Masks off? Masken runter?

Ja, das ist passiert. Mittwoch bei der Pressekonferenz wurden vom Bundesrat praktisch alle Massnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus aufgehoben. Es braucht in der Schweiz keine Zertifikate mehr, es gibt keine Einschränkungen in der Anzahl Leute, die sich treffen können, die Maskenpflicht ist aufgehoben – bis auf im Öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen wie Spitälern. Donnerstag war unser „Freedom Day“.

Dem Bundesrat nach ist die Pandemie in der Schweiz beendet: Es war eine schwierige Zeit, aber wir haben sie gut überstanden. Wir seien gut aufgestellt, die Intensivstationen waren nie überlastet gewesen. Die Immunität in der Bevölkerung sei gross. Die Corona-Taskforce wird per Ende März aufgelöst.

Friede, Freude, Eierkuchen überall. Alles ist bestens – und wo es noch nicht ist, wird es das bald werden.

Aber ist das so? Die Statistik zeigt sinkende Ansteckungszahlen. Es wird aber wohl auch weniger getestet. Die Krankenhauseinweisungen bleiben stabil. Sterbefälle sinken. Alles schön, aber ich habe trotzdem starke Bedenken.

Long Covid wurde mit keinem Wort erwähnt. Wie viele da schon betroffen sind und noch sein werden ist unbekannt (10% oder mehr?) und kann eine ziemliche Belastung für das Gesundheitssystem darstellen … einfach nicht grad jetzt. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit kann stark und lange (Monate, Jahre) beeinträchtigt sein.

Die „grosse Immunität in der Bevölkerung“ halte ich für zweifelhaft. Die Impfung zeigt Wirkung – im Sinne, dass Ansteckungen harmloser verlaufen und Long Covid vielleicht nicht so häufig auftritt nach einer Infektion. Infizieren kann man sich trotzdem. Bei der aktuell vorherrschenden Variante offenbar sogar mehrmals hintereinander und im Abstand weniger Wochen. Geimpft sind etwa 70% der Leute. Aber wir haben einen Teil der Bevölkerung, bei der der Impfschutz nicht so gut ist (ältere Leute, Immunsupprimierte etc.) und einen Teil, der noch gar nicht geimpft ist oder werden konnte, da zu jung (oder wegen verzögerter Impfzulassung für die Altersgruppe). Und dann gibt es da noch die (für mich) sehr beunruhigenden) Berichte, was eine Covid-Infektion mit unserem Immunsystem anrichten kann. Ähnlich wie nach einer Maserninfektion kann das Immunsystem beeinträchtigt werden (Nachzulesen hier über die Masern https://infekt.ch/2019/11/wenn-eine-maserninfektion-das-immunsystem-vergesslich-macht/ und hier über Covid: https://healthcare-in-europe.com/de/news/so-veraendert-covid-19-das-immunsystem.html ). Kurz: eine Herdenimmunität gegen die Coronaviren gibt es nicht und wird als wie unwahrscheinlicher. Vor diesem HIntergrund halte ich die aktuelle „Durchseuchungsstrategie“ für sehr bedenklich!

Sterbefälle – wenn man die Entwicklung in anderen Ländern mit hohen Omicron Zahlen anschaut, fällt auf, dass die Todesfallzahlen einige Wochen später ansteigen. Vielleicht so viel später, dass der Zusammenhang mit der Covid-Infektion nicht mehr festgehalten wird? Blutgerinnungsstörungen nach Covid können noch später auftreten.

Ich bin keine Immunologin, ich bin nur Apothekerin. Aber mit meinem Hintergrund beurteile ich die aktuelle Situation weder als wieder normal, noch als sicher. Ich will eine Infektion mit Covid auch weiterhin vermeiden. Deshalb bleibt die Maske auf.

Es ist mir klar, dass das bei einigen nicht gut ankommen wird. Vermutlich wird das an manchen Orten bald als „öffentlichen Alarmismus“ oder „Panikmache“ angegriffen werden. Zumindest erwarte ich „freundliche Hinweise“ wie: „Sie müssen hier keine Maske mehr tragen“.

