Geschlechterspezifische Medikamente (2)

Kunde:  „Ist das ein Schmerzmittel für Frauen oder für Männer?“

Das besagte Medikament wird als Frauen-Schmerzmittel vermarktet, speziell gegen Periodenschmerzen  (sieht man auch etwas an dem Dreieck hinter dem Namen), aber es enthält auch „nur“ Ibuprofen in der gleichen Dosierung wie andere Schmerzmittel auch. 200mg in dem Fall. Neu gibt es die auch als 400mg (forte) – von denen ich aber keine Packung gefunden habe – die wären nämlich noch deutlicher: die Packung ist grell-rosa.

Eigentlich ist die Frage aber nicht so daneben.

In der Zukunft wird es geschlechterspezifische Medikamente geben, aber so weit sind wir noch nicht ganz.

Man weiss, dass es deutliche Unterschiede gibt im Stoffwechsel von Frauen und Männern. Man weiss, dass sich manche Krankheiten bei Frauen anders äussern als bei Männern – man denke nur an den Herzinfarkt mit den häufiger atypischen Symptomen – aber auch dem selteneren Auftreten. Auch haben Medikamente teilweise unterschiedliche Wirkungen (Blutdruck- und Schmerzmittel) und man weiss, dass manche Medikamente bei Frauen anders dosiert werden müssen als bei Männern (z.Bsp Psychopharmaka).

Ursprünglich wurden die Medikamente hauptsächlich an (jungen, gesunden) Männern getestet – und Frauen sind halt keine „klein geratenen Männer“. Frauen im gebärfähigen Alter waren ausgeschlossen von Studien, weil man negative Folgen fürchtete, wenn sie während den Studien schwanger würden. Das Risiko ist da – trotzdem steht seit 1993 die Aufforderung, dass bei der Arzneimittelentwicklung Patienten beiderlei Geschlechts einzubeziehen sind und sowohl bei der Wirksamkeit als auch Unbedenklichkeit nach signifikanten Unterschieden zwischen Frauen und Männern zu suchen ist.

Seitdem vergrössert sich das Wissen über geschlechterspezifische Medikamente, aber es ist noch viel zu tun in diesem Bereich.

Und dann sicher auch noch in der Öffentlichkeitsarbeit, sonst haben wir noch mehr von diesen hier:

https://pharmama.ch/2010/09/16/geschlechterspezifische-medikamente/

Schwangerschaftstests (12)

Die Frau bringt einen Schwangerschaftstest in die Apotheke zurück.

Frau: „Der hat nicht funktioniert!“

Ich schaue ihn an. Tatsächlich: der Referenzstreifen hat sich nicht gebildet. Anstandslos bekommt sie von uns einen neuen Schwangerschaftstest.

Pharmama: „Sie wissen ja, wie man ihn anwendet?“

Frau: „Ja. Natürlich.“

Am nächsten Tag kommt sie wieder zurück – wieder hat sich der Referenzstreifen nicht gefärbt.

Frau: „Die funktionieren nicht!“

Pharmama: „Das ist seltsam. Wie haben Sie ihn denn genau angewendet?“

Frau: „Na, ich habe ihn eingeführt, die 3 Minuten gewartet und dann abgelesen – aber Sie sehen ja, dass sich keine Streifen gebildet haben.“

Pharmama: „Haben sie Morgenurin gebraucht oder es später am Tag gemacht?“

Frau: „Wie … Urin?“

Pharmama: „Sie haben nicht mit Urin getestet? Aber … wie?“

Frau: „Ich sagte doch, ich habe ihn eingeführt.“

Pharmama: „Wie … einen Thermometer?“

Frau: „Ja, nur vorne.“

Oh.

Ah!

…

Überdosis auf Rezept?

Ich telefoniere dem Arzt, um wegen einer ungewöhnlich hohen Dosis nachzufragen.

Praxisgehilfin, die zufällig auch die Frau des Arztes ist antwortet: „Das ist das, was sie (die Patientin) gesagt hat, dass sie nimmt. Also ist es das, was sie braucht!“

Sehr professionell.

Pharmama: „Wollen Sie nochmals nachfragen beim Arzt oder kann ich im Dossier festhalten ‚Wegen ungewöhnlicher Dosierung beim Arzt nachgefragt – Will es so.‘ ?“

Der Arzt hat dann die offizielle Dosierung doch noch etwas verringert. Was die Frau dann effektiv nimmt, kann ich nicht bestimmen, aber wegen mir bekommt sie keine Überdosis verordnet.

Und ja: natürlich waren das Beruhigungsmittel. Was sonst.

Sowas passiert vermehrt in den Ferienzeiten – ja, auch viele Ärzte sind in den Ferien und haben dementsprechend Vertretungen. Weil die oft nicht unbedingt Zugang zu den Patientendossiers haben, wissen sie auch nicht unbedingt was die Patienten nehmen (und wieviel) … allerdings würde ich mich da bei manchen Sachen nicht unbedingt nur auf die Aussage der Patienten verlassen.

Ohrstöpsel

Einkaufen mit den Kopfhörern vom iPod in den Ohren: Ok.

Ein Rezept einlösen mit den Kopfhörern drin und mich jeden Satz, wenn ich die Medikamente erkläre wiederholen lassen, weil Sie mich nicht verstehen = Nicht Ok !

… aber Sie dürfen mich gerne anrufen, wenn Sie noch Fragen haben.  :-/

Anspruchsdenken

Die Frau fragt in der Apotheke nach „Taschenapotheken, also so kleine mit Pflaster und Desinfektionsmittel und Verbandsmaterial drin.“

Ich zeige ihr, was wir an Lager haben. Die kleinsten kosten etwa 7 Franken.

Frau: „Haben sie nicht auch Muster davon? Manchmal gibt es die auch geschenkt!“

Pharmama: „Immer seltener, ja. Die Firmen sind auch nicht mehr so spendabel, was Muster angeht – und ganze Taschenapotheken zum verschenken habe ich schon Jahre nicht mehr gesehen. Ein paar Pflaster hätte ich vielleicht noch …“

Frau: „Ach, nein, lassen sie nur. Ich dachte ich bekäme hier eine.“

Sagt’s und geht – wahrscheinlich um es woanders zu versuchen.

…

Hmpf. Aber selbst wenn wir so eine gehabt hätten (hat die noch irgendjemand als Muster?) – das ist etwas, was ich nur bei einem Einkauf abgeben würde.

Irgendwie haben wir wohl in den letzten Jahren eine Kundschaft mit Anspruchsdenken herangezüchtet. Im Winter sind es gratis Taschentücher und beim Jahreswechsel gratis Kalender, im Sommer Taschen- und Reiseapotheken, an Ostern irgendein anderes Geschenk und Blümchen oder Schoggi am Muttertag. Ich hab‘ das Gefühl, das wird in Zukunft eine Menge enttäuschte Leute geben, wenn das einfach finanziell nicht mehr drin liegt.

 

Bitte schauen Sie Sich das an! – und reparieren es vielleicht grad noch?

In die Apotheke kommt eine Frau mittleren Alters.

Frau: „Sind Sie die Apothekerin?“

Pharmama: „Ja.“

Frau: „Ich habe da etwas, wo sie mir helfen müssen. Ich habe im Spital ein Gerät angehängt bekommen ….“

Pharmama: „Ah … und?“

Frau: „Und seit ein paar Stunden macht das nichts mehr. Vorher hat es etwa alle halbe Stunde aufgepumpt. Das war sehr laut.“

Pharmama: „Uhuh …“ (heisst: ich höre zu)

Frau: „Könnten Sie sich das mal anschauen?“

Pharmama: „Anschauen schon, nur wird das nicht viel bringen. Ich kenne mich überhaupt nicht aus mit diesen Geräten … tatsächlich ist das das erste Mal, dass ich so eines sehe. …. Gut, ich nehme an, das ist so eines, das den Blutdruck 24 Stunden lang überwacht …“

Frau: „Ja, genau! Könnten Sie es nicht trotzdem mal anschauen?“

Pharmama: „Schon, aber ich gebe keine Garantien für irgendetwas. Besser wäre es, Sie würden rasch nochmal im Spital vorbeigehen, damit die dort es anschauen …“

Frau: „Das dauert ewig! Werfen Sie doch bitte mal einen Blick drauf!“

Ich schaue mir das Teil an. Zumindest den sichtbaren Teil: so ein auf Hüfthöhe angehängtes Teil mit digitaler Anzeige von dem ein Schlauch und ein, zwei Kabel unter ihren Kleidern verschwinden.

Pharmama: „Hmmm …auf dem Digitaldisplay ist eine etwas seltsame Anzeige. Mit etwas Phantasie könnte das „bat“ heissen – demnach …  ist wahrscheinlich die Batterie am Ende.“

Frau: „Könnten Sie mir die wechseln?“

Pharmama: „Ich habe keine Ahnung, was für Batterien das Teil braucht und weiss nicht mal, wie man es öffnet. Mal ganz davon abgesehen habe ich wohl auch nicht die passenden Batterien da – die einzigen, die ich hier habe, sind die kleinen für die Thermometer.“

Frau: „Könnten Sie nicht mal nachschauen?“

Pharmama: „Nein, ich mach das Ding nicht auf. Gehen Sie das ins Spital zeigen. Dort machen sie das.“

Frau: „Aber das ist so weit – und dann warten wir wieder ewig. Ich will das nicht. Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Ich muss ja morgen schon wieder da hin!“

Pharmama: „Ja, zum Auswerten, nehme ich an. Aber … wenn das Gerät nicht funktioniert – so wie jetzt – dann gibt es auch keine Auswertung … und dann dürfen sie die ganze Messung wiederholen.“

Frau: „Grumpf … und Sie können wirklich nicht …?“

Pharmama: „Sorry, aber Nein.“

–

war das jetzt böse von mir? Sie hatte so ein Vertrauen, dass ich das jetzt repariere … und ich enttäusche sie einfach. Vielleicht hat es ihr aber auch einfach nur zu sehr gestunken, nochmal ins Spital zu müssen dafür.