Bin ich denn die Krankenkassenangestellte?

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„Sie müssen mir einen Vorbezug machen, mein Baby zahnt!“

Ja. Wow. Das machen Babies so. Die meisten sogar ohne Probleme, ein paar speicheln und kauen auf allem was sie in den Mund bekommen können herum und noch ein paar bekommen Rötungen, reagieren mit Unruhe und eventuell Fieber.

Wenn das Fieber ein Problem ist oder es wirklich Schmerzen haben sollte, habe ich etwas – Paracetamolzäpfchen kosten nicht mal 3 Franken die Packung.

Aber dafür … rufe ich nicht den Arzt an (kostet 80 Rappen), verlange dass er ein Rezept ausstellt (kurze Telefonische Beanspruchung: das verrechnet er der Mutter oder der Krankenkasse dann mit mindestens CHF 8.60), uns das per Fax schickt (80 Rappen), ich gebe das alles bei uns im Computer ein, UND muss das wahrscheinlich auch noch selber mit der Krankenkasse abrechnen (Arbeitszeit, einschicken etc.). Nur damit die Krankenkasse das dann – weil der selber zu bezahlende Anteil (die Franchise) nicht erreicht ist- wieder der Patientin in Rechnung stellt (auch wieder Arbeitsaufwand, diesmal von der Krankenkassenangestellten und Porto).

Aber Fieber war nicht mal das Problem – sie wollte dringend homöopathische Zahnungskügeli.

Okay – das zahlt die Krankenkasse gar nicht. Rezept oder nicht Rezept. Noch ein Grund weniger, dass ich dafür den Arzt anrufe und eines verlange. Auch wenn das mit 12 Franken teurer ist. Eine Krankenkasse ist eine Versicherung und keine Bank – und ich bin keine Angestellte der Krankenkasse sondern eine medizinische Fachperson.

Und wenn ich denke, wie lange das gebraucht hat, der anspruchsvollen Mutter das zu erklären, weshalb sie das selber kaufen kann (und muss, wenn sie es will), dass auch im Gesundheitssystem nichts „gratis“ ist und der Aufwand hier in keinem Verhältnis steht zu dem was rauskommt (Am Ende bezahlt sie es dann ja trotzdem selber) …  Puh.

Ein schönes Wochenende Euch, liebe Leser! Nützt Eure Frei-Zeit sinnvoll, wenn ihr nicht arbeiten müsst.

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Eines für alles – Multitalent Cortison

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Die Mutter reicht mir ein Rezept vom Hautarzt für ihr Kind, ein kleines Mädchen. Ich suche die Sachen zusammen und schreibe es entsprechend den Vorgaben des Haut-Arztes an:

Clarelux Schaum – 1 x täglich auf Stellen der Kopfhaut auftragen.

Dermovate Salbe – 1 x täglich auf Stellen an den Beinen auftragen.

Optiderm Creme – 2-3 x täglich auf die Beine auftragen (nach Diprogenta).

Ich erkläre ihr die Produkte und die Anwendung bei der Abgabe.

Alles gut und sie geht.

Ich ziehe mich ins Büro zurück um ein paar verwaltungstechnische Sachen zu erledigen (Arbeitspläne schreiben gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, muss aber auch erledigt werden). Ich gehe mit Konzentration an die Sache weshalb ich die Zeit nicht sagen kann, die vergangen ist, als auf einmal unser Drogist Urs vor mir steht:

Urs: „Du hattest doch vorher eine Patientin mit dem da.“

Er zeigt mir den Schaum und die Dermovate Salbe

„… und jetzt ist der Vater da und hat eine Frage.“

Hmm, seltsam. Ich dachte eigentlich, das war ein ziemlich einfaches und deutliches Rezept und ich habe doch alles auf die Dosierungsetikette geschrieben …?

Ich gehe nach vorne.

Der Vater deutet auf die Produkte unter meiner Nase: Dermovate und Clarelux

Vater: „Da steht drauf, das ist für den Kopf.“

Pharmama: „Ja?“

Vater: „Und da steht drauf, das ist für die Beine.“

Pharmama: „Ja.“ (?)

Vater: „Aber das kann nicht sein.“

Pharmama: „Weshalb?“

Vater: „Da ist bei beiden dasselbe drin.“

Das stimmt sogar, bei beiden ist es Clobetasol – wie das neu ja auch schön gross auf der Packung steht. Ein Cortison.

Pharmama: „Ja. Und?“

Vater: „Aber sie hat verschiedene Sachen auf dem Kopf und an den Beinen, das ist nicht dasselbe.“

Pharmama: „Für was braucht sie es auf dem Kopf?“

Vater: „Sie hat so Haarausfall an runden Stellen.“

Pharmama: „Ja – kreisrunder Haarausfall, das ist auch für das.“

Vater: „Und an den Beinen hat sie an einer Stelle so rote, schuppige Haut.“

Pharmama: „Ja, wahrscheinlich ein Ekzem? Das ist auch dafür.“

Vater: „Aber … kann das sein?“

Pharmama: „Ja. Der Wirkstoff ist ein Cortison.“

(geschockter Blick vom Vater – wieso ist das immer noch so verrufen? Ich kenne keinen einzigen Fall in den bald 20 Jahren Apotheke, der von Kortison aufgetragen oder gar eingenommen üble Nebenwirkungen gehabt hätte. Und trotzdem ist das noch so in den Köpfen der Leute.).

„Das ist ein sehr wirksames Mittel gegen alle Arten von Entzündungen und Hautveränderungen aufgrund vieler Ursachen.“

Vater: „Dann ist das wirklich gegen beide Probleme – derselbe Wirkstoff?“

Pharmama: „Ja. Und es sind verschiedene Mittel, da man Salbe nicht so gut in die Haare schmieren kann: das verfettet alles, deshalb ist das eine ein Schaum.“

Vater: „Okay … Tut mir leid für die Störung!“

Pharmama: „Kein Problem.“

Er nimmt die Produkte und geht wieder.

 

Jaaa … Hautärzte. Die verschreiben sehr gerne Kortisonhaltige Mittel … ich meine, ich versteh’s ja. Ein Multitalent und sehr wirksam mit meist schnellem Effekt. Vielleicht sollten sie es aber noch ein bisschen besser erklären, was sie da verschreiben.

Ein sehr genaues Rezept

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rpzugenau

Ein Rezept vom letzten Monat. Sehr nett finde ich, wie der Arzt nicht nur das Geburtsdatum sondern auch das Gewicht des Kindes aufgeschrieben hat – das erleichtert einem doch sehr, die Dosis zu kontrollieren.

Trotzdem gibt das noch etwas zu rechnen. Die Packungsbeilage von Algifor Sirup sagt:

Die übliche tägliche Dosierung beträgt 20 bis 30 mg Ibuprofen pro kg Körpergewicht, aufgeteilt in 3–4 Dosen, ohne 30 mg pro kg Körpergewicht zu überschreiten.

Das heisst 30 (mg) x 32.9 (kg KG) = 987 mg

in 5ml Algifor Sirup sind 100mg enthalten,

das heisst in 16.5ml (3-Satz): 330mg. Das sind (x3) 990mg pro Tag – damit sind wir bei der empfohlenen (oberen) Dosis. Ziemlich genau sogar.

Und jetzt kommt mein Problem: Wie misst der Patient (respektive die Eltern) das ab? Die Algifor Packung, die die Krankenkasse bezahlt kommt nämlich nur mit einem Dosierlöffel, der 5ml und 2.5ml abmessen kann:

Für die Dosierung ist der Packung ein Doppel-Messlöffel beigefügt; der kleinere Löffel entspricht 2,5 ml (= 50 mg Ibuprofen), der grössere entspricht 5 ml (= 100 mg Ibuprofen).

Da kann der Arzt (und ich) noch so genau rechnen … abmessen lässt sich damit nur 15ml (3 grosse Löffel) oder 17.5ml (3 grosse plus ein kleiner Löffel) …

Natürlich muss das nicht so genau sein – das Kind kommt mit 15ml wahrscheinlich genau so gut aus … aber mache das mal den Eltern klar. Inzwischen habe ich mir Dosierspritzen angeschafft für diese Fälle (die auch bei Antibiotikasirup vorkommen) und die ich mit abgebe. Die kosten nur 50 Rappen und sind wiederverwendbar.

Aber ich frage mich immer noch: weshalb konnten sie das nicht grad der Packung beifügen? Ist so ein Löffel wirklich eine derartige Ersparnis?

In der Apotheke unbeliebte Sätze

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Sieht-das-nach-Laeusen-aus

„Sieht das für Sie nach Läusen aus?“ – kurz bevor man den Haarschopf vom Kind unter der Nase hat … oder alternativ ein Plastiksäcklein mit Krabbelgetier drin.

Kennt ihr das auch?  Was ist euer unbeliebter Satz?

Nicht Kind.

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Ein etwas komplizierter Fall – erschwert noch durch die Sprachbarriere.

Mann, etwa 50, verlangt bei mir in der Apotheke kurz und bündig: „Dafalgan Sirup“

Ich bringe ihn.

Pharmama: „Wie alt ist das Kind?“

Mann: „Nicht Kind. Frau.“

Pharmama: „Oh – das ist ein Sirup hauptsächlich für Kinder. Hat die Frau Probleme mit Schlucken?“

Er schaut etwas verständnislos.

Pharmama: „Für was braucht sie es?“

Mann: „Schmerzen.“

Okay – da liegen wir schon richtig.

Pharmama: „Kann sie keine Tabletten nehmen? Sie muss sonst ziemlich viel Sirup nehmen, damit das wirkt …“

Er wehrt ab: „keine Tabletten. Sirup.“

Nun, denn.

Pharmama: „Brausetabletten vielleicht? Die für ins Wasser?“

Er winkt ab.

Als ich den Sirup einlesen will fragt er: „Das gut gegen Zahnentzündung?“

Worauf ich es wieder hinstelle.

Pharmama: „Sie hat Zahnschmerzen?“

Mann: „Ja, Zahnentzündung.“

Pharmama: „Das ist nur gegen Schmerzen, nicht gegen Entzündung.“

(das ist Paracetamol)

Mann: „Nicht gegen Entzündung?“

Pharmama: „Nein. Nur Schmerzen.“

Mann: „Was ist gegen Entzündung?“

Und flüssig? Ich überlege, dann greife ich mir den Algifor Sirup.

Pharmama: „Das ist gegen Entzündung und Schmerzen. Und es ist flüssig.“

„Nein.“ meint er „– das haben wir. Dafalgan speziell für Zähne. Nicht?“

„Nein.“, sage ich (langsam habe ich den Verdacht, dass ihm jemand gesagt hat, das Dafalgan werde beim Zahnen benutzt und darum … aber er hat ja gesagt: nicht Kind?)

Pharmama: „Das Algifor ist stärker. Und wenn ihre Frau Zahnschmerzen hat, muss sie zum Arzt. Das geht nicht von alleine weg.“

Er nickt und geht.

Au.

Kinder, Kinder. (Und Eltern) -Sampler

3

Mit Babies, Kindern und deren Eltern haben wir in der Apotheke häufig zu tun. Hier eine kleine Übersicht über Beiträge dazu auf dem Blog:

Ich glaube nicht, das ist nötig (Intimwaschmittel)

Baby ..was? (das auch nicht)

Zur Frage warum französische Kinder kaum ADHS haben.

… ihr wisst schon: Aufmerksamkeits-Defizinits-Hyperirgendwas

Nichts für Kinder (Nicht nur Medikamente)

Arzneimittel für Kinder (oder eben nicht)

Gratuliere! Es ist ein Kind

Kindergift (Nein, darin geht es nicht um Abortionsmittel)

So sollte man damit umgehen: Kind + Medikament = Vorsicht!