Hier ein paar Schlagfertige Antworten darauf (sucht Eich die für die Situation passende aus):

– Müssen nicht, aber dürfen schon.
– Hat das dem Virus auch jemand gesagt, dass die Pandemie vorbei ist?
– Ich mache das Masketragen ja nicht (nur) für mich.
– Man nennt das Anstand und Rücksicht.
– Richtig, muss man nicht, aber das ist nun diese Verantwortung, die der Bundesrat erwähnt hat.
– Ich nenne das Eigenverantwortung.
– Ich lasse mir nicht vorschreiben, keine Masken zu tragen.
– Ich bin halt nicht so autoritätsgläubig wie sie.
– Ich folge lieber der Wissenschaft als den Regeln des BAG.
– Machen Sie alles, was die Regierung sagt, sie Schlafschaf? Selber denken und sich selber schützen!
– Ich hab ein Masken-Attest.
– Libertee! (laut Brüllen)
– Hab‘ vielleicht akut COVID und will niemanden anstecken.
– Hatte Knoblibrot, wollen sie mal riechen? (mit Griff an die Maske…)
– Denken sie die Menschen in Malariagebieten schlafen mit Moskitonetz, weil der Staat das vorschreibt?
– Ja, Hosen muss man ja auch nicht tragen, das machen trotzdem die meisten und ich finds nett, dass sie auch eine anhaben!
– Wenn sie wüssten, wie ich aussehe …
– Hab keinen Lippenstift an (für Männer)
– Hab mich nicht rasiert (für Frauen)
(darf gerne in den Kommentaren ergänzt werden!)

Und nun noch etwas Realsatire zum Abschluss. Der Herr im Twitter-Clip unten ist Bundesrat Ignazio Cassis. Er war Arzt. Offenbar hat er da und in 2 Jahren Pandemie (trotzdem) nicht den richtigen Umgang mit Masken gelernt. Schaut ihn an, wie er die Maske abzieht, sich freut, die Maske überall antatscht, in die Hand hustet (!), sich an die Nase fasst (!) … und an genau der Pressekonferenz das Ende der Maskenpflicht verkündet! Nun, wenn man sie SO anwendet …
Nachtrag: Am Tag danach wurde er positiv auf das Coronavirus getestet und hat sich in Isolation begeben.

Auslausmodel

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Di da dumm, der Dieb geht wieder um …

Dass die Schonfrist vorbei ist, haben wir schon länger bemerkt – während Coronazeiten wurde bei uns einiges weniger gestohlen. Wir machen es den Dieben auch so schwer wie’s geht, nachdem wir angefangen haben, den Inhalt aus den meistgeklauten Sachen zu nehmen und nur Leerpackungen auszustellen haben wir letztes Jahr auch noch umgeräumt. Nun kommt man nicht mehr so einfach an die begehrte Ware (meist teure Parfümerieartikel). Das gab schon einige amüsante Momente, wenn der Verdächtige (oder die) zielstrebig an den falschen Ort gingen und dann verwirrt da standen. Die meisten von denen verschwinden noch bevor man die Gelegenheit hat, zu fragen, ob man helfen kann …

Aber vielleicht haben wir mit den Leerpackungen jemanden auf Ideen gebracht?

Als ich Freitag in die Apotheke komme, steht hinten eine Packung Läuseshampoo. Auf dem Bestellzettel dabei steht nur „Mr.X“ geschrieben.

„Was ist das denn?“ frage ich

Pharmaassistentin: „Das wollte ein Herr kaufen, dann hat er aber kein Geld dabeigehabt, respektive das Portmonnee vergessen. Er wollte wieder damit zurückkommen.“

Ich: „Wann war das?“

PA: „Das ist jetzt etwa 2 Stunden her.“

„Ich denke, das kannst Du wieder ins Regal stellen.“

Sie geht das machen und kommt gleich danach mit einer anderen Packung zurück.

PA: „Die stand so im Regal, die ist leer!“

Seltsamer Zufall. Vielleicht ist es auch keiner … Ich gehe an unsere Videoüberwachung und schaue mir an, was da vor 2 Stunden gelaufen ist.

Es dauerte etwas, den richtigen Zeitpunkt zu finden, da ziemlich viel lief, dann war ich länger nicht sicher, ob ich ihn ungerechtfertigt verdächtige, aber … nein. Der Mann mit „Nasenpimmel“ und langen Haaren geht vor dem Regal und mit dem Rücken zur Kamera in die Knie. Zieht 2 Packungen des Lausschampoos von unten aus dem Regal und sieht sie sich genau an. Dabei „peilt“ er nicht mal, das ist meist ein deutlicher Hinweis auf einen beabsichtigten Diebstahl. Stattdessen packt er in wenigen Sekunden (und immer noch mit dem Rücken zur Kamera) offenbar eine Packung aus und sich in die Tasche. Er stellt die leere Packung dann zurück ins Regal, rückt sie noch schön zurecht und steht noch rechtzeitig auf, um meiner Kollegin die gerade ankommt, die andere Packung in die Hand zu geben und zur Kasse zu gehen.

