Sind Drogisten süss?

Unser Drogist Urs hat noch ein paar Nachwehen vom alten Geschäft.

Heute habe ich so halb mitbekommen, wie er einen Kunden wie einen Kollegen begrüsst hat – offenbar war das so. Er hat mir nachher erzählt, wie das abgelaufen ist. Anscheinend hat der junge Mann auch im Kaufhaus gearbeitet, in einer anderen Abteilung allerdings. Wie Urs meinte, war er sich nie ganz sicher, ob er … naja, eher vom gleichen Geschlecht angezogen wird. Jedenfalls hat der Kollege ihn heute erkannt und da haben sie neben dem Einkauf noch ein bisschen geplaudert, wie es Urs so geht, was der Kollege jetzt so macht  … bis zu dem Moment, wo ein junger Mann zur Türe hereinschaut und ziemlich aggressiv ruft: „Was dauert da so lange? Du wolltest doch nur rasch was kaufen?!“

Kollege pikiert: „Ja, schon gut, ich habe hier nur den Urs getroffen, der hat doch früher mit mir gearbeitet.“
Worauf der junge Mann hereinkam, sich demonstrativ neben den Kollegen stellte und Urs sehr misstrauisch musterte: „Ah ja?“

Am liebsten (meinte Urs zu mir) hätte er ihm gesagt, dass er sich keine Sorgen zu machen brauche. Da sei er keine Konkurrenz. Auch wenn es ungewöhnlich ist heute als Mann in einer Drogerie arbeitend …

Was mich zu der Frage inspiriert:
Habt ihr das Gefühl, dass man heute Männer, die in der Drogerie, Parfümerie arbeiten als homosexuell ansieht?
Ist nicht meine Erfahrung, also: weder dass sie es sind, noch dass man sie so ansieht. Oder irre ich mich da?

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Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 07/07/2016 in Apotheke, Drogerie und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 21 Kommentare.

  1. Ich verbinde allgemein keine Berufe mit Geschlechtern, aber bei Apothekern habe ich davon noch nie gehört. Krankenschwester ja, aber Apotheker? Nö, nicht wirklich.

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  2. Naja, ein Mann der sich mit den unterschiedlichsten Duftwässerchen und Kosmetikprodukten auskennt…schwingt die große Vorurteilskeule

    Auch kommt es aufs Verhalten an. In unserem Subway arbeitet ein junger Mann, dem schaut man zwei Minuten zu und weiß: Schwul. Artikulation, Mimik und Gestik.
    Und da freue ich mich lieber das er so offen dazu steht und sich so gibt wie er es mag als wenn ich mir vorstelle das da ein total verweichlichter Hetero steht 😉

    Friseur käme ich z.b. nicht auf die Idee. Mein Stammfriseur aus meiner alten Heimat hat mir die Haare geschnitten seit ich ein kleiner Bub war. Und ich kannte seine Familie. Da hat sich das Bild geprägt. Auch wenn ich mal einen Friseur kennengelernt habe, der war sowas von stockschwul mit (bitte nicht negativ verstehen) tuntigem Verhalten. Dem triefte das Klischee aus jeder Pore. Aber er war auch irgenwie authentisch. Also nichts gespielt. Er war einfach so.

    Manche Rollenbilder sind mMn einfach in den Menschen verankert. Der bärtige Bär von einem Mann, der mit einer Axt pro Hand den Wald kahl schlägt, da geht, so glaube ich, doch keiner davon aus das dieser Schwul sein könnte.

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  3. Doch, es hat schon etwas…
    Zwar bin ich persönlich gegen dieses Schubladen-Denken, doch es ist mir persönlich auch aufgefallen, dass Männer in Apotheken und Drogerien ein ganz spezieller Schlag sind!

    Ich habe bisher mit 2 Pharma-Assistenten gearbeitet. Der eine hatte die Pharma-Assistenten-Lehre nur gemacht, damit er mit möglichst vielen Frauen arbeiten konnte – ein Frauenheld, wie er im Buche steht! Der andere hatte die Lehre nur gemacht, weil er „irgendeine“ Lehre brauchte, bevor er die Ausbildung zum Sanitöter machen konnte. Beides ganz männliche Machos… die ihre „Männlichkeit“ demonstrativ zeigen mussten.

    Bei den Drogisten hatte ich bisher mit 2 Frauen und 1 Mann zusammengearbeitet. Der Mann war offen homosexuell.

    Bei den Apothekern ist es bisher auch eher speziell gewesen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber Männer, die heute Apotheker werden, sind entweder ganz speziell (Rastafari, Goth, …), schwul oder die Söhne von Apothekern. Ich persönlich kenne nur 2 Apotheker unter 40, die diesen Kriterien nicht entsprechen…

    PS: Ich bin Apothekerin und pansexuell.

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  4. Ich lasse mich beim Einkaufen lieber von einem Mann beraten, als von einer Frau. Zumindest bei Klamotten, Make-up und beim Friseur. Weil Männer ehrlicher sind. Und wenn die Herren zufällig noch schwul sind, sind sie ehrlich, weil sie kein persönliches Interesse haben, sondern von einer falschen Wahl Augenkrebs bekommen. Ansonsten ist es mir ziemlich egal, ob sich der Mensch, der mich berät, nun mit dem einen oder dem anderen Geschlecht trifft – ich habe andere Sorgen. 🙂

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  5. Mein bester und liebster Einkaufsberater ist, neben meinem eigenen Mann natürlich, mein Bruder. Er ist definitiv nicht schwul, hat aber Auge und Gespür für Dinge die gut aussehen, Problemzonen kaschieren und Vorteilhaftes betonen. Und ich wurde in Apotheken schon von diversen Männern beraten und unterstelle, das das gut war. In Drogerieketten arbeiten ja auch einige Männer, von denen ich niemals erraten würde, wenn sie homosexuell wären. (richtige Drogerien sind nicht so meins, ich mags nicht wenn es extrem irgendwo riecht… also dazu keine Aussage)

    Und wenn ich ehrlich bin, mir ist es völlig schnuppe was mein Gegenüber zuhause macht. Selbst wenn es z. B. ne Couchpotatoe ist die sich Popel aus der Nase holt, Daily-Soaps guggt und dicke Wollsocken über die Jogginghose zieht. Geht mich nütscht an und sagt nix über seine Arbeitsqualität aus.

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  6. Knäckebrot

    Also ich (M,22) muss zugeben dass ich die beste Beratung bisher in einer Drogerie (auf der Suche nach nem Geschenk für meine Freundin) von einem offen schwulen Angestellten erhalten hab …. vielleicht kann er sich auch nur einfach besser in die männliche Ahnungslosigkeit reinversetzen was Drogerieartikel angeht 😂

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  7. Wenn ich ein Geschäft oder ähnliches betrete interessiert mich die Sexualität meines Ansprechpartners dort überhaupt nicht. Das gehört ins Privatleben und ist daher für mein Anliegen ohne Belang. Bei einigen homosexuellen Männern merke ich es, aber das ist für mich eine Eigenschaft wie die Haarfarbe – nicht erwähnenswert. In künstlerischen Berufen mag die Quote etwas höher sein, zumindest von denen, die offen damit umgehen, aber ich wüsste keinen Beruf, in dem nur homosexuelle Männer arbeiten. Meines Erachtens sind auch die Outings vollkommen überflüssig – heterosexuelle laufen auch nicht rum und erzählen jedem, dass sie hetero sind.

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  8. „Schwule Berufe“? Das Vorurteil kannte ich bisher nur in Bezug auf Friseure.

    Ich habe gerade mal überlegt, welche männlichen Apotheker und Drogeristen ich kenne, und habe gemerkt, dass alles nur Inhaber oder Filialleiter zu sein scheinen – normale Angestellte sind wohl alle weiblich.

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  9. Kann ich leider nichts zu sagen. Habe für sowas kein Auge. Und auf Nachfragen à la „Hey, bistu Schwul, oder was?“ reagieren die meissten sehr angesäuert. Daher habe ich es mir abgewöhnt. 😉

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  10. jetzt hab ich nachdenken müssen. kurz gesagt: nein. ich habe nicht das gefühl, und schon gar nicht die erfahrung gemacht dass die sexuelle orientierung da irgendeine rolle spielt.

    und grundsätzlich ist es auch vernünftig, wenn in drogerien, friseurgeschäften, apotheken etc. auch zumindest ein mann arbeitet: es soll tatsächlich auch männliche kunden geben, und unter denen sind wiederum welche, die mit manchen „problemen“ lieber zu einem mann kommen als zu einer frau. was man wiederum verstehen kann: eine frau lässt sich die vor- und nachteile von slipeinlagen, binden und tampons lieber von einer frau erklären als von einem mann, unterstelle ich einmal so. und männer lassen sich wohl die diversen mittel und hilfen wiederum lieber von einem mann erklären als von einer frau. es würde nix nutzen, wenn der tampon-berater schwul ist oder die ähem-beraterin lesbisch, also warum sollte man auf die idee kommen dass das eine voraussetzung oder begründung für so einen job sein könnte? ich käme da eher auf die idee, dass die leute sich den job ganz bewusst aus diesen gründen ausgesucht haben. oder dass sie irgendwie in den job reingewachsen sind oder ihn geerbt haben, aus welchen gründen auch immer.

    dazu kommt noch, dass naturgemäss männer meist mehr brachialkraft aufbringen können und sich daher vorzüglich dazu eignen, die schweren dinge in die regal zu wuppen und auch wieder herauszuholen. frauen können dafür meist besser die verlorenen knöpfe annähen. also: win-win.

    aber ein paar andere eigene vorurteile habe ich anzubieten, die sich im laufe der jahrzehnte so herauskristallisiert haben: ein guter chemiker ist meist auch ein guter koch, und ein chemiker, der mit dem kochen nix am hut hat, ist meist auch ein schlechter chemiker. und einem veterinär-mediziner, der angst vor hunden, kühen und hühnern hat, darf man nie und nimmer nicht über den weg trauen, und zwar in keinem bereich des täglichen lebens und der arbeit. übrigens darf man auch pharmazeuten und humanmedizinern, die kein persönliches interesse an menschen haben oder nur stur-heil nach den vorschriften arbeiten, nicht über den weg trauen: fachlich nicht, und menschlich nicht.

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  11. Katzenminze

    Süß? Joah, also der eine Mann, der in meiner Stammapotheke arbeitet ist defiitiv süß. Aber schwul? Bezweifele ich sehr.
    Was hat das eine mit dem Anderen zu tun?

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  12. Uh ja, diese Eifersuchtsszenen mancher Dramaqueens sind schon sehens- und hörenswert!

    Aber die Frage ging ja eher in Richtung „schwule Berufe“. Ich kenne einige offen schwule Pfleger, mehrere Friseure und ganz viele Floristen. Und sonst… Village People, würde ich sagen (Bauarbeiter, Polizist, Landwirte, Feuerwehrleute, Wachleute… nur der Indianerhäuptling ist mir bisher noch nicht über’n Weg gelaufen).

    Der Unterschied zu Heten? Gehen Sie mit ihnen Klamotten kaufen!

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  13. Es gibt Schwule, denen man es ansieht bzw die es sich ansehen lassen, und ja, die wählen oft Klischeeberufe wie Frisör oder irgendwas mit Mode. Im Gesundheitswesen ist mir jetzt noch keiner aufgefallen. Das heißt ja aber nicht, dass da nicht auch Schwule arbeiten, vermutlich genauso viele wie überall anders auch, nur tragen die das nicht so vor sich her, dass man es ihnen auf den ersten Blick ansieht – und viel genauer forsche ich nicht nach, weils mich nix angeht.

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  14. Von Friseuren wird ja oft behauptet, daß sie schwul seien, was ich als angenehm empfinde, da ich meine, daß ein Schwuler meistens ein besseres ästhetisches Empfinden hat als ein Hetero. Ich meine, daß sich in der Luftfahrt auffallend viele schwule Stewards tummeln.

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    • …da ich meine, daß ein Schwuler meistens ein besseres ästhetisches Empfinden hat als ein Hetero.

      Schönheit liegt im Auge des Betrachters! Ich empfinde z.B. meinen Fahrrad-Design-Geschmack als viel ästheteischer gegenüber dem meiner Herzallerliebsten. Die Herzallerliebste siehts wohl eher anders herum… 😛

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  15. Also generell gibt es natürlich Berufe, die was die Männer, die dort arbeiten ziemlich vorurteilsbehaftet sind. Ich habe festgestellt, dass man in der Apotheke oft davon ausgeht, dass wenn da ein Mann rum läuft, der auch Apotheker sein muss. (Gleiches gilt allerdings auch für ältere PTAs ^^) aber generell für homosexuell würde ich Friseure, PTAs, Krankenpfleger. Männer die in Parfümerien oder Drogerien arbeiten, oder was auch immer nicht halten.

    Hm… Tatsächlich hatten wir in der PTA-Schule aber drei junge Männer und alle drei waren bekennend homosexuell. War schon irgendwie putzig damals unsere drei Jungs zwischen den ganzen Mädels. Zweien davon hat mans mehr oder weniger von Weitem angesehen vom ganzen Auftreten, Verhalten und wie sie sich bewegt haben, bei einem hat mans gar nicht vermutet.
    Ich vermisse die drei richtig. Mit denen kam ich definitiv am besten zurecht und zu einem habe ich auch immer noch Kontakt, auch wenn er sehr weit weg arbeitet.

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  16. Der „Homo-Beruf“ schlechthin wurde hier noch nicht erwähnt:
    http://www.sar-media.de/start.php?gattungskampagne-radio (erster LInk: „Outing“)
    Der zweite Link hat sogar Bezug zum Thema „Pharmazie“ 🙂

    Ist „süß“ in der Schweiz ein anderer Begriff für „schwul“?

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