Patientengeheimnis und Arztbesuch

Die Leute beklagen sich gelegentlich über fehlende Privatsphäre und mangelhaftes Halten des Patientengeheimnisses in der Apotheke. Aber was ich letztens beim Arzt mitbekommen habe war auch toll. Ich musste Blut geben und dann warten, bis der Arzt wieder vom Tee zurückkam (oder so). Das bedeutet ich sitze im Labor neben dem Blutdruckmessgerät.

Gleich daneben die Station der Praxisassistentin. Mit Telefon.

Das Telefon klingelt.

Sie nimmt ab.

Praxisassistentin: „Praxis … am Telefon.“

„Guten Tag Frau Mieschle Sie rufen an wegen ihren Testergebnissen? Moment ….“

(Sie sucht in den Dossiers)

„Ja, ich habe sie hier. Sie haben tatsächlich ...(Zensiert)…kommen Sie doch nächsten Montag um 10 Uhr vorbei, damit sie das auch mit dem Arzt anschauen können.“

Ich bekomme das alles mit und bin wirklich baff.

Name und Diagnose grad mit.

Und das scheint normal gewesen zu sein. Kein Gedanke, dass ich da warte und die Testergebnisse und Diagnose irgendwelcher Personen mitbekomme.

Äh … hallo?

52 Kommentare zu „Patientengeheimnis und Arztbesuch

  1. Das habe ich leider auch schon mehr als einmal so beim Arzt erlebt.

    Auf der anderen Seite, wie sollen die Helferinnen das auch händeln wenn Patienten anrufen um irgendwelche Ergebnisse zu erfahren und an der Anmeldung/im Labor o.ä. befinden sich weitere Patienten. Meist sind ja gar keine freien Räume verfügbar wohin sie ausweichen könnten oder es geht aus zeittechnischen Gründen nicht. So erfährt dann halt Frau Meier und Herr Schmidt ganz nebenbei das Frau Müller das Medikament X einnimmt und noch die Diagnose Y hat.

    Like

    1. Na da gibts doch eine ganz einfache Lösung: einfach den Patienten nicht mit Namen ansprechen, schon ist das Ganze anonymisiert und wenn man sich dann noch kurzfasst und nur das wichtigste nennt und auf alles weitere dann auf das Arztgespräch verweist ist das Patientengeheimnis auch weiterhin gewahrt.

      Like

    2. Es gäbe schon Varianten dem vorzubeugen: Wartezimmer und Anmeldung räumlich zu trennen, zum Beispiel (ist bei unserem Kinderarzt auch so), Den Patienten nicht im Labor warten lassen, wenn dort Daten herausgegeben werden – zurückschicken ins Wartezimmer fände ich auch okay. Und das was Tamani sagt: so wenig Namen nennen, wie möglich vor anderen Leuten.
      Manchmal muss man sich dessen einfach mal bewusst werden.

      Like

  2. Ja, das ist wie der Klassiker bei der Anmeldung beim Arzt – „Ach, hallo Frau XY, was haben Sie denn für ein Problem?“ – und prompt senken sich die Zeitungen und neugierige Gesichter schauen dahinter hervor und erwarten ekelige Details.
    Mir fiel bisher spontan keine faszinierende Beschreibung irgendwelcher abartiger Absonderlichkeiten ein, wie man sie sich dann immer hinterher auf dem heimischen Sofa ausdenkt. Ich bin da jedes Mal wieder baff, wenn mir das in einer Arztpraxis mit Publikumsverkehr passiert.

    Like

  3. Ist nicht ganz einfach, aber handlen im Labor könnte man das m.E. schon. In aller Regel werden ja heute schnurlose Telefone eingesetzt, und man kann sich schon für das Gespräch mal kurz etwas weiter weg bewegen, damit nicht jeder alles mitbekommt. An der Anmeldung ist das schon schwieriger, wenn die MitarbeiterInnen, die die Patienten empfangen auch solche Anfragen bearbeiten. In größeren Praxen kann man das durchaus delegieren und das Gespräch an eine andere Person weitergeben, die nicht unmittelbar am Empfang sitzt. Auf die Patientendaten sollte über die Praxissoftware inzwischen eigentlich an jeden Arbeitsplatz Zugriff herrschen. Das ist *auch* eine Frage der Organisation.

