PiDaNa – oder: die Pille danach in Deutschland. Ein Erfahrungsbericht

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Heute einmal ein Gastbeitrag direkt von einer betroffenen Person.

Hallo. Ich bin eine erwachsene, verantwortungsbewusste Frau. Meine genaue Identität spielt hier keine Rolle, sie ist Pharmama aber bekannt.

Wie soll ich anfangen? Fallen wir doch einfach mit der Tür ins Haus: Es geht um die "Pille danach".

Mein Freund und ich, wir sind noch nicht lange zusammen, also verhüten wir noch mit Kondomen. Die Antibabypille nehme ich nicht, das ist für mich aber durchaus eine Option in einer monogamen Beziehung, wenn mein Partner und ich nachgewiesen keine sexuell übertragbaren Krankheiten haben.

Soviel dazu. Ich bin also weder zu blöd noch zu faul noch zu verantwortungslos zum Verhüten.

Uns ist einfach dieses beknackte Kondom gerissen. Im Urlaub. In einer anderen Stadt, Hunderte Kilometer von Zuhause und meinen Ärzten entfernt.

Leider gibt es die Pille danach in Deutschland nur auf Rezept… In fast allen anderen europäischen Ländern (mit Ausnahme Italiens und Polens) ist sie lediglich apothekenpflichtig. Schade, dass das hier anders ist.

Warum?

Nun, versetzt euch mal in die Situation, die ich durchleiden durfte.

Gerissenes Kondom, natürlich mit perfektem Timing im Zeitraum um meinem Eisprung. Fremde Stadt. Fremde Ärzte. Ich muss die Pille danach nehmen, und ich brauche eine Ärztin die sie mir verschreibt.

Also fing dann das große Rumgooglen an – welche Gynäkologen sind in der Nähe, welche sind weiter weg? Telefonnummern rausgeschrieben. Und dann alle nacheinander anrufen.

Das war das unbeschreiblich demütigende. Ich muss ja am Telefon erklären, warum ich SOFORT einen Termin brauche, obwohl ich gar nicht Patientin dort bin. Also jeder Sprechstundenhilfe am Telefon die Sache mit dem gerissenen Kondom erzählt, und dass ich aus der anderen Ecke der Republik komme und ja schlecht meinen Urlaub abbrechen und sechs Stunden heimfahren kann, nur um mir von meiner eigenen Gynäkologin oder meinem eigenen Hausarzt die Pille danach verschreiben zu lassen…

Und dennoch, jedes Telefonat endete mit "Tut mir leid, da können wir nicht weiterhelfen. Wir nehmen keine neuen Patienten an. Ich verstehe, dass das für Sie eine unangenehme Situation ist, aber da müssen Sie es leider woanders versuchen.".

Nach anderthalb Stunden (viele Telefonate mit einigen verzweifelten Heulanfällen zwischendurch) hatte ich dann endlich eine Gynäkologin gefunden, die mich (obwohl auch sie keine neuen Patienten annimmt) schnell dazwischenschieben konnte, weil sie Mitgefühl mit meiner Notlage hatte.

Ja, mir ist im Endeffekt geholfen worden. Aber der Weg dahin war verdammt hart.

Warum geht es denn bitte in anderen Ländern, dass man die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke bekommt? Kein normaldenkender Mensch würde das doch ausnutzen. Diese eine Pille kostet mehr als die Monatspackung der "normalen" Antibabypille, und jede Frau die in der Schule aufgepasst oder jemals die Bravo gelesen hat, weiß doch dass sie nicht zur normalen Verhütung geeignet ist.

Es wäre tausendmal weniger unangenehm, peinlich und demütigend gewesen, sich die Pille danach einfach in der Apotheke zu holen und da EINMAL zu erklären, was passiert ist, als mit vierzehn Sprechstundenhilfen zu telefonieren und jeder einzeln erklären zu müssen dass wir einen Verhütungsunfall hatten und ich keine Möglichkeit habe mir von meiner eigenen Ärztin helfen zu lassen, weil ich hier im Urlaub bin – nur um dann abgewiesen zu werden.

Mädels, Frauen … Sowas kann schneller passieren als man denkt. Kondome sind toll und schützen, aber auch bei absolut korrekter Anwendung kann so ein blödes Ding kaputtgehen, ohne dass man es sofort bemerkt.

Das ist sowieso schon die Hölle. Da muss es doch nicht noch zusätzlich zu all den Gedanken, die man sich in der Situation macht (unter anderem auch "Könnte ich mich mit etwas angesteckt haben?" – in meinem speziellen Fall jetzt nicht, aber bei einem One Night Stand wäre der Gedanke ja nicht abwegig!) besonders erschwert sein, an das blöde Notfallverhütungsmittel ranzukommen, und sich nach dem zehnten erfolglosen abtelefoniert langsam ernstgemeinte Sorgen zu machen, ob man es überhaupt innerhalb des Zeitrahmens schafft, an dieses Rezept zu kommen…

Danke Pharmama, dass ich dieses unangenehme Erlebnis hier anonym mit deinen Lesern teilen darf.

Man macht sich darüber einfach keine Gedanken, wenn man nicht selbst plötzlich in der Situation ist. Und das kann jeder Frau passieren.

—–

Ich glaube, dem habe ich nicht viel beizufügen. Ausser vielleicht, dass im Moment gerade in Deutschland in Diskussion ist, ob sie "die Pille danach" nicht vielleicht doch rezeptfrei machen sollen. Meiner Meinung nach ist die Abgabe – so wie in der Schweiz üblich – in der Apotheke nach einem (protokollierten) Beratungsgespräch eine einfache, sichere und für die betroffenen Frauen schmerzlose Angelegenheit.

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84 comments on “PiDaNa – oder: die Pille danach in Deutschland. Ein Erfahrungsbericht

  1. Aleonor sagt:

    Ich bin aus diversen Gründen gegen eine Freigabe der PD.
    In deiner Situation hätte ich nicht zig Gyns angerufen sondern wäre schlicht in die nächste Klinik mit Gynstation gefahren und hätte mich dort dem vorhandenen Arzt vorgestellt.

    Ich sehe ehrlich gesagt absolut kein Problem bei dieser Vorgehensweise.

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    • Pharmama sagt:

      Ich eigentlich schon. Mal abgesehen, dass der Notfall für Notfälle genutzt werden sollte und die Wartezeiten für etwas wie die Pidana wegen Nicht-Dringlichkeit – im Vergleich zu Unfällen, Infarkten und derartigem – einige Stunden betragen können darf man da seine Geschichte auch einigen Leuten erzählen. Viele davon Männer, was es manchen Frauen nicht einfacher macht. Es gibt nicht grundlos so viele Frauenärztinnen.

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      • Aleonor sagt:

        Also wenn ich ins Krankenhaus in die Gyn Ambulanz gehe sehe ich da jemanden an der Aufnahme und hinterher den armen Doc der grad Dienst hat.
        Und wo muss man denn groß eine Geschichte erzählen:
        Wir hatten Sex, es gab eine Panne, ich möchte gerne ein Notfalllkontrazeptivum nehmen.

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        • auch-schon-erfahrung-haber sagt:

          Schön wäre es, wenn es so einfach wäre… Aber bei dem Thema haben auch gerne Ärzte, vor allem Männer (da gehe ich mal mit Pharmama sehr konform) ihre Privatmeinung und meinen, man bräuchte dringend auch noch eine ordentliche „Abreibung“… Beratungsgespräch schön und gut(und vor allem richtig), aber das ist wie Spiessrutenlauf, als hätte man ein Schwerverbrechen begangen, ist leider oft die Realität. Dabei ist es in dem meisten Fällen tatsächlich „nur“ein Unfall.

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          • Aleonor sagt:

            Und Apotheker reiben einem da grundsätzlich keine Privatmeinung unter?

            Und wenn man sich von einem Arzt nicht gut behandelt fühlt ist es besser das nicht auf den Tisch zu bringen und sich mit dem Arzt und seinem Vorgesetzten mal nett und nachhaltig drüber zu unterhalten?

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          • auch-schon-erfahrung-haber sagt:

            Naja, aus meiner Erfahrung reiben sie einem die nicht Oberlehrerhaft unter die Nase… So ein Beratungsgespräch finde ich gut, und spätestens wenn man die Nebenwirkungen hört (und dann mal gespürt hat) geht Frau wohl NIE wirklich unbedacht mit der PiDaNa um….)

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    • Anonyma sagt:

      Welche Gründe sind das denn? Würde mich ernsthaft interessieren.

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      • Aleonor sagt:

        Die PD ist immer noch ein Medikament, noch da zu ein ordentlich dosiertes Hormonpräparat. Sowas gehört für mich einfach auf ein Rezept.
        Der Rest sind eher subtile Sachen aus meinem Erfahrungsschatz. Ich berate jetzt seit gut 6 Jahren in einem großen Medizinforum zu Verhütungs und Kinderwunschfragen und was da so alles aufläuft … lässt mich einfach zu dem Schluss kommen das der Gang zu einem Arzt da kein so großes Manko ist.

