#apothekelive – Der Twitter-Tag zum Nachlesen

13.10 Uhr Ich mache mich jetzt auf den Weg in die Apotheke. Mit dem Velo – das hat den Vorteil, dass ich weder auf den ÖV warten, noch einen Parkplatz suchen muss.

Angekommen ohne Unfälle oder sonstige Zwischenfälle. 20 Minuten vor offiziellem Arbeitsbeginn

Umziehen, etwas ansehnlicher machen für die Kunden und dann die Apothekerin- Kollegin fragen, was besonderes anfällt.

Das geht ja noch: eine Dosierungsnachfrage beim Arzt, eine „Vorwarnung“ wegen einem Patienten der „nur rasch“ seine Krankenkassenkarte holen ging, die „garantiert nicht gewechselt hat“ und beim Rezepte kontrollieren ist ihr etwas aufgefallen…

Hmm ja, sie hat recht. Gestern Abend 5 vor Schluss ein Spitalrezept. Kombi Ibuprofen, Pantoprazol und Diclofenac. 2 NSAR? Normalerweise wäre eines der Schmerzmittel dann Paracetamol oder Metamizol.

Versehen? Für die Niere nicht optimal. Ich weiss, dass ich den Patienten darauf hingewiesen habe, erst mal nur die Ibu zu nehmen und das Diclo höchstens als Reserve.

Aber sowas merkt unser Computersystem auch nicht. Ich werde anrufen um das abzuklären

Ah ja, eine Lieferung auch noch. Nach Bestelleingang auszuliefern. Da kam kurz vor 12 das Rezept rein.

14 Uhr Anruf der Arztpraxis, eine Patientin bräuchte dringend ein paar Medis für die Ferien. Es sei okay, wenn wir einen Vorbezug machen und das der Praxis schicken.

Bin etwas verwirrt, da die Patientin zwar bei uns bekannt ist, bisher aber ihre Rezepte offenbar woanders eingelöst hat … und die Praxis auch nicht weiss, um was für Medis es sich denn handelt. (!)

Drogistin dreht eine Runde mit dem Parfümspray durchs Geschäft. Ihr Vick’s MD Kunde roch (Zitat) „wie eine Woche abgestandene Socken.“

Und grad ein klassisches Beispiel von einem Dominoeffekt in der Apotheke, verursacht durch die Nicht- Lieferbarkeit von einem Medikament:

Rezept für Collunosol Halsspray. Er ist NiLi. Ersatz wäre NeoAngin Spray mit denselben Wirkstoffen – ist auch grad NiLi … und offenbar jetzt ALLE anderen Halssprays die von der Grundversicherung übernommen werden wie Sangerol …

Damit habe ich jetzt grad nix mehr das nicht selber bezahlt werden muss. Immerhin: für die Nachmittagslieferung sollten hoffentlich wieder ein paar kommen. Inzwischen bin ich so weit, dass wir abgeben, was wir haben und was einigermassen ähnlich ist.

Ich weiss, das sind ziemlich #firstworldproblems , immerhin handelt es sich nur um einen Halsspray. Hier. Aber das geht auch bei wichtigeren Medikamenten. Momentan sind in der CH über 550 Medikamente nicht lieferbar!

Bei uns heute nicht Lieferbar: 97 Produkte (nicht nur Medis). Das ist frustrierend und bedeutet enorm Mehrarbeit da Ersatz zu suchen.

15 Uhr Die 10er Noten sind ausgegangen. 5-Fränkler (schweres Münz) mögen die Leute irgendwie nicht so

Die Patientin (notabene ü 90) beklagt sich bei uns in der Apotheke, weil wir ihr einen Vorbezug gemacht haben. Wir hätten ja die Rezepte schon. (?)

Jaein. Der Arzt hat uns bei ihr nur spezifisch angewiesen, Vorbezüge zu erlauben und das Rezept dann bei ihm zu bestellen. Praktisch ein Blankogutschein.

Jetzt war sie mal wieder beim Arzt – und der hat sich bei ihr über uns beklagt, „er müsse ständig Rezepte für sie ausstellen“. Dann hat er ihr (endlich) eine Aufstellung von so ziemlich allem gemacht (Wiederholungsrezept) und ihr mitgegeben

Das war vor 2 Monaten. In der Zwischenzeit hat sie zwar wieder etwas bezogen aber das Rezept (für alles) nicht gebracht. Und jetzt steht sie hier damit und reklamiert, weil WIR das Rp nicht hier haben!

Manchmal weiss man echt nicht, was sagen. „Danke, dass sie das Rezept JETZT bringen. Ab jetzt habe ich das im Computer für Sie hinterlegt.“ (und lächeln. Immer lächeln)

Die Lieferung ist hier (eigentlich schon eine Weile)

16 Uhr Reservationen kontrollieren. Alles da? Alles richtig? Angeschrieben? Etwas zum liefern? Da war doch noch was?

Ansatzweise seltsames Rezept für Novalgin (Rx Schmerzmittel) und Buscopan (OTC, krampflösendes Mittel. Normalerweise verwendet der Arzt graue Formulare – das hier ist eine Farbkopie, aber mit Stempel/Unterschrift.

Mache deshalb auf Verdacht erst einen Anruf. Praxis nimmt das Telefon grad nicht ab, rede auf Anrufbeantworter und gebe es ab. Er ist Selbstzahler. Noch ein Verdachtsmoment.

Es könnte ja sein, dass dem Arzt die Formulare ausgegangen sind. Die Medikamente sind auch nicht sehr verdächtig. Trotzdem: Bauchgefühl. Wir machen eine Kopie.

Der Patient mit der nicht abrufbaren Krankenkasse kommt vorbei. Er ist etwas …verärgert. Er musste stundenlang zu Hause danach suchen.

Natürlich hat sowohl er als auch seine Frau eine neue Versicherung. Laut Murphy müsste das jetzt eine zum selber zahlen sein, zumindest das ist hier nicht der Fall. Aber: „garantiert nicht gewechselt“ -Ja?

Laden voll (kleiner Kinder? Ausflug vom Tagi?) und ein „Herr“ bedient sich gezielt am Parfümtester hinter den Leerpackungen und verlässt das Geschäft damit. Der Lehrling hat’s mitbekommen und konnte nichts sagen.

Anruf von der Praxis mit dem seltsamen Kopie-Rezept. Wir sollen ihnen ein Bild mailen, der Patientenname sei nicht bekannt. Donna kümmert sich drum.

Zur Ehrenrettung des Lehrling: sie kam es mir rasch melden (war grad von der Auslieferung zurück) – sie hat sich nicht getraut etwas zu sagen, da der Typ als ansatzweise aggressiv bekannt ist. Zumindest in dem was er sagt.

17 Uhr Auf dem Rp für eine ü 50j Patientin steht „1 OP Dalacin Creme“. Keine Dosierung. Es kommt die Nachbarin damit, sie weiss aber, dass es „für die Beine“ sein soll. ?? Das Mittel ist ein Antibiotikum und gibt es als Vaginalcreme und als Emulsion?

Rufen die Praxis an, was es denn sein soll. Die Praxisangestellte stellt uns kurz in die Wartepause und kommt dann zurück verkünden, dass es „für die Beine“ sein soll. Oookay – soweit waren wir schon …

Okay – und soll sie da auf die Beine die VaginalCreme auftragen oder besser die AkneEmulsion?! … Längere Wartepause. Dann: Die Emulsion soll es sein. 2x täglich.

Laut Donna hat die Praxis mit dem Kopie-Rezept angerufen. Es handelt sich offenbar wirklich um eine Fälschung. „Gutes Bauchgefühl“ soll sie ausrichten.

Der Patient sei bei Ihnen nicht bekannt … allerdings hatten sie mal eine Mitarbeiterin mit dem Namen. Nun – das erklärt den Stempel und das sonst „professionelle“ Aussehen des Rezeptes.

FSME Impfungen sind grad aktuell – und bei denen muss man 3x impfen, also sehe ich die Leute dafür zumindest 2 mal dieses Jahr. Danach hält es dafür 10 Jahre.

Beim vorbereiten für die FSME Impfung scheitern wir heute schon an der 3. Frage: „Sind sie in den letzten 4 Wochen von einer Zecke gestochen worden?“: Ja? Ok – dann machen wir in einem Monat weiter. (Mist).

Die Patientin fragt ob ich ihr die Nadeln tausche beim Accucheck Fastclix Stechgerät. Eine nette alte Frau mit arthritischen Händen und Sehproblemen. Mache ich doch gerne (muss nur rasch auf YouTube im Tutorial schauen, wie).

Patient, der mit fraktionierter Abgabe wöchentlich sein Substitutionspräparat holt, will es wieder. Sein Rp für den Bezug ist abgelaufen. Man hat ihn die letzten BEIDEN Male drauf aufmerksam gemacht, dass das so ist und er ein neues besorgen muss.

Typischerweise (für ihn) hat er das nicht gemacht. Und ebenso typisch ist das nicht sein Fehler – der Arzt sei nicht erreichbar gewesen. Und es ist auch nicht sein Problem – sondern unseres.

Dafür verlangt er jetzt lautstark „sein“ Medikament, das sei schliesslich wichtig und überhaupt sei das vernachlässigend von uns … mit seiner Lautstärke erregt er zumindest die Aufmerksamkeit der anderen wartenden Patienten.

Mein Mitleid aber eher weniger. Aber ich kann ja den Arzt versuchen selber zu erreichen. Da ich noch anderes zu tun habe, erkläre ich ihm, dass er in 1 Stunde wiederkommen soll.

Ich rufe trotzdem gleich an – (die Zeit rennt) Überraschung! Der Arzt nimmt fast sofort ab. Er weiss nichts von irgendwelchen Kontaktversuchen des Patienten. Der hat aber den letzten Termin bei ihm verpasst.

Ich darf ihm die Menge bis und mit nächsten Montag mitgeben. Er muss aber heute noch oder morgen für einen Termin am Montag anrufen. Eine weitere Abgabe ist mir nur erlaubt, wenn ich dann vom Arzt das ok bekomme, ansonsten ist fertig. Ok!

Damit kann ich gut leben. Finde ich auch fair für ihn. Ich richte die Medi bis Montag und schreibe die Abgabebedingung an.

Rezepte, Rezepte, Rezepte – gerade aktuell (eigentlich immer) Vitamin D (für alle und jeden) und Antiallergika.

Bekomme mit, wie Donna, die Pharmaassistentin, einer Patientin erklärt, dass die Medikamente, die sie vom Arzt verschrieben haben will nicht von der Krankenkasse übernommen werden (Mittel gegen Halsschmerzen). „Das glaube ich Ihnen nicht, holen sie die Apothekerin!“

Wiederhole ziemlich genau, was meine kompetente Pharmaassistentin gesagt hat. Reaktion? „Oh, okay.“

Oh Mann – ganz schlechtes Gefühl nach der Patientin mit Candesartan plus (HCT) auf Dauerrezept. Aber das sprengt den Rahmen hier, das bringe ich auf dem Blog (morgen?)

Rezepte, Rezepte .. zwischen den Antiallergika gestreut ein paar Unfälle (Schmerzmittel und Magenschoner Klassischerweise) und Dauermedikation von Chronikern.

18 Uhr Patient geht es nicht gut und das scheint er an uns auslassen zu müssen. Gar nichts ist gut. Dass wir das Mittel das er jetzt abholt bestellen mussten – „das müssen sie doch an Lager haben, so oft wie das gebraucht wird!“

Immer interessant wie Kunden unsere Lagerstatistik besser zu kennen scheinen als wir – nein, das Valium 10mg habe ich letztes Jahr 2x gebraucht und vorletztes Jahr gar nie.

