Blog-Archive

Sind Drogisten süss?

Unser Drogist Urs hat noch ein paar Nachwehen vom alten Geschäft.

Heute habe ich so halb mitbekommen, wie er einen Kunden wie einen Kollegen begrüsst hat – offenbar war das so. Er hat mir nachher erzählt, wie das abgelaufen ist. Anscheinend hat der junge Mann auch im Kaufhaus gearbeitet, in einer anderen Abteilung allerdings. Wie Urs meinte, war er sich nie ganz sicher, ob er … naja, eher vom gleichen Geschlecht angezogen wird. Jedenfalls hat der Kollege ihn heute erkannt und da haben sie neben dem Einkauf noch ein bisschen geplaudert, wie es Urs so geht, was der Kollege jetzt so macht  … bis zu dem Moment, wo ein junger Mann zur Türe hereinschaut und ziemlich aggressiv ruft: „Was dauert da so lange? Du wolltest doch nur rasch was kaufen?!“

Kollege pikiert: „Ja, schon gut, ich habe hier nur den Urs getroffen, der hat doch früher mit mir gearbeitet.“
Worauf der junge Mann hereinkam, sich demonstrativ neben den Kollegen stellte und Urs sehr misstrauisch musterte: „Ah ja?“

Am liebsten (meinte Urs zu mir) hätte er ihm gesagt, dass er sich keine Sorgen zu machen brauche. Da sei er keine Konkurrenz. Auch wenn es ungewöhnlich ist heute als Mann in einer Drogerie arbeitend …

Was mich zu der Frage inspiriert:
Habt ihr das Gefühl, dass man heute Männer, die in der Drogerie, Parfümerie arbeiten als homosexuell ansieht?
Ist nicht meine Erfahrung, also: weder dass sie es sind, noch dass man sie so ansieht. Oder irre ich mich da?

„Professionelle“ Pille danach -Beratung

Meine Pharmaassistentin kommt zu mir ins Büro, wo ich mich grad in Arbeit vergrabe – mit einem leicht amüsierten Gesichtsausdruck.

„Ich hab’ da eine Pille danach Beratung für dich – sie ist nicht allein. Ihr Freund oder Vater (??) ist mit dabei.“

„Hast Du ihnen gesagt …?“

„Ja, dass Du das abklärst und es 40 Franken kostet. Er hat sofort gesagt, er zahle alles!“

Oookay. Ich gehe nach vorne.

Vor mir stehen eine hübsche, gut geschminkte jüngere Frau und ein Mann, der … nicht alt genug sein kann, dass das der Vater ist.

„Möchten Sie mit dabei sein?“ frage ich, als ich sie zum Beratungsraum bringe.

„Ja.“ sagt er und dann gleich: „Müssen Sie wissen, was Sie arbeitet?“

… ??…

„Umm nein. Das ist jetzt etwas, das ich nicht wissen muss.“

(Jetzt glaub’ sowieso nicht mehr ….)

Die weitere Beratung verläuft ereignislos und offenbar zur vollsten Beruhigung des Mannes, der nur einfach „wirklich nicht will, dass sie schwanger wird“ nach dem Kondomunfall, den sie vorher hatten. Klassiker. Kommt offenbar überall mal vor.

Erst als wir zum Punkt „Soll ich Sie noch über sexuell übertragbare Krankheiten aufklären?“ kommen und sie professionell abwinkt, wird er etwas bleich – die Idee ist ihm noch nicht gekommen, dass das auch ein Problem sein könnte.

Gut, die Chancen sind klein, dass bei dem geplatzten Kondom in der einen Begegnung …. „und ausserdem ist ja nicht sicher, dass sie überhaupt etwas haben?“ Blick zu ihr – sie schüttelt den Kopf: „Der letzte Test war negativ“

So konnte ich beide einigermassen ruhig entlassen – nachdem er wie versprochen bezahlt hat mit dem Nachsatz: „Das ist toll wie schnell das ging – das hätte auch mehr kosten dürfen.“

Naja – ich bin nicht ganz sicher, ob er für die zusätzliche Zeit mit ihr bei mir nicht auch noch zahlt …. und wieviel.

Wollt ihr mehr lesen über die Pille danach in (Pharmamas) Apotheke?:

Auf der Toilette aufgelesen

aVX8q6w_460s

Frau: „Gibt es noch andere Möglichkeiten, wie ich schwanger werden konnte? Wie zum Beispiel auf einen Toilettensitz zu sitzen?“

House: „Absolut!

Es müsste noch ein Mann zwischen Ihnen und dem Toilettensitz sitzen. Aber ja, absolut!“

Ich musste so daran denken, was mein Arzt-Kollege mir mal erzählt hat, was er denkt, wenn ihm mal wieder jemand erklärt, ihren Herpes habe sie auf der Toilette aufgelesen:

„Ja, vielleicht. Aber nicht alleine.“

Frag die Apothekerin … einfach alles.

Mann in den späten 50ern – frühen 60ern, klein, rundlich, wenig Haare auf dem Kopf kommt in die Apotheke.

„Sie sind Apothekerin, richtig?“ fragt er mit Blick von sehr Nahe auf mein Namensschild „Wissen Sie, ich vertraue Apothekern mehr als Ärzten oder Zahnärzten. Ihr kennt Euch aus.“

Ich lächle geschmeichelt und frage: „Und wie kann ich ihnen helfen?“

„Denken Sie man bekommt Zahnfleischprobleme von Oralsex?“

„Oh, äh …“ aber er lässt mir keine Chance etwas darauf zu antworten.

„Ja, ich mach das noch viel. Seit Jahren. Mit einer Menge Frauen. Sie mögen es. Ich mag es. Jetzt war ich beim Zahnarzt und er sagt mir, ich habe Zahnfleischprobleme. Also frage ich ihn, ob er denkt, dass das vom Oralverkehr kommt und er sagt nein, das sei nicht möglich. Also frage ich meinen Hausarzt und der sagt dasselbe. Aber ich weiss, dass da eine Menge Keime und Viren und andere Sachen da unten sind und darum dachte ich, ich frage die Apothekerin, denn ich werde nicht damit aufhören, aber ich will wissen, was es da gibt und ob es etwas gibt gegen die Zahnfleischprobleme, weil ich, wie ich gesagt habe nicht damit aufhöre, immerhin bin ich ziemlich gut dabei, wissen Sie und warum sollte ich mit etwas aufhören wo ich gut drin bin, richtig?“

Äh, ich … ja“ ist alles, was aus meinem Mund kommt, denn ich habe keine Idee, was ich dazu sagen soll. Keine Idee.

Und er ist noch nicht fertig: „Also, was können Sie mir geben, das gegen die Zahnfleischprobleme hilft? Ich will keinen Rückgang vom Zahnfleisch, weil das turnt die Frauen doch eher ab, wenn man das machen will und egal wie gut ich bin dabei, sie werden das nicht haben wollen, wenn ich Zahnfleischprobleme habe, also brauche ich etwas, was ich meinem Arzt sagen kann. Wissen Sie, ich habe im Fernsehen gesehen, dass man von oralen Sex Krebs bekommen kann. Haben Sie mir etwas, das ich nehmen kann?“

Alles was ich rausbekomme ist „Vielleicht Plak Out?“ und ich zeige ihm die Flasche.

Er: „Ja, das hat mir mein Zahnarzt auch mitgegeben. Ich bin seit Tagen am Spülen und Spucken mit dem Zeug, weil ich hoffe, das hilft gegen die Zahnfleischprobleme. Ich denke, ich mach dann einfach weiter damit, das kann nicht schaden, oder? Und ich höre auch nicht damit auf, weil ich da praktisch ein Experte bin. Ein bisschen Zahnfleischprobleme stoppt mich da auch nicht. Und wissen Sie …“

Und er lehnt sich weit über die Theke und flüstert laut: „Die Frauen lassen mich auch nicht aufhören.“

Er zwinkert mir zu.

Er richtet sich wieder auf und sagt: „Also, ja, dann mache ich mit Plak out weiter, so wie Sie gesagt haben weil das offenbar so ziemlich das beste ist gegen Zahnfleischprobleme und zum Teufel mit diesen Ärzten und Zahnärzten. Ich wusste doch, Sie als Apothekerin wissen, was ich machen soll. Ihr wisst alles über Medikamente und so, richtig?“

Er zwinkert mir wieder zu.

