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Xa…irgendwas

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Wirkliches Rezept von diesem Jahr.

Das steht (ziemlich okay lesbar) Xatral ret 0.5 1 OP (30) D.S: 1 täglich abends

Soweit, so … schlecht.

Xatral gibt es nur als 0.25 mg nicht retardierte Tablette. Es ist ein Mittel mit Alfuzosin bei vergrösserter Prostata. Interessanterweise gibt es in anderen Ländern davon wirklich lang-wirksame Formen, die man dann nicht 3x täglich, sondern 1x täglich nimmt.

Hier vermute ich aber, dass er etwas ganz anderes meint. Nicht zuletzt, weil es sich um eine PatientIN handelt.

Aber sicherheitshalber muss ich beim Arzt anrufen, um von ihm die Bestätigung zu bekommen, dass er eigentlich Xanax retard 0.5mg aufschreiben wollte …

Andere Leute schicken

Mit den Dauerrezepten ist das so eine Sache. Das Rezept bleibt in der Apotheke und der Patient kann (nach Bedarf) zu uns kommen und weitere Packungen erhalten. Im Normalfall bekommt der Patient ausser dem Medikament nicht noch irgendeinen Zettel mit: der Name / Ausweis und die Info, was gebraucht wird reicht uns beim Abholen.

Bei bestellten Sachen haben die Leute einen Abholzettel, bei Dauerrezepten den Ausweis (zum Beispiel die Krankenkassenkarte), manchmal die leere Packung: da steht die Info auch auf dem Dosierungsetikett. Mit der Zeit kennen wir auch „unsere“ Stammkunden, die müssen dann nur noch sagen, was sie brauchen.

Was aber, wenn jemand anders als der Patient, für den das Dauerrezept ist, Medikamente abholen will?

Eines der ersten Dinge, die wir bei einer Abgabe immer abklären müssen ist der Empfänger des Medikamentes. Wenn ein Mann etwas abholen kommen will und einen Frauennamen nennt, ist es ziemlich deutlich, dass das nicht der Empfänger ist.

Gut, wenn ich die Person kenne und ich weiss, das ist der Ehemann der Frau (und er hat sie auch schon begleitet), dann gehe ich im Normalfall davon aus, dass das okay ist. Oder ich hinterlege einen Kommentar, wer die Erlaubnis hat, Medikamente für die Person zu holen.

Letzthin hatten wir aber einen Fall, wo ein Mann für seine Freundin ein Medikament – Seresta (starkes Beruhigungsmittel) abholen wollte. Er hatte nichts (ausser dem Namen der Patientin und dem Mittel). Kein Ausweis, keine Bestätigung, ich habe ihn noch nie gesehen …

Ich habe ihm gesagt, ich brauche entweder eine schriftliche Erklärung oder mindestens einen Telefonanruf von ihr zur Bestätigung, damit ich ihm das mitgeben kann.

Ich meine, das ist heute keine Sache mehr: er kann sie rasch per Natel informieren, ich bekomme einen Anruf und stelle ein paar Fragen … ihre Telefonnummer war übrigens nicht hinterlegt, sonst hätte ich da angerufen. Und nennen wollte er sie mir auch nicht.

Er war nicht ganz so zufrieden (gelinde ausgedrückt) und ging dann. Auch den Rest des Tages habe ich nichts mehr von ihr (oder ihm) gehört. Das macht mich doch etwas misstrauisch.

Es gibt Vorschriften. Ich drücke nicht einfach irgendwelche (potenten) Medikamente jemandem in die Hand zum mitnehmen, wenn ich nicht sicher bin, dass das an der richtigen Stelle ankommt.

Vielleicht war das ihr Freund – im dööfsten Fall war das aber einfach jemand, der irgendwie mitbekommen hat, dass sie das nimmt und versucht so (gratis und bequem für ihn) an das Medikament zu kommen.

Übrigens: auch der Ehemann hat nicht automatisch die Erlaubnis Medikamente für die Frau abzuholen (oder umgekehrt). Das Patientengeheimnis (zum Beispiel) gilt selbst gegenüber Verwandten. Meistens ist die Abgabe aber okay: die Partner wissen nicht nur für wen und was gebraucht wird, man kann auch anfragen bei Zweifel, ob das gegeben werden soll … Aber wir haben mindestens einen Fall, wo „sie“ einen Kommentar bei sich hinterlegen liess, dass „er“ keine Tabletten für sie abholen darf. Die beiden sind (weiter) verheiratet und kommen gelegentlich zusammen. Mir ist das recht – hauptsache, wir wissen es.

