VITH in der Apotheke: das Ende des "Vertreter z'vieri"?

Die VITH ist in Kraft seit dem 1. Januar – und zeigt schon erste (teils unerwartete) Auswirkungen in der Apotheke. Es ist die „Verordnung über die Integrität und Transparenz im Heilmittelbereich„.

Grundsätzlich eine begrüssenswerte Sache, deren Idee es ist jeglichen Einfluss (der Pharmafirmen) auf die Verschreibung und Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten zu eliminieren. Das angestrebte Ziel ist eine Verschreibung, Abgabe und Anwendung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln allein nach objektiven, medizinisch-pharmazeutischen Gesichtspunkten. Nachzulesen ist das hier auf der Seite des BAG: https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20190088/index.html

Das betrifft nicht nur die Ärzte, die verschreiben oder wegen der Selbstdispensation selber Medikamente verkaufen, sondern eben auch die Apotheken – und die Drogerien teilweise (was die Rabatte bei den freiverkäuflichen Mitteln angeht)

Ein paar Begriffserklärungen dazu:

Integrität: Alle RX (=rezeptpflichtigen) Medikamente unterliegen den Integritätsbestimmungen, d.h. die Behandlung mit diesen Medikamenten darf nicht durch finanzielle Vorteile beeinflusst werden.

Transparenz: Alle Rabatte, welche auf Medikamente (RX, OTC = freiverkäufliche Medikamente und Medizinprodukte) gewährt werden, müssen vom Geber und vom Nehmer der Rabatte ausgewiesen werden. Dies gilt gegenüber der Behörde, nicht gegenüber dem Patienten / Kunden.

Weitergabepflicht:  Grundsätzlich müssen Rabatte auf SL-Präparaten und MiGeL Medizinprodukten den Krankenkassen weitergegeben werden. Werden Rabatte ausgehandelt, sind schriftliche Verträge mit den Krankenkassen abzuschliessen, max. 49% der Rabatte könnten vom Leistungserbringer einbehalten werden. Dieser Teil muss zur Verbesserung der Qualität eingesetzt werden, diese Verbesserungen sind zu messen. 

Erkenntnisse daraus (bis Ende Januar):

Ich darf noch OTC mit Rabatten einkaufen und Verträge betreffend Rückvergütung machen, ich muss allerdings alles nachweisbar festhalten und die Dokumente aufbewahren.

Nicht mehr erlaubt sind sogenannte Naturalrabatte: also zum Beispiel: 15/12 = 12 Pflaster einkaufen und 15 bekommen.

Rabatte auf Medikamente und Mittel, die von der Krankenkasse übernommen werden sind theoretisch noch erlaubt, ABER dafür muss man vorher schriftliche Verträge mit den Krankenkassen (allen betroffenen) abschliessen, man darf nur knapp die Hälfte des Rabattes selber behalten, UND der Teil muss dann auch noch zur Verbesserung der Qualität der Behandlung eingesetzt werden UND diese Verbesserung muss nachweisbar sein und dokumentiert werden (wie???). Fakt: Viel zu aufwändig und kompliziert! Das macht ziemlich sicher niemand. Also: Keine Rabatte auf SL Produkte mehr.

Arzneimittelmuster sind nur dazu da, dass die Fachperson damit in der Praxis erste Erfahrungen sammeln kann. Ein Weiterverkaufen ist verboten (logisch), gratis Abgabe an die Kundschaft ist aber erlaubt. (Ich frage mich da, wie das bei den Ärztemustern praktisch mit Rezeptpflichtigen Medikamenten aussieht: auch wenn sie das an den Patienten weitergeben, ist das nicht schon Beeinflussung des Verschreibungsverhaltens?).

