Leben in der Welle

Es hat sich angezeichnet, jetzt ist sie da, die zweite Corona-Welle. Und sie wird grösser (und übler) als die erste. In der Apotheke merken wir das schon seit ein paar Wochen. Die Erkältungskrankheiten (und Beschwerden) kommen wieder. Das bedeutet, dass sich die Leute wieder anstecken. Es war lange ruhig in die Richtung, ein Nebeneffekt der (konsequent) angewendeten Massnahmen zur Vorbeugung von Covid-19. Nach den Sommerferien fingen die Leute offenbar an nachzulassen. Vielleicht haben es ein paar auch mitgebracht von den Ferien? Ansteckungen erfolgten dann wohl vor allem zu Hause im Familien- und Freundeskreis. Und in der Schule oder am Arbeitsplatz gab man es dann weiter. Undsoweiterundsofort.

Was die Apotheke als Arbeitsplatz angeht – da fühle ich mich sicher. Unser Schutzkonzept verhält – wir stecken uns nicht an den Kunden an und umgekehrt sie sich nicht an uns. Wir haben immer noch die Plexiglasscheiben vor den Kassen. Wir tragen Hygienemasken (ausser beim Essen und Trinken) rund um die Uhr. Wir halten Abstand in den Pausen und es dürfen nicht mehr als 2 im Pausenraum sein. Wir waschen die Hände und desinfizieren die Oberflächen (fast stündlich). Dennoch hatten wir in den letzten Wochen Ausfälle … Mitarbeiter mit Symptomen, die wir testen geschickt haben. Lehrlinge, die vom Kantonsarzt in die Quarantäne geschickt wurden, da ein Mitschüler positiv getestet wurde (und sie zusammen Mittag gemacht haben ohne Maske). Aber wir hatten Glück – kein einziger positiv-Fall bei uns.

Wenn ich es bekomme, dann auch via Familie. Entweder bringt es mein Kuschelbär aus seiner Werkstatt (bisher hat er noch ohne Maske gearbeitet) oder Junior aus der Schule. Dort haben sie zwar auch ein Sicherheitskonzept, doch das ist (bei Kindern sowieso) notgedrungen löchrig. Im Klassenzimmer sitzen sie ohne Masken recht nahe nebeneinander. Oder sassen. Das ändert jetzt.

Die (stetigen) Nachrichten aus der Schule mit Corona-Updates und Informationen machen immer weniger Freude:

In der Klasse Ihres Kindes wurde ein Schüler positiv auf COVID-19 getestet. Auf Anordnung des kantonsärztlichen Dienstes befindet er sich in Isolation und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. In Absprache mit dem kantonsärztlichen Dienst besteht aktuell kein weiterer Handlungsbedarf. Für Ihr Kind bedeutet das, dass es wie gewohnt zur Schule kommt.

Keine Info wer, aber das ist durchgesickert, ebenso wie die Info, dass das Kind wegen Beschwerden testen gegangen ist … und der Kantonsarzt es nach dem testen und vor dem Ergebnis in die Schule geschickt hat. (Entspricht definitiv nicht den vorgeschriebenen Massnahmen).

Daraufhin ist der Eltern-Whatsapp-Chat kurz explodiert mit „Weshalb hat man ihn nicht zu Hause behalten?“ „Weshalb werden die anderen Mitschüler jetzt nicht alle auch getestet?“ Und (fast natürlich) mit der Covid-Zweifelnden Mutter, die erklärte: „Notabene, Der PCR Test kann MAXIMAL eine Sequenz eines Erregers feststellen, aber NICHT dass der Erreger sich im Menschlichen Körper vermehrt !!! Somit sind die angeblich positiv infizierten, lediglich Test positive Personen ! Daher verstehe ich den ganzen Wahnsinn nicht.

Kann ich natürlich so nicht stehen lassen, darum hab ich’s ihr – und dem Rest der Gruppe – gerne erklärt. Damit man die Sequenz feststellen kann, braucht es eine gewisse Menge, und das bedeutet, dass sich das Virus stark vermehrt hat. Und da man (aktuell) nur testet, wenn man schon Symptome hat … ja, dann ist man krank. Dass von den positiv getesteten etwa 5% im Spital landen und von denen 20% auf die Intensivstation und 50% davon intubiert werden müssen (und davon etwa die Hälfte dann stirbt). Dass wir von den langfristigen Schäden (eventuell auch leichter Covid-Infektionen) immer noch nur wenig wissen. Wen es interessiert, wie man so Falschaussagen und auch Pseudo-Fragen beantworten kann, der findet hier eine gute Übersicht: https://www.facebook.com/psHolstein/posts/2964634043637072

Die Reaktion darauf war (natürlich): „Jeder nimmt die Tatsachen so wahr wie er möchte und bildet sich die eigene Meinung dazu, deshalb ist jede Diskussion darüber überflüssig.“

In der Zwischenzeit kamen nach dem Wochenende erst 3, dann 4 Kinder nicht in die Klasse, ob wegen Symptomen oder vorsichtigen Eltern ist natürlich nicht bekannt. Meiner ging (inzwischen tragen sie auch im Klassenzimmer Masken) … bis er am Mittwoch abend Halsschmerzen bekam und dezent Temperatur (37.8°C) . Da das am Donnerstag nicht weg war, ist Kuschelbär mit ihm testen gegangen.

Ebenfalls Donnerstag (abends) kam dann diese Nachricht: „Aufgrund eines zweiten positiven Corona-Falles in der Klasse Ihres Kindes hat der kantonsärztliche Dienst verfügt, dass sich alle Schülerinnen und Schüler bis und mit Montag in Quarantäne begeben müssen. Ihr Kind darf während dieser Zeit die Wohnung/das Haus nicht verlassen! Dies gilt auch für das Wochenende. Versuchen Sie auch innerhalb der Familie, den direkten Kontakt zu vermeiden. Morgen Freitag und am Montag findet Fernunterricht statt. (Lehrer) informiert die Schülerinnen und Schüler darüber. Sollte Ihr Kind in den kommenden Tagen Symptome entwickeln (krank werden), nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit einem Arzt (Kinderarzt oder Hausarzt) auf und informieren sie (Lehrer) entsprechend.“

Alles klar. Als Eltern der betroffenen Kinder, darf man trotzdem weiterarbeiten. Allerdings verzichte ich lieber darauf meinen 80 jährigen Papa im Spital zu besuchen, in das er wegen einem Unfall zu Hause am Dienstag gekommen ist. Oder meine Mama, die jetzt alleine zu Hause ist :-(

Donnerstag morgen war hart. Ich war in der Apotheke arbeiten, Junior mit Kuschelbär am Test machen und mein Papa im Spital, frisch operiert und unwillig zu bleiben. Daneben vorbereiten, was ich mache, wenn Junior positiv getestet wird – dann darf ich nämlich auch nicht mehr arbeiten. Und so üppig sind wir nicht besetzt in der Apotheke, dass man einen 10 Tages-Ausfall mal eben so easy kompensiert. Mir ist schon klar, dass das wohl kommt … es ist dasselbe Problem wie im Spital mit dem Pflegepersonal. Und dann … was, wenn mein Mann das bekommt? Er ist etwas älter als ich, nimmt Blutdruckmedikamente und könnte ein paar Kilo weniger wiegen. Er ist gefährdeter … und ich muss ihn schicken um Junior testen zu lassen.

Am Freitag morgen die Entwarnung: Junior ist negativ getestet worden. Puh!

Ich durfte Freitag und Samstag arbeiten. Aktuell hat Junior Schule via Computer. Mal sehen, wie es morgen aussieht.

Covid-kommt definitiv näher, nein – es ist da. Gibt es hier überhaupt noch jemanden, der nicht jemanden kennt, der es hat oder hatte? Und wie? Seid froh und dankbar, wenn es nur leichte Beschwerden sind. Ich bin es für jeden und ich will es trotzdem (auch leicht) nicht bekommen.

21 Antworten auf „Leben in der Welle

  1. Mein Bruder und seine Frau wurden positiv getestet. War aber schon ziemlich am Anfang des Jahres. Es geht ihnen gut. Quarantäne war angesagt. Ein Bekannter ist auch positiv getestet worden. Wie es bei ihm ablief, weiß ich nicht. Hab es nur mitbekommen, weil er nach 6 Wochen beim Blutspenden war und das veröffentlicht hat.

    Meine Eltern kann ich auch nicht besuchen. Abgesehen von verschiedenen Bundesländern ist mein Papa (84) herzkrank und meine Mum (80) hat vorletzte Woche ihre letzte Bestrahlung bekommen.

    Bleib gesund

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  2. Samstag hatten wir eine 99,8er Inzidenz. Ab 100 werden die Klassen in Gruppen geteilt, aber bei 99,8 geht das noch nicht. Wenigstens sind jetzt Masken im Unterricht vorgeschrieben. Seit Anfang der Herbstferien waren in den weiterführenden Schulen und einigen Grundschulen immer Klassen und Lehrer in Quarantäne.

    Die Frage ist wohl nicht mehr, ob wir alle es bekommen, sondern nur noch wann.

    Aber hey, ist doch alles nur eine Lüge der Regierung gemeinsam mit [irgendein reicher Promi] um die Batterien in den Spionagetauben auszutauschen. grrr

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  3. Ich kenn jemand, der es hatte. Ich kenn jemand, die es hatte, ihr Mann auch, und sie hat überlebt. Er nicht. Und bei uns im Dorf ist die Inzidenz von null auf 270 geschnellt. Und das bei 270 Einwohnern.
    Ich muß einen Passierschein ausfüllen, wenn ich zum Briefkasten gehe. Bleibt gesund!

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  4. Ich arbeite im Bildungssektor und ich hatte schon das Vergnügen, ein 30-seitiges Schutzkonzept durchzulesen.

    „Neee, das funktioniert nicht… und nein, das bringt nix…“

    Nachdem eine befreundete Lehrerin mir die Quarantänekonzepte der Schule erklärt hatte, verstand ich sie noch weniger.

    „Also, wenn ein Kind positiv getestet wird, läuft der Unterricht normal weiter…“ – „Äh, aber besteht dann nicht die Möglichkeit, dass das Kind die Covidlis schon weitergegeben hat?“ – schulterzuck

    „Und wenn ein Elternteil Symptome hat, gehen die Kinder trotztem in die Schule.“ – „Äh…?“

    Es ist ein hilfloser Versuch, den normalen Schulunterricht fortzufahren. Die Anforderung, die Menschen schneller in Quarantäne zu schicken als die Covidlis sich ausbreiten können, wird bei weitem nicht erfüllt.

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  5. Nein, in meiner weiteren Umgebung gibt es zum Glück immer noch niemanden, der es hatte. Ich lebe in einer norddeutschen Großstadt und arbeite in zwei Unternehmen mit jeweils knapp 200 Mitarbeiter*innen. Bislang noch keine (nachgewiesene) Infektion. Es gab nur einzelne Verdachtsfälle, die sich nicht bestätigt haben. So darf es auch gerne bleiben!

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  6. Unsere Nachbarn hatten es schon im Frühling, der Bruder der Nachbarin starb.
    In der Kita eines Kindergarten-Gspänlis unseres Sohnes gab es zwei Fälle, das Gspänli musste in die Quarantäne.
    Covid ist definitiv zu nahe für meinen Geschmack.

    Meine Frau musste sich am Donnerstag testen lassen wegen Symptomen. Glücklicherweise negativ – aber das Resultat kam erst gestern. 4 Tage bis das Resultat des Tests kam… Wenn man das zu Ende denkt kann man das Testen auch gleich sein lassen.

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  7. Ich kenne zum Glück noch niemanden der aktuell nachgewiesen Corvid hat. Allerdings kommt es auch bei mir näher. Die ersten Bekannte musste in Quarantäne da eine Arbeitskollegin positiv getestet wurde.

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  8. Unsere Nachbarn hatten Covid schon im Frühling, der Bruder der Nachbarin starb daran.
    Im Kindergarten des Sohnes musste letzten Monat ein Mädchen in Quarantäne weil in ihrer KiTa zwei Fälle waren.
    Zwei Prediger aus meinem Umfeld sind Covid positiv
    Bis jetzt sind wir noch von Quarantäne verschont, aber das wird kommen.

    Was mir auch Sorgen macht: Letzten Donnerstag musste sich meine Frau infolge Symptomen testen lassen, glücklicherweise negativ. ABER das Resultat kam erst gestern. Aktuell dauert es bei unserem Kantonsspital mindestens 4 Tage bis man ein Resultat hat. So macht das Testen keinen Sinn mehr.

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  9. Wollt ihr ein Update? Ich hab doch geschrieben, dass mein Papa im Spital ist (nach „Synkope unklarer Ursache“ und multiplen Rippenbrüchen samt Pneumothorax). Er sollte noch ein paar Tage bleiben, aber gestern abend haben wir ihn abgeholt – sein Zimmernachbar (seit 2 Tagen) wurde positiv auf Covid getestet.
    Was jetzt? Im Spital brauchen sie die Plätze, ihm geht es einigermassen, bei uns aufnehmen geht nicht: wir sind selber grad erst aus der Quarantäne und Junior sollte am besten keinen Kontakt haben, beide Grosseltern sind Risikopersonen. Schliesslich haben wir ihn wieder zu Mama gebracht. Die nächsten Tage sind sie beide in der Wohnung in Quarantäne und versuchen so gut geht voneinander Abstand zu halten: 2 Schlafzimmer, 2 Toiletten, gemeinsam in einem Raum nur mit Maske, viel Desinfizieren und waschen. Und beten, dass keiner der beiden es bekommt.

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  10. Wir haben jetzt seit Wochenbeginn unter unseren Patienten jeden Tag mehrere Positivmeldungen – vorher hatten wir gerade mal 4 in 7 Monaten. Eines unserer lokalen Altenheime hat es recht schlimm erwischt, ebenfalls das hiesige Gymnasium.

    Da mussten die Lehrer letzten Samstag kollektiv zum Abstrich ins Testzentrum. Als sich dann einige wegen eines postiven Befundes am Montagmorgen in die Quarantäne abmelden wollten, bekamen sie allen Ernstes von der Schulleitung die Anweisung, sich noch einmal testen zu lassen. Was einige dann auch versucht haben; sie wurden jedoch am Testzentrum abgewiesen, allerdings nicht ohne bereits 2-3 Stunden in der Warteschlange gestanden zu haben. Da gibt es jetzt Ärger wegen des Verstosses gegen die behördlich verfügte Quarantäne.

    absoluter Irrsinn!

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      1. Und ich weiss von einem Lehrer eines Gymnasiums, der trotz unklarem Testresultat unterrichten gegangen ist.

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  11. Ein Freund, der das ganze vergangene Jahr sehr vorsichtig war, ist vor einer Woche am Virus verstorben. Zwischen ersten Symptomen und Organversagen lag eine knappe Woche.
    Die Geschwindigkeit hat mich sehr erschreckt. Er gehörte keiner Risikogruppe an. Er war gleichzeitig der erste, mir direkt bekannte Fall, wo es eben nicht nur die Gerüchteküche war.
    Seitdem bin ich noch vorsichtiger und bitte alle, wirklich, wirklich auf sich aufzupassen und die Hygienekonzepte anzunehmen und umzusetzen.

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      1. Wir hatten jetzt am Wochenende auch das erste Covid-Opfer unter unseren Patient*innen – eine ältere Dame, deren Gesundheitszustand allerdings in den letzten Monaten sowieso schon schlecht gewesen war.

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