Ich zum Kunden: „Haben Sie eine Kundenkarte bei uns?“

Kunde: „Ja!“

Er gibt mir die Krankenkassenkarte.

Pharmama: „Nein, ich meine eine Kundenkarte – aber ich schau mal unter dem Namen nach.“

Ich finde nichts.

Kunde: „Vielleicht ist sie auch unter dem Namen meiner Frau?“

Ich schaue, finde aber keinen Frauenvornamen mit dem Familiennamen und erwähne das …

Kunde: „Ah, meine Frau heisst ...(total anders).

Immer noch nichts. So langsam wird es peinlich.

Kunde: „Aber ich habe zu Hause etwas zugeschickt bekommen!“

Pharmama: „Dann bringen Sie die Karte mit, mit den Namen, die sie mir bis jetzt genannt haben, finde ich nichts.“

Kunde: „Es war ein Gutschein.“

Mir dämmert was.

Pharmama: „In einer Zeitschrift? Das bedeutet nicht, dass sie bei uns auch eine Kundenkarte haben.

Kunde: „Aber ich kaufe immer hier ein!“

Pharmama: „Oh gut . dann würde sich eine Kundenkarte wirklich für Sie lohnen. Ich stelle ihnen eine aus, okay?“

Kann ich gleich wieder schliessen?

Nach der ersten Patientin heute hätte ich die Apotheke am liebsten wieder zugemacht. Dabei sah sie noch so normal aus.

„Ein Ibuprofen 400 und das.“

Das ist ein Packungsausschnitt von einem Rectoseptal Zäpfchen für Erwachsene.

Ich habe einen ziemlich guten Überblick, was wir alles hier haben und was nicht (bin ich doch für Bestellungen und neu an Lager-nehmen verantwortlich und helfe beim verräumen auch fleissig mit). Deshalb weiss ich ohne nachzuschauen, dass wir das nicht hier haben. Wir haben die Rectoseptal Zäpfchen für Kinder da – aber schon bei denen habe ich mich diverse Male gefragt, ob es das noch braucht. Sie enthalten Wismut (Bismuth), ein zwar ziemlich ungefährliches Schwermetall, das aber einfach überholt ist als Wirkstoff. Es wird nur noch von wenigen Eltern verlangt, die das von „früher“ kennen. Und Zäpfchen für Erwachsene kommen heute sowieso nicht so gut an.

Deshalb sage ich ihr: „Das Ibuprofen habe ich Ihnen gleich, die Zäpfchen kann ich …“

Soweit komme ich, da fängt die Frau an unflätigst auszurufen:

„Das ist so eine SCHEISSE! Das ist überall so! Überall! Schon das letzte Mal musste ich das bestellen! KEINE Apotheke hat das an Lager, was ich brauche! Ich verstehe überhaupt nicht, warum es EUCH blöde Apotheken überhaupt gibt!? Wenn man JEDESMAL etwas bestellen muss und IHR NIE etwas an Lager habt! Sowas ist doch einfach UNMÖGLICH! Ich WILL nicht jedes verdammte Mal NOCHMAL kommen müssen, nur weil SIE …“

Ich habe die Frau noch nie vorher gesehen. Aber mit dem Gebrüll fühle ich mich jetzt echt persönlich angegriffen. Ändern kann ich das ja nicht, aber ich versuche eine Erklärung.

„Nun, wir haben das in den letzten 4 Jahren nie gebraucht, es wurde nicht einmal verlangt. Da wundert es mich nicht, wenn das niemand an Lager hat. Aber ich kann es bestellen und dann ist es noch heute mittag da. Wenn Sie wollen.“

Frau: „Was ich WILL ist, dass sie es HIER haben. Nein. Lassen sie das. Das Ibuprofen nehme ich dann auch nicht hier!“

Und stapft raus.

Viel Spass beim Apotheken-abgrasen. Ich glaube wirklich nicht, dass das auch nur eine hier in der Nähe an Lager hat.

Und jetzt ein Kaffee.

Füllhöhe technisch bedingt …

Kundenreklamation:

„Die Augentropfflasche ist nicht voll. Da kann nicht die ganze Dosis drin sein! Geben sie mir eine andere!“

Die sind alle nur halb gefüllt, wie ich ihm zeigen konnte. Offenbar müssen die Pharmafirmen da nächstens auch eine Warnung draufschreiben, wie sie schon auf Lebensmitteln wie zum Beispiel Müesli draufsteht: Füllhöhe technisch bedingt ...