Im Gegensatz zum Korruptionsgesetz, wo Vorsatz für eine Strafe nötig ist, werden Verstösse gegen das Integritätsgebot auch bestraft, wenn sie nur fahrlässig begangen wurden (Art. 86 Abs. 4 revHMG). Unwissen schützt hier also nicht vor Strafe. Laut Kommentar zum Gesetz steht da aber auch: „Wann Preisrabatte oder Rückvergütungen einen Einfluss auf die Wahl der Behandlung haben können, kann nicht pauschal gesagt werden. Es muss jeweils im Einzelfall geprüft werden, ob ein Rabatt geeignet ist, die Wahl der Behandlung zu beeinflussen.“ Wir sind also lieber vorsichtig. Vielleicht übervorsichtig.

Erlaubt sind Vorteile (von bescheidenem Wert) die mittelbar oder unmittelbar der Kundschaft zu gute kommen. Unmittelbar wären: Bestandteile der Apothekenausstattung (wie Stuhl, Wasserspender, Kinderspielzeug, Lektüre im Wartezimmer). Mittelbar: Fachliteratur, Weiter- oder Fortbildung mittels elektronischer Medien, Gegenstände, die von der Fachperson im Praxisalltag eingesetzt werden (Fieberthermometer, Computer-Software, Mobiltelefon für den Notfalldienst). 

Nicht erlaubt: Mittagessen zahlen (auch nicht in geschäftlichem Rahmen). Geschenke zum Jahreswechsel (Wein, Eintrittskarten)

Erlaubt sind „Vorteile von bescheidenem Wert“ in Höhe von höchstens 300 Franken pro Fachperson und Jahr. Und nicht kumulierbar – also etwas wie ein Laptop im Wert von 900 Franken für die Praxis mit 3 Ärzten. Das ist das Beispiel in den Erläuterungen zur VITH vom BAG. Da ich selber noch nie so ein Geschenk in der Apotheke bekommen habe, denke ich auch nicht, dass das ändern wird für uns.

Und jetzt zur Diskussion:

Pharmafirma A (vertreibt sowohl RX wie auch OTC Medikamente), bringt einzelverpackte kleine Muffins vorbei, individualisiert mit Werbung – für das Personal. Was macht ihr damit?

Pharmafirma B unterbreitet Euch ein Angebot mit Rabatt für die neuen Wochendosette, von denen ihr eine Menge braucht. Dürft ihr das Angebot annehmen?

Ihr habt als Apotheke den Ärzten in der Umgebung um Weihnachten herum immer ein kleines Präsent (wie eine Flasche Wein) überbracht für die gute Kommunikation das Jahr über bei Problemen mit Rezept oder Patienten etc. Dürft ihr das dieses Jahr noch machen?

(Meine Lösungen dazu später in den Kommentaren)

Ärzte: Bitte gültige Rezepte ausstellen!

Ich hab da eine Sache, die entwickelt sich ziemlich schnell zu einem Pet Peeve von mir – mein aktuelles „Lieblingsärgernis“: Rezepte ohne gültige Unterschrift.

Ich bin der Meinung, dass es in der Schweiz sehr (sehr!) einfach ist für einen Arzt gültige Rezepte auszustellen. Sehr wenig ist vorgeschrieben – die Grundlage (Papier) kann von A6 bis A4 sein oder gar ein ganz anderes Format haben, Handgeschrieben, Computerausdruck …. alles total egal (und viel freier als zum Beispiel in Deutschland). Aber was ein Rezept drauf haben MUSS um gültig zu sein ist die Unterschrift des ausstellenden Arztes.

Und immer häufiger fehlt diese Unterschrift … respektive: es ist keine Original-Unterschrift.

Ich sehe das inzwischen täglich, grad heute: Die Patientin kommt um die Mittagszeit mit einem Rezept für Temesta. Das Rezept hat wohl eine Unterschrift, die ist aber eingescannt und ein schwarzweiss Ausdruck. Kein Stempel.
Die Patientin hat insofern Glück, dass wir sie kennen, ansonsten würde ich mich hier nämlich weigern das Rezept auszuführen, bis das mit dem Arzt geklärt ist. Der ist nicht mal erreichbar … der bekommt von mir später eine mail mit Erklärung.
Weshalb hat das Rezept keine Unterschrift drauf? Hier ist es nicht mal weil der Arzt das der Patientin per email geschickt hat – das sehe ich noch am häufigsten – nein, er hat das Rezept selber ausgedruckt und ihr per Post geschickt. Keine Ahnung, weshalb man sich da nicht grad die paar Sekunden nehmen kann mit einem Stift die Unterschrift drauf zu setzen.

