5 (gefährliche) Fehler, die Du vielleicht mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln machst

Die meisten Leute benutzen freiverkäufliche Medikamente, wenn sie Schmerzen haben. Wendet man sie korrekt an, dann sind diese Medikamente im Normalfall sicher und effektiv – aber viele Leute sehen sie als harmlos an und lesen deshalb auch nicht die Packungsbeilage oder informieren sich bei einer Fachperson darüber. Das ist ein Fehler! Auch wenn heute propagiert wird, dass Schmerzmittel auch bei uns im Supermarkt oder gar am Kiosk zu kaufen sein sollten … das sind wirkliche Medikamente mit wirklichen Konsequenzen.

Hier sind 5 weitverbreitete Fehler, die man mit den Schmerzmitteln machen kann – und was dann passiert.

Schmerzmittel Fehler Nr. 1: Du nimmst zu viele Tabletten

Die allgemeine Ansicht ist immer noch: Viel hilft viel. Also: wenn ich mehr Tabletten nehme, ist auch die Schmerzstillung besser. Was aber passiert ist, dass man die Chance auf Nebenwirkungen erhöht … und man kann sich wirklich damit vergiften. Zu viele Leute lernen das nur auf die harte Tour. Zu viel Paracetamol (einem häufig verwendeten Schmerzmittel sowohl freiverkäuflich als auch in rezeptpflichtigen Medikamenten) ist eine der Hauptursachen für Vergiftungsfälle weltweit. Sie sind sicher (und effektiv) bei den in der Packungsbeilage angegebenen Dosierungen. Man muss unbedingt unter der Maximaldosierung bleiben – und die beträgt (nur) 4000mg (4g) pro Tag. Höhere Dosierungen und man riskiert nicht nur Übelkeit und Magenprobleme, sondern Nieren und vor allem Leberschäden.

Schmerzmittel Fehler Nr. 2: Du nimmst die Schmerzmittel zu häufig

Ausser auf Anweisung eines Arztes sollte man auch freiverkäufliche Tabletten nicht häufiger als ein bis zwei Tage pro Monat einnehmen. Wer ein Schmerzmittel länger braucht als die (eine freiverkäufliche) Packung enthält sollte einen Arzt aufsuchen. Paracetamol zum Beispiel täglich oder auch wöchentlich genommen kann das Risiko für Leberversagen und auch Tod erhöhen. Und auch wenn niedrigdosiertes Aspirin helfen kann, wenn man schon ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme hat – kann es der Magenschleimhaut und dem Darm schaden. Magengeschwüre und ähnliches sind die Folge. Tatsächlich erhöht das täglich genommene Aspirin das Risiko von ernsten inneren Blutungen um 55%.

Wer also Schmerzmittel täglich oder wöchentlich nimmt, sei das für Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen oder andere chronische Beschwerden – sollte zum Arzt gehen um das Problem abklären zu lassen und um die beste Lösung zur Behandlung zu finden.

Wer Schmerzmittel während mehr als einer Woche pro Monat nimmt (auch verteilt), hat ausserdem das Risiko, dass er sogenannte Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auslöst: Also (Kopf)Schmerzen wegen der Schmerzmittel.

Schmerzmittel Fehler Nr. 3: Du denkst alle Schmerzmittel sind gleich

Der Wirkstoff von Dafalgan (Tylenol, Panadol etc) unterscheidet sich vom Wirkstoff in Saridon (Algifor …) oder von dem in Aleve oder Aspirin. Wenn man ein Schmerzmittel für sich aussucht, sollte man deren spezifische Wirkungen mit einbeziehen – besser, als einfach zu nehmen, was man gerade im Schrank hat.

Ibuprofen zum Beispiel wirkt entzündungshemmend, ist also besser für Arthritis und Schmerzen wegen Schwellungen. Paracetamol ist nicht entzündungshemmend kann aber besser sein bei Kopfschmerzen und macht keine zusätzlichen Magenprobleme.

Verschiedene Schmerzmittel können eben auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Aufgrund der persönlichen medizinischen Vorgeschichte – wie zum Beispiel ob man einen hohen Blutdruck hat oder viel Alkohol trinkt – gilt es auch manche dieser Medikamente zu vermeiden.