Kinder und Fieber

Überraschungskinder

über Kindersichere Verschlüsse

Kinderdosierung (bei Augentropfen?)

Muss das wirklich sein? Ja – ich rufe den Arzt an wenn Dosierungen ungewöhnlich sind.

Geht etwas um? Immer.

Bitte nie mit dem Arzt drohen.

Die Apotheke: kein Spielzimmer

Dazu gehört auch: Babysitter Kaufhaus.

Was einem über Babies nicht gesagt wird

heisse Suppe (ein Baby-Notfall)

noch ein Notfall (nicht ganz so tragisch)

Schreck-lich (Abschreckend)

Mundraub – im wahrsten Sinne

Immer aufmerksam bleiben „fast“ richtig gibt es nicht in der Apotheke.

Drastische Massnahmen bei einem Baby mit Blähungen

OMG – die Vicks-Zäpfchen-Saga

Allergielos (und Ahnungslos)

Nein, das wird nichts wichtiges rausziehen

So aber nicht – Babynahrung-bestellung

 

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

1

Der Vater bringt mir ein Rezept vom Kinderarzt zusammen mit einem Blatt von der Krankenkasse – zur Bescheinigung der Versicherung. Darauf steht, dass die Krankenkasse bestätigt, dass (Kind ABC)  bei ihnen ab dem 1. Versichert ist.

Normalerweise gibt es dafür die Krankenkassenkarte – aber bei neuen dauert das etwas, bis die versendet wird. Hier handelt es sich um ein Kind, jetzt etwa 2 Monate alt.

Es ist der Erste des Monats, das Rezept ist von vor ein paar Tagen. Wahrscheinlich hat der Vater gewartet mit dem einlösen, bis er den Bescheid mitbringen konnte. Es ist auch nichts lebenswichtiges auf dem Rezept, bloss Schmerz-und Fieberzäpfchen, Vitamin D Tropfen, und Hustenzäpfchen.

Mein Problem ist, dass die Hustenzäpfchen per Zusatzversicherung bezahlt werden. Und dass ich die Versicherungsdeckung bei jeder Abgabe überprüfen muss – also theoretisch an dem Tag, wo das bezogen wird. Ein Blatt Papier wo drauf steht, dass man „voraussichtlich“ dann versichert ist, reicht dafür leider nicht. Auch die sogenannte Covercard-Nummer, mit der ich die Abfrage innert ein paar Sekunden via Internet machen kann steht da nicht drauf.

Also sage ich dem Vater, dass ich erst nachfragen muss bei der Krankenkasse, wie das mit der Deckung aussieht.

Ich rufe also da an – und höre den klassischen Spruch „Dieses Gespräch kann zu internen Trainingszwecken aufgezeichnet werden.“

Ein Opt-out ist da nicht möglich und ich hoffe in dem Fall ernsthaft, dass sie das noch einmal angehört haben, denn ich war mit dem Gesprächsverlauf doch … eher unzufrieden.

Pharmama: „Hallo hier ist Pharmama’s Apotheke, Pharmama am Telefon. Ich hätte gerne die Deckung für einen von ihren Kunden.“

Krankenkassenangestellte (KraKa): „Die Deckung kann ich ihnen nicht sagen, aus Datenschutzgründen, aber die Nummer.“

Pharmama: (leicht irritiert): „Sie können mir als Apotheke die Deckung nicht sagen?! Na, okay, wenn ich die Covercardnummer habe, dann kann ich das auch selber nachschauen. Was brauchen Sie von mir?“

KraKa: „Wie heisst der Patient?“

Ich nenne den Namen.

KraKa: „Und das Geburtsdatum?“

Ich nenne auch das – das ist auf dem Rezept und dem Anmelde-Blatt der Krankenkasse drauf.

KraKa: „Oh. Ja. Der Patient hat noch keine Karte.“

(Jaha! Deshalb rufe ich ja an!).