Selber Patient zu Donna: „Und dann hat ihre Kollegin (das wäre dann ich) gestern Mittag versucht mir stattdessen 2 Packungen von den 5mg anzudrehen statt den 10mg, wahrscheinlich weil sie da mehr dran verdienen!“

Nein, Eigentlich war das ein Angebot das so zu machen, falls Sie die Valium gleich gebraucht hätten, da wir davon eine Packung an Lager haben. Aber offenbar konnten Sie warten. (Aber wenn sie sich weiter so benehmen verstehe ich, weshalb die auf dem Rezept sind).

Es wird ruhiger. Die letzten haben ihre Einkäufe nach Büroschluss erledigt oder sind auf der Rückweg vom Arzt mit dem Rezept vorbeigekommen. Auch die haben zu – wahrscheinlich die meisten seit 5 oder 6 Uhr

Zeit die Rezepte von heute morgen fertig anzuschauen. Eigentlich mache ich sie gerne früher. Meine Konzentrationsfähigkeit nimmt im Verlauf so eines (halb) Tages doch schon merklich ab. Aber vorher bin ich nicht dazugekommen.

Der Patient mit der kontrollierten Abgabe steht in der Apotheke und macht fast einen zweiten Aufstand, da er mehr erwartet hat. Ich hab jetzt genug und wähle deutliche Worte. Es liegt nicht nur an ihm selber, ob er weiterhin das Mittel bei uns beziehen kann.

19 Uhr Frau kommt mit Zettel, sie soll für die Mutter aus der Apotheke besorgen: Symfona und Cedur retard. Für beides sei das Dauerrezept hier.

Für das Symfona stimmt das. Aber das Cedur retard (ein Medi gegen hohe Blutfettwerte) … ich finde nichts in unserer Patientenhistorie. Egal wie weit ich zurückgehe – und bei ihr kann ich das 5 Jahre.

Die Frau weiss nur, dass die Mutter gesagt hat, sie brauche das wieder. Und dass es möglich ist, dass sie das eine Zeitlang nicht mehr genommen hat. – Stellt sich mir natürlich die Frage: braucht sie „das“ denn wirklich noch?

Ein genauerer Blick in die Patientenhistorie zeigt, dass sie aktuell Simvastatin nimmt. Oder zumindest nehmen sollte. Das ist auch ein Cholesterinsenker. Den Arzt kann ich jetzt nicht mehr anrufen, da nachzufragen.

Entscheide mich dagegen ihr Cedur oder Simvastatin mitzugeben und sie soll doch direkt beim Arzt nachfragen. Oh – sie hat grad MORGEN sowieso einen Termin? Perfekt.

Nein, keine Sorge, das macht nichts, wenn sie das heute nicht nimmt (immerhin dauert die Pause wohl schon etwas länger …)

Ausser Donna und mir sind alle weg. Donna nutzt die Ruhe um die Rezepte einzuscannen und an die Abrechnungsstelle zu schicken. Die letzte Bestellung ist auch durch

Rezeptkontrolle. Mir fällt auf, dass die BetM (Betäubungsmittel) Kontrollnummer vom abgegebenen Schmerzmittel auf dem Rezept fehlt. Gehe an den BetM Ordner nachschauen.

Yupp, die Nummer wurde im Troubel vergessen einzutragen. Kein wirkliches Problem, alles auch per Computer nachvollziehbar … ich bekomme einfach nur jedesmal einen Mini-Herzinfarkt, wenn mir das erst auffällt wenn der Lagerbestand nicht stimmt

Abbott Freestile libre Sensoren Anfrage. Ich habe keine Lager, könnte aber besorgen, er müsste aber die Differenz zahlen: die Krankenkasse vergütet da so wenig, der VP liegt höher, auch schon ohne Porto.

Gegrummel deswegen – ich erkläre ihm auch, dass die Firma die Apotheken da gerne umgeht und man das als Patient eigentlich direkt dort bestellen soll. Weiss er – aber offenbar haben die grad ein Lieferproblem (und ausserdem einen unterirdisch schlechten Service).

Wir fangen an Strassensteller reinzuräumen und eine Kasse nach hinten zu nehmen. Da wandert die lange pensionierte Stammkundin in die Apotheke. Wandelt eher – sieht nur halb-strebig aus. Das kann wieder dauern…

Zumindest will sie heute nicht mehr den Blutzucker gemessen haben. Das mussten wir ihr abgewöhnen: wenn man nur noch zu zweit oder die letzte halbe Stunde ganz alleine ist. Das geht einfach nicht.

Auf Rezept in der Kontrolle der Kommentar dass die Tabletten nach dem Umfüllen in eine Büchse versehentlich weggeworfen wurden und dabei nass wurden. „Braucht deshalb früher neue“. Hmmm. genau die Ausrede habe ich von ihm schon gehört.

Die Stammkundin macht heute nicht so lange. Sie holt etwas ab, macht dazu Etwas Smalltalk (heute nur 10 Minuten) und sie geht

Frage Donna wegen der weggeworfenen Tabletten. Der Arzt wurde auch Kontaktiert wegen der Ausnahme. Er hat zugestimmt – unter der Voraussetzung, dass das Mittel nicht mehr von ihm umgefüllt wird.

Die Patientin mit dem autorisierten Vorbezug für die Ferien für irgendwelche unbekannten Medikamente war nicht da, fällt mir auf. Mein Notizzettel vom Beginn hängt noch da …

Ansonsten bleibt nicht viel vor für morgen (das ist gut!). Dem Arzt der die 2 NSAR Schmerzmitteln auf Rezept verschrieben hat, haben wir auch kontaktiert – und dann den Patient um das Diclofenac mit Paracetamol auszutauschen.

Was noch? Diverses bestellt, manches nicht lieferbare auf Rezept ersetzt, Auslieferung gemacht … Ah, die Videoaufzeichnung vom Ladendieb … aber die ist morgen noch da. Zeit zum schliessen.

