Neujahrs-Update bei Pharmama

Wir haben jetzt erstmals einen Covid-Fall bei uns in der Apotheke. Es hat lange gedauert, obwohl wir diverse Schreckmomente grad bei ihr schon hatten – beim 3., Nein, 4. Mal hat es sie jetzt erwischt. Da war erst die Quarantäne der Klasse im Sommer, dann Anfang Dezember der Bruder, der positv getestet wurde (keine Quarantände für sie, da sie immer genug Abstand / die Maske an hatte), dann ist die Mutter positiv getestet worden (immer noch keine Quarantäne, da sie auch zu Hause gut aufgepasst hat, nachdem ihr Bruder es bekommen hat). Dann vor einer Woche wurde die Freundin positiv getestet, mit der sie Essen war … und nun wurde sie in Quarantäne gesetzt, da sie beim Essen zu wenig Abstand und keine Maske an hatte. Jetzt ist sie selber positiv.

Gut, sie ist jung und sonst gesund, sie dürfte es problemlos überstehen. An Beschwerden hat sie praktisch auch nur Schnupfen und Geschmacksverlust.
(Wobei ich selber nicht gerne den Geruchsverlust hätte – das ist nicht nur super unangenehm, weil einem nichts mehr schmeckt, das kann sogar bei der Arbeit beeinträchtigend sein. Gelegentlich muss ich Teedrogen und ähnliches prüfen, das geht mit riechen, schmecken gut, ohne wird es problematisch. Und wenn mal wieder der Abfalleimer vor der Apotheke anfängt zu kokeln wegen weggeworfener Zigarette, würde ich das auch nicht mehr riechen).

Auf der anderen Seite geht es meinen Eltern gut, bis auf die Tatsache, dass sie kaum noch etwas unternehmen (können). Sie passen gut auf sich auf und sind zum impfen gegen Covid-19 angemeldet. Ich werde echt froh sein, wenn sie geimpft sind, das nimmt mir eine Menge Druck und sie freuen sich darauf Junior „wieder richtige Grosseltern zu sein“, denn dann kann Junior auch wieder zu ihnen. Ich hoffe, dass die Schwiegereltern da noch nachziehen, aber momentan wollen sie noch „abwarten“ (auf was?). Das sind auch die, die bei Treffen mit Junior immer noch nicht auf die Umarmung verzichten können.

Weihnachten und Neujahr war dementsprechend nicht so wie andere Jahre – bei den Eltern waren wir für einen kurzen Apero (mit Abstand und allen Vorsichtsmassnahmen), bei den Schwiegereltern gar nicht. Wenigstens gibt es noch das Telefon.

Ich hab mich übrigens gemeldet zum impfen … zum die anderen impfen. Bis ich selber geimpft werde, dürfte es (leider) noch etwas dauern. Derweil sind in der Schweiz die Covid-Impfungen gut angelaufen.

Die Aussichten sind aktuell eher wieder düster – immer noch zu viele Neuansteckungen (wen wundert’s über die Feiertage und die Treffen?), die Restaurants bleiben zu, wir gönnen uns dafür Take away oder Lieferservice von denen, die anbieten. Junior hat noch normal Schule (naja – das „neue Normal“), aber … wie lange wohl? Den Flug auf Thailand (vor einem Jahr gebucht) für die Frühlingsferien haben wir grad storniert … auch bei denen steigen jetzt die Zahlen und sie gehen in den Lockdown. Ich bin etwas ideenlos, was (und ob) wir machen wollen. Das Reisen war schon immer eine meiner Grundmotivationen – wahrscheinlich das, wofür ich am meisten Geld ausgebe, auch weil es mir (uns) so viel Freude und schöne Erfahrungen bringt. Und jetzt? Kann man überhaupt irgendwohin bis im Herbst? Soll man überhaupt? Verflixt. Ich will nicht einfach nur zu Hause sitzen … und man sieht ja gut, wie die Ausflugsziele in der näheren Umgebung überlaufen werden. Menschenansammlungen mag ich (nicht erst seit Corona) überhaupt nicht vertragen.