 

Von fehlerhaften Blutzuckergeräten

Mittagszeit – bei uns gewohnt viel zu tun und mitten drin …eine ältere Dame:

„Könnten Sie mir helfen? Das Blutzuckermessgerät funktioniert irgendwie nicht mehr!“

Sie streckt mir ein Gerät entgegen, das ich bisher noch nicht gesehen habe. Ganz sicher hat sie es nicht von uns.

„Oh – das Gerät kenne ich noch nicht. Was ist denn das Problem?“

„Es zeigt nichts mehr an. Bis gestern ging es noch.“

Ich schaue es an, drehe es hin und her und mache, was man mit elektrischen Geräten, die nicht mehr wollen halt so macht: Ich schalte es an und ab und als nichts funktioniert, nehme ich mal die Batterie raus.

Währenddem frage ich sie, woher sie es hat: „Von der Diabetesberatung.“

Ich setze die Batterie wieder ein, drehe das Gerät um, drücke nochmals auf ein … und es geht an.

„Das ist schon mal gut“ meint sie. „Misst das jetzt auch wieder?“

„Keine Ahnung.“ Sage ich. „Wollen Sie es mal testen im Beratungsraum?“

„Oh – das ist nicht mein Gerät, das gehört meinem Mann. Ich habe aber die Teststreifen dabei.“

„Nun, ich kann eine Test-messung für sie damit durchführen und es mit unserem Gerät vergleichen. Dafür würde ich einfach dasselbe verlangen, wie wenn ich eine normale Blutzuckermessung machen würde. 15 Franken.“

„Das kostet etwas??“

„Ja, wenn ich das für sie so testen soll schon.“

Hey – das ist Zeit und Arbeit und immerhin habe ich es ihr jetzt schon mal zum laufen gebracht! Gratis bis hierhin.

„Mein Mann hat morgen sowieso einen Termin bei der Diabetesberatung.“

„Nun, dann können Sie ja dort fragen, dass die das anschauen.“

Ich komme immer mehr davon ab, so was gratis zu machen. Ich mache es, aber ab einem gewissen Punkt verlange ich dafür Geld. Ganz speziell, wenn das Gerät und die Teststreifen nicht hier bezogen werden. Und während ich sie schon gelegentlich gesehen habe – den Mann habe ich noch nie gesehen und er bezieht auch nichts von uns. Auch keine Medikamente. Diabetesberatung und Arzt mit Selbstdispensation oder Versandapotheke. Das ist nicht „mein“ Patient.

Meine Patienten stehen jetzt hinter ihr und würden auch gerne bedient werden. Das merkt sie dann und geht schliesslich.

… Übrigens schreibt mir jemand auf facebook, dass es einen Rückruf gibt: Aldi Süd hat seit Jahresbeginn fehlerhafte BZ-Messgeräte von medisana verkauft. Die habe ich sogar schon selber gesehen … und angeschaut und mich geärgert: die Teststreifen dafür gibt es dann nur online nachzubestellen, da das (wie bei Aldi üblich) etwas ist, das nur Zeitweise im Sortiment ist.

Ausser-gewöhnliche Kundenwünsche

Wir haben da einen Kunden – nennen wir ihn Herrn Timber – wenn der in die Apotheke kommt, meist am Abend spät, dann lache ich inzwischen schon, denn ich weiss: Das wird interessant!

Herr Timber kommt so gut wie nie wegen irgendwelchen Gesundheitsproblemen – er ist fit und gesund, um die 30 … und sieht ein bisschen „wild“ aus: Vollbart und lange Haare. Aber nicht wie der Hippster Typ –mehr wie der Holzfäller :-)

Aber die Sachen, mit denen er kommt…

Das erste Mal hatte ich ihn, weil ihn der Lehrling an mich weiterreichte da sie nicht wusste, ob das erlaubt ist. Er wollte Wasserstoffperoxid hochkonzentriert. Mehrere Liter. Und: ja, da sind wir ziemlich vorsichtig mit der Abgabe, da man dass zum Bombenbauen missbrauchen kann – und gerade in grossen Mengen … Hmmmhmmm?

Also habe ich ihn ein bisschen ausgequetscht und er war sehr kooperativ.

Pharmama: „Für was brauchen Sie das denn?“

Herr Timber: „Zum Schädel bleichen.“

Ummm …. was?

