So long …

Wer den Antibiotikarechner, den ich vor einiger Zeit erstellt habe nutzen will, den empfängt per sofort diese Nachricht auf der Website:

Das war leider nötig, nachdem ich Post erhalten habe von der swissmedic. Sie stufen den Antibiotikarechner, den ich zusammen mit einem Apotheker aus Österreich erstellt habe und mit dem man für die in der Schweiz erhältlichen Antibiotikasirupe einfach die Dosierungen kontrollieren konnte als „Medizinalprodukt“ ein. Als solches fällt das unter ihre Kontrollaufsicht und sie wollen per 22.9. eine Tonne Unterlagen (Konformitätserklärung, -Bescheinigung, Klassifizierung und Produktekennzeichnung, Lizenzvereinbarung etc.). Für die Bearbeitung stellen sie 200 Franken pro Stunde in Rechnung (bis jetzt eine, weitere nach Aufwand)…

Das ist für mich als Privatperson (und dazu noch alleine) unmöglich zu liefern, schon gar nicht in der kurzen Zeit. Weitere Bearbeitungsgebühren in unbekannter Höhe für die gratis angebotene Dienstleistung der Seite kann ich mir auch nicht unbedingt leisten. Ich hab mich deshalb schweren Herzens entschlossen die Seite per sofort vom Netz zu nehmen.

An alle, die die Seite brauchen konnten und genutzt haben: Tut mir sehr leid!

Gehört ihr dazu?

Byebye handmade Kosmetika – die neue Kosmetikverordnung

Anfang Mai ist (für die Öffentlichkeit wohl unbemerkt) die Übergangsfrist zur neuen Kosmetikverordnung abgelaufen. Das heisst, dass die neue Kosmetikverordnung (von 2013 in der EU und angepasst 2017 in der CH) jetzt verbindlich ist … und das bedeutet wohl das Aus für einige in den Apotheken und Drogerien selber hergestellte Kosmetika. Another one bites the dust – denke ich da. Noch etwas, das wir nicht mehr machen dürfen oder können. Das neue Chemikaliengesetz hat die Vorschriften so hoch angesetzt, dass viele Drogerien und Apotheken kaum noch selber Sachen abfüllen. Die Pharmakopöe schliesst das Wiederauffüllen bei Arzneimitteln aus (alles was auf die Haut angewendet wird oder eingenommen wird braucht eine neue Packung). Und nun gehen also die selbstgemachten Kosmetika.

Hier der Link zur neuen Kosmetikverordnung in der Schweiz.

Ein Kosmetikum ist definiert als: „Stoffe oder Gemische, die dazu bestimmt sind, äußerlich mit den Teilen des menschlichen Körpers (Haut, Behaarungssystem, Nägel, Lippen und äußere intime Regionen) oder mit den Zähnen und den Schleimhäuten der Mundhöhle in Berührung zu kommen, und zwar zu dem ausschließlichen oder überwiegenden Zweck, diese zu reinigen, zu parfümieren, ihr Aussehen zu verändern, sie zu schützen, sie in gutem Zustand zu halten oder den Körpergeruch zu beeinflussen“

Wie in der EU muss für jedes Produkt ein Sicherheitsbericht erstellt werden. Dafür sind Verträglichkeitstests und gegebenenfalls Wirksamkeits-/Leistungsnachweise erforderlich. Zudem muss eine Produktinformationsdatei (PID) in einer Amtssprache des Bundes oder in Englisch ausgearbeitet werden. Diese muss nicht zwingend in der Schweiz aufbewahrt werden, aber muss schnell zugänglich sein. Sicherheits- und Warnhinweise müssen nur noch in einer Amtssprache (anstelle bisher 3) angebracht werden.
Die Anhänge der EU-Kosmetikverordnung werden vollständig übernommen (Sicherheitsbericht, Liste der Stoffe, die in kosmetischen Mitteln verboten sind, Liste der Stoffe, die kosmetische Mittel nur unter Einhaltung der angegebenen Einschränkungen enthalten dürfen, Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen Farbstoffen, Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen Konservierungsstoffe, Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen UV-Filter, auf Verpackungen / Behältern verwendete Symbole, – Verzeichnis der validierten Alternativmethoden zu Tierversuchen)
Werbeaussagen in Form von Texten, Bezeichnungen, Marken, Bildern oder anderen figurativen oder sonstigen Zeichen dürfen weder explizit noch implizit verwendet werden, um auf Eigenschaften oder Funktionen der Erzeugnisse hinzuweisen, die diese nicht besitzen.
Zur Meldung von Unverträglichkeiten („Cosmetovigilance“) wird in der Schweiz kein eigenes System aufgebaut. Solche Fälle sind in die PID und den Sicherheitsbericht einzubeziehen. Die Schweiz wird sich nicht dem europäischen Notifizierungsportal CPNP anschliessen und auch kein eigenes nationales System zur Meldung von Produkten aufbauen.