Also konzentrieren wir uns auf zu Hause. Ich nehme ein neues Projekt in Angriff und male viel, ich besorge mir einen neuen Computer, da der Platz auf dem alten kritisch wird. Ich organisiere Arbeiten in und ums Haus. Mir ist nicht langweilig, trotzdem … bin ich so antriebslos. Seufz.

Und ihr so?

Auf und Nieder, Immer wieder.

Die Woche war ein Auf und Nieder. Steigende Fallzahlen überall. Stammpatienten von uns, die es nicht überlebt haben. Die Meldung, dass die erste Covid-Impfung in der Schweiz zugelassen wurde. Mitzubekommen, dass die Schwiegermama im Notfall war (sie war innert Stunden wieder draussen – lange behalten die niemanden wegen nicht-akuten Sachen da). Die Meldung der neuen Coronavirus-Mutation – und dann die Reaktion die Flüge zu streichen von den UK und Südafrika.

Es ist nervenaufreibend, es ist zermürbend, für so ziemlich alle. Ich verstehe jeden, der versucht, sich selber zu schützen, zum Beispiel indem er keine Nachrichten schaut und versucht auf das Positive zu sehen. Auf das, was geht, auf das, was wir (trotzdem) haben. Ich verstehe aber diejenigen nicht ganz, die immer noch überall verbreiten, das sei nur Panikmache und so weitermachen, als gäbe es überhaupt kein Covid.

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Ich hatte diese Woche eine Diskussion mit dem Apotheker (Ja, DerApotheker). Er ist etwas auf einem Kreuzzug gegen die Leute, die ohne oder mit falsch angezogener Maske in die Apotheke kommen. Ich meinte dann, dass das bei uns nicht so ein Problem sei. Es besteht zwar Maskenpflicht in den Läden, aber kein Zwang das durchusetzen. Eigentlich weisen wir die Leute nur darauf hin, sie (richtig) anzuzuehen, oder wir bieten grad eine an. Ausser unseren eigenen Masken haben wir immer noch die Plexiglasscheiben vor der Kasse. Wenn jemand wirklich keine anziehen will, schauen wir, dass wir sie nur von hinter der Scheibe und/oder mit genügend Abstand bedienen und dass sie so rasch wie möglich wieder draussen sind – auch den anderen Patienten zuliebe. Aber wirklich viele oder gar problematische Fälle hatten wir nicht.

Nur einen Tag später dann das:

Kundin kommt ohne Maske in die Apotheke und stellt sich direkt (praktisch auf die Fersen) der Patientin vor ihr.

Donna (die Pharmaassistentin) die grad an der älteren Stamm-Patientin ist, sieht das und fragt sie: „Kann ich ihnen eine Maske geben?“

„Nein, ich darf keine anziehen!“

Donna fragt nicht nach, weshalb, aber sie bittet Sie: „Dann nehmen Sie bitte etwas mehr Abstand zu den anderen Kunden.“

Cue sehr säuerliche Miene der Kundin, aber sie steht „etwas“ weiter weg.

Als sie dran ist, fragt sie nur, ob wir ihr einen Verband wechseln können. Das machen bei uns die Apotheker, also kommt Donna mich fragen – und weist mich grad darauf hin, dass die Kundin keine Maske anhat und auch nicht vorhat eine anzuziehen.

Ich: „Uh. Nein. In den engen Beratungsraum gehe ich nur mit, wenn die Kundin eine Maske anzieht. Weil …“

Donna: „Hab ich mir schon gedacht. Ich erkläre es ihr.“

Hat sie dann. So: „Tut mir leid, aber wenn Sie keine Maske anziehen ist das momentan nicht möglich. Wissen Sie, WIR haben die Masken zu IHREM Schutz an. Und Sie ziehen sie an zu UNSEREM Schutz, vor allem bei so engem Kontakt wie einem Verbandwechsel.“

Das gab dann eine so säuerlichere Reaktion, aber man hat sich am Schluss geeinigt, dass sie den Beratungsraum nutzen kann, um sich selber den Verband zu wechseln – und wir haben ihn hinterher gut desinfiziert.