Auf Arzt-Konfrontationskurs

Auf Arzt-Konfrontationskurs war letztens meine Kollegin.

Auf das Rezept hat der Arzt geschrieben: Voltaren Salbe.

Die Patientin ist aber unsicher, ob es das richtige ist. Sie war eigentlich nur beim Arzt das Rezept für ihr Dauermedikament abholen, hat sich aber am Wochenende mit dem Bügeleisen verbrannt: eine grosse, offene Wunde (ehemals Blase) auf dem Bauch. Sie hat den Arzt gefragt, ob er ihr dafür auch grad etwas aufschreiben kann – und er hat (laut ihr ohne auch nur einen Blick auf die Wunde zu werfen) Voltaren aufgeschrieben.

Das kann man nicht auf offene Wunden auftragen. Das steht deutlich in der Fachinfo: nicht auf offene Hautwunden oder sonstige offene Verletzungen auftragen. Diese Brandwunde hier war ausserdem ziemlich gross und sah auch noch aus als wäre sie gerade dabei sich zu infizieren. Meine Kollegin hat dann eigenständig Wundheilsalbe (Ialugen plus) und Verbandsmaterial daraus gemacht und die Patientin instruiert und anschliessend ein neues Rezept verlangt.

Und das nächste Rezept war gleich noch so etwas. Anderer Arzt allerdings.

Die Patientin hat starke Schmerzen, so stark, dass sie kaum schlafen kann. Der Arzt verschreibt Irfen retard, 800 mg 2x täglich. Das (und alle Generika und weiteren Medikamente in der gleichen Form) ist seit Wochen nicht lieferbar. Der Grosshandel stellt uns für Anfang Nächsten Monat wieder welche in Aussicht.

Der übliche Ersatz (600mg Ibuprofen und öfter zu nehmen) hat bei der Patientin nichts gebracht weshalb man beim Arzt anruft, um nach einem anderen Ersatz zu fragen.

Das Telefon muss toll gewesen sein. (Nicht).

Apothekerin: „Guten Tag, ich rufe an für Frau … der sie Irfen retard 800 mg aufgeschrieben haben. Das und alle Generika davon sind noch eine Weile nicht lieferbar. Können wir etwas anderes dafür abgeben?“

Arzt: „Nehmen Sie Brufen retard 800mg“

Apothekerin: „Das ist ebenfalls nicht lieferbar. Wir bekommen nichts bis frühstens Anfang nächsten Monat.“

Arzt: „Dann muss sie halt warten.“

Apothekerin: „Warten Sie! (er hätte fast aufgehängt) Umm, Sie hat starke Schmerzen und nichts mehr zu Hause. Soll sie es nicht mit Tilur retard versuchen?“

Arzt: „Wenn Sie meinen. Okay.“

klick

Meine Apotheker-Kollegin war jedenfalls sichtlich unzufrieden mit der Leistung dieser Ärzte.

Disclaimer: Zum Glück sind das eher die Ausnahmen, die allermeisten Ärzte hier sind wirklich gut und kümmern sich auch. Selbst für die Ärzte war das … ungewöhnlich. Schlechter Tag? Schlechte Zeit?

Dialoge aus der Apotheke / 11

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Vorbezüge gehen nur so weit … (und die Apotheke ist nicht ihr Sekretär)

Apotheke: „Ihr Arzt hat uns mitgeteilt, dass er Ihnen kein neues Rezept ausstellt, bevor er Sie gesehen hat.“

Patient: „Und wann habe ich meinen Termin bei ihm?“

Apotheke: „Umm .. den müssen Sie selber mit ihm abmachen.“

 

Auswahlrezept

Rezept für Stützstrümpfe. Klar. Aber: welche sollen es denn sein?

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Patientin kommt damit vom Frauenarzt und sie ist schwanger. Trotzdem weiss ich bei dem Rezept nicht, was es denn sein soll: Unterschenkelstrümpfe, Strumpfhose, Maternity Strumpfhose oder Oberschenkelstrümpfe mit Hüftbefestigung? 2 Paar? Oder 2 Stück?

