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Kontakt(linsen)-Probleme in der Apotheke

Ich habe ja eine Brille, gelegentlich trage ich auch Kontaktlinsen, allerdings hauptsächlich in den Ferien, wo die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist und ich sie auch nicht mindestens 8 Stunden drin haben „muss“, was ich als ziemliche Qual empfinde, da sie meine Augen sehr austrocknen. Diese Ferien habe ich es wieder mal versucht – hauptsächlich weil ich im Pool und Meer nicht gut die Brille anhaben kann – und auch diesmal musste ich sie nach kurzer Zeit wieder abziehen. Was … mir bei der einen mehr Probleme bereitete, als gewohnt. Die eine wollte einfach nicht. Immer wieder „flutschte“ sie in Form und aufs Auge zurück. Ziemlich nervig, vor allem wenn man bedenkt, dass sie erst nicht rein wollte und das schon ein paar Versuche gebraucht hat.

Aber … ich habe sie rausbekommen. Und mich dabei an die Frau erinnert, die ich vor den Ferien in der Apotheke hatte. Wie konnte ich die Begegnung vergessen?

Eine Frau, Mitte 20 mit patsch-rotem Auge, in dem so ziemlich jedes Äderchen sichtbar ist kommt in die Apotheke.

Frau: „Könnten Sie mal schauen ob meine Kontaktlinse noch drin ist? Ich weiss es nicht.“

Der Lehrling zieht mich bei – ich werfe ein Blick auf das rote Auge und beschliesse, dass das einiges über das herausgeht, was man noch mit unseren Mitteln behandeln kann. Ich schaue auch genau in ihr Auge, aber ich sehe ausser rot gar nichts.

Pharmama: „Tut mir leid, ich kann nicht sehen, ob da noch eine Kontaktlinse drin ist oder nicht, aber mit der Entzündung würde ich das jemandem zeigen, der mit professionellen Mitteln ins Auge schauen kann.“

Frau: „Was das sehen sie nicht? Das kann man sehen, wenn man genau hinsieht. Im anderen Auge habe ich eine Linse drin, die sehen Sie ja auch!“

Pharmama: „Ja, die sehe ich – im anderen Auge sehe ich nichts, das ist wahrscheinlich zu rot. Wissen Sie denn nicht selber, ob da eine drin ist oder nicht?“

Frau: „Nein. Am Anfang dachte ich nicht, aber nach einer Weile hatte ich das Gefühl als ob, wenn man blinzelt und so tut das fast weh … können sie das nicht sehen?“

Pharmama: „Nein, wie gesagt. Ich würde damit auch zum Arzt gehen. Jetzt. Die Linse kann auch nicht mehr vorne sein, die kann sich verschoben haben unter die Augenlider. Und wie gesagt, das rot sieht gar nicht gut aus. Gehen sie zum Arzt das zeigen.

Frau:„Ach, das ist nur rot, weil ich darin herumgegusselt habe um die Linse eventuell zu finden. Könnten Sie mir nicht versuchen das rauszunehmen?“

Pharmama: „Ich sehe sie nicht. Ich werde ihnen sicher nicht auch noch ins Auge fassen, vor allem wenn ich nichts sehe. Ausserdem sieht das auch nach einer grösseren Entzündung aus.“

Frau: „Sie sind auch gar keine Hilfe. Haben Sie mir dann vielleicht ein paar lindernde Tropfen?“

Sie ist wirklich der Typ, wo man besser nichts gibt, weil sie ansonsten nicht zum Arzt geht. Also …

Pharmama: „Wenn Sie dafür ein Rezept vom Arzt bringen.“

Frau: „Aber ich bin zu ihnen gekommen, weil ich nicht zum Arzt will.“

Pharmama: „Und ich sage ihnen, es ist nötig, dass sie gehen. Gleich.“

Ich weiss nicht, ob sie dann gegangen ist. Ich hoffe es. Es gibt beim Auge Infektionen, die sehr schnell verlaufen können und bei denen man tatsächlich blind werden kann, wenn man nichts macht.

Genau das, was ich im Spital hatte!

Die etwas schwierige Patientin (Frau Chatterer: multimorbid, allergisch gegen fast alles, viele Medikamente) kommt aus dem Spital zurück mit einem Rezept für ihre offenen Hautstellen. Sie ist ziemlich übergewichtig und hat häufiger Hautprobleme, vor allem in den Hautfalten, wo sich im Sommer die Wärme staut und wenn man schwitzt, sich oft entzündet. Wegen dem ist sie nicht im Spital gewesen, aber das haben sie da mitbehandelt. Offenbar gut.

Auf dem Rezept steht eigentlich nur: Vliesstoffkompresse, 20×20 cm

Einfach genug, sollte man denken. Aber …

Frau Chatterer: „Es muss aber genau das sein, was drauf steht. Das, was ich dort hatte.“

Pharmama: „Diese Grösse sehe ich nicht. Das Grösste, was ich bestellen kann sind 10x20cm“

Frau Chatterer: „Dann nehmen sie die, ich hätte die anderen sowieso zusammengelegt. Aber es müssen ganz weiche sein!“

Pharmama: „Das sind die Vliesstoffkompressen: weich.“

Wir bestellen ihr die auf den nächsten Tag und bringen sie – denn sie ist nicht sehr gut zu Fuss und geht nicht gerne aus der Wohnung.

Am mittag kommt das Telefon von Frau Chatterer: „Das sind nicht die richtigen Kompressen!“

Pharmama: „Das sind Vliesstoffkompressen – wie der Arzt das verschrieben hat.“

Frau Chatterer: „Ja, aber das sind nicht die, die ich im Spital gehabt habe – die waren besser. Und grösser. Es muss genau die sein, die sie im Spital benutzt haben. Könnten sie nicht anrufen und fragen, was die dort nehmen?“

Ich versuche es. Wer meinen Blog liest, weiss, wie ungern ich mit dem Spital telefoniere.

Nach einigem Weiterverbinden lande ich auf der Station, auf der sie war. Ich bitte darum, in den Unterlagen nachzusehen, was das gewesen ist, aber bekomme nur die Auskunft, dass sie das Pflegematerial da nicht einzeln auflisten und sie mir das deshalb nicht sagen können. Nein, nicht mal, was sie so „allgemein“ verwenden.

Ich rufe der Patientin an, die mit der Auskunft … nicht so zufrieden ist.

Frau Chatterer: „Dann fragen sie doch den Arzt, den ich am Schluss hatte. Der hat das auch verwendet. Ich weiss noch, dass er sie immer von oberhalb des Lavabos genommen hat, da muss er dann nur rasch nachschauen, was das war.“

Sie gibt mir den Namen des Arztes und ich versuche es noch einmal.

Ich bekomme ihn tatsächlich ans Telefon und frage.

Fängt er tatsächlich an etwas herumzudrucksen.

„Ja, die Kompressen, die wir für zwischen die Hautfalten gebraucht haben … die habe ich von dem Schränkchen in der Toilette. Das sind so Tücher, die … ah … eigentlich zum reinigen des Lavabos verwendet werden …“

Pharmama: „….“

„Das ist ah – Reinigungsmaterial?“

Arzt: „Ja. Das kann man nicht verschreiben, deshalb habe ich die Vliesstoffkompressen aufgeschrieben.“

Pharmama: „Oookay. Danke für die Auskunft.“

Die gebe ich weiter – etwas entschärft. Und dass wir das nicht bestellen können, weil „Spezialmaterial“ fürs Spital.

Frau Chatterer: „Dann nehme ich halt weiterhin Papiertaschentücher wie vorher. Das geht auch.“

Na dann …

F…X…irgendwas

Der Patient kommt mit einem neuen Rezept für ein Antidepressivum, das er schon hatte, plus ein Rezept für Fluoxetin. Ich erwartete also eine Unterhaltung mit ihm über sein neues Antidepressivum … was ich nicht erwartete, war den Patienten dies fragen zu hören:

„Ist mein neues Antihistamin gut wirksam?“

– und er hat keine Ahnung über eine Änderung in seiner Antidepressiva Therapie.

Nach einem längeren Telefon mit dem Arzt haben wir das aussortiert: er sollte das als neues Mittel nehmen und bekam noch ein neues Rezept für seine Allergie zugeschickt.

Das war übrigens Fexofenadin als Wirkstoff … ziemlich ähnlicher Name. Zufall?

Für mich zeigt auch das wieder, dass es gut ist, Patienten bei neuen Medikamenten zu fragen, ob sie wissen, was das ist und wie einnehmen.

Wenigstens ehrlich …

Mann in der Apotheke mit einer Frage an den „Chef“. Ihn habe ich schon ein, zwei Mal gesehen, weil er Fragen hatte zu Medikamenten, er hat auch etwas gekauft, aber mit Rezept habe ich ihn noch nicht gehabt.

