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Der Arschloch-Apotheker

Ein wirklich übler Fall: Spermienabtötende Creme? Apotheker filmt die Opfer (aus der Südtirol News).

Die (mindestens 6) Frauen kamen zu ihm, weil sie nicht schwanger werden wollten und die Pille danach brauchten. In die Apotheke, teils auch ausserhalb der Öffnungszeiten, weil er ein „Freund der Familie“ war. In Italien ist die Pille danach ja noch rezeptpflichtig – streng katholisches Land halt, wie Polen. Das hat der Apotheker ausgenutzt … und statt die abzugeben, hat er ihnen eine „selbstgemachte Spermienabtötende Creme“ verkauft. Die Creme mussten sie dann sofort auf der Apothekeneigenen Toilette anwenden. Ausserdem wirke sie nur, wenn man dazu noch masturbiere. Die Toilette war mit versteckter Videokamera ausgerüstet. Bei mindestens einer Frau hat er ausserdem vorher noch verlangt, dass sie einen Schwangerschaftstest macht – und war dabei in der Toilette und hat den Teststab selber gehalten. (Brrr).

Ihm werden wiederholte sexuelle Gewalt unter erschwerenden Umständen und Verletzung der Privatsphäre vorgeworfen.

Was in der spermienabtötenden Creme denn drin war, wollte er offensichtlich nicht darlegen – ich könnte mir vorstellen, dass das nicht (nur) ein Spermizid enthielt, sondern dass er die Hormone der Pille danach vielleicht so verabreicht hat … ansonsten hätte er neben der Verletzung der Privatsphäre wohl auch noch das Problem, dass zumindest ein paar der Frauen trotzdem schwanger geworden wären. Andererseits … die Frauen haben ja etwas rechtlich (da die Pille danach rezeptpflichtig ist) und moralisch bedenkliches (zumindest in den Augen der Kirche) verlangt … und sich so selber „schuldig“ gemacht, dann geht man auch nicht so einfach jemanden anzeigen.

Die Kommentare auf der Seite sind übrigens unterirdisch. Viele von diesen verurteilen die Frauen, dass sie es hätten besser wissen können, als sich auf so etwas einzulassen.

Dem Kerl sollte eine empfindliche Strafe auferlegt werden, und ausserdem für den Rest des Lebens verboten werden auch nur in der Nähe einer Apotheke oder im Gesundheitssystem zu arbeiten – und nicht nur 4 Monate! Er hat seine Position ausgenutzt und die betroffenen Frauen übel missbraucht – Ja, auch wenn er nicht selber Hand angelegt hat. Er beschmutzt den guten Ruf der Apotheker – der Vertrauensverlust den derartiges Verhalten nach sich zieht: das hat Auswirkungen auf uns alle. In den Augen der Öffentlichkeit, nicht nur der hilfesuchenden Frauen.

Aber: dieser Apotheker ist ein Arschloch. Der Rest ist nicht so. Wirklich.

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Life, uh … finds a way

Finde ich doch erstaunlich, dass ich heute noch einer erwachsenen Frau erklären muss, dass „herausziehen“ keine adäquate Verhütungsmethode ist und sie trotzdem schwanger werden kann.

Eigentlich war sie ja nur hier, um von mir als medizinische Fachperson die Bestätigung zu holen, dass sie die Pille danach in dem Fall nicht braucht. Nur … die konnte ich ihr nicht geben.

Nachdem ich ihr also dreimal erklärt habe, dass auch in den sogenannten Lusttropfen schon Sperma drin sein kann und dass sie (bei einigermassen regelmässigem Zyklus) sich gerade in der kritischen Phase des Zyklus befindet Und sie nicht verhütet hat (nochmals: herauziehen zählt nicht als verhüten), Und auch wenn das bisher gut gegangen ist (keine Ahnung, weshalb sie dieses Mal die Bestätigung braucht) … habe ich sie vor die einfache Wahl gestellt:

„Es ist ihre Entscheidung. Wenn Sie ganz sicher nicht schwanger werden möchten, dann empfehle ich ihnen die Pille danach.“

Danach hatten wir dann das normale Pille danach Gespräch und sie hat die Pille danach bekommen und genommen.