Ich lasse mich nicht auf unnötige Diskussionen ein. Ich brauche nicht darüber zu reden ob und welche Masken jetzt vielleicht schützen, oder ob die Massnahmen übertrieben sind oder gar ob Covid-19 nicht schlimmer als eine normale Grippe ist.

Im Moment lege ich alles daran mich, meine Mitarbeiter, meine Patienten und vor allem meine Familie zu schützen. Ich gehe keine Risiken ein (vor allem so vermeidbare). Ich will nämlich morgen einen zumindest kurzen Besuch zu Weihnachten bei meinen Eltern machen, die beide Hochrisikopatienten wären, wenn sie Covid bekommen würden.

Und ich appelliere hier an alle, das auch zu tun: Bitte seid vorsichtig! Tragt die Maske, wo nötig und wo sinnvoll. Wechselt die Maske regelmässig! Wascht euch wieder häufig die Hände und desinfiziert sie (ich weiss, dass das bei vielen wieder verlorengegangen ist)! Vermeidet Menschenaufläufe! Vermeidet es Euch privat mit zu vielen zu treffen – ihr wisst nicht, wer sich davon wirklich an die Vorsichts- und Hygienemassnahmen haltet. Seid speziell vorsichtig, wenn ihr die Grosseltern trefft – verzichtet im Moment noch auf die Umarmung oder aufs Händegeben, haltet Abstand, trefft Euch – aber vielleicht nicht so lange, an Orten wo gut gelüftet werden kann oder draussen.

Ich bin grad in pessimistischer Stimmung, was die Zeit nach Weihnachten / Neujahr angeht. Ich befürchte, dass zu viele sich nicht an die Vorsichtsmassnahmen halten werden und die Zahlen dann explodieren – zusammen mit den Spitaleinweisungen, denn wer verzichtet schon wirklich auf „Weihnachten mit Familie“? (und irgendwo verstehe ich wie wichtig das psychologisch ist). Zu viele Leute können ja offenbar auch jetzt nicht darauf verzichten, Skiferien im Ausland zu machen. Echt: 92 Flieger mit über 10’000 Personen aus England sind allein letztes Wochenende in der Schweiz gelandet. (*Das* verstehe ich dann weniger).

Die Impfung ist da! (Ein Weihnachtsgeschenk)

Gestern, Samstag die kleine Sensation – und ein Hoffnungsschimmer in dieser wirklich düsteren Zeit: Die Schweiz hat den Covid-Impfstoff zugelassen. Und zwar – im Gegensatz zu anderen Ländern – NICHT als Notfallzulassung, sondern nach dem geregelten üblichen Verfahren. Damit sind wir weltweit die ersten. Es ist ein Impfstoff (der von Pfizer/Biontech) von mehreren, die aktuell in der letzten Studien-Phase sind und es ging deshalb so schnell, weil es ein „rollendes“ Verfahren war: die Pharmafirma lieferte laufend alle verfügbaren Daten, die sie zum Impfstoff hatten. Da auch die letzte Phase mit über 40’000 Teilnehmern und auch erste Erfahrungen in anderen Ländern (mit inzwischen über 100’000 geimpften) saubere und gute Ergebnisse lieferte, wurde der Impfstoff durch die swissmedic und das BAG zugelassen.

Das wissen wir:

Es braucht 2 Impfungen im Abstand von (mindestens) 3 Wochen. 1 Woche nach der 2. Impfung besteht ein über 90% Impfschutz gegen das neue Coronavirus. (Das ist phantastisch gut – besser als man sich das hätte vorstellen können. Ausserdem nicht mal ein Jahr nach Beginn der Pandemie. Da wurde wahnsinnig geforscht weltweit und man konnte auf bereits bekannte Forschung und Erkenntnisse mit RNA-Impfstoffen aufbauen.)

Der Impfschutz besteht ausdrücklich auch für die älteren Personen und solche mit (kontrollierten) Vorerkrankungen.
(Die Studien hat man diesmal auch mit nicht-gesunden und älteren Personen gemacht!)

Die Nebenwirkungen entsprechen etwa denen von anderen Impfungen, hauptsächlich lokale Reaktionen am Einstichort (Schmerzen, Rötung), vielleicht 1-2 Tage generalisierte Beschwerden wie Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen, Fieber etc, vor allem nach der 2. Impfung.
(Sie sagen, es kann etwas heftiger sein als bei zum Beispiel der Grippeimpfung, die sie mit einem „Mückenstich“ vergleichen. Etwa wie ein „Bienenstich“.)

Die Impfung ist nicht zugelassen für Schwangere und unter 16 Jährige, da hier die Datenlage zu dünn ist. Ausserdem gehören die jüngeren nicht zu den durch Covid gefährdeten Personen.

Jetzt geht es weiter. In den Kantonen sind sie schon seit ein paar Wochen dran die nötige Infrastruktur für die Impfungen aufzubauen. Die Logistik ist hier etwas komplizierter als bei anderen Impfstoffen, da der Covid-Impfstoff von Pfizer bei Temperaturen von -70°C transportiert und gelagert werden muss. Deshalb wird es vorläufig auch keine Impfung in der Apotheke geben, die meisten Kantone scheinen auf Impfzentren und mobile Impfgruppen zu setzen. Noch im Dezember beginnen die Kantone der Innenschweiz: Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden, Luzern und Zug – und Freiburg. Der Rest folgt im Januar. Wir bekommen monatlich etwa 250’000 Impfungen – die wollen möglichst sinnvoll eingesetzt werden.

Wer wird geimpft? Die Impfung ist prioritär für folgende Zielgruppen vorgesehen:
1. Besonders gefährdete Personen (ohne schwangere Frauen)
2. Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt / Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
3. Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder) von besonders gefährdeten Personen
4. Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (mit altersdurchmischten Bewohnern).
Im weiteren Verlauf wird auch eine Impfung für alle anderen Erwachsene, die nicht unter 1.-4. fallen, möglich sein. – Das kann ein paar Monate dauern.

Ich weiss noch nicht, ob wir in der Apotheke zur 2. Gruppe gehören und dann geimpft werden, aber ich bin froh, dass meine Eltern voraussichtlich bald drankommen. Dann kann ich mich etwas sicherer fühlen, auch wenn ein paar Fragen betreffend der Impfung noch offen sind: kann das Virus durch geimpfte Personen noch übertragen werden? Wie lange hält der Impfschutz an? Die geltenden Hygienemassnahmen müssen auf jeden Fall noch eine ganze Weile weiter durchgeführt werden.

Für das Gesundheitssystem ist das aber sicher eine Entlastung – eine dringend benötigte ausserdem. Inzwischen sind die Spitäler voll, das Pflegepersonal am Anschlag (und darüber) – die Situation ist wirklich furchtbar, auch wenn das trotz gelegentlicher Meldungen in den Medien immer noch nicht zu den Leuten auf der Strasse durchgedrungen ist. Aktuell will ich nicht krank werden oder einen Unfall haben und im Spital landen müssen. Nach aussen „verhält“ das noch als Sicherheitsnetz, aber … nein. Eigentlich will ich nicht mal drüber schreiben. Wir sind vielleicht noch knapp nicht am „sterbende Leute in den Spital-Gängen liegen lassen“, aber soooo weit davon auch nicht mehr. Denkt mal darüber nach und (Bitte) passt euer tägliches Verhalten danach an. Grad jetzt in der Ferien- und Feier-Zeit. Übrigens: Man kann sich jetzt immer noch gegen die Grippe impfen lassen. Bitte tut das – das macht grad jetzt noch Sinn.

