Freundschaftsrezepte

Auch Apotheker, Pharmaassistenten und sonstige in der Apotheke arbeitenden oder deren Familienangehörige müssen zum Bezug von rezeptpflichtigen Medikamenten ein Rezept bringen. Das hat Gründe. Auch als Mediziner man ist nicht gerade unbefangen, weshalb zum Beispiel stark davon abgeraten (noch nicht ganz verboten) wird, als Arzt seine eigenen Angehörigen zu behandeln.

Das macht Sinn, auch wenn jemand schon seit Jahren Bluthochdruck oder Diabetes hat und Medikamente dagegen nimmt. Auch bei chronischen Sachen ist eine gelegentliche Kontrolle nötig. Manches ändert sich. Und mal ehrlich: manchmal sind auch Familienangehörige nicht gerade sehr zuverlässig, wie sie ihre Medikamente nehmen.

So wie die betagte Mutter einer Kollegin, die sich zwar nicht wohl gefühlt hat, aber nie zum Arzt wollte … wahrscheinlich, weil sie dann eben die Diagnose bekommt. Sie hatte Altersdiabetes – und auch nachdem das klar war, wollte sie keine Medikamente nehmen. Das hat Auswirkungen … unter anderem auf ihre Sehkraft, weshalb sie dann schliesslich doch unter Protest zum Augenarzt ging. Meine Kollegin hat vorher mit ihm geredet und ihn vorgewarnt, und als der Arzt mit der Untersuchung fertig war, hat er zur Mutter gesagt:

„Ich habe gehört, sie wollen keine Medikamente nehmen gegen ihren Blutzucker. Das ist okay. Es ist Ihre Entscheidung. Sie haben jetzt noch etwa 10% der ursprünglichen Sehkraft, Wenn Sie nichts nehmen, dann sind Sie in einem, spätestens in 2 Jahren blind, dann brauchen Sie mich auch nicht mehr.“

Das hat die Mutter dann doch dazu gebracht, umzudenken. Sie bekam vom Haus-Arzt Tabletten verschrieben, die sie auch nahm … aber die Folgeuntersuchungen liess sie wieder ausfallen, weil sie nicht wollte, dass er ihr auch noch Spritzen verschreibt. Und ihr Blutzucker war wohl immer noch nicht okay.

Der Arzt hat schliesslich gesagt, dass er kein weiteres Rezept ausstellt, ohne sie zu sehen. Darauf ist sie zu einem Freund gegangen, der auch Arzt ist (ganz anderes Fachgebiet) und hat ihn um ein Rezept gebeten. Sie wisse ja, was sie brauche.

Der hat dann ein Rezept ausgestellt – und zwar grad für ein Jahr.

Als meine Kollegin das mitbekommen hat, ist sie sehr ärgerlich geworden und hat dem Arzt/Freund ihre Meinung gegeigt, was sie von derartig unprofessionellem Verhalten findet, jemandem ein Rezept auszustellen, den man nie untersucht hat – und dann grad für so lange, was effektiv verhindert, dass sie die nächste Zeit unter Ärztliche Kontrolle kommen würde… und dann hat sie ihn dazu gebracht das Dauerrezept in der Apotheke zu stornieren.🙂

Hoffen wir, sie geht jetzt wieder zu einem Arzt. Ich glaube meine Kollegin schleppt sie sonst selber hin …

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 15/01/2015 in Apotheke und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Das es mit Vorsicht zu genießen ist Angehörige zu behandeln ist nachzuvollziehen, aber warum schreibst du es ist „noch nicht ganz verboten“ ist?
    Soll soetwas verboten werden oder kann das verboten werden?
    Fände das als generelles Verbot nicht umsetzbar und auch nicht ok. Denn ich denke das sollte jedem selbst überlassen sein.

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    • Ich denke kaum, dass so ein Verbot geplant ist – es ist auch kaum durchsetzbar. Aber es gibt (zum Beispiel in Spitälern) interne Richtlinien, die das verbieten -und allgemein wird das als nicht professionell angesehen.

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  2. Wobei ein Verbot mindestens gelegentlich sogar Sinn ergeben würde – z.B. wenn es um die Verschreibung von Mitteln geht die unter das BTM fallen. Ebenso was die U-Untersuchungen von Babys/Kleinkindern/Kindern angeht, wo ja z.B. Misshandlungsspuren bewusst „übersehen“ werden könnten wenn einer der Elternteile Kinderarzt ist.

    Es ist nunmal Tatsache dass Menschen für Freunde und Familie viel eher Lügen und Betrügen als für den Rest der Welt. Und Ärzte sind nunmal darin gefragt einem Patienten auch mal schlechte Nachrichten (ich muss sie weiterüberweisen, das hier sieht nach einem entartetem Muttermal aus) zu überbringen, oder auch mal bestimmte Sachen (z.B. Medikamente die der Patient haben möchte) zu verweigern. Da kann es besser sein durch ein Gesetz den Arzt soweit wie möglich aus diesem Gewissenskonflikt herauszuhalten der sich aus der Überschneidung Persönliches und Medizinisches Verhältnis ergibt.

    In der Psychotherapie ist glaube ich eben ausdrücklich NICHT erwünscht dass sich Patient und Therapeut vorher kennen.

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  3. Ich weiß, dass man mir als Industrieapotheker in der Apotheke aus rechtlicher Sicht kein verschreibungspflichtiges Medikament aushändigen darf.
    Nichtsdestotrotz möchte ich mich bei allen betreffenden Kollegen aus der Offizin bedanken, die mir bisher auf Eigenverantwortung ein Antibiotikum oder Paracodin bei einer fetten Erkältung abgegeben haben – gegen Vorlage meiner Approbationsurkunde.

    Ich finde das albern, dass ich als Apotheker zu blöd sein soll, zu wissen, wann ich bei einer Erkältung ein Antibiotikum benötige.

    Ich würde natürlich nie bei einem Kollegen nach Diazepam oder ähnlichem anfragen.

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    • Schaefchen

      Ich finde solche Kollegen-Deals weder toll noch richtig und erst recht keinen Grund, um dankbar zu sein. Denn es gibt absolut keinen Grund, weshalb Apotheker oder Ärzte beim Bezug von Medikamten anders behandelt werden sollen als alle anderen Patienten!

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      • Was die Ärzte betrifft, ist das kein Deal, sondern klar gesetzlich so geregelt. Jeder Arzt bekommt gegen Vorlage des Arztausweises jedes verschreibungspflichtige Medikament, welches er haben will (Ausnahme BTM). Wäre ja auch albern, wenn der Arzt ausgerechnet für sich selbst kein Medikament mitnehmen dürfte. Der Arzt hat ja die Ausbildung und die Qualifikation dazu.
        Jeder Tierarzt oder Zahnarzt bekommt gesetzlich klar geregelt jedes verschreibungspflichtige Medikament, welches zu seinem Fachbereich gehört. Man müsste jetzt die Diskussion anfangen, ob jetzt beispielsweise die Pille, die Cortisonsalbe oder das Salbutamolspray nicht irgendwie tiermedizinisch oder zahnmedizinisch sinnvoll eingesetzt werden könnte. Ich glaube, jeder Tierarzt oder Zahnarzt findet da eine Argumentation.

        Apotheker bekommen per Gesetz keine verschreibungspflichtigen Medikamente. Das ist durchaus richtig so, da wir nicht verschreiben dürfen. Für mich selbst sehe ich aber wenig Gefahr bei einem Antibiotikum bei einer starken Erkältung, da ich da ebenfalls die Qualifikation habe und wirklich weiß, wann ich nicht doch mal einen Arzt brauche. Die Stirnhöhlenentzündung gehört da noch nicht dazu, bei einer Lungenentzündung sieht mich natürlich der Arzt.
        Wenn Du in einer Apotheke arbeitest, nimmst Du es Dir eh aus der Schublade, bezahlst es und buchst es ab. War halt dann offiziell ein Privatrezept…

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        • Schaefchen

          Ich habe ja auch nicht gesagt, dass das nicht rechtens ist. Allerdings finde ich solche Selbstmedikationen und Freundschafts-Deals trotzdem weder toll noch richtig, da ich es für ein sehr wichtiges Prinzip halte, dass stets ein Aussenstehender noch zwei Augen auf nicht-triviale Behandlungen hat (d.h. mindestens auf sämtliche Dinge, für die alle ’normalen‘ Patienten auch zum Arzt oder in die Apotheke müssen) – schlicht und einfach, weil ein Experte in seinem Fachgebiet bei sich selbst häufig zu anderen Einschätzungen neigt als bei anderen.
          Aber klar, schlussendlich liegt es in deren Eigenverantwortung, wenn sich ausgerechnet Ärzte und Apotheker nicht an das Vieraugenprinzip (mit einer unabhängigen Person!) halten, sondern sich selbst ‚kontrollieren‘ wollen.

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