Einhorn gegrillt aus der Mikrowelle

Die Mikrowelle im Personalraum hat sicher schon in so manchen Geschäften für Krisen unter den Mitarbeitern gesorgt, vor allem wenn es um geruchsintensives Essen geht. Nun – um Essen geht es heute nicht. Man kann ja auch noch anderes anstellen mit so einer Mikrowelle.

Bei uns um die Ecke ist ein Coiffeur. Die haben im Moment eine Angestellte, die … ist etwas kompliziert. Wenn sie bei uns ist stellt sie endlos Fragen … und will dann nie etwas kaufen.

Am Mittag war sie da, weil sie unter ziemlichen Periodenschmerzen leidet. Sie kippe fast um, ob wir ihr etwas haben? Weil sie zu Hause Schmerzmittel habe und keine kaufen wollte, hat sie von uns ein Muster bekommen. Sie wollte dann aber doch noch mehr für sich tun und hat sich deshalb nach langer Diskussion ein so Wärmetier mit Körnern drin für die Mikrowelle gekauft. Ein kleines Einhorn. Sie fand das süsser als so eine Wärmeflasche, ausserdem: Mikrowelle!

Später am Tag kommt sie noch mal vorbei: «Es funktioniert gut, aber weshalb ist das Tier jetzt feucht?»

Donna schaut sich das zusammen mit ihr an und kommt zu dem Schluss, dass das daran liegt, dass sie es unter der Kleidung direkt auf der Haut getragen hat und geschwitzt hat. Sie rät ihr das nicht zu tun (steht auch so in der Mini-Bedienungsanleitung) und es erst mal zu trocknen vor weiterem Gebrauch.

Und dann kommt sie im Abendverkauf noch einmal vorbei.

Umgeben von einer Geruchswolke nach … irgendwas sehr verbranntem. Bei mir löst das immer intern eine Alarmbereitschaft aus, die wahrscheinlich nur andere, die mal in der Feuerwehr waren nachvollziehen können. Ich fange dann an zu schnüffeln und intensiv nach der Ursache Ausschau zu halten.

«Weshalb riecht das jetzt auf einmal so?» fragt sie, als sie mir ihr Einhorn entgegenstreckt.

15035_MINIS_Einhorn_lila_m

Ja – die Geruchsemission kommt von dem. Eindeutig. Von aussen ist nicht viel zu sehen, es ist aber immer noch sehr feucht. Und warm.

Pharmama: «Was haben Sie denn damit gemacht?»

Coiffeuse: «Nur in der Mikrowelle erwärmt.»

Pharmama: «Scheint etwas zu viel gewesen zu sein? Wie lange und bei wie viel Watt?»

Coiffeuse: «Watt? Keine Ahnung, aber vielleicht eine Minute?»

Ich gehe ein anderes holen – wir haben tatsächlich noch ein letztes Einhorn da – und schaue darauf nach, was empfohlen ist. 30 Sekunden bei 800 Watt.

Donna, die das heute mittag mitbekommen hat: «Und Sie haben nicht die Grillfunktion benutzt?»

Coiffeuse: «Nein, ich denke nicht.»

Ich denke auch nicht, denn sonst wäre aussen etwas sichtbar. Das ist es nicht (kein angekokeltes Fell), es stinkt nur erbärmlich angebrannt. Trotzdem.

Pharmama: «Kann ich mir die Mikrowelle mal ansehen?»

Ich gehe rasch mir ihr raus und in das Coiffeurgeschäft. Hinten im Geschäft wird der verbrannt-Geruch immer intensiver, bis wir vor der Ursache stehen.

Die Mikrowelle ist älter. Watt stehen nicht mal drauf, aber die verschiedenen Stufen: auftauen, auftauen plus, kochen, kochen plus, kochen plus plus und grillen. Die Mikrowelle ist (noch?) auf die Stufe eine unterhalb von grillen eingestellt. Vielleicht zu hoch und sehr wahrscheinlich hatte sie es zu lange drin. Die kleinen Wärmetiere dürfen nicht viel länger als 30 Sekunden aufgewärmt werden.

