Die Dinge die man so macht …

Letztes Jahr gab es eine grössere Werbeaktion für ein Ding, das sich Facial Flex nennt und das angeblich ein Wundermittel gegen Falten im Gesicht sein soll. „Wundermitteln“ gegenüber bin ich allgemein sehr kritisch eingestellt – auch wenn das hier nicht etwas zum einnehmen ist, nicht einmal zum auftragen: das Ding spannt man sich in die Mundwinkel und man macht dann gegen den Widerstand den das bringt Gesichtsgymnastik. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das gegen Falten und ähnliches helfen soll, weshalb wir das kaum ins Sortiment nehmen würden. Aber das müssen wir auch nicht (selbst wenn wir könnten), das Ding wird in der Schweiz exklusiv (?) von den Sunstore Apotheken vertrieben.

Nun hatten wir da eine Kundin: nennen wir sie Frau Faldowa, die das un-be-dingt wollte – und die auch unbedingt wollte, dass wir das für sie von dort besorgen.

Nun, der Kunden Wille ist ihr Königreich, also haben wir uns das für sie schicken lassen. Günstig ist das auch nicht: der Facial Flex kostet 99 Franken. Wer wissen will, wie das aussieht und funktioniert, tue sich untenstehendes Video an (Achtung: mit Musik unterlegt)

Das Ding allein ist schon witzig genug, aber es wäre keine Story für den Blog, wenn es damit fertig wäre. Nach dem Kauf kam Frau Faldowa nach etwa 3 Wochen zurück, sang ein Loblied darauf, aber meinte auch, dass es ihr auseinandergefallen ist (ein Gummiring ist kaputtgegangen oder rausgesprungen)… und sie den Ersatzring nicht hineinbekommt. Ob wir nicht vielleicht? … immerhin habe sie das ja von uns? Sie komme dann morgen wieder vorbei!

Wir sind ja sehr nett und sagen, dass wir das zumindest versuchen können. Donna setzt sich hin und findet nach kurzer Internetrecherche eine Anleitung dafür.

Ich laufe gerade vorbei, als sie dabei ist, das zusammenzupfriemeln.

Pharmama: „Ist das der Facial Flex? Ich habe bisher nur Bilder gesehen.“

Donna: „Ja – Frau Faldowa will, dass wir ihr das wieder zusammenbauen, sie schafft das nicht selber, sagt sie.“

Pharmama: „Das sieht nicht nach hoher Wissenschaft aus …“

Donna: „Nein, wirklich nicht. Nur der Gummiring muss wieder rein.“

Pharmama: „Warte! – Du weisst, wie das Ding verwendet wird? Sie hatte das im Mund. Zieh Handschuhe an!“

Donna: „Oh! Iiih. Stimmt. Ja.“

Donna setzt es also zusammen und legt es wieder in die Schachtel. Ich lege noch die Anleitung dazu, wie man das macht. Wie gesagt: eigentlich eine unkomplizierte Sache, die sie auch gut selber könnte. Frau Faldowa hat keine Einschränkungen der Hände oder der Sehkraft – sie ist auch erst Mitte 40 oder so.

Frau Faldowa kommt es abholen. Verlangt haben wir dafür nichts. Bekommen auch nur ein Danke. Ist ja alles selbstverständlich.

Nicht mehr ganz so selbstverständlich finde ich es aber, als sie nach einer Woche wieder damit kommt … und nach einer weiteren Woche schon wieder?

Als ich das Ding also das dritte Mal in der Apotheke sehe, sage ich Donna (die inzwischen wirklich Übung damit hat, aber das braucht doch etwas Zeit und muss von uns mit Handschuhen gemacht werden): „Das wird jetzt aber nicht zur Daueraufgabe?“

Donna: „Sieht so aus.“

Pharmama: „Hat man ihr nicht gesagt, dass sie das gut selber machen kann?“

Donna: „Doch – wir haben ihr ja die Anleitung mitgegeben und ich habe ihr gezeigt, was sie machen muss. Sie meinte nur: Sie können das ja schon, machen Sie das.“

Pharmama: „Ookay. In dem Fall schlage ich vor, dass Du ihr sagst, dass wir das weiterhin machen können, wir dafür aber von jetzt an pro Mal 5 Franken verrechnen werden.“

… Das war dann offensichtlich genug Anreiz für sie zu lernen, das selber zu machen. Damit habe ich sie seitdem nicht mehr gesehen.

von Arbeit und Familie

Es ist Samstag abend, 20 Minuten vor 6 Uhr und in die Apotheke kommt ein junger Mann (JuMa), die Hand am iphone und die Kopfhörer fest in den Ohren gestöpselt.

Er reicht mir ein Rezept. 3 Medikamente sind drauf: Schmerzmittel, Antiepileptikum, Beruhigungsmittel. Es ist ein Dauerrezept über 3 Monate. Ich hole die Sachen (wir haben alles da), gebe den Namen des Patienten im Computer ein, wobei ich feststelle, dass das vor mir nicht der Patient ist – der ist älter laut dem Geburtsdatum. Der Patient war aber tatsächlich schon bei uns … das vorvorletzte Mal wegen einem Unfall vor etwa 3 Jahren und die letzten beiden Male hat er die Rezepte bezahlt. Einen Kommentar habe ich auch schon drin … das letzte Mal war er recht unwillig, die Medikamente auch zu nehmen – das fand ich aber noch wichtig, denn Antiepileptika nimmt man nicht zum Vergnügen, sondern wenn es nötig ist, weshalb ich das mit ihm diskutiert – und anschliessend festgehalten habe.

Jedenfalls: Er hat keine Krankenkasse angegeben … und ob das noch die Unfallkasse übernimmt ist alles andere als klar. Deshalb fuchtle ich vor dem Teenager, bis der auf mich aufmerksam wird und sich ausstöpselt.

„Haben Sie mir die aktuelle Krankenkassenkarte dabei?“

JuMa: „Nein, weshalb?“

Pharmama: „Weil ich die brauche, wenn ich das der Krankenkasse verrechnen soll, ansonsten müssen sie es bezahlen.“

JuMa: „Oh, ich soll das nur bringen.“

Pharmama: „Ja, und das können Sie auch – mit Karte oder nachdem es bezahlt wurde.“

Mann: „Ich gehe die Karte holen. Wir wohnen ganz in der Nähe.“

Das stimmt – die Adresse ist nur einen halben Block weiter.

Pharmama: „Beeilen Sie sich, wir schliessen um 6 Uhr – jetzt ist viertel vor.“

JuMa: „Das schaffe ich.“
– Und weg ist er.

Um Zeit zu sparen gebe ich die Medikamente ein, schreibe sie an und lege alles parat.

Inzwischen macht Urs (mit dem ich Abendschicht habe) die Apotheke schliessfertig. Die andere Kasse nach hinten, die Computer runterfahren, Schütten und Aufsteller reinräumen …

Alles, nur meinen Computer und Kasse nicht – die lasse ich drin in Erwartung des Jungen Mannes.

6 Uhr und ich sage Urs, dass er gehen kann – ich warte noch 10 Minuten, dann gehe ich auch, wenn er bis dann nicht hier ist.

Er kommt nicht mehr. Ich hoffe einfach, dass das war, weil er noch Medikamente zu Hause hatte und nicht, weil er es aus irgendeinem Grund nicht mehr geschafft hat.

Als ich endlich die Apotheke verlasse –  habe ich auch genug für heute, nur dass noch nicht ganz fertig ist. Es ist das Ende meiner 10-Stunden-Schicht, in der ich gerade mal eine Mittagspause von 30 Minuten hatte. Die Pause (wie üblich in der Apotheke), unterbrochen von einigen Rezepten, die angeschaut werden mussten. Den ganzen Tag hochkonzentriert arbeiten ist anstrengend genug … und dann hatte ich heute einige Telefonanrufen aus privaten Gründen, was sehr ungewöhnlich ist. Eigentlich war ja alles organisiert. Junior wurde am Morgen von meinem Kuschelbär zum Sport gebracht, dort wurde er eine Stunde später von Oma und Opa abgeholt. Die haben ihn nach dem Mittagessen zum Geburtstagsfest eines Freundes gebracht, wo ihn dann Kuschelbär wieder abholen sollte, wenn er fertig gearbeitet hat.

Das ist eines der Probleme, die man als im Gesundheitssystem arbeitender hat: erstens Samstagsarbeit (gut, das hat mein Mann als Selbständiger auch) und zweitens habe ich auch unter der Woche keine Möglichkeit den Junior vor Arbeitsanfang zum Beispiel ins Tagesheim zu bringen, da die zu spät dafür anfangen. Oder abzuholen, da sie dafür zu früh zumachen. Eines von beiden geht, wenn ich nicht den ganzen Tag arbeite, aber beides ist unmöglich. Wenn er Schule hat, müsste ich ihn auch einiges vorher aus dem Haus schicken, da ich früher anfange zu arbeiten, als er zur Schule muss. Und Samstags hat hier kein Tagesheim offen. Zum Glück habe ich Kuschelbär und liebe Verwandte die helfen.

Heute kam noch dazu, dass ich um 4 Uhr von meinem Kuschelbär einen kurzen aber leicht verzweifelten Anruf bekomme: sein Geschäft wird gerade überschwemmt. Er ist dabei zu retten, was er kann, aber so kommt er natürlich nicht dazu Junior abzuholen. Also organisiere ich neben dem Arbeiten auch noch dass Junior etwas länger beim Geburtstagskind bleiben kann und fahre jetzt nach der Arbeit dort vorbei, um ihn mitzunehmen.

Dabei bekomme ich eine Whatsapp von Urs: Anscheinend hat er den Kunden noch gesehen, wie er gemütlich im Quartier herumlief …

Man weiss ja nie, was hintendran noch alles läuft. Aber: das gilt für beide Seiten.