Byebye handmade Kosmetika – die neue Kosmetikverordnung

Anfang Mai ist (für die Öffentlichkeit wohl unbemerkt) die Übergangsfrist zur neuen Kosmetikverordnung abgelaufen. Das heisst, dass die neue Kosmetikverordnung (von 2013 in der EU und angepasst 2017 in der CH) jetzt verbindlich ist … und das bedeutet wohl das Aus für einige in den Apotheken und Drogerien selber hergestellte Kosmetika. Another one bites the dust – denke ich da. Noch etwas, das wir nicht mehr machen dürfen oder können. Das neue Chemikaliengesetz hat die Vorschriften so hoch angesetzt, dass viele Drogerien und Apotheken kaum noch selber Sachen abfüllen. Die Pharmakopöe schliesst das Wiederauffüllen bei Arzneimitteln aus (alles was auf die Haut angewendet wird oder eingenommen wird braucht eine neue Packung). Und nun gehen also die selbstgemachten Kosmetika.

Hier der Link zur neuen Kosmetikverordnung in der Schweiz.

Ein Kosmetikum ist definiert als: „Stoffe oder Gemische, die dazu bestimmt sind, äußerlich mit den Teilen des menschlichen Körpers (Haut, Behaarungssystem, Nägel, Lippen und äußere intime Regionen) oder mit den Zähnen und den Schleimhäuten der Mundhöhle in Berührung zu kommen, und zwar zu dem ausschließlichen oder überwiegenden Zweck, diese zu reinigen, zu parfümieren, ihr Aussehen zu verändern, sie zu schützen, sie in gutem Zustand zu halten oder den Körpergeruch zu beeinflussen“

Wie in der EU muss für jedes Produkt ein Sicherheitsbericht erstellt werden. Dafür sind Verträglichkeitstests und gegebenenfalls Wirksamkeits-/Leistungsnachweise erforderlich. Zudem muss eine Produktinformationsdatei (PID) in einer Amtssprache des Bundes oder in Englisch ausgearbeitet werden. Diese muss nicht zwingend in der Schweiz aufbewahrt werden, aber muss schnell zugänglich sein. Sicherheits- und Warnhinweise müssen nur noch in einer Amtssprache (anstelle bisher 3) angebracht werden.
Die Anhänge der EU-Kosmetikverordnung werden vollständig übernommen (Sicherheitsbericht, Liste der Stoffe, die in kosmetischen Mitteln verboten sind, Liste der Stoffe, die kosmetische Mittel nur unter Einhaltung der angegebenen Einschränkungen enthalten dürfen, Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen Farbstoffen, Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen Konservierungsstoffe, Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen UV-Filter, auf Verpackungen / Behältern verwendete Symbole, – Verzeichnis der validierten Alternativmethoden zu Tierversuchen)
Werbeaussagen in Form von Texten, Bezeichnungen, Marken, Bildern oder anderen figurativen oder sonstigen Zeichen dürfen weder explizit noch implizit verwendet werden, um auf Eigenschaften oder Funktionen der Erzeugnisse hinzuweisen, die diese nicht besitzen.
Zur Meldung von Unverträglichkeiten („Cosmetovigilance“) wird in der Schweiz kein eigenes System aufgebaut. Solche Fälle sind in die PID und den Sicherheitsbericht einzubeziehen. Die Schweiz wird sich nicht dem europäischen Notifizierungsportal CPNP anschliessen und auch kein eigenes nationales System zur Meldung von Produkten aufbauen.

Was bedeutet das nun für uns?

Ab dem 1.5.21 müssen für alle selbst hergestellten Kosmetika gemäss VKos Art 4-5 eine Produktinformationsdatei (PID) und ein Sicherheitsbericht (VKos Anhang 5) vorliegen. Dies gilt sowohl für individuelle Herstellungen als auch für auf Vorrat hergestellte Kosmetika, welche in kleine Einheiten abgefüllt werden. Das Erstellen dieser beiden Dokumente ist äusserst aufwändig und darf nur durch eine Person durchgeführt werden, die im Besitz eines Diploms oder eines anderen Nachweises formaler Qualifikationen ist, der nach Abschluss eines theoretischen und praktischen Hochschulstudiengangs in Pharmazie, Toxikologie, Medizin oder einem ähnlichen Fach oder eines als gleichwertig anerkannten Studiengangs erteilt worden ist. Also Apotheker können das. Nur braucht das dermassen viel, dass es sich nicht lohnt, das zu machen – ausser man verkauft genug von so einem Produkt (So ab CHF 4000 könnte man das anschauen).