Das nächste solche Rezept, das ich erhalte sieht auf den ersten Blick ganz gut aus. Es hat eine Unterschrift in blauem … Nein: bei näherem Hinsehen wird auch hier klar: Auch hier wurde die vorher eingescannte Unterschrift ausgedruckt. Nur besitzt der Arzt offenbar einen Farbdrucker! Auch hier kein Stempel. Seufz. Offenbar macht der Arzt das, weil das so gut aussieht und modern ist … Wenigstens ist es nur für Rheumamittel (Tabletten und Salbe). Ich lege es auf die Seite, damit ich den Arzt später auch informiere. Ich führe auch dieses Rezept aus, wobei ich die Patientin informiere, dass die Krankenkasse die Übernahme verweigern kann. Und dass sie doch bitte beim nächsten Mal auch selber drauf achtet und falls der Arzt das wieder macht, ihn unterschreiben lässt.

Den Vogel abgeschossen an dem Tag hat aber das Rezept aus dem Spital. Ein neues Dauerrezept für den Patienten (an sich schon erstaunlich, dass die das machen). Darauf stand alles, samt Dosierung und wer der untersuchende Arzt war – nur eines fehlte wiederum: Original-Unterschrift und Stempel. Dafür stand da: „Diese Dokument ist elektronisch visiert am (Datum, Uhrzeit)“. Das mag ja sein, aber ich habe das Rezept als Ausdruck erhalten, das der Patient vom Spital so mitbekommen hat. Wie visiere ich ein Stück Papier elektronisch?

Jetzt habe ich definitiv genug und starte meinen eigenen Mini-Kreuzzug: Für gültige Rezepte – und Ärzte, die wissen, wie man die ausstellen muss. Bitte liebe (schweizer) Mitapotheker: helft mir und informiert auch bei Euch die Ärzte, die keine Original-Unterschriften auf das Rezept machen.

Ich schicke denen gerne ein mail mit der Info / Auszug aus dem Positionspapier der Kantonsapotheker der Nordwestschweiz zu den ärztlichen Verschreibungen, wo sie das deutlich festgehalten haben: (die mailadressen findet man im HIN Verzeichnis, das zum Beispiel die Ofac anbietet oder man kann das auf der HIN Seite selber abrufen, wenn man Mitglied ist https://www.hin.ch/services/hin-teilnehmerverzeichnis/ ).

Verschreibungen auf Papier (klassisches Rezept)
Eine eingescannte Unterschrift, ein Fax, ein Hinweis, dass das Dokument elektronisch visiert ist, eine E-Mail oder eine Fotokopie erfüllen die Anforderungen an eine rechtlich verbindliche Urkunde und an die Fälschungssicherheit für Rezepte, die in Papierform abgeben werden, nicht. Auf einem Papierrezept muss deshalb zwingend die eigenhändige Unterschrift des verschreibenden Arztes sein. Um die Fälschungssicherheit zu erhöhen, ist zusätzlich ein Stempel anzubringen.

Alternativ fange ich bei sehr resistenten Fällen jetzt an die Patienten ein neues gültiges Rezept organisieren zu lassen oder sie die Medikamente zahlen zu lassen, damit sie selber versuchen können, ob die Krankenkasse das so eigentlich nicht gültige Rezept bezahlt.

Und bitte liebe Ärzte: Wenn ihr nicht so gerne wegen so Lappalien (ja, finde ich auch) mit der Apotheke kommunizieren wollt (braucht alles Zeit), oder Patienten zurückgeschickt bekommen wollt, weil das ausgestellte Rezept so nicht gültig ist / anerkannt wird, dann nehmt Euch doch die paar Sekunden für eine klassische Unterschrift auf die Urkunde, die das Rezept ja darstellt.
Danke!