Leute, die viel Alkohol trinken (oder getrunken haben) sollten kein Paracetamol nehmen, weil das ihr Risiko für Nieren- und Leberschäden noch mehr erhöht. Dagegen sollten Leute mit einem hohen Blutdruck in betracht ziehen, dass Naproxen (wie in Aleve) oder auch Ibuprofen das Risiko von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen kann.

Schmerzmittel Fehler Nr. 4: Du nimmt freiverkäufliche Schmerzmittel zusammen mit rezeptpflichtigen Schmerzmitteln (oder anderen Medikamenten)

Fast die Hälfte der Leute die Schmerzmittel kaufen denken nicht daran, dass sie auch rezeptpflichtige Medikamente nehmen, die einen Einfluss haben könnten. (Studie der US Schmerzstiftung). Viele verschriebene Medikamente enthalten schon Paracetamol, zum Teil auch in Kombinationen (Zaldiar, Co-Dafalgan). Nimmt man die zusammen mit den frei verkäuflichen Mitteln mit Paracetamol, kann das rasch zu Problemen wegen Überdosierung führen.

Andere Medikamente wie Blutverdünner, Betablocker, Antidepressiva können, wenn sie zum Beispiel mit Ibuprofen oder Naproxen genommen werden das Risiko für Magengeschwüre, Nierenschäden, Herzinfarkt oder weitere schwerwiegende Gesundheitsprobleme verursachen.

Schmerzmittel Fehler Nr. 5: Du mischt verschiedene freiverkäufliche Medikamente

Bis 65% der Schmerzmittel-Verwender bedenken nicht, dass ihr Schmerzmittel auch mit anderen freiverkäuflichen Medikamenten interagieren kann. Aber auch viele von diesen enthalten denselben Wirkstoff wie die Schmerzmittel.

Zum Beispiel dieses Szenario: Ein Mann nimmt regelmässig sein vom Arzt verordnetes Aspirin Cardio (oder ein anderes ASS 100). Das ist Acetylsalicylsäure in niedriger Dosierung zur Vorbeugung von Herzproblemen. Jetzt wird er krank und kauft ein Erkältungsmittel – ohne nachzuschauen, ob das ebenfalls Acetylsalicylsäure enthält. Da gibt es einige. Dasselbe kann passieren, wenn man regelmässig Dafalgan 1g  (auf Rezept) erhält und dann ein „Grippemittel“ wie NeoCitran oder Pretuval dazu nimmt. Beides enthält Paracetamol.

Deshalb ist es wichtig und richtig, dass es diese Medikamente nicht im Supermarkt gibt – und auch bevor man sich das im Internet bestellt: Reden Sie am besten mit ihrem Arzt oder Apotheker darüber. Apotheken sind die besten Quellen was Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und die richtige Anwendung der Medikamente angeht.

Artikel inspiriert von: http://www.foxnews.com/health/2016/11/21/5-dangerous-mistakes-make-with-your-over-counter-painkillers.html

Betrug in der Apotheke

Dass die Apotheke ein … ich sag jetzt mal sehr hilfsbereiter Ort ist, hat sich leider auch bei Personen herumgesprochen, die das ausnutzen.

In Bern zum Beispiel hat es Fälle gegeben, wo ein Mann in die Apotheke gekommen ist und darum gebeten hat, dass er der Apotheke sofort ein Mail schicken darf und die Apotheke den Mail-Anhang für ihn ausdruckt. Er sei in einer Notlage, er brauche den Ausdruck dringend für einen Termin in der Botschaft.

Hört sich harmlos an, aber genau mit solchen Mailanhängen kommen Viren und Trojaner auf den Computer … und was dann passieren kann, haben diverse Spitäler und andere Institutionen letztens erfahren müssen: deren Systeme wurden verschlüsselt und sie wurden von Betrügern um Geld erpresst, damit sie wieder Zugang auf ihre eigenen Daten haben.

Und noch ein Fall, wirklich so passiert (aber nicht bei uns):

Da wollte die Kundin (ausländischer Herkunft) Kindernahrung kaufen. Bei der Bezahlung hatte sie aber kein Geld dabei, worauf sie jammerte und klagte und bei der anwesenden Kundschaft Mitleid erregte, sodass ihr das Produkt bezahlt wird. Man kann sich das vorstellen: „Mein armes Baby hat Hunger und ich kein Geld …“  Sie verlangt den Kassabon … und kommt (kurz) darauf wieder zurück und will das Produkt gegen Bargeld umtauschen.

