Missionieren in Zeiten von Corona

Ich fand es ja einen netten Nebeneffekt der Pandemie-Regeln (Abstand halten, Kontakte reduzieren!), dass wir zu Hause keinen Besuch von Tür- zu Tür-Verkäufern oder missionierenden Zeugen Jehovas mehr bekamen. Das ersparte mir (eh schon introvertierter Person) unnötige Diskussionen. Interessant fand ich deswegen den handgeschriebenen (!) persönlich addressierten Brief, den wir von den Zeugen vor etwa 2 Wochen bekommen haben. Darin gehen sie auf die aktuelle Situation und die Belastung, die sie psychisch mit sich bringt ein, und bieten mit einem aufbaunden Psalm sich (und ihren Glauben) als Stütze in diesen schwierigen Zeiten an. Das empfand ich (auch wenn ich die Zeugen sonst wie alle missionierenden Gruppen nicht sehr mag) als positiv.

Weniger gut kam der Brief der CCHR Schweiz an, den ich in der Apotheke bekommen habe. Betreff: Klassische Schulmedizin versus Alternativmedizin. Der Inhalt ein etwas seltsamer Mix aus Schmeicheleien (Als kompetente Fachperson kennen Sie die Problematik wohl bestens … Als Verantwortliche für eine gute Beratung Ihrer Kunden in alternativen Möglichkeiten einer Behandlung kennen Sie die Realität wohl besser als alle anderen …) und Behauptungen (Die Pharmaindustrie kommt immer mehr ins Kreuzfeuer der Medien … Die klassische Schulmedizin dominiert bei der Behandlung von psychischen Leiden) … die dann aber wenig mit dem eigentlichen Ziel des Schreibens zu tun haben. Nämlich dass man bei ihnen Informationsbroschüren bestellt: Glücklicherweise ist es uns möglich, ihnen das … Informationspaket abzugeben. Zahlreiche Fragen werden zu Psychopharmaka, Antidepressiva, Tranquilizer und psychiatrischen Diagnosen beantwortet.

Ja …. wirklich aufmerksam wurde ich bei den Bildern auf den Broschüren … auch dem einen Kärtchen, das sie beigelegt haben. Irgendwie ausgesprochen abschreckend und hat auch nicht viel mit (alternativen) Medikamenten oder neutraler Info zu tun. Auf den Broschüren sind Titel wie: Die Vermarktung erfundener Krankheiten – sind wir alle psychisch krank? Psychopharmaka verursachen Gewalt und Selbstmord. Antidepressiva Risiken und Nebenwirkungen. Und die Bilder dazu erspare ich Euch hier, die machen mich beim anschauen schon fast depressiv.

Da ich die CCHR oder Citizen Commission on Human Rights (Bürgerkommission für Menschenrechte) nennt nicht kannte, googelte ich mal – und fand so recht rasch, dass es sich um eine Gruppe handelt, die total Anti-psychiatrie ist und regelmässig öffentliche Veranstaltungen in schwarzen Zelten und mit denselben „Psychiatrie ist Folter“-Bildern gemacht hat … und die enge Verbindungen zur Scientology hat.

Ah. Nein. „Nice try“, die Apotheke für ihre Missionsarbeit einzuspannen, aber deren Alternative zur Psychiatrie und Medikamenten besteht in eigenen „Kursen“ mit meiner Meinung nach eher zweifelhaften Auswirkungen.

Da landet das Schreiben in der „Rundablage“ – da hilft auch der Schlussatz nichts:

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit in der Alternativmedizin. Ihre Arbeit ist geschätzt und benötigt …

Auswertung zu „Wieviel Arbeit darf es sein“

Oben seht ihr das Ergebnis der Abstimmung. 10 Tage habe ich Zeit gelassen, 189 haben abgestimmt. Man sieht eine ziemlich schöne Verteilungskurve. Die meisten würden gerne mindestens 8, maximal 10 Stunden arbeiten, danach nimmt es wieder ab. Weniger als 6 Stunden und mehr als 12 Stunden wollen die wenigsten arbeiten (ausser den maximal 7 Stunden – ist das, weil das eine so unschön ungerade Zahl ist?). Im Durchschnitt ist Apotheker*in also bereit bis 9.5 Stunden zu arbeiten. Am Stück. Ohne offizielle Pause. Das heisst, eine Pause zum Essen findet in der Apotheke während der Öffnungszeit statt. Maximal hat man die Möglichkeit sich zurückzuziehen dafür, meistens wird man aber dennoch unterbrochen werden, gelegentlich mehrfacht.

Trotzdem ist gut ersichtlich, dass auch längere Arbeitszeiten toleriert werden– sie haben ja auch den Vorteil, dass man so schneller „auf seine Stunden“ kommt. Das gilt vor allem für die jüngere Generation – es wäre interessant die Abstimmung mit einer grösseren Anzahl Teilnehmer und der zusätzlichen Frage nach dem Alter zu wiederholen.

Dann habe ich noch gefragt, ob es einen Unterschied macht, wenn die Pause nur halb bezahlt würde. Also von 1 Stunde „Pausenzeit“ werden 30 Minuten an die Arbeitszeit angerechnet.

Sehr erfreulich für die Arbeitgeber, dass es da keinen Riesen-Unterschied macht. Die Abstimmung fiel zugunsten einem Ja aus – 52 % würden in dem Fall der nur halb bezahlten Pause weniger arbeiten wollen. 43% wäre es egal. Von den restlichen 5% (Anderes) wurde in den Kommentaren erwähnt, dass das dann sehr vom sonstigen Arbeitsklima abhängen würde und ob andere „Vergünstigungen“ dazukämen. Dazu gehören Arbeitsplangestaltung, Flexibilität der anderen Mitarbeiter, Teamessen und – Ausflüge etc.

Was in den Kommentaren ebenfalls sichtbar wird: Das lange Arbeiten ist ein „Misstand“, der auch in anderen Gesundheitsberufen vorkommt, namentlich im Spital bei den Ärzten (und anderen).

Ausserdem hat so langes Arbeiten Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit. Ich selber merke dass es bei mir nach 8 Stunden plus deutlich abnimmt. Ermüdungserscheinungen führen zu mehr Fehlern. Letztendlich profitieren auch die Patienten von Apothekern (und anderem medizinischen Personal), das nicht zu lange arbeiten muss.

Vielleicht regt diese Abstimmung (so klein sie auch war) doch manchen Arbeitgeber dazu an, mehrere oder andere Schichten anzubieten. Es kann helfen, wenn man jemanden sucht, wenn man da flexibel ist.

Wieviel Arbeit darf es sein?

Ich möchte hier eine öffentliche Umfrage machen für Apotheker*innen: Wie seid ihr bereit zu arbeiten?

Wir haben in der Apotheke ein Nachwuchsproblem – es ist schwer Apotheker*innen zu finden. Das, obwohl ich der Meinung bin, dass wir einen tollen Beruf haben, der es auch erlaubt Teilzeit zu arbeiten und nebendran Familie zu haben, ausserdem ist er einigermassen „kriesensicher“. Trotzdem glaube ich langsam, dass die Arbeitszeiten damit zusammenhängen, dass es so schwer ist, eine neuen Apotheker / eine neue Apothekerin zu finden

Öffnungszeiten: Heute haben immer mehr Apotheken durchgehend geöffnet und lange offen. Sei es von 8 bis 8 Uhr, 7 bis 8 Uhr, 7 bis 10 Uhr, 9 bis 7 Uhr, was auch immer. Samstags ist ebenfalls offen (vielleicht mit etwas reduzierten Öffnungszeiten).

Pausen, auch Mittagspausen müssen (wenn überhaupt) in der Apotheke selber stattfinden. Wenn man die einzige Apotheker*in vor Ort ist – was ich für die Umfrage hier jetzt annehmen will – ist es gesetzlich nicht erlaubt, die Apotheke dafür zu verlassen oder sich so zurückzuziehen, dass man nicht mehr erreichbar ist. Als Apotheker*in ist man verantwortlich für jedes einzelne Medikament, das die Apotheke verlässt und muss die Rezepte entsprechend kontrollieren und für Gesundheitsfragen der Patienten verfügbar sein (lies: arbeiten) auch wenn man „Mittagspause“ hat. Dasselbe gilt für die im Arbeitsrecht eig. vorgesehenen Pausen von 15 Minuten ab 5.5 Stunden Arbeitszeit (oder 30 Minuten ab 7 Stunden Arbeit oder 1 Stunde ab 9 Stunden Arbeitszeit).

Da das auch noch einen Einfluss haben kann: Bei einer Anstellung von 80% sind das bei 12 Stunden Öffnungszeit pro Tag 3 ganze Tage die Woche – nicht zwingend mit einem Tag Pause dazwischen. Das wäre schön kompakt (- und ganz schön anstrengend).

  • *Eigentlich muss eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden eingehalten werden, aber da Apotheker teils als „Kader“ gelten (auch Apotheker in Stellvertreterposition) gilt das Arbeitsrecht nur bedingt.

Würde etwas an Deiner Wahl ändern, wenn die Mittagspause von 1 Stunde zusätzlich nur zur Hälfte als Arbeitszeit gilt und bezahlt wird? (Oder anders gesagt: 30 Minuten werden nicht bezahlt).

Ich bin gespannt auf Eure Antworten.

Bitte nur Apotheker und angehende Apotheker (Studenten) an der Umfrage teilnehmen!

Alle anderen dürfen aber ihre Ansichten dazu gerne in den Kommentaren bekanntgeben.

Testen auf Covid-19

Das waren etwas seltsame Ostern.

Mittwoch mittag fing es an mit Müdigkeit, leichten Kopfschmerzen (nicht der üblichen Migräne) und Gliederschmerzen. Ich ging schlafen in der Hoffnung, dass es morgens besser sein würde. Das war es nicht. Also nahm ich eine Kopfschmerztablette und ging arbeiten – die üblichen Sicherheitsmassnahmen, die wir in der Apotheke implementiert haben, schützen ja auch die Mitarbeiter untereinander. Während der Arbeit fühlte ich mich schlapp, hatte abwechselnd Schweissausbrüche oder Kältegefühl und war sehr froh, dass ich wegen Karfreitag früher abgelöst wurde.

Zu Hause legte ich mich ins Bett im Gästezimmer und sagte Mann und Kind, dass sie mich besser einfach komplett in Ruhe lassen sollen und Abstand halten. Ich hatte kein Husten oder Schnupfen nur gelegentlich etwas Halsschmerzen, die zeitweise in die Ohren „hochzogen“. Donnerstag und den ganzen Freitag verbrachte ich im Bett liegend – ich fühlte mich wie von einer Dampfwalze überfahren, aber ausser dem intensiven Krankheitsgefühl hatte ich kein messbares Fieber. 37,4 Grad zeigt das Quecksilbethermometer (alle anderen 3 digitalen war die Batterie ausgegangen …). Ich hatte kein Hunger, aber zwang mich zu essen (der Kuschelbär brachte es aufs Zimmer) – und schwor, dass wenn das Samstag immer noch so ist, ich mich testen gehen würde auf das Coronavirus. Ich meine: was mag das sein, was mich da praktisch niedergestreckt hat? Gegen die Grippe bin ich geimpft, FSME ist etwas früh (und bin ich auch geimpft) und „nur erschöpft“ wie meine Mutter meinte … das hier fühlte sich sehr anders an.

Samstag morgen ging es mir etwas besser, gut genug mich zum Testzenter zu begeben. Ich muss auch wissen, ob ich am Dienstag wieder in die Apotheke würde gehen können – oder ob ich mich weiter isolieren sollte. Mein Mann brachte mich hin, im Auto, ich ausgerüstet mit Maske, Krankenkassenkarte und einer Bescheinigung, dass ich in der Apotheke arbeite.

Im Testzenter bekam ich erst mal eine neue Maske (die wohl weniger schützte als diejenige, die ich anhatte, aber – Procedere) und viel Händedesinfektionsmittel.

Dann wurde meine Krankenkassenkarte eingelesen, meine Natelnummer abgefragt und ein Test-SMS darauf gesendet wurde.

Dann bekam ich einen Fragebogen mit dem die restlichen Daten aufgenommen wurden: Welche Symptome? Welche anderen Krankheiten? Beruf? Kontakt mit möglicherweise Infizierten?

Weiter ging es zum Fiebermessen im Ohr. 37.4 Grad (immer noch)

Dann zum Arzt, der nochmal alles abfragte, bestätigte, dass ich getestet werde und mich darauf hinwies, dass der Test ein falsch negatives Resultat von bis zu 30% anzeigen könnte. Das Testresultat würde ich per SMS bekommen, wenn negativ oder als Telefonanruf wenn positiv, ich solle das Telefon immer griffbereit halten.

Dann wurde mir mit einem langen Wattestäbchen ein Rachenabstrich gemacht (durch den Mund – ich habe gehört, dass das an manchen Orten via Nase gemacht wird).

Schliesslich wurde ich entlassen, nachdem ich die Unterlagen wieder abgeben durfte (und den Stift, der desinfiziert werden würde) und die Blätter mit den Verhaltensempfehlungen zu Selbst-Quarantäne und Selbstisolation bekommen habe.

Alles in allem sehr unspektakulär und effizient. Ich war nach 20 Minuten wieder draussen – zugegebenermassen waren ausser mir und vielen die dort arbeiteten kaum jemand da.

Zu Hause legte ich mich gleich wieder ins Bett im Gästezimmer. Selbst das bisschen war anstrengend. Und dann wartete ich auf das Testergebnis.

Das kam nachts um 2 Uhr. Per SMS: (das ist an sich schon die Antwort)

Also Negativ. Puh. Das bedeutet, ich kann wieder arbeiten am Dienstag, wenn das weiter so besser wird. Und ich kann aus der Isolation raus. Damit habe ich noch gewartet bis Sonntag morgen, aber seitdem essen wir auch wieder zusammen.

Jetzt bin ich wieder fit genug, nicht nur zum schreiben, sondern auch zum arbeiten morgen. Aber ich frage mich schon, was das jetzt war. Vorsicht ist natürlich weiterhin geboten – wie gesagt, kann der Test auch falsch-negativ sein.

Wenn Du jetzt etwas aus der Apotheke brauchst …

Die Apotheken gehören zu den wenigen noch offenen Geschäften – entsprechend beschäftigt sind wir im Moment. Hier ein paar Tipps für einen besseren Apothekenbesuch in diesen Pandemie-Zeiten: Bitte weitergeben an diejenigen ohne Internet, vor allem die ältere Generation die Medikamente braucht und gefährdet ist, ist oft nicht online. Telefoniert doch mal wieder wie es euren älteren Verwandten und Bekannten geht!

Bitte komme nicht mit Husten und/oder Fieber in die Apotheke!

Die Apotheke nimmt Bestellungen telefonisch oder per mail entgegen und macht sie bereit, das verkürzt die Anwesenheit in der Apotheke und schützt nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch alle andern. Wenn etwas abgeholt werden soll, weise die Apotheke darauf hin, wenn Du nicht selber kommst, dann können wir die Medikamente auch abgeben. Falls Du ein Coronaverdachtsfall bist und wirklich keinen anderen Weg findest, bitte weise die Apotheke beim Besuch darauf hin.

Die Apotheken liefern aus!

Speziell für die ältere Generation und gefährdete Patienten, die niemanden haben, den sie schicken können oder CoVid-19 -Fälle, bieten die Apotheken in diesen Zeiten mehr Hauslieferungen für Medikamente an. Bitte nehmt das in Anspruch! – Aber denkt auch daran, dass Wunschlieferzeiten meist nicht möglich sind. Ablegen im Briefkasten ist bei den meisten Mitteln möglich – bitte achtet darauf, dass es nicht zu lange da drin liegt.

Bitte haltet Abstand!

Die empfohlenen 2 Meter Abstand untereinander gelten ausserhalb und innerhalb der Apotheke. Der Zugang wurde deswegen teilweise eingeschränkt und in den Apotheken gibt es markierte Warteplätze. Bitte lauft nicht einfach herum und geht „shoppen“ oder schaut, ob man irgendwo schneller dran kommt. Begleitpersonen warten bitte ganz ausserhalb der Apotheke (ausser Kinder).

Nicht anfassen!

Auch bei uns wird kontaktloses Zahlen in diesen Zeiten bevorzugt. Unter 45 Franken muss man meistens nicht einmal den PIN eintippen, aber wir desinfizieren die Tastatur auch immer wieder. Trotzdem ist es eine gute Idee beim Einkaufen allgemein so wenig wie möglich anzufassen – auch wenn mancherorts ein Händedesinfektionsmittel vor Ort angeboten wird … es gibt immer welche, die das nicht benutzen.

So kommt das Rezept vom Arzt in die Apotheke:

Auch beim Arzt soll man sich momentan bei Erkältungsbeschwerden telefonisch anmelden und fragen, ob man vorbeikommen soll. Die meisten machen erste Abklärungen am Telefon. Wenn der Arzt ein Rezept ausstellt: bitte direkt in die Apotheke nach Wahl schicken lassen (per Fax oder auch E-Mail, Post ist zu langsam) – Rezepte, die per E-Mail an den Patienten gehen und dann ausgedruckt werden sind wegen fehlender Originalunterschrift und Stempel offiziell nicht gültig. Also grad die Adressdaten der Apotheke bereithalten und dem Arzt durchgeben.

Bekomme ich noch alles?

Was die Apotheke nicht Lager hat kann sie (meist) weiterhin normal bestellen, oder sie macht alles, um es von woanders zu beschaffen. Das gilt für Medikamente und Arzneimittel sowie medizinische Hilfsmittel. Da auch die Grossisten aktuell sehr belastet sind, werden nicht so wichtige Sachen wie Kosmetik, Putzmittel, Reformartikel momentan zweitrangig bearbeitet und wir können oft nicht sagen, wann etwas wieder erhältlich ist.

Es ist jetzt nicht die Zeit für ausgiebige Kosmetikberatungen! Du kannst Hautpflegemittel weiterhin kaufen, aber bei Kosmetika ist es gut, wenn man weiss was (Pro Tipp: alte Verpackung mitbringen).

Bitte nehmt auch an, dass der Bezug gewisser Medikamente eingeschränkt ist. Wegen unnötigen Hamsterkäufen wurde die Abgabe von Schmerzmitteln, Hustenmitteln und Desinfektionsmittel auf 1 Packung pro Person limitiert. Verzichtet auch auf Diskussionen deswegen. Das ist, damit möglichst viele versorgt werden können.

Dasselbe gilt für Medikamentenbezüge auf Dauerrezepte. Der Vertrag mit den Krankenkassen hat schon immer vorgeschrieben jeweils für nicht mehr als maximal einen 3 Monatsbedarf Medikamente zu beziehen. Das muss jetzt schärfer durchgezogen werden. Bitte hamstert auch hier nicht – die meisten haben noch (für länger) Medikamente zu Hause, wir und die Grossisten haben Vorrat und es geht weiter wie bisher. Wir tun alles um die Patienten weiterhin ohne Unterbrechung zu versorgen!

Händedesinfektion

Desinfektionsmittel für die Hände ist gut als Notfall für unterwegs (musst Du wirklich raus unter die Leute jetzt?), aber BESSER ist regelmässiges Händewaschen: 20 Sekunden einseifen und abspülen mit Wasser vernichtet den Coronavirus, der auf Seife empfindlich ist. Es gibt keinen Grund jetzt panikartig zu Hause selber etwas zusammen zu mischen, das vielleicht nicht wirkt oder sehr austrocknet. Was das angeht: benutzt Handsalbe zum pflegen, sonst haben wir in einem Monat ganz viele Leute mit Handekzemen!
Die Apotheken tun alles um Desinfektionsmittel zu beschaffen oder herzustellen und abzufüllen. Es wird zunehmend schwieriger das Material dazu zu beschaffen (und auch teurer), trotzdem sind Preise von 20 Franken für 100ml überrissen (und werden von den meisten Apotheken auch sicher nicht verlangt).
Wegen der Materialknappheit die den Alkohol, das Glycerin und auch die Fläschchen betrifft, bekommt man diese kaum mehr in der Apotheke. Firmen oder Pflegepersonal, oder pflegende Angehörige, die leere Flaschen mit Desinfektionsmittel haben (wie Sterillium und Co.) können die zum Auffüllen in die Apotheke bringen. Bitte bringt aber nichts, das wie ein Lebensmittelgebinde aussieht!

Masken

Masken haben die Apotheken schon lange keine mehr zum Verkaufen. Das betrifft alle Arten, von Chirurgenmasken bis FFP3. Der Markt wurde hier inzwischen kontingentiert und was vorhanden ist, soll in den Spitälern und Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen, dort wird es wirklich gebraucht! Es ist auch weithin bekannt (oder sollte es sein), dass die allermeisten Masken einen selber nicht vor einer Infektion mit dem Virus schützen. Die  Chirurgenmasken, die wir in der Apotheke tragen, tragen wir für Euch, die Kunden und Patienten! Selbst wenn einer von uns das Virus hätte (dessen Verlauf bei jüngeren oft milde ist), wollen wir eine Ansteckung der Umgebung verhindern. Wer das auch möchte: im Internet kursieren Nähanleitungen für Stoffmasken, die das auch tun. 2 Mal täglich wechseln und waschen in der Waschmaschine ist für die richtige Anwendung nötig.

Bitte habt Geduld!

Aufgrund der aussergewöhnlichen Umstände haben wir in der Apotheke nicht nur viel mehr Anfragen von Patienten und Kunden, sondern teilweise auch schon Personalausfälle (sei es wegen normaler Erkältung / Grippe als auch wegen Verdacht auf oder wirklich CoVid-19). Dazu kommen die Schutzmassnahmen, die wir für Euch und für uns treffen müssen, deshalb können die Wartezeiten länger als gewohnt sein und manche Dienstleistungen der Apotheke werden nicht mehr oder nur noch in Notfällen angeboten. Nehmt (falls ihr nicht schon Stammkunde seid) die Krankenkassenkarte gleich mit in die Apotheke – oder seid bereit das gleich zu bezahlen. In dieser Situation sollte es auch verständlich sein, dass ich keine Zeit habe über die Apothekenpauschalen auf rezeptpflichtige Medikamente zu diskutieren, oder darüber, dass das etwas online „aber günstiger ist“!

Danke, dass auch Du mithilfst, dass wir (alle) unter der Pandemie und ihren Einschränkungen nicht zu sehr leiden müssen!

(Text von einer Apothekerin von facebook, mit freundlicher Genehmigung übernommen und ergänzt. Gilt für die Schweiz – für Deutschland und Österreich mit kleineren Einschränkungen sicher auch).

Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Vielleicht habt ihr das gestern mitbekommen (auf Facebook).

Heute: Grossist liefert nur Teil der bestellten Ware (wegen Computerproblem), Kann Desinfektionsmittel herstellen, aber nicht abfüllen, da Flaschen noch nicht ausgeliefert (wegen zu hohem Bestellvolumen aktuell), Doppelt so viele Kunden wie an einem normalen Samstag, mindestens so viele Rezepte wie zur Grippe-Hoch-zeit, Anfragen nach Masken, Desinfektionsmittel, Handschuhen und Fieberthermometern im Minutentakt (und ich hab nix mehr, das ich bestellen kann), Vorratskäufe für Paracetamol und Hustenmittel …(Leute: WIR sind auch am Montag wieder offen, egal was WhatsApp für Gerüchte verbreitet), die Nachmittagslieferung ist verspätet … alle Stunde desinfizieren der Oberflächen, arbeiten hinter Scheiben und der Versuch, die ältere Kundschaft von den andern entfernt zu halten… aber wir haben es überlebt. Ich bin fertig – und geh jetzt schlafen! Gute Nacht

Der Tag gestern hatte durchaus auch seine lustigen Seiten:

Beim Wareneingang arbeitet der Lehrling mit Musik? Ich geh‘ nachschauen – unsere clevere Drogistin in spe hat das Telefon mit der Warteschlaufenmusik des Grossisten auf Lautsprecher gestellt, es beiseitegelegt und arbeitet daneben weiter. Gar nicht mal so üble Musik – etwas repetitiv allerdings …

„Ich glaube die Leute machen Hamsterkäufe!“ Das von der Kundin, die schon das dritte Mal diese Woche zu uns etwas holen kommt … („Was Sie nicht sagen!“)

Auf meine Ansage, dass wir nur 2 Pack Paractamol Tabletten pro Person verkaufen, folgt eine kurzer Wortaustausch auf Türkisch mit meiner Kollegin, das einzige was ich verstehe ist das „Ah!“ der Kundin am Schluss – es wird anstandslos bezahlt. Was war das? frage ich die Kollegin. „Sie hat gefragt, weshalb sie nicht mehr bekommt, da habe ich ihr gesagt, damit andere auch noch haben.“ Ah! Ja.

Fieberthermometer sind aus. Komplett. Nicht mehr nachbestellbar. Ich hab mindestens 3 zu Hause (gut, die Batterien von 2 sind wohl fertig), aber ich dachte eigentlich, das ist etwas das jeder schon hat? Lichtblick: Fieberthermometer sind vom Exportverbot in Deutschland noch nicht betroffen, nur kontigentiert. Ich darf 5 (pro Tag) bestellen.

Montag scheint Doomsday zu sein. Nach diversen Bemerkungen von Kunden habe ich mindestens drei Mal ausdrücklich gesagt, dass wir als Apotheke auch nächste Woche noch offen haben. Ziemlich egal was sonst noch für Massnahmen beschlossen werden. Wir sind da.

Toilettenpapier ist im Supermarkt keines mehr erhältlich – sagt auch mein Mann, den ich geschickt habe, weil es bei uns zu Hause bald ausgeht. Aber unser Grossist hat noch welches! (Frag besser nicht nach dem Preis – aber ich hab’s jetzt für mich bestellt. 1 Packung zu 16 Stück. Reicht.).

Es reicht nicht, ein Schild aufzuhängen auf dem steht dass wir keine Masken und Desinfektionsmittel mehr haben. Man muss das trotzdem täglich mehrmals direkt sagen, sonst wird einem nicht geglaubt. Und selbst dann …

Eine Ärztin und eine Pflegerin haben wir wirklich glücklich gemacht mit selbst hergestelltem Desinfektionsmittel in 500ml Flasche mit entsprechendem Ausguss/Verschluss die ich dafür noch gefunden habe.

Ansonsten ist das Desinfektionsmittel aus. Kunden und Patienten die das wirklich brauchen (also zum Beispiel Arztpraxen und Heime mit denen wir zusammenarbeiten) habe ich angeboten, das in Behälter, die sie mitbringen nachzufüllen, zum Beispiel leere Sterillium-Gebinde. Das hat dann eine Dame dazu animiert im Migros eine kleine 500ml Wasserflasche zu kaufen, damit wir sie leeren und das dann da drein füllen. Nein!!

Im Internet kursieren offenbar Anleitungen um Desinfektionsmittel selber zu machen. Blöd nur, wenn auch die Bestandteile dafür (Glycerin, damit es Hautverträglich ist) nicht lieferbar sind. Und ohne das würde ich zum Beispiel Brennsprit – für das wir verdächtig mehr Nachfrage haben – wirklich nicht dafür verwenden. Für Oberflächen (entsprechend verdünnt) die das vertragen geht das wohl noch. Und nur damit das auch wieder gesagt ist: Medizinalbenzin ist NICHT desinfizierend, das ist zum Pflasterreste entfernen auf der Haut.

Ohne unsere super Mitarbeiter, die auch in schwierigen Zeiten ihren Humor nicht verlieren ist so ein Tag kaum zu überstehen. Danke vielmals! Auch an die Kunden und Patienten, die sicher mehr Geduld brauchen und Verständnis zeigen für die Einschränkungen, denen wir alle unterworfen sind. Solidarität ist JETZT angesagt und wichtig.