Bin ich denn die Krankenkassenangestellte?

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„Sie müssen mir einen Vorbezug machen, mein Baby zahnt!“

Ja. Wow. Das machen Babies so. Die meisten sogar ohne Probleme, ein paar speicheln und kauen auf allem was sie in den Mund bekommen können herum und noch ein paar bekommen Rötungen, reagieren mit Unruhe und eventuell Fieber.

Wenn das Fieber ein Problem ist oder es wirklich Schmerzen haben sollte, habe ich etwas – Paracetamolzäpfchen kosten nicht mal 3 Franken die Packung.

Aber dafür … rufe ich nicht den Arzt an (kostet 80 Rappen), verlange dass er ein Rezept ausstellt (kurze Telefonische Beanspruchung: das verrechnet er der Mutter oder der Krankenkasse dann mit mindestens CHF 8.60), uns das per Fax schickt (80 Rappen), ich gebe das alles bei uns im Computer ein, UND muss das wahrscheinlich auch noch selber mit der Krankenkasse abrechnen (Arbeitszeit, einschicken etc.). Nur damit die Krankenkasse das dann – weil der selber zu bezahlende Anteil (die Franchise) nicht erreicht ist- wieder der Patientin in Rechnung stellt (auch wieder Arbeitsaufwand, diesmal von der Krankenkassenangestellten und Porto).

Aber Fieber war nicht mal das Problem – sie wollte dringend homöopathische Zahnungskügeli.

Okay – das zahlt die Krankenkasse gar nicht. Rezept oder nicht Rezept. Noch ein Grund weniger, dass ich dafür den Arzt anrufe und eines verlange. Auch wenn das mit 12 Franken teurer ist. Eine Krankenkasse ist eine Versicherung und keine Bank – und ich bin keine Angestellte der Krankenkasse sondern eine medizinische Fachperson.

Und wenn ich denke, wie lange das gebraucht hat, der anspruchsvollen Mutter das zu erklären, weshalb sie das selber kaufen kann (und muss, wenn sie es will), dass auch im Gesundheitssystem nichts „gratis“ ist und der Aufwand hier in keinem Verhältnis steht zu dem was rauskommt (Am Ende bezahlt sie es dann ja trotzdem selber) …  Puh.

Ein schönes Wochenende Euch, liebe Leser! Nützt Eure Frei-Zeit sinnvoll, wenn ihr nicht arbeiten müsst.

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19 comments on “Bin ich denn die Krankenkassenangestellte?

  1. BayernChris sagt:

    …ist Festnetz in CH sooo teuer? 80 Rappen für ein kurzes Telefonat/Fax? Ich kann ein Fax nach Alaska für 2 Ct. schicken! Nach CH übrigens auch… 😉

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    • Pharmama sagt:

      Kurz? Wenn ich Pech habe, dauert das länger, bis der Arzt ans Telefon geht – oder ich darf den Fax mehrmals schicken, weil nichts kommt. Aber ja. Telefon in der CH ist relativ teuer.

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  2. @Pharmama:
    Also damit die Homöopathie wirklich wirkt, müssen sich halt ALLE so richtig ins Zeug legen. Auch Du! duck&cover

    @BayernChris:
    Hast Du zwei Leitungen? Dann solltest Du Pharmama einen Call-Back-Service anbieten für 40 Rappen…. 😀

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  3. xpistian sagt:

    Wie, in der Schweiz ist man medizinische Fachkraft und nicht Depp vom Dienst der Krankenkassen? Ich wandere aus (oder ein, je nach Sichtweise). Da nehme ich auch die Telephonkosten in Kauf. 😀

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  4. rayne sagt:

    Gäbe es denn überhaupt etwas, dass fürs Zahnen rezeptpflichtig wäre? Wofür man denn einen Vorbezug bräuchte? Eine kurze Recherche (ich gebs zu, wirklich nur kurz) hat ergeben: Alles was ich gefunden habe, ist rezeptfrei. (Und wenn das Kind solche Schmerzen hat, dass weder Paracetamol noch die anderen rezeptfreien Schmerzmittel ausreichen, dann sollte das zurecht einmal der Kinderarzt sehen.)

    Mir fällt zu dem Thema ein Blogeintrag ein. Ein Blogger (ich weiß leider nicht mehr wer) hat darüber geschrieben, wie hervorragend Globuli seinem Kind beim Zahnen geholfen haben, weil es so konzentriert dabei war, mit noch eher schlecht ausgeprägten motorischen Fähigkeiten die kleinen Zuckerkugeln vom Tische aufzusammeln und zu essen, dass es das so abgelenkt war – da war der Zahnungsschmerz fast weg XD

    Falls jemand weiß, um welchen Blogeintrag es sich handelt, bitte verlinken (wenn das ok geht?)