Aber ich bin kulant und tausche ihr das Einhorn gegen das um, das ich noch hier hatte – auch wenn eindeutig falsche Anwendung zum Problem geführt hat und kein Produktefehler.

Und was meint sie?: «Kann ich nicht mein Geld zurück bekommen?»

Für das Einhorn hätte ich das fast getan … aber ich habe das Gefühl, dass sie das dann mit anderen Sachen gleich probiert.

 

IMG_0623

Advertisements

Kein Dosierungsfehler für den Konsumentenschutz

Wir verkaufen in der Apotheke Diverses um vom Rauchen loszukommen. Neben den klassischen Nikotinersatzpräparaten auch Spagyrik Spray zur Tabakentwöhnung. – Ja, tun wir. Es gibt immer wieder Kunden, die etwas zur Unterstützung wollen und ausdrücklich nicht die Kaugummi oder Pflaster oder den Spray mit Nikotin. Zigarettenabhängigkeit hat nicht nur eine körperliche, sondern auch psychologische Komponente. Da kann auch gut alternatives wie diese Spagyriksprays eingesetzt werden. Tatsächlich … wenn ich sehe, wie viele Leute einfach von der Zigarettensucht in die Nikotinkaugummisucht „umsteigen“ ist das vielleicht gar nicht die dümmste Idee.

Jedenfalls war die etwas komplizierte und ziemlich grumpelige Kundin, die sich vor etwa 2 Wochen ausgiebig zu den verschiedenen Produkten zur Tabakentwöhnung beraten lassen hat wieder da. Sie kam in der Zwischenzeit schon einmal vorbei um sich ausführlich darüber zu beklagen, dass auf dem Spagyrik-Spray die Dosierung  auch für Kinder angegeben ist.

Das stimmt … da steht (in etwa) drauf:

Erwachsene: je 3 bis 5 Sprühstösse in den Mund geben. Kinder bis 10 Jahre: je 2 Sprühstösse in den Mund geben.

So wie bei so ziemlich allen anderen Spagyriksprays auch. Die Standarddosierung halt.

Man hat ihr damals extra einen neuen Spray hergestellt mit der „richtigen“ Dosierung – und ja, wir haben die Dosierung auch sonst aus der Vorlage bei dem Rauchentwöhnungs-Spray raus genommen.

Heute kam sie also den nächsten Spray holen. Sie schaut ihn sehr genau an und meint dann: „Ah. Sie haben die Dosierung geändert.“

Drogistin Sabine (immer fröhlich): „Ja, wir sind lernfähig, und es hat auch wirklich nicht viel Sinn gemacht, oder?“

Kundin (todernst): „Es ist gut, dass sie das getan haben, ansonsten hätte ich Sie dem Kassensturz gemeldet!“

Für Nicht-Schweizer-Leser: der Kassensturz ist eine wöchentliche Fernsehsendung (gibt’s seit 1974, also so lange wie mich selbst) die über Konsum, Geld und Arbeit berichtet, Produkte-Tests macht und allgemein kritische Fragen zu aktuellen Konsumenten-Themen stellt. (Beschreibung aus der SRF)

Ah – ja. Mit dem Kassensturz drohende Kunden sind einem doch immer am liebsten, oder? Ich denke zwar, die haben besseres zu tun als das … und …. es ist ja nicht so, dass es rauchende Kinder nicht gäbe (unten seht ihr, was google als Bildergebnis dafür liefert)– oder dass man die Sprays nicht bei Kindern anwenden dürfe. kindrauchend

Ich persönlich glaube ja, dass der Nikotinentzug sie grumpelig macht. Immerhin ist das dieselbe Kundin, die damals bei der Erstberatung beim rauslaufen den Spagyrik Spray ohne zu bezahlen mitgenommen hat und dann stantepede (als sie es gemerkt hat) wieder damit reingekommen ist um sich bei der Kollegin zu beklagen, dass sie das zugelassen hat (!).

