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Dialoge aus der Apotheke / 10

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Kunde: „Kann ich mir die Schmerztabletten bis Montag ausleihen, und zurückbringen, wen ich sie nicht brauche?“

Sowas macht mich immer ein bisschen sprachlos. Vor allem, wenn dahinter dann noch so etwas kommt wie: Dann kann ich am Montag beim Termin beim SD-Arzt grad dort etwas nehmen / bis dann ist es vielleicht da, ich habe das schon im Internet bestellt / die Apotheke, wo ich sonst gehe hat schon zu (und ähnliches).

Jetzt, hier bin ich gut genug … aber nur bis Montag? (Und: lohnt sich das wirklich für sie bei einem Medikament unter 10 Franken??)

Tageslichtstunden?

Patient: „Da steht drauf alle 12 Stunden 1 Tablette.“

Pharmama: „Das ist richtig, Also 2 pro Tag.“

Patient: „Ein Tag hat aber nur 12 Stunden!“

Pharmama: „Äh, nein. Wir zählen nicht nur die mit Licht.“

(Und jetzt im Winter wäre das noch weniger?)

Er hat’s tatsächlich getan.

Er hat’s wirklich getan. So ganz ist es noch nicht angekommen, dabei war seine Frau gerade hier, unter anderem um uns das mitzuteilen.

„Er“ ist ein Kunde von uns. Oder besser: war. Er hat sich umgebracht. Das war angekündet … das nur für diejenigen, die sagen, dass Leute, die das ankünden ja sowieso nicht durchziehen.

Herr Tempusi (Name wie immer geändert) war Stammkunde bei uns, wir haben uns viele Male unterhalten, weshalb ich neben seiner Medikation noch einiges von seinem Leben mitbekommen habe. Er war um die 60 Jahre … und Auslöser für seinen Selbstmord war nicht eine eigene Krankheit, sondern der Tod seiner (sehr betagten) Mutter, die sein ein und alles war und um die er sich bis zu ihrem Tod vor ein paar Wochen gekümmert hat. Schon vorher hat er bei uns in der Apotheke gelegentlich Ballast abgeladen und unter anderm eben auch diese Aussage gemacht: „Wenn meine Mama nicht mehr lebt, dann will ich auch nicht mehr. Ich glaube, dann bringe ich mich um.“

Er hat es uns gemeldet als sie gestorben ist … und wir haben ihn so gut wir konnten zu trösten versucht, aber er war sehr niedergeschlagen.

Heute nun ist seine Frau hier – die ich ehrlich gesagt noch nicht häufig gesehen habe. Das hat mehrere Gründe. Zum einen die, dass er sich auch um die Medikation seiner Frau gekümmert hat. Die ist einiges jünger und er „hat“ sie von … irgendwo aus dem Ausland. Herr Tempusi war einer jener Schweizer, die irgendwie mit den Frauen in der Schweiz und vielleicht sogar Europa beziehungsmässig nie zurechtkommen und nichts passendes gefunden hat. Deshalb hat er sein Glück bei einer Frau aus dem (ferneren) Ausland gesucht. Wirklich gefunden hat er es allerdings nicht. Die Frau, die zu sich hierher geholt und geheiratet hat, stellte sich als … widerspenstiger und schwieriger heraus, als die durchschnittliche schweizer Frau (behaupte ich jetzt mal). Sie kann inzwischen leidlich deutsch und findet sich eigentlich gut zurecht, auch wenn sie nicht arbeitet. Trotzdem verlangte sie weiter von ihm, dass er alles für sie organisiert. Dabei ging sie ausgesprochen herablassend mit ihm um – das habe ich hier in der Apotheke schon selber gesehen, wenn sie dann mal mitkam, weil er etwas nicht zu ihrer Zufriedenheit regeln konnt. Da konnte er ihr gar nichts recht machen. Faktisch stand sie nur daneben und reklamierte. Auf französisch. Und er durfte das dann für uns übersetzen und für sie reden und alles organisieren etc.

Dazu möchte ich anmerken: Ich kann französisch. Ich rede es nicht sehr gut, aber ich verstehe es. Sie kann deutsch, auch nicht sehr gut, aber eine Verständigung ist so auch ohne Dolmetscher möglich. Auch wenn ich hier sagen muss, dass der „Dolmetscher“ vielleicht deshalb nötig war, die ganzen Schimpfwörter dazwischen herauszufiltern. Nicht nur über unsere „Unfähigkeit“ und „miserablen Service“, sondern auch den abschätzigen Umgangston, den sie allgemein drauf hatte. Vor allem mit ihm. Für sie waren wir nur Dienstpersonal und er … wohl auch. Das Problem damals hatte mit der Übernahme eines Mittels durch die Krankenkasse zu tun. Als „Life-Style-Medikament“ zahlen sie das nicht und man muss das selber übernehmen. Sie war der Meinug, das Problem sei, dass er ihre Position nicht genügend forsch vertrat. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis sie der Pharmaassistentin und mir endlich glaubte … oder besser soweit war, dass sie das selber mit der Krankenkasse ausdiskutieren würde. (Oder eher er.)

Ein paar Mal, als er alleine kam, hat er erzählt, wie sie ihn zu Hause geschlagen hat, weshalb er direkt Angst vor ihr hatte. Dass wir das melden, wollte er aber auch auf keinen Fall. Wenn er vergessen hat Geld zu ihren Verwandten nach Hause zu schicken, dann kam es vor, dass sie als Strafe einige Tage auswärts übernachtete.

Ich hätte auch versucht da rauszukommen – also fortlaufen, nicht der Abgang, den er gemacht hat. Er konnte nicht. Nicht nur, weil sie von ihm finanziell abhängig war (und im Fall einer Trennung ändert das wenig). Wegen seiner Mutter, um die er sich kümmerte. Und als sie weg war … ja😦

Ich denke, es gibt immer einen anderen Weg. Obwohl wir mit ihm geredet haben … es ist uns nicht gelungen, ihm den aufzuzeigen, mehr Hilfe anzubieten (auch professionelle), die er auch hätte annehmen können. Das muss ich jetzt auch erst mal verdauen.

Nun steht die Frau jedenfalls in der Apotheke und ist … dezent unglücklich. Vielleicht ist das nur mein Eindruck, aber vor allem darüber, dass sie jetzt selber für sich sorgen muss. Normalerweise versuche ich Angehörige zu trösten wie ich kann … allein, bei ihr habe ich jetzt wirklich Mühe die Empathie aufzubringen. (Nicht schön, ich weiss, darauf bin ich auch alles andere als stolz).

Sie braucht aber etwas aus der Apotheke– deshalb ist sie hier. Nachdem ich ihr ein Medikament auf einem bereits abgelaufenem Dauer-Rezept wiederholt habe, damit sie Zeit hat ein neues zu besorgen und einen Termin mit dem Arzt zu machen, hält sie mir ein Formular der Versandapotheke „zur Rose“ unter die Nase und fragt mich, ob ich ihr damit helfen könne, sie wisse nicht wie das geht, ihr Mann habe ja immer alles gemacht.

(!)

Da war dann auch fertig mit meiner Hilfsbereitschaft: Wenn sie etwas aus der Apotheke hier braucht, dann helfe ich ihr gerne. Wenn sie das via Versandapotheke beziehen will, dann darf sie gerne auf die angegebene Telefonnummer dort anrufen. Ich bin sicher, die können auch französisch.

Sie geht und ich geh mich setzen und den Schock verdauen.

hicetnunc

 

Dialoge aus der Apotheke / 8

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Apotheke: „Tut mir leid, Ihr Medikament ist zur Zeit nicht lieferbar.“

Patient: „Könnten Sie nicht einfach welches machen?“

Ja wenn es denn so einfach wäre …

Lieferschwierigkeiten gibt es nicht nur in Deutschland. Auch in der Schweiz ist das Problem deutlich zunehmend.

In der Apotheke habe ich auf „meiner“ Liste der Medikamente, die ich gerne hätte und nicht bekomme etwa 40, die meisten davon allerdings ersetzbar durch etwas anderes. Ein Problem ganz anderer Grössenordnung haben die Spitalapotheker, wenn mal wieder ein Antibiotikum / Infusionslösung oder Impfung gebraucht wird von etwas, das in der Schweiz nicht lieferbar ist (oder das es gar nicht gibt: da wird anscheinend noch viel aus dem Ausland importiert).

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat da zwar die Aufgabe zu schauen und veröffentlicht eine Liste, auf der momentan 21 Medikamente stehen – die Liste hat aber nur gerade 60 Medikamente zur Grundlage (die von der WHO als unentbehrlich angesehen werden) – das widerspiegelt nicht die Realität, mit der wir täglich zu tun haben.

Ein Spitalapotheker hat darauf aus Protest die Seite Drugshortage.ch ins Leben gerufen, wo die Apotheker und die Firmen selber die nicht lieferbaren Medikamente eintragen können. Momentan stehen da 312 drauf … das wiederspiegelt die aktuelle Situation besser …

Das übliche … (doch nicht)

Auf dem Rezept vom Spital für eine junge Frau, die mit ihrem winzigen Baby in die Apotheke kommt:

1 OP Ponstan 500mg Tabletten 3×1/Tag

1 OP Dafalgan 1g Tabletten max. 4 x 1/Tag

In der Kombination hier noch häufig so verschrieben für Schmerzen nach der Geburt. Und das obwohl in der Packungsbeilage vom Ponstan steht, das man das in der Stillzeit nicht nehmen sollte … Grund: es wurde nicht getestet. Aber inzwischen hat man länger Erfahrung mit der Anwendung, auch in der Stillzeit und offensichtlich geht das. Ich habe das selber so verschrieben bekommen vor bald 10 Jahren.

Frau: „Könnte ich vom Dafalgan die Brausetabletten haben?“

Das kann ich machen – Kommentar im PC: „galenische Form dem Patientenbedürfnis angepasst:“

Aber beim Ponstan …

Frau: „Oh, ich kann keine Tabletten schlucken – gibt es da nicht auch Brausetabletten, wie beim Dafalgan?“

Offenbar kennt sie das schon. Ich frage mich bei so was allerdings immer: Wieso konnte man das nicht schon dem Arzt sagen, damit der das auch aufschreibt???

Pharmama: „Nein, aber es gibt Zäpfchen oder den Kindersirup.“

Frau: „Oh, nein. Was ist mit Brufen Brausepulver, könnten Sie nicht das nehmen?“

Pharmama: „Das wäre eine Möglichkeit, auch in der Stillzeit, aber … das ist nicht derselbe Wirkstoff, da müsste ich erst …“ (im Spital nachfragen, Toll.)

Frau: „Das ist lustig. Der Arzt, der das Ponstan aufgeschrieben hat, den habe ich wegen dem gefragt, der meinte das sei derselbe Wirkstoff.“

Ich schaue sie an, sie schaut mich an …. Sie hat tatsächlich gefragt. Und der Arzt verschreibt trotzdem dasselbe wie immer.

Pharmama: „Neeeeiiinn…“

(Das eine ist Mefenaminsäure, das andere Ibuprofen)

Frau: „Ja, das dachte ich auch, aber: was will ich den Arzt korrigieren.“

Nee, das mache ich jetzt.

Dialoge aus der Apotheke / 7

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Ab morgen wieder. Weshalb bezahlt die Krankenkasse nicht alles?

Apotheke: „Hier sind die 5 Medikamente, die der Arzt Ihnen verschrieben hat. Eines davon übernimmt die Krankenkasse nicht. Das mach 5.50.“

Patient: „5 Franken? Ich habe ein Rezept, das sollte gratis sein!“

Das beruht auf verschiedenen (verbreiteten) Missverständnissen rund um das Gesundheitssystem. Eine Krankenkasse ist eine Versicherung: im Prinzip ist sie dafür da einzuspringen, wenn man krank ist und Behandlung braucht, damit man deswegen nicht in finanzielle Schieflage gerät. Aus … praktikablen Gründen können wir Apotheken Medikamente direkt mit der Krankenkasse abrechnen, aber alles bezahlen sie nicht. Auch nicht, wenn es auf dem Rezept steht. Man sollte das Rezept als „Behandlungs-empfehlungsschreiben“ des Arztes ansehen – und nicht als „Gutschein um Medikamente gratis zu erhalten“.

Polypharmazie: Manchmal ist weniger mehr

Polypharmazie nennt man es, wenn ein Patient eine Vielzahl von Medikamenten gleichzeitig einnehmen muss.
Das tritt v.a bei älteren Patienten auf, die Blutdruckmedikamente nehmen müssen (manchmal mehrere), dann etwas gegen Altersdiabetes, Cholesterinsenker, wahrscheinlich noch ein Schmerzmittel gegen Arthritis oder Rheuma, Blutverdünner … ab 5 Medikamenten wird es extrem unübersichtlich und ein echtes Problem was die Wechselwirkungen und Nebenwirkungen angeht.

Noch schwieriger wird es, wenn der Patient zu verschiedenen Ärzten geht – und noch nebenbei selbst gekaufte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel einnimmt.

Ganz toll sind auch Austritte aus dem Krankenhaus – es wurde einmal statistisch angeschaut, wie viele Medikamente dann jemand nehmen muss: das sind über 8 pro Person.

Ich würde sagen, da sind Probleme praktisch vorprogrammiert.

Es hilft, wenn der Patient eine Stammapotheke hat, die im Computerdossier seine ganzen Medikamente gespeichert hat, so kann man auch bei einem neuen Arzt oder neuen Medikamenten schauen, ob sie sich gegenseitig vertragen.

Dennoch ist es so, dass es von Zeit zu Zeit Sinn machen kann, beim Hausarzt (oder Allgemeinmediziner), seine ganzen Medikamente durchzuschauen, ob man da nicht auch etwas weniger nehmen kann.
Ohne dem Arzt in das Behandlungsschema reden zu wollen, hier ein paar Fragen, die man stellen kann:

  • Braucht es wirklich 3 Blutdruckmedikamente?
  • Ist der Magenschutz, der seit Jahren verschrieben wird wirklich immer noch nötig?
  • Der Cholesterinsenker, den man seit langem nimmt: wie sind die Cholesterinwerte jetzt? Wie ist das Verhältnis LDL zu HDL? (schlechtes zu gutes Cholesterin: bei einem hohen HDL kann man ev. trotz leicht erhöhtem LDL auf den Cholesterinsenker verzichten).

Ev. Lässt sich auch mit Diät etwas bewirken: heute gibt es Speziallebensmittel, die helfen können den Cholesterinwert zu senken.

Mit regelmässiger Bewegung und eventuell einer Senkung des Körpergewichtes kann man durchaus aktiv etwas dazu beitragen, dass man dann weniger Medikamente nehmen muss. Nicht nur vorbeugend. Wenn sie aufhören mit einem oder beidem – dann helfen auch die ganzen Medikamente nicht ewig.

Manchmal ist weniger mehr. Sei mutig und frag deinen Arzt, was möglich ist. Setze aber nicht von dir aus einfach die Medikamente ab! Das kann ausgesprochen unangenehme und schädliche Effekte haben.

Wenn Du unsicher bist, kann die Apotheke helfen, indem sie einen sogenannten Polymedikationscheck mit dir durchführt (gilt für die Schweiz). Dabei wird angeschaut was für Medikamente und wie sie genommen werden – und auch so Sachen wie oben können diskutiert werden. Das macht nur der Apotheker und der Aufwand kann der Krankenkasse verrechnet werden.

Also: Ist es an der Zeit die Medikamentenliste einmal durchzugehen? Wie wäre es mit jetzt?

Das habe ich nicht gesagt.

Wenn Sie mir eine Frage stellen, aber Ihnen meine Antwort nicht gefällt und Sie einfach weiter auf mich einreden, als ob ich dann irgendwann einfach auf einmal das sagen würde, was Sie hören wollen …

Passiert viel zu häufig.

Und irgendwie immer im Zusammenhang mit Alkohol.

Nein. Wenn ich Ihnen sage, dass Sie das Schlafmittel nicht zusammen mit Alkohol nehmen sollen, dann ist das so. Auch nicht, wenn Sie dann anfangen das umzuformulieren: „Sie sagen also, das geht, auch wenn ich vorher nur etwas getrunken habe?“

Nein! Das sage ich nicht.

Demenz und Gedächtnisprobleme in der Apotheke (Sampler)

Im Alter leider immer häufiger auftretend: Gedächtnisprobleme und Demenz. Tatsächlich hat einer unserer Dozenten einmal gemeint, dass wir eine annähernd 50% „Chance“ hätten im Alter eine Demenzerkrankung zu bekommen. Alzheimer ist nur eine davon. Allen gemeinsam ist ein Verlust der Verstandesfähigkeit, Verschlechterung des Gedächtnisses … und damit zunehmend Probleme im Alltag selbständig zurechtzukommen.

Das sind beunruhigende Aussichten … und wegen der Häufigkeit, mit der das auftritt, haben wir in der Apotheke häufig einen (unschönen) Logenplatz, bei dem wir mitbekommen, wie es bei manchen Patienten und Kunden abwärts geht und wie andere damit zu kämpfen haben.

Die betroffenen Personen selber reagieren sehr unterschiedlich auf diese Entwicklung. Es kann sein, dass das fast unbemerkt von der betroffenen Person fortschreitet, aber wenn man beginnt, das zu bemerken reagieren die Leute (laut eigener Erfahrung) häufig erst mal damit, die „Schuld“ dafür bei der Umgebung zu suchen, weil etwas nicht mehr so ist / oder so geht wie bisher. Während andere durchgehend freundlich bleiben  – selbst bei zunehmender Verwirrung, machen einige Persönlichkeitsveränderungen durch und werde aggressiv gegenüber Umgebung und teils eigenem Partner.

Hier auf dem Blog habe ich schon über so Begegnungen geschrieben. Einmal querbeet:

Es gäbe ja Mittel für das Gedächtnis

Rätselaufgabe in der Apotheke

Geduldsprobe mit Beruhigungsmitteln

Weshalb haben Sie mir das verkauft? – Oder: Das habe ich ja schon zu Hause, das sollten Sie doch wissen!

Aber auch wenn man die Übersicht hat, was bezogen wird, heisst das nicht, dass da nichts falsch zu machen ist.

Schleichend fängt es an. Irgendwann aber wird es für die Umgebung deutlich.

Es geht hier nicht ums Recht-haben. Aber jetzt mache ich mir etwas Sorgen.

Unbeabsichtigte Überdosierung: kann auch dadurch passieren, wenn man vergisst, dass man es schon genommen hat.

Verantwortungsabgabe, nicht ganz freiwillig –Dosette sind eine Möglichkeit der Unterstützung aus der Apotheke.

Habe ich auch alles? Ja. Habe ich wirklich alles. Ja?

Nicht mehr so nett – und alles neue Leute?

Im diesem Fall war die Demenz zumindest teils aktiv selbergemacht: Alkoholismus. Das macht es nicht einfacher, hier Hausverbot zu erteilen.

Was tun? Wenn es jemanden Bekannten trifft.

Das Leben ist manchmal wirklich unfair.

und (am Rande passend): Intelligente Werbung

Dialoge aus der Apotheke / 2

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Weil sich ja nie etwas ändert:

Patient: „Warum brauchen Sie meine Krankenkassenkarte, die habe ich Ihnen schon einmal gezeigt!“

PA: „Das stimmt! … vor etwa 3 Jahren!“

… (reicht die neue Karte)

PA: „Ah, ich sehe Sie haben die Kasse gewechselt.“

von Arbeit und Familie

Es ist Samstag abend, 20 Minuten vor 6 Uhr und in die Apotheke kommt ein junger Mann (JuMa), die Hand am iphone und die Kopfhörer fest in den Ohren gestöpselt.

Er reicht mir ein Rezept. 3 Medikamente sind drauf: Schmerzmittel, Antiepileptikum, Beruhigungsmittel. Es ist ein Dauerrezept über 3 Monate. Ich hole die Sachen (wir haben alles da), gebe den Namen des Patienten im Computer ein, wobei ich feststelle, dass das vor mir nicht der Patient ist – der ist älter laut dem Geburtsdatum. Der Patient war aber tatsächlich schon bei uns … das vorvorletzte Mal wegen einem Unfall vor etwa 3 Jahren und die letzten beiden Male hat er die Rezepte bezahlt. Einen Kommentar habe ich auch schon drin … das letzte Mal war er recht unwillig, die Medikamente auch zu nehmen – das fand ich aber noch wichtig, denn Antiepileptika nimmt man nicht zum Vergnügen, sondern wenn es nötig ist, weshalb ich das mit ihm diskutiert – und anschliessend festgehalten habe.

Jedenfalls: Er hat keine Krankenkasse angegeben … und ob das noch die Unfallkasse übernimmt ist alles andere als klar. Deshalb fuchtle ich vor dem Teenager, bis der auf mich aufmerksam wird und sich ausstöpselt.

„Haben Sie mir die aktuelle Krankenkassenkarte dabei?“

JuMa: „Nein, weshalb?“

Pharmama: „Weil ich die brauche, wenn ich das der Krankenkasse verrechnen soll, ansonsten müssen sie es bezahlen.“

JuMa: „Oh, ich soll das nur bringen.“

Pharmama: „Ja, und das können Sie auch – mit Karte oder nachdem es bezahlt wurde.“

Mann: „Ich gehe die Karte holen. Wir wohnen ganz in der Nähe.“

Das stimmt – die Adresse ist nur einen halben Block weiter.

Pharmama: „Beeilen Sie sich, wir schliessen um 6 Uhr – jetzt ist viertel vor.“

JuMa: „Das schaffe ich.“
– Und weg ist er.

Um Zeit zu sparen gebe ich die Medikamente ein, schreibe sie an und lege alles parat.

Inzwischen macht Urs (mit dem ich Abendschicht habe) die Apotheke schliessfertig. Die andere Kasse nach hinten, die Computer runterfahren, Schütten und Aufsteller reinräumen …

Alles, nur meinen Computer und Kasse nicht – die lasse ich drin in Erwartung des Jungen Mannes.

6 Uhr und ich sage Urs, dass er gehen kann – ich warte noch 10 Minuten, dann gehe ich auch, wenn er bis dann nicht hier ist.

Er kommt nicht mehr. Ich hoffe einfach, dass das war, weil er noch Medikamente zu Hause hatte und nicht, weil er es aus irgendeinem Grund nicht mehr geschafft hat.

Als ich endlich die Apotheke verlasse –  habe ich auch genug für heute, nur dass noch nicht ganz fertig ist. Es ist das Ende meiner 10-Stunden-Schicht, in der ich gerade mal eine Mittagspause von 30 Minuten hatte. Die Pause (wie üblich in der Apotheke), unterbrochen von einigen Rezepten, die angeschaut werden mussten. Den ganzen Tag hochkonzentriert arbeiten ist anstrengend genug … und dann hatte ich heute einige Telefonanrufen aus privaten Gründen, was sehr ungewöhnlich ist. Eigentlich war ja alles organisiert. Junior wurde am Morgen von meinem Kuschelbär zum Sport gebracht, dort wurde er eine Stunde später von Oma und Opa abgeholt. Die haben ihn nach dem Mittagessen zum Geburtstagsfest eines Freundes gebracht, wo ihn dann Kuschelbär wieder abholen sollte, wenn er fertig gearbeitet hat.

Das ist eines der Probleme, die man als im Gesundheitssystem arbeitender hat: erstens Samstagsarbeit (gut, das hat mein Mann als Selbständiger auch) und zweitens habe ich auch unter der Woche keine Möglichkeit den Junior vor Arbeitsanfang zum Beispiel ins Tagesheim zu bringen, da die zu spät dafür anfangen. Oder abzuholen, da sie dafür zu früh zumachen. Eines von beiden geht, wenn ich nicht den ganzen Tag arbeite, aber beides ist unmöglich. Wenn er Schule hat, müsste ich ihn auch einiges vorher aus dem Haus schicken, da ich früher anfange zu arbeiten, als er zur Schule muss. Und Samstags hat hier kein Tagesheim offen. Zum Glück habe ich Kuschelbär und liebe Verwandte die helfen.

Heute kam noch dazu, dass ich um 4 Uhr von meinem Kuschelbär einen kurzen aber leicht verzweifelten Anruf bekomme: sein Geschäft wird gerade überschwemmt. Er ist dabei zu retten, was er kann, aber so kommt er natürlich nicht dazu Junior abzuholen. Also organisiere ich neben dem Arbeiten auch noch dass Junior etwas länger beim Geburtstagskind bleiben kann und fahre jetzt nach der Arbeit dort vorbei, um ihn mitzunehmen.

Dabei bekomme ich eine Whatsapp von Urs: Anscheinend hat er den Kunden noch gesehen, wie er gemütlich im Quartier herumlief …

Man weiss ja nie, was hintendran noch alles läuft. Aber: das gilt für beide Seiten.

„R“-Verletzung

Eine Frau und ihre Tochter kommen um Rezepte einzulösen gemeinsam in die Apotheke und geben die Rezepte der Pharmassistentin, die sie ausführt.

Unglücklicherweise haben beide denselben Namen. Und auf dem Rezept der Tochter war kein Geburtsdatum eingegeben.

So werden beide Rezepte unter dem Namen der Mutter eingegeben.

Beim Anschauen der Rezepte vor der Abgabe bemerke ich das aber – vor allem, weil ich weiss, dass es da zwei mit demselben Namen gibt … und weil eines der Medikamente eher ungewöhnlich wäre, auch da ausgestellt von einem Kinderarzt.

Also bitte ich die Pharmassistentin das rasch zu ändern und die Mutter zu informieren, damit sie weiss, dass es noch etwas dauert, weil wir das korrigieren müssen.

Mutter: „Weshalb? Haben Sie mir das falsche Medikament herausgesucht?“

Pharmaassistentin: „Nein, die Medikamente sind richtig, aber ich muss sie noch neu unter der richtigen Person eingeben im Computerdossier.“

Verstand sie überhaupt nicht.

Mutter: „Das sind nur 2 Rezepte, weshalb dauert das so lange?“

Ach – das sind nur die blöden Vorschriften, dass alles korrekt sein muss und auch korrekt festgehalten werden muss, die Krankenkassen zahlen auch nicht so gerne, wenn etwas nicht für ihren Kunden ist … und das ist auch so ein Fall: je länger man diskutiert, desto länger dauert das.

Der Titel bezieht sich auf die „5-R Regel“. Die fünf Rs sind:

  1. Richtiger Patient
  2. Richtiges Arzneimittel
  3. Richtige Dosierung (oder Konzentration)
  4. Richtige Applikation (auch Applikationsart)
  5. Richtige Zeit (richtiger Zeitpunkt)

Richtig inhalieren

Auf dem Rezept per Fax steht ein Pari Inhalationsgerät. Das sind diese Ultraschallvernebler – früher waren die sehr beliebt, heute brauche ich weniger, aber wir haben noch.

Dar Patient ist leider in sehr schlechtem Zustand und kann das Haus nicht verlassen, seine Frau ist nicht viel besser dran, also bringt man ihm das Gerät und die Medikation dazu (Dospir Ampullen) noch am Morgen vorbei und erklärt die Anwendung gleich vor Ort.

Am selben Abend bekommen wir ein Telefon: „Das Gerät muss kaputt sein, wir kommen damit nicht zurecht, kann nicht nochmals jemand vorbeikommen das erklären?“

Leider kann ich das heute nicht mehr. Ich versuche herauszufinden an was es liegt.

Pharmama: „Was macht es? Läuft es?“

Mann: „Ja, es pumpt und es dampft – aber das hört ja gar nicht auf. Wie lange muss ich das machen?“

Pharmama: „Nun, was nehmen Sie zur Inhalation?“

Mann: „Nur die Dospir Ampullen. Das sind zweieinhalb milliliter.“

Pharmama: „Das sollte nicht so lange gehen … vielleicht maximal 15 Minuten bis alles verdampft und inhaliert wurde? Ich würde aber mindestens 10 Minuten inhalieren.“

Mann: „Sooo lange? Äh – ich schicke morgen noch meine Frau vorbei, dann können Sie das mit ihr zusammen anschauen.“

Hmmm. Seltsam.

Die Frau kommt am nächsten Tag nur mit dem Verbrauchsmaterial – Schlauch und Vernebler – in die Apotheke. Den eigentlichen Apparat hat sie zuhause gelassen … aber der funktioniert ja angeblich.

Ich erkläre also noch einmal, wie man den Vernebler öffnet, die Lösung einfüllt … (Dabei kommt mir ein Teil der Lösung, die noch drin ist entgegen, also hat er wirklich nicht fertig inhaliert) … dass man das nach dem inhalieren waschen soll mit Wasser und etwas Seife.

Frau: „Und wie geht das inhalieren?“

Also zeige ich ihr, dass man das Mundstück in den Mund nimmt und dann dadurch ein- und ausatmet. Aus Hygienegründen nehme ich es nicht in den Mund, aber ich tu so als ob.

Pharmama: „Wenn er nicht dadurch ausatmen will, kann er das auch daneben machen.“

Frau: „Und dann schlucken.“

Pharmama: „Schlucken? Nein, Sie atmen das ein – das ist eine Inhalation, das muss in die Lunge.“

Frau: „Ah!“

Ah. Das war das Problem. Offenbar hat er das in den Mund genommen und dann geschluckt. Mit entsprechend viel Luft … kein Wunder wollte er das nicht 10 Minuten lang machen.

Sollte ich fragen, ob er noch etwas gegen Bläungen will?🙂

Ich hab’s ihr dann so erklärt: „Das ist wie rauchen. Tief einziehen, einen Moment warten und dann ausatmen, und das dann machen, bis nichts mehr im Vernebler drin ist.“

Ich hoffe, das ist jetzt klar.

Kontakt(linsen)-Probleme in der Apotheke

Ich habe ja eine Brille, gelegentlich trage ich auch Kontaktlinsen, allerdings hauptsächlich in den Ferien, wo die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist und ich sie auch nicht mindestens 8 Stunden drin haben „muss“, was ich als ziemliche Qual empfinde, da sie meine Augen sehr austrocknen. Diese Ferien habe ich es wieder mal versucht – hauptsächlich weil ich im Pool und Meer nicht gut die Brille anhaben kann – und auch diesmal musste ich sie nach kurzer Zeit wieder abziehen. Was … mir bei der einen mehr Probleme bereitete, als gewohnt. Die eine wollte einfach nicht. Immer wieder „flutschte“ sie in Form und aufs Auge zurück. Ziemlich nervig, vor allem wenn man bedenkt, dass sie erst nicht rein wollte und das schon ein paar Versuche gebraucht hat.

Aber … ich habe sie rausbekommen. Und mich dabei an die Frau erinnert, die ich vor den Ferien in der Apotheke hatte. Wie konnte ich die Begegnung vergessen?

Eine Frau, Mitte 20 mit patsch-rotem Auge, in dem so ziemlich jedes Äderchen sichtbar ist kommt in die Apotheke.

Frau: „Könnten Sie mal schauen ob meine Kontaktlinse noch drin ist? Ich weiss es nicht.“

Der Lehrling zieht mich bei – ich werfe ein Blick auf das rote Auge und beschliesse, dass das einiges über das herausgeht, was man noch mit unseren Mitteln behandeln kann. Ich schaue auch genau in ihr Auge, aber ich sehe ausser rot gar nichts.

Pharmama: „Tut mir leid, ich kann nicht sehen, ob da noch eine Kontaktlinse drin ist oder nicht, aber mit der Entzündung würde ich das jemandem zeigen, der mit professionellen Mitteln ins Auge schauen kann.“

Frau: „Was das sehen sie nicht? Das kann man sehen, wenn man genau hinsieht. Im anderen Auge habe ich eine Linse drin, die sehen Sie ja auch!“

Pharmama: „Ja, die sehe ich – im anderen Auge sehe ich nichts, das ist wahrscheinlich zu rot. Wissen Sie denn nicht selber, ob da eine drin ist oder nicht?“

Frau: „Nein. Am Anfang dachte ich nicht, aber nach einer Weile hatte ich das Gefühl als ob, wenn man blinzelt und so tut das fast weh … können sie das nicht sehen?“

Pharmama: „Nein, wie gesagt. Ich würde damit auch zum Arzt gehen. Jetzt. Die Linse kann auch nicht mehr vorne sein, die kann sich verschoben haben unter die Augenlider. Und wie gesagt, das rot sieht gar nicht gut aus. Gehen sie zum Arzt das zeigen.

Frau:„Ach, das ist nur rot, weil ich darin herumgegusselt habe um die Linse eventuell zu finden. Könnten Sie mir nicht versuchen das rauszunehmen?“

Pharmama: „Ich sehe sie nicht. Ich werde ihnen sicher nicht auch noch ins Auge fassen, vor allem wenn ich nichts sehe. Ausserdem sieht das auch nach einer grösseren Entzündung aus.“

Frau: „Sie sind auch gar keine Hilfe. Haben Sie mir dann vielleicht ein paar lindernde Tropfen?“

Sie ist wirklich der Typ, wo man besser nichts gibt, weil sie ansonsten nicht zum Arzt geht. Also …

Pharmama: „Wenn Sie dafür ein Rezept vom Arzt bringen.“

Frau: „Aber ich bin zu ihnen gekommen, weil ich nicht zum Arzt will.“

Pharmama: „Und ich sage ihnen, es ist nötig, dass sie gehen. Gleich.“

Ich weiss nicht, ob sie dann gegangen ist. Ich hoffe es. Es gibt beim Auge Infektionen, die sehr schnell verlaufen können und bei denen man tatsächlich blind werden kann, wenn man nichts macht.

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