20 Uhr Kassenabschluss, Türen schliessen, Kassen in den Tresor, Anrufbeantworter anstellen. Für heute ist fertig! Und ich bin auch durch. Das war @Pharmama Over und Out

Patientenschutz gegen Patientenwillen

Auf dem Rezept, das mir die Pharmaasistentin zeigt: 1 OP Verrumal

Interessanterweise verschrieben von einem HNO-Arzt. Verrumal ist ein Warzenmittel mit Fluorouracil (ein Zytostatikum) und Salicylsäure in einer Lösung zum aufpinseln, die eine Lackschicht hinterlässt.

Ungewöhnlich genug, aber nicht beunruhigend. Nur dass sie 2 Packungen in der Hand hat und sagt: «Der Mann will gleich mehrere Packungen davon. Er muss das Rezept sowieso bezahlen, da er sonst im Ausland wohnt. Kann ich ihm das geben?»

Umm – Nein. Das Medikament ist Liste A, also verschärft rezeptpflichtig. Das ist sogar so, dass das von der Wiederholungsmöglichkeit ausgenommen ist, die wir bei den anderen Listen haben. Auch dort sind Wiederholungen auf begründete Fälle reduziert, 1 x innerhalb eines Jahres nach Ausstellung auf dieselbe Packungsgrösse. Aber in dem Fall: kein Dauerrezept, nur 1 OP verschrieben, Liste A Medikament … Nein.

Kleiner Einschub: Das Mittel ist als Zytostatikum in der Liste A. Selbst lokal angewandt könnte genug davon in den Körper aufgenommen werden, dass Zellhemmende Effekte nicht nur auf den Warzenvirus und die Warze selber stattfinden. In der Fachinfo (Kompendium) steht deshalb auch dass man Aufpassen muss mit Leuten, die eventuell einen DPD-Enzymmangel haben oder Medikamente nehmen wie Phenytoin (erhöht dessen Plasmaspiegel) … Mit Nukleosidanaloga wie Brivudin oder Sorivudin (die werden bei Virusinfektionen wie Gürtelrose eingesetzt) kann die Plasmakonzentration von Fluorouracil stark ansteigen – und das wirkt dann tatsächlich toxisch. Da wird ein Abstand von 4 Wochen empfohlen bei der Anwendung.In der Schwangerschaft und Stillzeit ist es absolut kontrainduziert.

Ausserdem ist es nicht zur Anwendung auf grossen Hautflächen bestimmt (nicht über 25 cm2) – auch wenn nicht gerade viel aufgenommen wird (selbst dann).

Die Ergebnisse toxikologischer Studien mit Langzeitanwendung zeigen, dass eine dosisabhängige systemische Bioverfügbarkeit von topisch verabreichtem Fluorouracil auftritt, die zu schweren lokalen und schwerwiegenden systemischen Nebenwirkungen führen kann und durch die antimetabole Wirkung von Fluorouracil bei hohen Dosen bedingt ist. Diese hohen Dosen werden mit Verrumal nicht erreicht, wenn es wie empfohlen angewendet wird.

Die Pharmaassistentin geht dem Mann sagen, dass er auf das Rezept nur eine Packung bekommt – und der flippt völlig aus: Er sei selber mal Apotheker gewesen in Spanien (wann? der Mann ist ziemlich alt). Er wisse Bescheid und er brauche das Verrumal auch nicht zum aufpinseln, sondern weil er damit Bäder machen wolle (!). Deshalb reicht auch eine Packung nicht … und sie soll nicht so blöd tun, immerhin bezahle er das ja auch selber.

Nein – immer noch. (WTF: Bäder?). Hat er auch dem Arzt erklärt, was er damit machen will??

Er hat es dann in einer anderen Apotheke versucht.

Nicht dass ich denke, dass er dort viel mehr Erfolg haben wird, wenn die Apothekerin ihren Job macht – dazu gehört auch der Schutz der Patienten manchmal gegen ihren Willen …

Und Tschüss.

186apotschuess

Aus aktuellem Anlass. Bei manchen Kunden hofft man wirklich, dass sie ihre „Drohungen“ einmal wahr machen. Und dann auch weg bleiben. Und nicht am nächsten Tag schon wieder auftauchen und tun, als wäre nichts gewesen.

Ja, er musste tatsächlich mal 10 Minuten warten. Wir haben eine Apothekerin, und da geht jedes einzelne Rezept über sie. Bei dem Ansturm, den wir diesen Monat haben kann es dabei zu „Stau“ kommen. Das geht dann auch nicht schneller, wenn sie dann „töibele“* wie ein kleines Kind, wenn es nicht schnell genug geht.

Zum Überlegen für diese Kunden – die ja noch gerne die Apotheke wechseln, da sind wir nicht die erste und nicht die letzte: Was ist denn der gemeinsame Nenner bei all den Apotheken, die ihnen nicht passen? (vielleicht sie selber?)

So zurück an die Arbeit.

*töibele. Schwer zu übersetzen. Eigentlich schweizerdeutsch für trotzen, das machen vor allem Kleinkinder, dabei ist es aber mehr … lautstark und körperlich ausgedrückt. Im englischen wäre das „throw a tantrum“.

Weshalb Homöopathie (doch) in die Apotheke gehört

Ein Gastbeitrag von M. Hana, den ich Euch auf keinen Fall vorenthalten will. Sie ist Apothekerin in Wien – und ich kann mich ihren Erfahrungen betreffend Homöopathie nur anschliessen … lest hier:

Warum ich Homöopathie mag
In Österreich wird gerade sehr viel über Homöopathie gesprochen, manch einer will einen Verkaufsstop in Apotheken, dann wird ein Wahlfach auf der MedUni gestrichen.
Deshalb möchte ich meine Gedanken dazu niederschreiben.
Ich arbeite seit 4 Jahren in einer Apotheke in Wien. Ich habe das Studium der Pharmazie begonnen, weil ich „in die Wissenschaft“ wollte, erst gegen Ende des Studiums hat mich die Arbeit in der Apotheke zu interessieren begonnen. Evidenzbasierte Medizin ist für mich das A und O in der Beratung, so mancher Kunde hört von mir „in Studien wurde gezeigt…“ oder „nach derzeitigem Stand der Wissenschaft…“.
Als Kind habe ich auch so manche Globuli (von unserer Kinderärztin) bekommen und ich wurde auch nicht Mumps-Masern-Röteln geimpft, weil unsere Kinderärztin der Ansicht war, das sei nicht sinnvoll. Grob fahrlässig in meinen Augen, zumindest aus heutiger Sicht. Zehn Jahre später war sie dann anderer Meinung und meine jüngeren Geschwister wurden geimpft. Für einen Laien ist es glaube ich sehr schwer zu entscheiden, welche Empfehlungen die richtigen sind.
Ich habe nie viel von Homöopathie gehalten, während meines Studiums war ich der Überzeugung, dass man diesen Humbug nicht braucht. Trotzdem habe ich natürlich die Basics gelernt, Herstellungsprozesse, Verdünnungen und Vorschriften muss jeder Pharmazeut kennen.

Erst in der Apotheke wurde mir ein wichtiger Fakt bewusst: Homöopathische Zubereitungen wirken zwar nicht besser als Placebo, aber sie wirken genauso wie ein Placebo!
Wir haben mit der Homöopathie ein gesellschaftlich akzeptiertes Placebo zur Verfügung, also sollten wir das auch nutzen! In vielen Fällen reicht für den Patienten eine Placebowirkung, manchmal haben wir nichts Besseres zur Verfügung.
Ich lüge meine Kunden in der Apotheke nicht an. Das finde ich nicht sinnvoll, ich verspreche keine Wirkung, die nicht belegt ist. Ich habe Kunden auch schon direkt gesagt, dass ihre Globuli (oder ihr Nahrungsergänzungsmittel) zum Abnehmen nicht funktioniert und sie sich das Geld sparen können, ganz direkt und unverblümt ins Gesicht und ihre Antwort war: Macht nichts, ich möchte es trotzdem kaufen.

Ich möchte ein paar Beispiele zur Homöopathie aus den letzten Jahren erzählen:

Schlafmittel
Ich erinnere mich noch gut an eine meiner ersten Homöopathie-Empfehlungen in der Apotheke. Ich war ganz frische Aspirantin, es war Anfang Oktober. Eine Frau zwischen 30 und 40 kommt in die Apotheke und möchte ein Schlafmittel. Ich frage, für wen es ist und wofür, um abschätzen zu können, ob sie etwas Pflanzliches probieren will (beispielsweise Baldrian) oder ob sie eher etwas chemisches braucht (wie ein Diphenhydramin). Sie erklärt mir, es ist für ihre Tochter. Hmmm – wie alt ist die Tochter denn? Ja, also, die Tochter ist 6 Jahre alt und hat gerade mit der Schule begonnen, seitdem schläft sie so schlecht ein.
Wir haben dann ein Gespräch über Schulbeginn geführt, über Klassenkollegen und mögliche Probleme und über allgemeine Maßnahmen für einen gesunden Schlaf. Ihr war glaub ich bewusst, dass sie mit ihrer Tochter vielleicht mehr über die Schule reden sollte, „aber sie hat derzeit einfach nicht die Zeit dazu“. Sie wollte „irgendetwas mitnehmen, das sie der Kleinen geben kann“, also habe ich ihr homöopathische Globuli angeboten, die sie mit Freude gekauft hat. Ich war auch erfreut – dass sie keine richtigen Schlafmittel für ihre 6-jährige Tochter gekauft hat!

Ein Mittel gegen Schwindel
Vorweihnachtszeit, Nachmittag. Eine Kollegin in Ausbildung hat einen Stammkunden um die 60, der über Schwindel klagt. Sie möchte ihm kein (rezeptpflichtiges) Vertirosan mitgeben, das er vor vielen Jahren mal bekommen hat, sie ist unsicher, ob ein homöopathisches Vertigoheel (das viele ältere Kunden regelmäßig kaufen) ausreicht und bittet mich um Hilfe. Ich frage genauer nach und muss ihm quasi jedes Detail aus der Nase ziehen… Nach ein paar Minuten kann zusammengefasst werden: Er hat seit ein paar Tagen immer wieder Schwindelanfälle, die beginnen sehr plötzlich und hören dann auch von alleine wieder auf. Er hatte davor noch keine Probleme mit Schwindel. Beklemmungsgefühl in der Brust? Nicht richtig, vielleicht ein bisschen ein
komisches Gefühl.
Ich erkläre ihm, das kann auch vom Herzen kommen und schicke ihn zum Arzt. Er sagt, er hat keine Zeit dazu, er geht nach den Feiertagen hin und probiert inzwischen das homöopathische Mittel aus, „das kann ja nicht schaden und vielleicht hilft es“. Ich sage ihm ganz unverblümt, dass ich ihm das nicht verkaufe, weil ich nicht möchte, dass er den Arzttermin aufschiebt und er damit ein Risiko eingeht: Wenn er Herzrhythmusstörungen hat, kann das gefährlich sein.
Überredet.
Am nächsten Tag kommt er mit einem Rezept für Lovenox und bedankt sich bei uns. Er hat ein neu aufgetretenes paroxysmales Vorhofflimmern und wird über die Feiertage mal mit Lovenox therapiert. Für mich eine Bestätigung, dass ich richtig entschieden habe.

Impfungen
Ein Kunde möchte Hochpotenz-Globuli bestellen, „um die Impfung auszuleiten, die sein Baby bekommt“. Ich suche in unserem PC-System und finde nichts, nach einiger Zeit finde ich in Deutschland das gewünschte Fertigprodukt. Wir bestellen es gerne. Ich glaube nicht daran, dass Globuli eine Impfung „ausleiten“ können (was auch immer das bedeuten soll), ich glaube auch nicht daran, dass man eine Impfung in irgendeiner Form „ausleiten“ muss. Aber ich bin froh darüber, dass er sein Kind impfen lässt.
(Mein Chef hat mit diesen Globuli wohl ein Minusgeschäft gemacht – mein Arbeitsaufwand war wesentlich größer als das, was er an den Globuli verdient… ^^)

„homöopathische Antibiotikatherapie“
Mutter und Tochter im Kindergartenalter kommen in die Apotheke. Die Mutter hat zwei Rezepte von ihrer Hausärztin: ein Antibiotikum für sich und ein antibiotischer Saft für die Tochter. Wie immer frage ich nach dem Gewicht des Kindes und kontrolliere die verschriebene Dosierung (Vier-Augen-Prinzip). In diesem Fall liegt die Dosierung sehr weit unter der Mindestdosis. Ich rufe also die Ärztin an und frage, ob das beabsichtigt ist bzw. ob die Dosierung erhöht werden soll. Ihre Antwort hat mich wirklich entsetzt: „Nein, wissen Sie, das Kind braucht eigentlich kein Antibiotikum. Aber die Mutter wollte unbedingt, dass ich ihr auch eines aufschreibe. Lassen Sie die Dosis ruhig so.“
*facepalm
Ich kann in solchen Fällen das Gespräch nur dokumentieren und vermerken, dass die Dosis wirklich so gewünscht ist… Wären hier Globuli nicht ungefährlicher gewesen?

Homöopathie verweigern
Ich habe in den letzten vier Jahren ein paar Mal homöopathische Mittel verweigert. Die Fälle kann ich an einer Hand abzählen und es war glaub ich immer der gleiche Grund: Ein Kunde wollte sich den Weg zum Arzt sparen „und mal irgendwas nehmen, ganz egal was, geben Sie mir halt was Homöopathisches“. In meinen Augen sollte das Problem aber sofort von einem Arzt abgeklärt werden. Mein „Nein, ich gebe Ihnen gar nichts mit, weil dann gehen Sie nicht gleich zum Arzt!“ wurde in diesen Fällen dann auch akzeptiert.

Mit der Homöopathie wird viel Humbug betrieben, allerdings liegt das an den Empfehlungen der Esoteriker/ Ärzte/ Pharmazeuten/ Nachbarn/…. Homöopathie könnte an sich gut als Placebo genutzt werden. Ich finde es gut, dass Homöopathie in Apotheken verkauft wird, weil hier eine Fachperson nochmal mit dem Kunden über die Anwendung bzw. das Problem sprechen kann und abschätzen kann, bis wann eine Therapie in Ordnung ist.
Kunden wollen etwas gegen ihre Beschwerden einnehmen, auch wenn manchmal „abwarten und Tee trinken“ oder Sport oder Entspannungstechniken gleich gut oder besser helfen würde. Ich habe Kunden schon so oft gesagt, dass es „keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirkung gibt“ oder dass ich glaube, „dass es in diesem Fall nicht den gewünschten Effekt bringen wird“ (Stichwort Abnehmen) und die Kunden haben es trotzdem gekauft mit der Antwort: „Naja, hilft’s nicht, so schad’s nicht“.

Nicht nur schwarz weiß

Ich habe manchmal das Gefühl, wenn gegen Homöopathie gewettert wird, steht sie für alles Nicht- Wissenschaftliche, für Esoterik und ist das Gegenteil von „Schulmedizin“. Es sollte nicht so schwarz-weiß gesehen werden! Werden Antidepressiva wirklich nur bei schweren Depressionen eingesetzt, wo sie besser als Placebo wirken? Wie oft hilft dem Kunden das Pantoprazol schon 5 Minuten nach der Einnahme, wenn er es selten gegen seine Magenschmerzen nimmt? Ich glaube ihm das durchaus, allerdings ist das sicherlich nicht auf den Wirkstoff zurückzuführen.
Homöopathie sollte als das genutzt werden, was sie ist, ein Placebo, das Wirkung zeigen kann und in vielen Bereichen unterstützend eingesetzt werden kann, wenn der Kunde bzw. Patient das wünscht.
Auf eine Schürfwunde braucht man objektiv gesehen keine Creme schmieren, die heilt auch so, aber manchmal tut es gut, die Psyche ein bisschen zu salben.

Die „homöopathiefreie Apotheke“ wird gerne propagiert, aber … das oben sind in meinen Augen gute Gründe, weshalb die Homöopathie doch in die Apotheke gehört. So nämlich.

Der Twitter-Tag

Der Twitter-Tag zum nachlesen – in chronologischer Reihenfolge, leider ohne genaue Zeitangaben.

Erläuterung: «normale» Rezepte (ohne pharmazeutische Probleme) und Verkäufe erwähne ich heute nicht, ihr könnt Euch aber vorstellen, dass die dazwischen nicht nur vereinzelt stattfinden.

Start 7.45 Uhr

Am Vorbereiten die Apotheke zu öffnen. Kassen nach vorne, Anrufbeantworter abschalten, schauen, ob schon etwas anfällt (Sieht gut aus). Emails durchgehen, Twitter und Blog vorbereiten … das nur heute :-)

Wir öffnen. Die eine Stammkundin mit der kontrollierten Abgabe steht schon vor der Türe und wartet. Verstehe ich nicht wirklich, weshalb man um 8 Uhr morgens schon «sein Stilnox» haben muss? Das ist ein Schlafmittel.

Kurz vor seinem Arbeitsbeginn kommt ein Mann zum Impfen vorbei: FSME – die zweite. Er war im Sommer schon mal da. So schlecht scheine ich das nicht zu machen :-)

Inzwischen sind auch die andern nicht untätig: Wareneingang im Gange.

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Nitroglyzerin Kapseln für einen älteren Mann. Abgabe im Ausnahmefall ohne Rezept. Er war noch nie bei uns, deshalb längere Abklärungen. Ist für Notfälle zu Hause, war letztens beim Arzt, hat vergessen Rezept ausstellen zu lassen.

Telefonanruf eines erbosten Mannes unbestimmten Alters: «weshalb wir seiner Tochter kein Makatussin abgegeben haben?!» Sie war deutlich unterhalb unserer Altersgrenze für den Codein-Sirup. Schlage vor, dass wir es abgeben, wenn er ihr einen Ausweis von sich mitgibt.

Nachtrag zum Makatussin: Das Zeug wird wirklich häufig missbraucht. Und so alt (und krank) hörte sich der Mann auch nicht an. Bin gespannt, ob sie (oder er) nochmal kommt.

Telefon wegen Videoüberwachung die vor ein paar Tagen ausgefallen ist. Sie schicken jemand vorbei das anschauen. Hoffentlich bald. Im Moment scheint der 5-Fingerrabatt wieder aktuell zu sein vor allem bei der Kosmetik

Bestellung Wintervorrat Erkältungsmittel direkt bei der Firma. Brauche ich wirklich 60 Packungen Vicks Medinait? Wie entwickelt sich das wenn das ab nächstem Jahr pro Forma «rezeptpflichtig» wird bei uns?

Kontrolle der Bestellungen im Wareneingang. Der Arzt will wirklich Isotretinoin einer 11 jährigen geben und verschreibt grad eine 100er Packung mit „sic“. Ui.

Grippeimpfung – ich würde ja gerne mal Striche an die Wand des Beratungsraums machen zum zeigen, die wievielte das ist … aber das sieht wahrscheinlich etwas doof aus? (überleg)

Grad noch eine Grippeimpfung. Online eingeben für die offizielle Statistik muss ich das später, wenn ich Zeit habe. Die nächsten Patienten warten.

Spitex (Haushilfe) Fax-Bestellung für Patient den ich nicht im Computer habe und angehängt Rezept für einen bekannten Patienten für ganz andere Medikamente? Telefon an die Spitex um das auseinander zu beineln. Sie rufen zurück.

Kundin will Bürgermeister Zink Tabletten für die Kollegin und ist verwirrt, dass ich ihr Burgerstein Zinkvital bringe, nimmt es aber doch. Die Autokorrektur des Smartphone ist ja amüsant.

ca. 10 Uhr

Telefon mit der Arztpraxis wegen einer unserer Patientinnen mit Wochendosett, die eine Medikamentenumstellung wünscht, aber partout nicht in Kontrolle will. Sie rufen zurück. Irgendwann. Versprochen.

Es riecht verbrannt … respektive wie wenn etwas zu heiss wird. Wo kommt das her? Ich irre schnüffelnd in der Apotheke herum, finde aber nichts. Rauchgeruch macht mich immer noch nervös, auch über 10 Jahre nach dem Feuerwehrdienst.

Die Spitex ruft zurück, das erste Fax sollte an eine andere Apotheke. Beim Rezept klären sie noch ab, ob grad etwas gebraucht wird. Sie rufen wieder an. Sobald sie es herausgefunden haben.

Computer frei von der PA, die die Krankenkassenabrechnung gemacht hat. Versuch Rezepte vom Vortag zu kontrollieren. Versuche – weil: neue Patienten und Kunden.

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Anruf der Stammkundin, die wieder über ihren schlecht funktionierenden Stuhlgang reden will. Muss sie abklemmen wegen Patienten in der Apotheke.

Abgabe des Isotretinoins aus der Bestellung an die Mutter der jungen Patientin und ausführliche Beratung wegen Nebenwirkungen und dass Off Label use (und deshalb ev. von Krankenkasse nicht übernommen.

Kundin fragt nach Kohlensäure-Bad. Sie hätte das in der Reha empfohlen bekommen und will das für zu Hause zum Selbermachen. Finde nach längerer Recherche etwas in Deutschland, das ich besorgen könnte. Ist ihr zu teuer.

Aber das Kohlensäure-bad hat eine wirklich interessante «Packungsbeilage» – vor Ersticken wegen dem Entstehenden Kohledioxid wird gewarnt. Wieder was gelernt. (Ich wusste gar nicht dass Kohlesäurebäder ein Ding sind – ausser Badebomben …)

Mir fällt auf, dass bisher niemand Makatussin mit Ausweis holen gekommen ist …Hmmmhmm.

ca. 12 Uhr

Hatte gerade eine Pille danach Beratung. Unspektakulär: vernünftige Frau mit kaputtem Kondom – nur blöd, wenn man deswegen fast versäumt die Mittagsbestellung durchzugeben. Grad noch.

Die Ultracortenol Augensalbe auf Rezept ist mal wieder nicht lieferbar. Der Patient will aber nicht in die andere Apotheke (die es noch hat) wir sollen beim Arzt nach Ersatz fragen. Der hat Mittagspause. Wir versuchen es später wieder.

Der Arzt hat dem 7jährigen Kind Nasivin 0.1% aufgeschrieben auf Rezept. Eigenständig dem Alter entsprechend auf 0.05% gewechselt – wahrscheinlich hat er das mit Xylometazolin verwechselt. Nasivin gibt es nur in 0.01, 0.025 und 0.05%. Wenn alles so einfach wäre …

Versuche ein Sandwich und eine Cola möglichst rasch zu verdrücken, bevor der nächste Kunde kommt. Klappt nicht. Ja, ich finde es auch nicht so schön, noch kauend vor dem Kunden zu stehen …

Mir fällt ein, dass ich der Stammkundin mit dem ungenügenden Stuhlgang noch zurückrufen muss! 15 Minuten am Telefon mit TMI (too much info) und einem Versuch der Anpassung ihrer Medikation. Abführmittel hat sie schon genug zu Haus.

Für den Patienten hätte ein Rezept für ein Antibiotikum gefaxt werden sollen (nach Telefonischer Konsultation). Es ist nichts gekommen. Jetzt ist niemand erreichbar – Mittagspause. Machen die Ärzte hier.

Kundin will mit mir diskutieren wegen dem „Wundermittel“ kolloidalem Silber und der bösen Pharmaindustrie. Ich aber nicht mit ihr – im übrigen kann (und will) ich das nicht bestellen. Sie geht’s im Internet kaufen. Ok!

Ernsthaft, kolloidales Silber: das Zeug ist weder besser noch harmloser als ein Antibiotikum – und die Pharmafirmen sind nicht der (einzige) Grund, weshalb das nicht mehr offiziell verwendet wird, sondern das schlechte Nutzen-Risiko-Verhältnis, vor allem bei der Einnahme.

Schon wieder Vitamin D auf Rezept. Das zehnte allein heute? Das Zeug ist der Renner. Jeder muss es haben, alle wollen es verschrieben. Nur scheinen manche Ärzte sich nicht wirklich auszukennen. Nein, die öligen VitD-Tropfen kann man nicht in Wasser einnehmen!

Wenn wir grad beim Vitamin D sind: Es macht finanziell wenig Sinn die 30ml Flasche zu verschreiben (VP CHF16.15 plus Pauschalen! da rezeptpflichtig) mit Dosierung «1/3 Flasche im Monat», wenn eine OTC 10ml Flasche VP 4.25 hat Auch das ändern wir selbständig.

ca. 14 Uhr

Bald Mittag vorbei – ich versuche wegen dem Antibiotikum-Rezept in die Praxis anzurufen. Noch zu. Der Anrufbeantworter meldet, dass sie ab 14 Uhr «wieder für Sie hier sind»

Noch eine Grippeimpfung. Da nützt jemand seine Mittagspause. Interessant ist, wie häufig ich höre „der Impfstoff ist dieses Jahr hoffentlich wirksamer als letztes Jahr?“ … aber keiner der dort schon geimpften hat wirklich die Grippe bekommen.

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Meine Pharmaassistentin versucht es nochmals bei der Praxis wegen dem AB-Rezept. Immer noch der Anrufbeantworter? Hey! Es ist 2 Uhr vorbei!

Die andere Praxis mit dem Ultracortenol Rezept nimmt dafür ab. Die Praxisassistentin muss wegen dem Ersatz beim Arzt nachfragen, der grad beschäftigt ist. Sie rufen zurück.

Endlich erreicht meine PA die Praxis. Sie faxen uns das AB-Rezept … nochmals (sagen sie)? Das Rezept kommt fast sofort. Wir geben es an die inzwischen wartende Patientin ab.

Die Stuhlgang Stammkundin ruft wieder an. Sie will jetzt doch etwas Neues probieren (die Nachbarin hat empfohlen) und wir sollen ihr das bringen. Und beim Arzt ein Rezept verlangen.

Nur damit ihr nicht denkt, dass ich hier alleine am arbeiten bin. Neben den Rezepten und Beraten wurden auch die Wochendosette befüllt. Jetzt muss ich sie nur noch kontrollieren.

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Mann kommt mit Rezept für Frau über Antibiotika (offensichtlich gegen Chlamydien Infektion) plus Partnerbehandlung. Er kann schlecht Deutsch (aber besser als die Frau wahrscheinlich). Dauert etwas, die Anwendung für beide zu erklären.

Ausserdem hat er noch den abgelehnten Bescheid der Kostengutsprache der Krankenkasse für … eine operative Fettschürzenentfernung dabei und fragt was das ist. Uh …

Die Patientin mit dem Ultracortenol Rezept ist wieder da. Die Praxis hat noch nicht zurückgerufen wegen dem Ersatz. Die Patientin nimmt das Rezept wütend wieder mit und versucht jetzt woanders das Ultracortenol zu bekommen … Viel Glück.

Was meine PA nicht lesen konnte auf dem Rezept ist Wobenzym. Ich kenne das, in der CH ist das aber nur im Kanton Appenzell verkehrsfähig. Ich darf es nicht mal importieren aus D. Ein ungeeigneter Versuch Traumanase zu ersetzen, das seit langem nicht lieferbar ist?

Das Faxgerät spukt ein Faxrezept für Antibiotikum aus … das mir sehr bekannt vorkommt. Es ist dasselbe das wir schon bekommen haben. Absender: eine andere Apotheke. Offenbar ist es falsch dort gelandet. Wann??

Kundin will Magnesiumöl bestellen. Ich stelle erstaunt fest, dass es tatsächlich einen Artikel gibt der bestellbar ist. Sie fragt mich, was ich davon halte. Ich sag‘s ihr (das wird kaum über die Haut aufgenommen). Sie nimmt etwas zum einnehmen das wir da haben.

Rezept vom Hautarzt für Clarelux Schaum. Weiss der immer noch nicht, dass das seit Monaten nicht lieferbar ist?

Übergabe an meine Kollegin, die heute Spätdienst hat. 1) Der Arzt hat wegen der Dosett-Umstellung nicht zurückgerufen. Naja – theoretisch hat das noch Zeit bis nächsten Mittwoch.

Übergabe 2) Die Spitex hat wegen dem Rezept noch nicht wieder zurückgerufen ob sie es wirklich brauchen. Das «kann» in dem Fall auch warten.

Übergabe 3) Das Abführmittel für die Stammkundin muss man noch bringen. Zusammen mit anderen Sachen, die noch zum ausliefern sind.

Übergabe 4) Den Rest wird sie dann anhand der Rezepte beim Kontrollieren selber sehen. Ich überlasse ihr Dankbar die Apotheke für heute – sie ist ja mindestens so gut wie ich.

16.10 Uhr Erschöpft nach Hause fahren.

(Alles nachlesbar auch auf Twitter unter dem Hashtag #apothekelive )

Ein Tag in der Apotheke – Twitter live

Folgt mir ein paar Stunden in der Apotheke „live“. Heute, Mittwoch 21.11.18 twittere ich aus der Apotheke, 8 Stunden lang. Von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr mittags.

Hier und auf Twitter verfolg- und kommentierbar (insofern die Technik mitmacht).

Erläuterung: «normale» Rezepte (ohne pharmazeutische Probleme) und Verkäufe erwähne ich heute nicht, ihr könnt Euch aber vorstellen, dass die dazwischen nicht nur vereinzelt stattfinden.

Auf Twitter: https://twitter.com/pharmama  unter dem Hashtag #apothekelive verfolgen.