Blog-Archive

Der Arschloch-Apotheker

Ein wirklich übler Fall: Spermienabtötende Creme? Apotheker filmt die Opfer (aus der Südtirol News).

Die (mindestens 6) Frauen kamen zu ihm, weil sie nicht schwanger werden wollten und die Pille danach brauchten. In die Apotheke, teils auch ausserhalb der Öffnungszeiten, weil er ein „Freund der Familie“ war. In Italien ist die Pille danach ja noch rezeptpflichtig – streng katholisches Land halt, wie Polen. Das hat der Apotheker ausgenutzt … und statt die abzugeben, hat er ihnen eine „selbstgemachte Spermienabtötende Creme“ verkauft. Die Creme mussten sie dann sofort auf der Apothekeneigenen Toilette anwenden. Ausserdem wirke sie nur, wenn man dazu noch masturbiere. Die Toilette war mit versteckter Videokamera ausgerüstet. Bei mindestens einer Frau hat er ausserdem vorher noch verlangt, dass sie einen Schwangerschaftstest macht – und war dabei in der Toilette und hat den Teststab selber gehalten. (Brrr).

Ihm werden wiederholte sexuelle Gewalt unter erschwerenden Umständen und Verletzung der Privatsphäre vorgeworfen.

Was in der spermienabtötenden Creme denn drin war, wollte er offensichtlich nicht darlegen – ich könnte mir vorstellen, dass das nicht (nur) ein Spermizid enthielt, sondern dass er die Hormone der Pille danach vielleicht so verabreicht hat … ansonsten hätte er neben der Verletzung der Privatsphäre wohl auch noch das Problem, dass zumindest ein paar der Frauen trotzdem schwanger geworden wären. Andererseits … die Frauen haben ja etwas rechtlich (da die Pille danach rezeptpflichtig ist) und moralisch bedenkliches (zumindest in den Augen der Kirche) verlangt … und sich so selber „schuldig“ gemacht, dann geht man auch nicht so einfach jemanden anzeigen.

Die Kommentare auf der Seite sind übrigens unterirdisch. Viele von diesen verurteilen die Frauen, dass sie es hätten besser wissen können, als sich auf so etwas einzulassen.

Dem Kerl sollte eine empfindliche Strafe auferlegt werden, und ausserdem für den Rest des Lebens verboten werden auch nur in der Nähe einer Apotheke oder im Gesundheitssystem zu arbeiten – und nicht nur 4 Monate! Er hat seine Position ausgenutzt und die betroffenen Frauen übel missbraucht – Ja, auch wenn er nicht selber Hand angelegt hat. Er beschmutzt den guten Ruf der Apotheker – der Vertrauensverlust den derartiges Verhalten nach sich zieht: das hat Auswirkungen auf uns alle. In den Augen der Öffentlichkeit, nicht nur der hilfesuchenden Frauen.

Aber: dieser Apotheker ist ein Arschloch. Der Rest ist nicht so. Wirklich.

Apotheken aus aller Welt, 722: Isfahan und Shiraz, Iran

Danke an Steffi!
Nachdem Du alle meine eingesandten Apotheken mittlerweile abgearbeitet hast – es freut mich jedesmal meine Fundstücke in Deinem Blog wieder zu sehen – hier ein bißchen Nachschub, eingefangen auf unserer Iranreise im Mai.
Leider keine besonders guten Fotos, ich habe sie im vorbeifahren aus dem Bus heraus gemacht, aber wenn ich das richtig sehe, dann fehlt der Iran noch auf Deiner Apotheken-Weltkarte… 🙂
Das Problem im Iran war, dass an den wenigsten Apotheken wirklich „Pharmacy“ oder sowas dran stand. Vermutlich bin ich an etlichen vorbeigefahren oder gegangen, ohne sie zu erkennen.
Daher nur zwei, eine aus Shiraz …
isfahan-2016
und eine aus Isfahan.
shiraz-2016
Oh guck: Ein Apple-shop 🙂

Alle Jahre wieder. Krankenkassenwechsel.

Jedes Jahr wieder.

Pharmama: „Die Abfrage der Versicherung funktioniert leider nicht. Haben Sie die Krankenkasse gewechselt?“

Patient: „Ja.“

Pharmama: „Hätten Sie mir die neue Krankenkassenkarte?“

Patient: „Moment.“ (Gibt sie mir).

Pharmama: „Oh. Ich sehe, Sie haben neu die Assura.“

„Das macht dann …. Franken.“

Patient: „Was? Weshalb? Übernimmt die Krankenkasse das nicht?“

Pharmama: „Doch – wenn Sie das einschicken. Diese Krankenkasse hat leider keinen Vertrag mit den Apotheken gemacht, deshalb müssen Sie das hier selber zahlen und selber der Kasse einschicken.“

Patient: „Das hat mir niemand gesagt!“

Pharmama: „Sie haben aber den Vertrag angeschaut, den sie bei der Assura unterschrieben haben?“

Ich bin schon fast froh, wenn das jemand schon weiss und es nicht durch mich zuerst erfährt.

Auch ganz toll, der Stammkunde, der uns Mitte Dezember schon mal vorausschauend den Versicherungsbeleg (noch nicht die Karte) der neuen Krankenkasse vorbeigebracht hat. Abrufen ging da noch nicht, weshalb das uns auch nicht viel gebracht hat und wir das erst mal einfach abgelegt haben … nur um bei seinem ersten Besuch in diesem Jahr festzustellen, dass er die Sanitas Compact gewählt hat … ebenfalls eine von den (wenigen), wo man erst mal selber in der Apotheke bezahlen muss.

Vollkommenes Erstaunen und Entsetzen seinerseits.

Zu unserer Ehrrettung muss ich sagen, dass es auch nichts gebracht hätte, wenn wir das im Dezember schon gemerkt hätten. Da hat er schon unterschrieben und alles.

Ah ja – und weshalb hat er gerade die gewählt?

„Ein Freund hat sie mir empfohlen.“

Und der hat gar nichts gesagt über die Bedingungen?

Lässt mich denken, dass der entweder keine Ahnung hatte von (der) Krankenkasse, oder er hat die und hat sie noch nie gebraucht (wie wahrscheinlich ist das?) – Oder aber das war nicht unbedingt ein Freund sondern jemand, der Provision bekommt für die Vermittlung.

Jedenfalls – nach so einer Ansage ist man als Apotheke immer in einer schlechten Position. Ich kann nur sagen: Don’t kill the messenger!

Ich will gefallen – Placebo (Sampler)

Nachdem das gestern ein paar Diskussionen losgetreten hat mit dem Placebo – dachte ich, ich könnte eine Zusammenstellung machen, was ich hier auf dem Blog schon über Placebo geschrieben habe.

Die Macht der Placebo: Erklärungen um Placebo und Placeboeffekt.

Ich werde gefallen – wann und wie setzen Ärzte Placebos ein?

Placebos braucht man vor allem um neue Medikamente zu testen. Im Beitrag Trau keiner Statistik steht, auf was man bei den Studien achten sollte.

In Ich: Versuchskaninchen steht, was ich an Studien mitgemacht habe – und ob ich ein Placebo hatte?

Demonstrierter Placeboeffekt. Es wirkt!

Placebo gewünscht gegen Haarausfall.

Dialoge aus der Apotheke / 13 – sicher psychisch.

Als der Arzt Placebo auf Rezept verordnet hat.

Rückruf … ruf … ruf …. – und was danach draus entstanden ist: Ein Verpackungsfehler und 113 schwangere Frauen – es gibt Pillenpackungen mit Placebotabletten

Mehr Magie in der Medizin forderte Von Hirschhausen.

Der Nocebo Effekt ist praktisch der böse Bruder des Placebo Effektes.

Mit der falschen Anwendung kann eine eventuelle Wirkung auch nur auf dem Placebo-Effekt beruhen.

Genau das richtige für ihr Problem! Hoffentlich.

Kleben ist das neue „Schmieren und Salben“ wobei mir das letztens bei den Rückenschmerzen tatsächlich geholfen hat.

Würden Apotheker Generika kaufen? (Und was hat das mit dem Placebo-Effekt zu tun?)

Dann kaufen Sie es doch einfach! (Wofür berate ich eigentlich?)

Wieso sind manche Tabletten bunt? Weil das die Wirkung unterstützen kann – aber nicht nur.

Tag der seltsamen Kundenwünsche. Placebo-Globuli?!

Ich will ein Antibiotikum! … und weshalb das bei den meisten Erkältungen eine Placebo-Gabe ist.

Das kann ja nichts nützen. Nocebo-Effekt des Medikamentenpreises?

Beratung für … nix? Placebo-Mittel gibt’s auch im Kaufhaus.

Ich hoffe, das hat Euch gefallen 🙂

Falls ihr noch Ideen für weitere Sampler habt: melden!

 

Dialoge aus der Apotheke / 13

Es war grad Vollmond, oder? Anders kann ich mir den gestrigen Tag in der Apotheke nicht erklären – respektive das Verhalten gewisser Leute.

apodialog6

Patient: „Könnten Sie mir Placebo geben?“

Apotheke: „Oh? Wir haben kein …“

Patient: „Natürlich haben Sie! Was geben Sie den Verrückten? Geben Sie mir das!“

Apotheke (denkt). Uh – Medizin?

Ich weiss – in Deutschland gibt es Placebotabletten (sogar so angeschrieben) zu kaufen – aber bei uns sucht man das vergeblich in der Apotheke. Ich habe inzwischen einen Lieferanten gefunden, wo man das noch bekommt (Dynapharm). Allerdings ist das eine Direktlieferung … und da wir das so wenig brauchen, lohnt sich das nicht. Unter anderem brauchen wir das so wenig, da der Patient ja ausdrücklich ein Recht darauf hat, informiert zu sein, mit was er denn da behandelt wird. Ausdrücklich wirkstofflose Tabletten zu geben, macht da wenig Sinn. Wenn wirklich so etwas gewünscht wird, kann ich Kapseln herstellen mit nur Füllstoff (Mannitol) … oder homöopathische Tabletten geben.

Apotheken aus aller Welt, 721: Rom, Italien

Die ersten 2 Apotheken im 2017 kommen von Biene aus Deutschland: (Danke!)

Ich habe inzwischen auch meine Mama mit dem Fotografieren von Apotheken im Ausland angesteckt, so dass ich dir heute zwei Fotos von ihr schicke.
Sie war in Rom und hat eine wirklich alte Apotheke am Trevi-Brunnen fotografiert. Die wurde 1552 gegründet und nennt sich sogar „Antica Farmacia Pesci“.

rom_019_klein

Die andere Apotheke „Farmacia Tor Millina“ liegt in der Nähe des Piazza Navona.

rom_041_klein

Aus der Rubrik ungewöhnliche Rezepte …

Von Apomi (aus Deutschland):

Für deine Rubrik ungewöhnliche Rezepte hätte ich eines aus Eritrea. Hatte ich auch noch nicht.

rperitrea

Eritrea? Ziemlich weit gereistes Rezept.  Ausländische Rezepte sind immer so ein Thema. Im Gegensatz zu Deutschland, die (Dank EU) Rezepte aus EU-Ländern anerkennen (müssen), müssten wir in der Schweiz Rezepte aus dem Ausland nicht grundsätzlich ausführen. Wo es vernünftig ist, können wir das dafür als „Abgabe eines rezeptpflichtigen Mittels als Ausnahme ohne Rezept“ handhaben. Also: wenn klar ist, dass das gesundheitlich notwendig ist – und ein Rezept, auch ein ausländisches ist dafür doch ein eher guter Hinweis. Problematisch ist oft, dass nicht bekannt ist, wie die Rezepte in dem Land denn aussehen. Fälschen ist so viel einfacher. Deshalb schaut man noch besser hin, für was etwas ist. Das Rezept oben würde ich nach den sonst nötigen Abklärungen betreffend Identität des Patienten, anderen Medikamenten etc. wohl ausführen (1 Packung, Dankbarerweise ist da der Wirkstoff angegeben, der international ist und nicht ein Markenname) aber ich würde schauen, dass der Patient für die Weiterbehandlung zu einem Arzt hier geht.