Die Pharmaassistentin hat sich (endlich) in die Nähe getraut und reicht mir ein Rezept zum kontrollieren.

Ich schaue den Mann rasch an.

Er: „Ich sehe, Ihr seid beschäftigt. Ihr wisst wirklich euer Zeug. Danke für die gute Info und die Hilfe. Schätze ich wirklich.“

Und er geht wieder.

Ich kann euch versprechen, ich habe die gesamte Zeit ein möglichst neutrales Gesicht gemacht. Aber für das nächste Mal empfehle ich ihm einen Dental Dam – diese Latextüchlein auch Lecktüchlein genannt. Ich glaube, die können wir bestellen.

Sex sells

Meine Kollegin Donna war am Samstag das Verkaufsgenie. Praktisch hat sie zu einer Tamponpackung einen Zusatzverkauf von über 200 Franken gemacht.

Das lief so: Die Kundin kam und fragte nach den „Schwämmen, mit denen man auch während der Periode Sex haben kann.“ Die seltsame Umschreibung ist für eine neuere Tampon-Art, die wirklich kleine rosa Schwämme sind.

Nach dem Verkauf hat Donna sie gefragt: „Haben Sie auch Kondome?“

„Nein, aber die könnte ich brauchen!“

Also verkauft ihr Donna noch die Kondome dazu – und weil wir grad dort sind: Gleitmittel wäre auch noch gut?

Die Kundin greift nach dem KY – Donna empfiehlt ihr das „Durex Play“ und … gekauft.

Zurück an der Kasse fotzeln die beiden ein bisschen – Donna wird übermütig und fragt, ob sie nicht auch noch ein neues Parfum zum Anlass gebrauchen könnte – und zeigt ihr das neue von Lauder zum testen.

Der Kundin gefällt das so gut, dass sie davon grad die grosse Flasche postet.

Aber das schönste am Ganzen war noch das Gespräch danach.

Kundin: „Ich fühle mich wie 17!“ (sie war um die 40)

Donna: „Frisch verliebt?“

Kundin: „Nein, gar nicht.“ (grinst)

Donna: „Nur Sex?“

Kundin: „Nur Sex!“

Grinst, winkt und geht.

Ich weiss ja schon, was ich habe!

Morgens in der Apotheke:

Mann: „Meine Freundin wurde gerade mit Chlamydien* diagnostiziert und hat vom Arzt Antibiotika verschrieben bekommen. Können Sie mir eines geben? Ich weiss ja schon, was ich habe.“

Pharmama: „Das mag so sein, aber Antibiotika brauchen in der Schweiz ein Rezept.“

Mann: „Was meinen sie mit – ich bräuchte ein Rezept? Ich weiss ja, was ich haben muss … und es ist ja nicht so als würde das abhängig machen!“

Pharmama: „Nein. Trotzdem brauche ich ein Rezept vom Arzt, wenn ich ein Antibiotikum abgebe.“

Mann: „Ich will einfach kein Geld ausgeben für den Arzt!“

(Ah, daher weht der Wind.)

Pharmama: „Nun, dann könnten Sie noch ihre Freundin fragen, wo sie das Rezept eingelöst hat – eventuell hat der Arzt eine Partnerbehandlung aufgeschrieben, dann kann das über das Rezept ihrer Freundin laufen.“

Mann: „Wir sind nicht mehr zusammen.“

Pharmama: „…..“

 

  • sexuell übertragbare Krankheit.

Schreck-lich

Heute mal aus der Rubrik: Wie erziehe ich mein Kind?

Eine Mutter mit sehr jung aussehendem Teenager in der Apotheke: „Können Sie mir rasch helfen?“

„Mein Sohn will wissen, was eine Baby-Ausstattung so kostet.“

(Er sieht nicht so aus …)

„Könnten Sie uns mal zeigen, wie das mit dem Essen und den Windeln aussieht für … sagen wir eine Woche?“

Ich bin etwas überrascht, kann mir aber denken, wo das hinführt.

Ich zeige ihm also die Milchen und rechne grob durch, wieviel das so macht in einem Tag, in einer Woche … dann wenn die Breie dazukommen … dann natürlich die Windeln. „So ein Pack kostet … und hat X Stück drin. Pro Tag wechselt man bei einem Baby zwischen 4 und 10 x die Windeln, sagen wir durchschnittlich 6 x, dann hält das …“

(Taschenrechner sind was schönes, möchte ich hier anmerken)

„Und dabei wären wir noch nicht mal bei der Kleidung oder wenn man etwas an Medikamenten braucht, Arztbesuche und Krankenkasse …“

Der Sohn hat vorher schon nicht sehr glücklich ausgesehen, bei der Liste wird sein Gesicht immer länger …

zur Mama:  „Ich hab’s begriffen… können wir jetzt bitte gehen?“

Die Mutter: „Noch nicht. Können Sie uns helfen, einen Schwangerschaftstest auszusuchen?“

Das war sicher …. eindrücklich. Ich hoffe, es ist bei dem Schreck geblieben.

Wie Feuer

Eine junge Frau kommt in die Apotheke und fragt schüchtern, ob wir etwas haben, das ihre Innereien etwas beruhigt.

Bei genauerem Nachfragen (Was? Wo? Seit wann?) stellt sich heraus, dass sie letzte Nacht versehentlich „wärmendes Massageöl“ benutzt hat, statt Gleitmittel.

Und jetzt „fühlt es sich an, als brennt da ein Feuer“.

Hoppla.

Dabei gibt es heute doch so nette anregende Gleitmittel … seit neustem auch noch mit Cannabis-öl (allerdings nur in Kalifornien, mit Arzt-Rezept und Ausweis für „medizinisches Marihuana“ – und dann kostet es noch fast 90 Franken pro 30 ml)

Quicky (22)

Keine gute Idee: auf die Frage „Was ist das beste Gleitmittel?“ gegen zu fragen: "Für was brauchen Sie es?

Man bekommt es erzählt, In aller Ausführlichkeit.

Mehr kurze "Quickys":

 

Quicky (21), Quicky (20),  Quicky (19),  Quicky (18),  Quicky (17)

Quicky (16)   Quicky (15)Quicky (14)   Quicky (13)Quicky (12), 

Quicky (11)Quicky (10)   Quicky (9)Quicky (8)  Quicky (7)

Quicky (6)  Quicky (5)Quicky (4)  Quicky (3)Quicky (2)   Quicky (1)

Kama sutra für Verheiratete

The married kama sutra – zeigt eine ganze Menge … nicht sexueller Positionen mit Erklärungen.

marriedkamasutra

Da steht drunter:

Wenn der Mann leicht den Nacken der Frau küsst und die Frau zärtlich seine Brust streichelt und das Kind kommt schreiend in das Zimmer gerannt, weil es ein erschreckendes Geräusch gehört hat oder sonst so ein Blödsinn, dann nennt man das die „unterbrochene Begegnung“.

Sagt mir nicht, *die* Position käme nie vor🙂

Hier gibt’s noch mehr Bilder zum reinschauen:

http://marriedkamasutra.com

Natürlich kann man auch grad das ganze Buch kaufen gehen:

Die Verhütungspille?

Ein junges Pärchen mit deutschem Akzent steht vor mir in der Apotheke. Sie schaut Ihn an, Er schaut Sie an, dann gibt Sie sich einen Ruck und sagt: „Ich brauche eine Verhütungspille“.

Und ich sage: „Haben Sie ein Rezept? Die sind hier alle nur auf Rezept erhältlich.“

Sie: „Nein, ich habe kein Rezept dafür.“

Pharmama: „Dann sollten sie vielleicht zum Arzt, sich eines ausstellen lassen? Falls sie keinen Arzt haben: Das Spital hat eine Frauenabteilung, wo sie auch ohne Termin hin können.“

Er: „Geht das nicht ohne?“

Pharmama: „Nein, für die Pille brauche ich ein Rezept – ich kann ihnen nicht einfach irgendeine geben. Ein Arzt muss sie vorher anschauen.“

Die beiden schauen sich wieder an und gehen.

Oder doch nicht? Ich sehe sie draussen vor der Türe diskutieren.

Schliesslich kommt Sie wieder herein.

„Ich habe im Internet gelesen, dass man in der Schweiz die Pille danach ohne Rezept bekommt.“

Ah – darum geht es.

Pharmama: „Das ist so. Allerdings ist das nicht als Verhütungsmittel gedacht – darum bekommt man sie auch nur … danach.“

Implizierend: ist das so?

Sie nickt: „Das habe ich verstanden. Ich brauche sie.“

Pharmama: "Gut – dann kommen Sie mit nach Hinten. Ich muss zuerst ein Gespräch mit ihnen führen."

Ehrlich – ich will es Ihnen nicht schwerer machen als nötig, aber: bitte redet Klartext. Eine Verhütungspille ist etwas anderes. Das hier ist nur die Notfall-kontrazeption. Die Pille danach.

Für die „unteren Gegenden“

Die Junge Frau kommt mit Rezept vom Notdienst in die Apotheke. Auf dem Rezept: Flagyl und Diflucan.

Normalerweise behalten es die Leute für sich, für was sie etwas bekommen haben – ich kann es teilweise selber herausfinden ob der Medikamente oder bei Unklarheiten auf dem Rezept nachfragen. Hier ist das nicht nötig. Erstens weiss ich schon ab den Medikamenten (ein orales Pilzmittel und ein Antibiotikum, in der Kombination meist für Vaginalprobleme) und dann informiert mich die junge Frau direkt: "Das ist für meinen Ausfluss. Ich habe mir irgendetwas hässliches von meinem Freund eingefangen. Der kratzt sich auch immer in den unteren Gegenden."

Aber warum sie mir das erzählt? Sie will von mir wissen: "Weshalb riecht er dort nicht auch schlecht? Er selber sagt er rieche nicht schlecht und darum habe ich es auch nicht von ihm."

Oh, nun. Das gab dann eine kleine Diskussion darüber, dass es einige Krankheiten, auch sogenannte Geschlechtskrankheiten gibt, die beim einen oder anderen Geschlecht fast Symptomlos sein können … und dass sie es darum durchaus trotzdem von ihm haben könnte … und dass es nicht schlecht wäre, wenn er sich auch einmal untersuchen lassen würde.

(Un-)Wahrscheinlichkeiten?

"Haben sie einen Beratungsraum?" fragt die etwas gehetzt aussehende Frau um die 40.

Pharmaassistentin (PA): "Ja, dahin …"

Weiter kommt sie nicht, denn die Frau stürmt schon darauf los.

PA mit flehendem Blick zu mir: "Pharmama – könntest Du das nehmen?"

Klar. Wobei – ich bin mir sicher, dass meine PA Probleme riechen kann. Und das hier scheint … problematisch zu werden.

Ich gehe in den Beratungsraum, wo sich die Frau schon eingerichtet hat.

Kaum ist die Tür zu, überfällt sie mich:

"Kann man Aids bekommen, wenn einen der … (überlegt rasch um) … die Romanze mit dem Finger in der Vagina befriedigt hat?"

Ah …

Und während ich mir noch die beste Formulierung meiner Antwort überlege:

"Er hatte keine Wunde an den Fingern. Keine offene jedenfalls … hat er auch gesagt, als ich ihn nachher gefragt habe. Und Oralsex hatten wir auch keinen … und wir hatten auch nicht wirklich Sex, aber …"

kurze Pause

Pharmama: "Also HIV wird übertragen durch Blut und Sperma und die Flüssigkeit von Schleimhäuten. Wenn er also nicht gerade verletzt war – Nein. Nein, denke ich nicht."

Frau: "Sperma …  was, wenn er die Finger vorher an seinem Penis hatte? Ist es eigentlich möglich, dass er schon ein Lusttröpfchen hatte auch wenn sein Penis noch schlaff war?"

Pharmama: "Uh – möglich, aber ziemlich unwahrscheinlich."

Frau: "Und küssen ist kein Problem habe ich gelesen."

Pharmama: "Das ist richtig."

Frau: "Und ich habe ihm heute telefoniert. Er hat gesagt, er habe keine Wunden an den Händen und wir hatten ja keinen Oralsex und … – denken sie er lügt mich an? Er scheint mir nicht der Typ zu sein, der lügt, aber man weiss ja nie …"

Schulterzucken – da kann ich wirkich nichts dazu sagen.

Frau: "Aber sie denken nicht, dass eine Ansteckung da wahrscheinlich ist?"

Pharmama versucht zu beruhigen: "So wie sie mir das beschrieben haben: nein. Wissen sie – eigentlich ist der HIV Virus nicht ein sehr erfolgreicher Virus. Es braucht erstaunlich viel zur Ansteckung. Deshalb dürfen auch HIV Positive Menschen schmusen – das ist kein Problem."

Frau: "Und wir haben sonst ein Kondom benutzt!"

Pharmama: "Nun, das ist gut. Äh … Ist er denn HIV positiv?"

Frau: "Das weiss ich nicht.  Das habe ich nicht gefragt …

Und er hat auch nichts gesagt."

(Aber über alles andere hat sie ihn ausgequetscht. Interessant.)

Pharmama: "Okay, sehen sie – ich würde mir in dem Fall nicht zuviele Sorgen machen."

Frau: "Wie sieht das aus mit einem HIV Test? Kann ich den auch hier machen lassen?"

Pharmama: "Hmmm … ich habe letztens gelesen von solchen Selbst-Tests. Ich würde aber davon abraten. Lassen sie, wenn es sie zu sehr beunruhigt das beim Arzt machen. Das ist sicherer. Und … man kann das nicht gerade sofort nach einer möglichen Ansteckung machen. Das dauert etwas, bis das anzeigen kann …"

"Für zukünftige sexuelle Kontakte empfehle ich weiter den Gebrauch eines Kondoms – und wenn sie einen festen Partner haben auch ein HIV Test für beide Partner."

Sie ist einigermassen beruhigt und geht wieder.

Puh. So gerne ich die Frau weiter beruhigt hätte: ich kann keine hundertprozentige Aussagen machen über Dinge, die zu viele Variablen haben. Es besteht – wenn auch nur eine geringe Möglichkeit einer HIV Infektion: Falls er HIV positiv ist, falls er frisches Sperma an den Fingern hatte oder eine grössere frische Verletzung, falls bei ihr die Vaginalhaut angegriffen war, falls er einen der aggressiveren Virusstämme hat. Aber die Wahrscheinlichkeit dürfte seeehr klein sein. Und sie macht sich jetzt schon dermassen "einen Kopf" – bei zukünftigen "One Night Stands" (für das halte ich die "Romanze" dürfte sie noch vorsichtiger sein.

Falls sie das je wieder macht. Sie schien einfach nicht der Typ dafür …

Mutter – Sohn -Verhältnis

Eine um die 40 jährige Frau bei mir in der Apotheke: "Mein Sohn ist 16 und er hat eine feste Freundin – und jetzt hat er mir gesagt, er ist bereit für Sex."

Meine Reaktion abwartend …

Ich reagiere … sparsam: "Ja – und?"

Frau: "Ich brauche also Kondome … und dann hätte ich da eine Frage …"

Pharmama: "Hmmm?"

Frau: "Er hatte als Kind eine Krankheit und … es ist nicht sicher, aber es könnte seine Penis-funktion beeinträchtigt haben. Gibt es da etwas, das ich ihm geben könnte als Hilfe?"

Pharmama: "Es ist nicht sicher?"

Frau: "Nein."

Pharmama: "Dann .. würde ich vorschlagen Sie warten ab. Solange man das nicht sicher weiss, dass das ein Problem gibt, würde ich auch nichts machen. Wenn / Falls gibt es Mittel, die der Arzt verschreibt und die wir dann versuchen können."

Und in Gedanken: Ihn da unter Druck zu setzen ist da sicher kontraproduktiv. Man muss auch daran denken, dass viele "Potenz-Probleme" psychische Ursachen haben.

Das Anliegen spricht für ein gutes Mutter-Sohn Verhältnis … und obwohl ich das noch nett finde von der Mutter, sich da Gedanken zu machen und so vorzusorgen … irgendwie wäre mir das etwas zuviel des Guten.

Was meint ihr?

%d Bloggern gefällt das: