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Ich mach‘ die Preise nicht.

Der Patient hat eine Versicherung, die uns das Medikament erstatten würde, weigert sich aber sie zu benutzen und will selber zahlen – darf er – dafür hält er uns (und die anderen Patienten) dann 5 Minuten mit der Diskussion auf, weshalb das Atorvastatin jetzt so teuer ist.

Ich mach die Preise der Medikamente nicht. Ganz speziell nicht die der rezeptpflichtigen Medikamente, die von der Grundversicherung übernommen werden. Die sind tatsächlich gesetzlich geregelt. Und die Checks die da drauf kommen, die sind für meine Arbeit, da verzichte ich nicht drauf (ganze maximal 7 Franken 30! Egal wie teuer die Packung sonst ist).

Tatsächlich bin ich der Meinung, die sind schon ziemlich gut heruntergekommen mit den Preisen – wären Sie mit dem Rezept gekommen, als es noch nur das Sortis gab, dann hätten Sie Grund zum motzen, aber so?

Zeitverschwendung!

Ich habe echt genug zu tun, ohne mit Ihnen über die Preise zu diskutieren. Hinter Ihnen fragen sich gerade 3 weitere Patienten, weshalb das so lange dauert.

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Über den Beruf Apotheker in DACH – Teil 6: Umgang mit rezeptpflichtigen Medikamenten

UnterschiedeDACHApotheke

Umgang mit rezeptpflichtigen Medikamenten: Sind Mehrfachabgaben oder ein Bezug ohne Rezept möglich?

Das erscheint mir einer der auffälligsten Unterschiede in den verschiedenen Gesundheitssystemen. Im Prinzip lässt es sich auf „Wieviel Kompetenz / Verantwortung hat der Apotheker?“ herunterbrechen. Medikamente werden nicht ohne Grund als rezeptpflichtig eingeteilt – es geht dabei nicht immer um den Inhaltsstoff und dessen Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen, sondern auch um die Indikation, also: für was man etwas braucht. Und während die Diagnose klar in ärztliche Hand gehört, wird das bei weiterführender Therapie unterschiedlich gehandhabt, wer das jetzt macht, respektive wie lange therapiert wird, ohne dass der Patient den Arzt sieht.

CH: Dauerrezepte sind in der Schweiz möglich und häufig – sie müssen vom Arzt entsprechend gekennzeichnet werden. Damit sind Bezüge (auch via Krankenkasse abrechnenbar) bis maximal 1 Jahr nach dem Ausstellen möglich. Es gibt Medikamente mit Limitationen: Einschränkungen in der Dauer und welche Menge übernommen wird von der Krankenkasse. Aber auch ohne Dauerrezept-Vermerk darf die Apotheke (ausser bei Liste A Medikamenten und Vermerk „ne repetatur“ NR) innerhalb von einem Jahr nach Ausstellungsdatum einmalig eine Wiederholung auf ein bestehendes Rezept machen und auch das wird von der Krankenkasse übernommen.

Fall (noch) kein Rezept für ein Medikament vorliegt, liegt es hier in der Verantwortung des Apothekers zu entscheiden, ob eine Abgabe möglich ist. Im Gesetz ist ausdrücklich eine „Abgabe im Ausnahmefall“ erlaubt. Sie muss nach entsprechender Abklärung durch den Apotheker mit entsprechender Kompetenz erfolgen und dokumentiert werden. Meist handelt es sich hier auch um die Weiterführung einer bestehenden Therapie. Normalerweise wird durch den Patienten für den Vorbezug ein Rezept nachgereicht, auch damit das Mittel der Krankenkasse verrechnet werden kann.

 

D: In Deutschland gibt es keine Dauerrezepte bei den von der Krankenkasse übernommenen Rezepten. Ausnahmen sind möglich bei den Privatrezepten, die von den Patienten selber bezahlt werden. Die „Haltbarkeit“ eines Privatrezeptes legt der Arzt fest.

Die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten ohne Rezept ist gesetzlich verboten. Auch als Vorbezug und auch im Notfall ist das nicht möglich. Apotheker, die das trotzdem machen, machen sich strafbar. Es braucht deshalb immer ein Original-Rezept. Keine Kopie und kein Fax. Eventuell kann ein Medikament auf Faxrezept abgegeben werden, wenn das Originalrezept am nächsten Tag nachgereicht wird.

 

Ö: Wenn die Krankenkasse in Österreich das Rezept bezahlt, darf es nur einmal eingelöst werden. Es muss wieder neu ausgestellt (und bei Bedarf auch bewilligt) werden. Bei Privatrezepten, wo vom Kunden gezahlt wird, können die Medikamente im Normalfall innerhalb eines Jahres 6 Mal bezogen werden (Ausgenommen Suchtgifte und spezielle Medikamente oder der Arzt schreibt ausdrücklich darauf „Ne repetatur“)

Es liegt hier in der Verantwortung des Apothekers Rezeptpflichtiges ohne Rezept abzugeben, allerdings nur in der kleinsten im Handel erhältlichen Packung (siehe Notfallparagraph). Vorbezüge nennt man in Österreich „Einsatz“. Der Apotheker kann die kleinste Packung abgeben und der Patient muss dann ein Rezept „nachbringen

Das wars mit der Miniserie zum Vergleich der Apothekenarbeit in den DACH-Ländern. An der Stelle möchte ich noch einmal  Pharmapro.ch – für die Idee und Unterstützung Danken. Der Artikel kommt (zusammengefasst und mit den Erkenntnissen aus den Kommentaren ergänzt) auch dort.

Da steht *was* auf dem Rezept?

Rezept von einem Arzt in der Schweiz – handgeschrieben, einigermassen leserlich. Aber … was steht denn da?

rpschuemli

Schümli Felsenau? (kenne ich nicht)

1x pro Tag und 1 x Reserve

für 1 Monat – also ein Dauerrezept

Muss ich mal nachschauen, was das ist:

schuemli

Ist nicht wahr, oder? Ein Dauerrezept für alkoholfreies Bier? Naja – verschreiben kann der Arzt ja alles, aber das heisst nicht, dass die Krankenkasse das zahlt. Und ob ich das bestellen kann? Wein bekomme ich ja …

Danke vielmals an Celine für’s einschicken dieses speziellen Rezeptes!

 

Die Pflasterverschreibung

rppflaster

Bild: So sind (Spezial-)Pflaster normalerweise auf Rezept verschrieben. Für die nächste Begegnung – die mir Kristy.infidel von instagram so geschickt hat- muss man sich einfach vorstellen, dass da 15 x 8 cm drauf steht.

Kunde: „Ich will dieses Pflaster umtauschen. Ich wollte eins was 8x15cm gross ist. Sie haben mir eins gegeben, wo 15 x 8 drauf steht.“

Apotheke: „Ehm … Ja. Sie können es auch drehen?“

Kunde: „Nein, das geht nicht. Geben Sie mir ein neues. Zur Not auch 10 x 15. Hauptsache, die 15 steht hinten!“

Rezeptfälschungsbeispiel

Die Rezeptkopie haben wir gefaxt bekommen im Rahmen einer Rundwarnung, dass es (und ähnliche) gefälscht sind.

Das ist so ein Fall – auf den ersten Blick sieht es noch einigermassen okay aus, aber je länger man es ansieht, desto mehr Fragen werfen sich auf:

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Wieso stellt die Hals-Nasen-Ohren (HNO) Abteilung im Spital ein Rezept für ein starkes Schlafmittel aus?

Seltsame Dosierung: einmal innert 24 Stunden – weshalb nicht grad „maximal 1 Tablette vor dem Schlafen“? Anders nimmt man ein Schlafmittel eigentlich nicht, oder?

Moment: das Rezept ist „für Kind“?

Nö.

Patient mit besonderen Bedürfnissen

Beim kontrollieren der Rezepte vom Vortag fällt mir ein … etwas spezieller Kommentar bei einem Patienten auf. Nennen wir ihn Herr Vacuoli.

Rezept mit …Spritze von der Klinik abgegeben am 4.12 .; wenn er Spritze nicht bestellt bei uns bis 15. Januar bitte ihn anrufen und fragen, ob er Termin bei einem Arzt hat für Spritze und fragen, ob wir für ihn Spritze bestellen sollen. (Er scheint etwas vergesslich und schlecht organisiert).

Huh? Speziell.

Herr Vacuoli ist etwa halb so alt, wie ich. Den Rest der Medikamente vom Rezept der Klinik hat er bekommen. Weil mir das Medikament (die Spritze) so noch nicht sehr bekannt ist, nutze ich die Gelegenheit, mich darüber zu informieren. Das hilft beim Verständnis der Situation: die Spritze wird verwendet als Depotmedikament bei Shizophrenie. Zum Krankheitsbild gehören auch sogenannt kognitive Störungen, womit hier nicht Intelligenzdefizite gemeint sind, sondern Probleme mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis und der Planung von Handlungen.

Trotzdem … das ist ein ungewöhnlicher Service, wenn die Apotheke dem Patienten hinterhertelefoniert, ob und wann er einen Arzttermin hat. Den Termin braucht er wegen dem Spritzen des Medis – das kann er kaum selber machen. Und das Rezept war von der Klinik, wahrscheinlich spritzt das aber sein Hausarzt oder Psychiater.

Jedenfalls mache ich einen Vermerk in unserer Agenda, dass man Herrn Vacuoli dann kontaktiert.

Am 13. Januar schaue ich nach: Die Spritze ist noch nicht bestellt, also rufe ich ihm an.

Nach dem Telefonanruf weiss ich, was die Kollegin gemeint hat mit „scheint etwas vergesslich“. Verwirrt trifft es vielleicht eher. Am Telefon kommt Herr Vacuoli direkt etwas „vollgedröhnt“ herüber. Nach der dritten Erklärung, weshalb ich anrufe, scheint die Info aber trotzdem angekommen und er bestätigt, dass er noch keinen Arzttermin hat, sich aber darum kümmern will.

Zur Sicherheit schicke ich ihm ein SMS mit der wichtigsten Info nach: welche Apotheke, Arzttermin, melden bitte … Und hinterlasse nun selber einen Kommentar im PC:

Tel am 13.1. – hat noch keinen Arzttermin. Er soll sich bei uns melden, sobald er einen hat. Ph

Am nächsten Tag bestellt Herr Vacuoli telefonisch die Spritze für uns, damit er sie am Termin den er am 26.1. hat dabei hat.

Alles okay … sollte man denken. Vor allem, als ich ein paar Tage später sehe, dass sie abgeholt wurde.

Nö.

Am Donnerstag 26. Januar abends um kurz vor 7 Uhr steht Herr Vacuoli in der Apotheke. Es ist das erste Mal, dass ich ihn sehe, deshalb bin ich mehr als nur etwas verwirrt, als er nur sagt: „Ich soll … meine Spritze abholen.“

Der junge Mann ist Mitte 20 und macht einen freundlichen, wenn auch etwas abwesenden, vielleicht sogar leicht hilflosen Eindruck. Er ist so der Typ, der in einem unbewusst Mamainstinkte weckt – man will ihm wirklich helfen. Das erklärt für mich auch der Kommentar im Computer. Meiner Kollegin ging es wohl gleich.

Nachdem ich seinen Namen verifiziert habe – und nachgeschaut, dass „seine Spritze“ vor ein paar Tagen wirklich abgegeben wurde – an ihn – äussere ich meine Verwirrung darüber. Erstens dass er sie jetzt nochmals (?) will .. und zweitens: ist es jetzt nicht nach dem Termin mit dem Arzt?“

Herr Vacuoli : „Nein, den Termin habe ich erst morgen, ich habe ihn verschieben müssen. Aber ich habe die Spritze verloren.“

Waaas? Das Ding kostet ein paar hundert Franken … und so klein ist die Packung auch nicht!

Aber es bleibt mir wohl nichts anderes übrig als noch eine zu bestellen.

Dass er sie braucht, steht nicht in Frage, aber … echt jetzt? Verloren?

Das belastet mich tatsächlich so sehr, dass ich mir überlege, ob man die Spritze das nächste Mal nicht besser direkt an den Arzt liefert? Denn wahrscheinlich wird es ein nächstes Mal geben. Das ist zwar eine Depotspritze – also langwirksam – aber mehr als einen Monat wirkt sie auch nicht. Wer sich fragt, weshalb man ihm keine Tabletten gibt (die wären zumindest etwas günstiger)? Nun … ich denke, die Episode oben dürfte das erklären: so unzuverlässig / verwirrt wie er ist, ist kaum anzunehmen, dass er in der Lage ist, die Tabletten regelmässig zu nehmen.

Das gibt noch ein Kommentar im PC:

… Spritze verloren! 26.1. Ersetzt. Für nächstes Mal: Er braucht neues Rp bei neuem Bezug. Ev. beim Arzt selber verlangen (und zu dem bringen?)

Den Empfang lasse ich ihn am nächsten Tag ausserdem visieren: er soll zumindest wissen, was das Teil kostet, das er da verloren hat.

(Wird fortgesetzt?)

Fehlermanagement und Ärzteinformation

Man kann nicht alles wissen. Gerade bei Medikamenten und ihrer Verschreibung gibt es auch ständig Wechsel. Wir bemühen uns in der Apotheke auf aktuellem Stand zu bleiben und falls nötig auch entsprechende Rückmeldung an die Ärzte zu geben, wenn uns etwas auffällt.

Letztes Jahr hatten wir nun relativ kurz hintereinander Rezepte vom Spital auf dem folgendes verordnet war:

Methotrexat 10 mg   Dos: 1 1/2 Tabl. 1x pro Woche.

methotrexatSchön und gut, die Dosierung einmal wöchentlich ist für rheumatoide Arthritis üblich – und sogar mit speziellem Warnhinweis auf der Packung versehen, damit da keine Überdosierungen passieren. Zu hohe Dosierungen (die bei undeutlicher Verordnung und Instruktion leider schon vorgekommen sind) führen zu Vergiftung und haben deswegen leider schon zu Todesfällen geführt.

Das Medikament ist hochwirksam, aber nicht ganz ungefährlich. Es ist ein Chemotherapeutikum (also gegen Krebs) und wirkt Immunsystem-unterdrückend. Wenn man unter der Behandlung eine Infektion bekommt, muss man das sofort melden und ev. absetzen. Man darf nicht schwanger sein oder werden, wenn man das nimmt, bis 6 Monate danach, da es Missbildungen beim Kind verursacht.

Und dann steht das in der Packungsbeilage:

Die Tabletten sollen nicht zerstossen werden. Bei der Handhabung sollten möglichst Einmalhandschuhe verwendet werden respektive unmittelbar nach dem Kontakt mit den Tabletten sollen die Hände gewaschen werden. Es ist darauf zu achten, dass allfällige Tablettenteilchen (z.B. bei einer Beschädigung einer Tablette) nicht eingeatmet werden und nicht mit der Haut oder Schleimhaut in Kontakt kommen. Falls es zu einem Hautkontakt kommt, ist die Stelle mit Wasser und Seife zu waschen, bei Augenkontakt ist mit Wasser zu spülen.

Die Tabletten sollte man nicht mit „blutten Händen“ anfassen und schon gar nicht zu teilen. Der Behälter ist auch so konzipiert, dass das nicht passiert. Weil wir ziemlich sicher sind, dass wir nicht die einzige Apotheke sind, die solche Rezepte erhält – und das vielleicht nicht bei allen so bekannt ist, haben wir das Spital informiert, damit die das in Zukunft nicht mit halben Tabletten aufschreiben, sondern vielleicht so:

Methotrexat 10 mg  1 OP und Methotrexat 5mg 1 OP   Dos: 1x 15mg pro Woche

Das mag trivial erscheinen, ist es aber nicht. Wie häufig kommt es vor, dass die  Ehepartner Medikamente für die Partner richten? Oder Eltern für die Kinder? Häufig. Und die kommen dann in Kontakt mit einer sehr potenten Substanz. Das sollte hier nach Möglichkeit vermieden werden – um mögliche Infektionen wegen der Unterdrückung des Immunsystems zu verhindern oder Auswirkungen auf eine Schwangerschaft.

In den Medikamentenunterlagen im Spital steht das übrigens drin. Der/die Ärzte sollten/könnten das also wissen. Aber wenn ein solches Rezept kommt gibt das halt wieder einen Telefonanruf. Ins Spital (mache ich speziell ungern, aber ist hier wichtig).

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Die andere Apotheke

Samstag Nachmittag. Im Moment läuft viel, dieses Jahr ist die Grippe früher gekommen und wer nicht die Grippe hat, hat im Moment den Norovirus. Ich bin an der Kasse dabei mit einem Kunden den Verkauf abzuschliessen.

Drogist Urs übergibt mir sehr kurz seine Kundin: „Pharmama, könntest Du bei ihr schauen, ich übernehme deinen Kunden.“

Das … ist kein Problem – bei meinem muss ich sowieso nur noch einkassieren, trotzdem wundert mich die doch sehr knappe Übergabe. Sehr untypisch für Urs.

Seine Kundin verzieht schon bevor sie etwas sagt das Gesicht. Dann legt sie los, als ich sie fragend anschaue.

„Sie sind die Apothekerin? Na gut. Ich bin Ärztin. Ich würde gerne das hier für mein Kind haben!“ (hält mir einen freiverkäulichen, homöopathischen Hustensirup unter die Nase) …

Ich: „Oh, gut. Wenn sie Ärztin sind, bekommen sie bei uns auch dafür 10% …“

(deshalb hat sie Urs aber nicht abgegeben, oder …?)

Frau: „Ich will das aber nicht zahlen. Bei den anderen Apotheken geht das so, dass ich das bekomme und sie dann dem Kinderarzt faxen, um ein Rezept zu bekommen.“

Ah. Sie will also einen Vorbezug machen. Für einen Sirup, der gerade mal 15 Franken kostet. Weniger für sie als Ärztin.

Ich: „Hmm. Ich mache das gelegentlich. Bei bekannten Kunden. Waren Sie oder das Kind schon einmal hier und haben etwas auf Rezept bekommen?“

Jetzt verzieht sie wirklich das Gesicht: „Wenn das nicht geht, gehe ich in eine andere Apotheke!“

Oh. Bitte. Ist das eine Drohung? Dann verliere ich den Wahnsinnsumsatz für den ich auch noch extra herumtelefonieren darf? Ruhig bleiben, Pharmama.

Freundlich lächelnd: „Wie ist denn der Name?“

Sie gibt mir eine Krankenkassenkarte (aus dem übrigens gut gefüllten Portemone) und ich schaue im Computer nach. Sie war noch nie hier mit einem Rezept. Weder das Kind (für das sie die Karte nicht dabei hat), noch sie selber.

Zum Rekapitulieren – Praktisch ist es das was sie will: Nicht zahlen, Sirup nehmen und einfach gehen. Für uns bedeutet das aber das: Ich muss das Kind neu im Computer als Patient aufnehmen. Ich muss die Deckung kontrollieren – kann ich auch erst am Montag, da sie die Karte nicht hat und die Kasse jetzt am Wochenende nicht erreichbar ist. Dann muss ichdas Rezept vom Arzt verlangen – und hoffen, dass der das Rezept auch wirklich schickt. Ich muss das Mittel dann der Krankenkasse einschicken zum abrechnen. Die Krankenkasse wird ihr dann (weil die Franchise wahrscheinlich noch nicht erreicht ist) die Rechnung für die 15 Franken schicken.

Ich treffe eine Entscheidung.

Pharmama: „Tut mir leid, aber sie habe ich noch nicht drin. Wie gesagt, mache ich das bei bekannten Kunden, aber so … Nein. Sie können das haben – mit einem Rabatt von 10%, aber sie müssten es jetzt bezahlen.“

Frau: „Dann halt nicht! Dann gehe ich in die andere Apotheke, dort geht das!“

Pharmama: „Sicher. Schönes Wochenende!“ wünsche ich noch – und denke bei mir: viel Spass dabei, jetzt am Samstag nachmittag ist die Chance noch gross, dass „die andere Apotheke“ schon zu hat.

Aber speziell schön fand ich ihre Aussage/Behauptung, dass sie Ärztin ist. Ich bin ziemlich sicher, sie hätte als solche (mit Praxis) keine grosse Freude, wenn ihre Patient(inn)en einfach so in allen Apotheken Vorbezüge verlangen gehen. Für Sachen, die man auch ohne Rezept bekommen kann.

Ich nachher so zu Urs in einer ruhigen Minute: „Du, Urs … Ich muss dir leider sagen … sie hat das auch von mir nicht so bekommen.“

Urs: „Finde ich super.“

Ja. Die andere Apotheke ist aber besser – oder?

hair of the dog …

rezept-triebwerksoel

Danke Stefan für dieses „Rezept“ vom Naturheilpraktiker.

Wer’s nicht lesen kann: da steht:

Triebwerksölmischung (Flugzeug) C30 Globuli

Rhus tox D12 glob (usw)

Jaja, Homöopathie. Nix, was es nicht gibt. Und gegen was helfen die Triebwerksölglobuli? Anscheinend ist das gegen Flugangst.

Das muss dieselbe Theorie sein, wie bei murus berlinensis – Berliner Mauer. Hilft gegen Abgrenzungsprobleme. Dafür ist es mal auf Deutsch angegeben. Wie das wohl auf Latein heisst? Ah – damals hatten sie noch keine Flugzeuge, wahrscheinlich ist das deshalb nicht so einfach zu übersetzen.

Aus der Rubrik ungewöhnliche Rezepte …

Von Apomi (aus Deutschland):

Für deine Rubrik ungewöhnliche Rezepte hätte ich eines aus Eritrea. Hatte ich auch noch nicht.

rperitrea

Eritrea? Ziemlich weit gereistes Rezept.  Ausländische Rezepte sind immer so ein Thema. Im Gegensatz zu Deutschland, die (Dank EU) Rezepte aus EU-Ländern anerkennen (müssen), müssten wir in der Schweiz Rezepte aus dem Ausland nicht grundsätzlich ausführen. Wo es vernünftig ist, können wir das dafür als „Abgabe eines rezeptpflichtigen Mittels als Ausnahme ohne Rezept“ handhaben. Also: wenn klar ist, dass das gesundheitlich notwendig ist – und ein Rezept, auch ein ausländisches ist dafür doch ein eher guter Hinweis. Problematisch ist oft, dass nicht bekannt ist, wie die Rezepte in dem Land denn aussehen. Fälschen ist so viel einfacher. Deshalb schaut man noch besser hin, für was etwas ist. Das Rezept oben würde ich nach den sonst nötigen Abklärungen betreffend Identität des Patienten, anderen Medikamenten etc. wohl ausführen (1 Packung, Dankbarerweise ist da der Wirkstoff angegeben, der international ist und nicht ein Markenname) aber ich würde schauen, dass der Patient für die Weiterbehandlung zu einem Arzt hier geht.

(Interessant finde ich noch das „don’t remove this copy“ auf dem Rezept. Ganz offensichtlich wurde es doch mitgenommen. Woher?)

Rezeptprogramme beim Arzt – braucht noch etwas Arbeit?

Weil auch die ausgedruckten Rezepte nicht der „Weisheit letzter Schluss“ sind. Sie sind zwar einiges einfacher für uns in der Apotheke zu lesen (da man nichts entziffern muss) und man kann in der Praxis wunderbar eintragen, wie der Patient das jetzt anwenden soll (plus das ist dort sicher grad im eigenen Patientendossier so gespeichert). Wahrscheinlich zeigt einem bei den Programmen grad noch an, was es denn so gibt an Medikamenten und wie sie von der Krankenkasse übernommen werden. (Oder?)

Aber irgendwie … tja. Das Rezept hat mich vorgestern zum lachen gebracht:

Das wäre sicher nicht passiert, wenn das nicht mit einem Programm erstellt wird. Wer sieht es?

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… Ich soll dem Patienten also vom Nasic Nasenspray grad ein ganzes, gefülltes Display abgeben? 🙂 – Ich dachte immer, man sollte Nasenspray gezielt und nicht andauernd anwenden, also … 9 Stück aufs Mal?

Schon klar. In der Zeile verrutscht und nur das erste gelesen. Aber das Rezept hat noch ein paar andere Unregelmässigkeiten. Vielleicht kennt sich der Verschreiber noch nicht gut mit dem Programm aus – jedenfalls wurde die Anwendung handschriftlich nachgetragen und dann auch noch ein „Meerwasserspray“ angehängt … war davon kein Medikamentenname bekannt? Naaprep, Rhinomer, Fluimare, Mare Mepha, vielleicht auch noch Otrivin Meer und Triofan naturel – auch wenn die nicht physiologisch, sondern hyperton sind. Leider werden die von den Krankenkassen kaum bezahlt. Ebenfalls nicht (mehr) übernommen werden die Nasobol zum inhalieren. Und zu guter letzt habe ich aus dem Sinupret mit 3×2 Dragees pro Tag die Sinupret forte gemacht – mit 3×1 Dragee.

Braucht doch noch etwas Arbeit das ganze. Was wohl eine Versandapotheke aus dem Rezept gemacht hätte?

Idiopathisch

Heute habe ich eines meiner medizinischen „Lieblingswörter“ auf einem Rezept gesehen: idiopathisch.

Genau genommen stand auf dem Rezept für einen Mann unter dem Imodium Dauerrezept:

Idiopathische Diarrhoe

Ich musste schmunzeln. Die Person hat also Durchfall … und der Arzt gibt mit dem Wort praktisch zu, dass er keine Ahnung hat, was die Ursache sein könnte.

von griechisch: idios – selbst und  pathos – Leiden

Idiopathisch bedeutet „ohne bekannte Ursache“ oder „als selbstständiger Krankheitszustand“.

Momentan geht ja wieder das Norovirus um – viele Leute haben deswegen Erbrechen und Durchfall, einige (vor allem Kinder) landen deswegen gar im Spital. Aber bei dem Mann muss da ein anderes Problem sein.

Xa…irgendwas

rpxawas

Wirkliches Rezept von diesem Jahr.

Das steht (ziemlich okay lesbar) Xatral ret 0.5 1 OP (30) D.S: 1 täglich abends

Soweit, so … schlecht.

Xatral gibt es nur als 0.25 mg nicht retardierte Tablette. Es ist ein Mittel mit Alfuzosin bei vergrösserter Prostata. Interessanterweise gibt es in anderen Ländern davon wirklich lang-wirksame Formen, die man dann nicht 3x täglich, sondern 1x täglich nimmt.

Hier vermute ich aber, dass er etwas ganz anderes meint. Nicht zuletzt, weil es sich um eine PatientIN handelt.

Aber sicherheitshalber muss ich beim Arzt anrufen, um von ihm die Bestätigung zu bekommen, dass er eigentlich Xanax retard 0.5mg aufschreiben wollte …

Andere Leute schicken

Mit den Dauerrezepten ist das so eine Sache. Das Rezept bleibt in der Apotheke und der Patient kann (nach Bedarf) zu uns kommen und weitere Packungen erhalten. Im Normalfall bekommt der Patient ausser dem Medikament nicht noch irgendeinen Zettel mit: der Name / Ausweis und die Info, was gebraucht wird reicht uns beim Abholen.

Bei bestellten Sachen haben die Leute einen Abholzettel, bei Dauerrezepten den Ausweis (zum Beispiel die Krankenkassenkarte), manchmal die leere Packung: da steht die Info auch auf dem Dosierungsetikett. Mit der Zeit kennen wir auch „unsere“ Stammkunden, die müssen dann nur noch sagen, was sie brauchen.

Was aber, wenn jemand anders als der Patient, für den das Dauerrezept ist, Medikamente abholen will?

Eines der ersten Dinge, die wir bei einer Abgabe immer abklären müssen ist der Empfänger des Medikamentes. Wenn ein Mann etwas abholen kommen will und einen Frauennamen nennt, ist es ziemlich deutlich, dass das nicht der Empfänger ist.

Gut, wenn ich die Person kenne und ich weiss, das ist der Ehemann der Frau (und er hat sie auch schon begleitet), dann gehe ich im Normalfall davon aus, dass das okay ist. Oder ich hinterlege einen Kommentar, wer die Erlaubnis hat, Medikamente für die Person zu holen.

Letzthin hatten wir aber einen Fall, wo ein Mann für seine Freundin ein Medikament – Seresta (starkes Beruhigungsmittel) abholen wollte. Er hatte nichts (ausser dem Namen der Patientin und dem Mittel). Kein Ausweis, keine Bestätigung, ich habe ihn noch nie gesehen …

Ich habe ihm gesagt, ich brauche entweder eine schriftliche Erklärung oder mindestens einen Telefonanruf von ihr zur Bestätigung, damit ich ihm das mitgeben kann.

Ich meine, das ist heute keine Sache mehr: er kann sie rasch per Natel informieren, ich bekomme einen Anruf und stelle ein paar Fragen … ihre Telefonnummer war übrigens nicht hinterlegt, sonst hätte ich da angerufen. Und nennen wollte er sie mir auch nicht.

Er war nicht ganz so zufrieden (gelinde ausgedrückt) und ging dann. Auch den Rest des Tages habe ich nichts mehr von ihr (oder ihm) gehört. Das macht mich doch etwas misstrauisch.

Es gibt Vorschriften. Ich drücke nicht einfach irgendwelche (potenten) Medikamente jemandem in die Hand zum mitnehmen, wenn ich nicht sicher bin, dass das an der richtigen Stelle ankommt.

Vielleicht war das ihr Freund – im dööfsten Fall war das aber einfach jemand, der irgendwie mitbekommen hat, dass sie das nimmt und versucht so (gratis und bequem für ihn) an das Medikament zu kommen.

Übrigens: auch der Ehemann hat nicht automatisch die Erlaubnis Medikamente für die Frau abzuholen (oder umgekehrt). Das Patientengeheimnis (zum Beispiel) gilt selbst gegenüber Verwandten. Meistens ist die Abgabe aber okay: die Partner wissen nicht nur für wen und was gebraucht wird, man kann auch anfragen bei Zweifel, ob das gegeben werden soll … Aber wir haben mindestens einen Fall, wo „sie“ einen Kommentar bei sich hinterlegen liess, dass „er“ keine Tabletten für sie abholen darf. Die beiden sind (weiter) verheiratet und kommen gelegentlich zusammen. Mir ist das recht – hauptsache, wir wissen es.

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