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        • Ariane sagt:

          Die Pille danach bricht keine bestehende Schwangerschaft ab, sondern verhindert sie nur. Der Zeitfaktor ist also extrem wichtig da sie mit einer bestehenden Befruchtung unwirksam ist. In einer Klinik kanns schon passieren, dass man 12h auf einen Arzt oder Ärztin wartet. Und mit jeder Stunde sinkt auch die Wirksamkeit der Pille danach. Und eine Abtreibung – selbst medikamentös – ist ein wesentlich heftigerer Eingriff als eine hohe Doisis Ethinylesradiol und co.

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          • Arzt4Empfaenger sagt:

            Die Pille danach verhindert, so wie einige andere Pilen auch, nicht die Befruchtung (Ei+Spermium), sondern die Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut. Je nach religiöser/moralischer Überzeugung (unabhängig von der medizinischen Definition!) beginnt das werdende Leben so früher oder später. 😉 P.S. Ich persönlich mag daher lieber Pillen, die die Spermaaszension oder Befruchtung selbst durch Cervixschleimfestigung oder Eisprungverhinderung behindern (einige funktionieren soweit ich weiß so) und habe deshalb damals meine Pille abgesetzt, die nur das arme, befruchtete Eichen verstoßen hat… das fand ich irgendwie nicht schön. Da ich sowieso nicht gerne Hormone nehme, bin ich zu Kondomen zurückgekehrt… und nach dem einmaligen Verrutschen in der späten Jugend geht es bis jetzt 15 Jahre pannenfrei.

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    • Gil-estel sagt:

      Das ist leichter gesagt als getan. Ich wohne in Oberfranken, in Bayreuth, größere Stadt mit ländlichen umland. Mein Mann arbeitet 30 min Autofahrt entfernt in Pegnitz. Als ich im April um Geburtstermin herum ihn besuchen wollte in seiner Mittagspause, riet mir meine Ärztin davon ab. Grund: Es gibt zwar eine Gynstation, aber ohne Belegarzt. Wenne iner gebraucht wird, müssen sie den erst aus umliegenden Krankenhäusern oder Praxen rantelefonieren. Insgesamt hatte es sich eh erledigt, da ich an dem Tag als Notfall zum einleiten ins Bayreuther Klinkum überwiesen wurde. Mittwoch um 10 Uhr früh war ich da, am Donnerstag um 10 war die Einleitung. Soviel zu kurzen Wartezeiten…

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    • Butterflyday sagt:

      Ich habe mal eine ehemalige Mitbewohnerin ins Krankenhaus wegern der Pille danach begleitet. Morgens hin. Späten Nachmittag / frühen Abend waren wir wieder zu Hause, weil wir ewig warten mussten und sich keiner Zuständig fühlte. Wurden auch rumgereicht. Das ist nicht wirklich angenehm. Da würde ich auch lieber rumtelefonieren.

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      • Arzt4Empfaenger sagt:

        Wenn Niedergelassene offen haben, ist es auch korrekt, erst dort herumzutelefonieren. Nur daß einen eigentlich nicht alle ablehnen sollten, denn das ist einfach unanständig. Die lange WZ in der Notaufnahme finde ich okay. Es ist eben eine NOTaufnahme und wer am wenigsten vital bedroht ist, kommt eben erst dran, wenn die wichtigeren Fälle vorher behandelt wurden. Da ist völlig legitim, und keiner läßt einen nur aus Gemeinheit warten. Ich saß mit doppeltem Bänderriß auch sechst Stunden da und fand es sch….(!), aber ich kann es verstehen, denn wenn ich mit Brustschmerz komme, möchte ich auch vorrangig behandelt werden. In vielen KH gibt es werktags vormittags übrigens auch spezielle Ambulanzen wie Gyn und Unfallchirurgie, wo man eben auch mit Wartzeit in die Sprechstunde kann.

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  2. Ines sagt:

    Warum ist die PD die einzige Option, nach einem gerissenen Kondom? Das eventuell entstandene Kind zu empfangen, ist schliesslich auch eine! Und die Pille zu nehmen, trotz fester Beziehung, ist auch eine. Und Kondom und Pille zu kombinieren erst recht.

    Und es gibt leider tatsächlich genug junge Frauen, die glauben, nach einer einzigen Pille aus der Monatspackung den ganzen Monat über geschützt zu sein.

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    • Pexi sagt:

      Sorry, aber ein eventuell entstandenes Kind zu empfangen ist NICHT immer eine Option! Schön, wenn das bei dir vielleicht IMMER ins Konzept passt, ich hingegen möchte meinem Kind mal was bieten können.

      Und dass die Frau die Pille NOCH nicht nimmt, trotz fester Beziehung, kann ich auch gut nachvollziehen. Wie schon oben geschrieben: die Pille schützt NICHT vor Geschlechtskrankheiten. Zudem hat die Pille auch immernoch Nebenwirkungen, bei jedem unterschiedlich, und nicht jeder möchte sich ständig mit Hormonen zuballern. Und ich kann verstehen, wenn in einer noch recht frischen Partnerschaft, man sich als Frau eine Weile Zeit lässt, sich die Pille zu verschreiben. Das handhabe ich selbst auch so.

      Abgesehen davon, wenn das Kondom gerissen ist, ist es für die normale Pille ja eh zu spät. Die wäre also DAVOR eine Option gewesen. In dem Moment, wo das Kondom gerissen ist, ist es dafür allerdings schon zu spät. ;P

      Ich habe damals selbst mal das Problem gehabt, dass mir und meinem Freund das Kondom gerissen ist, und dass auch noch zu einem Zeitpunkt, wo ich kurz vorher Pillenpause hatte und dass neue Rezept durch meine eigene Schludrigkeit und die Ferien des Arztes leider zu spät kam. Dadurch waren wir gezwungen auf Kondome auszuweichen und die sind 3 (!) mal gerissen. Beim ersten Mal habe ich mir noch die Pille danach geholt, die nächsten 2 Male dann nicht mehr, weils ja schliesslich eine enorme Belastung für den Körper darstellt.

      Ich bin dann letzten Endes schwanger geworden und hatte in der 9.ten Woche eine Fehlgeburt.

      Aber ja Ines, natürlich, das eventuell entstandene Kind zu empfangen ist eine Option. Die ich, nachdem die Kondome mehrmals gerissen sind, dann z.B. auch in Anspruch genommen und heftigst bereut habe. Klar, muss nicht immer ne Fehlgeburt draus werden, aber es war schrecklich.

      Im übrigen würde ich eine Freigabe mit kontrollierter Abgabe durch die Apotheke begrüssen. Erreich mal einen Arzt am Wochenende. Klinik war übrigens auch nicht wirklich freundlicher. Wenn du nur ein katholisches Klinikum in der Nähe hast, dann sind die in der Hinsicht leider AUCH nicht wirklich hilfreich. Und wenn du in einem Kaff wohnst, ohne Auto, in der Nacht, OHNE reich zu sein, dann hast du da leider direkt das nächste Problem, denn die nächste Stadt ist nicht SO einfach erreichbar, und für Taxi hätteste dann auch nochmal ne Menge Geld latzen dürfen. Da wäre es schon besser, man hätte DANN die Möglichkeit in eine Apotheke zu gehen.

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      • anna sagt:

        Das soll jetzt angesichts deiner heftigen Geschichte bitte nicht kaltschnäuzig wirken, aber: In kurzer Zeit drei gerissene Kondome sind schon sehr viel Pech. Wahrscheinlicher ist ein Anwendungsfehler — falsche Grösse (es gibt mehr als Standard und XL!), schlechte Lagerung, Luft im Reservoir nicht rausgedrückt, zu wenig „Schmiermittel“, Kontakt mit ölhaltigen Kosmetika oder spitzen Gegenständen, etc. Etwas komplizierter als „Gummi drum und gut“ ist es leider schon — aber geübte Anwender erreichen mit Kondomen eine ähnliche Verhütungssicherheit wie bei der Pille. Doch auch das bedeutet leider keinen 100%-Schutz.

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    • Pharmama sagt:

      Das Kind zu bekommen ist eine Option. Aber wirklich nicht in jedem Fall eine gute.
      Ich bin der Meinung, dass es auch dem Kind besser geht, wenn der Zeitpunkt richtig ist. Oder zumindest: nicht vollkommen schlecht. Und es gibt einige Vollkommen schlechte Zeitpunkte.
      Kondome sind eine gute Verhütungsmethode. Auch wenn jemand nicht andauernd die Pille nehmen will. Auch in einer festen Beziehung.

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    • Anonyma sagt:

      FÜR MICH war die Pille danach die einzige Option.
      Wenn du für dich beschließt, einen Verhütungsunfall als gottgegebenes Urteil zu betrachten und ein eventuell entstandenes Kind austrägst, ohne dass die momentanen Lebensumstände dafür Ideal wären, ist das deine Sache.
      Es gibt allerdings Menschen, die das anders sehen.

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    • Anonyma sagt:

      Darüber hinaus habe ich nirgendwo geschrieben, dass ich die Pille nicht nehme, WEIL ich ja in einer festen Beziehung bin.
      Ich habe geschrieben, dass ich die Pille noch nicht nehme, weil ich ERST KURZ in der festen Beziehung bin.

      Kann doch nicht so schwer sein, einen Text erst vollständig zu lesen und zu verstehen bevor man darauf antwortet und irgendwas hineininterpretiert, was weder da steht noch die Intention war.

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  3. mars sagt:

    Meine Freundin und ich hatten auch einmal das Problem des Gummis, welches weniger standhaft war als wir, und standen somit auch vor dem Problem, wo die PD herbekommen. Natürlich passierte das ganze Samstag Nacht.

    „Zum Glück“ wohnen wir in der Nähe der französischen Grenze, so dass ich die erste Apotheke mit Notdienst im Elsass raussuchte und dort hin fuhr. Netterweise sprechen dort so gut wie alle Deutsch, so dass auch die Kommunikation mit dem Apotheker problemlos funktionierte.

    Am Ende hatte ich die Pille bekommen, und dafür 12 Euro irgendwas gezahlt. In Deutschland wäre ich alleine 10€ für den Notdienst losgeworden, plus Notdienstzuschlag der Apotheke und Eigenbeteiligung am Medikament. Und hätte mit Warten wohl deutlich mehr Zeit verbracht als die ca 40min Fahrt über die Grenze und zurück.

    Im Nachhinein wunderte ich mich dann schon etwas, dass der Apotheker nicht darauf bestand meine Freundin zu sehen, und mit ihr ein Gespräch zu führen, wie man es in den Forderungen für die Direktabgabe immernoch als Hürde fordert. Aber ich weiß natürlich auch nicht, wie hierzu die Regelungen in Frankreich sind.

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    • Pharmama sagt:

      Wie das in Frankreich ist, weiss ich auch nicht. Hier muss die Frau selber anwesend sein und ein paar Fragen beantworten. In den USA gibt es „Plan B“ für jeden – auch Männer – ab 17 Jahren in der Apotheke ohne Rezept … Und auch fast ohne Fragen. Es gibt also unterschiedliche Vorgaben, je nach Land.

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      • Marco Fox sagt:

        In den USA aber auch nur wenn man in den Liberaleren teilen beheimatet ist. es ist zwar Theoretisch möglich die PD dort überall zu bekommen, aber im „Bibel Gürtel“ (dem streng konservativen teil der Staaten) gibt es Großflächig bereiche wo sich die Apotheker geschlossen weigern die PD abzugeben. hab da vor einiger zeit mal ein paar berichte gelesen wo gesagt wurde das frauen stellenweise ZWEI Bundesstaaten weit fahren müssen um dieses Medikament zu bekommen.

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        • Pharmama sagt:

          *das* finde ich auch übel: meiner Meinung nach gehören religiöse Überzeugungen nicht ein eine Apotheke.
          Wenn ich das richtig gelesen habe müssten diese Apotheker die Kunden aber an eine Stelle verweisen, die das dann abgibt (und an eine, die nicht ewig weit entfernt ist) – sonst dürften sie das gar nicht.

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        • Arzt4Empfaenger sagt:

          Es gibt ja auch Staaten, wo Geburtshäuser und freiberufliche Hebammen verboten sind. Ich finde es echt kritisch, wenn Religion sich so negativ auf das Gesundheitswesen auswirkt. Wollen die denn wieder in die Zeit der „Engelmacher“? 😦 Gute Aufklärung ist viel meh rWert als rein moralische Verbote.

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  4. anna sagt:

    Aus welchen europäischen Ländern stammen der aktuelle Papst und seine beiden direkten Vorgänger? Und in welchen europäischen Ländern ist die Pille Danach noch rezeptpflichtig? (Nein, ich vermute keine Kausalität.)

    @anonyma: Ich benötigte bisher einmal die Pille Danach und durfte an einem Samstagnachmittag gegen die näherrückenden Ladenöffnungszeiten eine Apotheke mit vorrätiger Tablette suchen – wenn ich den Stresslevel dieser Erfahrung auf deine Odysee extrapoliere, lande ich im tiefroten Bereich. Mein Mitgefühl!

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    • Anonyma sagt:

      Das stell ich mir auch horrormäßig vor.
      Ich hatte Gottseidank noch richtig viel Zeit bis zum Ladenschluss – mein Problem war fast eher, dass die Wirksamkeit der PiDaNa ja deutlich abnimmt, je weiter der Geschlechtsverkehr zurückliegt, und ich mir deswegen echt Sorgen gemacht habe…

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  5. anna sagt:

    Das zählt auch zur Kategorie „Überflüssiges Wissen“, aber die Koinzidenz finde ich (galgen-)humorig.

    Noch eine Frage ungefähr zum Thema: Bei meinem besagten Pille-Danach-Notfall hat die Apothekerin (sehr sympathisch-professionell übrigens!) mit mir ein anonymes einseitiges Standard(?)-Formular ausgefüllt, das an ein Bundesamt (?) gefaxt und in der Apotheke archiviert wird. Zum Abschluss bat sie mich jedoch um meine Kontaktdaten, die sie auf der Rückseite notierte. Entweder hat sie mir erklärt oder ich mir zusammengereimt, dass dies nötig sei, damit die Apotheke mich benachrichtigen könne, falls der Hersteller Probleme mit dem Medikament melde. Ist das so richtig und üblich? Denn komisch kam es mir schon vor… Nichtmal nur wegen durchdrückender Stifte und verkehrtrum verschickter Faxe, sondern weil es wie ein in der standardisierten Prozedur nicht vorgesehener Vorgang wirkte.

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    • Pharmama sagt:

      Das war in der Schweiz, richtig? Wir haben alle dieses einseitige Formular – ein besserer Multiple-choice, der einfach noch ein bisschen Erklärung und dann Interpretation braucht. Das wird allerdings nirgendwohin gefaxt, das bleibt in der Apotheke – Aufbewahrungsfrist ein paar Jahre. Unter anderem wegen erwähnter möglicher Probleme.
      Dokumentation unter dem Namen ist bei allen (!) Rezeptpflichtigen Sachen in der Schweiz vorgeschrieben – darum noch die Ergänzung (oft hinten auf dem Blatt – und danach im Computer). Aber: die ganze Info bleibt in der Apotheke. Die geht nirgends sonst hin.

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      • anna sagt:

        Ja, in der Schweiz, dieses Jahr. Und ich bin mir sicher, dass mir erklärt wurde, die Vorderseite werde irgendwohin gefaxt. Muss ich vielleicht einfach nochmal vorbeigehen und dort nachfragen ;-).

        Rezeptpflichtig ist die Pille Danach doch nun gerade nicht?!

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        • anna sagt:

          Ähmm, ich hab die Packung hier: NorLevo Uno von Sandoz, seitlich prangt ein fettes C. Auf der Packung steht noch: „Abgabe nur durch Arzt/Ärztin oder Apotheker/Apothekerin“ als zusätzliche Einschränkung. Scheint auch nach wie vor aktuell:

          http://www.kompendium.ch/(X(1)

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          • Pharmama sagt:

            Ja – das ist eine Ausnahme
            C mit eingeschränkter Abgabe

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          • Pharmama sagt:

            Übrigens: finde ich toll, dass Du die Packung mitgenommen hast. Packungsbeilage studiert?
            Wir hier haben so kleine Broschüren (dazu noch in verschiedenen Sprachen) von der Firma, die gebe ich gerne ab zum anschauen. Ist verdaulicher als der Waschzettel.

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  6. Luci sagt:

    Eine Freundin von mir hatte die Freude, das Procedere in Spanien durchstehen zu dürfen. Ich weiß nicht genau, wo sie überall war, aber sie sprach von mehreren Ärzten, die sie wieder weggeschickt hatten und am Ende einen Besuch in der Klinik, in der sie erstmal eine Runde Aufklärungsunterricht erhalten hat. Danach musste sie sich eine Apotheke suchen, die die PD vorrätig hatte und sich dort dann nochmal einer Runde Aufklärungsunterricht unterziehen, bevor ihr die Apothekerin die PD ausgehändigt hat.
    Die PD hat sie über 14 Stunden nach der Feststellung, dass das Kondom leider nicht das gehalten hat, was es versprach, erhalten und hat da auch schon ernsthaft daran gezweifelt, die überhaupt noch zu erhalten.

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    • Pharmama sagt:

      Noch eine Odyssee …

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    • Anonyma sagt:

      Gottseidank wurde mir der Aufklärungsunterricht erspart… In dieser Situation auch noch behandelt zu werden wie irgendein verantwortungsloser Depp, der zu blöd zum Verhüten ist, hätte mir wahrscheinlich den Rest gegeben.
      Die Gynäkologin war extrem freundlich und verständnisvoll, hat alle meine Fragen genau beantwortet, mir alles erklärt und mir nicht eine Sekunde lang das Gefühl gegeben, mich zu verurteilen.

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  7. Stöber sagt:

    Na, das ‚Argument‘ mit den STD finde ich arg unpassend.

    Wenn man mit einem Partner schon in den Urlaub fährt, sollte man idR durchaus abschätzen können, ob er ’sauber‘ ist.
    Außerhalb von Risikogruppen ist die Wahrscheinlichkeit dermaßen gering… aber solche Zahlen objektiv zu bewerten ist bei dem medialen Trommelfeuer der BZGA langsam echt schwer.
    (Gehen diese C-Promis im Radio noch jemandem außer mir furchtbar auf die Nerven?)

    Achja:

    Und zusätzlich die Pille zu nehmen ist selbst bei Übervorsichtigen erlaubt, nech? „Eine Option in einer monogamen Beziehung“ Pffff…

    Protip: Mal zur Blutspende mitnehmen. Ist generell nicht verkehrt.

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    • Pharmama sagt:

      Hmmm – also das mit dem abschätzen finde ich heikel.
      Man sieht es den Leuten im Normalfall nicht an. Charakter – man kann sich auch täuschen.
      Und die STDs sind am zunehmen. Vielleicht glaubst Du mir, wenn nicht dem BZGA (oder hier: BAG)

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      • Stöber sagt:

        Pharmama, wenn du die Risikogruppen ausschließt, kommst du auf wenige hundert Fälle in Deutschland. Und dazu braucht man keinen Röntgenblick.

        Und ich hab gerade mal wieder versucht, dazu übersichtliche Zahlen zu finden… die machen es einem recht schwer!

        Um das Risiko sauber darzustellen, müsste man (für den deutschen Normalo-Hetero-Mono-Kuschelsexer) alle Fälle von MSM, Prostitution (und Nutzung derselben), ‚Importe‘ (ca. 70% Migrationshintergrund und 70% Prostitution laut RKI-Sentinel, und diese 70% sind nicht identisch) herausnehmen.

        Man zählt für das Risko im Flugverkehr ja auch nicht die Autounfälle dazu (unseren täglichen Autovergleich gib uns heute!)… Aber dann kommen keine beeindruckenden Zahlen heraus.

        Jedenfalls, und das ist mein Fazit zum Thema STDs: Da wird ein unverhältnismäßiges Gewese drum gemacht. Ich fordere objektive Zahlen für mein persönliches Risiko, um es mit ’normalen‘ Aktivitäten zu vergleichen (Fliegen, Bahn, Auto, Blitzschlag-beim-Scheißen).

        @ffhhfdfg: Ich hoffe sehr, dass es in absehbarer Zeit zuverlässige medikamentöse Verhütung für den Mann gibt. Dann hört dieses weinerlich-anklagende ‚Aber ich OPFERE mich, damit DU deinen Sex kriegst‘ endlich auf.

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        • Anonyma sagt:

          Dein letzter Satz zeigt recht deutlich, welch‘ Geistes Kind du bist.

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          • Stöber sagt:

            Lern lieber selbst lesen bzw schreiben, statt mich anzupfeifen.
            „Pille…eine Option…, wenn mein Partner und ich nachgewiesen keine sexuell übertragbaren Krankheiten haben.“
            Da steht nicht weil, sondern wenn. Aus deiner Formulierung geht hervor, dass du darüber eben nicht sicher bist und das eventuell noch testen lässt.
            Weiters folgern unbedafte Stöbers, dass du aus diesem Grund noch nicht auf die hormonelle Verhütung gewechselt hast.

            Wie heißt es so schön: Ich bin für meinen Text verantwortlich, aber nicht für das, was andere herauslesen.

            Ausführliches Missverständnis. 🙂

            P.s.: Nicht-hormonelle Verhütungsmethoden sind dir auch bekannt? Kupferspirale wäre schonmal sicherer als Gummi.

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          • Pharmama sagt:

            Umm … Kupferspirale geht nicht bei allen Frauen, speziell nicht bei denen, die schon Probleme mit starker Periode haben. Ausserdem muss die ein Frauenarzt einsetzen – und wieder rausnehmen, das geht auch nicht von heute auf morgen.
            Und wirklich sicherer? Bei korrekter Anwendung von Kondomen würde ich behaupten, die kommen auf etwa gleiche Werte. Und ein Schutz vor STD ist es auch nicht.

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        • Li sagt:

          Es ist ein Opfer, aber auch fürs eigene Vergnügen.
          Ich finds spannend zu beobachten, was die Pille bei mir alles ändert. Wenn ich die Wahl hätte, würd ich drauf verzichten, aber es ist für mich grade die beste Option. Anders würde ich mich nicht sicher fühlen oder es ist mir noch unsympathischer.

          Ich würd mit aber auch die Männerpille wünschen, es wäre schön die Option zu haben, dass jemand anders an seinem Körper rumpfuscht.
          Was nicht ist, ist halt nicht und Enthaltsamkeit ist auch keine Lösung.

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          • Stöber sagt:

            Es ist ein kalkuliertes Risiko/Opfer, aber keinesfalls ein „Liebesbeweis“!

            In einer Beziehung auf Augenhöhe ist die hormonelle Verhütung durch die Frau die derzeit pragmatischste Wahl. (Komfort, Sicherheit.. aber wie gesagt auch mal an Spiralen denken)

            Genauso pragmatisch würde ein Mann dies übernehmen, wenn die Situation umgekehrt wäre.

            Eine solche Kopfentscheidung zum Liebesbeweis oder Selbstaufopferung aus LIEBE (!!!) hochzustilisieren, das ist für mich abstoßend.

            Zum Glück gibts auch ‚verkopfte‘ Frauen… 🙂

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    • Anonyma sagt:

      Bitte noch einmal genau lesen und in Zukunft erst Antworten wenn ein Text verstanden wurde, ja?

      Ich habe NICHT geschrieben, dass ich mir Sorgen mache, dass mein Partner STD haben könnte oder dass wir nicht monogam sind.
      Ich habe geschrieben, dass wir noch nicht so lange zusammen sind und ich deswegen die Pille noch nicht nehme.
      Die STD haben ich ZUSÄTZLICH erwähnt, weil das für andere Menschen ja auch ein Argument für Kondome sein kann, und man dieses Thema nicht außer Acht lassen sollte.

      Und ja, man kann auch Pille und Kondome kombinieren, wenn man „übervorsichtig“ ist. Wenn man die Pille aber noch nicht nimmt, geht das halt nicht.
      Ist dir bewusst, wie lange man im Normalfall auf einen Termin beim Frauenarzt warten muss? 😉

      Dass weder mein Partner noch ich irgendwelche übertragbaren Krankheiten haben, habe ich ja bereits im Text erwähnt. Und wir sind beide regelmäßige Blutspender.

      Genau wegen Reaktionen wie deiner habe ich Pharmama gebeten, anonym zu bleiben.

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      • Arzt4Empfaenger sagt:

        Deshalb liebe ich es, in einer Großstadt zu leben. In den“besseren“ Bezirken muß man teilweise echt auf Termine warten, aber z.B. im Wedding, wo ich früher gewohnt habe, gibt es viele Praxen (Orthopäden, Gyn) ohne Termine, wo man eben kommt und wartet. Bin schon extra deshalb quer durch die Stadt gefahren, wenn es mal eilig war.
        Ich fand Deinen Beitrag sehr verständlich. Es gibt immer Leute, die alles falsch verstehen *wollen*.

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  8. Reiterin sagt:

    Hormone sind keine Bonbons. Wenn manche die in einer Beziehung als Option dafür sehen, ist das doch ein großer Liebesbeweis.

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  9. Röbi sagt:

    Die Frauenärztin oder -arzt im Heimatort anzurufen und darum zu bitten, ein Rezept in die nächstgelegene Apotheke zu faxen, wäre das keine Option gewesen?

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  10. anonym. sagt:

    Leider habe ich auch so eine Odyssee durch. Verheiratet, Baby und noch stillend haben wir Kondome benutzt. Dieses ist dann leider gerissen

    Wir sind dann gemeinsam zur Klinik und was mein Mann dort erleben nusste qar für ihn wirklich schlimm. Die Ärztin motzte ihn permanent an und behandelte uns wie kleine dumme Kinder und unterstellte unterschwellig das wir das mit dem Kondom erfunden hätten wir waren so froh als wir diese Pille endlich hatten.
    Der Apotheker übrigens war sehr sehr nett und verständnisvoll

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  11. Li sagt:

    Ich hab die PD einmal gebraucht. Als Person mit Verwandtschaft im Grenzgebiet halte ich es wegen eben solcher Erfahrungen für sinnvoll, die vorher zu besorgen und im Nachttisch zu haben. Beim nächsten Verwandtenbesuch füll ich meinen Vorrat auf, auch wenn ich jetzt die normale Pille nehme. So teuer ist die nicht.