Mann: „Ich hätte da eine Frage … sie rechnen ja auch mit der Krankenkasse ab?“
Pharmama: „Ja?“
Mann: „Ich habe da eine Krankenkasse wo ich eigentlich in der Apotheke bezahlen muss und das einschicken. Aber bei der Kreuz-Apotheke habe ich eine Abmachung, dass sie das direkt mit der Krankenkasse abrechnen.“
Pharmama: „Eine Forderungsabtretung.“
Mann: „Ja genau. Machen Sie das auch?“
Pharmama: „Hmmm. Eigentlich nur bei langjährigen Stammkunden, die wir gut kennen.“ (Ungesagt: das ist er nicht). „Und bei Neuen verlangen wir vorgängig einen aktuellen Auszug aus dem Betreibungsregister.“
Mann: „Oh. (macht er – und deutet mit den Händen einen Abstand von einem halben Meter an) … der ist sooo lang.“
Pharmama: „Oookay, … dann brauchen Sie ihn nicht zu besorgen, dann machen wir das nicht.“
Mann: „Ich wäre jetzt gerne zu ihnen gekommen …“
Pharmama: „Nun .. Danke?“
Mann: „Und ich hätte ihnen so monatlich etwa 600 Franken gebracht!“
Pharmama: „Nun, ja. Das sind 600 Franken Umsatz, (nicht Gewinn! der wäre einiges niedriger), der uns dadurch leider entgeht. Allerdings … wenn es irgendwann ein Problem zwischen Ihnen und der Krankenkasse gibt, dann zahlt uns die Krankenkasse gar nichts – und dann habe ich 600 Franken Verlust real. Das ist ein Risiko … das möchte ich momentan nicht eingehen.“
Er nickt verständnisvoll und geht.

Na, wenigstens war er ehrlich. Auch bei Leuten mit „sauberem“ Betreibungsauszug ist es im übrigen nicht garantiert, dass das danach immer klappt. Von einer anderen Apotheke habe ich letzens von einem Fall gehört, der nach der Kontrolle und Ausstellen des Vertrages das 1 Jahr problemlos gegangen ist … und dann hat er offenbar bei der Krankenkasse seine Prämien nicht mehr bezahlt und sich gleichzeitig in der Apotheke noch auf Vorrat Medikamente besorgt. Dann ist er weggezogen. Die Apotheke bekam die Aulagen nicht von der Krankenkasse zurück (in dem Fall fast 3000 Franken). Erst danach hat sich herausgestellt, dass der Mann kurz vorher zugezogen ist – und im alten Wohnkanton offenbar dasselbe abgezogen hat. Der Betreibungsauszug ist kantonsabhängig. Man „nimmt“ ihn nicht mit …. und wenn man das nicht weiss und auch vom alten Wohnort (oder Wohnorten) einen verlangt (und dann wird das ziemlich aufwändig), dann kann man bei so etwas reinlaufen. Schweizer Kantönligeist – nicht immer eine gute Sache.

indirekte Ferndiagnose

Frau, so um die 70 in der Apotheke: „Ich brauche eine Salbe gegen Fieberblasen.“

Pharmama: „Ist es für Sie selber?“

Frau: „Nein, für die Nachbarin. Ihre Tochter ist momentan in den Ferien, deshalb schaue ich für sie.“

So Besorgungsaufträge in der Apotheke sind manchmal nicht ganz so einfach, wie sie scheinen, vor allem für uns, da wir so oft nur schlecht nachprüfen können, ob das das richtige ist – aber ich bringe ihr mal ein Aviral.

Frau: „Ist das auch für wenn die Fieberbläschen nicht auf den Lippen sind?“

Pharmama: „Wo sind sie denn?“

Ältere Frau: „Daneben“ – sie deutet Richtung Wange.

Ich lege die Aviral auf die Seite, Für mich ist das jetzt der Punkt wirklich genau nachzufragen. „Wo hat sie das? Zwischen Lippe und Nase?“ (Manchmal kommt es vor, dass sie sich ausbreiten, aber im Normalfall hat man das an den Lippen)

Frau: „Nein, mehr nebendran.“ Sie deutet auf die linke Backe. „Sie ist sich auch nicht sicher, ob es Fieberblasen sind.“

Pharmama: „Sie hatte schon einmal Fieberblasen?“

Frau: „Ja, aber nicht da.“

Pharmama: „Wann ist das jetzt aufgetreten?“

Frau: „Heute. Die Wange ist jetzt einfach rot. Sie meint es fühlt sich an wie bei Fieberblase, deshalb hat sie mich geschickt ihr etwas zu besorgen.“

(Die Frau ist gut informiert – schön!)

Pharmama: „Hmmmm. Wie alt ist ihre Nachbarin?“

Frau: „99.“

  • Neunundneunzig?!

Ich lege die Salbe ganz weg.

