Generika – eine Betrachtung (1)

Ich möchte hier eine Mini-Reihe bringen zum Thema Generika. Was sie sind, was die Unterschiede sind, wann man sie (nicht) einsetzen soll, etc.  Generika sind gross im Kommen und die Anwendung viel diskutiert.

Warum Generika?
10% der Gesundheitskosten sind die Medikamente – und da kann man sparen, indem man die Originalmedikamente durch günstigere Nachfolgerpräparate ersetzt, eben die Generika.

Ausser dem Preis haben Generika wenige Vorteile. Teilweise sind es kleinere Tabletten oder Dragées, haben Bruchrillen, sind besser schluckbar …

Aber: es gibt fragliche Indikationen und ungeeignete Patientengruppen – das heisst: nicht immer ist ein Ersatz gut. – Dazu später mehr.

Das ist gleich bei Generika im Vergleich zum Original:

  • Generika: nicht identische Produkte, aber sie lehnen sich an Originalpräparate an
  • Gleicher Wirkstoff
  • Gleiche Darreichungsform (Tablette, Dragee…)
  • Gleicher Applikationsweg
  • Gleiche Dosisstärken
  • Gleiche Indikation

Es wird erwartet, dass das Original durch das Generikum ersetzt werden kann: Austauschbarkeit

Erlaubte Unterschiede: – das ist nicht gleich zum Original:
Die Hilfsstoffe:

  • Füllmittel (z.B. Laktose!!)
  • Farbstoffe,
  • Aromatika,
  • Konservierungsmittel

Probleme dabei: z.B. Laktoseintoleranz, Allergie auf Farbstoffe.
Die Compliance (also, ob die Tabletten genommen werden) ist oft abhängig von Farbe der Tablette, v.a bei Daueranwendern. Ein Wechsel wirkt sich hier oft negativ aus.

Dann gibt es noch die Arzneimittelkopien: Generische Originale
Diese sind vollständig identisch mit Originalpräparat, ausser dem Namen und der Verpackung.  In der Regel ist es der gleiche Hersteller.  Die gibt es, aber oft ist nicht kommuniziert welche das sind.

Im 2. Teil:  Äquivalenz – Gleichwertigkeit. „Wie gleich ist gleich?“

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Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 04/08/2010 in Allgemeines, Apotheke und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 29 Kommentare.

  1. Nette Zusammenfassung, ich möchte allerdings eine Kleinigkeit anmerken:

    Viele Menschen mit Laktoseintoleranz können kleine Mengen an Laktose, wie zum Beispiel in einer Tablette, vertragen (Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=29185&type=0 )

    Die Meldung der PZ bezieht sich auf diesen Artikel: http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/119401200/PDFSTART

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    • [ich habe das Paper mal ignoriert, weil es nicht auf die Details ankommt]
      Der PZ-Artikel ist mit seinem Fazit gelinde gesagt… unwissenschaftlich.
      (Und ich musste mich jetzt wirklich zusammenreißen, nicht ausfallen zu werden.)

      „Selten mehr“. Die „meisten“. Das heißt? 51%? 75%? 99%? Von wievielen? Wikipedia nennt 15-25% für Deutschland.
      Das heißt man hat noch (je nach Basis) locker eine Millionen Menschen alleine in Deutschland, die nicht in die tolle 6-12 g Kategorie kommen.
      Und auf die pfeift man einfach, damit man pro Packung ein paar Cent spart? Es gibt Länder wo fast jeder Laktoseintolerant ist – da bricht das Gesundheitssystem auch nicht zusammen (Naive Annahme: Dort ist weniger/keine Laktose drin).

      Was ich nicht verstehe: Warum überhaupt Laktose? Ich kenne keine Zahlen, aber der Unterschied kann nur marginal sein (gibt schließlich teilweise löbliche Ausnahmen, deren Präparate auch nicht mehr kosten).

      [Von jemandem, dessen Freundin eine sehr ausgeprägte LI hat, und dementsprechend häufig auf Probleme stößt. Spätestens wenn sie mehrere Medikamente einnehmen muss… {Wie Marcel etwas weiter unten schon angesprochen hat: Einzelbetrachtung sinnlos, es geht um die Akkumulation}]

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      • Gacker…..natürlich ist das Fazit der PZ unwissenschaftlich….es handelt sich auch nur um eine Kurzmeldung.

        Für weitere Literatur gibt es das Paper. Das aber ignoriert wurde, weil es auf die Details nicht ankommt. Das Fehlen der Details monieren Sie aber im PZ-Artikel (Stichwort: Prozentangabe derer, die geringe Mengen an Laktose vertragen)

        Was Ihre Freundin betrifft: The plural of anecdote is not data.

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  2. Ich lass das mal so stehen – auch weil es stimmt. Andererseits habe ich auch eine Ärztin unter meinen Kunden mit Laktoseintoleranz, die besteht (!) auf Laktosefreie Tabletten. Ich nehme an, sie hat auch Gründe dafür – „viele“ sind halt nie „alle“.

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    • Na ja, der Punkt ist halt der: Es ist fast unmöglich die Aufnahme von Laktose komplett zu vermeiden. Und selbst mit den Laktasekapseln bekommt man das nicht vollständig hin, sondern evtl. nur, die in den Bereich zu drücken, die man gerade so verkraftet. Da möchte man sich das restliche bisschen Kapazität, das man noch hat nicht durch Vermeidbare Dinge wie Tabletten wegnehmen, wenn es dazu Alternativen gibt.

      Ich bin selbst (Gott sei Dank) nicht betroffen, aber ein guter Freund. Von daher kommt man von Zeit zu Zeit mal in die Verlegenheit, Laktosefrei zu kochen. Und das ist echt schwierig. Vor allem weil man bei vielen Produkten nicht genau weiß, was da so drin ist (Beispiel: Beim Bäcker).

      Viele Grüße,

      Marcel

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  3. Ja, mit Generika lässt sich eine Menge Geld sparen. Aber nein, sie sind in der Regel nicht identisch mit dem Originalpräparat. So darf die Bioäquivalenz zwischen 80 und 125% betragen. D.h. der Wirkstoff ist zwar der Selbe und in der selben Konzentration in der Tablette vorhanden, wie schnell das Medikament aber vom Körper aufgenommen wird, wie hoch letztendlich die Wirkstoffkonzentration im Körper wird, etc. darf ganz wesentlich vom Originalpräparat abweichen, nämlich 20% nach unten und 25% nach oben (Infos hierzu sind einfach im Web z.B. bei Wiki.pedia zu finden). Für die meisten Medikamente und Indikationen ist das wenig relevant für einige Indikationen aber sehr problematisch: Z.B. kann ein Epileptiker mit einem Originalpräparat oder auch einem Generikum optimal eingestellt sein, beim Wechsel zu einem anderen Generikum werden ein höherer Spiegel und damit möglicherweise Nebenwirkungen erreicht, die mit dem ursprünglichen Präparat nicht erzielt wurden. Oder schlimmer: es resultiert ein niedrigerer Spiegel und die Gefahr eines Anfalls steigt.

    Es gibt wenige Ausnahmen: Manchmal wird ein Generikum unter Lizenz und mit identischer Rezeptur und Bioäquivalenz des Originalpräparates hergestellt.

    Ansonsten sehr schönes Blog, lese ihn jeden Tag

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  4. Dr.Offenraus

    Was für ein Humbug. Diese Unterschiede zwischen Generika und “Original” rauszukitzeln ist einzig im Interesse der Originalhersteller.
    Das Thema Lactose ist schon korrekt abgehakt. Bei Lactoseintoleranz macht die Menge das “Gift” und die Minidosen sind vernachlässigbar. Die zitierte Kollegin hat ein Rad ab! Auch Ärzte spinnen. Wenn sie zB ein irritables Kolon obendrein hat dann ist der ganze Zauber erklärt.