    In einer kleineren mir bekannten Praxis hat man eine „Diskretionslinie“ auf den Boden gemalt und weist mit Schildern darauf hin auch im eigenen Interesse eben diese Diskretion einzuhalten. Das hält zwar nicht unbedingt davon ab, evtl. Telefonate mitzubekommen, schafft aber einen gewissen Schutzraum für die Patienten, die gerade bedient werden, und nicht jeder schaut einem ungeniert über die Schulter und liest etwa Befunde mit, was mir woanders durchaus schon passiert ist.

    Was gar nicht geht, was ich aber leider auch schon erlebt habe, ist, dass Mitarbeiterinnen Fragen zu Befunden oder Ähnlichem quer durch die Praxis brüllen.

    Like

    1. Schnurlose Telefone nach DECT- Standard sind unverschlüsselt, obwohl immer wieder das Gegenteil durch die Hersteller behauptet wird. Und sie senden stark genug, dass man mit einfachsten Mitteln – eine selbst gebaute Antenne, einen Laptop und ein im Netz frei zugänglichen Softwareschnipsel – selbst aus dem Auto auf der Straße alle Gespräche mithören kann. Schnurlose Telefone sind nicht die Lösung.

      (Alte „analoge“ schnurlose Telefone, welche schon seit 2010(?) in Deutschland verboten sind, weil sie die damals neu verhökerten Frequenzbänder für den LTE-Datenverkehr stöhren könnten, waren schwerer abzuhören.)

      Like

      1. Ich denke, es ging hier eher um unfreiwillig aber mehr oder weniger zwangsweise mitgehörte Gespräche als um mit krimineller Energie absichtlich abgehörte Dinge.

        Da gäbe es auch ganz andere Möglichkeiten unberechtigt Patientendaten zu erfahren. Sei es durch ganz normlae Trickserei am Telefon, da werden Dinge an „Angehörige“ preisgegeben, die diese eigentlich auch ohne vorherige Erlaubnis der Betroffenen erfahren dürften, selbst wenn sicher feststünde, dass es sich um echte Angehörige handelte. Oder durch gehackte Praxissoftware, die längst nicht so sicher ist, wie man glauben machen will.

        Ich denke, die absichtlich unberechtigt geklauten Patientendaten kann man hier mal außen vor lassen. Ich wäre schon zufrieden, wenn man die anderen Anwesenden in einer Praxis nicht alle mehr oder weniger zwangsweise an den Krankengeschichten der Mitpatienten beteiligen würde.

        Like

  4. Das scheint bei den Ärzten „normal“ zu sein, bzw bei dem Praxisangestellten. Die sind da irgendwie eisenbereift was Privatsphäre oder Arztgeheimnis angeht.

    Like

  5. Ja, das oben geschriebene zu dem Patientengeheimnis kann ich nur bestätigen. Ich habe auch schon oft an der Anmeldung meine Beschwerden angeben müssen, um beim Arzt in die Sprechstunde zu kommen. Das habe ich mitunter als sehr unangenehm empfunden.

    Like

  6. Das kenne ich so gar nicht. Entweder werde ich zum Arzt durchgestellt, der von seinem Zimmer aus hinter verschlossener Tür telefoniert, oder er ruft mich zurück. Die Angestellten dürfen das zumindest bei meinem Endo gar nicht bekanntgeben, jedenfalls nicht am Telefon.

    Like

    1. So kenne ich das auch nur.
      Die Artzthelferinnen geben bei meinen Ärzten gar keine Informationen über Diagnosen oder Untersuchungsergebnisse.
      Dafür hat mein Hausarzt eine Telefonsprechstunde wo er dann zurückruft um die Ergebnisse mit dem Patienten zu besprechen.

      Like

      1. Er ruft zurück? Finde ich toll. Das letzte Mal musste ich anrufen. Zwischen X.15 und X.30 Uhr – den Punkt habe ich natürlich verpasst (war beschäftigt bei der Arbeit …).