Die Bildschirmaufnahme teile ich mit den anderen im Apothekenchat – falls er wieder kommt, wird er eine Menge aufmerksamkeit bekommen und die geklauten Sachen bezahlen müssen. Hausverbot steht vielleicht auch auf dem Programm, denn – wie eine andere Kollegin bemerkt hat – das ist nicht die erste Packung Lausschampoo, die wir ausbuchen müssen. Eine andere Packung wurde schon leer gefunden … und ich erinnere mich an eine Packung, die komplett kaputtgerissen im Regal stand, allerdings noch mit Inhalt. Vermutlich ist er ein Wiederholungstäter.

Mit häufigem Lausbefall.

It’s all greek to me

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Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich einen netten Austausch mit einem Assistenzarzt vom hiesigen Spital. Der Arzt hat angerufen, weil er uns ein Rezept zulassen kommen wollte. Per email. Finde ich super, weil (wenn über die gesicherten Server laufend) sicherer als die bisherigen Fax-Übertragungen und wenn ich das Rezept so direkt vom Arzt bekomme, darf ich das auch annehmen und ausführen. (Im Gegensatz zu einem Rezept per mail von einem Patienten – ganzes Problem hier nachzulesen: Ist das elektronische Rezept gültig?).

Jedenfalls hatte der Arzt zwar unsere email-Adresse, aber irgendwie hat die Übertragung dennoch nicht funktioniert. Ich bestätige ihm unsere email: faktisch so etwas: Apotheke@Apotheke.ch. Also biete ich ihm an, eine email an seine Adresse zu schicken, dann kann er einfach darauf antworten. Das Spital hat solche Adressen: Vorname.Arztname@Spital.ch

Einfach genug, oder? Er hat mir dann seinen Namen buchstabiert …
Es war so etwas wie Konstantinos.Mavrokordatuopolis@Spital.ch
(Name natürlich total fiktiv, vielleicht war es sogar eine andere Herkunft).

Zum Glück habe ich mich nicht verschrieben … die mail ging durch und kurz darauf kam das Rezept. Aber vielleicht sollte das Spital bei so etwas eine Ausnahme machen und eine einfachere Adresse vergeben?

Testen oder nicht testen, das ist hier die Frage

In der Apotheke empfehlen wir den Leuten, die mit Beschwerden kommen zu testen. Wir folgen dabei den Empfehlungen des BAG, die sich (was das angeht) nicht geändert haben seit Beginn 2020:

Soll ich mich bei Symptomen sofort testen lassen? Lassen Sie sich sofort testen, wenn Sie Krankheitssymptome des Coronavirus haben. Tun Sie dies auch, wenn Sie vollständig geimpft sind oder wenn Sie nur leichte oder einzelne Symptome haben. Lassen Sie sich bei Symptomen vorzugsweise mit einem PCR-Test testen. Lassen Sie sich auch testen, wenn der Verdacht auf eine Ansteckung besteht (z.B. nach persönlichem Kontakt mit einer infizierten Person oder nachdem Sie eine Meldung der SwissCovid App erhalten haben).

Die Symptome dazu haben sich etwas verändert: ausser Husten, Fieber, Halsschmerzen, Gliederschmerzen sind mehr dazugekommen: Geruchs- und Geschmacksverlust, Schnupfen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-beschwerden und Hautausschläge. Das Problem dabei ist, dass auch andere Krankheiten und Beschwerden das machen können. Die ganzen normalen Erkältungsviren, Heuschnupfen, Lebensmittelvergiftung und Noroviren, Allergien, Migräne. Dennoch: es ist wichtig zu wissen, ob es das neue Coronavirus ist, deshalb sollte bei Beschwerden getestet werden – und sich isoliert bis zum Ergebnis. Und länger, falls das Ergebnis positiv ausfallen sollte.

Anfangs hat das auch ganz gut geklappt. Dadurch, dass man sich isolierte wurden auch alle anderen übertragbaren Krankheiten seltener. Inzwischen hat man mit den Lockerungen jedoch spätestens seit Sommer letzten Jahres das Problem, dass es jetzt wieder so ziemlich alles andere sein kann (und oft ist). Ergebnis: eine gewisse (in der Apotheke gut spürbare) allgemeine Testunwilligkeit. „Ich hab zwar Husten, aber das ist sicher nicht Covid, meine Kollegen mit Husten hatten alle einen negativen Test.“ „Nein, ich will nicht testen, das ist sicher nicht Covid, bisher war es immer negativ.“ Und auch das: „Ich habe einen Selbsttest gemacht, der war negativ.“

Ja, die Selbsttests. Hier zu Beginn noch von der Krankenkasse übernommen sind sie nicht mehr Teil der Teststrategie – und sie sollten sowieso nur eingesetzt werden wenn man keine (!) Beschwerden hat, aber vor einem (privaten) Anlass mit mehren Leuten sicher sein wollte, dass man es nicht (trotzdem) hat und möglicherweise ansteckend ist. Die Beschaffung der Tests war seit Anfang ein logistisches Problem. Anfangs war nur der Selbsttest der Roche zugelassen, der aus Grosspackungen in kleinere umgepackt werden musste (alles dokumentiert natürlich). Inzwischen gibt es mehrer Tests mit Zulassung, aber häufig sind sie nicht lieferbar, oder nur in einer Form (5er oder 1er).