Aber vielleicht gehört sie auch einfach zu den Leuten, die mit einer negativen Einstellung durch’s Leben gehen. Das hat etwas Selbsterfüllendes: wenn man so viel Negativität ausstrahlt, kommt das von allen Seiten zu einem zurück.

Beratungstaxe – mal ernsthaft.

Samstag hatten wir wieder einen typischen „Donna“. Vorausschickend: wegen Krankheit sind wir momentan (immer) etwas knapp an Personal. Es zählt jeder der hier ist – und wir sind eigentlich immer beschäftigt, momentan fast zu sehr.

Nun hatte Donna eine Kundin in der Kosmetik die sie während etwa 20 Minuten in Beschlag nahm und der sie eine ausführliche Beratung zu einer Kosmetikmarke gab. Die Kundin stellte Frage um Frage, wollte alles genau wissen wie und was, machte aber keine Anstalten etwas zu kaufen. Und dann meint sie: „Schreiben Sie mir doch auf, wie die Produkte alle heissen, die sie mir empfohlen haben.“

Und Donna, die bis zu dem Zeitpunkt sehr geduldig und freundlich war: „Hmm … Nein, das mache ich jetzt nicht.“

Ihr war da klar, dass die Kundin damit nur woanders die Produkte kaufen würde. Und das sagte sie ihr auch:

„Wenn ich das mache, gehen Sie mit der Info einfach woanders hin, die kaufen. Ich habe Sie jetzt 20 Minuten ausführlich beraten. Ich kann Ihnen noch ein, zwei Muster abfüllen und ich weiss alles, zu was ich Ihnen geraten habe. Wenn Sie etwas davon gut finden und kaufen wollen, kommen Sie später einfach wieder zu mir.“

Das ist ein Problem das mein Mann ebenfalls kennt. Er ist Velomechaniker und verkauft Velos. Momentan ist er ziemlich niedergeschlagen, die Verkaufszahlen sind schlecht. Diesen Sommer hat er diverse Kunden teils Stundenlang beraten und Velos gezeigt und testfahren lassen (mehrmals in einem Fall) – und einige von diesen gingen dann genau das so ausgesuchte Velo woanders kaufen. In mindestens einem Fall über die (nahe) Grenze. Ganz toll ist es, wenn diese Leute dann auch noch später mit dem Velo zurückkommen und von IHM den Gratisservice wollen.

Ich denke, er muss das vielleicht in Zukunft auch so machen, wie ich das Donna vorgeschlagen habe: Die ersten Paar Minuten Beratung sind wie bisher gratis – danach kann sie aber, in einem Fall wie oben einen Betrag (20 Franken?) verlangen, die dann beim Kauf von einem Produkt abgezogen werden. Der Kunde verliert dadurch nichts, wenn er etwas bei uns kauft – und wir verbrauchen keine wertvolle Arbeitszeit für Nicht-Kunden ohne irgendwelche Bezahlung.

Fünf-Finger-Rabatt oder: Ladendiebstahl!

Was ist da im Moment los? Bei uns wird geklaut (oder zumindest versucht zu klauen) wie nie. Das Problem haben wir schon länger, dass vor allem die Männerparfüms praktisch alleine davonlaufen. Wir haben so in drei Monaten fast 1000 Franken verloren – was wir an einer Zwischen-Inventar bemerken mussten. Die Lücken waren da auch von Auge nicht mehr zu übersehen.

Als erste Gegenmassnahme haben wir nun praktisch nur noch Leerpackungen und Tester dort stehen. Das hat halt den Nachteil, dass man bei Interesse erst den Inhalt heraussuchen muss (vom Lager hinten) und wieder schön verpacken. Mehr „wir haben Videoüberwachung“-Schilder sollen wir nicht aufstellen, da das optisch nicht passt. Und für eine komplette elektronische Warensicherungsanlage ist der Verlust (noch) nicht gross genug.

Dafür habe ich von der Kantonspolizei Abteilung Prävention jemanden ins Haus geholt für eine interne Mitarbeiterschulung zum Thema Ladendiebstahl. Das hat zumindest in dem Sinn geholfen, dass wir alle jetzt einiges aufmerksamer sind. Und das hat schon Resultate gezeigt.