Was bedeutet das nun für uns?

Ab dem 1.5.21 müssen für alle selbst hergestellten Kosmetika gemäss VKos Art 4-5 eine Produktinformationsdatei (PID) und ein Sicherheitsbericht (VKos Anhang 5) vorliegen. Dies gilt sowohl für individuelle Herstellungen als auch für auf Vorrat hergestellte Kosmetika, welche in kleine Einheiten abgefüllt werden. Das Erstellen dieser beiden Dokumente ist äusserst aufwändig und darf nur durch eine Person durchgeführt werden, die im Besitz eines Diploms oder eines anderen Nachweises formaler Qualifikationen ist, der nach Abschluss eines theoretischen und praktischen Hochschulstudiengangs in Pharmazie, Toxikologie, Medizin oder einem ähnlichen Fach oder eines als gleichwertig anerkannten Studiengangs erteilt worden ist. Also Apotheker können das. Nur braucht das dermassen viel, dass es sich nicht lohnt, das zu machen – ausser man verkauft genug von so einem Produkt (So ab CHF 4000 könnte man das anschauen).

Es gibt aber (wenige) Umgehungsmöglichkeiten in der Apotheke dafür:

Eigenherstellungen kann man eventuell ersatzweise dem Heilmittelgesetz unterstellen. In diesem Falle dürfen nur Rohstoffe in Pharmakopöequalität verwendet werden und den Produkten muss eine wissenschaftlich belegbare Indikation zugeordnet werden. Einer Handcreme kann z.B. die Indikation „gegen Schrunden“ zugeordnet werden, einem Badesalz „gegen Nervosität“, einem Massageöl „gegen Muskelverspannungen“. Diese nichtzulassungspflichtigen Arzneimittel sind dann Hausspezialitäten gemäss HMG Art 9.2.c und man muss sie (je nach Kanton kostenpflichtig) der Aufsichtsbehörde anmelden oder bewilligen lassen. Wenigstens sind diese Kosten in der Regel sehr viel tiefer als das Erstellen eines Sicherheitsberichtes für Kosmetika. Aufwändig ist auch das.

Abgefüllte Rohstoffe wie Vaseline, fette Oele oder Wachse können Sie als verwendungsfertige Produkte einkaufen und abgeben oder falls dazu eine Monografie in der Pharmakopöe existiert (z.B. Vaseline, Mandelöl, Wollwachs) in Pharmakopöequalität als „formula officinals“ nach HMG Art 9.2.b in Verkehr bringen. Hier ist eine Indikationsangabe fakultativ. Bei Rohstoffen, welche sich nicht in der Pharmakopöe finden (z.B. Hamameliswasser) bleibt einem nichts anderes übrig als auf ein Fertigprodukt auszuweichen.

Alles keine Option für das selber hergestellte (und verkaufte) Kosmetikum? Per sofort sind diese nicht mehr verkehrsfähig. Es bleibt nur noch die Produktinformationsdatei (PID) und den Sicherheitsbericht für jedes einzelne Produkt zu machen und einzureichen. Mitglieder des Schweizerischen Drogistenverbandes können dort Hilfsmittel mit Vorlagen und Beispielen verlangen. Für den Rest: Informationen und Erklärungen aus der EU zum Ausfüllen des Sicherheitsberichtes (VKos Anh 5) und zur Erstellung der Produkteinformationsdatei (PID) findet man hier: Link 1 und Link 2. Hier hat sich eine Rechtskanzlei damit beschäftigt (ist noch gut als Erklärung/Übersicht): https://www.it-recht-kanzlei.de/kosmetika-rechtssicher-verkaufen-kennzeichnen.html

Das gilt alles natürlich auch für nicht in Apotheke oder Drogerie hergestellte Kosmetika!