Es gibt aber (wenige) Umgehungsmöglichkeiten in der Apotheke dafür:

Eigenherstellungen kann man eventuell ersatzweise dem Heilmittelgesetz unterstellen. In diesem Falle dürfen nur Rohstoffe in Pharmakopöequalität verwendet werden und den Produkten muss eine wissenschaftlich belegbare Indikation zugeordnet werden. Einer Handcreme kann z.B. die Indikation „gegen Schrunden“ zugeordnet werden, einem Badesalz „gegen Nervosität“, einem Massageöl „gegen Muskelverspannungen“. Diese nichtzulassungspflichtigen Arzneimittel sind dann Hausspezialitäten gemäss HMG Art 9.2.c und man muss sie (je nach Kanton kostenpflichtig) der Aufsichtsbehörde anmelden oder bewilligen lassen. Wenigstens sind diese Kosten in der Regel sehr viel tiefer als das Erstellen eines Sicherheitsberichtes für Kosmetika. Aufwändig ist auch das.

Abgefüllte Rohstoffe wie Vaseline, fette Oele oder Wachse können Sie als verwendungsfertige Produkte einkaufen und abgeben oder falls dazu eine Monografie in der Pharmakopöe existiert (z.B. Vaseline, Mandelöl, Wollwachs) in Pharmakopöequalität als „formula officinals“ nach HMG Art 9.2.b in Verkehr bringen. Hier ist eine Indikationsangabe fakultativ. Bei Rohstoffen, welche sich nicht in der Pharmakopöe finden (z.B. Hamameliswasser) bleibt einem nichts anderes übrig als auf ein Fertigprodukt auszuweichen.

Alles keine Option für das selber hergestellte (und verkaufte) Kosmetikum? Per sofort sind diese nicht mehr verkehrsfähig. Es bleibt nur noch die Produktinformationsdatei (PID) und den Sicherheitsbericht für jedes einzelne Produkt zu machen und einzureichen. Mitglieder des Schweizerischen Drogistenverbandes können dort Hilfsmittel mit Vorlagen und Beispielen verlangen. Für den Rest: Informationen und Erklärungen aus der EU zum Ausfüllen des Sicherheitsberichtes (VKos Anh 5) und zur Erstellung der Produkteinformationsdatei (PID) findet man hier: Link 1 und Link 2. Hier hat sich eine Rechtskanzlei damit beschäftigt (ist noch gut als Erklärung/Übersicht): https://www.it-recht-kanzlei.de/kosmetika-rechtssicher-verkaufen-kennzeichnen.html

Das gilt alles natürlich auch für nicht in Apotheke oder Drogerie hergestellte Kosmetika!

Ausnahmen: handwerklich hergestellte und lokal, in kleinem Rahmen vertriebene kosmetische Mittel. Das bedeutet: die Dauer des Verkaufes muss Ausnahmecharakter haben, es muss sich um kleine Mengen an Kosmetika handeln, der Verkauf ist zeitlich eng begrenzt und es muss ein persönlicher Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer stattfinden. So eine Ausnahme wäre zum Beispiel ein Schulfest oder Basar an dem die selbstgemachten Kosmetika verkauft werden.

All die privaten Hersteller und Verkäufer auf Etsy und Co und eigenen Websiten (also kein persönlicher Kundenkontakt) sowie diejenigen, die die Sachen in Läden oder von zu Hause aus verkaufen (also länger) fallen nicht unter diese Ausnahme und müssen demnach auch die Produkteinformationsdatei und den Sicherheitsbericht machen (oder machen lassen – es gibt Anbieter, die das machen).

Cremen, Salben, Deos, Duschmittel, Badezusätze, Badeperlen, Badebomben, Lippenstifte, Pommadenstifte, Lippgloss, Bodylotion, Peeling, Seifen, Zahnpasta, Nagellack, Shampoo … selber herstellen für sich und Familie geht immer noch, aber … da sind gerade wohl einige Hersteller sozusagen illegal geworden (und die wissen wahrscheinlich noch nicht mal davon).

Die Creme ist zu scharf!?!

Ist mir gerade wieder eingefallen, als ich mir einen griechischen Joghurt mit Honig und Nüssen gemacht habe – ihr werdet gleich sehen, warum…

Die Kundin zu Donna in der Kosmetikabteilung: „Sie haben mir das letzte Mal eine Salbe zum testen abgefüllt, die ist mir zu scharf!“

Donna (etwas „gebranntes Kind“ nach der Zyrtec Tropfen-Geschichte letztens): „Zu scharf? Was meinen sie damit genau?“

(nachfragen, wenn einem etwas auch nur ansatzweise seltsam vorkommt lohnt sich).

Kundin: „Ich habe den Deckel abgeschleckt.“

Donna: „……“ (oh-nein!-Gesicht hier einfügen)

Kundin: „Die Creme kommt ja ins Gesicht und auch an die Augen, so teste ich das!“

Donna (gefasst): „Ah – auch wenn das eine Gesichtscreme ist – die Augenpartie wird normalerweise ausgespart. Und … bitte essen sie keine Cremen zum einreiben.“

Nein, ich weiss nicht, welche Gesichtscreme das war und ich habe auch keine Absicht alle durchzutesten, ob andere etwas milder schmecken.

Rezeptfreie Medikamente nach Hause liefern lassen

Rezeptfreie Medikamente nach Hause liefern lassen – das geht, ganz ohne Versandapotheke! Dank dem weit verbreiteten Hauslieferdienst, den die Apotheken an sich schon anbieten und der jetzt in der Pandemiezeit wesentlich erweitert wurde. Bisher waren aber auch wir Hausapotheken rechtlich eingeschränkt – wir dürfen Medikamente (auch OTC, also rezeptfreie) nur nach einer Fachberatung abgeben. Das bedeutet, dass wir an bekannte (Stamm-)Kunden auch die nach Hause liefern durften, aber nicht an unbekannte Patienten. Es hat aber nicht jeder eine Hausapotheke.

Nun wird uns die Möglichkeit gegeben, das zu ändern. Auch uns unbekannte Neukunden, die sich zum Beispiel in Selbst-Quarantäne begeben mussten, dürfen in der Apotheke Medikamente bestellen – und sie werden nach Hause geliefert. Die Fachberatung erfolgt dabei per Telefon, sie wird dokumentiert und die Medikamente mit dem Hauslieferdienst gebracht. So können Apotheken und Drogerien in Zeiten der Corona-Krise eine kundenorientierte Lösung bieten, die rechtskonform ist und eine hohe Qualität garantiert.

Teilnehmende Apotheken findet man auf: Rezeptfreie-Medikamente.ch

So funktioniert die Hauslieferung:

  • Auf der Website suchen Sie eine Apotheke oder Drogerie in Ihrer Nähe aus.
  • Sie rufen in der Apotheke oder Drogerie ihrer Wahl an und eine Fachperson führt mit Ihnen ein Beratungsgespräch durch, dabei werden die notwendigen Angaben zur Bestellung aufgenommen.
  • Das rezeptfreie Medikament wird Ihnen nach Hause geliefert
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Aus den FAQ:

  • Ausser Medikamenten kann auch weiteres aus dem Sortiment der Apotheke / Drogerie geliefert werden: Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika.
  • Die Daten die zur Dokumentation aufgenommen werden, werden weder weitergegeben noch für Werbezwecke verwendet.
  • Ob und wieviel der Hauslieferdienst kostet, erfährt man bei der ausgewählten Apotheke.

Sichern und weitersuchen?

Vor Jahren bei uns in der Drogerie: Betriebsleiter Urs sucht einen Lehrling, damals hatten wir noch Dutzende Bewerbungen für die Stelle. Mit Mühe hat er das auf etwa 6 reduziert, die er jeweils einen Tag bei uns schnupper-„arbeiten“ liess. Das hat nur halb etwas mit arbeiten zu tun, an dem Tag begleitet der Schnupperlehrling vor allem einen unserer richtigen Lehrlinge, hilft beim Ware eingeben, Ware versorgen, bei den Austragungen etc. und muss ein paar Aufgaben erledigen wie ein Fragebogen zum Geschäft und zu Allgemeinwissen ausfüllen. Und mit den Angestellten interagieren … wir fragen gerne nachher, wie sie als Person da angekommen ist. So eine Anstellung ist ja auch eine Art „Beziehung“.

Nach der letzten sitzen wir zusammen und schauen uns an, wie das ging. Wir haben 2 Favoriten – eine davon vielleicht etwas geeigneter und wir entscheiden uns für sie. Urs macht den Fehler und sagt praktisch zeitgleich allen andern ab, noch bevor er unsere Favoritin erreicht. Ich bezeichne das deshalb als Fehler, weil von ihr dann das kam:

„Oh, das ist schön, aber … kann ich mit der festen Zusage noch etwas warten? Meine Freundin hat sich auch als Drogistenlehrling beworben bei (grosse Drogerie, die eventuell 2 Lehrlinge nimmt) und ich auch, da ich gerne mit ihr zusammen die Lehre machen würde. Und die haben sich noch nicht entschieden …“

Und weil Urs (zu) nett ist in so Belangen, hat er ihr für die Entscheidung mehr Zeit gegeben.

2 Wochen später hatten wir immer noch keine Nachricht, also hat er ihr noch einmal angerufen – und wieder bat sie um Aufschub für die Entscheidung. Sie würde dafür sogar noch einmal zu uns probearbeiten kommen (sogar ohne Entschädigung …. wobei, für uns ist das mehr Aufwand als für sie, aber das lassen wir mal beiseite).

Als danach noch eine Woche später immer noch keine Zusage kam habe ich bei Urs interveniert und ihm gesagt, er soll die anderen Kandidaten jetzt anrufen, angefangen bei unserer 2. Wahl. Es ist nicht abzusehen, wann sich die andere Drogerie entscheidet. Ich habe schon gehört, dass sie nicht gerne schon bestehende Freundinnen zusammen die Lehre machen lassen und die Zeit läuft – nicht nur für uns, jemanden zu finden. Und wenn sie zusagt, der anderen definitiv abzusagen.

Wir hatten Glück, dass unsere Zweitwahl noch frei war. So kamen wir zu unserem wirklich guten Lehrling. Supernett, gut in der Schule, arbeitsam und durchaus motiviert. Könnte im Endeffekt nicht besser gelaufen sein für uns.

Und unsere damalige erste Wahl? So ich weiss hat sich die andere Drogerie dann erst einige Wochen später entschieden – und zwar weder für die Kollegin, noch für sie. Die Kollegin hat kurzfristig woanders etwas gefunden, sie selber nicht (war vielleicht doch weniger an der Arbeit interessiert als daran mit einer Freundin zusammen zu sein?). Und die Kollegin hat die Lehre noch vor Ablauf des ersten Jahres hingeworfen.

Das ist der Grund, weshalb ich heute, wenn bei einer Zusage von uns so eine Antwort kommt, empfehle zu antworten, dass man da vielleicht einmal drüber schlafen kann – aber ansonsten da schon sagt, dass man in diesem Falle die Stelle einem anderen Kandidaten gibt. Das ist fair für beide Seiten, da weiss man, woran man ist.

Wir hatten nämlich auch schon den anderen Fall: eine Apothekerin im Assistenzjahr. Ich war relativ spät dran mit Suchen dran und hatte (trotzdem) einige Interessenten. Von derjenigen, die wir dann genommen haben, habe ich viel später erfahren, dass sie eigentlich schon eine feste Zusage am Telefon gehabt hat. Aber als sie ein paar Wochen später angerufen hat um zu fragen, wie das mit dem Vertrag unterschreiben aussieht (da sie noch nichts bekommen hat), hat sie erfahren, dass die Apotheke die Stelle in der Zwischenzeit trotz gegenseitiger Zusage einer anderen gegeben hat. Keine Ahnung warum, aber ich denke nicht, dass das da ein Kommunikationsproblem war. Diese Praktikantin war für uns auch super – und leider (wie halt bei Apothekenassistenten üblich) viel zu wenig lange da.

Aber für beide: potentiell Arbeitgeber und Angestellte gilt: Sichern und Weitersuchen – das geht gar nicht.

Der nächste Bitte.

Hier der Grund, weshalb ich Sonntags manchmal echt nichts mehr unternehmen kann. Zu kaputt – nach einem Samstag wie gestern brauche ich viel Rekonvaleszenz-Zeit möglichst alleine, damit ich wieder einigermassen sozial verträglich bin.

Deshalb: (Und das ist die Kurzfassung):

Ich gehe zum Kunden, einem ältereren Mann – (Nennen wir ihn ähMa). Er beginnt ohne meine Begrüssung zu erwidern: „Haben Sie Löwenzahn?“

Pharmama: „Ja. Wie hätten Sie ihn gern?“

ähMa: „Was haben Sie denn?“

Pharmama: „Wir haben Tee und Urtinktur Tropfen zum Einnehmen hier.“ (Spagyrisch auch noch, aber … das Fass mache ich nicht auf, wenn er nicht fragt).

ähMa: „Könnten Sie mir das zeigen, wie das aussieht? Ist der Tee fertig?“

Ich bringe ihm Sidroga Tee und einen Beutel vom Tee, den wir abfüllen als Ansicht. Der Tee ist nicht Löwenzahn, den haben wir noch nicht fertig abgefüllt, nur zum zeigen, wie wir offenen Tee abfüllen. Dazu noch die Ceres Tropfen. Die schiebt er fast sofort zur Seite – „das will ich nicht“. Er nimmt den Sidroga Tee zur Hand, die Packung ist zugeklebt, deshalb erläutere ich hilfreich: „Das sind 20 fertige Teebeutel mit Löwenzahn.“

ähMa: „Was vom Löwenzahn ist da drin?“

Ich schaue auf der Rückseite: „Kraut und Wurzel.“

ähMa: „Da steht das aber nicht.“

Pharmama: „Doch auf Lateinisch – taraxacum herba cum radice.“

ähMa: „Hmm.“… Er stellt den Tee auf den Tisch zurück. „Und das da? Das ist aber nicht Löwenzahn!

Pharmama: „Nein, das ist nur damit Sie sehen können, wie wir losen Tee abfüllen und verkaufen. Wir haben vom Löwenzahn Kraut und Wurzel auch getrennt.“ – insgeheim hoffe ich ja momentan, dass das nicht das ist was er will. Denn abfüllen dauert wieder ein paar Minuten und inzwischen füllt sich die Apotheke schon wieder.

ähMa: „Hmm. Aber Tee machen ist mühsam. Machen Sie den auch zum trinken in der Apotheke??“

Pharmama: „Äh – sie meinen, ob wir Tee brauen, den man dann hier gleich trinken kann?“

Er nickt erwartungsvoll.

Pharmama: „Ah nein. Wir füllen ihn ab, damit Sie das zu Hause machen können.“

ähMa: „Hmmm. Ich will aber eigentlich etwas flüssiges. Da gab es doch einmal so Flaschen, das konnte man direkt trinken …“

Pharmama: „Moment …“ Er hat mich da grad drauf gebracht, was es noch geben könnte. Ich gehe und hole eine Flasche Schönenberger Artischockensaft und schaue rasch, ob und wie die Lieferbarkeit ist vom Löwenzahnsaft, den die tatsächlich auch herstellen.

Pharmama: „Von diesen hier gibt es auch Löwenzahnsaft. Das sieht genau so aus, aber den habe ich nicht hier.“

ähMa: „Das ist aber nicht Löwenzahnsaft.“

Pharmama: „Nein – aber ich kann das bestellen.“

ähMa: „Wieso haben sie das nicht hier? Sie sind doch ein Geschäft, da sollten sie so etwas schon an Lager haben!“

So ganz langsam fängt er mich an zu nerven. In der Zwischenzeit sind auch mindestens 3 Leute mehr hereingekommen und die anderen sind schon am bedienen, so dass ich nicht einmal eine Kasse mit Computer habe zum nachschauen. Aber in dem Fall brauche ich das auch nicht.

Pharmama: „Wie schon gesagt, ich kann das bestellen. Das mache ich auf Nachfrage. Wenn ein Mittel nur einmal im Jahr verlangt wird, dann bringt das gar nichts, wenn ich das an Lager habe, nur damit es dann verfällt.“

ähMa: (etwas erstaunt ob der brüsken Antwort): „Und wie lange geht das mit dem Bestellen?“

Pharmama: „Wenn ich das jetzt mache, habe ich es heute Mittag ab 4 Uhr hier.“ (Das habe ich ja vorher angeschaut)

ähMa: „Oh. Schon. Hmm. … Was ist denn da drin vom Löwenzahn?“

Pharmama: „Moment – ich muss an einen Computer hinten nachschauen.“

Vorne stehen jetzt die Leute Schlange. Ich komme in Rekordzeit zurück (und habe noch 2 Rezepte kontrolliert und eine Frage des Lehrlings beantwortet): „Auch Löwenzahnkraut und Wurzel.“

ähMa: „Hmm. Wissen Sie bisher habe ich Kapseln genommen, die ich im Internet bestellt habe von Deutschland.“

(Grrr – das wäre grad noch zum Diskussionspunkt weshalb wir etwas nicht an Lager haben ..)

ähMa: „Und die gibt es so nicht mehr – jetzt will ich etwas flüssiges zum Einnehmen.“

Pharmama: „Ja – und das habe ich hier (Ceres Tropfen) und das von Schönenberger kann ich bestellen.“

ähMa: „Das muss ich noch etwas überlegen. Wissen Sie, ich möchte das für das Immunsystem.“

Jetzt ist es an mir zu Hmmmen …

Pharmama: „Hmmm. Das ist aber nicht für das Immunsystem. Löwenzahn wird gebraucht um die Leber anzuregen und den Stoffwechsel und für Frühlingskuren.“

ähMa: „Aber im Internet habe ich gefunden, dass das auch für das Immunsystem ist!“

Pharmama (so neutral wie’s geht): „Möglich, dass das da steht – aber ich habe davon noch nicht gehört.“

ähMa: „Vielleicht ist das auch nur nicht der Löwenzahn den man für’s Immunsystem braucht. Ich muss mir das überlegen.“

Pharmama: „Tun sie das. Und wenn sie es doch bei uns bestellen möchten, dann kommen sie zurück und sagen das mir oder einer Kollegin. Wir brauchen nur einen halben Tag dazu.“

Mit einem Blick auf die inzwischen noch mehr angewachsene Schlange (davon diverse mit Rezepten) verabschiede ich mich …

Der nächste Bitte?

… auf der Lauer, eine kleine …

Einer unserer älterer Patienten fragt mich nach dem Rezeptbezug, ob er mir „etwas zeigen könne“?

Natürlich. (Auch wenn ich ich schon „schlechte“ Erfahrungen nach so einer Ansage hatte, bei ihm ist das eher nicht zu erwarten).

So zieht er aus seiner Jackentasche sorgfältig eine Zündholzschachtel (Streichhölzer für die deutschen Leser) und schiebt sie unter meiner Nase auf. Ich erwarte irgendein Tier oder spezifischer Insekt – hoffentlich keine Läuse – wobei die ja meist in Plastikbeuteln gebracht werden, da sonst zu klein zum transportieren.

„Ich habe das auf meinem Bett gefunden. Können Sie mir sagen, ob das eine Bettwanze ist?“

Uh.

Ein Blick in die Schachtel, dann Erleichterung.

„Das ist eine Wanze, aber keine Bettwanze.“

Die hier kommt vom Garten – diesen Winter habe ich auch bei uns zu Hause schon einige gefunden. Ich werfe sie normalerweise einfach wieder raus. Ohne sie zu zerdrücken – die können ziemlich stinken. Ich erkläre ihm das – zu seiner Erleichterung. Er hat auch sonst keine Bisse oder Stiche oder derartiges, also ist anzunehmen, dass sein Haus Bettwanzenfrei ist.

So sieht übrigens eine Bettwanze aus:

Die fressen Blut (im Gegensatz zur Stinkwanze oben) und hinterlassen juckende Stiche – oft in Reihen – und Blutflecken / Kotflecken aus verdautem Blut auf der Matratze. Sie sind ausserdem extrem schwer selber zu finden und noch schwerer wirklich auszurotten. Am besten schaut man, dass man sie nicht mit nach Hause nimmt – meist aus den Ferien.

Übrigens: Auch wenn ich das Tierchen jetzt nicht gleich erkannt hätte: Apotheken und Drogerien in der Schweiz bieten zusammen mit der Firma Gesal einen Service an, um Insekten (Käfer, Larven, Würmer, Raupen, Fliegen etc.) zu indentifizieren. Dazu bringt man den am besten noch lebenden Fund (gut verschlossen bitte) in die Drogerie, die ihn dann an die Firma Gesal schickt und eine detaillierte Beschreibung zurückerhält, um was für ein Insekt es sich handelt, und ob man etwas dagegen tun kann oder sollte. (Nicht immer der Fall – wir hatten schon Wildbienenlarven in der Scheune, die lässt man natürlich).

Für Deutschland und Österreich habe ich im Internet eine App gefunden von rentokil – iSchädlinge, wo man das Insekt fotografiert und das Bild einschickt. Sie ist im Schweizer Shop (momentan?) allerdings nicht erhältlich.

Bildquelle grüne Stinkwanze: André Karwath aka Aka – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=131279

Bildquelle Bettwanze: CDC/ Harvard University, Dr. Gary Alpert; Dr. Harold Harlan; Richard Pollack. Photo Credit: Piotr Naskrecki — http://phil.cdc.gov/phil/details.asp?pid=9822, Domaine public, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2119254