Immer noch gerne verwechselt werden die Selbsttests mit den Schnelltests. Die Antigen-Schnelltests werden von verschiedenen Anbietern durchgeführt (Labors, Kliniken, Ärzte und auch Apotheken). Sie können mit und ohne Symptome gemacht werden. Die Probenentnahme erfolgt ähnlich wie beim PCR Test an der hinteren Nasenwand durch eine Fachperson, grundsätzlich verwenden sie aber dieselben Tests wie beim Selbsttest. Sie sind weniger empfindlich als PCR Tests und geben schneller ein Ergebnis (innert 15 Minuten). Anfangs ebenfalls übernommen vom Bund, dann nicht mehr, inzwischen aber wieder (ausser man braucht das für eine Reise) – haben wir dafür wieder häufiger Nachfragen in der Apotheke. Das Problem bei denen hier ist aber: Es gibt zwar eine Vielzahl der Anbieter aber man muss sich bei den meisten zwingend anmelden dafür (telefonisch oder online einen Termin machen), kann man sie bei manchen nur ohne Symptome machen, einige machen das nur bei ihren bestehenden Patienten (v.a. Ärzte) und anscheinend gibt es da einen Wildwuchs, dass Anbieter an ungeeigneten Orten, ohne Fachkräfte und ohne offizielle Zulassung Tests anbieten und Zertifikate ausstellen.

Selbst- und auch Schnelltests waren im letzten Monat immer mal wieder in der Presse. Meist ging es darum, dass sie nicht so sicher sind, wie gewünscht. Das ist hochgradig unschön – auch wenn die Teststrategie in der CH hauptsächlich auf PCR Tests beruht – da sind wirklich Tests im Handel und Gebrauch, die bei „nur“ hoher Viruslast in weniger als 10% der Fälle positiv angeben. Bei sehr hoher Viruslast sieht es besser aus … und die Zulassungstests betreffend Sensitivität und Spezifität haben sie auch bestanden. Dennoch, von „sicher sein“, dass man niemanden ansteckt, weil man ja negativ getestet ist, kann hier keine Rede mehr sein. Gerade bei symptomfreien Leuten dürften sie schlecht angeben. Dazu kommt auch noch, dass die Tests auf Omicron anscheinend nicht so gut ansprechen und dass diese Tests im vorderen Nasenbereich gemacht werden, bei Omicron ist es besser den Test im hinteren Nasenbereich plus zusätzlich noch im Rachen zu machen.

Wen es interessiert: Hier finden sich die Testergebnisse: https://www.spektrum.de/news/welche-corona-schnelltests-sind-zuverlaessig/1954489 . Darunter sind Schnell- und Selbsttests.
Auf der Seite des BAG über Fachinformationen über die Covid-19 Testung finden sich die Listen der zugelassenen Tests.

Wie gesagt, finden sich hier auch die von uns in der Apotheke vertriebenen. Die sind alle von der swissmedic zugelassen und auf der Liste des BAG. Der Test der Roche den wir zu Beginn exklusiv hatten, hat bei sehr hoher Viruslast 89% entdeckt und bei hoher Viruslast immerhin noch 30%. Der Flowflex Test, den wir danach bekamen (der auch im Aldi und Co erhältlich war) und den wir immer noch verkaufen, entdeckt bei sehr hoher Viruslast 94% aber bei hoher Viruslast grad noch 4% (!). Der Genrui Test, den man ab- und zu bekommt, entdeckt bei sehr hoher Viruslast 94% und bei hoher Viruslast 57% richtig.

Alle Selbst-Tests in der Schweiz sind Nasen-abstrichs-Tests für den vorderen Nasenteil. Theoretisch könnte man mit einer korrekten Abnahme an der hinteren Nasenwand und im Rachen bessere Testergebnisse erzielen. Und noch besser wäre es, wenn man an mehren Tagen hintereinander testet, damit man das Sichtbarkeitsfenster nicht verpasst. Optimal aber (und empfohlen) ist aber sowieso bei Verdacht (Symptome oder Kontakt) den nochmal deutlich besseren PCR Test machen zu gehen.

Oder?

Wir befinden uns aktuell mitten in der Omicron-Welle. Sie wird von der Politik praktisch ungehindert durchrauschen gelassen. Bestehende Einschränkungen werden zwar nicht aufgehoben, aber auch keine neuen implementiert. Omicron ist ansteckender noch als Delta und kann auch genesene, geimpfte und geboosterte treffen. Omicron wird zudem als vergleichsweise „mild“ verkauft und das, obwohl noch nicht klar ist, ob das wirklich stimmt. In Südafrika steigen verzögert nach der Welle die Sterberaten wegen Covid stark an, in den UK dasselbe. Long-Covid-Fälle sind in der Schweiz und in Deutschland immer noch kein offizielles Thema (kann man auch nirgends melden?). Daneben verkürzen sie dann auch noch die Quarantäne- und Isolationsdauer auf 5 Tage und wenn man dann 48 Stunden Symptomfrei ist, darf man raus (auch wenn es Zahlen gibt, die zeigen, dass dann noch jeder 3. ansteckend ist). Die Spitäler klagen zwar wegen der Einweisungen … aber das haben sie ja schon immer, oder? (Sorry an die Betroffenen). Vordergründig herrscht Normalität, der ÖV transportiert, Flugzeuge fliegen in ferne Länder, Läden und Restaurants haben offen, die Skigebiete verzeichnen Rekordbesucherzahlen …. Und daneben steigen und steigen die Zahlen der Covid Infizierten. Aktuell sind wir bei über 30’000 Neuinfektionen pro Tag, Tendenz weiter stark steigend – aber wahrscheinlich nicht für länger richtig darstellbar, denn: Die Testkapazitäten sind ausgeschöpft!

So sagte denn Gesundheitsminister Alain Berset in der letzten Medienansprache (Quelle 20 Minuten) am Freitag dies: Man muss sich fragen, wie sinnvoll Testen noch ist. Bei 100’000 Tests pro Tag sind die Testkapazitäten der Schweiz ausgeschöpft. (Haben wir jetzt!). Wegen der hohen Ansteckungsrate von Omicron muss sich das Testregime ändern (das Testen verliert an Bedeutung, auch weil/wenn es 3-4 Tage geht, bis man das Ergebnis bekommt). Ausserdem: Tests schützen niemanden (Ja, die Tests selber nicht, aber wenn man auf das Wissen, dass positiv richtig handelt, dann schon). Er begreife es deshalb, wenn zum Beispiel die Kantone in den Schulen das Testen einstellen würden (Grrr!)

Soll ich da den Leuten in der Apotheke mit Symptomen weiter empfehlen testen zu gehen? Oder appelliere ich an die Eigenverantwortung, dass sie sich zumindest isolieren, also so verhalten, als seien sie infiziert? Für (mindestens) 5 Tage und bis sie 48 Stunden Symptomfrei sind. Was sagen die Arbeitgeber dazu? (Nein, ich bin überhaupt nicht dafür, Leute krank arbeiten zu lassen).

Bis jetzt hat das mit der Eigenverantwortung und dem appellieren an die Vernunft der Leute nicht sehr gut funktioniert (finde ich). Und meine Eltern (beides Risikopersonen und geboostert), denen ich meine Sicht auf die Dinge erzähle, gehen momentan aus Vorsicht nicht mal mehr aus dem Haus. Sie fühlen sich absolut nicht mehr geschützt da draussen. Ich selber (geboostert) arbeite jetzt mit FFP2 Maske – und hoffe, dass die Omicron Welle vorbei geht. Hoffentlich bald.

Kein Antikörpertest empfohlen bei …

Willkommen im neuen Jahr. Wir machen weiter, wo wir aufgehört haben: bei (steil) steigenden Infektions-Zahlen wegen Omicron. Wie viele das aktuell sind, wissen wir nicht, weil über die Festtage kaum getestet wird und wenn die Daten nicht weitergegeben. Unser BAG ist auch in die Kurzferien. Ausser einer Verkürzung der Quarantänezeit von 10 auf 7 Tage (damit die Arbeitnehmer wieder rascher weiter machen können – wichtig grad vor allem im Gesundheitssystem) gab es auch keine Änderungen oder gar neuen Massnahmen.

Am 31.12. habe ich noch gearbeitet – am Montag 3.1. ging es weiter. Eigentlich finde ich, wir haben erstaunlich wenig Selbsttests verkauft (ja, wir haben wieder welche), aber heute geht es ja weiter mit den Antikörpertests. Der Aufwand, den die für die Apotheke bedeuten, rentiert nicht wirklich. In letzter Zeit mussten wir auch ein paar Testwillige ablehnen.

Gründe für die Ablehnung:

  • akute Symptome. Nicht nur weil zu früh für den Nachweis von Antikörpern (falls es Covid ist) – mit Beschwerden wie Husten, Fieber, Schnupfen, Gliederschmerzen und ähnlichem sollten Sie nicht hierher kommen (falls es Covid ist!)!
  • mögliche Ansteckung zu wenig lange her: Wenn die mögliche Covid-Infektion erst sehr kürzlich war (weniger als 30 Tage her) dann warten Sie noch ein bisschen. Der Körper braucht Zeit zum produzieren der Antikörper.
  • Quarantäne. Wenn Sie in Quarantäne sein sollten (da Kontaktperson), dann bitte bleiben Sie in Quarantäne. Der Test kann verschoben werden. Wenn Sie trotzdem kommen gefährden Sie mich (und alle unterwegs).
  • keine Maske an. Ehrlich? Jetzt noch? Aber das ist meine Apotheke und unsere Vorschriften sind klar: es gilt Maskenpflicht in Innenräumen (allgemein) und wenn ich in einem nicht so voluminösen, nicht so gut belüfteten Beratungsraum während mindestens 15 Minuten mit Ihnen sitze, dann bestehe ich auf Maske. Wenn das ihnen gar nicht geht, dann werde ich auch gar nicht testen.
  • Kinder, speziell kleine Kinder. In den Apotheken wird offiziell ab 16 Jahren auf Antikörper getestet. Jüngere sind zwar nicht verboten … offizell kann da nur der Kanton Vorgaben machen, aber unter 12 Jahren finde ich es nicht empfehlenswert. Das war die Überraschung, als bei einem Doppeltermin die Eltern mit zwei Kindern (2 Jahre und 6 Jahre) aufgetaucht sind und die getestet haben wollten. So kleine will ich nicht testen / stechen, die wissen ja gar nicht wofür, dann macht das (etwas) weh und dann haben sie eine lebenslangen Aversion gegenüber weissen Kitteln und/oder Apotheken. Und wofür? Nur für das Interesse der Eltern ob sie schon Covid hatten? Oder spekulieren sie auf das Zertifikat, das dann nur 90 Tage gültig ist und dann wiederholt werden muss? Oder weil Kinder, die genesen sind aktuell nicht geimpft werden? (unter 5 Jahren sowieso nicht). Dann … als unter 12 jährige müssten sie offiziell immer noch keine Masken tragen, aber für die Situation in der Apotheke gilt: ohne Maske teste ich nicht (siehe oben) – übertragen können nämlich Kinder das Virus gleich wie Erwachsene.
    Als Lösung: es gibt Labors die auch Kinder testen … aber grundsätzlich würde ich den nächsten mit dem Wunsch dafür zum Kinderarzt schicken.

Keine Ablehnung, aber vielleicht ein „Cave“: das Zertifikat, das man mit einem positiven Antikörpertest bekommt, gilt für den 2G Nachweis. Das bedeutet, man gilt als „Genesen“ und kommt in die entsprechenden Lokalitäten. Es gilt nicht als „Testzertifikat“ für den 2G+ Nachweis. Dort muss man weiterhin zusätzlich einen Test haben für einen Zutritt. Zum Beispiel in Clubs und Bars oder auch beim Schwimmtraining – wo keine Maske getragen werden kann. Der Grund ist, dass mit dem Antikörpertest nicht gezeigt werden kann, ob die Infektion weniger als 4 Monate her ist. Die Infektion muss mit PCR Test nachgewiesen werden – also geht (rechtzeitig) bei Symptomen testen!

Ich gehe übrigens morgen Boostern, zusammen mit Familie. (Danke Flo!) – danach bin ich auch selber wieder offiziell 2G+ tauglich. Ein 2G+ Zertifikat erhalten nämlich auch Personen, deren Impfung oder Covid-Erkrankung weniger als vier Monate zurück liegen.

Antikörpertest / Genesenenzertifikat Updates

4 Wochen Antikörpertests für das „Schweizer Genesenen Zertifikat“. Wie zu erwarten hat das Angebot des Bundes, dass auf einen positiven Antikörpertest in der Schweiz ein Genesenenzertifikat* ausgestellt werden kann (*Kleingedrucktes: für 3 Monate, nur in der Schweiz gültig) für eine riesige Nachfrage in der Apotheke gesorgt. An die 150 Tests haben wir gestemmt – neben dem normalen Apothekenbetrieb (dem neuen „normal“) und den parallel dazu noch laufenden Grippeimpfungen und FSME-Impfungen. Es ist anstrengend.

Was für Leute zieht das Testangebot an?

Es zieht viele an, die wir noch nie in der Apotheke gesehen haben. Die meisten ungeimpft und in der Hoffnung, so einfach zu einem Ausweg aus „2G“ zu kommen – auch wenn sie den selber bezahlen müssen (und es kein Schutz vor einer weiteren Infektion mit dem Corinavirus ist). Ein paar machen das wirklich nur „auf Verdacht“, andere, weil sie ziemlich sicher sind, zum Beispiel da der Partner das hatte und sie zwar vielleicht mit in Quarantäne waren, aber nicht PCR testen gegangen sind, trotz Symptomen.

Ich frage neben den Vorabklärungen zum Test gelegentlich, weshalb sie den Antikörper-Test machen und ob sie eine Ahnung haben, wie lange eine mögliche Infektion her ist – unter anderem auch, weil ich sie darauf aufmerksam machen will, dass die Antikörper nach einer Infektion abnehmen. Bis 5 Monate danach kann eine Infektion so in 99% der Fälle nachgewiesen werden. Danach nehmen die Antikörper ab. Leute, die also zu Beginn der Pandemie (bei uns im März 2020) infiziert waren, bekommen also kaum ein Zertifikat. Hatte man es nur leicht, ist die Antikörper-Bildung auch nicht so hoch und hält nicht so lange. Also kann es gut möglich sein, dass der Patient vor ein paar Monaten einen AK-Test gemacht hat, der damals noch positiv war, es jetzt aber nicht mehr ist.

Ausser dem Wunsch nach einem Zertifikat gibt es noch weitere Gründe für den Antikörpertest. Da war die Frau, die im Ausland gegen Covid geimpft wurde. 3 x sogar – allerdings mit einem in der Schweiz nicht zugelassenen Impfstoff (Sputnik), weshalb sie keinen Status als Geimpft hat – und so zumindest ein Genesenenzertifikat bekommt. Antikörper dürften sich ziemlich sicher nachweisen lassen.

Ein paar Erkenntnisse aus dem Prozess:

Ich nehme im Normalfall keinen Einblick in die Testresultate der Patienten. Wir nehmen in der Apotheke das Blut ab, nehmen die Patientendaten auf, schicken Daten und Probe ins Labor und die Patienten bekommen dann das Resultat. Bei Fragen kann ich Einblick nehmen beim Labor – aber nur, wenn der Patient uns bei der Datenaufnahme dazu die Einwilligung gegeben hat (Dokumentiert mit Kreuzchen am richtigen Ort und Unterschrift). Inzwischen rate ich den Patienten dazu, das Kreuz dort auch wirklich zu machen, denn ein paar Nachfragen hatten wir schon – und bei manchen musste ich dann sagen, dass sie das mit dem Labor selber klären müssen, denn ich komme nicht in ihre Unterlagen rein.

Zwischen Blutentnahme und Testergebnis dauert es (maximal) 4 Tage, bis das Ergebnis kommt. Das kommunizieren wir so. Weder ich noch Patient kann das forcieren. Trotzdem rufen einige Leute am 3. Tag an und fragen, weshalb das Resultat noch nicht da ist. Das Labor ist wirklich zuverlässig und die Resultate meist wenige Stunden nach Eingang da. Nur 3 Fälle, wo das nicht der Fall war: Einmal war die email-Adresse falsch angegeben; ein Teströhrchen ist unterwegs trotz aller Vorsicht ausgelaufen und es war nicht mehr genug Blut drin zum testen; und bei einem Patienten hat die Verknüpfung von Probe mit den Patientendaten nicht geklappt, da war zwar ein Resultat vorhanden, aber es konnte niemandem zugeordnet werden. All das liess sich lösen (einmal mit einer erneuten Blutentnahme) und die Patienten haben ihr Resultat bekommen.

Aber die meisten Rückfragen deswegen haben wir von Leuten, die mit dem Testergebnis nicht zufrieden sind. Meist, weil der Test negativ ausgefallen ist. Nachdem anfangs noch nicht klar war ab welchem Testergebnis das Zertifikat ausgestellt wird – da war es einfach von der Genauigkeit des Labors abhängig, ab wann die Antikörper nachweisen konnten – heisst es inzwischen, dass Resultate ab 1 BAU/ml (Binding Antibody Unit pro Milliliter) als positiv gelten und ein Zertifikat geben. Die Nachweisgrenze liegt bei 0.4 respektive 0.8 BAU/ml. Das ist enorm niedrig. Es handelt sich dabei um die Gesamt-Antikörper, nicht nur um die „neutralisierenden Antikörper“ (NAb).

Was es für einen Antikörpertiter bräuchte für einen Impfschutz oder für den Schutz vor einer Reinfektion ist zurzeit noch nicht definiert. Nach der Studie hier „betrug die Schutzwirkung bei 13-141 BAU/ml nur 12%, aber 89,3% bei 141-1700 BAU/ml und 100% über 1700 BAU/ml.“ Von daher finde ich ein Zertifikat, das praktisch beim Entdecken von Antikörpern ausgestellt wird wirklich als Geschenk der Politik an die Impfunwilligen. Es ist wirklich KEIN Garant, dass sich die Leute nicht gleich wieder mit Covid anstecken können!

