Bei Raumtemperatur aufzubewahren

Junger Mann in der Apotheke: "Ich habe da eine Frage. Ich gehe nach Island in die Ferien und im Beipackzettel von meinem Medikament steht, man soll es nicht unter 15 Grad aufbewahren. Jetzt – die Temperatur in Island wird unter 15 Grad sein – was soll ich machen?"

Pharmama: "Hmmm, wohnen Sie dort um Hotel oder im Zelt?"

Mann: "Im Hotel natürlich!"

Pharmama: "… Und haben Sie vielleicht geplant Ihre Medikamente daneben im Busch aufzubewahren oder nehmen Sie die mit ins Hotelzimmer?"

Es dämmert dem Kunden – da war doch noch etwas mit Raumtemperatur?

Mann: "Oh. Kein Problem dann."

Genau.

Es stimmt übrigens, dass bei den meisten Medikamenten entweder steht "bei Raumtemperatur" oder ausgeschrieben "zwischen 15-25 Grad" aufbewahren. Aber … wenn man sie nicht einfriert oder langfristig darunter lagert, sollte das wirklich kein Problem sein. Vielleicht ist die Haltbarkeit dann nicht mehr ganz dem, was auf der Packung steht, aber sonst: Kein Problem.

Aspirin Fälschungen abgefangen

In Le Havre sind dem Zoll 1.2 Millionen Beutel Aspirin in die Hände gefallen

Laut Analyse enthalten die Beutel keinen Wirkstoff, der Inhalt besteht hauptsächlich aus Glukose – gemein auch "Zucker" genannt.

Die aus China stammenden gefälschten Medikamente waren für den Markt in Spanien, Südfrankreich und Nordafrika bestimmt.

Quelle: NZZ

… die setzen wohl auf den gerade bei Schmerzmitteln ausgeprägten Placebo Effekt :-)

besten Dank an kb, der darüber schreibt:

Wenn es nicht eher traurig als lustig wäre, könnte man denken "Hauptbestandteil Glucose? Endlich gibt es Aspirin-Globuli !"

kb

Übrigens: Danke auch für den Hinweis darauf: "Schade, daß man auf deinem Blog seit der Umstellung auf das lesen der Kommentare verzichten muss, wenn man die Sicherheits- und Privacy-Einstellungen seines Browsers nicht sperrangelweit aufmachen möchte. (Stichwort: Java-Script und Tracking).

 

 … Aber ist dir auch aufgefallen, dass auch die NZZ dasselbe Kommentarsystem verwendet?

Pharmazeutisches Wissen

Ich habe schon ein paar Artikel zusammen, über das Wissen, dass wir in der Apotheke brauchen – und mehr. Die Artikel sind vor allem für Apotheker (oder andere Mitarbeiter im Gesundheitssystem) interessant, aber vielleicht findet sich auch etwas für den medizinischen nicht vorbelasteten – und sei es nur als Einblick, dass es oft nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Wichtiges Wissen über Medikamente

Spezielle Medikamente

Generika – genauer hingeschaut

Wechselwirkungen und Interaktionen:

Die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

Abhängigkeiten

Die Arbeit in der Apotheke

Für die Apotheke im Ort:

Diverses:

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Ist Trauer eine Krankheit? – und: Warum französische Kinder kaum ADHS haben …

Es gibt ja keine gesunden Menschen – nur solche die bisher zu wenig untersucht wurden

Manfred Lütz

Nach einem Blogpost in Pharmagossip – eigentlich ein Thema, über das psychiatrietogo schreiben könnte, aber ich fand es so spannend …

Trauerst Du weil ein guter Freund gestorben ist? Hast Du Probleme altes loszulassen? Du bist ein Kind und widerspenstig und neigst zu Trotzanfällen? – Dann bist Du vielleicht krank.

Demnächst fällt all das zumindest in Amerika unter „Mental Disorder“ also … psychische Störung und wird offiziell diagnostizierbar.

Die American Psychiatric Association hat am 17. Mai ihr neues Diagnose- Handbuch herausgegeben: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) .

Das neue DSM hat verschiedenste Ergänzungen: darunter „Oppositional Defiant Disorder“ – (ich traue mich gar nicht das zu übersetzen): wenn ein Kind wiederholt „Nein.“ sagt und sich abwehrend verhält.

„Major Depressive Disorder“ – faktisch nichts anderes als „Trauer“ – und zwar schon pathologisch ab den ersten paar Wochen Dauer.

„Disruptive Mood Dysregulation“ – Tobsuchtanfälle

„Compulsive hoarding“ – da fallen Leute drunter, die wir umgangssprachlich als Messi bezeichnen: Leute, die altes nicht wegwerfen können und ihre Wohnung mit der Zeit zumüllen.

Indem man derartiges in ein Diagnose-Mittel für mentale Krankheiten aufnimmt, „macht“ man es faktisch zu einer Krankheit und damit zu etwas, was mit Medikamenten behandelt werden kann / soll. Und das finde ich teilweise fraglich: Soll man Trauer wirklich pathologisieren und mit Medikamenten behandeln? Ist mein Kind im Trotzalter „krank“?

Zusammengestellt wird das DSM von einem Gremium Experten der Psychiatrie. Viele von diesen sind aber bezahlte Sprecher (und Befürworter) für die Pharmaindustrie und/oder involviert in Forschung, die von der Pharmaindustrie bezahlt wird.

Nicht alle sind mit dem neuen DSM einverstanden: Es erhebt sich ein Protest unter den Psychiatern und Psychologen – über 10'000 haben einen Brief gegen das Einsetzen dieses neuen Handbuchs und Standards unterschrieben.

Obwohl das DSM für Amerika entwickelt ist, hat das weltweiten Einfluss: auch Ärzte in der Schweiz benutzen das als Diagnosegrundlage.

Und in dem Zusammenhang auch ein Artikel aus dem Psychology Today

Warum Französische Kinder kein ADHS haben.

In Amerika ist fast jedes 10. Kind (9%) mit ADHS diagnostiziert, also dem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. In Frankreich weniger als 0.5%. Wieso?

Das hat durchaus mit der Diagnosestellung zu tun. Aber nicht nur.

In Amerika wird ADHS als biologische Krankheit angesehen mit biologischen Ursachen: einer chemischen Ungleichgewicht im Gehirn des Kindes. Behandelt wird diese Krankheit mit Psychostimulazien wie Ritalin oder Adderall.

In Frankreich dagegen sieht man es als medizinisches Problem an mit psychologischen und Umwelt/Situations-Einflüssem- Französische Ärzte neigen deshalb dazu die Probleme des Kindes was Aufmerksamkeit und ihr Verhalten betrifft nicht mit Medikamenten zu behandeln, sondern die zugrundeliegenden Probleme, die das Verhalten des Kindes beeinflussen anzugehen. Also neigen sie dazu sich die soziale Umwelt mehr anzuschauen. Behandelt wird zuerst mit Familienberatung und Psychotherapie.

Französische Kinder-Psychiater benützen nicht das gleiche Klassifikationssystem wie ihre amerikanischen Kollegen. Sie benutzen nicht das DSM (siehe oben). Sie haben alternativ (und aus Widerstand gegen das DSM) ein eigenes System entwickelt: CFTMEA (Classification Francaise des Troubles Menteaux de l’Enfant et de L’Adolescent) – auch 2000 zuletzt überarbeitet.

Ihre Definition von ADHS ist auch nicht so „breit“ wie das der Amerikaner – das auch manches „pathologisiert“ was unter normales Kinder-Verhalten fällt.

In Amerika bekommen also via das DSM viel mehr Kindern die Diagnose ADHD – ohne auf die Ursachen einzugehen. Statt dessen ermutigt man die Psychiater aktiv dazu das mit Medikamenten zu behandeln.

Und das „funktioniert“ – jedenfalls, was die Pharmaindustrie angeht.

Disclaimer: Ich schreibe hier nicht, dass ADHD nicht existiert oder dass das nur eine erfundene Krankheit ist. Das ist es nicht. Auch Frankreich mit seinen ganz anderen / engeren / strengeren Leitlinien hat Kinder, die das offensichtlich haben. Allerdings soll der Artikel zeigen, wie stark eine Diagnose (und dann die Behandlung) von den Diagnoseleitlinien anhängig ist. Je breiter man die Leitsymptome anlegt – desto mehr fallen da drunter. Und werden behandelt – mit Medikamenten vorzugsweise (für die Pharmaindustrie).

Und wenn man jetzt dasselbe macht indem man neue Diagnosen … erfindet aufnimmt … dann kann man auch mit einem höheren Medikamentenabsatz rechnen.

Die Pharmaindustrie ist nicht durchgehend schlecht : wir haben ihr auch viele wirksame Behandlungen zu verdanken! – aber man sollte wissen, dass die derartige Entwicklungen natürlich pushen. Es ist ja definitiv zu ihrem Vorteil.

Medikamente bei Amazon

Amazon ist ein online Versandwarenhändler … und ganz offensichtlich nutzen manche Anbieter Amazon, um Medikamente zu vertreiben.

Medikamente, die Codeinhaltig sind. Das in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Clostridium Botulinum hat das gefunden und auf meiner Fachebook-Seite gefragt:

amazon
Ich weiss auch nicht, wem man das melden muss, aber das wurde gesehen von Astrid und an Apotheke-Ad-hoc weitergeleitet. Die daraus prompt einen Artikel gemacht haben: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/versandhandel-codein-bei-amazon/

Berlin – Wie bei ebay dürfen auch bei Amazon nur Versandapotheken Arzneimittel verkaufen. Doch wie das Auktionshaus kommt auch der Onlinehändler nicht hinterher, unzulässige Angebote zu löschen. Aktuell können die ausländischen Präparate Solpadeine Plus und Solpadeine Max über amazon.de bestellt werden. In den Präparaten von GlaxoSmithKline (GSK) ist neben Paracetamol auch das in Deutschland verschreibungspflichtige Codein enthalten.

Und offenbar haben sie auch bei Amazon interveniert … das Solpadeine ist jedenfalls nicht mehr zu finden.

Gut gemacht!

Na, die für’s Herz!

Die freundliche, ältere Dame kommt in die Apotheke mit ihrem Einkaufszettel:

notiz

Herzkapseln also. Okay, welche denn?

Dame: „Ich habe ein Dauerrezept hier. Da sind sie drauf“

Das hilft natürlich enorm:

(Das sind die Medikamente von ihrem Dauerrezept)

drp

Also: „Für’s Herz“ – mal sehen … der Blutverdünner? (Aspirin cardio, nimmt man zur Herzinfarktprophylaxe), oder das Blutdruckmedikament (Nifedipin?) oder gar der Cholesterinsenker (Atorvastatin – auch zur Herzinfarktprophylaxe) ?? Was darf’s denn sein?

Und zweites Problem: auf dem Einkaufszettel steht noch Alcacyl … ein frei verkäufliches Schmerzmittel. Das unglücklicherweise diverse Wechselwirkungen mit ihren Medikamenten vom Rezept hat. Speziell unangenehm: mit dem Blutverdünner zusammen riskiert sie Blutungen. Wir haben sie dann auf Paracetamol gewechselt.