Allein im letzten Monat hatten wir diverse versuchte Diebstähle – von denen ich zumindest jetzt weiss.

Da wäre der Herr mit Ziegenbart und Langhaarfrisur, der reinspaziert, begrüsst wird, meldet, er wolle sich rasch umschauen und dann hinter der Gondel (das sind diese freistehenden Regale) abtaucht. Da hinten lässt er (ausser Sicht des immer noch in der Nähe stehenden Personals) „versehentlich“ zwei Kondompackungen fallen, von denen er eine wieder zurückstellt – und die zweite unauffällig einsteckt. Danach verlässt er das Geschäft auf direktem Weg wieder. Echt jetzt? Kondome? Der hatte es wohl nötig.

Oder der Herr abends im Adidas-Trainer mit Sporttasche. Nachdem wir eine Lücke im Regal mit den Parfüms entdeckt haben, ging ich die Videoüberwachung tageweise durch bis zu dem Tag, wo die Flasche noch da war. Dann langsam bis zu dem Moment wo er hereinkommt, angesprochen wird von Donna und nach etwas fragt (Zahnbürste oder so) und beim kleine Runde drehen durch den Laden hinter dem Rücken von Donna die Flasche mit geschickter Bewegung in der oben offenen Tasche verschwinden lässt. Auf dem Überwachungs-Video schön zu sehen, wie er vorher „peilt“ ob auch grad niemand direkt in seine Richtung schaut. Das Bild von ihm habe ich ausgedruckt und aufgehängt, denn so „sicher“ wie der vorging, hat er das nicht zum ersten Mal gemacht.

Danach haben wir Leerpackungen aufgestellt und … ja, der Herr kam wieder, wieder abends. Leider waren grad alle am bedienen, so dass wir ihn nicht persönlich dabei ertappen konnten, aber seine Überraschung, als er wieder eine Packung in der Tasche verschwinden lassen will und da einfach nichts drin ist, und er sie darum fast fallen lässt und dann wieder zurückstellt war zu schön zu sehen. Noch schöner, dass Sabine ihn wohl erkannt hat und ihm dann im Abstand von 1 Meter bis zur Türe folgt. Der kommt wahrscheinlich nicht so schnell wieder.

Vielleicht aber doch. Die Leute sind frech. Da war der Herr (im Anzug notabene), der bei Lehrling Minnie nach Nadeln fragte und als sie die nach hinten holen ging, hat er sich auch bei den Männerparfüms bedient. Er hat eine noch volle (eingeschweisste) Schachtel erwischt und will sie sich gerade oben in den Kragen stecken, als Urs dazukommt und ihn in flagranti ertappt. Auf Urs’ lautstarken Protest, dass er die Packung grad wieder hinstellen soll und aus der Apotheke verschwinden, fängt der Kerl noch an zu diskutieren, dass er das ganz sicher nicht klauen wollte – er wollte sich nur parfümieren. Klar, mit einer ungeöffneten Packung (deutlich kein Tester). Urs hat ihn dann rausgeworfen und mit der Polizei gedroht. Das hat ihm wohl wenig Eindruck gemacht, denn ein paar Tage später war er bei mir da. Diesmal hatten wir den Laden voll, so dass ich, als mich Sabine auf ihn aufmerksam machte (er war total anders angezogen, diesmal in Winterjacke und Rollkragenpullober aber er hat wieder nach Nadeln gefragt), meine Kundin praktisch stehen lassen musste um mich um ihn zu kümmern. Zusammen mit Sabine haben wir ihn in den Beratungsraum gebeten und ihm gesagt, er soll seine Taschen bitte leeren, da wir vermuten, dass er etwas eingesteckt hat. Nun, die Taschen waren leer, aber als ich ihn gebeten habe, noch einen Moment zu bleiben, da ich gerne einen Blick auf die Aufnahmen der Überwachungskamera werfen wolle, hat er wieder angefangen auszurufen: „Saftladen hier, komme nie mehr!“ bevor er geflüchtet ist. Die Aufnahmen sind nicht ganz deutlich, aber er hat es zumindest wieder versucht: er ging diverse Packungen durch, die er (da leer) wieder zurückstellt, einmal fasst er sich allerdings an den Kragen, so dass er oben etwas hineingesteckt haben könnte. Wenn, war es diesmal ein Tester, da sonst nichts fehlt. Allerdings konnte ich das schlecht kontrollieren, es sei denn er hätte Striptease gemacht / seine Jacke und Pullover ausgezogen … Nun, wollen wir hoffen, dass er seine „Drohung“ wahrmacht, ansonsten gebe ich ihm nämlich Ladenverbot.

Manchmal sind es sogar Stammkunden. Der Mann letzten Freitag zum Beispiel, der neben seinem Einkauf noch darauf hingewiesen werden musste, dass er auch noch ein Fläschchen ätherisches Öl von uns in seiner Jackentasche hat, das er noch bezahlen sollte, bevor er den Laden verlässt. Der hat die Kartonpackung vorher schon abgenommen, unauffällig entsorgt und es dann eingesteckt. War natürlich trotzdem „keinerlei Absicht“ und er hat das einfach „vergessen“ … Hmmhmm. Ratet mal, wer die nächsten Einkäufe einen persönlichen Begleiter haben wird – die ganze Zeit im Laden?

Aber es sind nicht immer nur die Männer. Gut in Erinnerung ist mir noch die elegante Frau, die Donna aufgehalten hat, als sie mit einer reichlich teuren Reinigunsglösung einer grossen Kosmetikmarke das Geschäft verlassen wollte. Vorher hat sie Donna mit ein, zwei Fragen beschäftigt, ein Muster verlangt und dabei von hinten im Regal das Produkt genommen (damit keine sichtbare Lücke bleibt). Das hat sie dann sorgfältig in ein Magazin, das sie übrigens auch von uns hat (so wie in Deutschland die Apothekenumschau aufliegend) eingewickelt und unter den Arm gesteckt. Von Donna darauf angesprochen, ob sie das nicht etwa noch zahlen will, hat sie auch erst überrascht getan, dass sie ganz vergessen habe  … und dann gemeint, sie habe nicht genug Geld dabei. Ausweis übrigens auch nicht. Nach kurzer Diskussion hat Donna dann von ihr das gesamte Geld im Portemonnaie verlangt (50 Franken) und das Produkt dabehalten. Sie könne dann noch den Rest bezahlen kommen, alternativ wäre auch das Einschalten der Polizei eine Möglichkeit. Die Frau kam dann später mit dem Rest des Geldes. Seither haben wir sie nicht mehr gesehen …

GRTB-Infographic

Gut ist, dass es inzwischen reicht, die Ware zu verstecken und an der Kasse vorbei in Richtung Ausgang zu gehen – ich muss nicht mehr wie früher „warten“ bis der Nicht-Kunde das Geschäft mit der Ware verlassen hat, damit der Tatbestand des „Diebstahls“ erfüllt ist. Trotzdem ist es für uns paar in der Apotheke immer noch mühsam so einen Dieb nach Versuch oder Tat zu stellen. Eigentlich sollte man das immer zu zweit machen und falls er/sie die Taschen nicht zeigen will oder den Ausweis muss man die Polizei holen und ein Ladenverbot aussprechen / ausstellen. In der Praxis ist es oft schwer, das zu zweit zu unternehmen (so viele sind wir nicht) und die verdächtigen Leute verschwinden gerne schnell, noch bevor man zu „Taschenkontrolle“ oder „Ausweis“ gekommen ist. Bei der Prävention sind wir da erfolgreicher. Naja, relativ, wie man sieht.

Ist das bei Euch auch so schlimm? Bekommt man das überhaupt mit, wenn man nicht selber im Verkauf arbeitet?

Am Rande(nsaft)

Am Ende eines laaangen Arbeitstages hatte ich noch diese Kundin:

Kundin (eine Frau jüngeren Alters): „Ich hätte da noch eine Frage. – Was ist in Rote Beete Saft drin?“

Pharmama: „Äh … Rote Beete?“

Kundin: „Ja – was ist das und wofür?“

Pharmama: „Das ist ein Gemüse … ich nehme an, das pressen sie für Saft einfach aus?“

Kundin: „Ah. Und was ist da drin?“

Pharmama: „In Rote Beete?“

Kundin: „Ja – ist da viel Vitamin D drin oder Eisen?“

Pharmama: „Ah, das muss ich nachschauen gehen.“

Ehrlich – keine Ahnung. Für sowas gibt es google und Co.

Also komme ich mit dem Ausdruck aus dem Internet zurück, worauf steht, was da so durchschnittlich enthalten ist.

Pharmama: „Also: Rote Beete – und dementsprechend der Saft daraus enthält relativ viel Kalium und Eisen, dazu B-Vitamine und Folsäure und Flavonoide (das ist das, was die Beete rot macht) – aber Null Vitamin D.“

Kundin: „Kein Vitamin D?“

Pharmama: „Nein. Weshalb fragen Sie denn?“

Kundin: „Nun, meine Freundin hat mir das empfohlen. Wissen Sie, ich bin immer so müde. Gibt es da nichts, das ich nehmen könnte?“

Pharmama: „Nun, es kommt darauf an, weshalb sie müde sind. Möglich ist das schon wegen Vitamin D- oder Eisenmangel. Ernähren Sie sich denn ausgewogen?“

Sie wedelt mit der Hand ab.

Pharmama: „Nun, Vitamin D können Sie versuchen zu nehmen. Das ist allgemein gut – ob das Eisen niedrig ist, dafür würde sich vielleicht ein Bluttest beim Arzt lohnen, wenn das damit nicht besser wird.“

Kundin: „Aber Randensaft hat kein Vitamin D drin?“

Pharmama: „Nein, aber ich habe Tropfen mit Vitamin D, die Sie nehmen könnten …“

Kundin: „Weshalb empfiehlt mir meine Freundin dann Rote Beete-saft?“

Pharmama: „Keine Ahnung.“

Kundin: „Aber Sie haben das?“

Pharmama: „Ja – hier.“ (Zeige ihr die Flasche von Biotta)

Kundin: „Da steht drauf Randensaft.“

Pharmama: „Das ist Rote Beete.“

Kundin: „Ah. Haben sie denn noch irgend einen anderen Saft, den ich nehmen könnte?“

Wohlgemerkt, wir stehen vor dem Regal mit allen Biotta Säften

Pharmama: „Ja – all das hier. Bei Müdigkeit wäre vielleicht der Vita 7 etwas für Sie oder auch Powerberry? Das hat diverse Vitamine und Mineralstoffe, aber auch kein Vitamin D – das ist ein fettlösliches Vitamin, das ist eher nicht in Frucht- und Gemüsesäften.“

Kundin: „Hmm … ich nehme den Rote Beete Saft. Sie sind sicher, dass das Randensaft ist?“

Pharmama: „Ziemlich.“

Sie kauft ihn dann.

Die Empfehlung der Freundlin steht offensichtlich höher als die der Apothekerin, aber das kennen wir ja schon.

Genug für heute!

Wie die Zeit vergeht …

ticktack

Medikamente kann man nicht retournieren in die Apotheke, wenn sie einmal draussen gewesen sind ist auch unsicher, wie sie in der Zwischenzeit aufbewahrt wurden, die kann ich dann häufig nicht mehr weiter brauchen sondern nur noch entsorgen. Bei Kosmetikprodukten sieht es etwas anders aus. Die grossen Firmen mit den wohltönenden Frauennamen nehmen noch Retouren – verlangen aber bei Kundenretouren zum Beispiel wegen Allergie oder derartigem inzwischen ein ganzes A4 Formular mit allen möglichen Angaben zu Kunde und Produkt und Problem, ansonsten bekommt man als Drogerie/Parfümerie/Apotheke auch dafür gar nichts mehr.