Ja, er wisse, das sei etwas ungewöhnlich, und wenn das nicht gehe, sei das auch okay. Aber er arbeite in einem Aquarium und gelegentlich konservieren sie nach dem Tod eines Bewohners dessen Skelett (Respektive Gräten?). In dem Fall war es ein Hai, dessen Schädel nach ein paar Jahren nicht mehr so gut aussah, und den wollte er jetzt bleichen. Mit Wasserstoffperoxid. Damit er weisser wird.

Ich hab’s ihm gegeben, nachdem ich das festgehalten habe und eine Kopie von seiner ID gemacht habe.

Ein anderes Mal fragte Herr Timber nach Mastix. Das ist ein Baumharz.

„Das habe ich nicht da – für was brauchen Sie das denn?“

„Zum Bart ankleben, ich habe im Internet gelesen, dass das geht.“

Ich habe schon erwähnt, dass er einen Bart hat .., dass der angeklebt sein soll wäre mir bis jetzt aufgefallen, weshalb ich ihn wohl ein bisschen schräg angeschaut habe – worauf er nur lachend meinte:

„Nein, das ist nicht für mich, mein Kollege braucht das für ein Mittelalterfestival demnächst.

Im Internet habe er gefunden, dass man das mit gelöstem Mastix macht, ob ich weiss, wie das genau geht – oder ob ich eine andere Idee habe? Er bräuchte das noch bald.

Ich hatte dann eine andere Idee: Wimpernkleber! Damit klebt man künstliche Wimpern an, da wird das auch mit Haaren an anderen Hautstellen gehen. Und den hatten wir da.

Wieder ein andermal kam Herr Timber abends vorbei und wollte etwas zum die Haare weiss färben, aber nur für kurz – Karneval oder so. Da gibt’s schon etwas, aber das macht die Haare reichlich kaputt, ist dauerhaft und wie das aussieht, nachdem ein Laie das gemacht hat ?… am Schluss habe ich ihm Trockenshampoo verkauft … das ist so weisses Pulver, das er dann halt so grosszügig auf dem Haar verteilen soll und das dann drauf lassen. (Normalerweise nimmt man nicht so viel und bürstet es wieder aus).

Aber mal Ehrlich – nach all den Anfragen kommt mir langsam der Verdacht, dass er vielleicht ein Geheimagent ist. Was denkt ihr?

Nicht Kind.

Ein etwas komplizierter Fall – erschwert noch durch die Sprachbarriere.

Mann, etwa 50, verlangt bei mir in der Apotheke kurz und bündig: „Dafalgan Sirup“

Ich bringe ihn.

Pharmama: „Wie alt ist das Kind?“

Mann: „Nicht Kind. Frau.“

Pharmama: „Oh – das ist ein Sirup hauptsächlich für Kinder. Hat die Frau Probleme mit Schlucken?“

Er schaut etwas verständnislos.

Pharmama: „Für was braucht sie es?“

Mann: „Schmerzen.“

Okay – da liegen wir schon richtig.

Pharmama: „Kann sie keine Tabletten nehmen? Sie muss sonst ziemlich viel Sirup nehmen, damit das wirkt …“

Er wehrt ab: „keine Tabletten. Sirup.“

Nun, denn.

Pharmama: „Brausetabletten vielleicht? Die für ins Wasser?“

Er winkt ab.

Als ich den Sirup einlesen will fragt er: „Das gut gegen Zahnentzündung?“

Worauf ich es wieder hinstelle.

Pharmama: „Sie hat Zahnschmerzen?“

Mann: „Ja, Zahnentzündung.“

Pharmama: „Das ist nur gegen Schmerzen, nicht gegen Entzündung.“

(das ist Paracetamol)

Mann: „Nicht gegen Entzündung?“

Pharmama: „Nein. Nur Schmerzen.“

Mann: „Was ist gegen Entzündung?“

Und flüssig? Ich überlege, dann greife ich mir den Algifor Sirup.

Pharmama: „Das ist gegen Entzündung und Schmerzen. Und es ist flüssig.“

„Nein.“ meint er „– das haben wir. Dafalgan speziell für Zähne. Nicht?“

„Nein.“, sage ich (langsam habe ich den Verdacht, dass ihm jemand gesagt hat, das Dafalgan werde beim Zahnen benutzt und darum … aber er hat ja gesagt: nicht Kind?)

Pharmama: „Das Algifor ist stärker. Und wenn ihre Frau Zahnschmerzen hat, muss sie zum Arzt. Das geht nicht von alleine weg.“

Er nickt und geht.

Au.