… sieht so aus, als hätten wir die Auswahl. Immerhin sicher: Kompressionsklasse 2. Und mehr als 1 Stück.

Minimalisten-Rezept

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Ich weiss ja, dass es sehr … schreibfaule Ärzte gibt. Aber das Rezept war dann doch ein Novum. Noch weniger geht kaum – und selbst das was ich da drauf stehen habe reicht eigentlich nicht aus. Zu wenig Information.

Ich habe auch ausser dem Spitalnamen und der Arztunterschrift nichts gelöscht: Da steht nicht mal drauf, für wen das Rezept jetzt ist! Für die Frau von dem Mann, der jetzt bei mir in der Apotheke steht offenbar. Die ist vom Spital entlassen worden und jetzt zu Hause.

Und die Medikamente, die sie braucht?

  • Ponstan Tbl OP1
  • Tramal Tbl OP1
  • Pantozol Tbl OP1

Während es beim Ponstan noch einigermassen klar ist (in Tablettenform gibt es nur die 500mg, 250mg sind Kapseln), weiss ich beim Pantozol und beim Tramal nicht, welche Stärke gewünscht ist. Dann fehlt mir auch, wie die Tabletten zu nehmen sind (was beim Tramal ein Hinweis darauf geben könnte, ob retard oder nicht). Und: wie lange? Wenn so gar nichts steht ist das die kleinste im Handel befindliche Packung je. Aber wenn sie das Pantozol wegen Magenproblemen wegen der Schmerzmittel nehmen muss, dann sollte ich wissen, wie lange sie die nehmen muss / darf. Und apropos Schmerzmittel: da will ich sie auch nicht zu Hause lange leiden lassen, bis sie etwas bekommt …

Anruf im Spital hat nicht geklappt: Das Telefon wurde nicht abgenommen, und auch via Zentrale war der Arzt nicht zu fassen. Deshalb habe ich der Patientin angerufen, um vielleicht aus ihr noch ein paar Informationen dazu zu bekommen – im Schlimmsten Fall würde ich morgen noch einmal im Spital anrufen und mir ein neues Rezept schicken lassen. Das war aber dann nicht nötig: die Patientin hatte tatsächlich noch genug Schmerzmittel zu Hause und wollte das in den nächsten Tagen selber mit dem Hausarzt besprechen, wie es weiter geht.

Auch gut.

Das übliche … (doch nicht)

Auf dem Rezept vom Spital für eine junge Frau, die mit ihrem winzigen Baby in die Apotheke kommt:

1 OP Ponstan 500mg Tabletten 3×1/Tag

1 OP Dafalgan 1g Tabletten max. 4 x 1/Tag

In der Kombination hier noch häufig so verschrieben für Schmerzen nach der Geburt. Und das obwohl in der Packungsbeilage vom Ponstan steht, das man das in der Stillzeit nicht nehmen sollte … Grund: es wurde nicht getestet. Aber inzwischen hat man länger Erfahrung mit der Anwendung, auch in der Stillzeit und offensichtlich geht das. Ich habe das selber so verschrieben bekommen vor bald 10 Jahren.

Frau: „Könnte ich vom Dafalgan die Brausetabletten haben?“

Das kann ich machen – Kommentar im PC: „galenische Form dem Patientenbedürfnis angepasst:“

Aber beim Ponstan …

Frau: „Oh, ich kann keine Tabletten schlucken – gibt es da nicht auch Brausetabletten, wie beim Dafalgan?“

Offenbar kennt sie das schon. Ich frage mich bei so was allerdings immer: Wieso konnte man das nicht schon dem Arzt sagen, damit der das auch aufschreibt???

Pharmama: „Nein, aber es gibt Zäpfchen oder den Kindersirup.“

Frau: „Oh, nein. Was ist mit Brufen Brausepulver, könnten Sie nicht das nehmen?“

Pharmama: „Das wäre eine Möglichkeit, auch in der Stillzeit, aber … das ist nicht derselbe Wirkstoff, da müsste ich erst …“ (im Spital nachfragen, Toll.)

Frau: „Das ist lustig. Der Arzt, der das Ponstan aufgeschrieben hat, den habe ich wegen dem gefragt, der meinte das sei derselbe Wirkstoff.“

Ich schaue sie an, sie schaut mich an …. Sie hat tatsächlich gefragt. Und der Arzt verschreibt trotzdem dasselbe wie immer.

Pharmama: „Neeeeiiinn…“

(Das eine ist Mefenaminsäure, das andere Ibuprofen)

Frau: „Ja, das dachte ich auch, aber: was will ich den Arzt korrigieren.“

Nee, das mache ich jetzt.

Dialoge aus der Apotheke / 7

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Ab morgen wieder. Weshalb bezahlt die Krankenkasse nicht alles?

Apotheke: „Hier sind die 5 Medikamente, die der Arzt Ihnen verschrieben hat. Eines davon übernimmt die Krankenkasse nicht. Das mach 5.50.“

Patient: „5 Franken? Ich habe ein Rezept, das sollte gratis sein!“

Das beruht auf verschiedenen (verbreiteten) Missverständnissen rund um das Gesundheitssystem. Eine Krankenkasse ist eine Versicherung: im Prinzip ist sie dafür da einzuspringen, wenn man krank ist und Behandlung braucht, damit man deswegen nicht in finanzielle Schieflage gerät. Aus … praktikablen Gründen können wir Apotheken Medikamente direkt mit der Krankenkasse abrechnen, aber alles bezahlen sie nicht. Auch nicht, wenn es auf dem Rezept steht. Man sollte das Rezept als „Behandlungs-empfehlungsschreiben“ des Arztes ansehen – und nicht als „Gutschein um Medikamente gratis zu erhalten“.

Bin ich denn die Krankenkassenangestellte?

„Sie müssen mir einen Vorbezug machen, mein Baby zahnt!“

Ja. Wow. Das machen Babies so. Die meisten sogar ohne Probleme, ein paar speicheln und kauen auf allem was sie in den Mund bekommen können herum und noch ein paar bekommen Rötungen, reagieren mit Unruhe und eventuell Fieber.

Wenn das Fieber ein Problem ist oder es wirklich Schmerzen haben sollte, habe ich etwas – Paracetamolzäpfchen kosten nicht mal 3 Franken die Packung.

Aber dafür … rufe ich nicht den Arzt an (kostet 80 Rappen), verlange dass er ein Rezept ausstellt (kurze Telefonische Beanspruchung: das verrechnet er der Mutter oder der Krankenkasse dann mit mindestens CHF 8.60), uns das per Fax schickt (80 Rappen), ich gebe das alles bei uns im Computer ein, UND muss das wahrscheinlich auch noch selber mit der Krankenkasse abrechnen (Arbeitszeit, einschicken etc.). Nur damit die Krankenkasse das dann – weil der selber zu bezahlende Anteil (die Franchise) nicht erreicht ist- wieder der Patientin in Rechnung stellt (auch wieder Arbeitsaufwand, diesmal von der Krankenkassenangestellten und Porto).

Aber Fieber war nicht mal das Problem – sie wollte dringend homöopathische Zahnungskügeli.

Okay – das zahlt die Krankenkasse gar nicht. Rezept oder nicht Rezept. Noch ein Grund weniger, dass ich dafür den Arzt anrufe und eines verlange. Auch wenn das mit 12 Franken teurer ist. Eine Krankenkasse ist eine Versicherung und keine Bank – und ich bin keine Angestellte der Krankenkasse sondern eine medizinische Fachperson.

Und wenn ich denke, wie lange das gebraucht hat, der anspruchsvollen Mutter das zu erklären, weshalb sie das selber kaufen kann (und muss, wenn sie es will), dass auch im Gesundheitssystem nichts „gratis“ ist und der Aufwand hier in keinem Verhältnis steht zu dem was rauskommt (Am Ende bezahlt sie es dann ja trotzdem selber) …  Puh.

Ein schönes Wochenende Euch, liebe Leser! Nützt Eure Frei-Zeit sinnvoll, wenn ihr nicht arbeiten müsst.

Dialoge aus der Apotheke / 3

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Nein. Einfach: Nein.

Apo: „Entschuldigung, aber ich kann Ihr Rezept für Ritalin so nicht ausführen.“

Pat: „Was? Weshalb nicht?“

Apo: „Der Arzt hat vergessen zu unterschreiben.“

Pat: „Haben Sie mir einen Stift?“

Nochmals: ein Rezept ist eine Urkunde. Sie darf nicht einfach so verändert (und auch nicht ergänzt) werden. Die Unterschrift des Arztes ist ausserdem zwingend auf dem Rezept notwendig.  Bei so etwas oben, würde ich direkt beim Arzt ein neues Rezept (per Post bitte) verlangen und es nicht zurückgeben – ansonsten versucht der Schlaumeier das doch noch selber anzubringen.

„R“-Verletzung

Eine Frau und ihre Tochter kommen um Rezepte einzulösen gemeinsam in die Apotheke und geben die Rezepte der Pharmassistentin, die sie ausführt.

Unglücklicherweise haben beide denselben Namen. Und auf dem Rezept der Tochter war kein Geburtsdatum eingegeben.

So werden beide Rezepte unter dem Namen der Mutter eingegeben.

Beim Anschauen der Rezepte vor der Abgabe bemerke ich das aber – vor allem, weil ich weiss, dass es da zwei mit demselben Namen gibt … und weil eines der Medikamente eher ungewöhnlich wäre, auch da ausgestellt von einem Kinderarzt.

Also bitte ich die Pharmassistentin das rasch zu ändern und die Mutter zu informieren, damit sie weiss, dass es noch etwas dauert, weil wir das korrigieren müssen.

Mutter: „Weshalb? Haben Sie mir das falsche Medikament herausgesucht?“

Pharmaassistentin: „Nein, die Medikamente sind richtig, aber ich muss sie noch neu unter der richtigen Person eingeben im Computerdossier.“

Verstand sie überhaupt nicht.

Mutter: „Das sind nur 2 Rezepte, weshalb dauert das so lange?“

Ach – das sind nur die blöden Vorschriften, dass alles korrekt sein muss und auch korrekt festgehalten werden muss, die Krankenkassen zahlen auch nicht so gerne, wenn etwas nicht für ihren Kunden ist … und das ist auch so ein Fall: je länger man diskutiert, desto länger dauert das.

Der Titel bezieht sich auf die „5-R Regel“. Die fünf Rs sind:

  1. Richtiger Patient
  2. Richtiges Arzneimittel
  3. Richtige Dosierung (oder Konzentration)
  4. Richtige Applikation (auch Applikationsart)
  5. Richtige Zeit (richtiger Zeitpunkt)

Über die Gültigkeitsdauer von Rezepten (in der Schweiz)

Wie lange ist ein Rezept gültig?  Das ist die Neuauflage einer alten Frage, die ich hier auch als Service für die mitlesenden Ärzte gerne beantworten will.

Ein normales Rezept ist nach dem Ausstellen (siehe Datum, das auf das Rezept muss) 1 Jahr lang „gültig“. Das bedeutet, dass darauf verschriebenes innerhalb dieses Jahres bezogen werden kann entsprechend der verordneten Menge. Wenn keine genaue Mengenangabe, sondern nur „1 OP“ darauf steht, ist das 1 Original-Packung in der kleinsten Grösse.

Für Antibiotika und derartiges, deren Bezug nach einer gewissen Zeit keinen Sinn mehr macht, gilt das nicht: hier muss von der Apotheke abgeklärt werden, ob es das Medikament wirklich noch braucht.

Medikamente die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen müssen benötigen einerseits spezielle Rezeptformulare, andererseits ist ein solches Betäubungsmittelrezept nach Ausstellungsdatum nur 1 Monat gültig. Benzodiazepine, Zolpidem etc. brauchen zwar kein Betäubungsmittelrezept, Rezepte dafür sind aber ebenfalls nur einen Monat lang gültig!

Es gibt einige (wenige) Medikamente, die zusätzliche Einschränkungen haben. Rezepte für Isotretinoin müssen für Frauen im gebärfähigen Alter innert 7 Tagen nach dem Ausstellen eingelöst werden, manche Medikamente haben Limitationen welche Menge die Krankenkasse bezahlt.

Dauerrezepte und Dauer der Rezepte:

Es gibt in der Schweiz die Möglichkeit Dauerrezepte auszustellen – der Arzt muss das auf dem Rezept selber kennzeichnen. Er kann das, indem er darauf vermerkt „Dauerrezept“, „ad rep“„Rep“ „zu wiederholen bis …“ etc.

Aber wie lange kann so ein Dauer-Rezept gültig sein?

In der Schweiz ist das etwas verwirrlich, da das die Kantone in ihren Gesundheitsgesetzen entscheiden können. Da gibt es also kantonale Unterschiede von 6 Monaten, 1 Jahr bis zu (in wenigen Kantonen) 2 Jahren. Dazu kommt noch, dass die Apothekerverbände oder die Kantonsapotheker und Katonsärzte Empfehlungen herausgeben. Also kann es sein, dass das kantonale Gesundheitsgesetz 1 Jahr zulässt, die Empfehlung aber ist, das Dauerrezept „nur“ für 6 Monate einzugeben. Das hat auch den Sinn, dass der Patient gelegentlich mal wieder den Arzt sieht und der schauen kann, ob sich am gesundheitlichen Zustand etwas geändert hat, das eine medikamentöse Anpassung erfordert. Den Ärzten steht es frei Dauerrezepte auch für kürzere Zeiträume auszustellen (zum Beispiel: für 10 Wochen, 3 Monate, 4 Monate …).

Interessant hier ist auch, was im Vertrag der Apotheken mit den Krankenkassen steht: (Repetitionsregelung gemäss LOA IV-Vertrag (Anhang 3, Art. 4, Abs. 2):

Bringt der Arzt zum Arzneimittel auf dem Rezept einen allgemeinen Repetitionsvermerk an, so ist eine wiederholte Abgabe nach Massgabe der verordneten Tagesdosis oder der Normaldosierung während 6 Monaten oder bis zum nächsten Arztbesuch bzw. max. 1 Jahr erlaubt.

Legt der Arzt für das Dauerrezept eine Gültigkeitsdauer fest, so darf diese zwölf Monate nicht überschreiten.

Das bedeutet: Auch wenn der Arzt in einem Kanton, wo das erlaubt wäre ein Dauerrezept für 2 Jahre ausstellt, muss die Krankenkasse das nicht anerkennen und nur während 1 Jahr zahlen. Dann braucht es ein neues Rezept.

Auch ein Betäubungsmittelrezept kann ein Dauerrezept sein. Dafür gibt es allerdings spezielle und strengere Vorschriften: Wie schon geschrieben gilt ein Betäubungsmittelrezept für 1 Monat nach Ausstellungsdatum – für maximal einen Monatsbedarf. Wenn es die Umstände rechtfertigen, darf eine Menge für maximal 3 Monate verschrieben werden: mit genauer Angabe der Dosierung und Behandlungsdauer!

Die Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, aber kein BG-Rezept brauchen: „Arzneimittel mit kontrollierten Substanzen gemäss Verzeichnis b und c BetmVV-EDI“: wie die Benzodiazepine und Zolpidem: hier sind Dauerrezepte bis maximal 6 Monate möglich – auch hier muss unbedingt die Dosierung angegeben werden. – (und ehrlich: ich finde Dauerrezepte dafür sind eigentlich auch Kunstfehler: hier steht in der Packungsbeilage sehr, sehr deutlich, dass die nur zur kurzzeitigen Anwendung gedacht sind!)

Übrigens: In der Schweiz darf der Apotheker (unter bestimmten Voraussetzungen) auch bei normalen Rezepten eine Wiederholung des Medikamentes machen:

Verschreibt der Arzt auf dem Rezept ein Medikament ohne Repetitionsvermerk, so ist eine einmalige erneute Abgabe höchstens der verordneten Packungsgrösse in begründeten Ausnahmefällen erlaubt. Der Apotheker dokumentiert den Grund der Repetition. Die Ausnahme hier ist die Liste A, die nicht wiederholt werden darf, wenn das nicht ausdrücklich auf dem Rezept steht.

Und bei Dauerrezepten mit allgemeinem Repetitionsvermerk dürfen wir Apotheker (ebenfalls unter bestimmten Voraussetzungen) die Dauer verlängern – zum Beispiel bis zum nächsten Arztbesuch, Maximal aber auf die Länge eines Jahres nach Ausstelldatum des Dauerrezeptes. Letzteres hat (zumindest bei uns in der Gegend) etwas zu Diskussionen geführt, da es Apotheken gibt, die das sehr häufig gemacht haben – was letztlich nicht im Sinne des Arztes war. Das kann ich verstehen, weshalb ich diese Option nur selten einsetze und nicht „grundsätzlich“ so mache.

Online Apotheken beliefern gefälschte Rezepte

Dass in Deutschland für Online-Apotheken offenbar andere Gesetze gelten als die Vor-Ort Apotheken merkt man noch relativ schnell – und ich spreche hier nicht einmal von denen, die sich ausserhalb der Landesgrenzen befinden, oder denen, die ihre Produkte aus Asien schicken (häufig gefälschte Medikamente).

Während auch wir hier bei Medikamenten, die abhängig machen oder bei falscher Anwendung unangenehme bis gefährliche Nebenwirkungen haben können (wie Nasenspray oder Schmerzmittel) nur jeweils eine oder zwei Packungen für die Person abgeben, darf man das in den Online Apotheken offensichtlich in 10er Grosspackungen bestellen.

Während wir Notdienst anbieten müssen, Rezepturen herstellen und jederzeit für Fragen um die Medikamente da sind, haben Online Apotheken Geschäfts-Öffnungszeiten, es ist okay, wenn es ein paar Tage dauert, bis es kommt – und Rezepturen machen sie auch nicht. Beratung findet nur statt, wenn der Patient selber aktiv wird uns (von 9-12 und 14-17 Uhr oder so) anruft.

Während bei uns vorgeschrieben ist, dass beim Rezept abgeklärt wird, ob es nicht gefälscht ist: Der richtige Patient, der richtige Verschreiber und das richtige Medikament … scheint auch das bei Online Apotheken nicht so zu sein: Testbericht.de hat 10 online Apotheken getestet, indem sie mit Rezeptvordrucken, Stempel von falschen (nicht vorhandenen)  Ärzten rezeptpflichtige Medikamente bestellt hat. Nachzulesen hier: https://www.testbericht.de/publikationen/10-online-apotheken.html.

Die Ergebnisse finde ich verheerend: 8 von den 10 Apotheken (willkürlich ausgewählt, darunter auch so bekannte wie docmorris, pharmeo, medpex) haben die Rezepte anstandslos beliefert.

Bestellt wurden Medikamente wie Viagra, Dolomagon, Deltaran, Losartan, Lorazepam, Vigil, Modafinil, Fluoxetin, Gabapentin und Hydrocortison. Alles aus gutem Grund rezeptpflichtige Medikamente, viele davon missbrauchgefährdet.

Bei 3 Online Apotheken konnte mit dem erfundenen Kundennamen auch auf Rechnung bestellt werden.

Nur 2 Online Apotheken haben die Testperson nicht beliefert: vitalix24 und apomagic. Diese beiden haben sich offenbar die Mühe gemacht nachzuschauen, ob es die Ärzte überhaupt gibt.

Wie kann so etwas sein?

Es handelte sich hier um Privatrezepte, für die keine Formvorschriften gelten wie für die Kassenrezepte. Das wären bei uns in der Schweiz übrigens so ziemlich alle Rezepte: ausser bei den Betäubungsmittelrezepten gibt es auch bei uns keine „offiziellen“ Rezeptformulare, wodurch wir alles sehen: A5, A4, Fresszettel, handgeschrieben, Computerausdrucke, gemischte …. Die normale Apotheke in Deutschland kann schon Probleme bekommen, wenn schon nur die Telefonnummer des Arztes nicht auf dem Rezept ist und muss erkennen können, dass es sich vielleicht um eine Fälschung handelt – vor allem bei den Rezepten, die den Krankenkassen eingeschickt werden, aber theoretisch auch sonst. Und hier reden sich die Online Apotheken heraus mit ebenden fehlenden Vorschriften bei Privatrezepten. Es sei nicht möglich alle auf ihre Herkunft zu prüfen. Man habe auch keine zentrale Datenbank aller verschreibungsberechtigten Personen (weder von Deutschland, noch der EU – deren Rezepte in Deutschland ja auch gelten müssen) und die Prüfplicht ende ja nicht bei den Pharmazeuten sondern bei den Kostenträgern (Und wenn das nicht der Krankenkasse eingeschickt wird, sondern selber bezahlt macht das denen ja nichts?).

Einige weisen darauf hin, dass es deshalb entweder Formular-Vorschriften auch für Privatrezepte brauche … oder nur noch die elektronische Verschreibung. Damit bin ich nicht ganz einverstanden.

Am besten gefiel mir die Antwort von apomagic (eine der 20%, die das Rezept nicht beliefert haben):

Versuche, mitttels gefälschter Rezepte verschreibungspflichtige Arzneimittel, auch Psychopharmaka oder Schlafmittel zu bestellen, sind leider nicht selten. Leider ist nicht auszuschließen, dass einzelne Versandapotheken hier nachlässig arbeiten. Dabei mögen sich widersprechende Interessen eine Rolle spielen. Der Gesetzgeber muss überlegen, ob ein Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel in dieser Form gewollt und sinnvoll ist.

In der Schweiz wird der Medikamentenversand übrigens so eingeschränkt, dass auch für rezeptfreie Medikamente ein Rezept vonnöten ist. Und seit neuerem darf das auch nicht ein Arzt (zum Beispiel in der Versandapotheke selber) nach Ausfüllen eines einfachen Fragebogens im Internet ausstellen – er muss zuvor direkten Kontakt mit dem Patienten gehabt haben. Rezeptkopien dürfen Versandapotheken auch nicht annehmen – und ausländische Rezepte sind in der Schweiz nicht gültig.

 

Isotretinoin Rezepte und Frauen im „gebärfähigen Alter“

Die junge Frau (im Fachjargon wäre das: „Frau im gebärfähigen Alter“- und ich erwähne das nur, weil das für viele medizinische Belange noch wichtig ist, wie auch für diesen hier …) kommt in die Apotheke mit einem Rezept für Isotretinoin Kapseln 10mg.

Netterweise hat der Arzt sich für einmal an die Vorschriften gehalten und der Frau (etwa 20jährig) tatsächlich nur eine 30er Packung aufgeschrieben. Ehrlich, langsam nervt das, dass ich da inzwischen fast immer (!) Dauerrezepte und Packungen zu 100 Stück sehe. In der Packungsbeilage und Fachinformation steht deutlich drin, dass man bei diesem Medikament bei Frauen im gebärfähigen Alter (… was ja heute eine Spanne von was? 14 bis nach 50 umfassen kann) jeden Monat eine ärztliche Kontrolle machen muss vor dem Ausstellen eines neuen Rezeptes – sie darf wirklich nicht schwanger werden. Der Wirkstoff ist teratogen, macht also Missbildungen.

Wenn man das mit den (nicht erlaubten und trotzdem immer wieder ausgestellten) Dauerrezepten für Frauen weiss, dann verwundert es vielleicht etwas weniger, dass im letzten Jahr (2015) in der Schweiz 15! Frauen unter Isotretinoin schwanger wurden.  5 haben die Schwangerschaft freiwillig abgebrochen, 2 hatten Spontan-Aborte, ein Kind kam zu früh und mit Missbildungen zur Welt, 1 zur Normalzeit mit Missbildungen, beim Rest ist unbekannt, wie es ausging. Auch 2014 waren es 13 Frauen die unter Isotretinoin schwanger wurden (2012 waren es noch 5)  Quelle: Vigilance News 12-2014

Meiner Meinung nach ist da jede einzelne zuviel. Deshalb habe ich Anfang Jahr an die schlimmsten Verschreiber (was das angeht) einen Informationsbrief geschrieben … könnte ja sein, dass sie nicht wissen, dass das nicht wirklich legal ist, was sie da machen mit den Dauerrezepten für Isotretinoin. Zumindest sollten sie dann auf dem Rezept eine Notiz machen, damit ich weiss, dass die Problematik bekannt ist, die Patientin genügend aufgeklärt und ich das wirklich als Dauerrezept abgeben soll. Ein einfaches „!“ oder „sic“ reicht mir dafür. Ausserdem habe ich sie darauf hingewiesen, dass ich auch dann keine grossen (100er) Packungen abgebe, sondern nur monatlich eine 30er Packung – so dass ich zumindest die Gelegenheit habe nachzuprüfen und zu wiederholen, dass sie nicht schwanger sein oder werden darf, wenn sie das nimmt. Gerade mal ein Arzt hat darauf reagiert … und das war noch derjenige, der das am wenigsten macht … wir hatten einfach die eine Kundin, der er das Medikament nicht selber mitgibt jeden Monat.

Aber ich schweife ab. Das Rezept hier war okay, die Kundin wusste um die Anwendung und auch dass sie nicht schwanger werden darf, was sie mir grad mit der nächsten Frage nochmals bewies …

„Könnte ich grad noch eine Packung (Pille zum Verhüten) haben? Ich habe aber kein Rezept dabei – ich habe das zu Hause vergessen.“

Gut, sie hatte diese Pille schon einmal bei uns, aber unter den Voraussetzungen hätte ich das garantiert auch so gegeben.

 

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