(Interessant finde ich noch das „don’t remove this copy“ auf dem Rezept. Ganz offensichtlich wurde es doch mitgenommen. Woher?)

Rezeptprogramme beim Arzt – braucht noch etwas Arbeit?

Weil auch die ausgedruckten Rezepte nicht der „Weisheit letzter Schluss“ sind. Sie sind zwar einiges einfacher für uns in der Apotheke zu lesen (da man nichts entziffern muss) und man kann in der Praxis wunderbar eintragen, wie der Patient das jetzt anwenden soll (plus das ist dort sicher grad im eigenen Patientendossier so gespeichert). Wahrscheinlich zeigt einem bei den Programmen grad noch an, was es denn so gibt an Medikamenten und wie sie von der Krankenkasse übernommen werden. (Oder?)

Aber irgendwie … tja. Das Rezept hat mich vorgestern zum lachen gebracht:

Das wäre sicher nicht passiert, wenn das nicht mit einem Programm erstellt wird. Wer sieht es?

rpdisplay

… Ich soll dem Patienten also vom Nasic Nasenspray grad ein ganzes, gefülltes Display abgeben? 🙂 – Ich dachte immer, man sollte Nasenspray gezielt und nicht andauernd anwenden, also … 9 Stück aufs Mal?

Schon klar. In der Zeile verrutscht und nur das erste gelesen. Aber das Rezept hat noch ein paar andere Unregelmässigkeiten. Vielleicht kennt sich der Verschreiber noch nicht gut mit dem Programm aus – jedenfalls wurde die Anwendung handschriftlich nachgetragen und dann auch noch ein „Meerwasserspray“ angehängt … war davon kein Medikamentenname bekannt? Naaprep, Rhinomer, Fluimare, Mare Mepha, vielleicht auch noch Otrivin Meer und Triofan naturel – auch wenn die nicht physiologisch, sondern hyperton sind. Leider werden die von den Krankenkassen kaum bezahlt. Ebenfalls nicht (mehr) übernommen werden die Nasobol zum inhalieren. Und zu guter letzt habe ich aus dem Sinupret mit 3×2 Dragees pro Tag die Sinupret forte gemacht – mit 3×1 Dragee.

Braucht doch noch etwas Arbeit das ganze. Was wohl eine Versandapotheke aus dem Rezept gemacht hätte?

Die Deutschen Apotheken brauchen Deine Hilfe!

Die Deutschen Apotheken brauchen Deine Hilfe!

gesundheitssystemingefahr

Ja, Deine. Auch wenn Du vielleicht im Moment ausser bei der gelegentlichen Erkältung sonst nicht viel mit der Apotheke zu tun hast. Irgendwann kommt der Moment, wo Du, oder Dein Kind oder deine Eltern notfallmässig Medikamente brauchen. Der Moment, wo es wichtig ist, dass die Apotheke den Patienten persönlich kennt, weil nur so die Beratung auch ankommt, nur so kontrolliert werden kann, ob das Medikament wirklich passt und Veränderungen bei chronischen Krankheiten erkannt werden können. Oder der Moment, wo die Apotheke ein Medikament, das so nicht im Handel ist, selber herstellt und abgibt (Kinderdosierungen zum Beispiel). Und dann kann die Apotheke für Dich da sein.

Damit das auch weiterhin so bleibt: Geh‘ in die Apotheke und unterschreib die Petition.