Ausnahmen: handwerklich hergestellte und lokal, in kleinem Rahmen vertriebene kosmetische Mittel. Das bedeutet: die Dauer des Verkaufes muss Ausnahmecharakter haben, es muss sich um kleine Mengen an Kosmetika handeln, der Verkauf ist zeitlich eng begrenzt und es muss ein persönlicher Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer stattfinden. So eine Ausnahme wäre zum Beispiel ein Schulfest oder Basar an dem die selbstgemachten Kosmetika verkauft werden.

All die privaten Hersteller und Verkäufer auf Etsy und Co und eigenen Websiten (also kein persönlicher Kundenkontakt) sowie diejenigen, die die Sachen in Läden oder von zu Hause aus verkaufen (also länger) fallen nicht unter diese Ausnahme und müssen demnach auch die Produkteinformationsdatei und den Sicherheitsbericht machen (oder machen lassen – es gibt Anbieter, die das machen).

Cremen, Salben, Deos, Duschmittel, Badezusätze, Badeperlen, Badebomben, Lippenstifte, Pommadenstifte, Lippgloss, Bodylotion, Peeling, Seifen, Zahnpasta, Nagellack, Shampoo … selber herstellen für sich und Familie geht immer noch, aber … da sind gerade wohl einige Hersteller sozusagen illegal geworden (und die wissen wahrscheinlich noch nicht mal davon).

PPP 2021 – Die Auflösung

Auflösung:

Liebe Rätselgemeinde,

es ist vorbei! Wieder liegt ein Pfingstpreisrätsel auf diesem Blog hinter uns. Ich hoffe sehr, Euch hat auch diesmal wieder das Mitraten mindestens genauso viel Spass gemacht wie mir das Bauen des Rätsels.

Und hier die Lösung – gesucht war der Apotheker, Chemiker und Botaniker Philipp Lorenz Geiger (29.8.1785 – 19.1.1836, https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Lorenz_Geiger).

Geiger war im 19. Jahrhundert führend bei der Isolierung und Erforschung der Pflanzenalkaloide, z.B. des Atropins, Hyoscamins oder Colchicins. Sein Hauptwerk «Handbuch der Pharmacie» war über viele Jahre ein Standardwerk dieses Fachgebiets und wurde nach seinem Tod von so bekannten Naturwissenschaftlern wie Justus von Liebig, Johann Heinrich Dierbach oder Theodor von Esenbeck laufend aktualisiert. Seine erste Apotheke betrieb er nur einen Steinwurf von der Schweiz entfernt im badischen Lörrach. 1828 wurde Geiger Ehrendoktor an der Uni Marburg.

Und hier nun die Auflösung der einzelnen Hinweise, wie ich sie mir gedacht habe:

Hinweis 1: Ein Apfel der Sorte «Carola». Die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, an der Geiger von 1824 bis zu seinem Tod 1836 als Professor wirkte, trug den historischen Namen «Ruperto Carola».

Hinweis 2: Der deutsche Schauspieler Gottfried John, geboren am 29. August 1942. Ein Hinweis auf den 29. August, den Geburtstag Geigers (1785).

Hinweis 3: Ein Portrait von Justus von Liebig, eines von mehreren Naturwissenschaftlern, die das Hauptwerk Geigers, das «Handbuch der Pharmacie» nach dessen Tod überarbeiteten und weiter herausgaben.

Hinweis 4: Die Staatsflagge von Texas. Texas wurde 1836 unabhängig von Mexiko, im Todesjahr Geigers.

Hinweis 5: Eine Stadtansicht von Lörrach, gemalt 1874 von August Bauer. In Lörrach betrieb Geiger seine erste eigene Apotheke.

Hinweis 6: Ein mikroskopisches Bild von Uratkristallen in Gelenksflüssigkeit, welche typisch für eine Gicht sind. Das von Geiger isolierte Colchicin (Gift der Herbstzeitlosen) wurde bereits im alten Mesopotamien bei Gicht therapeutisch eingesetzt.

Bonushinweis: Eine Ausgabe der «Annalen der Chemie», einer pharmazeutischen Fachzeitschrift in der das von 1824 von Geiger betreute «Magazin für Pharmacie und die dahin einschlagenden Wissenschaften» 1832 aufging.

Hinweis 7: Das Wappen der Universität Marburg, die Geiger 1828 die Ehrendoktorwürde verlieh.

Hinweis 8: Das Gemälde «Atropos o Los Parcas» von Francisco de Goya; ein Hinweis auf die griechische Schicksalsgöttin Atropos, welche Namensgeberin für das von Geiger isolierte Atropin war.

Hinweis 9: Das Rathaus von Adelsheim, der Stadt, in der Geiger mit 14 Jahren seine Apothekerlehre begann.

Hinweis 10: Die Strukturformel des von Geiger entdeckten Aconitins.

Hinweis 11: Das Bild «Paganini der schwarze Geiger» von Ernst Oppler. Ein Hinweis auf den Nachnamen des Gesuchten sowie sein botanisches Kürzel «GEIGER».

Hinweis 12: Ein Portrait des Gesuchten.

Ich hoffe, es war nicht allzu schwer für Euch, und Ihr konntet meinem Gedankengang zur Rätsellösung folgen. Rückmeldungen hier in den Kommentaren sind jedenfalls auch diesmal sehr willkommen.

Und nun übergebe ich an Pharmama, die Euch bekanntgeben wird, wer diesmal die verschiedenen Preise gewonnen hat. Wir lesen uns dann hoffentlich in einem Jahr wieder, beim nächsten PPP.

Bis dahin,

Euer

?Riddler?

PPP 2021 – Hinweis 12 (Finale!)

Hinweis 12:

Liebe Rätselfreund*innen!

Es ist geschafft, das PPP 2021 (XXL) geht zuende. Ich hoffe sehr, dass Ihr nun alle wisst, worauf ich mit meinen Hinweisen hinauswollte; sollte dies jedoch immer noch nicht der Fall sein, kommt hier nun der allerletzte Hinweis, welcher keine Fragen mehr offen lassen sollte:

Urheber: «Images from the History of Medicine / Lizenz: gemeinfrei, https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/deed.de / PD-US-expired, https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-US-expired

Alle Klarheiten beseitigt? Dann schnell noch eine Lösung an pharmama08(at)gmail.com schicken und mit 1 Los bei der anstehenden Preisverlosung dabei sein.

Achtung: der Einsendeschluss ist heute bereits um 19 Uhr, anschliessend wird Pharmama die Auslosung vornehmen.

Und es gibt noch eine zusätzliche Gewinnchance: Ihr könnt nämlich ebenfalls bis 19 Uhr an o.g. eMail-Adresse eine Auflistung schicken, wie ich jeden einzelnen Hinweis gemeint habe, wie die Hinweise zu deuten waren. Wer die meisten Hinweise der letzten 12 Tage korrekt interpretiert hat, bekommt einen Sonderpreis (sollten mehrere von Euch die gleiche Zahl an Hinweisen in meinem Sinne gedeutet haben, entscheidet das Los über den Sonderpreis).

Ansonsten bleibt mir nur noch, mich bis zur Auflösung zu verabschieden. Stay tuned!
Euer

?Riddler?

PPP 2021 – Hinweis 11

Hinweis 11:

Liebe Rätselgemeinde,

es ist zugegebenermassen schon gemein. Da kann man am Feiertag endlich mal ausschlafen, schon nerve ich Euch mit einem neuen Hinweis:

Jetzt sollte aber wirklich alles klar sein. Das Einsenden der korrekten Lösung an pharmama08(at)gmail.com ist heute jedenfalls 2 Lose in der Lostrommel wert. Und solltet Ihr immer noch keinen Plan haben, dürfte spätestens mit dem morgigen Hinweis alles klar werden.

Dann noch einen schönen Pfingstsonntag,
Euer

?Riddler?

Lizenz: gemeinfrei, https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/deed.de / PD-US-expired, https://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-US-expired

PPP 2021 – Hinweis 10

Hinweis 10:

Liebe Rätselnden,

habt Ihr heute Lust auf ein wenig Chemie?

Die Rätsellösung sollte ja inzwischen nicht mehr im Bereich des Unmöglichen liegen, also schickt (falls noch nicht geschehen) ganz schnell Eure Lösung an pharmama08(at)gmail.com, um am Ende immerhin noch mit 3 Losen bei der Preisvergabe dabei zu sein.

Euch allen frohe Pfingsten!

Euer

?Riddler?

Urheber: Srychnov / Lizenz: gemeinfrei, https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/deed.de