Pharmama: „Ich habe den Verdacht, dass das nicht Fieberblasen sind, sondern etwas anderes – und wenn es das ist, was ich denke, dann muss ein Arzt das anschauen und etwas verschreiben und zwar schnell.“

Frau: „Was denken sie, was es ist?“

Pharmama: „Es ist schwierig so Ferndiagnosen zu stellen, aber ich denke sie hat eine Gürtelrose – die kann man auch im Gesicht bekommen …“

Die Nachbarin nickt wissend: „Das kenne ich, ja dann schaue ich, dass sich das ein Arzt bald ansieht.“

Pharmama: „Sehr bald – ansonsten kann das …“

Frau: „Ich weiss, lange Schmerzen machen. Meine Kollegin hatte das.“

Also schicke ich die Nachbarin ohne etwas wieder zurück, mit der Aufgabe, das innerhalb eines Tages vom Arzt ansehen zu lassen.

Und bekomme am nächsten Morgen ein Rezept für Valacyclovir Tabletten 500mg 2-2-2 60 Stück und Imazol Cremepaste.

Die Nachbarin reicht mir das Rezept, sagt: „Es war Gesichtsrose, sie hatten recht. Gestern abend hat sie noch Ohrenschmerzen dazu bekommen, so dass sie gleich heute morgen den Arzt kommen liess.“

Treffer.

Hier profitiere ich nie was!

Frau Säuerlich mit ihrem blauen Auge betritt die Apotheke.

Andrea der Lehrling übernimmt sie.

„Haben Sie mir etwas dafür?“ fragt Frau Säuerlich und deutet auf ihr Auge.

Andrea: „Ich glaube sie haben schon Heparin-Sa-„

Frau Säuerlich unterbricht sie – das ist auch eine ihrer unangenehen Eigenheiten. „Heparin Salbe habe ich schon ausprobiert. Was gibt es da sonst noch?“

Andrea: „Vielleicht Arnika Salbe? Das …“

Frau Säuerlich: „Das geht auch dafür? Wieviel ist die?“

Andrea holt sie und schaut: „Die kleine Tube ist 9 Franken.“

Frau: „Wieviel? Nein – das brauche ich dann nicht, das geht auch alleine wieder weg. Aber ein Dafalgan nehme ich noch.“

Andrea scannt es ein: „Das macht 2 Franken 55 – haben Sie eine Kundenkarte bei uns?“

Frau Säuerlich: „Nein. Das brauche ich nicht. Geben Sie mir stattdessen noch ein Muster von der Voltaren Salbe.“

Andrea: „Tut mir leid, aber von denen haben wir keine Muster, die machen das nur selten….“

Frau Säuerlich: „Was? Kein Muster?! Wieso komme ich überhaupt hierher? Hier profitiere ich ja überhaupt nie.“

Andrea (superfreundlich): „Nun, ich könnte ihnen eine Kundenkarte machen, wenn Sie mehr vom Besuch profitieren wollen …“

Frau Säuerlich zettert irgendetwas nicht ganz verständlich aber deutlich ablehnendes in sich hinein, während sie das Kleingeld heraussucht.

Andrea: „…aber wegen dem Muster: Wie war denn die, die Sie vor ein paar Tagen mit der Heparin-Salbe geliefert bekommen haben?“

(gratis nach Hause geliefert notabene).

Frau Säuerlich: „Die hat gebrannt!“

Sie dürfen mir das bringen.

Telefon am frühen Nachmittag:

„Pharmama’s Apotheke, Pharmama, Grüetzi!“

der Stimme nach ältere Frau (ohne Begrüssung): „Sie sind die Apotheke, nicht?“

Pharmama: „Ja.“

Frau: „Und Sie sind die Apothekerin?“

Pharmama: „Ja.“

(Jetzt weiss ich schon, mit wem ich spreche, auch ohne, dass sie den Namen gesagt hat. Es ist eine immer sehr mürrische ältere Frau, die auch gelegentlich in die Apotheke kommt und im Normalfall nach etwas zum einreiben bei Schmerzen fragt. Und Muster. Die sind ganz wichtig. Es ist Frau Säuerlich.)

Frau Säuerlich: „Oh. Gut. Haben Sie Heparinsalbe?“

Pharmama: „Ja, haben wir. Als Salbe oder Gel. Für was brauchen Sie es?“

Frau: „Ich bin gefallen und habe ein blaues Auge. Heparinsalbe ist doch gut dafür, oder?“

Pharmama: „Wenn Sie es nur um das Auge herum anwenden, geht das. Aber … haben Sie das unter beiden Augen, oder nur an einem? Ich frage, weil …“ (Ja, weil ich abklären will, ob da beim Sturz nicht mehr passiert ist. Auch Schädelbruch macht „Veilchen“artige Blutergüsse unter den Augen. Aber sie unterbricht mich.)

Frau Säuerlich: „Das ist schon okay, ich hatte das früher schon einmal. Wieviel kostet die?“

Ich sage es ihr. Es sind etwa 12 Franken.

Frau Säuerlich : „Hmpf. Könnten Sie sie mir bringen?“

Pharmama: „Ja, nachdem die Bestellung heute mittag gemacht ist, kann ich den Lehrling schicken. Etwa 4 Uhr?“

Frau Säuerlich: „Hmm, nein, das geht ja nicht, da habe ich einen Termin bei Doktor Hauser“ (Der etwa 50m Luftlinie von uns praktiziert?!)

Frau Säuerlich: „Könnten Sie das nicht vorher zum Arzt bringen, dass ich das gleich mitnehmen kann?“

Pharmama: „Äh – nein, Sie müssen das bei Erhalt bezahlen. Das macht der Arzt sicher nicht.“

Frau Säuerlich: „Ach, das geht nicht? Ja – was machen wir denn dann?“

Pharmama: „Ich kann es ihnen später bringen lassen – 5 Uhr?“

Frau Säuerlich: „Wenn ich nicht da bin, legen Sie es mir einfach in den Briefkasten.“

Pharmama: „Nein, denn Sie müssen es noch bezahlen. Wir machen es so: wir rufen vorher an und schauen, dass Sie dann sicher zu Hause sind.“

Frau Säuerlich: „Na, dann halt.“

Pharmama: „Wie war genau der Name? Und die Adresse?“ (Merke: sie hat mir das immer noch nicht gesagt … aber das tut sie jetzt.)

Ich lege die Heparin-Salbe bereit und informiere den Lehrling (Andrea) über die Auslieferung. Die ist alles andere als begeistert, auch weil sie die Kundin kennt. Wir haben ihr auch schon Sachen gebracht.

„Ich leg’ noch ein Muster von einer Schmerz-Salbe dazu.“ Meint sie

„Da hat sie sicher Freude.“ Sage ich.

„Hmmm. Bei ihr weiss man das nie so genau.“

Sie hat die Heparinsalbe am Nachmittag dann bringen „dürfen“.

… to be continued.

Was sagt man denn da?

Beunruhigter Kunde kommt und erzählt eine gewundene Geschichte über die langwierige Nasennebenhöhlenentzündung, die er im letzten Jahr hatte. Dann fragt er, ob er wohl Krebs habe und falls ja, ob es etwas gibt, das er dagegen ohne Rezept bekommen kann.

?

Was macht die Selbstdispensation? – Sampler

Selbstdispensation nennt man das, wenn der Arzt die Medikamente grad selber verkauft – statt nur die Diagnose zu stellen und etwas auszusuchen.  Vom Arzt und manchem Befürworter als „patientenfreundlich“ angewiesen hat das ein paar nicht so nette „Nebenwirkungen“:

Die Folgen der Selbstdispensation – Eine Übersicht.

Und ein paar eigen-Erfahrungen aus der Apotheke:

Nicht ganz so Patientenfreundlich –  Vergessen etwas mitzugeben? Bitte kommen sie wieder in die Praxis, damit wir das verkaufen können.

Zusammenbruch der Zusammenarbeit – wenn der Arzt den Apotheker nur noch als Konkurrent sehen kann.

Ich bin kein Lückenbüsser! – Wenn ich mal wieder einen Patienten nur deshalb in der Apotheke stehen habe, weil der Arzt mal wieder in den Ferien ist und ihm die Medikamente ausgegangen sind.

So fühle ich mich in der Lückenbüsserfunktion. (Cartoon)

Ärzte umgehen das Selbstdispensationsverbot – nicht in allen Kantonen ist SD erlaubt, aber manche Ärzte umgehen das, indem sie einer Versandapotheke Patienten zuschaufeln. – verboten!

Dosettiges – wir dürfen dem Patienten neu ein Dosett erstellen, das macht die Versandapotheke nicht, die der Arzt empfohlen hat.

War das nicht ein Argument für die Selbstdispenation? – Wenn der SD Arzt etwas nicht an Lager hat, muss der Patient zu ihm zurückkommen das abholen gehen.

Eine falsche Arztabrechnung – Das Medikament wurde doppelt abgerechnet.

Eine Antwort – an den deutschen Arzt und Befürworter der SD auch in Deutschland

Den Apothekern eine Stimme geben – vor der Abstimmung des Kantons Aargau, wo die SD schliesslich abgelehnt wurde.

„Miteinander statt gegeneinander“ Pro Zusammenarbeit Arzt und Apotheke, die Aktion in AG

Freie Wahl der Apotheke – Wenn der Arzt den Patient nötigen will, die Medikamente bei ihm zu beziehen, weil er sonst als Patient nicht rentabel sei für ihn.

Doch kein Umtausch – nein, wenn sie das vom Arzt bekommen haben, dann fragen sie auch ihn danach.

Wie praktisch das ist, wenn der Arzt die Medikamente gleich mitgibt. Aber das heisst nicht, dass sie auch genommen werden.

Beratung für lau – und der SD Arzt profitiert.

So sieht das Rezept eines SD-Arztes aus – ja, man sieht, dass der nicht viele davon braucht (1992?)

Soll ich die Tabletten zurückbringen? Nur EIN Hinweis, dass die Lagerhaltung beim Arzt suboptimal ist.

Auf die Apotheke Abwälzen (Teil 2) -der Arzt überlässt der Apotheke nur noch das zum abgeben (und diskutieren mit dem Patienten), was er nicht hat und die Kasse nicht übernimmt.

Fragen Sie dort – Abwälzen Teil 3. Ich darf dann nur noch das Spritzenmaterial abgeben und instruieren?

SD Nebenwirkungen – auch für das jetzt nötige Schmerzmittel muss man in die Praxis, weil die das lieber selber verkaufen.

Die Selbstdispensation in den Medien

Das halbe Rezept

Weil wir so einen „langsamen“ Sonntag haben …ich zu nichts gescheiterem komme, heute mal ein Repost vom 5.Oktober 2009

Der Patient kommt mit einem halben Rezept in die Apotheke. Ja, einem halben Rezept: der obere Teil ist abgeschnitten.

Auf dem Teil, den er mir hinhält steht:

„… Tbl XXX Stck, 1-0-0.

Unterschrift und Stempel Dr. Irgendwas“

Kunde: „Ich brauche die hier.“

Apothekerin: „Oookee, aber wo ist der Rest des Rezeptes?“

(Was fehlt ist mindestens der Rezeptkopf samt Name und Geburtsdatum des Patienten – das Rezept könnte für sonstwen sein.)

Kunde: „Das ist das Rezept“

Apothekerin: „Nein, das ist nur der untere Teil, was ist mit dem oberen passiert?“

Kunde: „Den habe ich abgeschnitten. Da standen noch andere Medikamente drauf, die ich im Moment nicht brauche und ich wollte das für später aufbewahren.“

Ein halbes Rezept, für wenn man nur halb-krank ist?!?

Also für alle, die das nicht wissen: ein Rezept ist ein Dokument, eine Urkunde. Die darf man nicht eigenhändig verändern oder ergänzen und auch kürzen ist keine gute Idee. Ausserdem muss ich vor der Abgabe den Patienten identifizieren … also ob das Rezept auch für ihn ist … und das geht nicht, wenn der Teil mit dem Namen nicht mehr da ist.

Wer nicht alle Medikamente braucht, kann das einfach sagen, bei uns werden sie im Computer dann zwar eingegeben, aber mit Abgabemenge „0“ … und falls man sie später doch braucht, kann man das später (hier in der CH bis maximal 1 Jahr später) in der Apotheke einfach sagen.

In dem Fall haben wir die Sache, sobald er den anderen Teil nachgereicht hat, einfach mit Klebstreifen gerichtet.

Geduldsprobe mit Beruhigungsmitteln

In die Apotheke kommt am Morgen die ältere feine Dame (äfDa) von der ich weiss, dass sie zunehmend Gedächtnisprobleme hat. Wir sind deshalb bei ihr doppelt vorsichtig und schauen genau, was sie bezieht. In der letzten Zeit ist es häufiger vorgekommen, dass sie manches in kurzen Abständen einkauft – das meiste davon ungefährlich wie zum Beispiel Druckschutzpflaster für die Füsse. Die Vermutung liegt nahe, dass sie vergessen hat, dass sie es schon zu Hause hat … oder sie hat sie verloren. Obwohl man sie gelegentlich darauf schon aufmerksam gemacht hat, meint sie im Normalfall: „Doch, doch, das habe ich aufgeschrieben, das brauche ich!“

Das andere was sie in letzter Zeit häufiger holen kommt ist Melisana. Das ist ziemlich alkoholhaltig, da werden wir dann noch aufmerksamer und vorsichtiger.

Heute auch wieder. Sie zeigt mir einen Zettel, auf den sie aufgeschrieben hat: Melisana, klein und 2 ausgeschnittene Packungen, eine für Similasan Schlafstörungen Tabletten und eine für Similasan Beruhigungstabletten. Homöopathie.

Ich bringe ihr erst Mal die beiden Similasan Packungen.

äfDa: „Ich brauche die zum Beruhigen am Tag über, welche nehme ich da?“

Pharmama: „Die Beruhigungstabletten, die bei Schlafstörungen sind bei Problemen beim Schlafen.“

äfDa: „Dann reicht es ja, wenn ich da nur die einen nehme?“

Pharmama: „Ja – ich denke, die dürften auch etwas helfen, falls sie Schlafprobleme haben.“

äfDa: „Die habe ich nicht. Also gut, nur die Beruhigungstabletten. (Schaut auf den Zettel) Und dann brauche ich noch eine kleine Packung Melisana.“

Ich hole ihr die kleinste Flasche, die wir hier haben. Wie gesagt, sie hat das in der letzten Zeit schon gelegentlich geholt und es war eigentlich immer diese Packungsgrösse.

äfDa: „Gibt es die nicht in kleiner? Ich möchte etwas für die Handtasche und die ist etwas gross.“

Ich schaue im Computer.

Pharmama: „Ja, es gibt noch eine 20ml Grösse, die habe ich aber nicht hier.“

äfDa: „Oh, die haben Sie nicht hier. Kommt sie morgen?“

Pharmama: „Ich habe die normalerweise nicht an Lager. Aber wenn Sie wollen kann ich sie Ihnen bestellen.“

äfDa: „Ah, ja. Ich hätte gerne die kleinere Grösse.“

Also bestelle ich die und drucke einen Bestellzettel für uns und einen Abholschein für sie aus, den ich ihr hinlege.

Pharmama: „Die Melisana wird schon heute mittag nach 3 Uhr hier sein.“

äfDa: „Oh, das ist gut.“

Pharmama: „Darf es sonst noch etwas sein?“

Sie schaut die ausgeschnittenen Packungen an und die eine, die auf dem Tisch liegt.

äfDa: „Sollten das nicht zwei Packungen sein?“

Pharmama: „Wenn Sie es nur für tagsüber brauchen, dann reicht es Ihnen, wenn sie nur die Beruhigungstabletten nehmen.“

äfDa: „Ah, das ist gut, dann spare ich ja ein bisschen. … Und das Melisana?“

Pharmama: „Das habe ich Ihnen bestellt auf heute mittag.“

äfDa: „Ah, die kommen erst heute mittag?“

Pharmama: „Ja, die kleine Packung musste ich bestellen. Wenn Sie die grössere wollen, die hätte ich gerade hier.“

äfDa: „Nein, ich möchte schon gerne die kleine Packung.“

Pharmama: „Ist es ok, wenn Sie es jetzt schon bezahlen? Dann können Sie es einfach irgendwann abholen.“

äfDa: „Ja, das ist gut.“

Ich gebe die bestellte Melisana und die Similasan Beruhigungstabletten in die Kasse ein – und halte auch auf unserem Bestellzettel fest, dass es schon bezahlt wurde. Gerade sie vergisst gelegentlich (manchmal auch gleich nach dem einstecken), dass sie es schon bezahlt hat.

Sie bezahlt, wobei sie sehr vorsichtig und bewusst das Geld abzählt.

Sie steckt die Tabletten ein, den Kassabon.

Sie nimmt die andere Packung Melisana in die Hand, die ich noch auf dem Tisch liegen hatte, auf der Seite.

äfDa: „Und was ist mit diesen?“

Pharmama: „Das ist die grosse Packung, die bleibt hier.“

äfDa: „Aber ich möchte doch noch eine Packung Melisana.“

Pharmama: „Sie meinen zusätzlich zu der kleinen Packung, die ich Ihnen auf heute mittag bestellt habe?“

äfDa: „Die haben Sie nicht hier?“

Pharmama: „Nein, die kleine Packung habe ich nicht hier, nur die grössere.“ (eigentlich noch mindestens 2 andere, grössere Grössen, aber noch mehr will ich sie wirklich nicht verwirren und dass sie noch mehr nimmt auch nicht unbedingt).

äfDa: „Ich bräuchte sie aber gleich. Dann nehme ich doch die grössere Packung.“

Wenn die Frau nicht durchgehend so nett bleiben würde, wäre das wahrscheinlich der Punkt, wo ich die Geduld anfange zu verlieren. Aber … ihr kann man nicht böse sein. Sie kann nichts für ihre Gedächtnisprobleme und sie macht sie auch nie aktiv zu den Problemen von den anderen Leuten. Wir sehen in so Situationen häufig, dass die Leute dann aggressiv werden und die Umwelt beschuldigen, wenn etwas nicht gleich klappt oder sie etwas vergessen haben.

Pharmama: „Möchten Sie die grosse Packung zusätzlich zu der kleinen Packung, die ich bestellt habe oder anstatt?“

äfDa: „Ich glaube ich habe zu Hause noch eine kleine Packung, da kann ich ja etwas umfüllen.“

Pharmama: „In Ordnung, dann nehme ich die kleine Packung aus der Bestellung?“

äfDa: „Ja, das ist gut.“

Ich lese die grosse Packung ein und ziehe den Preis der kleinen Packung ab und nehme die kleine Packung wieder aus der Bestellung.

Sie zahlt … in der gleichen aufwändigen Weise wie vorhin.

Dann sieht sie die ausgeschnittenen Packungen: „Was ist mit diesen?“

Pharmama: „Die haben sie schon bezahlt und eingesteckt.“

äfDa: „Ah, ja. Danke vielmals.“

Sie steckt auch die Melisana bei sich in die Tasche.

äfDa: „Dann ist das alles?“

Pharmama: „Ich denke ja.“

äfDa: „Muss ich nicht noch zahlen?“

Pharmama: „Nein, das haben Sie schon.“

äfDa: „Dann muss ich nicht mehr vorbeikommen heute mittag?“

Pharmama: „Nein, Sie haben jetzt alles.“

äfDa: „Das ist gut, ja. Guten Tag noch!“

Und geht.

Eeeendlich🙂 Ich mag sie, aber das braucht sooo viel Geduld.

Quicky (27)

kurz und knackig (der Spruch … nicht der Kunde)

„Haben Sie Augentropfen? So gegen rote Augen nach dem Kiffen?“

mehr „Quickys“:

Quicky (26)Quicky (25)Quicky (24),   Quicky (23)Quicky (22),   Quicky (21),   Quicky (20),    Quicky (19),    Quicky (18),    Quicky (17),  Quicky (16)   Quicky (15),   Quicky (14)   Quicky (13),   Quicky (12),   Quicky (11),   Quicky (10)    Quicky (9),   Quicky (8)    Quicky (7),   Quicky (6)    Quicky (5),   Quicky (4)    Quicky (3),   Quicky (2)   Quicky (1)

Zu viel Aufwand

Die Frau hat gerade herausgefunden, dass sie letztes Jahr doch eine Zusatzversicherung hatte – bei einer anderen Versicherung. Jetzt will sie, dass wir ihr für die paar Sachen, die sie bezogen (und bezahlt hat) – das Geld zurück geben und es dann der Kasse verrechnen. Was das war, weiss sie allerdings auch nicht mehr …

Ich habe das dann abgelehnt und ihr angeboten einen Ausdruck zu machen, was sie bezogen hat – dann soll sie selber versuchen, ob sie etwas von der Krankenkasse zurückbekommt.*

Das war dann für sie zuviel Aufwand.

 

*(Ansonsten zahle ich ihr das jetzt, sie schickt das ein, hat die Franchise noch nicht erreicht oder es wird nicht alles übernommen und dann stellt die Krankenkasse das ihr wieder in Rechnung).

Vom Geheimnis des Patienten (Sampler)

Als Apotheker und Medizinalperson untersteht man besonderen gesetzlichen Bedingungen, unter anderem dem Patientengeheimnis. Grundsätzlich gehören Gesundheitsdaten zu den besonders schützenswerten Personendaten – und dürfen deshalb nicht einfach bekanntgegeben oder weitergegeben werden.

Auf der anderen Seite arbeitet man im Gesundheitssystem nicht alleine … andere Medizinalpersonen wie Ärzte verschreiben dem Patienten für seine gesundheitlichen Probleme auf Rezepten Medikamente … und manchmal gibt es da Unklarheiten, die abgeklärt werden müssen. Familie oder Partner leben mit dem Patienten und sind zum Teil in die Behandlung involiert oder auch nicht.

Immer wieder gibt das deshalb Diskussionen, ob und was und wann und wem denn da überhaupt Informationen weitergegeben werden dürfen. Ein paar solche Situationen habe ich im Blog gebracht:

Ebola und das Patientengeheimnis … wäre nett, wenn die Medien sich auch daran hielten.

Patientengeheimnis – Fragen (und Diskussion in den Kommentaren)

Patientengeheimnis und Minderjährige

Vom Patientengeheimnis und ungeduldigen Kunden

Zwischen Paranoia und Patientengeheimnis

Patientengeheimnis und meine Erfahrung beim Arztbesuch

Schlechte Wortwahl – wenn man mal super-vorsichtig sein will

Wenn Sie in der Apotheke telefonieren, rede ich nicht mit ihnen.

Auch wenn sie der Partner sind – vorenthaltene Information

Einblick verboten

In der Grauzone landet man noch schnell

Fundsache Medikamente ja, die sind meist angeschrieben

Eine Trauerkarte von der Apotheke – darf/soll ich das?

Versehentlich ruiniertes Eheleben

 

 

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