„Wir wollen ein starkes Signal an die Politik senden und zeigen, dass der Wunsch nach dem Erhalt unserer guten Versorgungsstruktur in der Bevölkerung groß ist. Ich bitte alle Apothekenkunden und Patienten, für die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland zu unterschreiben“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Das ist wichtig für die Apotheken, dass sie dafür mit ihren Patienten ins Gespräch kommen und die Konsequenzen des EuGH-Urteils vom 19. Oktober erklären. Und es ist wichtig zu erläutern, warum wir ein Gesetz brauchen, das den Versandhandel wie in den meisten anderen europäischen Ländern auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente begrenzt.“ (Quelle: ABDA)

Mehr lesen über Arzneimittelpreise und das EuGh Urteil auf der Seite der deutschen Apothekervereinigung.

eughvergleich

Zur Zeit sammeln wir und viele andere deutsche Apotheken Unterschriften gegen ein Urteil, dass der Europäische Gerichtshof im Oktober gefällt hat. Durch dieses Urteil wird ausländischen Versandapotheken erlaubt sich beim Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln über deutschen Recht hinwegzusetzen, an das wir als Ihre Apotheke vor Ort weiter gebunden ist. Das ist so, als ob der Europäische Gerichtshof entscheiden würde, dass ausländische Paketdienste sich in Deutschland nicht an die deutsche Geschwindigkeitsbegrenzung halten müssen. Dadurch entsteht ein Wettbewerbsnachteil, den wir nicht hinnehmen wollen. Die Lösung kann nicht sein, nun für alle die „Geschwindigkeitsbegrenzung“ aufzuheben. Die bestehenden Gesetze und die Arzneimittelpreisverordnung dienen dem Schutz der wohnortnahen Versorgung und das rund um die Uhr auch im Nachtdienst – Genauso wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf bestimmten Strassen dem Schutz der Verkehrsteilnehmer dient.
Unterstützen Sie die Aktion durch Ihre Unterschrift bei Ihrem nächsten Besuch in der Apotheke!
(Quelle: Bären Apotheke Erkrath)

Bitte.

Ironisches in der Apotheke

Von Sonja: Aus der Rubrik Ironie des Schicksals  (im Notdienst):

Anruf 22.00 Uhr, Mann : „Haben Sie fertige Cool-Packs?“

Apothekerin: „Nein. Nur Kalt-/Warm-Kompressen, die sie in den Kühlschrank legen müssen.“

Mann: „Oh. Ich bräuchte die Fertigen. Einen Kühlschrank haben wir gerade nicht zur Verfügung…. Aber ich bin am Bein verletzt und es schwillt schon an.“

Apothekerin: „Was ist denn passiert? Sind sie umgeknickt?“

Mann: „Nein… * druckst rum * ...mir ist der Kühlschrank auf den Fuß gefallen…“

(Autsch!)

Vorwirkende Nebenwirkung?

Freitag nachmittag. Telefon. Eine Frau ruft an. Die Pharmaassistentin nimmt ab.

Nach ein paar Minuten reicht sie sie mir mit den Worten: „Sie glaubt mir nicht, dass man für Novalgin ein Rezept braucht.“

„Pharmama am Telefon?“

Frau: „Ja – ich weiss nicht, ob ihre Kollegin ihnen erzählt hat, um was es geht … ich habe mir vor 2 Monaten den Arm gebrochen, dann war ich dafür im Spital, wo sie operieren mussten. Das ist jetzt gut, jedenfalls haben sie mich nach Hause geschickt, ich habe aber immer noch Schmerzen. Zuhause habe ich noch Novalgin gefunden, das habe ich vor ein paar Jahren einmal bekommen … das ist aber noch gut, also habe ich das genommen. Jetzt kommt das Wochenende und ich habe Angst, dass sie nicht reichen. Ihre Kollegin will mir aber keine geben.“

Das hat sie nicht gesagt, erst mal nur dass es rezeptpflichtig ist. Aber … Detail … wegen dem muss ich ja jetzt mit ihr reden.

Pharmama: „Okay. Sie haben das also vor ein paar Jahren schon gehabt und vertragen?“

Frau: „Ja.“

Pharmama: „Was haben sie Ihnen im Spital für Schmerzmittel gegeben?“

Frau: „Gegen Ende auch Novalgin, glaube ich.“

Pharmama: „Und Sie haben bei der Entlassung kein Ausgangsrezept dafür bekommen?“

Frau: „Nein, ich habe ihnen gesagt, ich habe noch etwas zu Hause und die Idee war, dass ich bald danach zum Arzt gehen würde, aber das habe ich noch nicht geschafft. Und jetzt ist er sowieso nicht da.“

Pharmama: „Okay, ich denke am besten mache ich ihnen einen Vorbezug für die Novalgin und sie nehmen nach dem Wochenende mit dem Arzt Kontakt auf, damit er ein Rezept dafür ausstellt.“

Frau: „Die Packung kostet nur etwas über 5 Franken! Weshalb braucht das ein Rezept?!“

Pharmama: „Ah, aber der Preis eines Medikamentes hat keinen Zusammenhang mit seiner Wirkung. Das Novalgin ist rezeptpflichtig, weil es eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung hat, auf die man achten muss. Agranulocytose. Das kann Blutbildveränderungen machen.“

Frau: „Oh, und wie äussert sich das?“

Pharmama: „In Hautproblemen und Übelkeit erst mal.“

Frau: „Oh. Ist mir vielleicht deshalb nicht so gut?“

Pharmama: „Seit wann ist ihnen nicht gut?“

Frau: „Seit heute morgen ist mir schwindelig und so.“

Pharmama: „Und seit wann nehmen Sie die Novalgin?“

Pharmama: „Seit heute mittag.“

(!) … ich brauche einen Moment, damit ich ruhig genug weiterreden kann. Nicht dass sie merkt, dass ich jetzt innerlich lache.

Pharmama: „Dann kommt das aber nicht vom Novalgin.“

Frau: „Nicht?“

Pharmama: „Nein, Nebenwirkungen treten erst auf, nachdem man das Medikament genommen hat.“

Frau: „Aha. Dann kann ich das also nehmen?“

Pharmama: „Ich denke ja. Ich mache ihnen also einen Vorbezug für eine kleine Packung und sie telefonieren am Montag mit dem Arzt und besorgen ein Rezept?“

Umtausch / Retouren von Medikamenten (Sampler)

Öfters gestellte Frage: „Was ist eigentlich, wenn ich ein Medikament in der Apotheke bekommen habe, es dann aber doch nicht brauche – kann ich es dann zurückbringen?“

Für Medikamente, die auf Rezept abgegeben wurden ist die Gesetzgebung sehr deutlich: So steht es z.B. auch auf der Seite der Santesuisse (der Vereinigung der Krankenkassen):

Darf der Arzt/Apotheker ein Medikament, dass vom Patienten „ungebraucht“ retourniert wurde, dem Patienten voll in Rechnung stellen?

Nach erfolgter Abgabe weiss der Arzt/Apotheker in der Regel nicht, was mit dem Medikament in der Zwischenzeit geschehen ist. Es könnte schädlichen Einflüssen ausgesetzt worden sein (blieb beispielsweise lange an der Sonne liegen usw.). Aus Gründen der Qualitätssicherung darf daher ein solches Medikament nicht mehr zurückgenommen werden.

Das (ungebrauchte) Medikament wird dem Patienten voll in Rechnung gestellt. Ein Weiterverkauf ist nicht HMG (Heilmittelgesetz) – konform.

Also, das einzige, was ich mit so einem Medikament noch machen kann ist … es entsorgen.

Aber auch, wenn es sich nicht um Medikamente sondern um Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik, medizinische Hilfsprodukte oder ähnliches handelt … ich bin einfach nicht dafür, alles einfach so umzutauschen, nur damit der Kunde zufrieden ist.

Natürlich ist die Kundenzufriedenheit wichtig … und wenn es einen triftigen Grund für die Retoure / den Umtausch gibt, dann mache ich das auch gerne. Darunter fallen z.B. Allergie gegen die Hautcreme, Defekte Produkte, das Verfalldatum ist zu knapp, das Produkt ist Verfallen verkauft worden (sollte zwar wirklich nicht passieren, aber … eben), manchmal auch noch: es wurde das falsche Produkt gekauft (und das alte ist ungeöffnet, sieht noch einigermassen aus und das ist nicht ewig und drei Tage her…), sogar wenn dem Kunden aktiv etwas empfohlen wurde und es nicht „das richtige“ war … das ist alles ok. Ausserdem sollte das Produkt auch nachgewiesen von uns sein … dazu gibt es Kassabons und die Preisetikette auf der Packung.