    In Holland gibt es die ohne jegliche Nachfrage, und ich lass mich lieber einmal mit dem ups-Blick angucken, als die Deutsche Horrortour über mich ergehen zu lassen und dann mit Glück noch einen Arzt zu erwischen, der mir erklärt wie dumm ich doch bin.
    Für die nicht-so-grenznahen gibt es leider nur die Möglichkeit sich eine Pille aus dem Urlaub mitzubringen, wenn es legal bleiben soll :/

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    • Pharmama sagt:

      das wäre dann aber nicht mehr die „Pille danach“.
      Dann vielleicht doch lieber darauf hinarbeiten, dass sie in D auch in der Apotheke abgegeben werden darf?

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  12. Heini sagt:

    In vielen Ländern – einschliesslich Deutschland – ist man offensichtlich der Meinung, mit der PD würde man z.B. gegen Gottes Willen oder zumindest die Moral („ist ja wie Abtreibung“…) entscheiden. Deshalb wird die Hürde so hoch gehängt, wie das mit dem liberalen G’socks im Norden irgendwie noch vereinbar ist.

    Bzw. könnte man umgekehrt argumentieren, dass die Abgabe als Solches ja schon eine unglaubliche Liberalisierung zu ein Zugeständnis ist, dabei ist die PD doch gefährlich (Nebenwirkungen) usw. usf.

    Sprich – die Entscheidung über die Abgabemodalitäten ist rein politisch. Die Argumentationen in Richtung „wir wollen One-Night-Stand ohne Kondom verhindern“ sind imo vorgeschobene Gründe. Es geht um Sittlichkeitsvorstellungen, Moralvorstellungen und Glaube.

    Deshalb rennt man mit Forderungen wie hier bei liberalen Zeitgenossen offene Türen ein, während man bei gefestigteren Menschen gegen Betonwände knallt. Also irgendwie immer die falsche Geschwindigkeit. Politische Ethik ist Deutschland ist gegenüber den Kreisen, in denen ich mich bewege (Alter und Umfeld), in der Praxis stockonservativ. Meiner Meinung nach rennt die Politik gesellschaftlichen Entwicklungen hier hinterher.

    Unter den Betroffenen der PD-Regelung (also Frauen, die Kinder bekommen können), gäbe es wahrscheinlich eine klare Mehrheit für eine liberalere Abgabepraxis. Menschen im Ruhestand sind teilweise immer noch entsetzt über das Sexualverhalten jüngerer Mitbürgerinnen und Mitbürger. (Ausnahmen gibt es in beiden Gruppen immer.)

    Wo liegen sie Mehrheiten? In der Schweiz könnte man darüber einen Volksentscheid initiieren. In Deutschland? Hm, ich wüsste nicht, dass das eine Partei aktuell auf dem Schirm hätte.

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  13. menschenhandwerkerin sagt:

    Ich bin froh, dass es die PD in Österreich jetzt auch ohne Rezept gibt. Einmal bin ich sogar von einem Krankenhaus weggeschickt worden, weil die Personalmangel hatten und der Gynäkologe überfordert war und keine Zeit hatte (!). Eine Apothekerin war dann gottseidank so nett und hat sie mir ohne Rezept gegeben, sonst hätte ich noch in ein 2. Krankenhaus fahren müssen.

    Abgesehen davon finde ich es unmöglich, dass man dem Arzt/Apotheker erklären soll/muss (?), warum man die PD braucht. Warum wohl?

    Dass man über Nebenwirkungen etc… aufgeklärt wird, finde ich wichtig und sinnvoll.

    Nicht aber dass man sich wie ein kleines Kind entschuldigen muss, warum man dieses Medikament jetzt braucht. Und die persönliche Meinung über die PD können sich manche GynäkologInnen auch sparen.

    An die Posterin unten, die meint man kann das Kind ja auch bekommen – das ist ja wohl ein Witz.

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    • Pharmama sagt:

      Na, der Grund ist wohl klar: ungeschützter Geschlechtsverkehr. Das fragen wir auch nicht. Wir fragen: wie ist es dazu gekommen – weil sich daraus auch ableiten lässt, was sonst noch zu tun ist. Zum Beispiel brauchen manche die Pille danach gar nicht – weil sie schon geschützt sind (die normale Pille weniger als 12 Stunden vergessen oder so etwas, da gibt es dann andere Varianten) – oder ob wir noch ein paar Worte über sexuelle Krankheiten verlieren sollten (mache ich selten, weil ich bei den meisten, die ich wegen der Pille danach berate das gute Gefühl haben, das wissen sie schon), etc.
      Entschuldigen sollte sich niemand deswegen müssen. Shit happens.
      (Mit einer Ausnahme vielleicht: wenn die gleiche Frau zum Xten mal in der Apotheke steht, weil sie es offenbar nicht schafft, sich ein normales Verhütungsmittel zu besorgen und ‚vorher‘ daran zu denken. Dann könnte es sein, dass auch ich deutlich werde.)

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      • menschenhandwerkerin sagt:

        Klar, was für die Einnahme wichtig ist – darüber sollte man reden.

        Da man aber in dem Fall kein ärztliches Personal braucht, bin ich für die Abgabe in der Apotheke. Bei den meisten ist es ohnehin ein seltener Fall – bei den anderen muss man sich sowieso was überlegen.

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  14. miriam sagt:

    krass… hätte ich nicht gedacht, dass man in de solche hürden zu meistern hat. ich hab die PD einmal in peru gebraucht. erbrechen, durchfall und zusätzlich vergessene pilleneinnahme sei dank. war für mich mehr eine vorsichtsmassnahme. eventuelles kind wäre im damaligen zeitpunkt, mit dem damaligen partner absolut keine option gewesen! ich bin dann in die nächste aphoteke spaziert. in gebrochenem spanisch das problem geschildert, und die pille in die hand gedrückt gekriegt. in einem seeeehr katholischen land. geht also auch so. mein glück war wohl auch, dass es gerade in der haupstadt passiert ist.wie es in einer pampa-apotheke gelaufen wäre, weiss ich nicht.
    lg miriam (grad in der 39. ssw 🙂

    p.s. natürlich habe ich vor der einnahme noch einmal gegooglet, obs das präparat/wirkstoff überhaupt gibt. in einem land, wo im linienbus verkaufspräsentationen für eine tablette gegen aids, krebs, sonnenbrand, diabetes und haarausfall (alles in einer tablette!) abgehalten werden, wird man vorsichtig 🙂

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    • Pharmama sagt:

      Ich weiss nicht, wie es in Peru ist – aber ich könnte mir vorstellen, dass man da (analog anderer Länder) noch einiges ohne Rezept bekommt, was hier rezeptpflichtig ist. Unter anderem vielleicht auch wegen schwererer Erreichbarkeit der Ärzte?
      P.S. gratuliere! Und ich wünsche eine gute Geburt!

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  15. gedankenknick sagt:

    Also – obwohl ich das Ursprungsthema etwas meinde, es wurde schon fast alles zu den Zuständen in D gesagt, und ich bin ja prinzipiell der „Böse“, wenn ich in D auf ein Rezept für die PD beharre (oder so) – melde ich mich jetzt auch mal zu Wort; aber nur betreffend der „Pille für den Mann“.

    Mal davon abgesehen, dass schon 1994 gesagt wurde „Noch ein Jahr, dann haben wir sie marktreif!“, und mich die Salamitaktik zur Markteinführung schwer an die „Pendragon Zucker-Mess-Uhr“ erinnert (übrigens ein Schweizer Nichtprodukt, liebe Pharmama *kicher*), erinnere ich mich an einen Vortrag einer Marketing-Expertin bei einer Werksführung so um das Jahr 1999 beim damaligen „Hormon-Riesen“ Schering. Die gute Frau meinte, eine Umfrage zur Akzeptanz der „Pille für den Mann“ unter Frauen brachte zutage, dass ein hoher Prozentsatz der befragten Frauen (im gebährfähigen Alter) eine Ablehnung der (alleinigen) Verhütungsmethode „PfdM“ ergab. Die ermittelte Begründung war so einfach wie nachvollziehbar: Die Frauen hatten nicht genug Vertrauen in die Compliance (und wohl auch in die Ehrlichkeit) „ihres“ Lebenspartners, oder gar in die eines „One-Night-Man“. Eine Befragte formulierte das wohl so (der Satz ist in meinem Kopf kleben geblieben): „Ich akzeptiere die PfdM als alleiniges Verhütungsmittel unter der Bedinung, dass sie bei regelmäßiger Anwendung beim einnehmenden Mann grüne Ohren verursacht!“ 😀

    Schering hat meines Wissens nach dieser Studie die Forschungsarbeiten an der PfdM nicht weiter intensiviert…

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    • Pharmama sagt:

      Und so ich weiss, hat auch der letzte (ach so Erfolgversprechende) Forschungsversuch in die Richtung einen Abbruch erfahren. Tja. Ich glaube inzwischen nicht mehr dran, dass die noch kommt.
      Andererseits – da gab es so eine Meldung für einen Schaum, den man in die Samenleitern spritzt und der dann über ein paar Monate (?) den Durchgang zumacht. Das wäre eine andere Variante. Reversibel noch dazu.