Ist doch nett, wenn die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen so ausgenützt wird.

Nicht.

 

 

Dialoge aus der Apotheke / 17

Apodialog14

Also vorwerfen lasse ich mir unsere Dienstleistungen nicht. Wir schauen häufig, dass das Rezept vom Arzt zu uns kommt, aber letztendlich ist das Sache des Patienten für seine Gesundheit Verantwortung zu übernehmen.

Patient (vorwurfsvoll): „Ganz offensichtlich bekommen SIE es nicht hin, dass der Arzt ihnen das Rezept für mich zufaxt!!“

Apotheke: „Stimmt. Wir haben ihm jetzt 2 x deswegen angerufen und 2x das Rezept als Vorlage gefaxt… Wie wäre es, wenn Sie das jetzt machen. Es ist ja ihr Medikament und Ihr Arzt?“

Quicky (30)

Anruf einer Kundin in der Apotheke:

„In meinen Augentropfen ist (buchstabierend) Macrogolglycerolhydroxystearat drin. Im Internet steht Macrogol wär ein Abführmittel. Kriege ich von den Augentropfen jetzt Durchfall…???“

(Nein – das ist ein Verdickungsmittel, und selbst wenn – wie potent müsste das sein, dass es in der Menge, in der es in den Augentropfen drin ist auf den Darm wirkt?)

mehr kurz-anregendes:

Quicky (29), Quicky (28), Quicky (27),  Quicky (26)Quicky (25)Quicky (24),   Quicky (23)Quicky (22),   Quicky (21),   Quicky (20),    Quicky (19),    Quicky (18),    Quicky (17),  Quicky (16)   Quicky (15),   Quicky (14)   Quicky (13),   Quicky (12),   Quicky (11),   Quicky (10)    Quicky (9),   Quicky (8)    Quicky (7),   Quicky (6)    Quicky (5),   Quicky (4)    Quicky (3),   Quicky (2)   Quicky (1)

Ich lerne jeden Tag etwas neues …

In meinem Beruf hat man nie ausgelernt. Nicht nur werden stetig neue Medikamente entwickelt oder bei alten neue Anwendungsgebiete gefunden, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen entdeckt … es ändert sich jeden Tag etwas. Manches davon ist wichtig, anderes nicht, manche Information bekommt man von den Firmen selber oder von den Zulassungsbehörden oder aus den Medien … und manches erfährt man von den Kunden selber.

Hier was ich heute gelernt habe:

isotonisch

Bei den Naaprep haben sie die Monodosen neu so gemacht, dass man sie nicht mehr verschliessen kann. Das sind diese kleinen Plastikampullen mit isotonischer Salzlösung, die man vor allem für Babies braucht um zum Beispiel die Nase zu reinigen oder zu befeuchten oder auch um die Augen auszuwaschen. Sie eignen sich auch zum ausspülen von Wunden oder wenn man eine klebende Gaze von der Wunde möglichst schmerzlos entfernen will. Früher konnte man diese Monodosen wieder verschliessen, indem man den abgedrehten Deckel umgekehrt (mit der Spitze nach unten) wieder einsetzte. Das geht seit neustem nicht mehr!

Ich habe die Rückmeldung von einer Frau mit kleinem Baby bekommen, die sich auch die Mühe gemacht hat, da bei der Firma nachzufragen. Den Aufsatz (also die Spitze) haben auch die neuen Einzeldosen noch – nur passen sie unmöglich (auch mit Kraft nicht) in die aufgemachten Dosen. Sie war – zu Recht finde ich – empört, denn man kann bei einem einmaligen Gebrauch wirklich nicht alle 5 ml verwenden … da füllt man das Babynäschen gleich 5 mal damit. Und wenn man es nicht mehr verschliessen kann, dann kann man es auch nicht mehr wie bisher den Rest des Tages noch anwenden, sondern muss es sofort wegwerfen. Totale Verschwendung (und Plastikabfall), vor allem weil das immer noch dieselbe Grösse ist. Die Firma weiss das übrigens und laut ihnen ist das Absicht. Sie sagen natürlich, das sei, weil es dann nicht mehr steril ist. Nun – das muss in den meisten Fällen nicht 100% steril sein – und so schnell wachsen die Bakterien auch wieder nicht, dass man das nicht noch den Rest des Tages verwenden kann.

Nun – ich denke, ich werde in Zukunft frischen Eltern nicht mehr das Naaprep empfehlen, sondern lieber die Triofan. Bei denen klappt das nämlich (noch).

Für das Bild hätte ich gerne noch die Naaprep innen gezeigt – aber aufmachen kann man sie auch nicht mehr, ohne dass die Packung kaputt geht.

Pille danach via den Arzt

Die junge Frau mit Baby im Kinderwagen kommt in die Apotheke zu meiner Pharmaassistentin. Im Moment bin ich am herumtelefonieren und gleichzeitig dabei mit telefonischer Hilfe unser akutes Dosierungsetiketten-Drucker-Problem zu lösen, deshalb findet die ganze Begegnung hauptsächlich zwischen der Frau und meiner Pharmaassistentin statt.

Frau: „Haben Sie die Pille danach? Wieviel kostet die?“

Donna: „Ja, die haben wir. Es gibt sie nach einem Beratungsgespräch mit der Apothekerin. Dabei schaut sie auch, welche geeignet ist. Die eine kostet 40 Franken und die andere 50 Franken.“

Frau: „Und wenn der Arzt ein Rezept schickt?“

Donna kommt mich fragen – ich (immer noch am Telefon) zeige ihr, wo ich das festgehalten habe. Dass wir dafür ein Rezept bekommen, kommt so gut wie nicht mehr vor.

Donna zur Frau: „Dann ist die eine 31 Franken und die andere 41 Franken … aber …“ (sie wird unterbrochen):

Frau: „Oh, das ist gut. Ich habe nämlich ein Rezept verlangt. Es sollte gleich kommen.“

Sie setzt sich hin um zu warten, Donna löst ein, zwei Krankenkassenprobleme, dann kommt das Fax vom Arzt.

Für Ella One.

Ich schaue auf das Rezept und schüttel den Kopf. Das ist das teurere Produkt und … ich weiss ja nicht, wie lange es her ist, da sie ja offensichtlich die Beratung durch mich nicht wollte, aber … „Hast Du nicht gesagt, sie hat ein kleines Baby dabei? Stillt sie noch?“

Donna: „Das weiss ich nicht. Aber ich werde sie darauf hinweisen, dass man bei dieser Pille danach die Milch abpumpen muss … wie lange?“

Pharmama: „Eine Woche. Ich hätte wahrscheinlich die andere gewählt. Bei Norlevo hätte sie nur 6 Stunden Stillpause machen müssen“.

Ich visiere das Rezept, Donna geht nach vorne und kommt nach kurzer Diskussion wieder zurück: „Sie will die. Und auch gleich nehmen. Aber sie kann nicht zahlen.“

Pharmama: „Echt jetzt?“

Donna: „Ja, sie dachte, mit Rezept zahlt das die Krankenkasse.“

Pharmama: „Nein…“

Donna: „Ich weiss. Ich sage ihr, sie soll etwas hierlassen, zum Beispiel ihre Identitätskarte und dass sie die zurück bekommt, wenn sie es bezahlt.“

So machen wir das.

Ich habe glaube ich schon einmal erwähnt, dass wir mit uns reden lassen wegen dem Preis, wenn der ein Problem darstellen sollte. Ich kann bis fast zum Ankaufspreis runter gehen – ganz darauf verzichten, dass es bezahlt wird, kann ich allerdings nicht.

Ich frage mich auch, ob ihr bewusst ist, dass der Arzt für das Ausstellen des Rezeptes im Normalfall auch etwas verlangt. „Kurze telefonische Konsultation“ und vielleicht noch „Ärztliche Leistung in Abwesenheit des Patienten“ – ich würde sogar behaupten, dass das im Endeffekt teurer kommt als die Beratung durch mich in der Apotheke.

Und ich hoffe (für sie) ernsthaft, dass der Arzt sich auch wirklich die Zeit genommen hat, die paar wichtigen Fragen zu stellen. Ich muss davon ausgehen – immerhin hat er ihr das Rezept ausgestellt. Und das sollte man nicht, ohne die Patientin und die Umstände zu kennen. Es war ihr Frauenarzt – da sollte man meinen, das ist so. Mich erstaunt aber trotzdem die Wahl. Nicht nur wegen dem Preis. Wenn sie noch stillt und das noch unter 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr ist, hätte ich die Norlevo empfohlen.

Wollt ihr mehr lesen über die Pille danach in (Pharmamas) Apotheke?: