Alles oder nichts.

Ein Mann hält mir sein Rezept hin, aber als ich es nehmen will, hält er es fest und sagt: „Ich löse es nur ein, wenn sie alles hier haben.“
Pharmama: „Ok?“
Mann: (das Rezept festhaltend, als sei es ein Geldschein und ich auch) „Sonst nehme ich gar nichts!“
Er schaut mich intensiv an und wartet.

Pharmama: „Wenn sie mir das Rezept jetzt nicht geben, kann ich nicht nachschauen, ob wir alles haben.“
Mann: „Oh.“

Und lässt das Rezept endlich los.

Der Beruf Apotheker, anno 1946

Interessant zu sehen, was sich verändert hat und was gleichgeblieben ist. Ok, es ist ein Film aus Amerika (Chicago), aber … ich erkenne da soviel wieder, das hat bei uns kaum anders ausgesehen.

Heute ist nicht mehr so viel los mit der Eigenherstellung von Medikamenten in der Apotheke, wir selbst machen nur noch ein paar Salbenmischungen, Schütteltinkturen, Pudermischungen, Inhalationslösungen und selten Kapseln oder Zäpfchen. Es ist eine Kunst die langsam verloren geht – einerseits gibt es heute natürlich viel mehr Fertigarzneimittel, andererseits können auch immer weniger Ärzte solche Spezialmischungen richtig verschreiben.

Auch auffallend: einzig die Spitalapothekerin ist weiblich, der Rest der dargestellten Apotheker – sei es in der Offizin, in der Forschung, in der Registrierung … alles Männer. Heute ist das Verhältnis praktisch umgekehrt.

Fachwörter sind zu meiden (3)

Ich versuche einer Patientin zu erklären, dass sie „… mit dem Antibiotikum Doxycyclin nicht an die Sonne soll, weil …“
Die Patientin unterbricht mich: „Ja, ja, ich weiss schon. Ansonsten riskiere ich eine Photosynthese!“

Naja, knapp vorbei ist auch daneben.
– eigentlich meinte ich eine phototoxische Reaktion, also einen Sonnenbrand. Photosynthese ist das was Pflanzen machen um Energie aus Sonnenlicht zu gewinnen.

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Mehr Beispiele, warum man Fachwörter meiden sollte: hier und hier und auch hier.

Apotheken in aller Welt, 43: Augsburg, Deutschland

Bild und Beschreibung schickt uns Rose:

dann reihe ich mich mal in die Reihe ein.
Leider ist es keine Apotheke mehr, es ist jetzt ein Arzt drin. Das Bild von St. Michael und die Apothekenschrift sind aber noch vorhanden und gefallen mir sehr gut. Ach ja, fast vergessen: das Haus steht in Augsburg.

Sehr schönes Haus, nur schade ist es keine Apotheke mehr. Ob die Schrift wohl aus Denkmalschutzgründen noch dran ist? Und ob der Arzt wohl viele Kunden hat, die noch denken, es gäbe sie noch?

Totale Verwirrung

Auf dem Rezept für ein Kind sind ein paar Medikamente, die ich heraussuche und anschreibe – die Mutter sucht in der Zwischenzeit im Laden etwas zusammen.
Als ich fertig bin und die Mutter wieder da, brauche ich noch ein paar Angaben, weil das Kind zwar im System ist, das letzte Mal aber schon länger her.

Auf dem Rezept stehen Name und Adresse, trotzdem frage ich nochmals nach, ob alles stimmt.
Pharmama: „Also: ‚Nils Holgersen, Gänsestrasse 15‘?“
Mutter: „Nein.“
Pharmama: „Oh, was ist dann die Adresse?“
Mutter: „Weihergasse 10“
Pharmama: „Aber sie haben einmal in der Gänsestrasse gewohnt?“
–       es kommt noch häufig vor, dass die Leute umziehen und dann denken sie, alle müssten das wissen, automatisch sozusagen.
Mutter: „Nein, da haben wir nie gewohnt.“
Pharmama: „Aber ihr Kind heisst Nils Holgersen?“
Mutter: „Äh, nein.“
Pharmama (total verwirrt): „Aber …  das Rezept ist auf einen Nils Holgersen ausgestellt ..“
Mutter: „Ah ja, das habe ich gesehen – ich dachte das sei der Name des Arztes.“

(Das Rezept ist aus dem Spital, aber der Stempel zeigt, dass sie eine Ärztin hatten … Nils??)


auch das gab ein Telefon.

(Alle Namen und Adressen sind natürlich auch hier frei erfunden).

Wie eine Krankenkasse ihre (teuren) Kunden vergrault

Originaltext hier im Tagesanzeiger. Hier nur 2 kleine Auszüge:

W. B. aus Zürich traute seinen Augen nicht, als ihm seine Krankenkasse Intras gleichzeitig mit dem Prämienaufschlag mitteilte: «Ab 1. Januar 2011 sind kassenpflichtige Medikamente in Apotheken ausschliesslich gegen Barzahlung oder mittels EC-/Kreditkarte erhältlich.» Für den HIV-Patienten bedeutet das, dass er künftig in der Apotheke fast 7500 Franken hinzublättern hat, wenn er seine Medikamentenration für drei Monate bezieht. Die Quittung muss er dann mit dem Arztrezept der Kasse einschicken und drei Wochen auf die Rückerstattung warten.


Die Umstellung des Vergütungsmodus begründet Intras damit, dass sie die «Eigenverantwortung der Patienten fördern» wolle. «Wenn die Patienten in der Apotheke selbst bezahlen müssen, haben sie einen Anreiz, auf ein Generikum zu pochen oder eine kleinere Packung zu beziehen.»

Na super. Dann kann ich die Intras nächstes Jahr auf die Liste der anderen Krankenkassen mit dem „tiers garant“-System setzen, wo die Kunden selbst in der Apotheke bezahlen müssen. Das gibt wieder die schönsten Diskussionen. Für mich in der Apotheke macht es keinen grossen Unterschied. Etwas weniger Arbeit vielleicht, weil ich die Rezepte nicht einschicken muss und ich habe das Geld gleich in der Kasse … ohne Wochen (oder gar Monate) darauf warten zu müssen.

Zu den „Selbstzahler-Krankenkassen“ gehören inzwischen:

  • Assura,
  • Fondation Natura Assurances (GM)
  • Intras (NEU ab 2011)
  • Maxi.ch
  • Moove Sympany
  • Sana Top
  • Sanagate
  • Sanitas Compact
  • Supra

… und wenn ich das richtig gelesen habe, macht die CSS selbst das dann 1 Jahr später wohl auch?

Kunden die „auf ein Generikum pochen“ … das finde ich leicht amüsant. Die meisten Apotheker machen die Kunden sowieso auf die Möglichkeit eines Generikums (wo vorhanden) aufmerksam. Und kleine Packungen mögen bei vorübergehenden Beschwerden vielleicht besser sein, aber bei chronischen Krankheiten sind mehrere kleine Packungen meist teurer als die entsprechenden grossen Packungen. Was die Krankenkasse da macht ist ein Teil des Verwaltungsaufwandes an den Patienten abwälzen … und sie hoffen natürlich auch darauf, dass eine Menge Rezepte die eingelöst wurden dann nicht eingeschickt werden.