Wir sind trotzdem sehr grosszügig, was so Kosmetik- und Körperpflege-Produkte angeht, aber … das hier war dann doch ein bisschen zuviel:

Im späten Abendverkauf kommt einer unserer Stammkunden herein; Herr Tid. Inzwischen bin ich mit Donna alleine, aber da er sowieso meist ein medizinisches Problem hat, respektive mit Rezepten vorbeikommt, nehme ich ihn.

Mit dabei hat er einen grossen Papiersack, den er neben sich auf die Theke stellt und mir folgendes erzählt:

Herr Tid: „Letzten oder vielleicht auch vorletzten Sommer habe ich dies hier gekauft …“

er zieht eine Packung Veet Easyspray aus der Tüte.

„Und die sprühen nicht richtig, sie sind defekt … kann man da irgendetwas machen? Die sind noch ungebraucht, die meisten.“

Pharmama: „Hmm … Mal sehen …“

Letzten oder vorletzten Sommer ist doch etwas her – aber wenn sie defekt sind … vielleicht kann ich schauen an was es liegt (gelegentlich ist die Düse nur verstopft und lässt sich mit warmem Wasser wieder zum sprühen bewegen, oder sonst muss ich bei der Firma anfragen, vielleicht sind die auch nach der Zeit kulant und tauschen das aus, da defekt …

Ich schaue den Spray an und was mir zuerst auffällt ist, dass der deutlich gebraucht wurde: Produktspuren um die Düse.

Pharmama: „Okay, der hier ist ja gebraucht, vielleicht kann ich mit etwas …“

Er zieht mir den Spray aus der Hand, greift in den Sack und zieht 2 ungebrauchte (oberer Teil auch noch eingepackt in Folie) heraus.

Herr Tid: „Die sind noch alle ungebraucht! Ich habe noch mehr im Auto.“

Das stimmt, so wie sie aussehen. Nur … als ich sie umdrehe, fällt mein Blick auf das Verfalldatum. Wir haben Mitte 2017. Der eine Spray ist Ende 2016 abgelaufen, der andere 2015.

Pharmama: „Oh, die haben sie von uns? Die sind beide abgelaufen, da kann es gut sein, dass die nicht mehr so gut sprühen wollen.“

Ich meine … ich will ihm nichts unterstellen, es kann vorkommen, dass wir Produkte mit knappem Verfall auch an Lager haben. Andererseits … irgendwie kommen mir die Sprays nicht sehr bekannt vor.

Ich lese den Strichcode im Warensystem ein.

Es kommt gar nichts.

Seltsam.

Ich tippe es von Hand ein.

Veet Easyirgendwas kommt, aber kein Spray.

Ich suche schrittweise, da ich weiss, das unser System Produkte, die ausser Handel sind aus der direkten Ansicht löscht. Und finde …

Pharmama: „Oh. Ja. Die sind tatsächlich ausser Handel. Sie werden nicht mehr hergestellt seit … 2010.“

Er steht jetzt etwas peinlich berührt da, aber bei mir siegt die Neugier und ich schaue noch, wann die bestellt wurden.

„Und bestellt wurden 10 davon im Sommer 2009.“

Kleine Pause.

„Ja, das ist doch etwas zu lange her. Sie sind abgelaufen und werden auch nicht mehr hergestellt, die tauscht mir auch die Firma sicher nicht mehr um.“

Herr Tid: „Dann kann ich sie nicht zurückgeben?“

Pharmama: „Doch. Ich werfe sie für Sie weg, wenn Sie möchten. Umtauschen geht da leider nicht, auch wenn sie nicht verwendet wurden.“

Er packt seine Sprays wieder ein, verabschiedet sich und geht mit seinem Sack voller abgelaufener, wahrscheinlich nicht mehr funktionierender Haarentfernungssprays.

Donna arbeitet derweil im Kosmetikbereich weiter. Ich gehe zu ihr und frage sie, ob sie das mitbekommen hat. Hat sie gar nicht, also erzähle ich es ihr. Erstaunlicherweise erinnert sie sich: „Das war der eine Sommer, in dem er so viel gekauft hat. Das ist schon 8 Jahre her? Ui.“

Ja, wie die Zeit vergeht…