„… ich kann ihnen deshalb die Nummer nicht sagen.“

Pharmama: (jetzt wirklich etwas ärgerlich): „In dem Fall brauche ich die Deckung.

KraKa: „Die kann ich Ihnen nicht geben.“

Pharmama: „Und was sage ich jetzt dem Patienten, respektive dem Vater der hier ist und Medikamente braucht?“

KraKa: „Sagen Sie ihm, er soll das bezahlen und uns einschicken. Er bekommt es dann innert 2 Wochen zurückerstattet.“

Pharmama: „Damit wird er nicht zufrieden sein.“

KraKa: „….“

Er hat es dann bezahlt – das ganze Rezept … Nun, er war nicht zufrieden, aber immerhin handelte es sich hier nur um gerade mal 15 Franken. Und wahrscheinlich hätte er für sein 2 Monatiges Kind auch schon eine Krankenkassenkarte haben können … wenn es rechtzeigtig angemeldet hätte.

Theoretisch hätte ich davon ausgehen können, dass er zumindest grund-versichert ist (das ist ja obligatorisch hier). Dann hätte ich das trennen können – einen Teil zum bezahlen, einen Teil wo ich später noch einmal anrufen muss wegen der Versicherungsdeckung damit ich das dann direkt abrechnen kann. Für seinen zu bezahlenden Teil hätte ich dann noch eine Kopie machen müssen und die Quittung anhängen – und er hätte dann nur den Teil einschicken können. Aber der Mehraufwand auch noch dafür … nö.

Im übrigen: Das ist mir neu, dass sie mir die Deckung nicht nennen können. Ich hatte schon Kassen die blöd gemacht haben wegen der Adresse des Patienten, die sie (aus irgendeinem Grund) nicht auf der Krankenkassenkarte gespeichert hatten und die aber verlangt wird, wenn man das abrechnen will bei eben der Krankenkasse … Catch 22 sozusagen. Und doof für den Patienten. Datenschutz ist wichtig … aber hier wird er irgendwie vorgeschoben.

Liebes Kind … bist Du zufrieden mit Deiner Figur?

42

Das „Medizini“ ist die Zeitschrift, die in Deutschlands Apotheken für Kinder. Das „pfiffige monatliche Postermagazin für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren … klärt Kinder auf spielerische, altersgerechte Art über ihren Körper und ihre Gesundheit auf. – bei uns in der Schweiz ist das die Junior. Normalerweise ein herziges Heftchen mit Tierpostern … aber diesen Januar werden sich wohl einige Apotheken weigern, es aufzulegen.

Apothekerin und Ernährungsberaterin Kossendey hat etwas losgetreten, als sie auf ihrer Facebook-Seite auf einen Artikel in der Januar-Ausgabe aufmerksam gemacht hat. Diesen hier:

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… habe ich heute morgen mit dem Chefredakteur der Medizini telefoniert, dem Herrn Harald Lorenz. Er erklärte mir, dass dieser Test helfen soll, dass die Kinder ihr Selbstbild besser verstehen und man versuche, mit diesem Test gefährdete Kinder vor der Magersucht zu retten. Das Thema sei längst in der Schule und man versuche, die Kinder da abzuholen.
Ich habe selber drei Töchter und zwei sind in der zweiten Klasse der Grundschule. Das Thema „Abnehmen“ ist leider schon im Kindergarten präsent, eine meiner Töchter kam mit 4 Jahren nach Hause und fragte mich, wie sie Diät machen könne, ein Kind habe zu ihr gesagt, sie sei zu dick. Aber ist es nicht unsere Aufgabe als Eltern und Erwachsene, den Kindern klar zu machen, dass gesunde Ernährung wichtig ist, aber die Figur keine zentrale Rolle spielt? Gerade bei Kindern, deren Körper sich noch ständig durch Wachstumsschübe verändert? Wie kann ich als Kindermagazin mit dieser Zielgruppe diesem Thema so viel Raum geben?

Natürlich sollte man das Gewicht im Auge behalten und gegebenenfalls eingreifen können … egal in welche Richtung das geht. Als Eltern – denn in dem Alter hängt das Ernährungsverhalten noch hauptsächlich von denen ab. Aber in einem Heft, als „Test“ so etwas zu thematisieren halte ich auch für bedenklich. Viele haben schon ein eher unsicheres Bild von sich selber – und so Suggestiv-Fragen halte ich da auch für bedenklich. Ich hatte selber eher das andere Problem, mich schimpfte man einen „Sprenzel“, da sehr dünn – aber auch da: derartiges zu der Zeit zu lesen … umm, nein.

So wundert es nicht, dass sich andere Apotheken Frau Kossendey angeschlossen haben und diese Ausgabe nicht auflegen werden.

was haltet ihr davon?

 

Basteln mit Junior: Gewürzsalz

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Alle Verwandten und Göttis bitte weglesen, denn das gibt das diesjährige Weihnachtsgeschenk (oder zumindest einen Teil davon.

Dafür braucht man:

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Liste für 10 Portionen:

  • 10 leere Gewürzmühlen z.Bsp die von aTTack1 – wir haben blaue genommen, aber die gibt es in verschiedenen Farben.
  • grobes Salz ca 200g (ich hab Himalayasalz genommen)
  • Rauchsalz ca 100g – das war eine echte geschmackliche Entdeckung. Das muss rein!
  • Pfefferkörner ca. 150g: bunt gemischt und Malabar-Pfeffer
  • Rosmarin 2 Handvoll: aus dem Garten (getrocknet und zerkleinert) und gekaufter
  • Senfkörner ganz, 100g
  • Paprikaflocken 100g (Nein, nicht Chili: das sollte Kindergerecht bleiben, darum die sanftere Variante)
  • Knoblauchflocken ca 50g (meiner mag das – zumindest in kleinen Mengen)
  • Orangenblüten, ca. 50g – die gibt es (wie einige der Sachen oben auch direkt in der Apotheke) etwas speziell in einer Würzmischung, aber passt gut.

Alles zusammen in einen grossen Topf geben und mischen (lassen)

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gleichmässig in die Gewürzmühlen einfüllen: wir haben einen improvisierten Trichter aus einem Blatt Papier zu Hilfe genommen, da mancher Inhalt etwas zu gross für die normalen Haushaltstrichter war.
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Man könnte natürlich die Knoblauchflocken und Orangenblüten und den Rosmarin vorher noch kleiner machen, aber die Gewürzmühle mahlt das Problemlos, es sieht besser aus … und theoretisch halten die grossen Stücke auch den Geschmack länger. Das sieht dann so aus:
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Für die Mühlen braucht es natürlich noch  eine Etikette. Junior hat einen Teil davon geliefert, den Rest habe ich auf dem Computer zusammengestellt:
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noch auf die Würzmühlen aufkleben … und fertig:

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Sieht ganz ordentlich aus und schmeckt noch viel besser. Geht für Fleisch, Fisch, Gemüse, Raclette … einfach alles.  Inzwischen haben wir das Gewürzsalz selbst ausgiebig getestet an uns und an Juniors Klassenkameraden und das kam sehr gut an. Tatsächlich wollen die jetzt das alle als Geschenk, aber … das ist eine „limited edition“.

By proxy?

21

Im Computerdossier des Kindes dessen Rezept ich vor mir habe, ist schon ein Kommentar, der darauf hinweist, dass das Kind nach der letzten Infektion und Behandlung einen Rückfall gemacht hat … und dass es da schon ziemlich lange krank war. Jetzt ist es nur 2 Monate später und die Mutter steht wieder da mir einem Rezept für ein Antibiotikum.

Ein neues diesmal: Bactrim Sirup.

Und das macht mir jetzt ein bisschen Probleme: Der ist ausser Handel. Recht erfreut bin ich, dass wir aber noch einen an Lager haben – so dass die Behandlung gleich beginnen kann. Und dass es noch ein Generikum gibt, damit wir die Behandlung lange genug weiter führen können.

Ich schreibe das Mittel an, erkläre der Mutter die Anwendung, zeige ihr, wie das mit dem Löffel geht: untere Rille entspricht 5ml … dass es wichtig ist, das regelmässig (morgens und abends) und lange genug zu geben und gebe ihr den Abholzettel mit für den Nopil Sirup, damit die Behandlung auch wirklich lange genug weiter geführt werden kann.

Die meisten Eltern holen Medikamente wie Antibiotika die bestellt werden müssen sehr bald ab. Bei der hier dauerte es länger.

Was für uns in dem Fall übrigens noch gut war, denn wie sich herausstellte war es inzwischen so, dass auch der Nopil Sirup in der Schweiz ausser Handel gegangen ist. Genau an dem Tag, an dem ich ihn gebraucht hätte! Und bestellbar ist er auch nicht mehr. Damit gibt es in der Schweiz keinen Sirup mit Sulfamethoxazol und Trimethoprim (=Cotrimoxazol) mehr. Aus, fertig. Nur noch Tabletten, und die kann man einem etwa 4 Jährigen Kind nicht geben.

Mir blieb so nicht viel anderes übrig, als den Cotrim Sirup aus Deutschland zu besorgen.

Und dann kommt niemand die Packung abholen. Jedenfalls nicht zu dem erwarteten Zeitpunkt an dem die alte Packung fertig sein müsste.

Dafür kam ein Telefonanruf der Mutter … sie wollte wissen, wie schlecht es ist, wenn sie das gelegentlich abends nicht gegeben hat. Anscheinend hat sie mein „regelmässig morgens und abends“ so verstanden, dass wenn sie den Sirup nicht zur gleichen Zeit abends (ca. 7 Uhr, Nachtessenzeit) geben konnte, ihn dann einfach ganz weggelassen hat, weil es „zu spät“ dafür war. Argh! Das habe ich garantiert nicht mal ansatzweise so gesagt. Aber es erklärt, weshalb er so lange gereicht hat.

Man instruiert sie noch einmal über die korrekte Anwendung – ja, auch abends, auch wenn es eine oder 2 Stunden später ist, Hauptsache, sie nimmt es … und dass da noch die 2. Flasche bei uns ist zum abholen, damit man es lange genug geben kann.

Dann kommt sie sie abholen, nur um ein paar Tage später anzurufen: Sie brauche noch eine Packung.

Leichte Verwirrung auf unserer Seite: Was jetzt? wieso? Nach unserer Berechnung müsste diese 2. Flasche reichen.

Stellt sich dann heraus, dass sie von sich aus entschieden hat statt der unteren Rille im Löffel beim neuen jeweils den ganzen Löffel (also effektiv 10ml) zu geben, weil das andere zu kompliziert wurde (?)

Gut – sie hat Glück. Bei dem Medikament ist eine solche „Überdosierung“ nicht so ein Problem. Aber es ist nicht so, wie sie es anwendenden soll. Schon wieder nicht.

Also – ja, man bestellt noch eine Packung und erklärt noch einmal die korrekte Anwendung und gibt diesmal auch noch extra eine Dosierungsspritze mit ab – damit das Löffelproblem garantiert nicht mehr auftritt.

Aber jetzt mal ehrlich: nach all dem verstehe ich besser, weshalb das bei dem Kind so lange nicht besser wird. Ein bisschen tragisch ist das auch. Der Mutter fehlt es irgend an etwas, damit die Behandlung auch wirklich klappt – und bei Kindern ist der Behandlungserfolg halt vor allem davon abhängig, wie die Eltern mit involviert sind.

Ob da wirklich das Problem schon – wie ich im Titel andeute – ein Münchhausen by proxy ist, oder ob das einfach eine gewisse Unfähigkeit der Mutter ist … ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich das sehr gut im Auge behalten werde.