Generika – und warum fragen Sie nicht?

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Immer wieder kommen Testkäufe durch Zeitschriften zustande mit dem Augenmerk auf den Generikum* Verkauf in Apotheken.

Das läuft dann meistens so ab, dass der Kunde in die Apotheke kommt und ein Originalprodukt verlangt, z.B. Panadol. Er bekommt es – und dann fängt das Theater an.

„Wieso“ fragt der Kunde (respektive die Zeitschrift, die getestet hat) „haben Sie mir nicht das Generikum angeboten?“

Ein Skandal, eine Unverschämtheit! Die Kosten die ich (der Kunde) dadurch einsparen hätte können! Sie (die Apothekerin) haben mich nicht richtig beraten!“

Ok ok. Mal langsam und von vorne. Der Kunde kommt in die Apotheke und verlangt ausdrücklich das Original. Er sagt nicht „ein Schmerzmittel“, nicht einmal „Ein Panadol .. oder etwas gleichwertiges“ oder „Ein Panadol … oder gibt es da auch etwas günstigeres?“. Nein, er verlangt das Panadol. Das Original.

Es gab eine Zeit, da ich versucht habe alle Leute auf Generika aufmerksam zu machen. Das Ergebnis war dermassen ernüchternd, dass ich das aufgegeben habe. Die Reaktion reichte von „Geben sie es mir endlich!“ über „Ah ja? Ich nehme das was ich kenne“ bis zu „oh, Danke, gerne“. Wobei letzteres in etwa 1% der Fälle vorkam. Viel öfter wurde ich geradezu angepfurrt, weil ich es wagte, ihre Wahl in Frage zu stellen.

Meine Einstellung dazu ist heute: Jeder kennt Generika und/oder hat zumindest davon gehört, dass es sie gibt. Wenn man welche will, kann man auch danach fragen. Das ist nicht meine Aufgabe.

Ich meine, wenn Du zum Beispiel in die Migros oder den Coop gehst, dann weisst Du ja auch, dass es für manche Produkte eine günstigere Alternative gibt, sei das „Prix garantie“ oder „M-Budget Line“. Die Verkäuferin wird Dich auch nicht fragen, wenn sie sieht, dass Du Schinken gekauft haben: „Sie wissen aber, dass es eine günstigere Variante gibt?“. Du hast gewählt. Dasselbe Prinzip in der Apotheke.

Es ist Dein Geld und es Deine Verantwortung, wie Du damit umgehst. Ich werde Dich beraten, wenn Du unsicher sind und wenn es um medizinische / medikamentöse Fragen geht, aber wenn es um Dein Geld geht, dann bist Du verantwortlich. Und auf Nachfrage bin ich noch so gerne bereit ein Generikum respektive das günstigste Produkt herauszusuchen.

Keine Regel ohne Ausnahme. Wenn ich sehe wie das ältere „Fräulein“ beim Preis zusammenzuckt und anfängt das Münz im Portemonnaie (oder Portmonee auf Neudeutsch, aua) zusammenzuklauben, dann frage ich sie auch von mir aus, ob sie nicht einmal das günstigere Generikum ausprobieren möchte.  – Du wirst aber nicht glauben, wie oft selbst dann diese das nicht wollen. 😦

* Falls Du zu den wenigen gehörst, die noch nie von Generika gehört haben (Was bei mir die Frage aufwirft wie das sein kann?: liest Du keine Zeitung, Zeitschriften? Schaust Du nicht fern? Und übersiehst Du die Werbeplakate auf den Strassen einfach?): ein Generikum ist ein sogenanntes Nachfolgemedikament. D.h. von einem Medikament, dessen Patentschutz abgelaufen ist können Kopien durch andere Firmen hergestellt werden. Der Inhaltsstoff ist derselbe, die Wirkung sollte auch dieselbe sein. Nur der Preis ist günstiger (weil diese Firmen ja nicht die Forschung finanzieren mussten.)

Nachtrag: Ich rede hier vom Handverkauf. Beim Rezeptverkauf ist es wieder ein ganz anderes Thema. Da habe ich inzwischen auch alle Angestellten soweit, dass sie immer die Möglichkeit des Generikums erwähnen (sofern vorhanden und das Rezept / die Krankheit ein Wechsel zulässt).

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6 comments on “Generika – und warum fragen Sie nicht?

  1. Hevora sagt:

    Ich ERWARTE ind der Apotheke, dass ich das preisgünstigste Medikament erhalte, das ich gegen mein Problem erhalten kann.

    Nur der Apotheker ist in der Lage, mir genau dieses Medikamtent zu geben, weil ich das als Laie absolut nicht beurteilen kann, muss ihm also VERTRAUEN…..

    Die beschriebenen wirtschaftlichen Gründe interessieren mich überhaupt nicht. Ich möchte mich auch nicht offenbaren, damit der Apotheker beurteilen kann, ob ich wenig oder viel Geld besitze. Das geht, in jeglicher Form – den Apotheker nichts an.

    Dass der Apotheker seine eigenen Gedanken entwickelt und die ihm am genehmsten Medikamente abgibt, finde ich schlicht und einfach UNVERSCHÄMT.

    Ich hoffe, das kann jemand nachvollziehen.

    Der Gesetzgeber weiss schon, dass Generika günstiger sind bei gleicher Wirkung – für mich ist der Apotheker der Abgeber und nicht die Person, zu zunächst ein Urteil glaubt abgeben zu müssen, bevor er mich bedient. Das Günstigste – dankeschön und auf Wiedersehen.

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  2. Pharmama sagt:

    Hevora: Du bekommst, was Du verlangst. Wenn Du sagst „ich will ein Panadol“ bekommst Du ein Panadol. Wenn Du sagst „Ich will etwas günstiges gegen Kopfschmerzen“ bekommst Du etwas günstiges gegen Kopfschmerzen. Wenn Du sagst „Ich will das günstigste Schmerzmittel“ bekommst Du auch das. Es liegt ganz an Dir. – Das nennt man „Eigenverantwortung“ (Aber ich bin sicher, das weisst Du 🙂

    Apotheker sind halt Fachpersonen für Medikation und auch Detailhändler. Ziemliches Spagat manchmal.

    Und Entschuldigung: Der Gesetzgeber hat meist keine Ahnung von Medikamenten und den damit verbundenen Problemen – darum funktioniert das mit der Schweinegrippeimpfung im Moment so gut *hust*.

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  3. Hevora sagt:

    Manchmal weiss man eben nicht genau, was man braucht, man geht in die Apotheke wegen einer Befindlichkeit und braucht ein Medikament, das ja nicht zwangsläufig verschreibungspflichtig sein muss. Da hat der Apotheker natürlich – nach dem er Dich „einschätzt“ hat, die Möglichkeit, Dir Medikamente von A bis Z anzubieten. Preiswert ist schon so ein Unwort, bei dem der Eine oder Andere Dich seltsam anschaut und Du fühlst Dich augenblicklich herabgesetzt. Da braucht es schon Kraft, wenn man auf seinem Wunsch besteht. Aber das passiert in Deiner Apotheke sicher nicht. Es ist sicher auch ein Zufall, dass die teuren Medikamente in den Apotheken immer in Sichtweite stehen, während die preiswerten grundsätzlich aus einer Schublade geholt werden müssen….man wird dann immer so kurz und prüfend angeschaut….

    ..das mit der Schweinegrippe habe ich aufmerksam in der Presse verfolgt und wundere mich auch – ebenfalls *hust* – mir ist gegenwärtig, dass jährlich tausende von Menschen an der Grippe sterben und es wird nirgends propagiert.. jetzt kommt jeder Todesfall in die Presse, da macht man sich so seine Gedanken – ich habe gerade eine beginnende Infektion – und ich werde mich selbstverständlich nicht impfen lassen. Wer da wohl welche Interessen hat? Ich merke immer mehr, dass die Gier grenzenlos wird… immer schlimmer. Allein der Name: Schweinegrippe – welcher Geist hat sich diese Bezeichnung einfallen lassen und warum wohl?

    Vor allem fällt mir auch auf, dass die Berichterstattung darüber immer tendenziöser wird. Wer zahlt hier wem wieviel?

    Die Impfstoffe verfallen bald und müssen verbraucht werden!

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  4. Pharmama sagt:

    Nicht nur das: die Schweiz hat doppelt soviel eingekauft, wie sie effektiv braucht. Und nächstes Jahr sind die Impfstoffe überholt…

    Theoretisch könnte ich jetzt mich impfen gehen, früher als die Normalbevölkerung, aber die haben das zudem noch so kompliziert gemacht mit wer wo was wann, dass es mir fast zuviel aufwand ist – aber da sieht man wahrscheinlich, dass ich immer noch nicht überzeugt bin – sonst würde ich trotzdem gehen.

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  5. […] Schade. Das wäre auch repräsentativer als die von irgendwelchen Organisationen durchgeführten Tests, die oft nur das Ziel zu haben scheinen die Apotheke zu diskreditieren. (So wie dieser. Oder dieser.) […]

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  6. Nova sagt:

    Also ich habe das Wort „Generikum“ noch nie außerhalb deines Blogs gehört. Wusste einfach nicht, dass es das so gibt – klar, dass es Nachmachungen von Medikamenten gibt, wusste ich schon, aber das Wort dafür nicht. Ich würde ich nicht direkt nach sowas fragen, wenn ich ein Arzneimittel kaufe / auf Rezept abhole, weil … nunja, der Arzt hat halt dieses eine aufgeschrieben und nichts anderes. 😉
    Wenn man mich dann aber fragt, ob es etwas gleichwertiges, günstigeres sein darf, hätte ich es wahrscheinlich genommen.
    Ich bin 21 Jahre, war noch nie für mich selber in einer Apotheke (benötige keine / kaum Medikamente) und lebe in Deutschland.

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