Frohe Weihnachten miteinander!

xmaspharmama

Und plötzlich schneit es dicke Flocken

Und plötzlich schneit es dicke Flocken,
der Himmel ist noch nicht gestorben.
Vieles wurde trocken
und Werte gingen verloren.
Wünsche sind geblieben,
dass man vor allem dazulerne,
und dass lieben
man bitte nie verlerne.

(© M. B. Hermann)

Ich wünsche Euch allen da draussen und drinnen schöne Weihnachten!

Danke vielmals an Marion und Manuela für das überraschende Geschenk / für’s Wichteln.

Über Blutzucker, BZ-Geräte und Diabetespatienten (Sampler)

Diabetes nennt man es, wenn der Blutzucker krankhaft erhöht ist. Das hat Folgen, wenn man nichts macht: der Zucker verstopft auf Dauer die kleinen Gefässe, das führt zu Nierenproblemen, zu Sehstörungen bis zum Erblinden, zu sehr schlecht heilenden Wunden (bis zum Punkt, wo man das Bein abnehmen muss, da es zu schlecht durchblutet wird) und einer Vielzahl Probleme mehr.

Erhöhter Blutzucker wird vom Körper mittels Insulin gesenkt – dessen Entdeckung ist noch spannend zu lesen.

Es gibt 2 Arten von Diabetes: Typ 1: meist schon im Jugendalter auftretend, wobei die Insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse aus unbekannten Gründen, oder weil das fehlgeleitete Körpereigene Immunsystem sie kaputt macht zu Grunde gehen; Und Typ 2: der darauf beruht, dass der Körper nicht genug Insulin produzieren kann, zum Beispiel, weil die zu regulierende Masse zu gross ist oder als Alterserscheinung. Während Typ 1 zwingend Insulin von aussen zur Behandlung benötigt, kann man bei Typ 2 neben Insulin-anregenden Medikamenten durchaus noch etwas selber machen um das zu verhindern oder zu mindern.

Aufklärung darüber was Diabetes ist und was es anrichten kann, ist enorm wichtig. Das ist nicht alles nur eine abgekarterte Sache der Pharmafirmen, wie diese Frau hier gerne gedacht hätte: Die Blutzucker-Verschwörung:  Damit zusammenhängend: Früher war alles besser? Ein Fall aus meiner Familie.

Wenigstens das: Diabetes ist nicht ansteckend.

Diabetes-Patienten müssen eine gute Übersicht und Wissen um die Krankheit, ihre Körperfunktionen und die richtige Behandlung haben. Wenn das alles stimmt, können sie damit sehr gut leben. Im Alter wird das schwieriger, da ist es manchmal gut, wenn man sich Hilfe holt. Eine Rundumversorgung durch die Familie ist dabei aber meist nicht nötig.

Auch wenn es hilft, wenn die Familie mit unterstützt, gerade bei eher unwilligen Patienten, Freundschaftsrezepte sollte man trotzdem nicht ausstellen.

Die Erstinstruktion und wie man mit Gerät, Insulinpen etc. umgeht, passiert heute häufig in spezialisierten Kliniken oder Kursen. Das hat einen Grund.  Problematisches kurz vor Ladenschluss – Ich mache wenig Erstinstruktionen und dafür brauche ich einfach mehr Zeit!

Was war da noch? Weshalb ich jemanden mit einem Blutzuckergerät direkt ins Spital verwiesen habe.

Um zu wissen, wie hoch der Blutzucker ist und (entsprechend) wieviel Insulin man geben muss, oder zum schauen, dass die Behandlung mit Medikamenten genügend anschlägt, gibt es einige  Blutzuckermessgeräte (und dazu gehörige Teststreifen) : Wer die Wahl hat.

Wir haben gelegentlich Blutzuckermessgeräte zum gratis umtauschen. Leider gibt es da Leute, die sind einfach nur gierig.

Manchmal bekommt man das auch vom Arzt – dann soll der sich aber auch drum kümmern, wenn etwas nicht stimmt: Doch kein Umtausch.

Beratung zu den Blutzuckermessgeräten kann gelegentlich direkt komödiantisch sein. Und nicht immer ist das Gerät wirklich defekt, wie behauptet wird.

Von fehlerhaften Blutzuckermessgeräten. Die schaue ich mir an, ich mache auch eine Vergleichsmessung – es könnte aber etwas kosten, vor allem, wenn es nicht von uns ist.

Blutzucker-Messgeräte-Service: oder weshalb es doch besser sein kann, wenn man sein BZ-Gerät nicht direkt von der Firma bekommt.

Wenn das Gerät die Funktion verweigert – liegt’s eventuell an den Streifen.

Der Finger-pieck zum messen des Blutzuckers ist (noch) nötig, aber vielleicht nicht immer so oft. Wenn man das macht, sollte man die Nadel regelmässig wechseln. Das ist dann weniger schmerzhaft und es verhindert Vernarbungen.

Wir helfen Diabetes-Patienten bei ihrer Behandlung, allerdings lasse ich mich ungern unter Druck setzen, vor allem wenn der Blutzucker aus eigener Unterlassung Im Moment ausser Kontrolle ist.

Bei einer Unterzuckerung gibt es bei uns Traubenzucker. Oder ein Glas Wasser mit etwas Zucker drin. Ich finde es richtig, dass man etwas macht. Nicht wie hier: hätte da der Apotheker nicht helfen müssen?

(Disclaimer: Ja, ich weiss, das ist hier nur sehr grob zusammengefasst und es gäbe darüber noch viel mehr zu schreiben und zu wissen. Ich bewundere die Patienten, die mit Diabetes leben, die sich um ihren Körper so viel mehr kümmern (müssen) als wir, bei denen das alles so wunderbar und ohne unser zutun abläuft. Das braucht Motivation und Einsatz und das täglich. Hier ein kleines Hoch auf Euch!)

Dialoge aus der Apotheke / 12

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Kunde: „Ich möchte gerne mit dem Chef reden. Sie wissen schon: dem Mann.“

Apotheke denkt: „Das ist der Lehrling …“

Nicht gerade aktuell, da Urs kein Lehrling ist, aber … hatten wir auch schon. Öfter. Da ist es offenbar noch nicht angekommen, dass heute etwas andere Zeiten sind. Es sind zwar immer noch viele Chefs Männer, auch in der Apotheke (und Drogerie), aber das scheint eher eine aussterbende Spezies zu sein. Frauen übernehmen im Gesundheitssystem inzwischen so ziemlich jede Rolle – und das ist gar nicht schlecht. Beispiel: Ärztinnen. Laut einer Studie haben deren Patienten die (etwas) bessere Überlebenschance. Das mag an deren etwas anderen Herangehensweise an ein Problem liegen … oder an besserer Kommunikation. Interessant.

Life, uh … finds a way

Finde ich doch erstaunlich, dass ich heute noch einer erwachsenen Frau erklären muss, dass „herausziehen“ keine adäquate Verhütungsmethode ist und sie trotzdem schwanger werden kann.

Eigentlich war sie ja nur hier, um von mir als medizinische Fachperson die Bestätigung zu holen, dass sie die Pille danach in dem Fall nicht braucht. Nur … die konnte ich ihr nicht geben.

Nachdem ich ihr also dreimal erklärt habe, dass auch in den sogenannten Lusttropfen schon Sperma drin sein kann und dass sie (bei einigermassen regelmässigem Zyklus) sich gerade in der kritischen Phase des Zyklus befindet Und sie nicht verhütet hat (nochmals: herauziehen zählt nicht als verhüten), Und auch wenn das bisher gut gegangen ist (keine Ahnung, weshalb sie dieses Mal die Bestätigung braucht) … habe ich sie vor die einfache Wahl gestellt:

„Es ist ihre Entscheidung. Wenn Sie ganz sicher nicht schwanger werden möchten, dann empfehle ich ihnen die Pille danach.“

Danach hatten wir dann das normale Pille danach Gespräch und sie hat die Pille danach bekommen und genommen.

Wobei ich noch anmerken möchte, im Zweifelsfall gebe ich auch kurz nach der Periode die Pille danach – ich halte mich da an Dr. Ian Malcolm aus Jurassic Park (gespielt von Jeff Goldblum): „Life finds a way “*. …

Immer gern erinnere ich mich da an die Geschichte des Frauenarztes in der einen Weiterbildung: Frau mit Status nach Entfernung wegen Zysten mit nur noch einem Eierstock (auf der linken Seite) und einer Eileiter (auf der rechten Seite) … eigentlich hat man ihr gesagt, da sei es unmöglich, dass sie noch schwanger wird. Nun … stellt sich heraus, dass die Eileiter ziemlich beweglich sind im Körper und bei der richtigen chemischen Anregung (nach Eisprung) auf die Suche nach dem Ei gehen. Ja – sie wurde schwanger. In dem Fall war das eine freudige Überraschung – die Frauen, die zu mir in die Apotheke kommen, wollen das wohl eher nicht.

* Aus Jurassic Park (Film):

Dr Ian Malcolm: „John, the kind of control you’re attempting simply is… it’s not possible. If there is one thing the history of evolution has taught us it’s that life will not be contained. Life breaks free, it expands to new territories and crashes through barriers, painfully, maybe even dangerously, but, uh… well, there it is.“

John Hammond: [sardonically] „There it is.“

Henry Wu: „You’re implying that a group composed entirely of female animals will… breed?“

Dr. Ian Malcoml: „No. I’m, I’m simply saying that life, uh… finds a way.“

Wollt ihr mehr lesen über die Pille danach in (Pharmamas) Apotheke?:

Die Hanf(apo)theke?!

Die (anonym bleiben wollende) Apothekerin aus Basel hat mir zwei Bilder geschickt, die ich hier in einem Bild kombiniert habe:

hanftheke

Nicht so gut zu sehen, aber im Bild links steht im Schaufenster „hanfapotheke“ und im Bild rechts nur noch „hanftheke“.

Dazu schreibt sie:

Wir waren sehr überrascht, als Ende September in der Nähe ein Laden eröffnet wurde, der sich selber als Hanfapotheke bezeichnete. Eine Apotheke? Noch eine? – Bei uns hat es doch schon einige in der Stadt.

Die Neueröffnung ging quer durch die Presse: Heute öffnet die erste Hanfapotheke in Basel, titelt das Likemag,   Hanf-Apotheke die bz Basel   und die 20 Minuten schrieb: In Basel hat am Dienstag die erste Hanf-Apotheke der Stadt ihre Tore geöffnet. Und wir standen da und staunten: Apotheke? Aber das musste wohl so sein. Überall stand zu lesen, dass das eine Apotheke ist. Mit Apothekern die da arbeiten?

Der Blick schrieb zum Thema (und was sie verkaufen): Aus rechtlichen Gründen verkaufen sie noch keine Hanf-Arzneimittel, sondern Cannabis-Wirkstoffe, Hanf-Extrakte, Lebensmittel und Kosmetika. … Das geänderte Betäubungsmittelgesetz erlaubt es seit 2011, Cannabis medizinisch zu nutzen. Bisher erhielten aber nur zwei Apotheker landesweit die Erlaubnis, Cannabis als Arzneimittel an Schmerz­patienten zu verkaufen. …

in der bz steht: Ganz im Gegensatz zu den früheren Hanf-Shops im Schmuddel-Look setzen die beiden Apotheken gezielt auf ein besonders sauberes Erscheinungsbild …Es handelt sich um Industriehanf-Sorten, die speziell auf einen hohen Gehalt an Cannabidiol gezüchtet wurden. Dieser nicht psychoaktive Wirkstoff ist in der Schweiz absolut legal. … Die Wichtigkeit des Namens «Hanf-Apotheke» bestätigen auch die beiden Geschäftsführer. Damit werde eine zukunftsweisende Botschaft transportiert. Zudem verhelfe er den Hanf-Produkten aus der «Bob-Marley-Ecke», wie Kaymaz sagt. Die Verwendung des Begriffs Hanfapotheke sei gemäss eigenen rechtlichen Abklärungen noch nicht geschützt.

in der 20 Minuten: Dem Cannabis-Konsum gegenüber sind die Apotheker durchaus positiv eingestellt. Wir sind für eine Öffnung des Marktes.

Wir lesen nur „Apotheke“, „Apotheker“, „medizinische Nutzung“ …. und sind verwirrt. Genauso wie die Patienten, die uns danach fragen kommen, was wir davon halten.

Obwohl wir es auch begrüssen, dass die Wirkung von Cannabis erforscht wird und es bei medizinischen Beschwerden eingesetzt werden kann (am besten in kontrollierter Qualität und legal) – dieser Laden ist keine Apotheke und benutzt die Bezeichnung nur um das gute Image, das wir haben für sich zu nutzen. Und das ist so schlicht illegal.

Die Bezeichnung „Apotheke“ und „Apotheker“ ist geschützt. Apotheker sind Pharmazeuten, die als Fachkräfte zur Abgabe von Arzneimitteln berechtigt sind. Apotheken sind Orte, wo Medikamente abgegeben werden – sie dürfen nur von einem Apotheker geführt werden und müssen einer Vielzahl gesetzlicher Vorschriften entsprechen. – da kann man nicht einfach hingehen und seinen Hanfladen „Hanfapotheke“ nennen … und das dann quer durch die Presse ziehen, die das natürlich mit Gusto aufnimmt. Auch dann nicht, wenn sie auf ihrer Website Samuel Büechi, einen Apotheker und Pharmafirmengründer als Berater angeben und schreiben, sie haben die Verwendung des Namens rechtlich abgeklärt …

Wir haben darauf beim Gesundheitsamt nachgefragt, denen das schon bekannt, war. Die konnten uns aber „wegen des laufenden Verfahrens“ keine Auskunft geben, ausser dass sie da schon dran seien.

Scheint so, als wäre dem so, denn inzwischen (Ende November), hat der Laden seinen Namen geändert. Aus der „Hanfapotheke“ ist eine „Hanftheke“ geworden. Auf der Website und manchen Artikeln haben sie die Bezeichnung „Apotheke“ und die Erläuterungen dazu auch entfernt. Gut so. Aber ihr Ziel haben sie wohl auch so erreicht: viel Aufmerksamkeit in der Presse. Viel mehr, als sie es als „normaler“ Hanfladen hätten erwarten können.

Besucht aponette!

Sie bloggt jetzt selber auf aponettesplauderei. Geht sie mal besuchen!

Es freut mich immer, wenn ich andere bloggende Apotheker finde – in dem Fall aus Deutschland, wo es doch etwas anders läuft als hier. Ihr kennt sie vielleicht schon aus den Kommentaren hier. Auf ihrem frischen Blog finden sich schon einige Beiträge – und auch eine Idee für ein selbstgemachtes Weihnachtsgeschenk, das sich auch jetzt noch super umsetzen lässt: Senf! Bringt mich direkt auf Ideen …