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    • xpistian sagt:

      Zumindest in Deutschland gibt es für Kinder verschreibungsfreie Medikament auch auf Rezept → Eltern müssen weniger bezahlen. Wie das in CH ist, weiß ich nicht..

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      • rayne sagt:

        Stimmt (ich komme auch aus Deutschland). Je nach finanzieller Vorgeschichte einer Familie kann das auch bitter notwendig sein (leider kann ja nicht jeder ungeplante Mehrbelastungen stemmen – und wenns nur 5 oder 10€ sind). Aber ich frage mich trotzdem ob es Wirkstoffe gibt, die fürs Zahnen sinnvoll und rezeptpflichtig sind… hm…

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    • Anya sagt:

      Ich habe das auch gelesen und vermute es beim Kinderdoc, eventuell als Gastbeitrag. Denn so viele Mediziner-Blogs habe ich noch nicht gelesen und Baby-Blogs bewusst gar keine.

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    • Pharmama sagt:

      Nein, gibt es nicht. Da ist alles frei erhältlich.
      Es braucht nur deshalb hier einen Vorbezug, weil die Kundin das nicht zahlen wollte. Dass sie es am Ende dann doch muss …. war ihr egal. Vielleicht hoffte sie darauf, dass das auf dem „Dienstweg“ auch verloren geht? (2 Franken und etwas…)

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      • rayne sagt:

        Entweder war ihr das egal, sie hat deine Argumentation nicht verstanden, hoftt das dass ausversehen trotzdem von der Krankenkasse bezahlt wird oder sie hat dir nicht geglaubt… sonst fällt mir nix mehr ein… (ch kenn die Diskussion, wenn der Chefarzt deiner Fachabteilung keine Krankenkassenzulassung hat – für Rezepte wohlgemerkt.

        Pat.: Krieg ich ein Rezept?
        Ich: Ich kann Ihnen leider kein Kassenrezept ausstellen, dazu müssen Sie noch einmal zum ärztlichen Bereitschaftsdienst. Das dauert aber nicht lange, Sie müssen nur Ihre Krankenkassenkarte durchziehen lassen. Ich rufe schon einmal an, dann ist alles vorbereitet und Sie müssen nicht warten.
        Pat.: Können Sie das nicht machen?
        Ich: Leider nein. Ich darf nur Rezepte zum selber zahlen – also Privatrezepte ausstellen.
        Pat.: Aber meine Freundin hat hier auch ein Rezept bekommen.
        Ich: Entweder bei ärztlichen Bereitschaftsdienst, der sich hier im Krankenhaus ein Zimmer mietet oder bei den Gynäkologen, die dürfen das.
        Pat.: Dann nehmen Sie doch ein Gynäkologenrezept!
        Ich: o.O Ähm… Sie sind ein Mann? Und das wäre trotzdem immer noch nicht erlaubt. Sie müssen wirklich nur mit Ihrer Karte zur Anmeldung gehen der ärztliche Bereitschaftsdienst stellte ganz schnell Ihr Rezept aus. Bis sie bei der Anmeldung sind, liegt das schon vor.
        Pat.: Können Sie das nicht machen?

        Aaaaahhhhhhhhhh!

        Bei mir „im Haus“ war nachdem das Gebäude des ärztlichen Bereitschaftsdienstes nicht mehr bewohnbar war (ich glaub ausgebrannt oder einsturzgefährdet oder beides) der ärztliche Bereitschaftsdienst mit im Krankenhaus untergebracht – direkt neben der Notfallambulanz. Praktisch und unpraktisch zugleich. (Praktisch: Alles was sich mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit in die Notaufnahme verlaufen hat, wurde von der Anmeldung gleich zum ärztlichen Bereitschaftsdienst geschickt. Oder wenn der ärztliche Bereitschaftsdienst etwas unsicher ist (da z.B. zum letzen mal Chirurgie vor 20 Jahren gemacht) ob man das nähen muss oder nicht. Oder oder oder…. Unpraktisch: Gefühlt 90% – in wirklichkeit etwa 10% der Patienten bekommen nicht mit, wo sie jetzt eigentlich waren. Ob in der Notfallambulanz – Unterlagen vom Besuch im System vorhanden – oder beim ärztlichen Bereitschaftsdienst – Unterlagen vom Besuch beim jeweiligen Arzt.)

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  5. Hermione sagt:

    Traumhaft! Dazu empfehle ich gern die Globuli gegen Leichtgläubigkeit. 😀

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