Lassen sie mich das wiederholen (7)

Sie wollen also Fenistil Tropfen für ihr knapp halbjähriges Kind, aber nicht, weil es eine Allergie hat und auch nicht, weil es Juckreiz hat wegen Windpocken, sondern weil sie gehört haben, dass es als Nebenwirkung müde macht und sie ‚auch etwas Ruhe brauchen können’ und sie wollen auch vorher nicht einfachere Sachen wie Orangenblütentee ausprobieren, weil sie jetzt gleich etwas wollen das ‚wirkt’ ….

Okeee ….

(Und was machen sie in ein paar Monaten, wenn es aktiver wird? Bekommt es dann Benzodiazepine?)

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33 Antworten auf „Lassen sie mich das wiederholen (7)

  1. .. oder wie war das „in grauer Vorzeit“ mit den Mohn-Schnullern? :-(
    Eigentlich sollten es doch Eltern wissen, dass es aus ist mit der Beschaulichkeit, wenn sie sich entschliessen, sich mit der „Folge ihrer Lust“ abzugeben.
    Dabei fällt mir eine uralte Karikatur (ich glaube es war im Stern) ein, wo eine Frau ihrer Freundin (zum Thema „Lust etc.“) sagte: „manchmal sage ich einfach nein oder esse „anstatt“ einen Apfel“.
    Obst ist gesund und kann ja soooo beruhigend wirken!
    Gruss
    Hajo

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    1. Mohn -Schnuller? Meine Mama scherzte immer etwas von „den Nuggi rasch in Whiskey tauchen“ oder so – nicht, dass die das wirklich gemacht hätte…

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  2. das ist doch ein wahrer klassiker in der apotheke!
    die mütter kaufen entweder fenistil oder vomex.

    ich: „das präperat macht ziemlich müde. “
    mutter: „ich weiß. das soll es auch“

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  3. Jaaa, ich erinnere mich. Mein Tante, selber in einer Apotheke arbeitend, hat mein Cousine und ihre Brüder für lange Autofahrten auch immer „prophylaktisch“ mit Vomex abgefüllt.

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    1. Vomex kenne ich nicht von hier, aber ich nehme an, es ist auch ein Antihistaminikum? Bis vor ein paar Jahren gab es in der Schweiz tatsächlich einen Sirup mit Antihistamin, der zum Beruhigen von Kindern gedacht war – Lysedil. Zum Glück gibt es den nicht mehr (zu viele Nebenwirkungen) – aber ich erinnere mich noch gut, dass da einmal eine Frau war und gleich 11 Flaschen wollte! die hat sie aber von mir nicht bekommen – und nicht nur, weil ich sowieso nur 1 Flasche da hatte. 11!

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      1. Nein, kein Antihistamin Vomex ist Dimenhydrinat gegen Übelkeit, Erbrechen ect. und macht auch hundemüde. Ich habe schon erlebt, das Eltern ihrem Kind das gegeben haben, damit es im Flieger schläft!

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  4. Erstens wusste ich das nicht (Fenistil -> beruhigend) und zweitens wäre ich nie auf die Idee gekommen, das meinem kleinen Kind zu geben.

    Schöne Ostern

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  5. also wozu die aufregung?! über langzeitschäden kann man sich ja schließlich immer noch gedanken machen, wenn sie aufgetreten sind?!

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  6. O Ton meines Pharmakologie Professors:
    „Wir haben früher unseren Kindern immer Atosil Tropfen (Anmerkung: Sehr starkes Neuroleptikum für z.B Schizophrenie Kranke) gegeben, bevor wir ins Theater gefahren sind!“
    Entsetzte Blicke unter den Pharmazie Studenten.

    „Was gucken Sie denn so? Die Kinder sind heute erwachsen und sehr erfolgreiche Ärzte.“

    Ich werde meinen Kindern sowas nicht geben!
    LG

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      1. Hallo Pharmama,
        Ich habe eben noch mal geschaut, Atosil ist = Promethazin. Das gibt es sicher auch in der Schweiz oder?
        LG

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        1. Es gab den Hustensaft Rhinathiol Promethazin – aber der ist seit letztes Jahr ausser Handel (Kombinationen von Hustenlösern und Hustenstillern sind nicht gerne gesehen von der swissmedic – irgendwie machen sie auch keinen Sinn) und das war das letzte Präparat mit Promethazin. Also: nein. Gibt es nicht (mehr).

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    1. Promethazin (Atosil) ist kein Neuroleptikum, denn es hat keinerlei tatsächliche antipsychotische Wirkung. Höchstens die sedierende Wirkung kann bei einer Psychose günstig sein, das macht es aber nicht zu einem Neuroleptikum/Antipsychotikum. Lediglich seine Molekülstruktur ist ähnlich der einiger Neuroleptika. Würde man es allein deshalb mit zu den Neuroleptika rechnen, wäre es das Schwächste, da in vivo keinerlei Dopamin-antagonistische Wirkung festzustellen ist.
      Es wirkt lediglich antihistaminerg, anticholinerg, antiserotonerg, membranstabilisierend und als Alpha-Rezeptoren-Blocker.
      Obwohl somit pharmakodynamisch recht ’schmutzig‘, ist es in der Praxis ein gutes und verträgliches Mittel zur Beruhigung, zum Schlafen und bei Übelkeit.

      Im Übrigen ist der Einsatz wirklicher, niederpotenter Neuroleptika als Schlafmittel äußerst gängig. Chlorprothixen, Levomepromazin, Pipamperon etc.

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    1. Ja, bei direktem Wunsch nach Fenistil Tropfen sollte man hellhörig werden. Antihistaminika gibt es deutlich bessere, aber gerade als Tropfen sind die Fenistil unter genervten Eltern sehr beliebt. Ich hätte fast kein Problem damit, wenn man das einmal in einer Ausnahmesituation so nutzt, aber der Schritt zur Nutzung als ständige einfache Lösung ist zu kurz.

      @Pharmama: Glückwunsch natürlich zum 2. Bloggeburtstag! Es folgen hoffentlich noch viele weitere.

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  7. Also als wir noch in der Schweiz wohnten haben wir auch einmal von der Kinderärztin die Atosilhustentropfen bekommen – ja , die haben das Töchterchen abgeschossen.

    Ich oute mich hier, Ich habe meinen einen Kind auch schonmal Fenistil gegeben- ganz ehrlich. Aus der Not heraus und es war damals eine ziemliche Not. Alleinerziehend, Kind eins 2 3/4 Jahre alt das zweite damals ein halbes Jahr alt, es gab eine zeit über mehrere Monate wo ich keine Nacht über 3 Stunden Schlaf kam. zerstückelt wohlgemerkt. Kinderschlafambulanz war ratlos, Kinderarzt ebenso, Pflanzliche Produkte, Fußbad, Heiße Milch…… alles probiert. Ich hätte die Kinder vermutlcih sonst aus dem Fenster geschmissen oder so. Ich hab es 2 oder 3 Mal gegeben, dabei sofort gemerkt, daß das Kind zwar schnell einschläft, nach einer 3/4 Stunde war es wieder wach und unglaublich quengelig.

    Ich würde es nicht mehr geben, war mir als Ärztin auch des off-label- use bewusst, aber ich hatte es damals als eine Art „Rettungsring“ in der Hand, und der Glauben, im Notfall das Kind zum Schlafen bringen zu können, hat wahrscheinlich mehr gebracht als die tatsächliche Wirkung von der ich ja dann doch nicht sehr überzeugt war.

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  8. In Deutschland gibt es noch Präparate mit Diphenhydramin, die als Schlafmittel für Kinder (ab 6 Monaten) explizit zugelassen und lediglich apothekenpflichtig sind.

    Finde zwar auch, dass man Kindern nicht leichtfertig Schlafmittel einflößen sollte, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es Situationen gibt, wo es gerechtfertigt sein kann. Auf jeden Fall ist es besser, wenn es dafür ein vergleichsweise harmloses, pharmazeutisches Präparat mit genauer Dosierungsmöglichkeit/-anleitung gibt, als dass die Leute, die das ohnehin machen wollen, noch gezwungen sind, Schlafmittel für Erwachsene ohne Wissen über die Dosierung zu verabreichen, oder wie in diesem Fall andere Präparate komplett offlabel einsetzen, oder gar zu irgendwelchen gefährlichen Hausmittelchen wie Milch mit Mohn greifen.

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    1. Eine Frage was ist jetzt wirklich das Problem mit Mohnsamen, in denen sind so weit ich weiß keine nennenswerten Mengen an berauschenden Alkaloiden enthalten? (Die sind in den Kapseln). Milch mit Mohn müsste wohl eher die Mohnmilch sein…. und das ist der milchige opiathältige Saft der Pflanze.
      Dürfen Kleinkinder jetzt keinen Mohnstrudel / keine Mohnnudeln mehr essen?

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      1. Mohnsamen sollten wirklich nur Spuren von Alkaloiden enthalten, aber dem ist nicht immer so. Siehe: http://www.bfr.bund.de/cd/7409
        Das kann sehr unterschiedlich sein. Der Artikel ist von 2006, inzwischen dürfte sich die Situation gebessert haben.
        Aber dass Kleinkinder nicht gelegentlich Mohnnudeln oder Mohnstrudel mehr essen sollen, wäre vielleicht etwas übertrieben. Dann müsste man fast auch aufhören, Bananen zu geben – reif enthalten die doch eine gewisse Menge Alkohol …

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  9. ich wusste gar nicht dass es Fenistil auch als Tropfen gibt, ich kannte nur die Salbe (macht die auch müde? ist mir noch nicht aufgefallen)
    Wieder was dazu gelernt. Wozu braucht man denn korrekterweise die Tropfen? Wenn man eine Allergie hat?

    Ich mache bei beiden Kindern die Erfahrung, dass sie wunderbar schlafen, wenn sie früh genug und bei der Großen mit entsprechenden Ritualen (umziehen, kakao, sandmann) ins Bett gepackt werden.

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    1. Nein, die Salbe (eigentlich das Gel) wird nicht genug aufgenommen, dass man systemische (also im ganzen Körper) Nebenwirkungen hat – ausser vielleicht man verbraucht grad ein paar Tuben auf einer sehr grossen Hautfläche.
      Die Tropfen sind – wie im Post geschrieben) gegen Juckreiz, Ausschlag und derartiges bei Allergien oder Windpocken.

      Und das mit den Schlafritualen: das stimmt unbedingt! Es braucht halt einfach einen Mehraufwand und man muss es durchziehen.

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      1. ich find das gar nicht mehraufwand. das kind wird einfach nur tagtäglich zur gleichen zeit umgezogen und es schaut jeden tag den sandmann, trinkt dabei jeden tag noch einen kakao und danach gehts ins bett. zudecken (geschichte lesen mag sie (noch) nicht) gute nacht sagen, tür zu. sie erzählt und singt noch in ihrem bett und dann ist ruh.

        das ritual ist kein aufwand sondern einfach nur immer das gleiche. und man muss kinder ins bett stecken wenn ihre zeit ist und nicht, wenns den eltern passt. letzten spätsommer sah ich jeden abend ein paar mit etwa 2jährigem kind um 21:30 vorbeischieben. das kind schrie jeden abend aus leibeskräften und machte für meinen geschmack einen totmüden eindruck. im bett wäre sie wohl glücklicher gewesen aber dann müsste ein elternteil daheim bleiben oder einen babysitter bezahlen. ein dilemma wie es scheint.

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        1. Es gibt bei Kindern sonne und solche; meine Tochter schlief überall… und schläft noch heute gern und viel. Der Sohn dagegen nicht, der braucht Rhythmus.
          Manche Berufe machen es einem auch schwer, einen geregelten Rhythmus einzuhalten – meiner zum Beispiel. Wenn dazukommt, daß in Frankreich keine Elternzeit bezahlt wird…

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