Aber konzentrieren wir uns auf die guten Dinge. Wir haben jetzt eine wirksame und sichere Impfung. Meine Familie ist gesund: immer noch alle, wofür ich wahnsinnig dankbar bin. Sogar meine Eltern haben dieses Jahr überstanden (und das sah aus verschiedenen Gründen zeitweise nicht gut aus). Wir haben mehr als genug zu essen, eine warme Wohnung (die aufgeräumter sein könnte), Kontakt mit den Liebsten – halt nicht mehr so häufig und vor allem meist nicht mehr als Treffen, sondern mit Telefon, Chat etc. Dafür bin ich dankbar.

In dem Sinne: Euch allen schöne Festtage und bleibt gesund!

Einfach Schwimmen (in der Welle)

Momentan wünschte ich mir manchmal Dorys Kurzzeitgedächtnis. Dann könnte ich gewisse Dinge einfach vergessen.

Dass die zweite Welle hier in vollem Gang ist.
Dass jeder zweite, den man fragt, für wen die Lutschtabletten oder das Schmerzmittel ist antwortet, dass es für den Covid-positiven Verwandten oder Freund ist.
Dass wir Berichte von sehr kurzen Spitalbesuchen bekommen. „Blutige Entlassung“ trifft es schon nicht mehr … momentan wird alles, was nicht grad lebensbedrohlich ist, angeschaut und baldmöglichst wieder weggeschickt. (Erbrechen bis zur Dehydration? Hier ein Motilium und ein Rezept. Trinken Sie mehr. Wiedersehen.)
Dass wir Anrufe zum beliefern ebendieser Rezepte bekommen. (Und Vorsicht bei der Auslieferung. Ich bin Covid-positiv)
Dass wir von Kunden und Patienten immer mehr Berichte von kürzlich (an Covid) verstorbenen Verwandten und Bekannten hören.
Dass der Vater der Mitarbeiterin im Altersheim an Covid gestorben ist, nachdem er vor einer Woche positiv getestet wurde. Sie konnte ihn nicht mehr sehen.

Dass es währenddem wir das jetzt so direkt mitbekommen rechts und links und gestern und heute es immer noch Leute gibt, die da stehen und behaupten: dass es das Virus gar nicht gibt / das Virus gar nicht so schlimm ist / das alles nur gemacht wird um dem Staat mehr Einfluss zu geben und die persönlichen Freiheiten zu beschneiden / dass es ja eh nur die älteren trifft / man halt an irgendetwas sterben muss. (Kotz).

Dass die Leute nicht testen gehen, obwohl sie Erkältungssymptome haben. Man will ja nicht ausfallen bei der Arbeit. Und Quarantäne ist nervig, einsam und deprimierend … und so schlimm habe ich es ja nicht.

Dass die ganzen Einschränkungen (Öffnungszeiten und Mengenbeschränkung in den Restaurants, keine sportlichen und kulturelle Veranstaltungen über 15 Personen, Discos etc. geschlossen, Maskentragepflicht in den Innenräumen) zwar umgesetzt werden, aber man das Gefühl hat, dass viele den Grund nicht wirklich sehen, den Vorschriften vielleicht den Buchstaben nach folgen, aber nicht verstanden haben um was es geht und es darum unmotiviert und nur das Minimum machen. Das sieht man schon darin, wie die Masken getragen und gehandhabt werden (über die Nase ziehen! Nicht vorne anfassen! Die Hände vor und nach dem Berühren waschen / desinfizieren).
Dass sich immer noch zu viele privat treffen … und dabei die ältere Generation anstecken.

Dass die Wirtschaft daneben wirklich leidet. Restaurants, Kulturschaffende, Sportveranstaltungen, Hotellerie, … Nicht „Systemrelevant“ ist so ziemlich alles Schöne, Interessante, Angenehme – das fällt jetzt weg und das merkt man dann gut an der allgemeinen gedrückten Stimmung. Sich etwas „gönnen“ ist schwierig in diesen Zeiten. Und langsam hängt es jedem an.