Kleine Hilfestellung:

Das letzte Rezept

Das war ein … interessantes Telefongespräch, das ich da mit dem Arzt hatte. Es ging um einen Patienten – nennen wir ihn Herrn Fensterglas -, der bei uns ein kontrolliertes Arzneimittel bezieht. In seinem Fall wurde eine tägliche Abgabe vorgeschrieben mit Ausnahmen, die nur via Arzt möglich sind. Vor etwa 2 Wochen wurde eine solche Ausnahme gemacht: der Patient ging in die Ferien und hat seine Medikamente mitbekommen – bis am nächsten Montag. Heute ist Freitag – tatsächlich war er gestern schon in der Apotheke und wollte sein Medikament wieder.

Er hat es nicht bekommen. Er hat (oder sollte) bis Montag seine Tabletten haben. Das an sich wäre noch nicht mal Grund, dem Arzt anzurufen, aber – sein Rezept läuft auch ab und da er das offensichtlich auch weiter beziehen will, frage ich besser wegen einem neuen Rezept nach.

Der Arzt ist sehr freundlich am Telefon und findet es sogar gut, dass wir dem Patienten gestern nichts gegeben haben. Er selber habe auch noch nichts von ihm gehört, also hat er wohl (doch) noch Tabletten bis Montag. Ich frage also nach einem neuen Rezept und dass er das mit der kontrollierten täglichen Abgabe aufschreibt … und jetzt wird es lustig:

Arzt: „Er bekommt das bei ihnen noch täglich? Aber ich habe das doch auf dem letzten Rezept als wöchentliche Abgabe erlaubt.“

Pharmama: „Hmm – lassen sie mich das nochmal nachschauen … laut dem letzten Rezept, das ich hier habe, das vom (vor 3 Monaten) steht drauf „tägliche Abgabe““

Arzt: „Das stand auf dem Rezept vom (Datum vor etwa 1.5 Monaten), das ich dem Patienten neu ausgestellt habe und mitgegeben habe.“

Pharmama: „Das Rezept habe ich nie gesehen.“

(Pause)

Arzt: „Da standen noch 2 andere Medikamente drauf: X und Y“

Pharmama: „Okay. Das Rezept ist wirklich nicht bei uns angekommen, denn die hatte er hier noch nicht.“

(Pause)

Pharmama: „Könnte es sein, dass Herr Fensterglas damit in eine andere Apotheke gegangen ist? ….

Arzt: „… Sieht ganz so aus.“

Pharmama: „Dann … könnte es sein, dass der Patient das Medikament die letzten Wochen doppelt bezogen hat. Oookayy. Was sollen wir machen?“

Arzt: „… Keine Abgabe mehr – er soll in die Apotheke, in der er das andere Rezept eingelöst hat, bis das aubläuft. Ich werde das noch mit ihm anschauen.“

Pharmama: „In Ordnung. Vielleicht darf ich noch empfehlen, dass er in Zukunft ein neues Rezept nicht mitbekommt, sondern man das direkt in die Apotheke schickt, mit der er eine Abmachung bezüglich Abgabe hat?“

Ja, da ist der Patient grad aufgeflogen. Sowas ist unschön. Der Vertrauensbruch gegenüber Arzt und Apotheke hat Konsequenzen – bin zwar noch gespannt, welche. Ich weiss nicht, ob ich ihn weiterhin als Patient von uns haben will. Möglich war das übrigens, da die Abmachung in dem Fall keine behördliche ist – wie im Fall von Methadonbewilligungen. Da kann der Patient natürlich einfach in eine andere Apotheke. Mich wundert höchstens, dass die nicht mit dem Arzt kommuniziert haben betreffend der kontrollierten (in dem Fall wöchentlichen) Abgabe.

Von der guten zur schlechten Apothekerin in ein paar Stunden

Wann bin ich eine gute Apothekerin? Die Meinungen da gehen sicher auseinander, wann und wen man fragt.

Das richtige Medikament in der richtigen Dosierung dem richtigen Patienten. So steht es in der Jobbeschreibung. Und das ist auch das, womit wir in der Apotheke (unter anderem) unser Geld verdienen: Medikamente abgeben und verkaufen.

Also … sollte es zu denken geben, wenn wir das einmal nicht machen. Oder?

Statt dessen bin ich für den Patienten (oder Angehörigen) die böse Apothekerin, weil ich etwas nicht abgebe.

So wie letztens. Abends nach 6 Uhr kommt der Mann einer Patientin zu uns, die nicht mehr alleine aus dem Haus kommt. Er möchte gerne ein Antibiotikum gegen die Blasenentzündung, das sie auch schon verschrieben bekommen hat: Fosfomycin. Er beschreibt die entsprechenden Beschwerden, weshalb ich ihm das mitgebe, als Vorbezug. Da sie am anderen Morgen sowieso zum Arzt geht, dürfte es kein Problem sein, das Rezept dazu nachzuliefern. Soweit so gut – da bin ich immer noch die gute Apothekerin in Augen des Angehörigen und Patienten.

Das ändert am nächsten Morgen, als er um 9 Uhr in der Apotheke steht und (noch) eine Packung Fosfomycin will. Er kommt grad vom Arzt, der habe ein Dauerrezept für das Antibiotikum ausgestellt und er braucht jetzt (mindestens) eine weitere Packung zur Fortführung der Therapie.

Oh? Umm – Nein.

Abgesehen davon, dass kein Dauerrezept gekommen ist, bin ich der Überzeugung, dass er da etwas falsch verstanden hat. Das Antibiotikum Fosfomycin wird als Einmaldosis genommen. Richtig genommen (und es wurde gestern genau instruiert), wirkt es … und zwar noch ein paar Tage nach. Die Beschwerden können heute (natürlich) noch da sein, sollten aber weggehen. Und wenn nicht – braucht es ein anderes Antibiotikum. Später.

Ich versuche ihm das zu erklären, aber er kann oder will nicht verstehen. Also rufe ich beim Arzt an.

Und der erzählt mir, dass die Urinprobe von ihr heute morgen „bland“ war und sie gar kein Antibiotikum braucht. Das habe er dem Angehörigen auch gesagt. Aber ein Dauerrezept sei trotzdem unterwegs (sind noch nicht dazu gekommen, es zu schicken). Es sei kein Problem, wenn sie das gelegentlich nehme … – soviel zum gezielten Einsatz von Antibiotika :-(

Ich durfte dann noch gute 20 Minuten mit dem Angehörigen diskutieren, weshalb er heute kein Fosfomycin mitbekommt. Dabei bekam ich (laut) Sätze zu hören wie: „Aber sie braucht das!“, „Der Arzt hat es verschrieben und sie müssen es mir jetzt abgeben“, „Das verstehe ich nicht als Laie“ –

Ja, aber ICH bin kein medizinischer Laie und ich gebe mein bestes, ihnen meine Entscheidung – die nur zum Besten der Patientin ist – zu erklären. Er kann ein anderes Mal eine Packung haben – aber jetzt ist das überhaupt nicht angezeigt.

Nützte alles nichts. War der sauer, als er ging :-(

Natürlich – ich hätte es geben können … Dauerrezept wäre dann auch vorhanden, wieviele Packungen dürfen es denn sein? 2? 3? oder 5 für eine 5-Tagestherapie? Weiss man eigentlich schon, was bei so einer Überdosierung des Antibiotikums ausser massiv Magen-Darmproblemen und Resistenzentwicklung noch passiert? Dem Arzt war das ja offenbar auch egal … dann sollte es mir das auch sein?

Neue Versicherungsmodelle – lohnt sich das?

Bald ist wieder Jahreswechsel – und ein neues Jahr bedeutet hier meist steigende Krankenkassenprämien. Viele Patienten suchen deshalb nach Möglichkeiten zu sparen und wechseln die Kasse … oder suchen sich innerhalb der Kasse ein günstigeres Versicherungsmodell.

Von diesen gibt es inzwischen einige, auch einige neue. Damit bekommt man niedrigere Prämien, man nimmt dafür aber Einschränkungen in Kauf als Patient.

Zum Beispiel verpflichtet man sich als Patient nur noch Generika zu erhalten – wie bei der CSS Profit. Bekommt man trotzdem ein Original oder ein (zu) teures Generikum, bezahlt man 50% Selbstbehalt statt den üblichen 10% (oder 20% bei Originalen).

Beim Hausarztmodell wird die Wahl des Leistungserbringers Arzt eingeschränkt. Der Patient muss vor dem Besuch eines Spezialisten immer erst zum Hausarzt. Wer wo als Hausarzt zählt, dafür gibt es Listen bei den Kassen.

Andere Modelle wie das HMO-Modell verlangen Besuche in Gesundheitszentren, oder Telmed erst ein Anruf an die Ärzte der Kasse.

Neue Modelle schränken auch die Wahl der Apotheke ein. Zum Teil in dem sie wie bei dem neu lanzierten Primapharma der Groupe Mutuel, die Patienten erst für die Triage in die Apotheke schicken. Diese leiten sie dann, falls etwas nicht mit Selbstmedikation behandelbar ist an den Arzt weiter. Prinzipiell ist es das, was wir schon machen – und es spart dem Patienten Prämien und entlastet das Gesundheitssystem. Schade nur, dürfen da noch nicht alle Apotheken daran teilnehmen.

Auch zu den die Wahl der Apotheke einschränkenden Modellen gehört das Assura Pharmed. Assura ist an sich schon eine der günstigeren Kassen, was sie hauptsächlich machen können, da sie einen Teil der Arbeit und damit Kosten dem Patient selber weiterschieben: Medikamente auf Rezept müssen in der Apotheke bezahlt werden, die Quittungen vom Patient gesammelt und eingeschickt werden, dann bekommt er das Geld zurück. Mit Pharmed muss der Patient nicht mehr in der Apotheke bezahlen, aber er verpflichtet sich, nur noch in eine der Partnerapotheken zu gehen – fast alle davon gehören zur Ketten(Discount-)Apotheke Sunstore oder wenige Amavita. Muss er wegen irgendetwas woanders hin, braucht er ein Formular von der Vertragsapotheke, ansonsten wird ihm das bezogene gar nicht zurückerstattet.

Dazu möchte ich etwas mehr schreiben, denn für das Modell sucht die Assura offenbar weitere Vertrags-Apotheken, die das anbieten. Da würde ich den Apotheken dringend abraten – auch wenn das vielleicht mehr Patienten in die Apotheke bringt. Deshalb: Das Modell beruht darauf, dass die Apotheke keine Checks verlangen darf – und einen zusätzlichen Rabatt gibt bei den Generika. Das bedeutet: Die Apotheke macht die ganze Arbeit (plus zusätzlichem Bürokratieaufwand), darf aber nichts dafür verlangen. Dass man von den Medikamentenmargen heute nicht mehr überleben kann als Apotheke habe ich schon geschrieben. Dass man bei sehr günstigen Medikamenten und Hochpreisern auch noch Minus macht (!) auch schon. Nicht umsonst ist heute jede 5. Apotheke in der Schweiz gefährdet. Umsatz ist nicht Gewinn. Da helfen auch ein paar hundert Zwangskunden nicht.

Die digitale Verwirrung

Der moderne Mensch heute ist mobil und vor allem digital – und das soll auch für Rezepte vom Arzt gelten. Warum soll ich zum Arzt das Papierrezept abholen und es dann in eine Apotheke tragen, wenn ich kleinere Probleme schon beim Telefon- oder Computer-Kontakt mit einem Arzt lösen kann (Telmed)? … Da kann mir der Arzt das Rezept doch auch grad e-mailen und ich gehe damit das Medikament in der Apotheke abholen.

