Alles über Generika (Sampler)

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Generika sind als „Nachfolgermedikamente“ der „Originale“ ein grosses Thema in der Apotheke. In diesem Sampler erfahrt Ihr alles über sie. Erst mal die Grundlagen:

Generika – eine Betrachtung 1 – was sind Generika?

Generika – eine Betrachtung 2 – Ist ein Generikum wirklich gleich wie das Originalmedikament?

Generika – eine Betrachtung 3 – die rechtliche und wirtschaftliche Seite in der Schweiz (Warum manche Generika 20% Selbstbehalt haben)

Generika – eine Betrachtung 4 – wann man NICHT einfach ersetzen sollte.

Generika – eine Betrachtung 5 – die Seite der Krankenkassen in Deutschland (Alles über die elenden Rabattverträge)

Würden Apotheker Generika kaufen? Kurze Antwort: Ja! Lange Antwort im Artikel.

Original, Comarketingmedikament und Generikum – manchmal gibt es alles. Siehe auch hier: CoMarketing Produkte: Was und Wieso

Nehmen Sie doch das Generikum, bitte – Was ist ein Auto-Generikum … und weshalb man da problemlos immer wechseln kann.

Generika – und warum fragen Sie nicht? Immer nett: wenn nach Tests bemängelt wird, dass die Apotheke nicht das günstigste OTC-Produkt verkauft hat (ja, auch von denen gibt es Generika!)

Generikum gefällig? (Oder was ich für Gründe zu hören bekomme, weshalb der Patient das nicht will)

Neuer differenzierter Selbstbehalt: für die Schweiz. Weshalb manche Generika 20% Selbstbehalt haben wie das Originalmedikament und nicht 10%

Generika und Rabattverträge : für Deutschland. Und warum es besser wäre, den Apothekern die Wahl zu überlassen statt den Krankenkassen.

Rabattvertrags-Diskussionen – was die Apotheken in Deutschland von den Patienten zu hören bekommen, wenn sie mal wieder das Generikum wechseln müssen.

Das liegt nur am Generikum! – in dem Fall nicht wirklich. Oder: was wir in der Schweiz so zu hören bekommen.

Metoprolol mit Problemen – wenn die Rabattverträge zu akuten Lieferproblemen führen.

Das Billigste und Das Billigste?? (2) – Apothekenbashing in der Schweiz, da Apotheken „lieber die teuren Generika verkaufen“ und nicht immer „das günstigste“ Medikament abgeben. Hmpf. Es gibt Gründe für die Wahl eines Generikums, die über den Preis herausgehen.

Suchanzeige: lactosefreies Medikament. Manchmal ist es gut, sind nicht alle Generika mit den gleichen Hilfsstoffen hergestellt.

Nur nicht in grün! – aber ein Grund, das Generikum zu wechseln

Generika im Gegenwind – Generika werden heute oft in Asien oder Indien hergestellt. Theoretisch unter streng vorgeschriebenen Bedingungen und nach Studien zur gleichen Wirkung. Was aber, wenn da geschlampt wurde?

Origenial – wenn die Herstellerfirma Werbung für ihre Co-Marketing-Medikamente (dem Original identische Generika) macht.

Was darf ein Medikament kosten? Wenn Medikamentenpreise (zu) sehr fallen, kann es durchaus sein, dass die Firmen das nicht mehr herstellen, da unrentabel. Dann gehen auch wichtigere Medikamente einfach aus dem Handel. Speziell in dem kleinen Markt der Schweiz kommt das häufiger vor.

Schnurz-Egal Hauptsache billig – Oder warum der Preis nicht der einzige ausschlaggebende Grund für die Wahl des Generikums sein sollte.

Kein Generikum aus medizinischen Gründen – wenn der Arzt verbietet, ein Generikum zu wählen. (Hier allerdings pauschal und deshalb nicht ganz korrekt!)

Erwiderung gesucht: Wir müssen den Arzt über einen Austausch informieren. Der hier war nicht so zufrieden. Mit der Info, nicht mit dem Austausch?

Dasselbe oder nicht? Ein paar Tricks einer Pharmafirma, damit ihr Medikament nicht ersetzt wird nach Patentablauf.

Strategien nach Patentablauf eines Medikamentes – und noch mehr Möglichkeiten.

Lyrica und Generika und ein akutes Problem und  Zum Lyrica und Generika Problem: Das Patent des Medikamentes ist abgelaufen – allerdings nicht für alle Anwendungen, da sie später noch eine gefunden haben. Kann ich das jetzt (einfach) ersetzen mit dem Generikum? Weshalb nicht immer?

Mein Kind hat die Maul- und Klauen-seuche!?

Junger Vater kommt in die Apotheke: „Das Tagesheim von meiner Tochter hat gerade angerufen. Sie hat so kleine Bläschen an den Händen und den Füssen … und die hat irgendetwas gesagt von Maul und Klauenseuche!“

Ich muss mich halten, nicht zu laut zu lachen. Er ist wirklich ziemlich beunruhigt.

Pharmama: „Sie meint wohl die Hand-Fuss-Mund-Krankheit. Ihre Tochter ist ja kein Tier. Und ganz so schlimm ist das meist auch nicht.“

Zur Erläuterung: Das ist eine durch Viren übertragene Krankheit, sie gehört zu den typischen Kinderkrankheiten (auch wenn Erwachsene das ebenfalls bekommen können) und ist ziemlich ansteckend, gerade in Heimen und Schulen gibt es immer wieder kleine Epidemien. Bei vielen Kindern verläuft das ohne irgendwelche Beschwerdenden. Wer Symptome zeigt, hat grippeähnliche Beschwerden: also Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl und eventuell Husten, oft gefolgt von einem roten, juckenden Hautauschlag um den Mund herum. Danach erscheint der Ausschlag an den Händen und Füssen (vor allem an den Innenflächen und den Sohlen). Die Bläschen mit schmalem Roten Rand und die Aphten im Mund sind virushaltig und hoch ansteckend.

Machen kann man nicht viel. Antibiotika sind gegen die Viren nutzlos, eine Impfung gibt es nicht. Man behandelt die Beschwerden wie das Fieber und die Schmerzen mit Paracetamol oder Ibuprofen (Nicht Aspirin!) und gegen die Bläschen im Mund, die das Essen stark stören können helfen auch die Zahnungsgels, die lokal betäubend wirken. Glace ist übrigens auch eine gute Idee. Meistens geht das komplikationslos vorbei, aber bei hohem Fieber, Mittelohrentzündung, Atembeschwerden, blutigem Schleim oder Nackensteifheit muss zum Arzt gegangen werden. Ebenfalls sollte man aufpassen, dass das Kind genug trinkt – auch wenn das schmerzen mag.

Der Spuk ist nach etwa einer Woche bis 10 Tagen vorbei, ansteckend kann man aber noch länger sein. Man darf wieder in Gemeinschaftseinrichtungen (wie Schule etc.) wenn das Fieber vorbei und der Ausschlag abgeklungen ist

Dialoge aus der Apotheke / 15

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Oldie but Goodie:

Patientin: „Ein Mundwaffer bitte.“

Apotheke: „Entschuldigung, ein was?“

Patientin: „Etwaff zum Mund fpfühlen, ich habe ein neuef Thungenpierphing!“

Apotheke: „Aah, etwas zum Mund spülen wegen dem neuen Zungenpiercing. Etwas desinfizierendes und schmerzstillendes?“

Medikamente in der Kunst

Kunst und Medikamente? Seltsame und seltene Kombination. Aber es gibt Künstler, die damit arbeiten. Einer davon ist Ben Frost (aus Australien). Laut Wikipedia „Ein visueller Künstler, dessen Arbeit versucht, aktuelle Normen und Werte der westlichen Kultur und Gesellschaft herauszufordern. Frosts visuelle Arbeit setzt gemeinsame ikonische Bilder aus Werbung, Unterhaltung und Politik auf verblüfende Weise gegenüber in Kombinationen, die oft konfrontiert und umstritten sind.“

Mir gefällt das: Die Kombinationen der Medikamentenschachteln mit den Pop-Art (Comics) Bildern passen irgendwie … wie die Faust aufs Auge :-)

Botox-Spritze und Gummimaske des Bösewichtes:

botoxmanfrost

Potenzmittel und starker Mann (Tarzan):

levitraliontarzan

(starkes) Schmerzmittel und weinendes Mädchen:

oxypopfrost

(starkes) Beruhigungsmittel und emotionale Frau:

valium_lover-ben_frost

Dafür habe ich eine Versicherung!

Pharmama: „Ah, Ich sehe, Sie sind noch nicht mit einem Rezept bei uns gewesen. Geht das über die Krankenkasse, oder zahlen Sie es selber und schicken das ein?“

Patient: „Über die Krankenkasse.“

Pharmama: „Dann bräuchte ich Ihre Krankenkassenkarte.“

Patient: „Ich habe sie nicht dabei.“

Pharmama: „Welche Krankenkasse ist es? Eventuell kann ich nachfragen.“

Patient: „Ich weiss es nicht.“

Pharmama: „Okay – in dem Fall müssen Sie es selber zahlen und einschicken.“

Patient: „Was? Ich muss nicht zahlen – dafür habe ich eine Versicherung!“

Pharmama: „Na gut, dann kommen Sie wieder, sobald Sie wissen, welche das ist.“

Patient mit besonderen Bedürfnissen

Beim kontrollieren der Rezepte vom Vortag fällt mir ein … etwas spezieller Kommentar bei einem Patienten auf. Nennen wir ihn Herr Vacuoli.

Rezept mit …Spritze von der Klinik abgegeben am 4.12 .; wenn er Spritze nicht bestellt bei uns bis 15. Januar bitte ihn anrufen und fragen, ob er Termin bei einem Arzt hat für Spritze und fragen, ob wir für ihn Spritze bestellen sollen. (Er scheint etwas vergesslich und schlecht organisiert).

Huh? Speziell.

Herr Vacuoli ist etwa halb so alt, wie ich. Den Rest der Medikamente vom Rezept der Klinik hat er bekommen. Weil mir das Medikament (die Spritze) so noch nicht sehr bekannt ist, nutze ich die Gelegenheit, mich darüber zu informieren. Das hilft beim Verständnis der Situation: die Spritze wird verwendet als Depotmedikament bei Shizophrenie. Zum Krankheitsbild gehören auch sogenannt kognitive Störungen, womit hier nicht Intelligenzdefizite gemeint sind, sondern Probleme mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis und der Planung von Handlungen.

Trotzdem … das ist ein ungewöhnlicher Service, wenn die Apotheke dem Patienten hinterhertelefoniert, ob und wann er einen Arzttermin hat. Den Termin braucht er wegen dem Spritzen des Medis – das kann er kaum selber machen. Und das Rezept war von der Klinik, wahrscheinlich spritzt das aber sein Hausarzt oder Psychiater.

Jedenfalls mache ich einen Vermerk in unserer Agenda, dass man Herrn Vacuoli dann kontaktiert.

Am 13. Januar schaue ich nach: Die Spritze ist noch nicht bestellt, also rufe ich ihm an.

Nach dem Telefonanruf weiss ich, was die Kollegin gemeint hat mit „scheint etwas vergesslich“. Verwirrt trifft es vielleicht eher. Am Telefon kommt Herr Vacuoli direkt etwas „vollgedröhnt“ herüber. Nach der dritten Erklärung, weshalb ich anrufe, scheint die Info aber trotzdem angekommen und er bestätigt, dass er noch keinen Arzttermin hat, sich aber darum kümmern will.

Zur Sicherheit schicke ich ihm ein SMS mit der wichtigsten Info nach: welche Apotheke, Arzttermin, melden bitte … Und hinterlasse nun selber einen Kommentar im PC:

Tel am 13.1. – hat noch keinen Arzttermin. Er soll sich bei uns melden, sobald er einen hat. Ph

Am nächsten Tag bestellt Herr Vacuoli telefonisch die Spritze für uns, damit er sie am Termin den er am 26.1. hat dabei hat.

Alles okay … sollte man denken. Vor allem, als ich ein paar Tage später sehe, dass sie abgeholt wurde.

Nö.

Am Donnerstag 26. Januar abends um kurz vor 7 Uhr steht Herr Vacuoli in der Apotheke. Es ist das erste Mal, dass ich ihn sehe, deshalb bin ich mehr als nur etwas verwirrt, als er nur sagt: „Ich soll … meine Spritze abholen.“

Der junge Mann ist Mitte 20 und macht einen freundlichen, wenn auch etwas abwesenden, vielleicht sogar leicht hilflosen Eindruck. Er ist so der Typ, der in einem unbewusst Mamainstinkte weckt – man will ihm wirklich helfen. Das erklärt für mich auch der Kommentar im Computer. Meiner Kollegin ging es wohl gleich.

Nachdem ich seinen Namen verifiziert habe – und nachgeschaut, dass „seine Spritze“ vor ein paar Tagen wirklich abgegeben wurde – an ihn – äussere ich meine Verwirrung darüber. Erstens dass er sie jetzt nochmals (?) will .. und zweitens: ist es jetzt nicht nach dem Termin mit dem Arzt?“

Herr Vacuoli : „Nein, den Termin habe ich erst morgen, ich habe ihn verschieben müssen. Aber ich habe die Spritze verloren.“

Waaas? Das Ding kostet ein paar hundert Franken … und so klein ist die Packung auch nicht!

Aber es bleibt mir wohl nichts anderes übrig als noch eine zu bestellen.

Dass er sie braucht, steht nicht in Frage, aber … echt jetzt? Verloren?

Das belastet mich tatsächlich so sehr, dass ich mir überlege, ob man die Spritze das nächste Mal nicht besser direkt an den Arzt liefert? Denn wahrscheinlich wird es ein nächstes Mal geben. Das ist zwar eine Depotspritze – also langwirksam – aber mehr als einen Monat wirkt sie auch nicht. Wer sich fragt, weshalb man ihm keine Tabletten gibt (die wären zumindest etwas günstiger)? Nun … ich denke, die Episode oben dürfte das erklären: so unzuverlässig / verwirrt wie er ist, ist kaum anzunehmen, dass er in der Lage ist, die Tabletten regelmässig zu nehmen.

Das gibt noch ein Kommentar im PC:

… Spritze verloren! 26.1. Ersetzt. Für nächstes Mal: Er braucht neues Rp bei neuem Bezug. Ev. beim Arzt selber verlangen (und zu dem bringen?)

Den Empfang lasse ich ihn am nächsten Tag ausserdem visieren: er soll zumindest wissen, was das Teil kostet, das er da verloren hat.

(Wird fortgesetzt?)