Und dann gibt es die Situationen, wo ich finde, dass ein Umtausch einfach nicht angebracht ist. Wenn man immer alles macht …das ist doch nur ein weiterer Schritt, dem Menschen die Eigenverantwortung abzusprechen. Ich meine … wenn das Problem eindeutig nicht bei mir oder dem Produkt selbst liegt, wieso soll ich und das Geschäft dann den finanziellen Verlust dafür tragen?

Also: kein Umtausch …

Wenn der Geschmack nicht so ganz ankommt – oder machen Sie das beim Käse im Supermarkt auch so?

Von Produkten, die vor über einem Jahr extra für den Kunden bestellt wurden und die man sonst nicht mal an Lager hat,

Wenn der Verfall angeblich zu kurz ist – wie lange nach dem Kauf? Oder das Produkt gar woanders gekauft wurde.

Dito vom Ferienmitbringsel – das verfallen ist

Oder von etwas, das man vom selbst-dispensierenden Arzt bekommen hat … – gehen Sie mal bei ihm fragen.

Von Hygieneartikel und ähnliches nicht weiterverwendbares – oder würden Sie das nachher kaufen wollen?

Häufig ist es auch gar nicht nötig – wenn es wieder eine Verwechslung von EXP und MFD ist.

oder das Produkt doch noch funktioniert, wie es soll

Manchmal kommt man sich wirklich vor, als denken die Leute man sei die Medikamentenvermietung.

Aber auch wenn es zum entsorgen ist … Wir bekommen gelegentlich interessante Sachen zurück, die nicht von uns stammen:

aus China

aus den USA

Einmal habe ich bei einem Patienten angerufen, weil ich wissen wollte, weshalb der Medikamentenabfall bei ihm so hoch ist- das war … lehrreich.

Über Blutzucker, BZ-Geräte und Diabetespatienten (Sampler)

Diabetes nennt man es, wenn der Blutzucker krankhaft erhöht ist. Das hat Folgen, wenn man nichts macht: der Zucker verstopft auf Dauer die kleinen Gefässe, das führt zu Nierenproblemen, zu Sehstörungen bis zum Erblinden, zu sehr schlecht heilenden Wunden (bis zum Punkt, wo man das Bein abnehmen muss, da es zu schlecht durchblutet wird) und einer Vielzahl Probleme mehr.

Erhöhter Blutzucker wird vom Körper mittels Insulin gesenkt – dessen Entdeckung ist noch spannend zu lesen.

Es gibt 2 Arten von Diabetes: Typ 1: meist schon im Jugendalter auftretend, wobei die Insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse aus unbekannten Gründen, oder weil das fehlgeleitete Körpereigene Immunsystem sie kaputt macht zu Grunde gehen; Und Typ 2: der darauf beruht, dass der Körper nicht genug Insulin produzieren kann, zum Beispiel, weil die zu regulierende Masse zu gross ist oder als Alterserscheinung. Während Typ 1 zwingend Insulin von aussen zur Behandlung benötigt, kann man bei Typ 2 neben Insulin-anregenden Medikamenten durchaus noch etwas selber machen um das zu verhindern oder zu mindern.

Aufklärung darüber was Diabetes ist und was es anrichten kann, ist enorm wichtig. Das ist nicht alles nur eine abgekarterte Sache der Pharmafirmen, wie diese Frau hier gerne gedacht hätte: Die Blutzucker-Verschwörung:  Damit zusammenhängend: Früher war alles besser? Ein Fall aus meiner Familie.

Wenigstens das: Diabetes ist nicht ansteckend.

Diabetes-Patienten müssen eine gute Übersicht und Wissen um die Krankheit, ihre Körperfunktionen und die richtige Behandlung haben. Wenn das alles stimmt, können sie damit sehr gut leben. Im Alter wird das schwieriger, da ist es manchmal gut, wenn man sich Hilfe holt. Eine Rundumversorgung durch die Familie ist dabei aber meist nicht nötig.

