Gesundheitstipps für Krisenzeiten: 4 Augenentzündungen

Augenentzündungen – umgangssprachlich auch „rote Augen“ entstehen aus den unterschiedlichsten Gründen und können von störend bis gefährlich sein. An was es jetzt genau liegt, lässt sich oft schon durch die genaue Evaluation der Beschwerden herausfinden – aber in erster Linie ist es wichtig, dass man bei diesen Warnzeichen bald (!) zum Arzt geht. Wir haben nur 2 Augen.

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Warnzeichen / Red Flags: Tritt eine oder mehrere dieser Beschwerden auf, MUSS man zum Arzt.

Schmerzen im Auge, starke Kopfschmerzen
Schmerzen beim Bewegen der Augen
Sehverlust oder schlechteres Sehen
Sehstörungen wie Doppeltsehen, farbige Ringe, fliegende Flecken oder Funken
Lichtempfindlichkeit
Schwellung oder Rötung um/hinter dem Auge
Vorhergegangener direkter Kontakt mit starker Lichtquelle
Fremdkörper im Auge (Splitter etc.)
Augenverletzung
Voroperierte Augen
Zusätzlich schlechter Allgemeinzustand
Zusätzlich Übelkeit und Erbrechen
Hautausschlag (Bläschen: Gürtelrose)
Kontaktlinsenträger mit einseitiger, schmerzhafter Augenentzündung

Vorsicht auch, wenn eines davon: Beschwerden über 7 Tage, Kind unter 2 Jahren, Schwanger, Immunsupprimiert, Diabetes, Psoriasis – hier schaut immer besser der Arzt drauf, wenn möglich.

Ursachensuche und Behandlung

Keine dieser Warnzeichen? Dann kann man versuchen, die mögliche Ursache (und entsprechend Behandlung) herauszufinden. Die Apotheke mit dem Fachpersonal kann hier helfen.

Beide Augen sind betroffen, es juckt (aber keine Schmerzen)?
Wenn noch keine Allergien bekannt sind, versucht man es am besten mit Hygienemassnahmen (Hände waschen/desinfizieren, nicht die Augen reiben), Lidrandreinigung, Tränenersatzprodukten – das trockene Auge verursacht auch diese Beschwerden. Die Behandlung ist einfach – muss aber länger durchgehalten werden, damit das Problem nicht wieder auftritt.
Bei bekannten Allergien und wahrscheinlicher allergischer Reaktion (Pollen, Staub etc.) behandelt man mit antiallergischen Augentropfen, oder wenn andere Beschwerden wie Nasenlaufen, kratzen im Rachen, Husten auftreten, kann man auch antiallergische Tabletten einnehmen.
Bessern die Beschwerden damit, kann man weitermachen, ansonsten ist ein weiterer Besuch in der Apotheke oder beim Arzt angesagt.

Beide Augen sind betroffen und zusätzlich verklebt? Besteht kein Juckreiz?
Wahrscheinlich ist es eine Bindehautentzündung mit bakterieller Ursache. Die ist ansteckend. Eine Erstbehandlung kann man selber versuchen: Hygienemassnahmen (Hände waschen/desinfizieren, nicht die Augen reiben), Lidrandreinigung, Tränenersatzprodukte … diesmal zum spülen und reinigen des Auges, Euphrasia Augentropfen, desinfizierende Augentropfen.
Tritt nach 2 Tagen keine Besserung auf: Es braucht vermutlich Antibiotische Augentropfen. Das gehört zum (Augen)arzt – oder: in der Schweiz darf die Apotheke nach entsprechenden Abklärungen (kostenpflichtig! antibiotische Augentropfen abgeben).
Auch hier: wenn keine Besserung auftritt, handelt es sich vielleicht um eine anderes Problem: das gehört zum Arzt

Es ist nur ein Auge betroffen (und keine Warnsymptome vorhanden)?
Plus das Auge tränt, oder sondert ein wässriges, durchsichtiges Sekret ab?: wahrscheinlich eine beginnende virale Bindehautentzündung. Sie kann später auch beidseitig werden. Behandlung mit Tränenenersatzpräparaten, Euphrasia Augentropfen, desinfizierenden Augentropfen – zum spülen und reinigen des Auges.
Plus man sieht eine Lidschwellung, ev. sogar ein Eiterstippchen (pickelartig)?: sehr wahrscheinlich ein Gerstenkorn, eine bakterielle Lidrandentzündung. Man behandelt das mit feucht-warmen Kompressen, am besten mit Schwarztee (sonst Kamille), desinfizierenden Augentropfen, Euphrasia Augentropfen.
Treten hier bei der Behandlung Warnsymptome auf, oder bleiben die Beschwerden über 10 Tage, sollte man das dem Arzt zeigen.

Es sind nicht alle möglichen Augenprobleme hier explizit aufgeführt, die gefährlichen sollten aber mit den Warnsymtomen abgedeckt sein.
Augentropfen gehören zu den Sachen, bei denen man die Aufbrauchsfristen nach dem Öffnen wirklich beachten sollte: Einzeldosen nur während ein paar Stunden, konservierte Augentropfen normalerweise während 30 Tagen, Augentropfen in Spezialfläschchen nicht über die angegebene Aufbrauchsfrist hinaus. Nach dem Verfalldatum würde ich sie auch nicht mehr länger als innert ein paar Monaten (3?) verwenden,

Zusammenfassend: Das Augenlicht ist wichtig. Treten Warnsymptome auf, gehört das bald zum Arzt, alternativ zum Notfall. Wenn keine red flags vorhanden sind, kann eine Selbstbehandlung versucht werden. Die meisten Sachen dafür bekommt man in der Apotheke.

Gut zu Hause zu haben:
befeuchtende Augentropfen oder Tränenenersatz: kann man zum befeuchten, reinigen und ausspülen des Auges bei fast allen Problemen brauchen. Ersatzweise geht notfalls auch sterile 0.9% NaCl-Lösung (physiologische Salzlösung)
Schwarzteebeutel: damit kann man Umschläge machen für einige Hautprobleme und Augenprobleme und sie wirken äusserlich beruhigend, hautstärkend (gerbend) und entzündungshemmend. Man kann sie warm direkt auf die Augen legen oder einen starken Tee machen und die Flüssigkeit für Umschläge brauchen. 10 Minuten, mehrmals (2-3x) täglich helfen bei Lidrandentzündungen und Augenentzündungen.
Sterile Gazeplätzchen: Zum reinigen und abdecken und für Umschläge.

….

Disclaimer: Dies sind Tipps zu Gesundheitsthemen, gegeben von einer Apothekerin. Die medizinischen Informationen, die hier geäussert werden, dienen der Diskussion und Unterhaltung. Sie sollte nicht als einzige Informationsquelle für medizinischen Rat verwendet werden. Wer die im Blog oder den Kommentaren geäusserten Ratschläge verwendet, ohne einen Arzt oder andere Fachperson aufgesucht zu haben, ist selbst voll verantwortlich für die Konsequenzen.

Mit den hier gegebenen Informationen, bekommt ihr Hilfestellung: Was kann man selber behandeln, was kann ich nehmen, was für Hilfe bekommt man in der Apotheke? Was gehört zum Arzt? Wann sollte man (auch jetzt, bei ev. stark belastetem System) in den Notfall? Normalisiert sich die Situation wieder, erübrigen sich viele dieser Tipps, respektive, dann gibt es teils bessere „Best Practice“ Vorgehensweisen. Die hier empfohlenen Massnahmen sollten wirksam sein und korrekt umgesetzt ungefährlich. Im Zweifel fragt man die Fachperson!

Haben wollen und haben sollen – Medikamente auf Rezept

Zwei Geschichten aus der Apotheke aus den letzten Tagen. Zwei Beispiele, wieso ein Patient trotz Rezept „sein“ Medikament nicht bekommen hat. Und zwei Beispiele, weshalb das gut sein kann.

„Sie lösen auch ausländische Rezepte ein?“ fragt der Mann in der Apotheke. „Meine Partnerin hat eines geschickt bekommen aus Amerika für Augentropfen, ich habe es hier auf dem Handy.“

Wenn ihr den letzten Post gelesen habt, dann wisst ihr, dass das schon weil es elektronisch geschickt wurde kein gültiges Rezept ist. Ausserdem müssen wir ausländische Rezepte nicht ausführen. Wenn wir das trotzdem machen (wo es Sinn macht), müssen die Medikamente bezahlt werden. Der Mann besteht darauf, dass die Frau die Augentropfen braucht, deshalb bestellt meine Apotheker-Kollegin sie auf den Nachmittag.

Am Nachmittag arbeite ich und sehe den Rezeptausdruck. Das Rezept ist aus einer Praxis in Californien – augenscheinlich. Nachprüfbar ist das nur schwierig. Ausgestellt von gestern (also aktuell). Für Augentropfen, die Dexamethason enthalten. Pharmawiki schreibt dazu:

Dexamethason ist ein entzündungshemmender, immunsuppressiver und antiallergischer Wirkstoff aus der Gruppe der Glucocorticoide, der in Form von Augentropfen zur Behandlung nicht-infektiöser Entzündungen des vorderen Augenabschnitts eingesetzt wird. Die Tropfen werden in der Regel mehrmals täglich verabreicht. Die Behandlungsdauer soll zwei Wochen nicht überschreiten. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem ein erhöhter Augeninnendruck, Infektionen, ein grauer Star und eine verzögerte Wundheilung.

Dank recht aktueller Weiterbildungen zu dem Thema weiss ich das schon. Ebenso, dass es eine absolute Kontraindikation ist, diese Augentropfen bei bakteriellen oder viralen Infektionen einzusetzen oder wenn die Hornhaut der Augen geschädigt wurde. Bevor man die verschreibt sollte man sich die Augen angeschaut und das getestet haben – zum Beispiel mit Fluorescein Augentropfen, die solche Beschädigungen darstellen. Wenn man das nicht tut und das trotzdem verschreibt, ist das ein „Kunstfehler“ (O-Ton Dozent), der im schlimmsten Fall zu Blindheit führen kann. Ich vermerke auf dem Abholzettel, dass ich unbedingt geholt werden muss, bevor das rausgeht.

Am Nachmittag kommt die Frau selber das abholen, so dass ich sie fragen kann. Sie hatte vor nicht allzu langer Zeit eine Operation drüben in den USA. Jetzt hat sie Augenbeschwerden und deshalb mit dem Arzt dort telefoniert. Der hat ihr (via Telefon) eine bakterielle Augenentzündung diagnostiziert … und ihr dann diese Augentropfen verschrieben.

Ihr seht, weshalb ich ihr die Augentropfen nicht gegeben habe und sie direkt zum Augenarzt hier geschickt habe? Wenn der Arzt ihr jetzt Antibiotikahaltige Augentropfen verschrieben hätte, wäre das anders gewesen, aber so? Da stimmt irgendwie gar nichts. Wenn ich die Cortison-Augentropfen trotzdem abgebe, das ist wirklich eine Infektion, die sich dann ausbreitet – vielleicht noch tiefer ins Auge, da sie da (wann?) eine OP hatte … dann bin ich verantwortlich, wenn sie ihre Sehkraft verliert.

…..

Ich erzähle meiner Kollegin am nächsten Tag bei der Übergabe wie das ausgegangen ist. Sie stimmt mit mir überein … und erzählt mir diese Geschichte von letzter Woche:

„Ist mein Rezept schon da?“ fragt der Stammkunde. Leider ist es das noch nicht. Das heisst – wir haben schon Rezepte für ihn hier, aber kein neues. „Bitte benachrichtigen Sie mich gleich, wenn es kommt. Ich rufe nochmal beim Arzt an.“

Das Rezept kam kurz darauf per mail. Beim so dringenden Medikament handelt es sich um Sildenafil, verschrieben vom Urologen. Ihr kennt den Wirkstoff vielleicht besser unter dem Namen des Originalmedikamentes: Viagra.

Sildenafil ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der PDE5-Hemmer zur Behandlung von Erektionsstörungen beim Mann. Er erleichtert den Bluteinstrom in den Schwellkörper des Penis und ermöglicht die Entstehung und Aufrechterhaltung der Erektion. Das Arzneimittel wird maximal einmal täglich etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Es ist nur bei sexueller Stimulation wirksam und darf nicht zusammen mit Nitraten und NO-Donatoren eingenommen werden.

Interessanterweise gehört der Wirkstoff zu denen, die in der Schweiz inzwischen (in geringer Dosierung und nach den nötigen Abklärungen) in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich sind.

Beim eingeben in das Computerdossier poppt dann promt der Warnhinweis auf, dass eine Kontraindikation besteht (NICHT ZUSAMMEN GEBEN) mit Isoket. Einem Nitrat. Meine Kollegin ruft sofort dem verschreibenden Arzt zurück.

Arzt: „Oh. Nein, dann können wir ihm das nicht geben. Ich habe ihn nach seinen anderen Medikamenten gefragt und er hat mir einen Medikamentenplan vom Hausarzt vom März gegeben.“

Apothekerin: „Ja – das Isoket hat der Hausarzt erst diesen August verschrieben.“

So. Gut hat der Patient eine Stammapotheke. Wenn man die Medikamente kombiniert, droht ein akuter lebensbedrohlicher Blutdruckabfall. Also hat meine Kollegin ihm da möglicherweise das Leben gerettet.

Ich bin sicher, jede Apotheke hat viele solcher Geschichten. Die meisten wird man einfach nie mitbekommen.

Die Augentropfen-Saga, oder: warum es gut ist, eine Apothekerin zu haben?

Wir haben da eine Patientin, ältere Frau, multimorbid: wie man so unschön sagt, das heisst, sie hat mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig, in dem Fall: Asthma und Allergien, Schmerzen, Bluthochdruck, Schilddrüsenprobleme … interessanterweise ist zumindest das Cholesterin und der Blutzucker in Ordnung, trotz ziemlichem Übergewicht.

Frau Duld (Name etc. wie immer geändert) hat ausserdem mich als ihre Apothekerin auserkoren und besteht darauf, dass ich die einzige sei, die sich mit ihren Medikamenten und gesundheitlichen Problemen auskennt. Dafür hält sich mich auch des öfteren mit langen Telefonanrufen auf dem laufenden. Sie meinte auch schon, dass ich hier nie weggehen darf … ansonsten wüsste sie wirklich nicht mehr, was sie machen soll.

Sie hat also eine Apothekerin … und mehrere Ärzte, die sie ausserdem gelegentlich wechselt. Weshalb sie wechselt hat verschiedene Gründe. Häufig ist es so, dass sie sich nach einiger Zeit von einem anfangs vielversprechenden Arzt enttäuscht zeigt. Sie ist ganz sicher nicht die einfachste Patientin, nicht nur wegen ihrer Vielzahl an medizinischen Problemen. Ihre Liste an Allergien oder Sachen, die sie aus verschiedenen Gründen nicht verträgt ist inzwischen eine A4 Seite lang. Ich drucke sie normalerweise aus und gebe sie ihr mit, wenn sie einen neuen Arzt hat. Neue Medikamente zu finden, die sie nehmen kann, kann wirklich eine Herausforderung sein. Aber … ich glaube ihr. Ich höre zu, wenn sie erzählt. Manchmal kann ich auch nichts anderes tun, manchmal allerdings …

Frau Duld hat einen Augenarzt zu dem sie schon länger geht. Vor ein paar Jahren hat er ihr Augentropfen gegen Glaukom aufgeschrieben: Xalatan (Latanoprost). Die hat sie, penibel genau wie sie ist, regelmässig angewendet, auch wenn sie zunehmend Probleme bekommen hat. Beim Augenarztbesuch hat der sich das angeschaut und ihr beschieden, dass sie unglaublich trockene Augen hat, wahrscheinlich wegen den Glaukomtropfen und dass sie zusätzlich befeuchtende Augentropfen nehmen soll. Weil das damit nicht gebessert hat, hat er vermutet, dass sie auf die Glaukomtropfen reagiert (allergisch?) und sie deshalb abgesetzt (ja: nicht ersetzt). Bis zum letzten Besuch (nun 1 Jahr später), wo er fand, sie muss unbedingt etwas gegen den hohen Augendruck unternehmen und dass er ihr etwas dagegen aufschreibt. Frau Duld hat ihn daran erinnert, dass sie auf die letzten Tropfen reagiert hat, was er aber damit abtat, dass da wohl das Konservierungsmittel Schuld war und er ihr deshalb jetzt Einzeldosen ohne das drin verschreibt. Saflutan: Tafluprost als Wirkstoff.

Sie hat das bei uns bezogen und am Abend den ersten Tropfen in jedes Auge gemacht und darauf etwas erlitten, was ich als schwere generalisierte (allergische?) Reaktion ansehe: plötzlich auftretende Übelkeit, Herzklopfen und Brustschmerzen mit Atembeschwerden, Schweissausbruch und Angstzustände … sie wollte aber partout nicht ins Spital (Auch wegen schlechter Erfahrungen), weshalb sie den Rest der Nacht in Angst und aufrecht sitzend am Küchentisch verbracht hat.

Am Morgen rief sie mich dann gleich in die Apotheke an. Inzwischen ging es ihr etwas besser – wiederholen wollte sie die Anwendung begreiflicherweise aber nicht. Ich hatte etwas ein schlechtes Gewissen: war die Reaktion bevorsehbar hervorsehbar gewesen? Hätte ich das wissen können? Eine Kreuzreaktion Latanoprost – Tafluprost? Immerhin hätte sie kaum so stark reagiert bei einem Erstkontakt mit einem Allergen.

Eine Woche später ging sie noch einmal zum Augenarzt. Der wollte das kaum glauben, dass das von den Augentropfen kommt, hat ihr aber ein neues Rezept ausgestellt für andere Tropfen. Auf dem Rezept: Latanoprost Mepha Augentropfen, im Fläschchen. Vielleicht dachte er, weil sie das das letzte Mal „vertragen“ hat?

Ich bin … nicht ganz so optimistisch. Und Frau Duld, als ich ihr erkläre, was das ist auch nicht. Sie nimmt zwar das Fläschchen mit, aber am Ende traut sie sich nicht, das auszuprobieren. Auch nicht mit einem einzigen Tropfen in Anwesenheit einer anderen Person. Ich rate ihr, doch noch einmal mit dem Augenarzt Kontakt aufzunehmen. Sie will aber nicht – vielleicht ihn nicht enttäuschen? Vielleicht glaubt er ihr auch einfach nicht?

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an ihren Hausarzt, ob der nicht für sie beim Augenarzt anfragen kann wegen anderen Tropfen? Oder vielleicht grad selbst etwas aufschreiben? Der ist anfangs ziemlich abgeneigt, da er von Augen nicht so viel Ahnung hat – aber er schickt uns dann doch ein Rezept in die Apotheke.

Für Arteoptic Augentropfen. Das ist ein Betablocker. Frau Duld hat Asthma (sollte der Hausarzt eigentlich wissen) … und Betablocker (auch in Augentropfen) sind bei Asthma Kontrainduziert. Gut … er hat ja gesagt, dass er sich nicht so auskennt.

Ich komme nicht dazu das richtig anzusehen noch zurückzurufen, da kommt schon das nächste Fax für Frau Duld.

Sie hat nämlich in der Zwischenzeit doch noch beim Augenarzt angerufen und auch der schickt einen Fax mit Rezept.

Für Monoprost Augentropfen in Einzeldosen.

Und das ist der Moment, wo ich mir in der Apotheke wirklich an den Kopf fasse.

Wieso???? Das ist schon wieder das Latanoprost, nur halt diesmal in Monodosen Form. Will er denn so unbedingt, dass sie genau das nimmt? Oder hat er nicht zugehört und ist bei seiner Theorie mit dem Konservierungsmittel zurück?

Ich meine … es ist ja nicht so, als ob die ganzen –Prost (Prostaglandin-Analoga) und Betablocker die einzigen Mittel gegen Glaukom sind.

Am Ende frage ich dann selber beim Augenarzt an, ob irgendetwas dagegen spräche, das mit einer Alternative wie zum Beispiel Azopt zu versuchen? Und bekomme ein Rezept dafür geschickt.

Das vermerkt man im PC übrigens mit „Therapievorschlag für Arzt erarbeitet“ …

Nachtrag: Damit scheint es jetzt zu funktionieren.

Frau Duld beim letzten Telefongespräch: „Wir zwei könnten wirklich ein Buch schreiben …“

Wirklich.

Quicky (30)

Anruf einer Kundin in der Apotheke:

„In meinen Augentropfen ist (buchstabierend) Macrogolglycerolhydroxystearat drin. Im Internet steht Macrogol wär ein Abführmittel. Kriege ich von den Augentropfen jetzt Durchfall…???“

(Nein – das ist ein Verdickungsmittel, und selbst wenn – wie potent müsste das sein, dass es in der Menge, in der es in den Augentropfen drin ist auf den Darm wirkt?)

mehr kurz-anregendes:

Quicky (29), Quicky (28), Quicky (27),  Quicky (26)Quicky (25)Quicky (24),   Quicky (23)Quicky (22),   Quicky (21),   Quicky (20),    Quicky (19),    Quicky (18),    Quicky (17),  Quicky (16)   Quicky (15),   Quicky (14)   Quicky (13),   Quicky (12),   Quicky (11),   Quicky (10)    Quicky (9),   Quicky (8)    Quicky (7),   Quicky (6)    Quicky (5),   Quicky (4)    Quicky (3),   Quicky (2)   Quicky (1)

Wenn Ärzte Mittel verkaufen …

Wenn Ärzte Mittel verkaufen … ich meine jetzt nicht mal Medikamente in den Kantonen wo die Selbstdispensation erlaubt ist, sondern von etwas, das bei manchen Ärztegruppen offenbar auch in der Schweiz seit neuerem eingesetzt wird, um ihr Einkommen aufzubessern.

Ich komme darauf, das zu schreiben, weil ich grad gestern eine Kundin hatte, die mir von ihrem letzten Arztbesuch berichtet hat. Sie ist sicher nicht die einfachste Patientin, hat sie doch eine Menge dokumentierter Allergien – tatsächlich hat sie sich von mir eine Liste zusammenstellen lassen, damit der neue Hautarzt den sie besucht die Info auch hat. Ihr momentan akutes Problem ist eine schlecht heilende Wunde, die ihr letzter Hautarzt bei der Entfernung eines möglichen weissen Hautkrebses im Gesicht hinterlassen hat. Deshalb wollte sie nicht mehr zu dem und hat sich einen neuen gesucht, der auch die verschiedenen sonstigen Probleme (sie ist sehr sensibel und hat auch gelegentlich juckende Ausschläge) wieder einmal anschauen sollte. Nun … das hat er nicht wirklich. Sie war wohl bei ihm und hat ihm die Probleme geschildert, aber angeschaut hat er nichts. Ihre Hautausschläge hat er als normales Problem wegen trockener Haut abgetan und ihr ein rückfettendes Duschmittel und Bodylotion aufgeschrieben – beides mit Polidocanol als juckreizstillendem Mittel drin. Nun, zumindest für einmal nicht Cortison … das wäre sonst die Standardverschreibung vom Hautarzt. Auf der Kopfhaut hat sie auch immer wieder Ausschläge, was er auf dasselbe zurückgeführt hat, obwohl sie rasch fettiges Haar und auch fettige Schuppen hat (wie gesagt, angeschaut hat er nichts) – für das hat er aber nichts aufgeschrieben, sondern ihr in der Praxis ein Shampoo von Eucerin verkauft. Sie war nach 7 Minuten wieder draussen – und das bei einem Erstbesuch. Sie meinte auch, dass die Praxis gut besucht war und die Patienten vor ihr auch nicht länger hatten.

Meine Kundin / Patientin war also ziemlich irritiert vom Arztbesuch … und hat sich beim Eucerin gefragt, ob sie das eventuell schon mal hatte, da ihr der Name bekannt vorkam. Nun, wir haben die Produkte ja auch hier, kein Wunder kommt ihr die Marke bekannt vor. Als sie mich aber gefragt hat, weshalb er ihr nichts verschrieben hat, da … habe ich sie darüber aufgeklärt, dass man das Shampoo auch ohne Rezept bekommt – tatsächlich hat das keine „Listung“, das bedeutet es ist freiverkäuflich eigentlich überall … also auch beim Arzt.

Sie fand das nicht so toll, denn wenn sie das gewusst hätte, hätte sie das kaum beim Arzt bezogen. Immerhin hatte sie auch keine Möglichkeit zu überlegen, ob sie das wirklich will.

So etwas kommt aber immer häufiger vor, gerade Hautärzte nehmen  bei sich ein Zusatzsortiment auf von Hautpflegenden Medizinalprodukten, die sie dann selber an die Patienten verkaufen  (dürfen).

Die andere Ärztegruppe, bei denen ich das sehe, sind die Augenärzte. Mein Mann war letztens beim Augenarzt mal wieder den Augendruck messen – und hat dabei wieder eine Packung befeuchtende Augentropfen einfach in die Hand gedrückt bekommen. Er habe trockene Augen. (Wer nicht?). Die Packung des OTC Produktes, das auch nur eine Zulassung als Medizinalprodukt hat (und satte 21 Franken kostet)  musste er nicht gerade dort bezahlen, aber sie fand sich dann in der Abrechnung des Arztes, die wir zugeschickt bekommen separat wieder.

Damit bin ich auch nicht wirklich glücklich. Die (oder ähnliche) hätte er via mich sogar günstiger bekommen … und so wie ich ihn kenne, benutzt er die sowieso nicht. Also habe ich ihm dringend geraten, beim nächsten Mal zu sagen, dass er die nicht will.

Aber ich sehe schon das Problem: Wer „getraut“ sich schon beim Arzt (immer noch dem Halbgott in weiss) zu sagen, wenn der einem etwas „empfiehlt“ (was das Verkaufen ja auch ist, egal ob direkt oder auf Rechnung): „Nein, damit warte ich noch.“ Oder vielleicht: „Gibt es da nicht etwas, das von der Krankenkasse übernommen wird?“ Oder: „Das hole ich lieber in der Apotheke, wenn ich es brauche?“

Ein bisschen ist das ausnützen der Situation.

Und das kommt immer mehr. Offenbar verdienen die Ärzte zu wenig. Wird das jetzt noch schlimmer, mit der neuen Tarmed?

 

Füllhöhe technisch bedingt …

Kundenreklamation:

„Die Augentropfflasche ist nicht voll. Da kann nicht die ganze Dosis drin sein! Geben sie mir eine andere!“

Die sind alle nur halb gefüllt, wie ich ihm zeigen konnte. Offenbar müssen die Pharmafirmen da nächstens auch eine Warnung draufschreiben, wie sie schon auf Lebensmitteln wie zum Beispiel Müesli draufsteht: Füllhöhe technisch bedingt ...