        Like

        1. Jap der hat täglich 1 Stunde um die Mittagszeit, und je nach Bedarf 0,5 bis 1 Stunde nach Feierabend wo er die Rückruflisten des Tages bearbeitet.
          Find ich auch absolut super.
          Kenne aber aus eigener Erfahrung auch keinen anderen Arzt der das macht.

          Like

  7. Neulich beim Neurologen, er geht während ich ihm direkt gegenüber am Schreibtisch sitze (als Patient) ans Telefon. Die Frau XY? Hmmh also wider manisch? Und wie sieht es da mit Betreuer aus? Gibt sie viel Geld aus….
    Ich bekam alle Details mit inklusive der Frage wer jetzt zuständig ist sie in die geschlossenen zu bekommen. Scheint dort normale Praxis zu sein, es ist nicht das erste Telefonat das ich mithöre.

    Like

  8. Auch toll. letztens bei einer Heilpraktikerin zu einem Vortrag. Da wurde genau erzählt um welche Person es sich handelt (die und die, Frau Xy, sie kennen die doch auch?) und die hat das und das gemacht und jetzt geht es ihr so und so – HALLO?

    Ich sage beim Arzt nie der Sprechstundenhilfe was ich habe, da hat mich mal sogar mal eine Ärztin darauf hingewiesen, dass ich das nicht sagen muss, wenn ihre Helferinnen das fragen (die haben das dann in Zukunft auch nicht mehr gefragt). In Deutschland habe ich das Gefühl, dass das mit dem Geheimhalten noch recht ernst genommen wird, in Österreich aber z.B. eher weniger.

    Like

      1. Zumindest sind selbst Heilpraktiker nach dem Gesetz Heilberufler. Da würde ich das entsprechend erwarten.

        Like

  9. So ein Erlebnis hatte ich auch schon. Bei einem Kinderarzt. Sitze mit einem meiner Kinder im Sprechzimmer, Arzt und MFA sind auch im Zimmer. Telefon klingelt, Arzt nimmt das Gespräch an und die MFA stellt auf laut. Wir haben alles mitbekommen. Den KiA haben wir gewechselt. Das Erlebnis war zwar nicht der Ausschlag für den Wechsel, hat aber das Vertrauen in den Arzt auch nicht gerade gefördert.

    Like

  10. das ist doch gar nichts. als ich mir den oberarm brach und zur nachkontrolle ins krankenhaus kam, wurden da immer drei bis fünf personen (kinder, frauen, männer gemischt) gleichzeitig in den besprechungsraum gerufen. da konnte man dann sehr schön nicht nur namen, sondern auch röntgenbilder, anamnesen, diagnosen, behandlung und alles was dazugehört mitanhören und -sehen, teilweise auch am pc mitlesen.

    als ich mich alterierte, hatte ich einen vermerk „widerspricht dem arzt“ in der akte. die anderen patienten, darauf angesprochen, meinten, einem arzt könne man doch nicht widersprechen, und wenn man sich im krankenhaus aufregt dann wird man womöglich schlecht behandelt.

    Like

    1. Also wenn man im Krankenhaus widerspricht, gibt es die Chance auf Beruhigungsmittel… :-D

      Und in so einer Szene hätte ich wohl dolle an mich halten müssen, nicht halblaut vor mich hin zu sinnieren: „Ist das da eigendlich nen Fingerabdruck oder ein Schatten auf der Lunge…?“ *kopfschüttel*

      Like

  11. Hallo,

    ich kenne das von meinem Arzt auch so, wenn man die Ergebnisse der Blutabnahme haben will, wird man – im allgemeinen abends – vom Arzt bzw Ärztin zurückgerufen. Mir wurde auch mal als Grund genannt: Da könnte ja jeder anrufen und nachfragen.

    Ich würde was sagen. Erst der Helferin, wenn das nix nutzt dem Arzt (wenn ich sonst mit dem Arzt zufrieden bin)
    Könnte ja auch sein dass die Helferin gar nicht weiter nachgedacht hat.

    Aber ich habe auch schon anderes erlebt. Auch Arztpraxen mit „Wartezimmer = ein paar STühle neben der Anmeldung“

    LG Annette

    Like

  12. Noch schöner bei einem Frauenarzttermin. Ich ging um Thresen, um mich anzumelden und sagte meinen Namen sowie dass ich einen Termin hätte. Die Arzthelferin wollte mir gleich die Ergebnisse einer Untersuchung durchgeben. Das waren allerdings nicht meine, sondern die der Exfreund meines Onkels. Die trägt halt den gleichen nicht ganz so häufigen Nachnamen wie ich. Dennoch wollte ich nichts über ihre potentielle Schwangerschaft wissen, während die Scheidung von meinem Onkel noch lief… Danach habe ich mich wochenlang gefragt, was ich davon halten soll und ob ich meiner Familie davon erzählen darf usw…. Leider gibt es hier wenig Auswahl an Ärzten, sonst hätte ich den danach bereits gewechselt..

    Like

    1. Oha.
      Aber Du bist kein Arzt oder Apotheker und hast das ja nicht im Rahmen deines Berufes erfahren – demnach fällst Du nicht unter die Schweigepflicht. Den Arzt könntest Du mit dem Wissen allerdings ziemlich reinreiten, wenn die Exfreundin das mitbekommen hätte.

      Like

  13. Beim Frauenarzt ist mir das vor 6 oder 7 Jahren auch passiert. Ich musste direkt an der gut besuchten Anmeldungen Fragen beantworten, u. a. die nach Krankheiten, Allergien, vergangenen Schwangerschaften und auch Abtreibungen….
    Und ja, obwohl man sich da nicht umsieht, weiß man in dem Moment, dass einen jeder anstarrt und neugierig die Antwort erwartet. Fand ich überhaupt nicht in Ordnung.

    Like

  14. doch, pharmama, das gibt es. ich hab das dann noch ein paar mal erlebt.

    bei der physiotherapie war es auch lustig: die räume im erdgeschoss, keine vorhänge, keine jalousien, normale durchsichtige fensterscheiben. fünf meter von den fenstern entfernt: eine baustelle mit vielen bauarbeitern. die sassen dann in der pause erste reihe fussfrei (schön nebeneinander auf einem balken), und schauten zu wie die frauen, oben nur spärlich bekleidet, ihre übungen machten.

    ich fürchte, ich habe mich dann bei ein paar stellen erkundigt, ob man mir das alles erklären könne. zumindest eine zeitlang wurde dann doch anders gearbeitet. ich versteh auch nicht wieso, und erklärt hat es mir immer noch niemand … aber wenn ich wieder einmal lust habe mich zu alterieren, fahre ich hin und schaue nach wie das jetzt dort so ist.

    Like

  15. Mein erster Hausarzt hier in der neuen Stadt war/ ist auch so einer… wenn man reinkam, stand man im einen Teil des Wartezimmers, das nahtlos in die Anmeldung überging, da bekam man dann schonmal alles unfreiwillig mit. Die Patientenakten lagen links auf dem Tresen in der Reihenfolge, wie sie drankamen – quasi zur Selbstbedienung, denn manchmal war auch gerade keine Angestellte dort… hätte man höchstens hoffen können, dass die anderen anwesenden Patienten jemanden abhalten, der sich dort bedient…
    Bei meiner Hausärztin in Konstanz wurde hingegen sehr darauf geachtet, dass die Tür zum Wartezimmer zu ist.
    Sicher kann man es nicht immer vermeiden, dass jemand Dinge mitbekommt, die ihn nichts angehen, aber wenigstens gewisse Vorkehrungen treffen, eben z.B. indem man wie erwähnt keine Namen nennt oder Wartezimmer und Anmeldung räumlich trennt (mit etwas goodwill wäre das auch in dieser Praxis möglich gewesen). Dass bei der Anmeldung gefragt wird, warum jemand kommt, kann ich schon verstehen, die müssen ja eine ungefähre Zeitplanung machen – und da ist es dann schon ein Unterschied, ob jemand einmal abgehorcht werden soll, weil er hartnäckigen Husten hat, eine Impfung braucht oder in einer tiefen depressiven Krise steckt…

    Like

  16. Meine beiden Hausärztinnen haben eine Praxis die total doof geschnitten ist. Außentür führt direkt ins kleine Wartezimmer, das geht türlos in den Flur über, dann kommt die Anmeldung, allerdings auch mit Diskretionslinie. Sie bemühen sich da auch sehr um Diskretion, manchmal ist es aber einfach nicht möglich zu flüstern. So kriegt man durchaus mit, was für Rezepte die Leute abholen und zu wem sie überwiesen werden wollen und warum. Am Telefon bemühen sie sich sehr, keine Daten „offenzulegen“, sagen z.B. nur „Grüß Gott“ und nicht „Guten Tag Frau Meiermüllerschulze“, aber manchmal kriegt man doch ziemlich viel mit. Die haben aber halt auch viele ältere Patienten, wo alles etwas lauter zugeht, auch am Telefon. Warum man einen Termin will wollen die MFA da auch wissen, ich weiß aber hundertprozentig daß davon nichts nach außen dringt. Ich fühle mich dort trotzdem wohl und auch bei schwerwiegenderen Sachen gut und diskret betreut, auch wenn vielleicht mal jemandmitbekommen könnte wie meine aktuellen Schilddrüsenwerte sind (die kriege ich auch telefonisch von den MFA).

    Anders war es beim Hausarzt davor. Da musste ich mal ziemlich lange warten, dann kam die Patientin die vor mir dran war raus und ich rein. Der Arzt „Entschuldigen Sie, hat länger gedauert, aber das war jetzt ein längeres Beratungshespräch, die Frau hatte vor Kurzem einen Herzinfarkt und wir wissen nicht warum, ist das nicht furchtbar, mit erst 32?“ – Äh…………..ja, ist es. Geht micht aber sowas von überhaupt nichts an. Da konnte ich mir dann lebhaft vorstellen wie meine Diagnose mit dem nächsten Patienten besprochen wird. Ich habe den Arzt beim Gehen nochmal deutlichst darauf hingewiesen, daß ich davor ausgehe daß er sich in meinem Fall an die Schweigepflicht hält. Hingegangen bin ich da trotzdem nie wieder, auch wenns praktisch war. War auch insofern „pikant“, weil der bei uns in dem Hotel in dem ich arbeite eine Praxis unterhält und sowohl Gäste als auch Kollegen behandelt, man kennt sich also irgendwie untereinander – wie nah mich die Leute kennen entscheide ich aber dann doch lieber selbst…

    Like

    1. Hmmm. Ziemlich pikant, ja. Irgendwo kann ich ihn noch verstehen, dass ihn das mit der Patientin vorher vielleicht persönlich mitgenommen hat – allerdings ist der nächste Patient wirklich nicht der richtige Partner, das zu besprechen.

      Like

  17. bei meinem hausarzt muss man durch den flur am wartezimmer vorbei in das zimmer zur anmeldung, und durch dieses durch in das behandlungszimmer. jedesmal, wenn ich nur eines meiner dauerrezepte brauche und deshalb auch nicht zum herrn doktor muss, gehen natürlich andere patienten an mir vorbei. und immer, wenn jemand hineingeht, höre ich erst ein „guten tag“, dann ein warten, und dann ein „bevor sie mir was erzählen machen sie bitte die türe zu.“ man hört. auch wenn man sich sehr anstrengt, keinen ton durch.

    und das wartezimmer ist so angelegt, dass man auch beim besten willen nichts von den telefonaten etc. der praxishelferin hören kann.

    so lob ich mir das.

    beim augenarzt ist das komplizierter, aber die helfenden damen weisen jeden einzelnen patienten darauf hin, dass er leise sprechen solle, damit niemand mithören kann. schwerhörige patienten werden freundlich zur seite genommen und in einem extra-verlies verhört. es finden sich also durchaus immer mittel und wege, wenn man denn will.

    aber ich kenne auch einen orthopäden der die patienten reihum halbentblösst sitzen lässt und dann der reihe nach die injektionen verabreicht. argument: sind ja eh nur lauter frauen herinnen, die männer sind ja im nebenzimmer – die tür dazwischen steht allerdings oft länger offen. bin ich dann auch nicht mehr hingegangen, er hielt mich dann für „g’schamig“.

    Like

    1. Es gibt Mittel und Wege, man muss nur erst mal auf das Problem aufmerksam werden. Und Gruppentherapie beim Arzt … das wäre auch für mich nix.

      Like

  18. Mein Hausarzt hat auch einen zum Empfang hin offenen Wartebereich. Am Telefon werden allerdings konsequent keine Namen genannt, immerhin so viel tun sie für die Privatsphäre. Problematischer sind da halt die Anliegen am Empfang, allein schon eine Bitte um die Überweisung zum Psychiater oder das Rezept für diverse Medikamente verraten schon mehr, als einem manchmal lieb sein kann, je nach dem wer gerade im Wartezimmer hockt. Oder die Frage nach den Blutwerten etc… immerhin wird ganz offen eine Lösung des Problems angeboten, wenn man es denn als Problem ansieht: Auf zwei großen Schildern auf der Theke steht, dass es einen Diskretionsbereich gibt um man einfach kurz sagen soll, wenn man dort sein Anliegen besprechen möchte. Nutzt, nach meinen Beobachtungen, zwar keiner, aber dass es die Möglichkeit gibt finde ich gut. Was ich allerdings nicht verstehe, ist, warum bei der Modernisierung der Praxis im letzten Jahr nicht einfach eine Glaswand/Tür zwischen den Wartebereich und den Empfang gezogen wurde. Baulich möglich wäre es durchaus… wahrscheinlich sind die Docs zu faul, dann immer die Tür öffnen zu müssen um ihre Patienten aufzurufen. Das machen die nämlich selbst und unterschreiben in der Zeit kurz die auf dem Tresen liegenden Rezepte… trotzdem blöd.

    Like

    1. Ich habe in manchem Quartal schon mehrere Überweisungen gebraucht und dann einen Zettel über den Tresen gereicht. In Deutschland sind übrigens die Psychiater auch Neurologen, deshalb kann man auch eine Überweisung für die Neurologie verwenden.

      Ich fand es immer praktisch, dass ich die meisten Überweisungen direkt am Empfang bekommen konnte, manche Leute müssen mit ihrem Arzt feilschen, weil der an allem selbst rumbasteln will. Aber jetzt nach Abschaffung der Praxisgebühr geht in Deutschland sowieso Vieles ohne Überweisung.

      Laborwerte kann man sich ausdrucken lassen. Das ist auch unabhängig von der Diskretion sinnvoll, weil beim Ablesen von Zahlen auch mal Fehler passieren können.

      Like

  19. Bei meinem Hausarzt sind zwar Wartezimmer und Anmeldung räumlich getrennt (sind 2 Zimmer), aber gerade wenn ältere Leute anrufen, wird auch am Telefon lauter gesprochen: „Hallo Frau XY, Ihre Werte ……..“ nö intressiert mich eigentlich nicht. Wenn die Tür zum Wartezimmer zu ist, hört man wenig durch, aber zu Beginn steht man ja selber an der Anmeldung und möchte das Rezept, Termin,….da hört man alles mit. Und Gründe, warum man ein Termin möchten, werden gerne wiederholt. Im Untersuchungsraum gibt es so kleine Kabinen, abgetrennnt mit etwas Stoff und da hört man natürlich auch laut und deutlich (der herr ist wohl schwerhörig) durch „oh Herr MaierMüller ihr Blutdruck ist mit 160 irgendwas aber nicht gut!“
    Ich arbeite im Supportbereich eines Unternehmens und da wird in Telefontrainings allerdings auch befürwortet,dass man wichtige Daten des Anrufers wiederholt, um Missverständnissen vorzubeugen. Ich denke das könnte bei Ärzten sicherlich auch ein Grund sein. Und anhand des Grundes, warum man einen Termin möchte, wird ja auch die Zeiteinteilung gemacht, ein ausführliches Therapiegespräch dauert ja länger als z. B. eine Impfung.

    Like

  20. Mein Ex-Hausarzt hatte Empfang und Wartezimmer getrennt und die Tür immer geschlossen. Wenn er sich mit seinen Helferinnen kurz im Flur über Patienten unterhalten hat wurden die Namen abgekürzt: Frau Be-Punkt oder Herr Em-Punkt. Gute Lösung!
    Einmal wurde ein wichtiger Anruf zu ihm durchgestellt, als ich gerade im Sprechzimmer war. Er erklärte dem Anrufer, dass grade eine Patientin neben ihm sitzt und er deshalb keine Namen nennen kann. Da gabs dann nur „Sie“ und „Er“ und „die Pflegerin“ etc.
    Den Anruf an eine Facharztpraxis, an die er mich überweisen wollte, hat er auch direkt vom Schreibtisch aus gemacht. Ich bekam einen Termin direkt für den nächsten Morgen und niemand etwas mit. (Ich bin normalerweise nicht sehr, hmm, besorgt was das angeht. Überweisungen zum Augen-/Haut-/Frauenarzt? Kann meinetwegen jeder wissen. Aber Besuche beim Proktologen wecken dann doch mein Schamgefühl… :()

    Like

  21. am besten sind die praxen, wo man direkt vor dem anmeldetresen seine wartestühle hat – da kriegt ,man noch viel mehr mit … und es ist nicht nur nicht schön (will das alles gar nicht wissen – to much information! – sondern völlig peinlich für die hauptakteure …

    Like

    1. Mh. Da frage ich mich jetzt – wenn ich während einer OP nicht nackt bin, dürfen dann Hinz und Kunz zusehen? Oder warum wird in dem Artikel immer wieder auf die Nacktheit der Patientin hingewiesen? Ich möchte bitte auch in bekleidetem Zustand (sofern man Netzhöschen und OP-Hend als solchen bezeichnen kann) nicht zur Familenuterhaltung des OP-Teams beitragen!
      StudentInnen, PflegeschülerInnen, PraktikantInnen – meinetwegen. Das langt dann aber auch…
      Ich fand es ehrlich gesagt scho erniedrigend genug als ich vor meiner Schilddrüsen-OP nach zwei geübten Handgriffen des OP-Pflegers plötzlich nackig auf dem Tisch lag. Der Mann schien stumm zu sein – mit mir jedenfalls sprach er nicht… Im Nachhinein war das logisch, klar. Das Hemdchen von der Station soll ja nicht in den OP. Ich hätte mich aber wohler gefühlt wenn man mir das gesagt hätte bevor man mir im beduselten Zustand der OP-Prämedikation das einzige „schützende“ Kleidungsstück wegzieht

      Like

      1. Ich finde im Krankenhaus und auch in Arztpraxen gibt man seine Persönlichkeitsrechte, zumindest teilweise am Eingang ab. „Schön“ ist was anderes.

        Like

      2. Ich vermute mal, dass es auch sonst massiv Ärger gegeben hätte (es werden ja auch noch andere Gründe genannt), aber dass die Nacktheit das ganze nochmal verschärft hat.

        Like

  22. Sowas ist mir beim Arzt auch schon passiert. Ich saß beim Lungenspezialisten im Sprechzimmer und schildere dem Arzt meine Beschwerden, da klingelt das Telefon. Er geht ran. Offenbar die Anfrage eines Pflegedienstes. Der Arzt tippt irgendwas an seinem Rechner und gibt Auskunft. Name, Adresse, Alter, Diagnose, persönliche Meinung – ich bekomme das alles live mit. Wenn es eilig ist, hätte ich auch kein Problem damit, mal die fünf Minuten rauszugehen, damit er das besprechen kann. Ich fand es in dieser Form einfach nur krass und hab mir überlegt, ob ich das ansprechen soll.
    Hat sich dann aber erübrigt, er legte auf und hielt mir übergangslos einen Vortrag über die Vorzüge des Nichtrauchens. Eine Viertelstunde lang. Das war ja ganz interessant und ich glaub ihm das auch, bloß hab ich in meinem Leben noch nie geraucht. Das war ganz sicher nicht die Ursache meiner zunehmenden Atembeschwerden. Es kann natürlich sein, dass die Mehrzahl der Patienten, die mit solchen Dingen kommen, starke Raucher sind. Ich aber nicht. Und deshalb habe ich mir dann auch einen anderen Arzt gesucht. Der hat mich vorher ziemlich viel gefragt, untersucht und dann eine Meinung geäußert. Von Nichtrauchen hat er aber nicht gesprochen.

    Like

Was meinst Du dazu? (Wenn Du kommentierst, stimmst Du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..