Kleine Medikamentenodyssee – weshalb ständige Wechsel nicht gut sind.

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Das Bild habe ich von der pharmasuisse geklaut – ich hoffe sie verzeihen mir, dass ich es zu Anschauungszwecken hier bringe. Es illustriert die Geschichte einer kleinen Medikamentenodyssee:

Medikamentenumstellung

Eine ältere Frau (Typ Grossmami) nimmt diese Dauermedikation (vom Arzt verschrieben):

  • Metfin 850
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin cardio 100
  • Co Valsartan Sandoz 160/12.5

Es handelt sich dabei um Medikamente gegen erhöhten Blutzucker, Cholesterin, Blutverdünner und Blutdruckmedikament. Dann hat sie einen Sturz und muss ins Spital. Dort wird dieselbe Medikation so gegeben:

  • Glucophage 850mg
  • Diamicron MR 60mg
  • Pravalotin Mepha 40mg
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Diovan 160/12.5

Man beachte die kursiv geschriebenen: sie entsprechen der Medikation vor dem Spitalaufenthalt in Wirkstoff, aber es sind die Medikamente von anderen Firmen – diejenigen, mit denen das Spital Verträge hat.

Das macht im Spital selber wenig, da die Patientin die Tabletten täglich in den kleinen Plastikgläslein zum schlucken gerichtet und vorgesetzt bekommt … höchstens ist sie etwas verwirrt, dass das dasselbe sein soll, denn auch die Tabletten innen sehen anders aus als ihre gewohnten – aber das wird schon stimmen.

Dann kommt sie zum wiederaufbauen in die Reha, wo sie die Medikamente weiter nehmen muss – aber dort werden dieselben Medikamente so zusammenstellt:

  • Metformin Mepha 850mg
  • Diamicron MR 60
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Valsertan HCT Actacis 160/12.5

Danach kann sie wieder nach Hause. Sie bekommt ein Rezept mit, das sie in der nächsten Apotheke einlöst, damit sie bis zum Besuch beim Hausarzt genug Medikamente hat.

Beim nächsten Besuch unternimmt der Hausarzt den löblichen Versuch, das etwas zu vereinfachen, indem er dies verordnet:

  • Janumet 60/850
  • Pravalotin Mepha 40
  • Aspirin Cardio 100
  • Co-Valsartan Sandoz 160/12.5

Er hat also die Blutzucker-medikation (das Metformin und Diamicron) in einer Tablette „zusammengefasst“, das Janumet ist ein neueres Kombinationspräparat.

Man muss hoffen, dass die Frau auch nach dem Sturz noch alle Sinne zusammen hat und die perfekte Übersicht über ihre Medikation. Denn wenn sie Pech hat, hat sie von demselben Medikament jetzt Mehrfachpackungen oder Reste von angefangenen Packungen zu Hause mit unterschiedlichen Namen:  Metfin 850, Glucophage 850mg und Metformin Mepha 850mg ist alles dasselbe …  zusammen mit dem Janumet 60/850 sollte sie es auch nicht nehmen, denn auch darin ist derselbe Wirkstoff.

Das gleiche gilt für Co Valsartan Sandoz 160/12.5, Co-Diovan 160/12.5 und Valsertan HCT Actacis 160/12.5 – alles dasselbe, auch wenn die Namen unterschiedlich sind und die Tabletten immer anders aussehen.

Die Stammapotheke kann in einem solchen Fall helfen. Indem sie die Übersicht über die auch von verschiedenen Ärzten oder Institutionen verordneten Medikamente behält. Indem sie (nach Möglichkeit) bei einem (bekannten) Generikum bleibt und die Frau nicht durch ständige Wechsel verwirrt wird.  Indem Doppelverordnungen erkannt werden und die Patientin bei Neumedikation informiert wird.

Wir versuchen nach Möglichkeit, die Medikation gerade bei älteren Leuten konstant zu halten um solche Verwirrungen zu vermeiden. Es hat sich inzwischen auch gezeigt, dass solche Wechsel in der Medikation nicht nur zu (ungewohlter) Überdosierung wegen Mehrfacheinnahmen führen, sondern auch die Compliance bei den Patienten sinken lässt: sie trauen dem Medikament nicht gleich und nehmen es dann nicht mehr.

In Deutschland haben sie diese Situation Dank der Rabattverträge der Krankenkassen bei so ziemlich jedem Medikament, bei dem es Generika gibt. Da schreibt die Krankenkasse vor, welches Generikum von welcher Firma abgegeben werden muss – und die wechseln teils Vierteljährlich (!).

Und hier in der Schweiz dürfen wir in der Apotheke noch aussuchen, welches das bestgeeignete ist … aber die Krankenkassen drängen schon sehr in dieselbe Richtung: bald wird hier wohl auch vorgeschrieben werden, dass wir das günstigste (lies: billigste) Generikum nehmen müssen – und wenn der Patient etwas anderes will, wird er wohl aufzahlen müssen. Darauf freue ich mich gar nicht. Da das billigste Medikament auch gelegentlich wechseln wird, sind häufige Umstellungen dann zu erwarten. Die Lagerhaltung wird noch schwieriger: dann muss halt mehr bestellt werden und es dauert länger, bis der Patient es bekommt. Die Verwirrung bei den Patienten steigt und die Einnahmetreue nimmt ab – nicht genommene Medikamente wirken nicht … ob die Krankenkasse dadurch wirklich so viel einspart?

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Bestes Patientenzitat heute

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bestesPatientenzitat

Ohne es mir mit den mitlesenden Ärzten vertun zu wollen (und „Fehler“ ist vielleicht ein zu starkes Wort für manches davon), aber … wenn der Patient der das gesagt hat gesehen hätte, was ich schon gesehen haben ….

Das fängt schon bei einfachen Dingen an: Patientenname nicht auf Rezept, falscher Name drauf, eigener Name statt dem vom Patienten (ich glaube der Arzt war etwas übermüdet) … ausgesprochen unpassende Dosierungen (ja, man nimmt Xarelto einmal täglich und Brilique zwei mal täglich – ziemlich relevanter Unterschied bei den Blutverdünnern), Betäubungsmittel auf normalem Rezept verordnet, Wechselwirkung oder Allergie nicht beachtet undsoweiterundsofort … – ihr lest ja diesen Blog, also kennt ihr das auch 🙂

Das allermeiste macht nicht viel und lässt sich vor Ort korrigieren oder nach einem raschen Telefonanruf mit dem verschreibenden Arzt. Die nehmen das auch (meistens) nicht persönlich – sind halt auch nur Menschen.

 

Geben Sie mir die Nadeln

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Minimalbesetzung am Samstag morgen, da mache ich so alles, was in der Apotheke anfällt. Also neben den Rezepten noch die Blutzuckermessung und die Kompressionsstrümpfe anmessen und die Wunden von Leuten versorgen und natürlich Beraten zu medizinischen Problemen. All das – aber nach 2 Stunden darf ich dann feststellen, dass ich zwar viel gemacht habe – das aber wenig in die Kasse bringt. Währenddessen hat die Drogistin eine Kosmetikberatung und macht in 10 Minuten so viel Umsatz wie ich in 2 Stunden nicht. Ich kann nicht sagen ‚gar nichts‘, denn wir verlangen etwas für das Blutzucker messen und auch für die Wundversorgung (sofern es sich nicht um einen akuten Fall handelt). Aber die Stützstrümpfe gehen über das Rezept, da bekomme ich wenig und dann war da noch die Diabetes-Beratung.

… Das war interessanterweise nicht die Person, bei der ich den Blutzucker gemessen habe, der war tatsächlich bestens. Aber als ich an den Stützstrümpfen bin kommt Sabine – „Ich habe da eine Frau, die Nadeln für den Lantus Pen will.“

„Ja – und?“

„Was soll ich ihr geben?“

„Hat sie kein Rezept oder weiss welche?“

„Nein, sie soll sie für den Mann holen.“

„Okay – das muss ich anschauen. Da muss sie jetzt halt einen Moment warten.“

Als ich ein paar Minuten später zu ihr komme, zeigt sie mir ein Blatt – aus der Beschreibung des Lantus Solostar Pen kopiert und deutet auf die Spitze: „Mein Mann braucht diese Nadeln.“

„Okay“ – „Hat er eine bestimmte Marke? Welche Länge?“

Heute sind die meisten Nadeln, die wir haben mit so ziemlich allen Pens kompatibel. Aber es gibt immer noch Präferenzen, wenn jemand mit welchen angefangen hat, bleibt er häufig auch aus Gewohnheit dabei. In der Beschreibung des Pens sind keine spezifischen angegeben.