So denken heute viele. Leider funktioniert das so nicht. Der erste Teil schon, da der Arzt vor dem ausstellen des Rezeptes direkten Kontakt mit dem Patienten gehabt haben muss. In der Schweiz geht das auch via Telefon. Aber für das Rezept (als möglichst fälschungssichere Urkunde) gibt es Vorschriften, die das zumindest erschweren.

Im Positionspapier der Kantonsapothekervereinigung Nordwestschweiz für Ärztliche Verschreibungen steht für «Verschreibungen auf Papier»: Eine eingescannte Unterschrift, ein Fax, ein Hinweis, dass das Dokument elektronisch visiert ist, eine E-Mail oder eine Fotokopie erfüllen die Anforderungen .., nicht. Auf einem Papierrezept muss deshalb zwingend die eigenhändige Unterschrift des verschreibenden Arztes sein.

Praktisch nehme ich in der Apotheke ein Rezept noch an, wenn das Fax (Papierrezept im weitesten Sinne) nachweisbar von der Praxis an uns ist und eine Unterschrift drauf ist oder eine E-Mail, wenn es vom Arzt direkt an die Apotheke per Praxisemail (HIN-secured) als PDF zu uns kommt.

Aber folgende Rezepte kann ich nicht annehmen, wenn der Patient damit kommt – und muss dann mit ihm und oft dem Arzt diskutieren, weshalb nicht:

Rezeptausdruck (oder Kopie) mit darauf ausgedruckter (eingescannter) Unterschrift ohne Stempel.

Wenn nur der Vermerk „elektronisch visiert“ auf einem Rezeptausdruck oder Fax oder drauf ist. Aber keinerlei Unterschrift und/oder Stempel.

Eine Email mit Bild vom Rezept.

Alles das ist zu leicht zu verändern oder zu vervielfältigen.

Wenn der Arzt das Rezept per e-Mail versenden will, dann soll er es doch bitte gleich an die Wunschapotheke des Patienten schicken. Dann geht das. Oder?

Laut Kantonsapothekervereinigung schreibt zur Elektronischen Verschreibung (E-Rezept):

Auf einem elektronisch übermittelten Rezept wird zwingend eine qualifizierte Unterschrift gemäss dem Bundesgesetzüber Zertifizierungsdienste im Bereich der elektronischen Signatur und anderer Anwendungen digitaler Zertifikate (Bundesgesetz über die elektronische Signatur, ZertES, SR 943.03) gefordert. Die Apotheke muss in der Lage sein die Gültigkeit dieser Signatur (Zertifikat etc.) zu überprüfen. Zusätzlich muss mit geeigneten Massnahmen (z.B. Blockchain-Technologie) sicher-gestellt werden, dass eine Verschreibung, die einmal ausgeführt wurde, nicht mehrfach eingelöst werden kann.

Damit habe ich ein Problem: die elektronische Signatur nach ZertES, deren Gültigkeit ich in der Apotheke überprüfen können soll. Das kann ich noch nicht … und habe ich tatsächlich bisher noch nie eine solche Signatur gesehen. Dabei wäre zumindest das Hinzufügen noch einfach: Die elektronische Signatur kann in ein normales PDF (zum Beispiel mit Adobe) einfach beigefügt werden. Offenbar sind da auch die Ärzte noch nicht so weit.

Die Probleme mit dem elektronischen Rezept sollte eigentlich die elektronische Gesundheitskarte lösen – Theoretisch kann man damit ein System schaffen bei dem Rezepte (nur) vom Arzt zentral hinterlegt werden können und dann (nur) von der Apotheke mit Erlaubnis vom Patient einmal abgerufen werden können.

Momentan ist einfach nicht abzusehen wann die dann kommt.