Die Impfung ist ja eigentlich ein Lichtblick, aber …. immer noch zu weit weg. Immer noch zu viele Unsicherheiten. Und jetzt schon unmögliche und unnötige Diskussionen von wegen „Impfzwang“ und „Impfen ist gefährlich“.

Und was machen wir währenddessen? Weiterschwimmen … äh, arbeiten.

Ich summe jetzt Dories „einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen ….“ und mach weiter. Gibt ja nichts anderes.

Test, Test, Test … Covid-Test in der Apotheke?

Seit dem 2. November dürfen die Apotheken Covid-Tests machen in der Schweiz. Wir sind eine Apotheke … aber machen wir das? Aktuell nein.

Der Apothekerverband hatte die Testmöglichkeiten schon länger im Visier und arbeitete darauf hin. Allerdings (und das ist hier etwas verwirrend) erst mal für die Antikörpertests auf Covid – also den Nachweis einer vergangenen Infektion. Die Haltung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) gegenüber den Antikörpertests ist, dass diese derzeit aufgrund der begrenzten Aussagekraft zur Immunität nicht empfohlen, sind. In der Bevölkerung besteht jedoch ein Interesse und von Seiten der Behörden könnte es sein, dass das Interessant wird, sobald ein Impfstoff verfügbar ist. In 4 Apotheken wurde die geplante Dienstleistung getestet – und sie entspricht den Qualitätsanforderungen und kann im Rahmen der geltenden Gesetze durchgeführt werden. Das gibt es immer noch (in den Pilotapotheken dafür), weitere werden in Zukunft folgen.

Aber was am 2. November von der BAG „freigegeben“ wurde sind die Antigentests auf Covid. Das kam eher kurzfristig. Die Antigen-Schnelltests für den direkten Nachweis von akuten Infektionen mit Sars-CoV-2 reagieren qualitativ auf spezifische Virusproteine und liefern normalerweise innert 30 Minuten ein Ergebnis. Dafür wird ähnlich wie beim PCR-Test ein Abstrich an der hinteren Nasenwand genommen. Die Sensitivität/Spezifität ist allerdings tiefer als beim PCR-Test. Der Vorteil der Antigen-Schnelltests gegenüber den PCR-Tests ist neben der Nachweisgeschwindigkeit der tiefere Preis und die Unabhängigkeit von teuren Laborgeräten. Grundsätzlich wäre eine Durchführung solcher Tests in Apotheken eine ideale Möglichkeit zur Ausweitung der Testkapazitäten und Entlastung von Spitälern, Arztpraxen und Testcentern … die Durchführung musste bisher aber in einem mikrobiologischen Labor mit einer Bewilligung von Swissmedic erfolgen. Eben das hat die BAG jetzt für die Apotheken aufgehoben.

Das hat dann (1-2 Wochen vorher) eine Reihe von Aktivitäten zur Organisation ausgelöst, dazu gehören Koordination mit Softwareanbietern und BAG wegen Meldesystem, Koordination wegen Bevorratung mit Test-Kits, Erarbeiten von Musterdokumenten (angepasstes Schutzkonzept, Prozessdokumente, Triagefragebogen), Organisation von Weiterbildung für die praktische Schulung des Nasen-Rachen-Abstrichs, Abklärungen bezüglich Rahmenbedingungen inklusive Abgeltung …

Dadurch wussten wir dann bald, wann die Schnelltests empfohlen sind / gemacht werden:

Personen mit Symptomen, die folgende Kriterien erfüllen

  • Symptombeginn vor weniger als 4 Tagen (Test möglichst rasch nach Symptombeginn)
  • UND: Nicht zu den besonders gefährdeten Personen gehörend
  • UND: Nicht im Gesundheitswesen mit direktem Patientenkontakt arbeitend
  • UND: Ambulante Behandlung

Personen ohne Symptome, die potentiell SARS-CoV-2 ausgesetzt waren:

  • Meldung einer Begegnung mit einem COVID-19 Fall durch die SwissCovid App. Ein einziger Test sollte frühestens ab dem 5. Tag nach Kontakt erfolgen ODER
  • Im Rahmen einer Ausbruchsuntersuchung und -kontrolle (ärztlich angeordnet)

Ein negatives Testergebnis bei symptomlosen Personen hat keine Auswirkung auf die Dauer der Quarantäne (!)