    Das entscheidende Problem bei der Akzeptanz von Generika ist der umgekehrte Placeboeffekt. Die verwöhnten Schlaraffianer haben keine Ahnung was für Perlen sie bekommen, welche Leistung in die Entwicklung dieser kleinen Lebensretter geflossen ist, weil sie weit über deren Wissensniveau liegt. DANN aber, wenn statt des “Originals” ein “Billigprodukt” gegeben wird, wachen alle auf. Jeder ist Experte und produziert alle Nebenwirkungen im Beipackzettel. Das ist genauso wie mit der Homöopathie. Die Psyche gibt`s und die Psyche nimmt`s. Kommt nur drauf an, woran man glaubt.

    Die Bioverfügbarkeit ist in ganz wenigen Produkten ein Problem. Bei spiegelrelevanten Antiepileptika kann man es diskutieren. Diese paar Ausnahmen rechtfertigen aber nicht den Argwohn. Und Argwohn ist genau das, was die Hersteller zum Erhalt der Pfründe nach Verlust des Patentschutzes noch einsetzen können. Was stettnersinusa da schreibt, ist tendenziös und interessengelenkt. Den Unterschied zwischen Generika und Original zu zementieren geht leicht mit so einem coolen Spruch :”Aber nein, sie sind in der Regel nicht identisch mit dem Originalpräparat.” Die Bedeutung dieses Minimaleffektes im Vergleich zu der wichtigsten Tatsache überhaupt wird vertuscht! Und das ist: die komplexe chemische Formel des jeweiligen Medikamentes ist identisch! Nicht ähnlich.
    Wenn dann von den Füllstoffen, den Farben und den Allergien schwadroniert wird, dann höre ich meine Pharmavertreter schwafeln.
    Mit Allergieangst bekommt man alle Mittelstandsweicheier zu fassen die keine pharmakologische Bildung aber viele viele Biovorurteile haben. So, jetzt kommst Du.

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    • Schön geschrieben. Auch wenn ich auf einige Punkte erst im Verlauf der Mini-Reihe eingehen werde, hier ein paar Anmerkungen: das mit dem umgekehrten Placebo-Effekt ist garantiert so. Wie oft muss ich, wenn ich ein Generikum anbiete hören: „Nein, ich vertrage keine Generika“. Das so pauschal auszudrücken ist tatsächlich ein Unsinn.
      Im Normalfall antworte ich auch auf Fragen „Ist das wirklich das gleiche?“ in dem Sinn: „Ja, das ist das gleiche. Der gleiche Wirkstoff, die gleiche Menge, die gleiche Anwendung.“ und so gesagt vertragen die meisten „ihr“ Generikum auch.

      Aber wie gesagt: hier kommt noch mehr.

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    • Schliesse mich den Ausführungen von Dr. Offenraus an, mit einer einzigen Ausnahme:
      „die komplexe chemische Formel des jeweiligen Medikamentes ist identisch! Nicht ähnlich.“

      Wenn ich ihn richtig verstehe, will er damit ausführen, dass es >vollkommen< egal ist, welche Formulierung der Patient bekommt.

      Dem möchte ich widersprechen.
      Es ist bei der normalen Standardtablette normalerweise irrelevant. Ob da jetzt Milchzucker oder ein anderer Zucker als Füllmaterial benutzt wird, macht normalerweise echt nix aus.

      Wo es von größer Relevanz wird, ist beispielsweise bei parenteralen Formulierungen (alles was gespritzt wird).
      Zum Beispiel ist in Taxol (Paclitaxel, ein Mittel gegen Krebs) als Hilfsstoff Cremophor (Macrogolglycerolricinoleat) enthalten, welches zur Vermittlung der Löslichkeit des schwerlöslichen Paclitaxels benötigt wird. Dieser Hilfsstoff ist parenteral bewährt, hat aber ein paar unschöne Nebenwirkungen, unter anderem reagiert man darauf allergisch, daher wird als Prämedikation bei der Behandlung mit Taxol ein Antihistaminikum und ein Cortison gegeben.

      In den USA gibts schon länger eine Paclitaxel-Formulierung namens Abraxane, neuerdings gibts die anscheinend jetzt auch in D. Dort ist der Wirkstoff in Nanopartikel, bestehend aus Albumin, kolloiddispers eingebettet. Da die Formulierung das Cremophor nicht mehr enthält, hat man weniger Nebenwirkungen und muss daher kein Cortison und kein Antihistaminikum mehr geben.

      Soweit ich weiss, sind da bei anderen Firmen auch liposomale Formulierungen in der Entwicklung, die denselben Vorteil haben.

      Das ist ein Vorteil gegenüber der alten Formulierung und ist weg von "Ist doch chemisch derselbe Wirkstoff…".
      Eine Prämedikation, bei der man weniger Medikamente benötigt, ist ein medizinischer Fortschritt.

      Natürlich ist Krebs immer noch Scheisse und das Paclitaxel hat immer noch die zytostatikaüblichen Nebenwirkungen wie Haarausfall, Magen-Darm-Probleme und Co.

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    • Zitat von Dr. Offenraus:
      die komplexe chemische Formel des jeweiligen Medikamentes ist identisch! Nicht ähnlich.
      Zitatende

      Im deutschen AMG lese ich in §24b Absatz 2:
      Die verschiedenen Salze, Ester, Ether, Isomere, Mischungen von Isomeren, Komplexe oder Derivate eines Wirkstoffes gelten als ein und derselbe Wirkstoff, es sei denn, ihre Eigenschaften unterscheiden sich erheblich hinsichtlich der Unbedenklichkeit oder der Wirksamkeit.
      Zitatende

      Meine Schlussfolgerung: Die Aussage von Dr. Offenraus ist falsch. Aber ich bin Laie und lasse mich gerne korrigieren.

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      • Wie ich im 2. Teil schreibe: die Salzform kann tatsächlich unterschiedlich sein.
        Was im Körper aber wirkt ist der Wirkstoff nach der lösung, also nach Trennen vom Salz. Und der ist dann wirklich gleich. Der Unterschied kann aber darin liegen, dass die eine Form z.B. länger braucht zum lösen …

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  5. Ein schönes Thema und vor allem in D – mit den Rabattverträge und der Verpflichtung zum Austausch (außer bestimmte Ausnahmen = pharm. Bedenken)- stark diskutiert. Komischerweise, wenn es selbst bezahlt werden muss, sind Generika oder auch Importe gut – beim Kassenrezept muss es die Firma sein, die der Arzt (zum größten ´Teil ja willkürlich) aufgeschrieben hat.

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  6. Dr.Offenraus

    Bin gespannt was noch nachkommt Pharmama. Das mit Taxol ist sicher wahr, nur geht es mir, wie auch den Apothekern um die RIESENMASSE der Standardtabletten. Genau so wie es Vroni schreibt hab ich das auch erlebt. Die kleinhirnigsten Patienten fordern die teuersten Orginalpräparate (ich will den Mercedes und nicht das Goggomobil) und sind dank ihrer kognitiven Grenzen auch nicht in der Lage die Erklärungen zu verstehen. Sobald sie aber selber zahlen MÜSSEN darf es immer die Diclofenacsalbe sein, denn die frühere gelbe Tube kostet das Doppelte bei gleichem Inhalt. Es gibt zu Allem Sonderfälle, die Regel jedoch ist beinhart:

    Generika sind fast immer gleich wirksam wie “Erstherstellerpräparate” und die erdrückende Mehrheit der Ablehnung erfolgt wegen des negativen Placeboeffektes.

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    • Und dieses Statement von Dir und Vroni würde ich durchaus auch mit unterschreiben.

      Bei 99% der Patienten muss nicht das Original verschrieben werden, bloss weil der Markenname bekannt ist, das Medikament aber halt dann nicht 50 Euro wie das Generikum, sondern halt – als bekannter Markenname – 80 Euro kostet.

      Und wenn jemand – wie oben erwähnt – eine Lactoseunverträglichkeit hat, findet man auch ein Generikum welches bioäquivalent ist und halt keine Lactose enthält. Kostet ja auch nicht unwesentlich mehr (10 cent, wenn es hoch kommt).

      Habe aber auch selbst erlebt, dass die Leute der Meinung sind, dass sie jetzt was billigeres kriegen (was ja der Fall ist) und billiger gleichsetzen mit „weniger gut“. Und das muss – insbesondere von Seiten der Ärzte, die ja nicht als Kaufleute wahrgenommen werden – durchaus manchmal anders kommuniziert werden. Viele Kunden kommen ja schon mit dem Satz in die Apotheke „der Arzt musste mir was billigeres aufschreiben, weil das gute, teuere Original nicht mehr verschrieben werden darf.“
      Da hilft dann auch alles gute Erklären und Zurreden nichts.
      Man hat sich ja schon bei Dr. Google informiert, man ist ja ein „mündiger Patient“.

      Was aber gegenwärtig in D der Fall ist, nämlich, dass weder der Arzt noch der Apotheker entscheidet, >welches< Generikum abgegeben wird, sondern dass dies allein die Krankenkasse (und damit ein Betriebswirt) entscheidet und das einzige Entscheidungskriterium der Preis (bzw. der Rabattvertrag) ist, ist sowohl medizinisch als auch pharmazeutisch ein absolutes Unding!

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  7. Dr.Offenraus

    Diese Gleichsetzung von teurer ist besser ist Originalpräparat, das hat die Pharmalobby mitgeschürt, indem sie die Begrifflichkeiten in den von ihr dominierten Medien ständig verwendet. Bis wir es auch nachplappern. “Originalpräparat”. Das Wort erzeugt die Anmutung von Original versus Fälschung. Das nennt man eine emotionale Conotation. Ich finde Erstherstellerpräparat daher besser.
    Die Kritik an der Praxis die Generika vom Arzt unbeeinflussbar auszutauschen finde ich exzellent. Denn wenn ich das Argument ernst nehme, dass fast sämtliche alltagsrelevanten Generika untereinander austauschbar sind, dann ist es nur noch wichtig, welches das billigste ist.
    Wenn ich aber den Glauben an die Unterschiedlichkeit fördern will, dann werde ich das Austauschen der Hersteller als Nachteil denunzieren.
    Bei dieser (naturwissenschaftlich) unsinnigen “homöopathieartigen” Debatte über die “Entscheiderentmachtung”, wird die in Deutschland real bestehende Entmachtung der Entscheider völlig übersehen: In Schland werden die Ärzte über Regressandrohung in ihrem Verschreibungsverhalten regelrecht erpresst. Das nenne ich eine saftige Fremdbestimmung. Dagegen ist der Unterschied von Beistoff A versus B und Farbe Grün versus blau doch eine Scheindiskussion.

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    • Zur Entscheiderentmachtung: Vor 10 Jahren habt ihr Ärzte Euch gewehrt, dass Apotheker ohne Rücksprache ein vergleichbares Medikament (Generikum) herausgeben dürfen. Das Argument von den Ärzten war, dass das ein Apotheker nicht könne.
      Dazu hab ich das Statement, dass die Apotheker sich durchaus besser mit Arzneimitteln auskennen als Ärzte. Das können wir und das haben wir studiert.
      Den Apothekern wurde die Pflicht auferlegt, ein möglichst günstiges Präparat (eines der drei günstigsten) abzugeben. Das war okay so…
      Mittlerweile aber brauchen die Ärzte sich nicht mehr ärgern, dass der Apotheker ein anderes Medikament auswählt. Nein, das entscheidet die Krankenkasse.
      Halte die Diskussion nicht für homöopathisch.

      Zu der Nummer „Austausch von Generika jederzeit möglich“: Stimmt bei manchen Wirkstoffen und stimmt bei manchen Darreichungsformen. Es gibt aber auch Wirkstoffe und Darreichungsformen, die nicht substituiert werden sollten.
      Damit meine ich nicht, dass das teuerste Präparat abgegeben werden soll, sondern das bei diesen Wirkstoffen oder Darreichungsformen eben dann immer diesselbe Firma abgegeben werden soll und nicht jedes mal eine andere. Man sollte einmal auf ein günstiges Medikament (eine günstige Firma) substituieren und dann dabei bleiben.
      Das gilt z.B. bei Wirkstoffen mit einer engen therapeutischen Breite, wie z.B. Herzglykoside oder Marcumar. Da sehe ich es kritisch, wenn einmal Firma A und einmal Firma B abgegeben wird, so eine Einstellung auf den Quick-Wert soll nicht einfach sein.

      Die DPhG (Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft), ein Zusammenschluss von Apothekern (Hochschulprofessoren und interessierte Apotheker, der Verein hat mit Kammer und Co. nix zu tun) hat dazu im Jahr 2002 ein Positionspapier zur Substitution erarbeitet: http://www.dphg.de/lib/dphg_leitlinie01_gsp_02-1.pdf

      Das sind alles Apotheker, die das erarbeitet haben. Den Mitautor, Apotheker Prof. Ernst Mutschler kennst Du ja sicher auch, oder? 😉

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    • Achnö, DrOffenraus,

      das ist aber nicht nett auf Ihrem Blog…

      http://antischarlatan.blogspot.com/2010/07/apotheker-sind-uberflussig-wie-ein.html

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    • Nichts gegen Ihre Meinung, die dürfen Sie gerne haben.
      Ich persönlich muss aber nicht mit jedem diskutieren und ziehe mich daher aus der Diskussion zurück.

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  8. Dr.Offenraus

    Steven -Kartoffel?? Leberwurst , beleidigte?
    Diskussion verweigern weil Gegenüber meine Profession für ersetzbar hält? Ich diskutiere auch mit Bischöfen und die sind auch auf meiner Streichliste.
    Bisher war das doch alles schön sachlich hier. Ich bleib mal dabei.

    Dass sich Ärzte gegen den Medikamentenaustausch damals wehrten ist richtig aber das wurde auch anders begründet, nicht nur mit mangelnder Kompetenz.
    Dass Apotheker mehr von Medikamenten verstünden als Ärzte ist richtig, weil Ärzte aber mehr von Therapie mit Medikamenten verstehen, müssen sie entscheiden was eingesetzt wird.
    Das ist so, als wenn ich korrekt feststelle, dass der Ingenieur bei Airbus das meiste von Flugzeugbau versteht, dennoch fliege ich lieber mit einem erfahrenen Piloten als mit einem Ingenieur.

    Das Beispiel mit Herzglykosiden und Marcumar ist sehr passend. Daran kann man genau sehen was hier wirklich für den Patienten Wichtiges passiert.
    Marcumar wird in seiner Wirksamkeit durch die Ernährung massiv verändert. Einmal Vitamin K haltigen Multivitaminsaft getrunken und der INR Wert fällt massiv ab. Aus diesem Grund hat jeder Patient einen roten Ausweis, in dem die Blutwerte genau von der Praxis protokolliert werden und die Marcumardosen entsprechend angepasst werden. Die kleinen Unterschiede in der gerinnungshemmenden Wirkung verschiedener Generika werden über die ständigen Blutkontrollen ausgeglichen und die Störwirkung von Seiten der Ernährung sind wesentlich relevanter. Ausserdem rezeptiert der Arzt Marcumar praktisch nur in Packungen mit 100 Stück
    und da hat man dann etwa 3 Monate Konstanz mit dem “neuen” Mittel.
    Herzglykoside werden nur noch extrem selten rezeptiert und sind stets nur der Juniorpartner in einer Herzinsuffizienz- oder Flimmertherapie. Der Glykosidspiegel wird ebenfalls gelegentlich kontrolliert, allerdings selten und nur wenn klinische Hinweise vorhanden sind. Die therapeutischen Auswirkungen von einem Präparatewechsel sind wie beim Marcumar nicht alltagsrelevant.
    Das ist Theorie versus Praxis.

    Genau das ist die Haarspalterei, die so eine Diskussion über sogenannte Probleme beim Tausch der Generika dann erzeugt. Und schon kann der einzig alltagsrelevante Hinderungsgrund beim Austausch der Generika, nämlich der negative Placeboeffekt sein Geschäft verrichten. Der Laie sagt dann, es würde ja “sogar” in Fachkreisen diskutiert.

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    • Nein, Herr Dr. Offenraus, Sie sind nicht sachlich. Zumindest nicht in Ihrem Blogbeitrag, der sich mit Apothekern beschäftigt.

      Man stelle sich den Aufschrei vor, hätte ein Pharmazeut etwas vergleichbares gesagt. Dass das ja etwas komplett anderes und mit Ihrer Meinung nicht zu vergleichen ist, werden Sie mir bestimmt gleich dezidiert darlegen.

      Wie gesagt, Ihr Artikel über Apotheker….ist schlicht und einfach unhöflich. Wäre ich Pharmama, würde ich die Tatsache, dass sie auf meiner Page mitschreiben, als Provokation empfinden und Ihre Kommentare gar nicht erst zulassen (Deshalb Kompliment an Dich, Pharmama, diese Toleranz brächte ich nicht auf)

      Und das ist verflixt schade, denn was die Generika betrifft, bin ich sogar ihrer Meinung („Die Störwirkung von Seiten der Ernährung sind wesentlich relevanter“).

      Leider musste ich die Erfahrung machen, dass viele Ihrer Kollegen die Verwendung von /Umstellung auf Generika mit dem Hinweis auf die nicht verantwortbaren Spiegelschwankungen (und wir reden jetzt nicht von sensiblen Wirkstoffklassen wie zum Beispiel Antiepileptika oder Neuroleptika!) grundsätzlich und generell ablehnen.

      Wie Steven schon sagte, Ihre Meinung dürfen Sie haben. Ich persönlich ziehe es wie Steven vor, nicht (weiter) mit Menschen zu diskutieren, die mir generell meine Existenzberechtigung absprechen.

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      • Ah, die Leute die so etwas behaupten wie der Herr Offenaus haben einfach keine Ahnung davon, was unsere Arbeit alles beinhaltet und es täte ihnen gut, mal eine Zeitlang in einer richtigen Apotheke das zu beobachten. Aber leider kann man niemanden mit einer festgefahrenen Meinung bekehren. Darum versuche ich es gar nicht erst.
        Ich finde eine solche Haltung einfach enorm schade, weil ich denke, dass eine (gute) Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker dem Patienten sehr viel bringt, Und so eine Haltung macht eine Zusammenarbeit fast unmöglich.

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  9. Dr.Offenraus

    Genau hier läge ja der Vorteil des Internet. Einmal offen über nie hinterfragtes zu diskutieren.
    Wenn jemand begründen kann weshalb man Hausärzte abschaffen sollte, würde ich natürlich gerne darüber diskutieren.
    Es gibt wenige Dinge über die man nicht reden kann.
    Über die Abschaffung von Bischöfen zB kann man wunderbar reden. Weshalb nicht über die Abschaffung von Apothekern?
    Wenn sich die Leute zu fein sind zum Diskutieren, wird sie die Realität einholen. Doc Morris und Virtual Pharmacy sind die Vorboten.

    Ich rede gerne über alles, gerade auch über Unkonventionelles.

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  1. Pingback: Generikum gefällig? « Pharmama's Blog – zu lesen einmal täglich

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