„Ich weiss nicht. Er hat einfach keine mehr und braucht jetzt neue. Er hat mir das hier mitgegeben, damit ich ihm die richtigen bringe.“

Ich versuche ihr zu erklären, dass ich zumindest die Länge wissen sollte. Da sie da auch keine Ahnung hat, beschliesse ich ihm anzurufen.

„Pharmamas Apotheke, Pharmama, Guten Tag Herr … ihre Frau steht gerade bei mir in der Apotheke wegen den Nadeln … jetzt wissen wir aber nicht genau, welche.

„Ah, genau. Warten Sie einen Moment, ich hole die Packung …
Da ist sie ja. Also … da steht … Accu Check Guide …“

„Oh, ich dachte Sie brauchen Nadeln für den Pen, nicht die zum Messen?“

„Jaa – richtig, das ist die falsche Packung. Moment, ich hole die richtige aus dem Kühlschrank, anscheinend soll man das ja dort aufbewahren …“

(…? dazu gleich mehr)

„Da habe ich ihn. Also da steht auf der Verpackung Lantus …“

Er lässt sich nicht bremsen, also lasse ich ihn ausreden, auch wenn mir diese Info wirklich nicht mehr hilft.

Pharmama: „Ja, der Pen. Und dafür brauchen sie jetzt Nadeln?“

„Genau.“

„Welche Nadeln hatten Sie denn?“

„Na, diejenigen, die vorne auf dieses Gerät kommen.“

„Ja, schon klar. Ich meine: welche Marke? Und: welche Länge?“

„Sie sind etwa anderthalb Zentimeter hoch.“

Das … dürfte auf die Nadel samt Halterung zutreffen, hilft mir aber nicht weiter.

„Okay, haben sie denn die alte Verpackung noch, wo Sie schauen könnten, was da drauf steht?“

„Nein, ich habe heute die letzte gebraucht.“

„Oder vielleicht ein Rezept mit einer Angabe?“

„Nein, wissen Sie, die ersten Nadeln hat mir der Arzt mitgegeben und die Lantus habe ich seither von der Zur Rose Apotheke bekommen …“

Argh. Versandapotheke.

„Okay. Ich versuche herauszufinden, welche Länge sie brauchen. Wissen Sie da gibt es unterschiedliche Nadellängen, von 4 mm bis 12 mm.“

„Tut mir leid, das weiss ich nicht.“

Ich überlege. Wenn ich seiner Frau einfach irgendwelche in einer mittleren Länge verkaufe und es sind nicht die, die er bis jetzt hatte, habe ich sie spätestens Montag wieder in der Apotheke, wenn sie die geöffnete Packung umtauschen wollen. Aber ich habe von einer Firma ein paar Musterpackungen mit verschiedenen Nadellängen hier, wo je ein paar drin sind.

„Dann machen wir es vielleicht so: Ich gebe Ihrer Frau ein paar Musterpackungen mit, damit Sie etwas haben über das Wochenende und Sie klären am Montag mit dem Arzt ab, welche Nadellänge sie brauchen. Darf ich fragen, wie gross und wie schwer sie sind?“

Die Nadellänge ist für dicke Leute länger als für sehr schlanke. Er ist Normalgewichtig, also gebe ich ihr die 6mm und 8mm mit.

Aber vorher noch das:

„Und die Lantus – die müssen sie nur bis zur ersten Anwendung im Kühlschrank aufbewahren. Also: den Pen, den sie im Gebrauch haben, den sollten sie bei Raumtemperatur aufbewahren. Und natürlich die Nadeln bei jedem Mal Spritzen wechseln.“

Ich bin mir nämlich auch nicht ganz sicher, ob er das bis jetzt gemacht hat. Immerhin scheint er immer noch die erste Packung vom Arzt selber gebraucht zu haben und … nicht wirklich korrekt instruiert worden zu sein, wenn das mit dem Kühlschrank so ist.

Die Frau war damit glücklich und ist gegangen.

Auch hier: Arbeitszeit: mindestens 15 Minuten, Einnahmen: Null Franken.

Dafür: Arbeit gut gemacht, eine Lösung gefunden, Patient augerüstet über das Wochenende, instruiert – was ja alles im Endeffekt seiner Gesundheit zu gute kommt … und der Kasse keine Folgeschäden produziert.

Ob sie allerdings wiederkommen ist fraglich, da wohl der Arzt via zur Rose die neue Packung Nadeln schicken wird.

Nachtrag Montag: Sie war wieder da und hat von den 6mm bestellt. Das Rezept sollte vom Arzt gefaxt werden.

Nachtrag Mittwoch: kein Fax vom Arzt bisher … aber abgeholt wurde es.

Nachtrag 2 Wochen später: immer noch kein Rezept vom Arzt.

Leider wie erwartet.

Rezepte ausstellen für faule Ärzte

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In der Schweiz sind die Ärzte sehr frei darin, wie sie ihre Rezepte ausstellen. Computer, Handgeschrieben, A4, A6, A5 … total wurst eigentlich, solange die Medikamente richtig drauf stehen, der Patient mit Geburtsdatum angegeben ist und der Arzt mit Adresse (Stempel) und vor allem Unterschrift drauf ist.

Hier zwei Methoden für ganz faule:

Methode 1: Stempel. Ich sage ja immer, dass die meisten Ärzte (vor allem die spezialisierten) ein „Standartrepertoire“ von ca. 20 Medikamenten haben, die sie beherrschen und verschreiben. Hier hat jemand das ausgenutzt und von denen grad Stempel machen lassen, die er dann nur noch aufs Rezept drücken muss. Ein, zwei kleine Anpassungen an der Dosierung und: Voilà:

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Methode 2: Medikamentenplan ausdrucken und stempeln/unterschreiben. Neu gibt es die Version offenbar auch vom Spital in der Variante: häufigst verschriebene Medikamente auf Formular zusammengefasst und dann einfach nur das anschreiben, was man will. Das finde ich jetzt nicht so ideal, da eher verwirrend anzusehen:

Rpfaul2

Bonus: Methode 3 (ohne Foto): Betäubungsmittelrezept auf normalem Rezept ausgestellt, da der Aufwand zu gross gewesen wäre. Nach Telefon hat der Arzt erklärt, das so gemacht zu haben, da es nicht sicher gewesen sei, dass der Patient das starke Schmerzmittel wirklich benötigen würde und einlösen würde (Ja, erbraucht es jetzt). Aber wir können es jetzt mal abgeben und er würde bei Gelegenheit das Rezept dazu ausstellen – und auch schicken. Danke.

Fehler in schweizer Apotheke im Fernsehen

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Hat jemand den Kassensturz vorgestern abend gesehen? Falls Nein – hier kann man ihn noch anschauen / lesen, um was es geht: Gravierende Verwechslung- Apotheke verkauft falsches Medikament.

Es ist natürlich die absolute Horrorvorstellung von jeder Apothekerin und jedem Apotheker und das, was uns gelegentlich schlaflose Nächte bereitet: Der Patient hat das falsche Medikament erhalten. Leider kommt das – bei aller Sorgfalt und bei allen Sicherungsmassnahmen und Doppelkontrollen die man hat, tatsächlich gelegentlich vor. Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren. Das ist auch mit ein Existenzgrund für die Apotheke: dass sich eine weitere medizinische Fachperson die Medikation nochmals ansieht, bevor der Patient sie erhält, denn: auch Ärzte machen Fehler. Vor der Abgabe  gilt das 4-Augenprinzip: jemand richtet es und eine zweite Person schaut das nochmals an. Bei uns wird auch (wie im Film erwähnt) am nächsten Tag durch eine nochmals andere Apothekerin das Rezept kontrolliert.

Und dennoch. Wir hatten schon falsch angeschriebene Medikamente (Dosierungsetikette), falsche Dosierung (z.Bsp Aspirin Cardio 100mg statt 300mg), falsches Medikament: Zolpidem statt Zoldorm … nicht so tragisch, da genau dasselbe; ditto bei Calcimagon mit falschem Geschmack, und einmal wirklich etwas, was ich so und meine kontrollierende Apothekerin anders gelesen hat und das etwas anderes war. Da muss man reagieren – möglichst rasch. Aber wir sind nie über die Stufe. „Medikament falsch, Patient betroffen, keine Folgeschäden“ herausgekommen. Dafür bin ich dankbar.

Auch in der Sendung im Kassensturz – so „gravierend“ der Fehler war: der Patient hat ein Medikament mit ähnlichem Namen bekommen – statt eines Mittels gegen erhöhtem Cholesterin ein Mittel gegen Blutkrebs – der Patient hat das Medikament nicht genommen, da er a) das Mittel schon kannte und das anders aussah, b) er die Packungsbeilage nochmals angeschaut hat, weil das eben neu aussah (Kudos, lieber Patient: super!) und c) das Medikament eine Dosierungsetikette hatte, die auf einen anderen Patienten lautete (!). Deshalb hat er das Medikament nicht genommen – und deshalb (natürlich) auch keine Schäden. Etwas unschön finde ich vom Kassensturz, die Etikette mit dem Namen der Apotheke so zu zeigen.

Was Abgabefehler angeht finde ich den hier noch etwas „kurios“: Offenbar ist das passiert, weil für zwei sehr ähnlich klingende Patienten zwei sehr ähnlich klingende Medikamente bestellt waren – und die nebeneinander im Abholregal bereit standen. Bis dahin alles korrekt. Die letztlich das Medikament herausgebende Person hat danebengegriffen. Für das Fehlermanagement ist das schwierig auszumerzen. Nochmals Kontrolle mit noch einer Person ob Abholzettel und Medikament übereinstimmen?

Wesentlich häufiger kommen Verwechslungen wohl vor, weil Medikamente ähnliche aussehen oder ähnliche Namen haben – und der Arzt nicht lesbar schreibt. Das hat die Patientenorganisation richtig erkannt. Natürlich muss man bei unleserlichen Rezepten beim Arzt nachfragen – das müssen wir heute noch. Manchmal mehrmals täglich.

Amüsant fand ich die Beispiele, die im Film vorkommen:

unleserlichsrf1unleserlichsrf2

Erster Gedanke: „heh – ich kann die lesen!“ Dann … „Die kommen mir irgendwie bekannt vor“. Jaaa – kein Wunder. Die sind von mir, von diesem Blog. Das erste Beispiel findet sich hier: unleserliche Rezepte mal wieder und das zweite hier: Apotheke Quiz 2.

Die Beispiele sind schon älter – aber ich könnte täglich mehr in die Sammlung aufnehmen, denn das kommt immer noch häufig vor. Anscheinend ist es nicht durchsetzbar, dass die Ärzte möglichst alle Computerausdruck-rezepte ausstellen. Erklärung im Film: Weil man dann beim Hausbesuch keine Rezepte mehr ausstellen könnte … Erklärung die ich woanders gehört habe: Weil man das den älteren Ärzten nicht mehr zumuten könne. Nun – ich bin schon zufrieden, wenn sie sich mehr Mühe geben beim Schreiben.

Jedenfalls: Ja, leider passieren in der Apotheke auch Fehler. Das ist schlecht (wenn auch menschlich). Aber auch wenn es dieser bis zum Kassensturz „geschafft“ hat – so schlimm war der nicht – auch weil der Patient mitgedacht hat. Eigentlich ist das gut: sensibilisiert es doch die Öffentlichkeit dazu selber mehr Verantwortung für ihre Gesundheit (und Medikation) zu übernehmen (wissen was man nimmt und weshalb) und dass es bisher kein schlimmerer Fehler bis in die Medien geschafft hat, zeigt doch auch, dass das System und Fehlermanagement funktioniert.

Euthyrox für Frankreich – oder: never change a running system

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Seit ein paar Monaten bekommen wir auch hier in der Schweiz vermehrt Rezepte aus Frankreich über Euthyrox.

euthyroxfrance
Zuerst war ich ja etwas irritiert … ganz offensichtlich gibt es das Medikament dort auch, weshalb also sollen sie zu uns das kaufen kommen? Vor allem, da es wohl in der Schweiz etwas teurer sein dürfte als in Frankreich.

Des Rätsels Lösung findet sich im Internet – und eine betroffene Patientin hat mich sogar per mail auf dem Blog informiert.

In Frankreich wurde die Zusammensetzung von Levothyrox (Euthyrox) geändert. Man wollte den Wirkstoff (Levothyroxin) stabiler und länger haltbar machen und hat dabei den Hilfsstoff Lactose (der ja auch immer unbeliebter wird wegen der Lactoseintoleranz gewisser Patienten) durch Zitronensäure und Mannitol ersetzt. Kein Ding sollte man denken – es wurden auch Bioverfügbarkeitsstudien durchgeführt, damit die neuen Tabletten gleich aufgenommen werden, denn gerade das ist bei Schilddrüsenmedikamenten oft das Problem: wegen unterschiedlicher Aufnahme sind sie nicht beliebig untereinander austauschbar und ein Wechsel des Medikamentes kommt häufig einer Neueinstellung gleich.

Die Ärzte wurden über die Änderung kurz informiert, die Öffentlichkeit aber nicht – die Packung und die Tabletten sahen weiterhin gleich aus und es sollte ja auch gleich wirken.

Jetzt reklamierten aber tausende Patienten nach dem Austausch durch das neue Euthyrox über Nebenwirkungen die sie vorher nicht hatten: mehr Müdigkeit, Schwindel, Krämpfe und Gedächtnisstörungen. Symptome die auch Schilddrüsenfunktionsstörungen machen – Anscheinend ist das doch nicht „das gleiche“. Selbst eine Petition wurde gestartet um das „alte“ Euthyrox zurückzubringen – innert kürzester Zeit kamen über 200’000 Unterschriften zustande.
Bis die Firma reagiert hat, gingen die Patienten aus Frankreich ins nahe Deutschland … oder eben die Schweiz, wo es das Euthyrox in der ursprünglichen Formulierung noch gibt.

Inzwischen wird für einen Teil der Patienten das Euthyrox aus Deutschland importiert, aber nicht für alle – ein Teil muss sich das immer noch selber besorgen. Das ist der Grund, weshalb ich auch hier in der Schweiz Levothyrox-Rezepte sehe.

Anscheinend hat die Firma inzwischen eingelenkt die Tabletten in der alten Formulierung wieder auf den Markt zu bringen. Ein Wechsel zu einem anderen Schilddrüsenmedikament wäre in Frankreich übrigens nicht so einfach: Merck ist der einzige Anbieter dafür.

Richtwerte ändern, Patientenzahl erhöhen? Über die Blutdrucksenkung.

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In den USA gibt es neue Richtlinien zu den Blutdruckwerten. Bisher – und hierzulande bleibt das wohl zumindest bis Sommer 2018 auch noch so – gelten Werte ab 140/90 als Hypertonie, also Bluthochdruck. Die USA passen dies nun weiter nach unten an, auf 130/80.

Das finde ich jetzt nicht wirklich gelungen und eine fragliche Entscheidung.

Es hilft auch nicht viel, das quer durch die Presse zu ziehen, dass sie damit jetzt faktisch Millionen bis anhin als gesund geltende Menschen zu Kranken deklarieren, die behandelt werden müssen.

Bluthochdruck ist ein Problem das gesundheitliche Folgen hat: es steigert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Herzinfarkte, Niereninsuffizienz und Demenz. Senkt man den Blutdruck, so senkt man das Risiko für diese Erkrankungen und auch die Chance daran zu sterben.

Das ist nachgewiesen für die bestehenden Zielwerte von <140 systolisch und <90 diastolisch.

Klar: so Zielwerte wurden einmal festgelegt und sind insofern willkürlich: 139 ist noch „gut“ und 141 ist dann schon „schlecht“?

Aber meines Wissens nach ist es nicht in jedem Fall besser, den Blutdruck noch weiter zu senken.

Blutdruckmessung

Da gab es vor ein paar Jahren diese grosse „Sprint“-Studie, die das untersucht hat – und sie sind zu gemischten Ergebnissen gekommen. Eine Intensive Behandlung (mit mehreren Wirkstoffen zur Erreichen der Ziele eines Blutdrucks von unter 120) ergab zwar tatsächlich weniger Todesfälle, allerdings haben sie für die Studie eine Menge Patienten ausgeschlossen – sie gilt nicht für Diabetiker und Leute die schon einen Schlaganfall hatten, Patienten mit Nierenproblemen oder deren Bluthochdruck auf einem konkretem Leiden wie Niereninsuffizienz oder Schlafapnöe beruht. 80% der Leute in der Studie hatten auch keinerlei Herz-Kreislauf-Krankheiten, was nicht den aktuellen Gegebenheiten entspricht. Am meisten haben da diejenigen profitiert, deren Ausgangswert schon unter 132 lag. Es gab nicht signifikant weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte – aber die Zahlen der Leute mit Herzschwäche ging zurück und auch der Todesfälle aus diesem Grund. Das wundert nicht, da die bei der Studie verwendeten Wirkstoffe auch Mittel waren, die gegen Herzinsuffizienz wirken … also war die gesenkte Sterblichkeit vielleicht nicht mal auf die Senkung des Blutdrucks, sondern auf die Verhinderung der Herzschwäche zurückzuführen.

Dann ist da das Problem, dass wenn man den Blutdruck auf unter 120 senkt, vermehrt (als Nebenwirkung) ein Absacken auf gefährliche Werte droht. So intensiv therapierte Patienten wurden häufiger ohnmächtig und sind umgefallen, der Elektrolythaushalt wird gestört und es gab mehr Fälle von Nierenversagen – deshalb muss bei einer solch intensiven Therapie auch wesentlich intensiver überwacht werden – die Leute müssen häufiger zum Arzt zur Kontrolle.

Der Effekt mag sich lohnen – bei einer bestimmten, definierten Patientengruppe mit hohem Risiko: höheres Alter und kardiovaskuläre Risiken. Und das mit der Herzinsuffizienz ist sicher zum im Auge behalten. Aber – eben, das gilt nicht für alle Patienten. Wenn, müssen da nicht nur neue Richtwerte her, sondern neue Richtlinien.

Besonders toll finde ich die Diskussionen, die ich in der Apotheke habe bei manchen Leuten, die den Blutdruck messen kommen und bei denen er zu hoch ist. Gerade letzthin wieder. Bitte: Mit einem Blutdruck von 170 zu 110 sollte ich nicht diskutieren müssen, dass die Werte ja „willkürlich“ seien und ja sowieso immer weiter gesenkt werden um „Gesunde zu Kranken zu machen“ damit die Pharmaindustrie davon profitiert. 170 und 110 ist ZU HOCH! Da sind wir so jenseits von den Grenzwerten, das ist nicht diskutabel, das ist so. Bitte gehen Sie doch (gleich) zum Arzt, damit der sich das ansieht.

Bei der letzten Person mit der ich diese Diskussion hatte, fand ich speziell spannend, dass sie das offenbar nicht nur mir nicht geglaubt hat, sondern auch 2 meiner Kolleginnen nicht, die ihr den Blutdruck im Abstand weniger Tage gemessen haben – sehe ich schön an dem Büchlein, wo wir die Werte für den Patienten eintragen. Werte bei allen vorigen Messungen zu hoch. Kommentare, die einen baldigen Arzttermin empfehlen. Und der Kommentar, sie vor der Messung mindestens 10 Minuten sitzen zu lassen. Ja – weil sie sonst die hohen Werte nicht glaubt. Besser geworden ist es (trotzdem) nicht von alleine. Also habe ich jetzt die Diskussion noch mal mit ihr. Hoffentlich geht sie jetzt.

Denn unabhängig davon, wie die Richtwerte sind: Viele Leute wissen nicht mal, dass sie einen erhöhten Blutdruck haben (merkt man ja häufig auch nicht) und sind deshalb nicht in Kontrolle beim Arzt. Und der kann am besten entscheiden, wie (und ob) er das therapiert.

Teresta?

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Teresta

Letzthin so auf einem Rezept gefunden: 1 OP Teresta

Ja, lieber Arzt – was darf es denn sein; Temesta oder Seresta?

(Beides Benzodiazepine, also zur Beruhigung / zum Schlafen, aber unterschiedliche Wirkdauer. Das Rezept war übrigens echt. Bei Schreibfehlern bei denen werden wir einfach speziell aufmerksam,)

Rezept „unplugged“

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Vielleicht wäre das auch ein Fall für die Reihe Da steht Was auf dem Rezept …?!?

rpcontam

Seht ihr es? Falls nicht, keine Sorge – auch meiner Mitapothekerin ist das durchgerutscht. Vor allem, weil sie das Produkt nicht kannte. Als ich die Bestellung kontrolliert habe, ist mir das aufgefallen. Auf dem Rezept für den Mann, Jahrgang 1966 steht:

Contam Würfel 42mm Grösse 3, 5 Stücke

Ecofenac Sandoz Lipogel 1% 100g

Das sind Contam Würfel:

contamwuerfel

… und ihr macht jetzt wahrscheinlich auch so ein Gesicht wie ich: ein einziges grosses Fragezeichen. Was soll der Mann mit einem Würfelpessar machen – gewöhnlicherweise gebraucht um eine sich senkende Gebärmutter zu stabilisieren respektive bei Inkontinenz? Und: Nö, das ist wirklich ein Mann ohne anatomische „Besonderheiten“ – was ich auch darum weiss, da ich mit ihm ein ausgiebiges Gespräch im Rahmen eines Polymedikationschecks (das ist so etwas wie eine Medikamentenananlyse) hatte.

Ich frage trotzdem (vorsichtig) nach.

Sein Gesicht, als ich ihm das Bild oben zeigte war auch sehenswert … Laut ihm hat der Arzt versuchsweise etwas aufschreiben wollen, das ihm bei seinem mit Medikamenten und Ernährung nicht unter Kontrolle zu bringenden Durchfall helfen soll. Also so etwas „Korkenartiges“. Sowas hier eher:

contamtampon

Das sind aber auch Vaginaltampons. Gemeint waren Analtampons (Ja, die gibt’s.)

Ich suche etwas, das für ihn geht. Man sollte denken, das sei nicht sooo schwierig. Nur stellt sich heraus, dass ich die Dinger nicht via unseren Lieferanten beziehen kann, sondern nur direkt. Dass sie ausserdem im Preis von 100 Franken aufwärts kosten pro Packung. Dass es verschiedene Grössen gibt (wie der Arzt auf die bestimmte Grösse auf dem Rezept gekommen ist, weiss ich auch nicht). Dass es Musterpackungen mit verschiedenen Grössen gäbe – die Firmen das aber nicht an uns senden (! Keinen Dank an die Firmen, die das im Netz anbieten, nur nicht für bestellende Apotheken?!) und dann auch noch das: Nichts davon wird von der Krankenkasse übernommen. Stuhlinkontinenzprodukte stehen nicht man in der MiGeL – der Mittelgegenständeliste.

Die Würfelpessare sind allerdings als „via Krankenkasse abrechnenbar“ hinterlegt …  Hmm, vielleicht ist das der Grund, dass der Arzt auf das gekommen ist? Für Männer wird das allerdings auch nicht übernommen – da müsste er (alles) selber zahlen. Und das Geld hat er nicht. Damit wurde das dann erst mal auf Eis gelegt.

Heute steht das im Patientendossier:

Analtampons: hat sich erledigt, funktioniert nicht (konnte es in Rehab ausprobieren).  

Freiwillig länger Arbeiten gegen den Fachkräftemangel?

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Die Zusammenfassung im Newsletter für das neue OTX World hat mich echt zum lachen gebracht:

Arbeiten nach 65? Wenig Interesse
Seit Herbst 2016 hat die Stadt Zürich ihren Angestellten im Ge­sundheitsbereich mit dem Pilotprojekt «66+» die Möglichkeit ge­boten, auch nach 65 Jahren noch weiter zu arbeiten. Die Nach­frage ist jedoch gering. Nur zwei Pfleger, ein Arzt und ein Veterinär hätten sich dazu bereit erklärt. So konnte das Ziel des Projekts, etwas gegen den Fachkräftemangel zu unternehmen, nicht er­reicht werden. Bei den Tram- und Buschauffeuren der VBZ ist das Interesse, bis 70 zu arbeiten, hingegen viel grösser.

Überraschung??

Ehrlich: Fachkräftemangel ist ein Problem. Die Ärzte haben Mühe Nachfolger zu finden (und viele von ihnen kommen jetzt ins Pensionsalter).

Aber: Ich glaube, die sind auch echt froh, wenn sie aufhören dürfen zu arbeiten.

Und: die „müssen“ das auch nicht unbedingt weiter, zum Beispiel weil die Pension nicht reicht (vielleicht im Gegensatz zu den Chauffeuren?).