Absoluter Notfall

Es ist abends, 6 Uhr 45, kurz vor Ladenschluss.
Telefon.
Eine Frau – im Hintergrund andauerndes Kindergebrüll.
Ich höre zu, was sie zu klagen hat. Im folgenden meine Seite des Gespräches:

„Ja, das ist schon tragisch, was ihnen als alleinerziehende Mutter da so spät abends passiert ist – dass der Sohn den Flaschentrinkaufsatz kaputtgebissen hat und sie jetzt keinen mehr haben. Aber: Nein, ich kann jetzt niemanden vorbeischicken einen bringen.“

„Warum? – es ist kurz vor Ladenschluss, wir sind nur noch zu zweit, und sie haben gesagt, sie wohnen wo? 3, 4 Quartiere weiter. Ah, ja.“

„Da gibt es aber auch Apotheken und Drogerien und andere Geschäfte, oder?“

„Nein, sorry. Auch wenn ihr Kind jetzt schon im Pyjama ist und sie nicht aus dem Haus können und keinen haben, den sie schicken könnten. Das muss jetzt leider warten bis morgen.“

„Was? Verdursten? Nein – das glaube ich eher nicht. Haben sie es schon mit einer Tasse versucht?“

„Doch, ich bin auch selbst Mutter und ich verstehe, dass das unangenehm ist. Daran lässt sich im Moment aber nichts ändern. Tut mir leid.
Gute Nacht!“

Sollte ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?

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20 Antworten auf „Absoluter Notfall

  1. ich weiss es von unseren „Kurzen“ (zweite Generation): die lernen schnell, auch mal aus der Tasse zu trinken,
    .. auch wenn die Flasche ja so viel bequemer (und wohl auch beruhigender) ist.

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  2. Also ich hätte da kein schlechtes Gewissen. Das ist doch wirklich kein Notfall! Wenn die gute Frau nur einen Flaschentrinkaufsatz hat ist das meiner Meinung nach sowieso zu wenig. Sie kann doch nicht ernsthaft erwarten so spät noch einen Hausbesuch wegen einer Kleinigkeit zu bekommen. Dann ist die Nacht halt mal nicht ganz so bequem für sie. Aber das Kind wird sicher nicht verdursten und sie ist doch selber Schuld, wenn sie keinen zweiten Flaschentrinkaufsatz vorrätig hat.

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  3. herzlose Apothekerin Du – völlig unethisch das Handeln. O.k. nebendran lief wahrscheinlich gerade die Endphase von Spanien – Schweiz. Alles entschuldigt und herzlichen Glückwunsch zum deutschen Proffi-Trainer Hitzfeld !!!

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  4. Ich würde ja sagen, wenn das Kind den Aufsatz kaputtbeißt, dann ist es ohnehin groß genug, ohne zu trinken.
    Kein schlechtes Gewissen! Auch wenn die Dame das wahrscheinlich gern hätte.

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    1. Genau das dachte ich auch!
      Zumal:
      1. Wenn das Kind noch Flaschenkind ist, braucht es mehr als einen Sauger – oder wie oft will die Dame spülen und ggf sterilisieren?
      2. Sind die Babyflaschen nicht zum Dauernuckeln gedacht. Beim normalen Trinken hat mein Kind noch keinen Sauger ge/zerbissen.
      Hier scheint es tatsächlich nur darum zu gehen dass das Kind ruhig ist und dauernuckeln kann. Gut gehandelt Pharmama, so wird das Kind davon zwangsentwöhnt.

      Jedes Baby wird im Notfall Nahrung aus einem Becher oder von einem Löffel nehmen. Das ist zwar mühseliger aber verhungern oder verdursten wird es nicht.

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  5. Herrje, ich würde mich gar nicht trauen, wo anzurufen und eine solche Sache als Notfall zu deklarieren. Gut, Freunde oder Familie könnte man bitten, aber für so etwas im Geschäft anrufen und erwarten das kurz vor Feierabend dafür noch jemand raus kommt?

    Hilfe!

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    1. Aaalso … irgendwo verstehe ich ihren Stress ja. Das tut wahrscheinlich jede Mutter, wo das Kinde einmal den *wichtigen* Nuggi oder das Lieblingstier verloren oder verlegt hat. Ich erinnere mich da an eine Situation vor 2 Jahren auf dem Flughafen in Thailand, wo nach der Zollkontrolle vor dem Boarden auf einmal der Schnuller nicht mehr da war. Zum Glück hatte ich zuunterst im Handgepäck noch einen Notersatz, sonst wäre der Flug *etwas* unruhiger geworden.
      Vorausdenken ist halt wichtig!

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  6. Pharmamas Blogg ist spannend, interessant und manchmal auch witzig. Aber solche Sachen lassen mich den Glauben an die Menschheit verlieren!!!

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  7. Ähm, bin ich wirklich der einzige, der ein schlechtes Gewissen hier angebracht findet? *erstaunten-Blick-in-die-Runde-werf* ;) Ich finde schon, dass du ein schlechtes Gewissen haben solltest, dir selbst gegenüber. Denn eine soziale Ader ist zwar sehr löblich und heutzutage leider viel zu selten. Aber irgendwann muss auch Schluss sein. Es ist DEIN Leben und das sollte man nicht zu sehr von anderen strapazieren lassen. Also vergrübel es nicht mit solchen Gedanken :)

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  8. Die Kommentare haben mir sehr weitergeholfen.Ich bin auch Apothekerin.Da ich versuche alles für die Kunden zu tun,wäre ich wahrscheinlich gefahren.Aber Ihr habt Recht.Man sollte unterscheiden
    können,ob ein Notfall vorliegt oder nicht.

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  9. Also ich würde niemals erwarten (und es wäre mir auch sehr unangenehm), dass eine Apothekerin mir mein Zeug nach Hause bringt. Ich bin nicht alt und auch vollkommen mobil. Und sie ja scheinbar auch.

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  10. Mein sieben Monate alter Sohn trinkt begeistert aus dem Becher. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, ihm Wasser oder Tee in einer Flasche anzubieten. Und da er eh von Anfang an nach unsern Gläsern gegiert hat, lag es nah, es ihn gleich mit einem Becher versuchen zu lassen. Und das klappt super, wenn man die Kinder nur lässt.

    Nuckelflaschen gibts hier gar nicht.

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