Über den Umgang miteinander (Respekt und Anstand)

Ich habe mir erlaubt einen Statusbeitrag von einem Kollegen zu klauen, weil ich finde dass das so wichtig ist – gerade in der heutigen Zeit:

Was aber das Arbeiten in der Apotheke angeht: Die Menschen begegnen sich hier noch mit viel mehr Respekt und Anstand, auch habe ich noch keine Kunden erlebt, die nicht grüßen.
Wie man miteinander umgeht, erkennt man sehr schön an den Substitutionspatienten.
Wie oft habe ich erlebt: „Die wollen wir nicht!“ „Bloß keine Junkies“.
Hier werden sie normal behandelt und bekommen eine faire Chance, es findet im Umgang keine Abwertung statt wie das oft … der Fall ist.

Diese Art des Miteinanders habe ich … vermisst, Anstand und Respekt sind doch bei vielen verloren gegangen, obwohl sie es für sich einforderten.
Eine absolute Wohltat für mich.

Respekt und Anstand im Umgang miteinander sind essentiell. Jeder ist anders, hat andere Voraussetzungen und jeder hat so seine Probleme

Ich weiss, dass ich hier im Blog häufig die Negativ-Beispiele bringe, diejenigen Kontakte, die aufgeregt haben, die unerfreulich waren. Das sind die, über die man schreibt, auch weil man es damit loslassen will, hören will, dass man nicht die einzige ist, die derartiges unverständlich oder unschön findet.  Aber daneben gibt es noch so viele Kunden – und Patientenbegegnungen, die von ereignislos über freundlich bis zu einfach wunderbar sind. Leute, die sich bedanken für die Zeit, die man sich genommen hat, Patienten, die zurückkommen um zu sagen, dass es das Richtige war (Behandlung oder Ratschlag …), wirklich Ältere wo man nachher sagt: „die würde ich mir als Grosmutti (oder Grosspapi) aussuchen, wenn ich könnte.“ einfach, weil sie so herzig und nett sind … trotz allem. Wir wissen ja, dass zu uns Leute kommen, die gesundheitliche Probleme haben … und auf Dauer kann das (verständlicherweise) grantig machen. Ich bewundere die Leute zum Beispiel mit chronischen Schmerzen, die es so gut wie immer schaffen, ihre Probleme nicht an anderen  … auszulassen. Oder diejenigen, die wirklich nicht mehr gut zu Fuss sind und doch jeden Tag aus dem Haus gehen und auch bei uns in der Apotheke vorbeischauen … und dabei noch einen Spruch wie „wer rastet, der rostet“ machen können. Oder die Leute mit Angststörungen, für die es jedes Mal eine Überwindung ist, wenn sie mit anderen Leuten interagieren müssen … und die alle Woche ihr Dosett holen kommen und sich beim Erhalt bedanken und freundlich verabschieden. Oder, oder … ich hätte noch viele Beispiele für die Patienten und Kunden um deren Umgang ich sehr Dankbar bin.

Respekt und Anstand.

Ich komme hier im Blog gelegentlich sicher als besserwisserisch über. Oder als ob ich mich über die Leute und ihr Nicht-Wissen lustig mache. Ähm. Es stimmt, manches finde ich wirklich lustig. Aber das bedeutet nicht, dass ich die Leute dahinter nicht schätze. Ich hoffe, das merkt man auch. Manches bringe ich hier auch deshalb, dass andere aus dem lernen. Auch aus meinen Fehlern oder aus dem, was ich daraus gelernt habe … man muss nicht alles selber machen, oder?

In dem Sinne: das ist das, was ich mir für hier und jetzt und später und überall wünsche: dass man sich gegenseitig mit Respekt und Anstand begegnet.

Schöne Weihnachten miteinander! Gute Festtage und (wen ich hier nicht mehr sehe) einen guten Rutsch ins neue Jahr!

die aufgeflogene Nicht-Kundin

„Das ist sie wieder!“ raunt mir Donna zu – sie ist gerade gekommen und noch in den Strassenkleidern … sie fängt erst in ein paar Minuten an zu arbeiten.

„Wer?“ Frage ich

„Na, diese Frau neben Sabine – die kommt hier immer rein, fragt etwas zu einem Kosmetikprodukt von der …Linie und dann nimmt sie an Mustern was sie kann und geht wieder. Die hat noch nie NIE hier etwas gekauft! Und die hat das schon mit allen gemacht hier.“

Ich linse zu Sabine und ihrer Kundin. Ja, die hatte ich tatsächlich auch schon. Sie ist eher der unauffällige Mäuschen-typ, fragt freundlich und geht, nachdem sie ihre Muster hat. Momentan fragt sie gerade Sabine, die (wie immer) mit Enthusiasmus dabei ist, sie zu beraten, obwohl ich sicher bin, dass Sabine die auch schon hatte. Mit dem gleichen.

„Jetzt aber!“ macht Donna und steuert direkt auf die beiden zu.

„Oh, hallo!“ macht Donna zur Frau freundlich lächelnd… „da sind sie ja wieder … wie hat das denn funktioniert mit dem Muster von der CC Creme?“

Das ist ganz offensichtlich auch die Creme, die Sabine gerade in der Hand hält und über die sie die Frau berät …

Die Frau ist … arg überrascht ob der Direktheit und stottert etwas von: „Oh, ja … doch, das ging gut damit ..“

Worauf Sabine, die jetzt genau erkannt hat, worum es geht einhakt: „Oh, dann konnten sie das schon probieren? Dann wäre es nicht schlecht, wenn sie jetzt eine grössere Packung nehmen würden, dann könnten sie sie nämlich länger anwenden, dann wirkt es auch richtig!“

„Ähm, ja die Creme ist gut … aber ich … habe gerade kein Geld dabei und … ich muss gleich weiter. Wiedersehen!“

Und sie geht. Diesmal ohne Muster.

Die beiden kommen fast prustend vor Lachen aus der Kosmetikabteilung.

Ob die wohl wieder kommt?

Ich habe danach ein bisschen herumgefragt. Das Spiel treibt die Frau seit Monaten. Sie sucht sich verschiedene Mitarbeiter aus, fragt nach einer bestimmten Creme, fragt, ob sie die ausprobieren kann und lässt sich Muster geben oder etwas abfüllen. Das reicht dann etwa 2 Wochen, dann kommt sie und macht es wieder. Damit hat sie inzwischen wohl eine Menge Creme abgestaubt, die gut einer Grosspackung entsprechen. Plus noch ein paar Muster von anderen. Da sie immer freundlich ist und nett fragt, hat sie das bisher auch bekommen … wobei es anfing aufzufallen. Jetzt … war es halt einmal zu viel.

Was für ein …loch!

Hier habe ich Ihnen 2 Patronen zurück. Ich will sie nicht mehr!“

Das sagt mir der leicht säuerlich wirkende Mann und knallt mir 2 Soda-Stream Patronen auf die Theke.

„Sie wollen also keine neuen?“

(Die Soda-Stream oder Soda-Fresh Patronen sind Tausch-Patronen: das heisst man bringt eine alte zurück und bekommt dafür –plus etwa 11 Franken eine neue)

„Nein.“

„Umm – Sie wissen, dass wir Ihnen dafür kein Geld zurück geben können?“

Meine (vorsichtige) Anfrage hat einen Grund: Neue Patronen sind teuer. Früher wurden die Patronen als „mit Depot“ verkauft – was eigentlich impliziert, dass man das Depot bei Rückgabe zurückbekommt. Das ist leider heute nicht mehr so. Oder … nicht ganz. Die Firma propagiert das faktisch als Mietpatrone … und das bedeutet, dass der Wert der Patrone über die Zeit abnimmt. Ich kann hier in der Drogerie nichts mehr zurück geben. Via Internet bekommt man sein „Depot“ zurück – das nimmt aber eben über die Zeit ab. Wieviel bestimmt die Firma anhand des Kaufbeleges und des Benutzerzertifikates. Die meisten Leute bewahren aber die nicht auf – und nach Jahren findet sich meist weder das eine noch das andere wieder. Dann kann man die immer noch zurückschicken (portofrei zumindest nach Anmeldung im Internet hier) und bekommt dafür 5 Franken pro Patrone. Wow.

Der Mann reagiert genervt genug, dass ich merke, dass er das schon gehört hat

„Ich weiss!“

Ich nehme die beiden Patronen, er wendet sich wortlos zum gehen, da … fällt mir etwas auf. Das hier:

zylinder

Seht ihr das? Ja – da hat es ein Loch in der Metallpatrone. Ein säuberlich gebohrtes Loch mitten in der Etikette. Und … in der zweiten Patrone auch.

„Oh“ – sage ich überrascht – und laut – „da ist ja ein Loch drin!“

Reaktion des Mannes ist nur ein bitterböser Blick in meine Richtung.

„Nun, da mache ich besser eine Notiz dazu, wenn wir das der Firma zurück geben, dass da „jemand“ ein Loch hinein gebohrt hat. Das ist ganz schön gefährlich!“ sage ich, immer noch laut genug, dass er das mitbekommt zu mir.

Mit einem wirklich sauren Gesicht und immer noch wortlos verlässt der Mann die Drogerie.

Kopfschüttelnd nehme ich die Patronen nach hinten.

„Sowas aber auch“ sage ich zu meinen Kolleginnen „der hat Löcher in die Patronen gebohrt. Das kann nicht ganz einfach gewesen sein durch das dicke Metall – scheint als wolle er sichergehen, dass wenn er die nicht mehr brauchen kann, es auch niemand anderer mehr kann.“

Manche Leute finde ich einfach unglaublich.

Je nun.

Meine Kollegin meint noch: „Ich glaube den hatte ich vor etwa 2 Wochen. Da wollte er die Patronen zurückgeben. Er hat dann einen Riesen-Aufwand gemacht, als ich ihm erklärt habe, dass ich ihm kein Geld dafür geben kann. Das beste war aber, als ihm dabei herausgerutscht ist, dass er die Patronen in einem anderen Geschäft gekauft hatte – und die ihm dasselbe gesagt haben …“

Quicky (25)

Frau Mitte 20 mit Packung Gyno Canesten Vaginal Creme.

„Lasse ich den Applikator drin, oder nehme ich den raus?“

„Den nehmen Sie wieder raus.“

„Und wie bleibt dann die Medizin drin??“

Applikator kommt von auftragen. Das ist ein Hilfsmittel, das wieder entfernt wird.

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Sie war mal wieder da

Freundliche junge Frau mit 2 Kindern in der Apotheke, das jüngere davon nur wenige Wochen alt.

Die ältere, aufdringliche Frau kommt herein, stellt sich genau neben sie, sieht, dass sie die Pille holt, wirft einen Blick auf ihre Hand (ohne Ring) und sagt: „Ein bisschen spät, nicht?“

Oh. Gott. Bitte. Nicht.

Zum Glück hat die junge Frau das einzige richtige in der Situation gemacht, nämlich sie komplett ignoriert. Ich durfte ihr dann erklären, wie unangebracht so eine Bemerkung ist.

Ja, die hatten wir schon ein paar Mal hier. Die ist leider immer so.

Einfach aufdringlich

Nur kurz dazwischen

und Sie ist zurück!