So sieht das Testergebnis des Labors aus (Beispiel). Das ist meines, ich habe einen Abklärungstest machen lassen (da ich ja geimpft bin):

Falls ich noch Zweifel an der Covid-Infektion gehabt hätte (zum Beispiel, dass der Selbsttest falsch positiv war), ist das jetzt der Beweis.

SARS-CoV-2-S1-RDB-AK = Antikörper gegen das Spike Protein (in der Hülle) des Coronavirus. Die Antikörper werden nach Impfung UND nach Infektion gebildet. Ergebnis über 250 BAU/ml, also deutlich positiv. Es wäre interessant zu wissen, WIE hoch, aber da wir keine Aussage machen können und dürfen, ab wann noch ein Schutz vorhanden ist, es wieder eine neue Variante gibt und wir sowieso weiter aufpassen müssen … ist das akademisch.

SARS-CoV-2-N-AK = Antikörper gegen das Nukleosid-Protein (im Inneren des Virus). Diese Antikörper werden nur nach einer Infektion gebildet (Bei der Impfung wird ja nur die „Information“ für die Spike Proteine übermittelt). Hier ist mein Nachweis der Infektion.

Nervpunkte

Eine der Anfragen, die wir hatten, war nach einem negativen Test, bei welchem der Patient unbedingt einen Abklärungstest wollte, obwohl er nicht geimpft war. Auf seinem Testresultat ist nur der obere Test (S-AK) abgebildet, mit einem Ergebnis von unter 0.4 BAU/ml. Der Patient wollte genau wissen, wie hoch (oder besser niedrig?) das Ergebnis jetzt genau sei. Mehr als „zwischen 0.0 und 0.4 und damit nicht nachweisbar“ konnte ich ihm auch nicht sagen. Und ehrlich: WOZU???
Ausserdem wollte er wissen, weshalb da kein Ergebnis für die N-AK auf dem Test sei – immerhin habe er mehr bezahlt für den Abklärungstest. Ja – wenn gar keine Antikörper gegen das Spike-Protein nachgewiesen werden können … dann macht man auch den zweiten Test nicht mehr auf die Nukleosid-Antikörper, weil man auch da NICHTS FINDEN WIRD.

Ansonsten haben mich nur diejenigen geärgert, die es nicht schaffen, mit einer anständigen Maske zum Test zu kommen. Nasenpimmel allenthalben, wirklich dreckige Stoffmasken und mindestens einer, dem ich zwei Mal sagen musste, dass er hier im Beratungsraum, wo wir den Test machen unbedingt seine Maske anhaben muss, da ich sonst den Test nicht mache. Das ist ein kleiner, nicht gut belüfteter Raum. Meine Maske schützt ihn und seine schützt mich – deshalb: anziehen! Oder …!

Interessant auch, dass wir schon ein paar hatten, die Angst vor Nadeln oder Blut haben. Falls das der Fall ist: bitte gerne vorher sagen! Wir machen das sowieso im Sitzen, aber man kann das auch machen mit komplett geschlossenen Augen der getesteten Person. Wir nehmen uns auch gerne mehr Zeit für diejenigen … besser aber, man weiss das vorher, als dass sie unerwartet beim Pieksen „abliegen“.

Wir machen die Antikörpertests ausschliesslich auf Termin – das funktioniert wunderbar, mit Terminvergabe im Internet (oder halt bei uns via Telefon, dann tragen wir es dort ein). Die Patienten geben die Telefonnummer an und werden benachrichtigt beim Buchen und kurz vor dem Termin selber. Wir nehmen keine, die einfach in der Apotheke einlaufen und wir rechnen dazwischen genug Zeit ein. Wenn wir nur das machen würden, könnten wir 4 x so viele Tests machen, aber … eben, wir haben noch mehr als genug anderes zu erledigen. Anderes, was zu unseren Hauptaufgaben zählt. Von daher kratzt es mich nicht, wenn ein Termin abgesagt wird (dann wird er für andere frei) oder selbst wenn jemand einfach nicht kommt. Und wenn jemand mehr als 15 Minuten zu spät zum verabredeten Termin kommt – dann heisst es: bitte neu anmelden. Oder ohne Termin zum Labor gehen, das ohne Voranmeldung testet. Da steht man momentan halt einfach mehrere Stunden an.
Interessant finde ich bei den Abmeldungen immer die Begründung. „Früherer Termin gefunden“, „konnte woanders testen“, „bin in Quarantäne“ (Danke, dass sie nicht kommen), „war impfen“ (Bester Grund ever!) und „schlechte Bewertung durch den Kollegen“ (da war wohl jemand mit dem Testergebnis nicht zufrieden?)