Wobei ich noch anmerken möchte, im Zweifelsfall gebe ich auch kurz nach der Periode die Pille danach – ich halte mich da an Dr. Ian Malcolm aus Jurassic Park (gespielt von Jeff Goldblum): „Life finds a way “*. …

Immer gern erinnere ich mich da an die Geschichte des Frauenarztes in der einen Weiterbildung: Frau mit Status nach Entfernung wegen Zysten mit nur noch einem Eierstock (auf der linken Seite) und einer Eileiter (auf der rechten Seite) … eigentlich hat man ihr gesagt, da sei es unmöglich, dass sie noch schwanger wird. Nun … stellt sich heraus, dass die Eileiter ziemlich beweglich sind im Körper und bei der richtigen chemischen Anregung (nach Eisprung) auf die Suche nach dem Ei gehen. Ja – sie wurde schwanger. In dem Fall war das eine freudige Überraschung – die Frauen, die zu mir in die Apotheke kommen, wollen das wohl eher nicht.

* Aus Jurassic Park (Film):

Dr Ian Malcolm: „John, the kind of control you’re attempting simply is… it’s not possible. If there is one thing the history of evolution has taught us it’s that life will not be contained. Life breaks free, it expands to new territories and crashes through barriers, painfully, maybe even dangerously, but, uh… well, there it is.“

John Hammond: [sardonically] „There it is.“

Henry Wu: „You’re implying that a group composed entirely of female animals will… breed?“

Dr. Ian Malcoml: „No. I’m, I’m simply saying that life, uh… finds a way.“

Wollt ihr mehr lesen über die Pille danach in (Pharmamas) Apotheke?:

Korrekt und freundlich: so beraten Apotheken auch bei der Pille danach.

Der Beobachter hat – wahrscheinlich nach dem Artikel, der in den 20 Minuten kam und ziemliche Reaktionen hervorgerufen hat – selber Leute losgeschickt um zu sehen, was dran ist.(Ganzer Artikel hier).

Nicht wirklich viel, so wie’s aussieht. Ausnahmen gibt es ja (leider) immer, aber bei den  10 getesteten Apotheken waren die Apotheker durchgehend korrekt und haben freundlich beraten: unter 4 Augen im Beratungsraum. Keinerlei Anschuldigungen von wegen der Covergeschichte vom Sex unter Alkoholeinfluss mit dem One-night-stand. Das habe ich auch nicht anders erwartet.

Negativ aufgefallen ist nur dies:

In der St. Galler Apotheke Amavita rief die Angestellte mit lauter Stimme nach der Apothekerin: «Eine Kundin für die Pille danach!» Gut hörbar für alle Anwesenden. In der Apotheke Sunstore im Berner Storchengässchen berechnete die Apothekerin den Zyklus falsch. Sie erklärte, dass die Testerin vermutlich nicht schwanger werden könne, weil vor zwei Wochen die letzte Periode begonnen hatte.

Umm ja. Das macht man nicht. Auch heute nicht. Durch den Laden rufen (gerade bei so etwas) ist sehr unfein – bitte die Angestellte darauf hinweisen. Was den falsch berechneten Zyklus angeht: Hmpf. Im Zweifel gebe ich auch direkt nach der Menstruation die Pille danach ab … Unregelmässigkeiten und Ausnahmen gibt es auch hier und es gilt: lieber sicher als „sorry“.

Apotheker, nicht Moralapostel. Auch nicht bei der Pille danach.

Meine Kollegin hat mir letztens von einer Begegnung erzählt:

Patientin nach dem Pille-danach-Gespräch: „Das war ja gar nicht so schlimm!“

Kollegin: „Was haben Sie denn erwartet?“

„Oh, eine Freundin hat mir erzählt ,dass die Apothekerin sie praktisch ausgeschimpft hat.“

Kollegin: „Das würde ich nie machen.“

Genausowenig wie ich – und ich kenne auch persönlich keine Apothekerin die das würde. Auch keine Apotheker – aber von denen gibt es sowieso nicht so viele. Die  meisten Pille danach Beratungen heute werden von Frauen durchgeführt und ich bin auch sicher, dass die meisten das auch korrekt und anständig machen.

Trotzdem scheint das an manchen Orten ein Problem zu sein. So titelt die 20Minuten:

Kauf der «Pille danach» «Der Apotheker fragte, ob wir Analsex hatten»

Frauen, die in der Apotheke die «Pille danach» kaufen gehen, werden erniedrigt, zurechtgewiesen und beleidigt. Das zeigt ein Aufruf bei 20 Minuten, auf den sich innert kürzester Zeit über vierzig Leserinnen gemeldet haben.

Am liebsten würde ich ja hier dazu aufrufen, dass sich mal die vielen melden, bei denen das (wie bei uns) problemlos gegangen ist.

Es gibt einiges was wir fragen müssen – und manches davon mag an sich für empfindliche Gemüter als peinlich empfunden werden (auch wenn es das für uns nicht ist). Wir machen das aber im Beratungsraum. Das bekommt nicht die gesamte Apotheke mit. Wann der Geschlechtsverkehr war, weshalb man die Pille danach braucht … es kann durchaus vorkommen, dass sie gar nicht nötig ist. Weil zum Beispiel schon verhütet wird. Weil (nur) Analsex oder Oralsex nicht zu Schwangerschaft führt. Weil die Pille danach nicht zur normalen Verhütung verwendet werden soll. Weil sie für „danach“ ist, nicht für davor. Manchmal ist auch ein Schwangerschaftstest angezeigt … auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie man den „vor“ dem Apotheker machen will, wie im ersten Artikel der 20 Minuten geschrieben.

Es ist nicht unsere Aufgabe, den Moralapostel zu spielen. Wir werden wahrscheinlich etwas sagen, wenn die Pille danach von der selben Person häufig gebraucht wurde – eben weil das nicht zur normalen Verhütung gedacht ist UND weil sie kein Schutz vor sexuell übertragenen Krankheiten ist … zu denen wir in so einem Fall auch etwas erzählen müssen. Und ich bin sicher, dass der Apotheker am Bahnhof in so einem Fall auch etwas … deutlicher wird.

Die Pille danach wird nicht abgegeben, wenn etwas fachliches dagegen spricht. Apotheker, die sie aus „moralischen Gründen“ nicht abgeben (wollen) oder keine Verhütungsmittel verkaufen wollen gehören nicht in die Offizin. Wir sind in der Schweiz und nicht im „Bible belt“ in den USA, wo das geht.

Was wir hier auch machen, ist die Pille danach gleich einnehmen zu lassen – das macht deshalb Sinn, weil sie ja zur besseren Wirksamkeit möglichst bald nach dem Geschlechtsverkehr genommen werden soll – und weil sie nicht zur Vorbeugung gedacht ist. Also: entweder man braucht sie jetzt, oder man hat die Zeit dafür zum Arzt zu gehen. Der darf sie nämlich auch heute noch verschreiben.

Was wir Apotheker hier aber machen ist eine Dienstleistung. Wenn ich daran denke, wie viel Zeit das braucht, mal kurz einen Termin beim Arzt zu machen oder auf dem Notfall oder in der Frauenstation auf eine Konsultation zu warten … und auch daran, dass das dort (meist) männliche Ärzte sind, die (genauso) voreingenommen sein können .. und daran, dass man bei uns für die Arztbesuche (nicht gerade wenig) zahlt … Dann ist die Abgabe in der Apotheke unkompliziert, Zeit- und Weg-sparend und wahrscheinlich auch noch günstiger. Als Beispiel, wie das aussieht ohne, sei dieser Erfahrungsbericht aus Deutschland vor PiDaNa-Zeiten erwähnt.