Auch wenn es hilft, wenn die Familie mit unterstützt, gerade bei eher unwilligen Patienten, Freundschaftsrezepte sollte man trotzdem nicht ausstellen.

Die Erstinstruktion und wie man mit Gerät, Insulinpen etc. umgeht, passiert heute häufig in spezialisierten Kliniken oder Kursen. Das hat einen Grund.  Problematisches kurz vor Ladenschluss – Ich mache wenig Erstinstruktionen und dafür brauche ich einfach mehr Zeit!

Was war da noch? Weshalb ich jemanden mit einem Blutzuckergerät direkt ins Spital verwiesen habe.

Um zu wissen, wie hoch der Blutzucker ist und (entsprechend) wieviel Insulin man geben muss, oder zum schauen, dass die Behandlung mit Medikamenten genügend anschlägt, gibt es einige  Blutzuckermessgeräte (und dazu gehörige Teststreifen) : Wer die Wahl hat.

Wir haben gelegentlich Blutzuckermessgeräte zum gratis umtauschen. Leider gibt es da Leute, die sind einfach nur gierig.

Manchmal bekommt man das auch vom Arzt – dann soll der sich aber auch drum kümmern, wenn etwas nicht stimmt: Doch kein Umtausch.

Beratung zu den Blutzuckermessgeräten kann gelegentlich direkt komödiantisch sein. Und nicht immer ist das Gerät wirklich defekt, wie behauptet wird.

Von fehlerhaften Blutzuckermessgeräten. Die schaue ich mir an, ich mache auch eine Vergleichsmessung – es könnte aber etwas kosten, vor allem, wenn es nicht von uns ist.

Blutzucker-Messgeräte-Service: oder weshalb es doch besser sein kann, wenn man sein BZ-Gerät nicht direkt von der Firma bekommt.

Wenn das Gerät die Funktion verweigert – liegt’s eventuell an den Streifen.

Der Finger-pieck zum messen des Blutzuckers ist (noch) nötig, aber vielleicht nicht immer so oft. Wenn man das macht, sollte man die Nadel regelmässig wechseln. Das ist dann weniger schmerzhaft und es verhindert Vernarbungen.

Wir helfen Diabetes-Patienten bei ihrer Behandlung, allerdings lasse ich mich ungern unter Druck setzen, vor allem wenn der Blutzucker aus eigener Unterlassung Im Moment ausser Kontrolle ist.

Bei einer Unterzuckerung gibt es bei uns Traubenzucker. Oder ein Glas Wasser mit etwas Zucker drin. Ich finde es richtig, dass man etwas macht. Nicht wie hier: hätte da der Apotheker nicht helfen müssen?

(Disclaimer: Ja, ich weiss, das ist hier nur sehr grob zusammengefasst und es gäbe darüber noch viel mehr zu schreiben und zu wissen. Ich bewundere die Patienten, die mit Diabetes leben, die sich um ihren Körper so viel mehr kümmern (müssen) als wir, bei denen das alles so wunderbar und ohne unser zutun abläuft. Das braucht Motivation und Einsatz und das täglich. Hier ein kleines Hoch auf Euch!)

Dialoge aus der Apotheke / 12

apodialog10

Kunde: „Ich möchte gerne mit dem Chef reden. Sie wissen schon: dem Mann.“

Apotheke denkt: „Das ist der Lehrling …“

Nicht gerade aktuell, da Urs kein Lehrling ist, aber … hatten wir auch schon. Öfter. Da ist es offenbar noch nicht angekommen, dass heute etwas andere Zeiten sind. Es sind zwar immer noch viele Chefs Männer, auch in der Apotheke (und Drogerie), aber das scheint eher eine aussterbende Spezies zu sein. Frauen übernehmen im Gesundheitssystem inzwischen so ziemlich jede Rolle – und das ist gar nicht schlecht. Beispiel: Ärztinnen. Laut einer Studie haben deren Patienten die (etwas) bessere Überlebenschance. Das mag an deren etwas anderen Herangehensweise an ein Problem liegen … oder an besserer Kommunikation. Interessant.

%d Bloggern gefällt das: