Schwanken zwischen den Lagern

Ich bin Coronamüde. Ich geb’s zu. Ich schwanke täglich zwischen den Extremen – auf der einen Seite bekommt man im täglichen Leben aktuell hier nicht mehr so viel mit von der Covid-Situation. Die Erkrankten verschwinden still in den Spitälern (die gelegentlichen Sanitätsautos die man jetzt irgendwie häufiger sieht, ignoriert man gekonnt). In unserer Kundschaft hören wir weniger von Verstorbenen. Die Läden haben mehrheitlich wieder offen. Nächste Woche machen die Restaurantterassen wieder auf. Man könnte meinen, wir seien auf dem Weg aus der Covid-krise. Endlich.

Auf der anderern Seite sehe ich in meiner Twitter- und Facebook Bubble immer mehr Klagen von Ärzten, Sanitätern und Pflegepersonal, die kämpfen: mit bis über die Kapazität gefüllten Intensivstationen und Suche nach noch offenen Plätzen und Verschiebungen zwischen den Spitälern. Mit Überarbeitung und der ganzen psychologischen Belastung, die das mit sich bringt.

Twitter ist sehr schnell im informieren. Leider sind die Sachen auch so schnell wieder „weg“. Ich finde den Tweet nicht mehr von dem Sanitäter, der in 19 (!) Spitälern anfragen musste, bis er einen Platz für seinen Patienten fand. Hier und weg. Manchmal verschwinden solche Tweets auch, wegen dem enormen Gegenwind, den sie bekommen. Da gibt es so Reaktionen auf derartige Hilfeschrei-Tweets:

Ich höre und lese davon, dass die Leute, die jetzt auf die ITS kommen oder beatmet werden müssen nicht mehr die Grosseltern-Generation ist, nicht mal mehr die Eltern-Generation … das sind vermehrt Leute in meiner Altersklasse (Tendenz noch niedriger). Mütter und Väter von kleinen Kindern. Und die sterben genau so, wie die alten in der zweiten Welle. Das liegt nicht nur an der (in der höheren Altersklasse erfolgreichen) Impfung. Das liegt auch an den ansteckenderen (und gefährlicheren?) neuen Virusmutationen, die im Umlauf sind.

Auch der Tweet irgendwo von einer, die eben ihren 23 jährigen Cousin verloren hat. Er war zu Hause wegen Covid, offenbar gab es eine abrupte Verschlechterung seines Zustandes – er starb alleine. Die Sauerstoffsättigung kann ziemlich schnell schlecht werden … und hat akute Auswirkungen nicht nur auf den Allgemeinzustand, sondern auch auf die Entscheidungsfähigkeit. „Happy Hypoxie“ ist ein Begriff, der umgeht – man merkt den Sauerstoffmangel nicht / zu spät.

An was liegt das, dass es jetzt vermehrt jüngere trifft? Daran, dass das Ansteckungsgeschehen jetzt „unter uns“ stattfindet. Kinder können angesteckt werden und stecken dann die Eltern an …. Schulen und Kitas sind nicht mehr nur potentielle Infektionsherde. Ich lese von besorgten Eltern, die ihre Kinder nicht mehr da hin schicken wollen, deshalb – und davon, wie in manchen Schulen damit umgegangen wird. Bei uns finde ich das noch einigermassen vernünftig: einmal pro Woche wird klassenweise getestet (im Pool) – ist der Test positiv, wird benachrichtigt, in Quarantäne gesetzt und die Kinder einzeln getestet. An anderen Orten gibt es keine Tests, wird bei positivem Befund … gar nichts gemacht? Überall ist es unterschiedlich, die Behörden kommen aber (selbst wenn) kaum mit dem Benachrichtigen der Kontaktpersonen nach. Die Covid-App … funktioniert die eigentlich noch?

So das haben wir: auf der einen Seite das Erleben der Mitarbeiter im Gesundheitsdienst, die an den Spitaleingängen sehen, wie das Infektionsgeschehen ist. In derselben Richtung die besorgten Eltern, die mitbekommen, wie die Schulen geöffnet werden, die Inzidenz steigt, klassenweise Ansteckungen stattfinden – und nicht wirklich etwas dagegen unternommen wird, die Ansteckungsketten zu unterbrechen / die Eltern zu schützen (auch wenn positive Kinder zum Glück selber immer noch wenig Symptome haben, Folgeschäden sind auch hier ein Thema). Und auf der anderen Seite diejenigen, die halt im Alltag kaum etwas davon mitbekommen, ausser den Einschränkungen, denen sie unterliegen. Das scheint auch die Politik zu sein …oder wie erklärt man sich, dass in der Situation nicht adäquat reagiert wird? Oder zumindest richtig informiert? Statt dessen wird geöffnet und erleichtert.

Ich bin Coronamüde. Ich wäre sehr dafür, dass das bald vorbei ist. Aber: die Situation ist nicht gut im Moment. Die Krankheit ist (immer noch) da, und (immer noch) gefährlich. Ich will nicht angesteckt werden. Ich möchte eine Impfung, dass ich auch geschützt bin (ich würde auch Astra Zeneca nehmen). Ich möchte auch nicht, dass sich andere anstecken, krank werden und eventuell im Spital landen. Ich möchte nicht in einer Zeit leben, in der man eigentlich keinen Unfall haben darf oder sonst krank werden, weil kein Platz und keine Leute, keine Kapazitäten mehr frei sind, die sich im Fall um einen kümmern können. Weil das Gesundheitssystem überlastet – und keiner redet darüber (ausserhalb der Bubble) in der Öffentlichkeit, weil „Panikmache“ und Fake News und was einem sonst noch alles vorgeworfen wird.

Also (auch wenn das ausserhalb „meiner“ Bubble kaum jemand lesen wird und ich denke, die sind schon vernünftig und informiert) – Auch wenn jetzt geöffnet wird. Das passiert gegen jegliche Vernunft und Evidenz. Das bedeutet nicht, Covid ist weg. Nicht mal, dass es jetzt besser ist mit den Ansteckungen und den Spitaleinweisungen. Bitte bleibt vorsichtig!

Lehrstellen, Leerstellen?

In der Apotheke / Drogerie in der ich arbeite bekommen wir aktuell täglich Anfragen zu Lehrstellen und Schnupperlehren. Das ist interessant – ich meine … eigentlich ist es nichts neues, wir bilden sind ein Lehrstellenbetrieb und bilden aus, aber so viele Anfragen hatten wir glaube ich noch nie.

Nach dem Lehrergespräch vor etwa 2 Wochen, ist mir etwas klarer, weshalb. Es ist nicht nur, dass die Schüler (Junior jetzt auch) lernen müssen Bewerbungen zu schreiben. Sie sollen aktiv Schnupperlehren suchen, um einen Einblick in das Berufsleben zu erhalten. Und es scheint schwieriger zu sein, eine Lehrstelle oder Schnupper-Lehr-Stelle zu finden. Gerade jetzt können viele Betriebe keine Anbieten. Lockdown (egal wie halbpatzig), Homeoffice, geschlossene oder heruntergefahrene Betriebe. Ich will nicht die vorgeschriebenen Hygienekonzepte dafür verantwortlich machen, das geht auch mit, wie die normale Arbeit, macht es aber teils aufwändiger.

Es ist ein bisschen eine Trendumkehr. Vor-Corona mussten Geschäfte in manchen Branchen und Orten fast um Bewerber buhlen. In den letzten Jahren hatten wir wenig Auswahl an Lehrlingen, dieses Jahr gehen wir fast unter in Bewerbungen. Gleichzeitig nimmt die Anzahl Studenten wieder zu. Spannend auch, dass die Stadtflucht abnimmt / sich umkehrt, man besinnt sich wieder auf lokales.

Apotheken / Drogerien gehören zu den Geschäften, die offen haben und auch weiter offen bleiben werden. Das macht sie vielleicht auch attraktiver für Bewerbungen, aber ich denke, dass möglicherweise auch andere Betriebe eine Steigerung der Anmeldungen merken?

Jedenfalls – und hier könnte ich die Macht des Internet brauchen – suche ich für Junior Ideen für seine Zukunft, was den Beruf betrifft. Die Apotheke / Drogerie fällt (ich finde: leider) für ihn aus, da er dafür nicht die nötigen schulischen Voraussetzungen hat. Papas Fahrradgeschäft steht ihm zwar immer offen, aber eigentlich suche ich für ihn etwas eigenständigeres.

Er ist in der Oberstufe: Sekundarschule, 2. Klasse: keine Kleinklasse mehr und es läuft gut. Nicht so gut, dass er aufs Gymnasium gehen wird, aber eine Berufslehre und -Schule liegt gut drin. Obwohl er gerne zur Schule geht (und ordentliche Noten schreibt) ist es aber nicht so, dass er das nur um des Lernens willen macht. Er arbeitet gerne mit den Händen, ist handwerklich geschickt, liebt es Sachen auseinanderzunehmen und neu zusammenzubauen (seine Lego-Konstruktionen waren schon immer einzigartig). Er arbeitet lieber mit Metall und Holz und Co als mit Stoff. Er arbeitet gerne selbständig und alleine, sucht aber auch den Kontakt zu anderen Leuten und ist teamfähig. Er ist grundfreundlich und grosszügig – etwas, was er vom Papa hat. Ausserdem hat eine rasche Auffassungsgabe, und als Computer-native ein Händchen für den PC und kann ausgezeichnet auf englisch kommunizieren.

Momentan tendiert er in Richtung Maschinenmechaniker – damit hat mein Papa und mein Bruder auch angefangen, auch wenn sie danach in verschiedenen Branchen gelandet sind (Luftbefeuchter-Kundenbetreuung respektive IT). Ideal fände ich für ihn etwas, das er (als solide Grundausbildung) als Sprungbrett gebrauchen kann oder eine Nische, die vielleicht vor dem Aussterben ist, da kaum Nachfolger gefunden werden. Ich habe nur keine Ahnung, was es da gibt.

Jetzt ihr: was kennt ihr, was könnt ihr empfehlen an Berufen die dazu passen?

Erste Schnupperlehre(n) sollte er noch dieses Jahr machen, aber nächstes Jahr wird es ernst mit der Suche nach einer Lehrstelle. Ich hoffe, bis dahin sieht es wieder besser aus. Allgemein.

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Kinder, Corona und die Schule

Ich staune jeden Tag ein bisschen darüber, in was für einer Welt wir aktuell leben. Wie unterschiedlich sie ist verglichen mit noch vor einem Jahr. Trotzdem leben wir das „neue Normal“, trotzdem verändert es sich immer noch. Wer hätte vor einem Jahr sich vorstellen können, wie es heute ist – und wer denkt noch, dass das in ein paar Wochen oder gar in ein paar Monaten alles vorbei sein wird?

Ich will nicht jammern. Uns geht es nicht schlecht hier. Es ist einfach … anders. Klar, es war besser ohne das – aber „ohne das“ bezieht sich genau so auf den neuen Coronavirus und seine Auswirkungen wie auch auf die Versuche das Virus Einzuschränken, was uns (als potentieller Virus-wirt, – verbreiter und -Opfer) gezwungenerweise ebenso einschränkt.

Denkt an die Kinder!“ hört man aus den verschiedensten Ecken. Wie müssen die das alles empfinden? Die möglichen psychologischen Auswirkungen, die „verlorene Zeit“ für die Weiterbildung in der Schule … Allgemein wird danach gestrebt, die Kinder möglichst fernzuhalten von all den Änderungen, die das Virus und die Reaktionen darauf mit sich bringen. Aber: bringt das überhaupt etwas?

Ich denke, dass die meisten Kinder mit der aktuellen Situation recht gut umgehen können – und dass der Grund für die „fehlenden (negativen) Reaktionen“ darauf nicht darin liegen, dass sie ihre Probleme nicht äussern können. Kinder sind anpassungsfähig. Für sie änderte sich sowieso schon immer so viel in ihrer Entwicklung. Umzüge innerhalb des Hauses in ein eigenes Zimmer, Umzüge an einen neuen Wohnort, Kindergarteneintritt, Schuleintritt, Klassenwechsel, neue Lehrer, andere Hobbies … Eigentlich schon alleine der Verlauf der Jahreszeiten: Wir „Alten“ wissen nach Jahren, was wir zu erwarten haben, wenn die Blätter fallen und es kalt wird. Schnee und Eis und Erkältungen, sie überraschen (und verunsichern) und nicht mehr nach den ersten paar Malen. Wir haben damit zu leben gelernt – und Kinder lernen mit der jetzigen Situation zu leben.

Ich denke auch, dass unsere Reaktion als Eltern und Erwachsene auf (irgendwelche) Situationen viel Einfluss darauf haben, wie das Kind die Situation einschätzt und auch, was es davon zurückbehält. Ein Beispiel, das wohl jedes Elternteil kennt: das Kind lernt laufen, es fällt hin. Vielleicht hat es sich wehgetan, vielleicht nicht. Fängt es an zu schreien? Reagiere ich mit ausgesprochener Besorgtheit und entsprechendem Sorgen-Gesichtsausdruck und eile ihm etwas zu geben, damit es besser wird (Salbe, Pflaster, Arnikakügeli etc.), oder versuche ich darüber wegzusehen, es zu ignorieren und weiter machen zu lassen? Beides kann nötig sein. Beides kann aber auch im schlechtesten Fall und übertrieben angewendet zu bleibenden psychologischen Problemen führen, zu einer Erwartungshaltung auch beim Kind. Ich bin kein Psychologe, aber ich behaupte: Kinder schauen sehr darauf, wie wir Eltern (und Bezugspersonen, Lehrer etc.) auf eine Situation reagieren. Wenn wir besonnen und unübertrieben reagieren und auch erklären, dann wird aus dem neuen, seltsamen, anderem etwas normales und gewöhnliches für sie. Einschränkungen wie das Maskentragen in der Öffentlichkeit oder Schule ist auch nicht zu vergleichen mit dem Todesfall eines Elternteils oder dem Verlust der Wohnung wegen einer Bombe.

Man muss und kann die aktuelle Situation nicht vor den Kindern fernhalten. Ich bin dankbar, dass auch jetzt noch gilt, dass Kinder nicht Hauptopfer des Virus sind. Die wenigstens werden bei einer Infektion so krank, dass sie sterben oder bleibende Schäden zurückbehalten. Ich habe aber keinen Moment geglaubt, dass Kinder nicht massgebliche Überträger der Virus sein können. Böse ausgedrückt (aber auch liebevoll): Kinder sind wahre Virenschleudern. Dass sollte jede Mama oder Papa selber erfahren haben können – ich selber hatte nie so viele Infektionen wie seit ich Junior im Tagi hatte. Norovirus, Erkältungen immer wieder. Windpocken und 3-Tagesfieber haben wir wohl nur deshalb nicht auch bekommen, weil schon selber mal gehabt. Es ist auch ausgeprochen schwer, eine Übertragung dann innerhalb der Familie zu verhindern. Junior braucht sehr viel Nähe – auch heute noch, aktuell vielleicht sogar noch mehr.

Da kommt die Schule ins Spiel – was macht sie gegen die Übertragung des neuen Coronavirus? Und wie hält sie den Schulunterricht aufrecht (Bildung ist ja auch wichtig und ausserdem obligatorisch)? Nun – die kämpfen und schwimmen auch.

Im Lockdown letztes Jahr wurde das Homeschooling mittels online Unterricht innert kürzester Zeit organisiert – etwas, das ansonsten in der Schweiz Jahre gebraucht hätte aufzugleisen, wurde innert Tagen bis Wochen gewuppt. Und (zumindest bei uns) – das ging. Unterricht fand statt, Junior hat zu Hause und weitgehend selbständig Aufgaben erledigt, sie zum korrigieren eingesendet, online sich in Sitzungen mit der Klasse ausgetauscht. Klar, dabei bekommt man nicht den selben Unterrichtsstoff durch, wie beim Frontalunterricht, aber … es ging. Noten gab es keine.

Dann war wieder Kontakt-Schule – mit Abstandsregelung, vorgeschriebenem Händewaschen- und Desinfizieren. (Junior hat so häufig desinfiziert, dass er praktisch ein Handekzem bekommen hat – die Anwendung von viel und regelmässig Handcreme hat das Problem aber beseitigt).

Ausserschulische Aktivitäten wurden eingeschränkt bis abgesagt. Nichts mehr mit Schwingen, Schwimmunterricht, etc.

Dann wurde das Maske tragen in den Gängen und in der Pause eingeführt. (Reichlich spät in meinen Augen). Die Masken wurden durch die Schule gestellt – und über die Qualität von den Dingern sage ich lieber nichts, supergünstige und chemisch stinkende Ware jedenfalls. Junior bekommt davon Kopfschmerzen und deshalb jetzt von mir Masken aus der Apotheke.

Dann (nach ein paar positiv-Fällen und Quarantäne der Klasse) wurde die Maskenpflicht (endlich) auf den Unterricht ausgeweitet. (Kontraproduktiv fand ich hier manche Lehrern, die den Schülern schon praktisch suggerierten, dass sie auch bei normalen Aktivitäten damit doch wohl Mühe hätten mit Atmen – oder? Und daneben praktisch Werbung für gewisse Stoffmasken machten).

Weitere Einschränkungen von Aktivitäten – Sportunterricht wie der freiwillige Ballsport wurde abgesagt, genauso wie die nächsten Schwimmkurse. Schullager sind bis auf weiteres komplett gestrichen.

Momentan schliessen sie ganze Schulen und gehen (kurz- oder mittelfristig?) wieder auf Homeschooling und Online-Unterricht zurück. Die Mutation des Corona-Virus breitet sich, einmal hier, wirklich rasant aus – und Schüler / Kinder sind halt doch Infektionstreiber. Sie schicken jetzt auch nicht nur die Kontaktpersonen 1 (direkter Kontakt mit positiver Person), sondern auch Kontakt 2 (Kontakt mit Kontaktperson 1) in Quarantäne. Das bedeutet, dass auch die Eltern von Schülern mit positivem Klassenkamerad automatisch in Quarantäne landen.

Als nächstes werden regelmässige Massentests auf Covid in der Schule durchgeführt. Aktuell wird dafür die Einwilligung der Eltern eingesucht. Dabei handelt es sich um Spucktests – und wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird da die Spucke der ganzen Klasse gemischt getestet, falls das positiv ausfällt gibt es danach Einzeltestungen … und dann weiter Quarantäne.

Ich bin gespannt. Die Schulen kämpfen, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass das nicht reichen wird, dem Virus soweit Herr zu werden, dass das bald etwas ändert. Ich bin jetzt dafür, dass wir einen richtigen Schnitt machen sollten. Mit obligatorischem Homeschooling für alle.

Junior ist inzwischen übrigens nicht mehr im Tagi. Auch die haben immer gekämpft mit der Virus-Übertragungs-Situation (Ich sag doch: Virenschleudern) und nachdem er wiederholt nicht gehen konnte – am Schluss weil praktisch das gesamte Betreuungsteam in Quarantäne musste – und er auch das Alter hat, dass er nicht mehr Rundum-Betreuung braucht und für sich selber sorgen kann, habe ich ihn abgemeldet. Das spart uns ausserdem noch etwas Geld. Da es auch mit grossen Ferien nicht so gut aussieht dieses Jahr und wir auch nicht aus Essen gehen können … momentan gebe ich mein Geld für Lieferservice aus, das erleichtert es mir etwas, denn nach einem Arbeitstag habe ich aktuell wirklich nicht mehr Lust zum kochen und dafür einkaufen mag ich in der Situation auch nicht wirklich.

Juniors „neues Normal“ ist also: Er ist mehr zu Hause. Mehr Essen mit uns zusammen. Essen halt vom Lieferservice (wer mag keine Pizza?). Soziale Kontakte mehr online – er benutzt seinen PC für Online-Spiele wie Roblox, auch jetzt höre ich zu, wie er nebenan (englisch) mit seinen Kollegen da redet. Schulweg und Schule ist mit Maske – auch das ist für ihn normal und er beklagt sich nicht nur nicht, er hat auch keine gesundheitlichen Auswirkungen davon. Klassenkameraden hat er auch schon früher kaum eingeladen. Ab übernächster Woche können wir hoffentlich mit Oma und Opa wieder etwas unternehmen. Gelegentlich treffen wir seinen Götti, der passt wirklich gut auf mit Homeoffice etc., da habe ich keine Bedenken. Ansonsten haben wir soziales wirklich heruntergefahren – wir warten und wir reden abends. Ich habe nicht das Gefühl, dass er davon psychologische Schäden davontragen wird. Als Kind ist die Familie seine Welt, als Teenager wird sie weiter, aber momentan scheint er keine Freunde zu haben, die er vermisst. Sozialkontakte sind mit seinem ADHS sowieso immer ein „Problem“ gewesen, aber ich selber (ohne ADHS dafür sehr introvertiert) hatte auch immer sehr wenige Freunde, vielleicht beunruhigt es mich deshalb auch nicht sehr. Und auch dies hier … es wird vorbeigehen. Dann gibt es wieder ein „neues Normal“ – ein hoffentlich sozialeres. Es liegt an uns Eltern, wie unsere Kinder daraus hervorgehen. Und an der Schule. Geben wir unser bestes.

Schläger, Drogenhändler, Nerd

Ich weine hier gerade – vor lachen. Habe Junior gerade dieses Meme gezeigt:

Darin schreibt die Mutter zum Bild, das die Tochter gemalt hat, ein paar erklärende Worte: Sie sei nicht (und nie gewesen) eine exotische Tänzerin. Sie arbeite bei Home Depot und habe ihrer Tochter erzählt, wie hektisch es die Woche vor dem Schneesturm zuging. Das Bild zeige sie, wie sie die letzte Schneeschaufel verkaufe, die sie hatten – und nicht wie sie an einer Stange strippt vor Leuten mit Banknoten in der Hand.

Dann meinte ich, dass ich mindestens 3 so peinliche Eindrücke bei Lehrern oder Pädagogen von ihm hinterlassen habe. Danach wäre ich Kinderschläger, Drogenhändler und Nerd … und habe es ihm erzählt, wie das ging:

Da war die Logopädin, die ihm Bilder von Gegenständen gezeigt hat, die er einerseits benennen und andererseits sagen sollte, was man damit macht. Ging alles grossartig (Schuhe – laufen, Teller – essen ….) bis wir zur Pfanne kamen. „Schlagen!“ – sagt Junior überzeugt. Weder ich noch Kuschelbär machen das, aber er hat den Film Rapunzel kurz vorher gesehen. Zum Glück konnte ich das gleich klären. (Schlagende Argumente).

Oder die Lehrerin, die offenbar der Überzeugung war, dass ich kleine Drogensäcklein verticke. Das nachdem ich so eines beim Elterngespräch verloren habe … sie hat mir damals sehr vorsichtig angerufen. Am Ende handelte es sich um Trocknungsmittel das mir aus der neugekauften Jacke gefallen war. Mein Beruf hatte wahrscheinlich auch etwas mit der Fehlannahme zu tun. (kleine Säcklein).

Oder damals, als ich der Lehrerin erklären durfte, dass unsere Familie weniger Grimms Märchen sondern eher der kleine Hobbit als Vorlesestoff hat. Und das sind halt 13 „Zwerge“ und nicht 7, die da „hinter den Bergen“ wohnen – zählt trotzdem als falsch bei den Hausaufgaben. (Über den Bergen, bei den … Zwergen).

Und (nur weil’s so süss war, hat aber ausser uns niemand mitbekommen): sein „Tschüss Papa!“, als er dachte, der verblutet jetzt nach der Mini-Haus-OP. Merke: Man sollte gut darauf achten, wie man einem Kind etwas sagt.

So, jetzt ihr: Was für einen Eindruck haben andere Leute dank eurer Kinder von Euch denn so?

Homeschooling? Geht doch

Die Schule ist geschlossen. Alle Kinder sind zu Hause und machen Homeschooling. Und es geht – irgendwie. Einfach ist anders … für uns ist das ein ausgewachsenes Organisationsproblem. Sowohl ich (als Apothekerin) als auch mein Mann (als selbständiger Mechaniker) arbeiten weiter, da „systemrelevant“.

Ich gebe zu, ich habe mir das mit dem Homeschooling früher schon überlegt, da ich gesehen habe, wie Junior in der Schule kämpft (mit POS, was einfach die „schweizer“ Diagnose für ADHS ist). Er hatte jegliche Hilfe von aussen, wirklich besser wurde es tatsächlich mit Methylphenydat, nur war dann das Problem, dass sie trotz Kleinklasse mit unerfahrenen Lehrern (sorry) den nötigen Stoff einfach nicht durchbekommen haben. So kam er im letzten Herbst in die Sekundarstufe – und zwar in eine Regelklasse – und hatte von Anfang an viel aufzuholen. Dafür sind die Lehrer jetzt von gut bis super. Das Homeschooling in der Primar musste ich verwerfen, denn: wer hätte das machen sollen? Technisch gesehen hätte ich das machen können (meinem Mann fehlen tatsächlich einige schulische Grundlagen), aber die Familie ist vor allem von meinem Einkommen abhängig. Mein Mann ist selbständig und arbeitet alleine, seine Werkstatt (die er geerbt/übernommen hat) wirft grad genug ab, damit eine Person davon leben kann, müsste er Miete zahlen, sähe es auch damit nicht so gut aus. Dafür habe ich den Handwerker und den Hausmann – er macht wirklich, was er kann. Schule gehört dazu aber weniger, vor allem weil Junior doch noch ziemlich Hilfe braucht/e.

Homeschooling haben wir jetzt seit 2 Wochen. Die erste Woche nach den Ferien war noch normal Schule im Schulhaus mit allen Schülern – minus diejenigen, die in Quarantäne sassen. da Rückkehrer aus einem Hochrisikogebiet. Damit sich nicht alle auf dem Pausenhof trafen, haben sie die Anfangszeiten und Pausen gestaffelt. Kontaktsport (und auch sonst berühren) war verboten, Händewasch- und Hygienelektionen wurden gemacht (ihr kennt den Drill). Dann kam der Notstand. Nix mehr Schule gehen, bis …unbestimmt?

Bei uns wurde das ziemlich pragmatisch gelöst. Da etwas absehbar, wurde den Schülern der Umgang mit dem Programm „Teams“ beigebracht, das jetzt auch für den Schulunterricht benutzt wird. Daneben gibt es einen Whatsapp Chat der Klasse mit dem Lehrer, des Lehrers mit den einzelnen Schülern und des Lehrers mit den Eltern als Gruppe. Wir haben einen neuen (vereinfachten) Stundenplan bekommen – nur noch 2 verschiedene Lektionen am Morgen und 1-2 am Mittag. Sie müssen morgens am Computer sein (es wurde erst eine Umfrage erstellt ob jeder einen hat – und auch Drucker/Scanner etc.) – dann bekommen sie im Teams Aufgaben zugeschickt, die sie zu lösen haben und dann wieder zurückschicken müssen. Teils müssen sie Sachen ausdrucken, dort drauf schreiben oder zeichnen und das wieder einscannen oder Fotografieren und zurückschicken. Anderes können sie direkt in der Datei bearbeiten oder sie müssen ein Word-Dokument schreiben. Das funktioniert … nach kleineren technischen Anfangsschwierigkeiten.

Beispiel: Erster Tag mittags, ich in der Apotheke am arbeiten, Kuschelbär sollte eigentlich zu Hause sein, da bekomme ich reihenweise Whatsapp-Nachrichten, weil Junior erstmalig etwas ausdrucken muss. Wie? Wo? Und wo ist das Papier? Es hat keines mehr. Hilfe? Hilfeeee! Es hatte natürlich schon noch. Nur dass dann die Druckpatrone anfing zu vermelden, dass sie bald leer sei … und wo finde ich jetzt rasch eine, wenn alle Läden geschlossen sind?

Das funktioniert jetzt vor allem deshalb, weil Junior das doch recht selbständig machen kann (ich bin so stolz auf ihn!). Trotzdem muss das von zu Hause aus gehen – wenn er dann mal ins Tagi muss (das bei uns noch offen ist für Fälle wie unseren, wo beide arbeiten müssen), klappt das nicht mehr, da er – auch wenn er den Computer mitnimmt – dort keinen Drucker hat und auch nicht ins WLAN darf, dafür muss er via Hotspot mit dem Smartphone eine Verbindung einrichten. Auch deshalb versuchen wir, dass er das möglichst nicht muss. Das bedeutet, entweder arbeite ich oder ich bin zu Hause und schaue, dass das mit Junior funktioniert – und er nicht zu viel für Spiele am Compi sitzt. So wirklich Zeit für mich hatte ich in den letzten Wochen nicht – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Ich bin sicher, es kämpfen auch andere mit ähnlichen Problemen. Ich meine … auch der Lehrer ist Vater und hat zu Hause kleinere Kinder und muss daneben den Stoff vorbereiten und Sachen kontrollieren von unseren. Auch er arbeitet mit dem was er hat und wie er kann. Was er wohl von der Anfrage im Elternchat gestern hielt nach der Wochenrückmeldung und den neusten Nachrichten der Behörden zur Schule?:

Ich hätte eine allgemeine Frage zu dem Ganzem, wenn Sie sagen „Falls die Schule bis zu den Sommerferien geschlossen bleibt“; Die Schule/Kanton erspart sich ziemlich viel Material und Stromkosten und Diverses, welches sich auf unsere Privathaushalte auswirkt. Ist Ihnen bekannt, ob wir da Unterstützung bekommen? Und wenn nicht, wo und wie könnten wir das einfordern? Ich denke, die finanzielle Situationslage trifft auch uns Privatpersonen und nicht nur die Geschäfte!

Ich bin jetzt nicht sicher, was sie sich da zusammenrechnet. Für’s Internet zahlen wir sowieso monatlich, Stromkosten und Heizen dürfte nicht wesentlich nach oben gehen, nur wenn 1-2 Personen jetzt für ein paar Stunden mehr täglich zu Hause sind. An Papier zum Ausdrucken haben wir jetzt auch nicht mehr gebraucht als sonst für die Hausaufgaben und das Z’Nüni mussten wir vorher auch schon mitgeben – eine Schule ist ja kein Hotel. … Vielleicht verpasse ich da etwas, aber die Anfrage finde ich jetzt … frech. So wie ich das sehe, erhalten die Schulen schon dermassen weniger finanzielle Unterstützung als früher um dem Bildungsauftrag nachzukommen – und jetzt wo sie die Betreuung nicht im Gebäude selber machen können will man als Privatperson Geld dafür verlangen, dass der Schüler zu Hause ist?

Homeschooling – geht doch. Soll ich jetzt auch was extra dafür verlangen? Ah, nein, das wäre dann frech von mir – immerhin „darf“ ich weiterhin arbeiten.

Was für ein Tag ist heute?

Ganz kurz vor dem aufregen … Obigen Zettel drück mir Junior nach der Schule in die Hand mit den Worten: „Das ist etwas dumm gelaufen …“

Gut, dass ich geahnt habe, dass da irgendwas geplant war – mir war allerdings nicht bewusst, dass der Lehrer da mitmacht :-) Auch so habe ich mich beim Lesen gefragt, weshalb sie für so eine spezifische Situation vorgedruckte Zettel haben, wo man nur noch den Namen des Kindes einfüllen muss?

(Das mini-„sorry“ am Schluss ist ja nett)