In dem Sinne: lasst Euch nicht von einer Zeitung, die gezielt danach aufruft, dass man die negativen Erfahrungen einschickt, einschüchtern oder gar dazu bringen die Pille danach nicht zu holen, wenn sie nötig ist. Die Apotheke ist für Dich da. Und die allermeisten Apotheker machen das gewissenhaft und ohne eventuelles Moralisieren oder andere Peinlichkeiten. Wenn Du unsicher bist, wende Dich an eine kleinere Apotheke und an eine Apothekerin.

Tierische Probleme

Frau in der Apotheke:

„Wir hatten eben erst Welpen, jetzt komme ich nach Hause und sehe die beiden Hunde schon wieder am … … jedenfalls – haben sie die Pille danach? Ich möchte nicht noch mehr Welpen!“

„Was nicht? Ich habe aber gehört, man bekommt die Pille danach in der Apotheke!“

Ja – die ist für Menschen. Keine Ahnung ob das bei einem Hund auch funktionieren würde, damit kenne ich mich nicht aus (aber ich vermute mal eher nicht).

Ab zum Tierarzt?!

(mehr Tierisches aus der Apotheke hier nachlesen)

Fehlerkorrektur

Ohne Apotheke_r(3)

Eingeschickt von einer ungenannt bleiben wollenden Leserin, ein Fall für die Blogparade:

ich möchte Dir von einem Erlebnis berichten, das ein Beispiel für guten Kundenservice und den Umgang mit Fehlern ist. Das Erlebnis fand übrigens in Deutschland statt. Nicht lange, nachdem die Pille/n danach freigegeben wurden zur Abgabe in der Apotheke.

Ich ging zu meiner Stammapotheke, bei der ich auch eine Art Kundenkarte habe, um mir die Pille danach zu besorgen. Im Beratungsgespräch sprachen wir auch darüber, dass ich zurzeit stille und dementsprechend lieber den Wirkstoff hätte, bei dem man nur acht Stunden nicht stillen darf. Ich zahlte, nahm die Packung und ging, um eine Kleinigkeit zu essen zu kaufen, weil man direkt vor der Einnahme etwas essen sollte. Als das erledigt war, setzte ich mich auf eine Bank – zufällig neben der Apotheke – und widmete mich der Packungsbeilage. Da kam die Apothekerin ganz aufgeregt und fragte mich, ob ich die Tablette schon genommen habe.
Sie hatte mir nämlich die falsche Pille danach gegeben, mit der ich eine Woche nicht hätte stillen dürfen. Sie hatte auch schon bei mir zu Hause angerufen und mir auf den Anrufbeantworter gesprochen (übrigens sehr vorbildlich ohne von der Pille danach zu sprechen). Als ich sie traf, wollte sie gerade mit dem Fahrrad losfahren, um mich vielleicht auf dem Weg nach Hause zu erwischen.

Weil ich als alter Packungsbeilagenleser den Fehler gemerkt hätte, war in diesem Fall der Fehler der Apothekerin nicht so tragisch, aber ich bin begeistert über den Einsatz, den sie gezeigt hat.

Ja – ausgezeichnete Reaktion. Einerseits selber den Fehler zu bemerken und andererseits in diesem Fall so schnell wie möglich zu reagieren um Folgen zu verhindern. Sehr schön auch, wie sie offenbar das Patientengeheimnis selbst in der Situation beim Reden auf den Anrufbeantworter gewahrt hat. So soll es sein.

Wer bei der Blogparade mitmachen möchte, liest hier nach wie’s geht … und kann dort auch schon einige Beiträge auf anderen Blogs lesen. Mitmachen ist noch bis zum 5. Mai möglich!

„Professionelle“ Pille danach -Beratung

Meine Pharmaassistentin kommt zu mir ins Büro, wo ich mich grad in Arbeit vergrabe – mit einem leicht amüsierten Gesichtsausdruck.

„Ich hab’ da eine Pille danach Beratung für dich – sie ist nicht allein. Ihr Freund oder Vater (??) ist mit dabei.“

„Hast Du ihnen gesagt …?“

„Ja, dass Du das abklärst und es 40 Franken kostet. Er hat sofort gesagt, er zahle alles!“

Oookay. Ich gehe nach vorne.

Vor mir stehen eine hübsche, gut geschminkte jüngere Frau und ein Mann, der … nicht alt genug sein kann, dass das der Vater ist.

„Möchten Sie mit dabei sein?“ frage ich, als ich sie zum Beratungsraum bringe.

„Ja.“ sagt er und dann gleich: „Müssen Sie wissen, was Sie arbeitet?“

… ??…

„Umm nein. Das ist jetzt etwas, das ich nicht wissen muss.“

(Jetzt glaub’ sowieso nicht mehr ….)

Die weitere Beratung verläuft ereignislos und offenbar zur vollsten Beruhigung des Mannes, der nur einfach „wirklich nicht will, dass sie schwanger wird“ nach dem Kondomunfall, den sie vorher hatten. Klassiker. Kommt offenbar überall mal vor.

Erst als wir zum Punkt „Soll ich Sie noch über sexuell übertragbare Krankheiten aufklären?“ kommen und sie professionell abwinkt, wird er etwas bleich – die Idee ist ihm noch nicht gekommen, dass das auch ein Problem sein könnte.

Gut, die Chancen sind klein, dass bei dem geplatzten Kondom in der einen Begegnung …. „und ausserdem ist ja nicht sicher, dass sie überhaupt etwas haben?“ Blick zu ihr – sie schüttelt den Kopf: „Der letzte Test war negativ“

So konnte ich beide einigermassen ruhig entlassen – nachdem er wie versprochen bezahlt hat mit dem Nachsatz: „Das ist toll wie schnell das ging – das hätte auch mehr kosten dürfen.“

Naja – ich bin nicht ganz sicher, ob er für die zusätzliche Zeit mit ihr bei mir nicht auch noch zahlt …. und wieviel.

Wollt ihr mehr lesen über die Pille danach in (Pharmamas) Apotheke?:

Aber dafür hat sie keine Zeit?

An den Mann, der letzthin in der Apotheke war um nach der Pille danach zu fragen. Es ist so, wie ich Ihnen erklärt habe: Ich brauche die Frau, die das dann nimmt, damit ich das abgeben kann, weil ich sie ein paar Dinge fragen muss.

Nur zu gerne wüsste ich den Grund, weshalb es (laut ihrer Aussage) nicht möglich ist, dass sie selber in eine Apotheke kommen kann. Nie … in den nächsten noch fast 5 Tagen. Sie waren da etwas … ausweichend. Hmmm ….?

Ja 5 Tage!– seit Februar ist die EllaOne auch in der Schweiz für die Abgabe durch die Apotheker zugelassen! Ich denke, das haben wir der EU zu „verdanken“ – zuletzt wohl Deutschland. Momentan ist die Pharmasuisse daran die Formulare entsprechend anzupassen, aber schon jetzt haben wir die Möglichkeit das zu wählen.

Aktuell nervt mich einfach die Firma, die einen fast erdrückt mit Informationen, Briefen, mails, Bestellangeboten, eigenen Formularen und Angeboten die Mitarbeiter zu schulen, wobei sie die Briefe dafür wohl direkt von den deutschen Vorlagen letztes Jahr übernommen haben … da steht noch etwas von PTA drin – wir haben hier Pharmassistentinnen!

Und wie haben Sie sich das gedacht?

Junge Frau (JuF): „Ich hätte gerne die Pille danach.“

Meine Pharmaassistentin Donna: „Natürlich. Die gibt es nach der Abklärung durch die Apothekerin. Braucht ca. 15 Minuten und kostet alles inklusive 40 Franken.“

JuF: „Ich habe kein Geld da.“

Donna: „Sie können auch mit Karte zahlen.“

JuF: „Nein, ich habe gar nichts da.“

Das erstaunt Donna so sehr, dass sie das erste sagt, was ihr in den Kopf kommt:

„Und wie haben Sie sich das dann gedacht?“

Ja, wie? Wieder ein Fall, der denkt, es müsste alles gratis sein im Gesundheitswesen?

Ich kann bei Leuten mit verzweifelt finanziellen Problemen noch ein bisschen was am Preis schrauben– ich verzichte auf die Gebühr, die mir der Mehraufwand hier macht, in extremen Härtefällen vielleicht sogar auf die Marge – aber gratis gibt’s das garantiert nicht. Das sind dann immer noch etwas über 20 Franken. Kondome sind günstiger. Wenn sie finanziell derart schlecht dasteht und so ein Problem hat, besteht auch noch die Möglichkeit zu einer Familienberatungsstelle zu gehen.

Jedenfalls – nach einiger Diskussion einigt man sich darauf, da sie die Pille danach jetzt gleich nehmen will, dass sie halt etwas als Pfand hier lässt … Ihren Pass (den hat sie im Gegensatz zu Geld dabei) und diesen in den nächsten Tagen dann auslösen geht.

Na dann.

Die Abklärung danach hat dann ergeben, dass es sinnvoll ist, die Pille danach zu nehmen und sie hat dann am nächsten Tag auch bezahlt.

Das ist ja cool: Apothekerblog hilft Arzt

Ich lese dein Blog seit Jahren mit Begeisterung, auch dein Buch habe ich geradezu verschlungen. Ich selber habe Medizin studiert … und das Wissen, das ich von deinem Blog habe, hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht oder mir, äxgüsi, den Arsch gerettet. Das letzte Mal erst vor Kurzem, und ich möchte dir gerne davon berichten.

Diese Woche habe ich meinen ersten Nachtdienst. … Ich bin eigentlich auf der Chirurgie, aber in dem kleinen Spital, in dem ich arbeite, muss ich nachts alle Patienten betreuen, die aufschlagen, medizinische, gynäkologische, augenärztliche, was auch immer. Und eine davon war eine 15jährige, welche die Pille danach wollte.
Selber habe ich keine Ahnung von der Norlevo. Ich weiss, was es ist, wie es wirkt… Aber nun musste ich plötzlich auch noch ein Beratungsgespräch führen, die richtigen Fragen stellen, die richtigen Hinweise geben. Und sowas lernt man im Studium natürlich nicht. Aber ich lese ja dein Blog, und du hast schon mehrfach darüber geschrieben – und deshalb haben wir es dann auch einigermassen gut über die Bühne gebracht. Das hat mir etwas Sicherheit gegeben an einem Abend, an dem ich sowieso schon nervös war. Deshalb wollte ich mich dafür bedanken.

Wow. Bitte, sehr gern geschehen!

Wer nachlesen will, wie das gegangen ist (und das ist lesenswert und für eine Pille danach -Beratung wirklich herzig) kann das hier: https://gramseleblog.wordpress.com/2016/01/05/die-pille-danach/

-der Blog  kommt auch in meine Patientenliste. Cool.

Notdienst – Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind ?
Es ist der Teenie, denn sie will kein Kind.
Alles lief gut bis Erlkönigs Gummi „zerbrach“ .
Her muss jetzt die Pille danach !
Wurde der „Party“ durch den Vorfall die Stimmung vermiest?
Mitnichten! Zu VIERT steht man vor der Apotheke vom Dienst
Und nervt mit Gegiggel die Leut‘ in der Schlange !
Erst als es heißt : „30 Euro“ wird dem Trupp bange …
Und die Moral von der Geschicht‘ ?
Poppen ist gratis, die Reparatur nicht …

 

Allerbesten Dank an die (hier nicht genannt werden wollende) Apothekerin für dieses Gedicht mit Geschichte frei nach Goethes Erlkönig.

passt.