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    • Stöber sagt:

      Ich mal wieder…:

      Hormonelle Verhütung für den Mann wirds in absehbarer Zeit nicht geben, dafür ist das Hormonsystem im Mann zu fest auf ‚always on‘ verdrahtet. Bei der Frau nutzt man ja die ‚eingebaute‘ Empfängnispause bei Schwangerschaft als Trick, das geht beim Mann so nicht.

      Jedoch gab es aussichtsvolle Zufallsfunde bei Antikörpertherapien (speziell in der Krebstherapie), die auch die Spermatogenese gezielt abstellten. Antikörper haben recht lange Halbwertszeiten, das verbessert dann auch die Compliance der ‚Grünohren‘ und ein ‚Verhütungsdatum vom Arzt‘ schüfe Vertrauen bei den misstrauischen Frauen.

      Gibt ja auch Autoantikörper-Unfruchtbarkeit beim Mann, aber das wäre ziemlich dauerhaft und nicht unbedingt zielführend…

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    • menschenhandwerkerin sagt:

      Gedankenknick, falls du ein Mann bist – was sich so liest für mich – finde ich es ziemlich unverschämt von dir in dem Fall auf die Rezeptpflichtigkeit zu bestehen…

      Falls es mal die Pille für den Mann geben sollte, würde ich das wahrscheinlich so wie die Frau mit den grünen Ohren sehen. Wenns ein ungewolltes Kind gibt, steht man als Frau meiner Meinung nach noch beschissener da.

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      • gedankenknick sagt:

        Ja, ich bin männlichen Geschlechts. Aber auch als Frau müsste ich derzeit auf ein Rezept für die PD bestehen, da ich mich (in Deutschland) nun einmal strafbar mache, wenn ich ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ohne Rezept abgebe. Von meinem (Nicht-) Versicherungs-Status für so eine Aktion mal ganz abgesehen. Ob dieses Vorgehen meiner Überzeugung entspricht, habe ich mit Absicht aus der Diskussion ausgeklammert. Ich hatte gehofft, dass das rübergekommen wäre. Wie ich sehe, hat es wohl nur teilweise geklappt.

        Menschenhandwerkerin, wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist Chirurgie Dein Fachgebiet. Wenn nicht, treffen die folgenden zwei Sätze wohl trotzdem zu. Auch in Deinem Fachgebiet gibt es Gesetze und Verordnungen, an die Du Dich halten musst, auch wenn Du manchmal eine differenzierte Meinung dazu hast bzw. haben könntest. Und ich vermute, Du wirst Dich an die Regeln halten, denn es geht dabei auch um Deinen Beruf und um Deine Zukunft. Und bei mir ist es genauso. Bloß auf einem anderen Fachgebiet.

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  16. Chemiker sagt:

    Ich brauchte die Pille danach auch schon zweimal – das erste mal wars recht simpel, ich bin einfach zu meiner Frauenärztin gegangen und habs ihr erklärt – in zehn Minuten war ich wieder draußen mit dem Rezept und nem Termin zur Nachuntersuchung. Das zweite Mal war Samstag Nacht, also Sonntag morgen zum Notdienst in die Uniklinik und prompt nen männlichen Arzt erwischt, der mir recht offen seine Meinung zu Sex vor der Ehe (ich habe nicht mal angedeutet, dass seine Meinung zu dem Thema mich interessiert hätte) und Verhütung mitteilte – ich habe ein recht dickes Fell, war eh übermüdet und der Kerl war mir scheißegal, ergo hab ich den irgendwann unterbrochen und einfach nur auf dem Rezept bestanden. Habs dann nach insgesamt 2 h Wartezeit und 30 min belabert werden (frag mich immer noch, wie der es vor sich selber verantworten kann, als Notfallarzt soviel Zeit zu verplempern) auch bekommen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass den meisten Frauen das näher gegangen wäre, da er auch allgemein recht unfreundlich war.

    Zum Glück war das auch in ner Großstadt, soll heißen, im Zweifelsfall wäre ich einfach in die nächste Klinik gefahren. Aber zB bei meinen Eltern aufm platten Land gibts genau eine Notfallstelle im Umkreis von 50 km – und ohne Auto geht da schon mal gar nichts. Zum nächsten Arzt fahren, wenn einem der aktuelle nicht passt, ist da auch nicht drin.

    Und was die Pille angeht… Nun, ich bin jetzt in einer festen Beziehung, verhüte aber weiterhin mit Kondom – so nette Nebenwirkungen wie depressive Verstimmungen bis hin zu suizidalen Tendenzen brauche ich nie wieder. Also ist die Pille allgemein auch kein Wundermittel. Kupferspirale verlegt zumindest meine Frauenärztin nur nach dem ersten Kind. Hormonpflaster dürften in der Wirkung der Pille sehr nahe kommen. Hormonspritze ebenso. Ergo: Kondome. Und die können nun mal auch mal platzen beim Stellungswechsel oder bei nem ungünstigen Winkel. Wie oft das passiert, kommt natürlich auf dei Häufigkeit des Sexes mit Kondom an. Ich bin mir allerdings recht sicher, dass ein Großteil des PI vom Kondom daher rührt, dass es in Dtl zum Kotzen ist, sich die Pille danach besorgen zu müssen.

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  17. Ryu sagt:

    Hm, in Deutschland hab ich das mal vor ca 15 Jahren als recht problemlos erlebt. Pärchen kommt am Wochende in die WE-Bereitschaft, sie erzählt die Geschichte mit dem gerissenem Kondom, kurzes Gespräch in der Praxis und nach 10-15 Minuten waren die beiden wieder weg. Ob mit Pille oder Rezept weiß ich natürlich nicht. Meine Bekannter (Ende 50) den ich zur WE-Bereitschaft gefahre hatte meinte nur „gut, daß es sowas heute gibt 🙂 )

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  18. Arzt4Empfaenger sagt:

    Also in Berlin ist es am WE oder für Besucher am einfachsten, in die nächstgelegene Notaufnahme zu gehen, wenn man wirlklich keine Praxis findet oder keine geöffnet hat. Wenn man gleich das Anliegen nennt, wird man eben entsprechend niedrig triagiert und muß ggf. länger warten, aber es gibt keine doofen Fragen. Da auf dem Zettel auch immer steht „Pille danach“, wissen die Ärzte Bescheid und schieben den Fall dazwischen, wenn es sich anbietet. Echte Notfälle werden immer vorgezogen! Von daher sehe ich das im Gegensatz zu vielen anderen Pillepalle Notaufnahmebesuchen nicht als schlimm an. Die „Ich habe mir den Knöchel vor drei Wochen verstaucht und er tut immer noch weh!“(selbst gesehen, war auch in niedergelassener Behandlung hatte aber keine Lust mehr, auf Genesung zu warten), finde ich viel schlimmer!!! Ich habe hier übrigens noch keine Praxis gesehen, die so eine „arschige“ Antwort gegeben hätte… bei Notfällen – und dies ist ja nun mal fast einer, oder jedenfalls ein Vorfall mit zeitlich begrenztem Handlungsspielraum – schieben die meisten netten Praxisassistentinnen einen kurz mit rein, auch wenn man keine Patientin ist. Die Antworten, die die Gastautorin bekommen hat, sind eine Frechheit! P.S. einen doofen, sozial inkompetenten Arzt kann man immer erwischen. Es gibt garantiert auch Deppen in Normalverteilung unter den Niedergelassenen, die einen dann moralisch verurteilen wollen. In der Notaufnahme sind die meisten viel zu beschäftigt mit echten (vitalen) Notfällen, um Moralpredigen zu halten. Die Ausnahme bestätigt heir aber auch die Regel. Ich mußte mal in meiner Adoleszenz in Hong Kong bei verrutschtem Kondom (wir haben immmmmmmmer verhütet) zur Apotheker, wo der gute Mann darauf bestand, uns nachdrücklich die Wichtigkeit von Kondomen zu erklären, und uns die Pille nur zusammen mit einer Packung Kondome verkaufte. Daß wir eine ausreichende Zahl aus DE mitgenommen hatten, hat er uns nicht geglaubt. Das war schon ärgerlich, aber wahrscheinlich hört er die Story auch sehr oft. Egal! Bei solchen Anliegen sollte Scham jedoch keine Rolle spielen. Sollen die Ausgebenden doch denken, was sie wollen, Hauptsache man bekommt die Pille, wenn man sie wirklich möchte! (Ich würde sie heute nicht mehr nehmen.) Das mit dem freien verkauf… da bin ich noch unentschlossen. Ich finde es richtig, daß über die Risiken der Anwendung und auch die normalen Folgen (u.U. schwere regelartige Krämpfe) aufgeklärt wird. Klar können das auch Apotheker, aber nicht alle haben ein Beratungshinterzimmer, scheint mir, oder beraten überhaupt (jaja, die schwarzen Schafe)! Ich würde hoffen, daß der eigene Gynäkologe ggf. auch die Validität der Verhütung kurz abklopfen kann, i.S. einer Pillenverschreibung oder Kondomnachschulung wenn es sich anbietet oder es häufiger zu Unfällen kommt, weil man da ja i.d.R. ein gutes Vertrauensverhältnis hat.

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  19. SweetGwendoline sagt:

    Als Apothekerin in Deutschland bin ich auch gegen die Freigabe der Pille danach. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die „Hemmschwelle“ Arzt so erhalten bleibt. Außerdem kann ich die Probleme an ein Rezept zu kommen nicht nachvollziehen. Im Notdienst ist es mir sogar schon passiert, dass mir die PiDaNa ausging und nein, an mangelnder Bevorratung lag es nicht. Außerdem sehe ich es nicht ein, eine weitere Dienstleistung gratis anzubieten, so lange Beratung nicht anständig vergütet wird.

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    • Pharmama sagt:

      das soll/ist auch nicht gratis.
      Wir verlangen für den Aufwand (denn das ist es, korrekt gemacht) etwas. Wieviel ist den Apotheken selber überlassen.
      Die Hemmschwelle ist meiner Meinung nach auch nicht ganz weg. Wir sind auch Medizinalpersonen und wir stellen (auch Teils ev. unangenehme) Fragen.

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      • McCloud sagt:

        Ich glaube nicht, dass hier in D jemand bereit ist, für die Beratung zur Pille danach Geld zu bezahlen. Insoweit kann ich Gwendoline verstehen.

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      • gedankenknick sagt:

        Ich denke, Gewndoline & McCloud haben da einen spannenden Punkt angesprochen: Die Beratung in der Apotheke ist für viele Deutsche – umsatzunabhängig – natürlich immer gratis und „sowieso schon mit den Kassenbeiträgen bezahlt“. Zumal die Presse, die Kassen und die Politik immer wieder den Eindruck erwecken, ein Apothekenleiter hat den ganzen Tag lang nichts weiter zu tun als im Keller Geld zu schippen. Das war vielleicht mal so, aber jetzt ist es eben anders. Eine passende Umsetzung der Leitlinien zur rezeptlosen Abgabe der PiDaNa werden dann aber viele Patienten im Preis inbegriffen sehen, und wenn man dann sagt „Und XY € für den Zeitaufwand dazu“ wird das vermutlich nicht unbedingt für lächelnde Gesichter auf allen Seiten sorgen. Und ich kann auch diejenigen Kollegen verstehen, die dann sagen: „Nochwas, wo ich dick Geld oben drauf lege und anschließend noch Dresche von Kirche/Politik/KK/KV bekomme, will ich nicht anbieten. Lasst mich mit dem Mist bloß in Ruhe.“ – und dann noch ein Protokoll zur letzten Rezepturanfertigung schreiben und abheften gehen. Als geldwertes Vergleichsbeispiel sei hier mal die Blutzuckermessung angeführt, für die viele Kollegen so 0,50 bis 1€ verlangen. Eine wirtschaftliche Betrachtung (in einer der letzten PZ´s) rechnete vor, dass eine Blutzuckermessung mit ca. 5min. Beratungsgespräch theoretisch mit 10-15€ vergütet werden müsste. Das wird KEIN Patient bezahlen. Und in der Apotheke läuft es halt unter „Mischkalkulation“ weiter wie gehabt, wobei blöderweise die Mischkalkulationsbasis seit 10 Jahren immer weiter beschnitten wird.

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        • Pharmama sagt:

          Dann … liegt es auch an Euch, da etwas zu ändern. Ich weiss, das ist nicht einfach – auch wir mussten mit den Preisen nach oben – bei uns kostet eine Blutdruckmessung inzwischen 5 Franken, eine Blutzuckermessung über 10. Wie Du erwähnt hast – auch das ist noch nicht wirklich kostendeckend, aber nötig. Auch um die Kunden / Patienten wieder daran zu gewöhnen, dass unsere Leistung etwas wert ist. Unsere Arbeitszeit kostet. Ein Pille danach Gespräch dementsprechend auch.
          Vielleicht noch zu erwähnen: Bei uns wird ja keine Verhütungsmethode von der Kasse übernommen. Da kommt das nicht als so grosser Schock 🙂 Und ich sage vor dem Beratungsgespräch auch immer: Die Pille danach mit Beratung kostet bei Abgabe … Franken. Wenn ich sie nicht abgebe (n kann) kostet es auch nichts.
          Und immer daran denken: Auch der Arztbesuch kostet.

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          • McCloud sagt:

            Ich muss da Gedankenknick etwas beispringen: Die Situation in Deutschland ist die, dass die deutsche Bevölkerung alles so billig wie möglich haben möchte, Beratung durch fachkundiges Personal (auch beim Optiker, Fotografen, sonstigen Fachhändler) wird nicht geschätzt und teilweise auch nicht gewollt. Daher gibt es bei uns auch z.B. Versandapotheken.
            Ich schätze bei einer rezeptfreien Freigabe der PiDaNa die Situation hierzulande so ein, dass sie dann zu 80 % über den hier zugelassenen Versandhandel in den Weg gebracht werden würde – auf Vorrat und komplett ohne Beratung. Und wenn man das Ding schon mal daheim liegen hat, dann kann man auch mal ohne Kondom Geschlechtsverkehr haben, wenn gerade keins da ist (ich denke da gerade an Teenager oder jüngere Erwachsene ohne festen Partner). Die PiDaNa ist dann kein Notfallmedikament mehr, sondern ein reguläres Mittel zur Verhütung.

            Die Situation ist hier – insbesondere in Großstädten – anders als sie anscheinend bei Euch in der Schweiz ist. Der Apotheker wird hier manchmal einfach als billige Hilfskraft wahrgenommen, der das Medikament rausrücken soll.

            Daher bin ich auch ein Gegner der rezeptfreien Abgabe der PiDaNa in D, auch wenn ich weiß, dass dies eine deutliche Erleichterung für die betroffenen Frauen wäre und ich mir sicher bin, dass wir Apotheker die fachliche Kompetenz zur Beratung haben. Das muss über nen Arzt laufen, wir Apotheker werden da nicht ernst genommen.

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  20. muetze sagt:

    Wir hatten auch schon mal eine kleinen „Unfall“ und wir waren durchaus froh das wir hier in Frankreich die Pidana einfach in der Apo holen konnten. Klar wars bei uns auch schon spät abends und wir haben sie dann am nächsten morgen gleich geholt, aber wenn wir da noch zum Arzt hätten rennen müssen hätte es sicher noch länger gedauert.

    Mit der Entscheidung das Kind dann auszutragen kann ich halt nur sagen das es eine durchaus schwerwiegende Entscheidung ist. Wir waren froh mit der PD und haben uns aber gesagt wenns nochmal passiert dann ist das so und wir freuen uns drüber, aber nicht jeder schafft das und vll ist man in dem Moment einfach im Stress und so. Ich möchte das nicht pauschalisieren und hoffe das es jeder schafft mit der Situation so umgehen zu können wie es einfach grade passt.

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    • Wolfram sagt:

      Für einen Franzosen, der die Carte Vitale hätte vorlegen müssen, wäre das womöglich auch eine Spur schwieriger geworden. Aber die Abgabe an einen Ausländer, der quasi privat bezahlt, erleichterte die Sache möglicherweise.

      Oder der Apotheker hat sich nicht an die Regeln gehalten, Franzosen und Regeln – das ist so eine Sache. Selbst im Elsaß, selbst in der Apotheke manchmal.

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  21. Wolfram sagt:

    Das Problem liegt meiner Ansicht nach nicht darin, daß ein Medikament mit möglicherweise heftigen Nebenwirkungen rezeptpflichtig ist, sondern darin, daß in diesem Bericht eine Reihe von Arztpraxen nicht bereit waren, eine Touristin im Notfall als Patientin anzunehmen.

    Wobei das ganze danach riecht, als ob nicht der Arzt selbst, sondern der Cerberus im Vorzimmer für das verantwortlich zeichnet, was dem ärztlichen Selbstverständnis eigentlich diametral entgegengehen sollte…

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    • Pharmama sagt:

      Nun, die Vorzimmerdrachen bekommen sicher Anweisung vom Arzt, was sie an ihn weiterzuleiten haben oder ob er/sie neue Patienten aufnimmt.

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      • Wolfram sagt:

        Wobei ein deutlicher Unterschied zwischen „Notfall, wohnt woanders“ und „neuer Patient“ besteht… den sollten Vorzimmerdrachen eigentlich auch verstehen. Schließlich müssen sie mittlere Reife haben.

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  22. Psychiatrie to go sagt:

    Also ich bin Arzt und bin klar dafür, die Pille danach ohne ärztliches Rezept in der Apotheke abzugeben. Alle Fragen, die hier relevant sind, kann eine Apothekerin sehr gut stellen, und eine Gesundheitsgefahr kann ich bei noch so kritischer Betrachtung nicht erkennen, wenn kein Arzt aufgesucht wird. Das zeigt ja auch die Praxis in den anderen genannten Ländern.
    Und der Nachteil, erst mal bittstellend durch die ohnehin überlasteten Notdienststellen zu wandern, ist mithin nicht gerechtfertigt.

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    • Pharmama sagt:

      Wir haben ja immer wieder Weiterbildungen, durchgeführt auch meist von Ärzten. Bei der letzten über Kontrazeptiva war ein Frauenarzt (sehr freundlich, sehr kompetent – den würde ich sogar nehmen, obwohl ich für diese Probleme lieber Ärztinnen habe) … wo war ich? Ah ja, also der Arzt fand das auch sehr gut, dass wir die Pille danach abgeben dürfen und das auch machen. Für ihn sei das auch keine Konkurrenz, sondern Ergänzung. Die Frauen, die mehr Abklärung bedürfen, verweisen wir ja auch weiter.

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  23. Reizüberflutet sagt:

    Man hätte ja auch einfach mal die Gyn in der Heimat anrufen können
    (die war sicher auch gerade im Urlaub – dann also der Hausarzt) und die
    bitten können, das Rezept an die Apotheke zu faxen… geht nämlich
    notfalls auch.

    Vielleicht sollte man auch nicht anrufen und
    freundlich fragen, sondern einfach hin und auf Behandlung pochen, habe
    noch nie direkt einen Fall erlebt, wo dann nicht geholfen wurde und bin
    mir auch nicht sicher, dass das so rechtens wäre (zumindest nicht, ohne
    an einen anderen Arzt zu verweisen, ich glaube, da ist das direkte
    Rezept leichter)

    In irgendein *ungewollt Schwanger Forum*
    schreiben und fragen, ob einer in der Nähe wohnt und mal kurz was
    besorgen und vorbei bringen kann oder was weiß ich.

    Es gibt da
    sicherlich mehr Möglichkeiten als das zig armen, überarbeiteten
    Arzthelferinnen zu erzählen, die nur gesagt bekommen, dass sie keine
    neuen Patienten annehmen dürfen und diese Information dann entsprechend
    weitergeben.

    Gut, ich habe leicht reden, ich lebe
    in einer gut sortierten Kleinstadt, wir haben hier Apothekennotdienste
    (wobei ich dann auch einmal – mit der Pd – das Problem hatte, dass die
    nicht vorätig war und ich drei abgrasen musste – sie aber letztlich
    bekam) und ärztliche Notdienste sowieso.

    Zweimal habe ich das
    gemacht, einmal beim ärztlichen Notsienst, einmal direkt in der
    Notambulanz eines Krankenhauses. Bei letzterem habe ich mich da gar
    nicht groß angestellt, sondern direkt gesagt, worum es ging und die
    haben das dann abgeklärt und nach 45 Minuten hatte ich mein Medikament
    schon in der Hand. (Interessanterweise war ich Jahre später wegen eines
    lebensbedrohlichen (Lebensbedrohlich klingt manchma schlimmer als es
    ist) Notfalls da und hab drei Stunden auf Behandlung, insgesamt sechs
    auf den ersten Arzt gewartet… oO)

    Hatte ich nun
    großes Glück? Vielleicht, aber 14 (!) Mal auf Ignoranz zu stoßen?
    Spätestens nach dem vierten hätte ich erstmal die rechtliche Grundlage
    eruiert oder wäre auf eine neue Idee gekommen (Entschuldige bitte,
    nichts gegen dich Anonyma, du warst sicher verunsichert und gestresst,
    das kann ich verstehen, aber dann muss man eben einmal durchatmen, oder
    nicht? – Zumindest hätte das dann mal der Mann an deiner Seite müssen.
    Es tut mir leid, wenn dir das so passiert ist, ich kann mir das aber
    nicht vorstellen, so schlecht, dass ich vierzehn Absagen nicht für
    glaubwürdig halte.

    So oder so, ich sehe absolut keine
    Schwierigkeit da ran zu kommen, zumindest kenne ich niemanden
    persönlich, der damit welche hatte, und habe selbst gute Erfahrungen
    damit gemacht. „Neu Aufgeklärt“ wurde ich auch, aber das ist absolut
    sinnvoll, da es bei manchen (drei Mal reißt das Gummi um EINEN Zyklus
    herum – stand hier irgendwo in den Kommentaren) anscheinend notwendig
    ist, das noch mal klar zu stellen und auch grundsätzlich notwendig ist
    den Leuten zu sagen, dass es zwar noch gruseligeres Zeug gibt, aber
    nichts desto weniger ist es eine Hormonkeule, die den weiblichen Körper
    aus dem regulären Rhytmus bringt.

    Meine Meinung?! Ja,
    das kann passieren, ist es fast jedem schonmal (manche haben’s nicht
    gemerkt – oder ignoriert und sind nun Eltern) und man sollte das Zeug
    ohne besonders lange und ausgiebige Beratung und dann auch noch ein
    bisschen Bedenkzeit, (wie etwa bei einem Schwangerschaftsabbruch)
    bekommen können. – So ist das in Deutschland aber auch.

    Dafür erst
    zu einem Mediziner zu gehen, der einen dann nochmal aufklärt (so
    zwischen 12 und 42 Jahren) ist meiner Meinung nach kein Aufwand, im
    Vergleich dazu, sein Leben mit einem ungewollten Kind zu verbringen.

    Ich
    verstehe das Problem der ersten Posterin, wenn das denn bei ihr so übel
    gewesen ist – davon gehe ich nun mal aus – muss dann aber auch sagen,
    dass es selbst dann andere Möglichkeiten gegeben hätte, von denen ich
    ein paar weiter oben anmerkte (Außerdem fand ich den Einwand eines
    Vorposters gut, auch wenn man, was klug getan wurde, wegen möglicher
    Geschlechtskrankheiten mit einem Kondom verhüte, die Pille zusätzlich
    nicht schaden könne – die Pille danach schützt schließlich nicht vor
    Geschlechtskrankheiten, man könnte die ja auch nehmen um mal einfach
    nicht schwanger zu werden…) mir ist bewusst, dass das sicherlich eine
    Ausnahmesituation war und sie sicherlich (oder zumindest wie es mir
    erscheint) nicht unbedingt dann noch groß andere Optionen erdenken
    konnte, aber dann hätte da der Mann, dessen Penis wohl zu hart für’s
    Gummi war, oder die beste Freundin zu Hause, die man dann anruft, oder
    oder oder eingreifen können und müssen. Es ist sicher nicht unmöglich
    und ich halte es für unwahrscheinlich dass es schwer ist.

    Tut mir leid, ich freue mich, dass du dein Erlebnis hier so offen
    mitteilst, wenn das manchmal so schwer ist, muss das unbedingt publik werden!

    Aber… ich habe zuvor weder erlebt noch live gehört, dass es bei jemandem auch nur annähernd so schwierig gewesen wäre, ich halte diese Geschichte maximal für einen Einzelfall, wenn nicht gar für unglaubwürdig und auch in den Kommentaren steht nur etwas von Wartezeiten oder Apotheken, die das Medikament nicht da haben (was auch oft bei Mitteln gegen akute psychotische Schübe vorkommen kann) – das macht bei bisher 100 Kommentaren nur knapp 1% die eine solche Tortour wie du erlebt haben, und das warst halt du.

    Da kann noch was kommen, aber ich rechne da nicht mit einem großen Anstieg, denn man muss wohl zu einem Arzt (nicht einmal zu einem Gyn, auch der Allgemeinmediziner darf das verschreiben) aber dann bekommt man das i.d.R. relativ problemfrei.

    Ich glaube das Gerede ist einigermaßen müßig, da das System zur Pd offensichtlich funktioniert. Ansonsten nehme ich gerne eine Statistik in der steht, wieviele ungewollte Schwangerschaften bei krankenversicherten Einwohnern in den letzten zehn Jahren vorkamen, NUR weil dir Pd so schwer zu kriegen war…

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  24. Fr.Oeser sagt:

    Danke für diesen Gast-Artikel.

    Kondome können halt reissen. Sich dann aber Sätze wie „Sie wissen aber schon, wie man ein Kondom benutzt?“, „Wie ist ihnen DAS denn passiert?“, „Sie haben aber schon verhütet?“, „Haben Sie an die Verhütung gedacht?“, „Und warum nehmen Sie nicht die Pille?“ anhören zu müssen, weil die Ärzt_innen ja eigentlich besseres zu tun hätten, hat man weniger Bock.

    Warum gesteht man Frauen die Entscheidung und die Verantwortung ihrem eigenen Körper gegenüber nicht zu? Ist ja nicht so, dass man die Pille danach in der Drogerie kaufen könnte

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