Apotheke, nicht Sex-hotline

Sabine sitzt mit rotem Kopf reglos neben dem Telefon. Was ungewöhnlich ist. Einerseits haben wir so viel zu tun, andererseits … wieso?telefon.jpg

Ich: „Was ist los?“

Sabine: „Ich hatte gerade einen Anruf mit einer Frage. Jetzt … fühle ich mich irgendwie belästigt.“

„Was? Was war das genau?“

Sabine: „Ein Mann. Jünger, glaube ich. Aber … wie der geredet hat … brrrr!“

(es schüttelt sie richtig).

„Er hat nach der Pille danach gefragt …“

„Okay? …“

„Für seine Freundin …“

„Uhumm…“

„Und da habe ich ihm gesagt, die Pille danach gibt es nach einem Beratungsgespräch mit der Apothekerin – aber die Freundin muss selber herkommen.“

„Ja und …?“

„Und dann hat er mir erzählt … Der hat sooo seltsam geredet, echt jetzt. Als … wäre er daneben beschäftigt mit …. sich … So stockend und geschnauft dazwischen …“

(Ich ziehe die Augenbrauen hoch)

„… Jedenfalls hat er dann gemeint, er wisse gar nicht, ob das nötig sei. Sie hätten Analsex gehabt und dabei sei das Kondom abgerutscht und ..“

„… okay, das reicht, ich versteh schon.“

„Ja, ich fand dann auch, dass es reicht. Ich hab dann nur noch gemeint, bei nur Analsex sei die Chance klein, aber sie soll doch selber vorbei kommen und hab aufgehängt. Und jetzt weiss ich nicht, ob ich da ganz korrekt gehandelt habe.“

Also … ich find schon.

Früher bekamen wir so Telefonanrufe wegen Viagra. Kommt das jetzt auch mit der Pille danach? Es gibt (genug) Angebote für die, die so was anmacht. Wir finden’s hier einfach nur „Bäh.“

Zweitkürzeste Pille danach Beratung

Zweitkürzeste Pille danach Beratung aller Zeiten: (die kürzeste findet man hier).

Pharmama: „Was ist passiert, dass Sie die Pille danach brauchen?“

Frau: „Das Kondom ist gerissen.“

Pharmama: „Wie lange ist das her?“

Frau: „Das war Sonntag mittag.“

Pharmama: „Oh – es ist jetzt Donnerstag abend. Ich kann Ihnen die Pille danach nicht geben.“

Frau: „Was? Aber ich habe gelesen, man hat 5 Tage Zeit!“

Pharmama: „Das stimmt für die Ella One. Die ist hier in der Schweiz rezeptpflichtig. Ich darf in der Apotheke nur die Norlevo ohne Rezept abgeben – bis 72 Stunden nachher. Dafür ist es jetzt zu spät. Aber Sie können immer noch zum Frauenarzt oder in die Frauenklinik. Dafür ist es noch nicht zu spät, aber gehen Sie gleich!“

Ich glaube da sind manche verwirrt wegen der Berichterstattung über die Pille danach in Deutschland. Die dürfen die Ella One auch abgeben. Wir hier in der Schweiz bisher nur die Norlevo (Pidana).

UPDATE März 2016: Per sofort dürfen wir auch in der Schweiz die Ella One abgeben ohne Rezept.

Wie geht es Euch mit der Pille danach?

Frage an unsere Deutschen Apotheker-Kollegen (und -innen und PTAs und wer sonst noch mitdiskutieren will):

Vor einigen Wochen wurde auch in Deutschland eingeführt, dass die Pille danach ohne Rezept in der Apotheke erhältlich ist. Und ich würde jetzt gerne von Euren Erfahrungen hören:

haben sich die Befürchtungen bewahrheitet, dass Horden unvernünftiger Mädchen das ausnützen gehen? Hat sich das eingespielt in der Apotheke (und wie?)? Was hört ihr von (Betroffenen) Kunden und Patienten für Reaktionen?

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Wegen abwesendem PC kann ich momentan nicht gut schreiben – aber ich lese alles! Und ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen. Also her mit the Good the Bad und auch the Ugly!

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