Dann kamen nach und nach die Gesundheitsdienste der Kantone, die vorgaben, was die Bedingungen für die Apotheke sind, damit man die Tests machen darf. Denn: Ich muss nicht nur mich selber als testende Person schützen (mit Schutzausrüstung wie Einmal-Anzug, Handschuhen, FFP-Maske, Brille und ev. Gesichtsvisier) sondern auch die Patienten, die normal in die Apotheke kommen. Man sollte hier im Hinterkopf behalten, dass diejenigen die wir testen sollen wahrscheinlich Covid haben. Das bedeutet, dass man sie beim warten und testen von den anderen Patienten (in der Apotheke viele Risikopatienten) trennt. Dafür braucht es einen zweiten Eingang zur Apotheke (nur für das) und ein Testraum, der nach jedem Patient gut desinfiziert werden kann. Und einen ausgebildeten Apotheker (oder auch Pharmaassistentin unter Aufsicht), die während der Testzeit dann nicht für etwas anderes (wie Rezeptkontrolle) gebraucht werden können. Multitasking geht da nicht.

So – daran scheitert es bei uns. Zu wenig Personal und kein zweiter Eingang. Darum machen wir das nicht, auch wenn das Interesse der Bevölkerung sicher vorhanden ist. Noch etwas hält mich davon ab das anders zu organisieren (zum Beispiel mit einem Raum ausserhalb der Apotheke und der Organisation von zusätzlichem Personal): die Abgeltung der Tests. In der Apotheke (wie auch beim Arzt etc.) muss abgeklärt werden, ob der Patient unter die vorgegebenen Kriterien fällt (dann ist der Test für sie gratis, ansonsten müssen sie zahlen), dann der Test durchgeführt und der Patient über das Ergebnis orientiert. Dafür bekommen wir CHF 57.50. Der Arzt bekommt dafür übrigens etwa 82 Franken, denn er darf zusätzlich noch ein Beratungshonorar (nach Tarmed) verlangen. Offenbar ist das BAG der Meinung, dass wir Apotheker den Patienten wohl das Ergebnis des Tests mitteilen können, aber ihnen nicht sagen, was das jetzt genau bedeutet für sie, respektive, was sie zu tun haben damit. Das Beratungsgespräch zum Test ist also in Apotheken faktisch gratis. Und das weiss ich auch ohne selber zu testen: das gibt IMMER Diskussionen und Beratungsbedarf.

Wer wissen will, welche Apotheken die Antigentests auf Covid durchführen, findet die Liste hier auf der Seite Ihre-Apotheke.ch

Um die ganze Sache noch etwas zu verkomplizieren gibt es noch eine weitere Art Test, die Von Reiseveranstaltern angeboten werden. Sie geben den Kunden Testkits mit nach Hause, nach denen sie den Nasenabstrich selber machen und das Teststäbchen an ein Labor einschicken, welches dann nach etwa 12-24 Stunden das Ergebnis mitteilt. Das ist dann wieder ein PCR-Test (wie in den offiziellen Testzentren), allerdings finde ich die Aussagekraft hier trotzdem extrem fragwürdig: eigentlich sollten bei diesen Tests die Probeentnahme durch medizinisch geschultes Personal erfolgen (wie Ärzte oder ausgebildete Apotheker etc.) und nicht durch Laien. Es ist dann auch fraglich, ob das im Zielland als gültiger Test anerkannt wird. Bezahlen muss man den als Patient komplett selber (mit einem Preis um die 160 Franken).

Leben in der Welle

Es hat sich angezeichnet, jetzt ist sie da, die zweite Corona-Welle. Und sie wird grösser (und übler) als die erste. In der Apotheke merken wir das schon seit ein paar Wochen. Die Erkältungskrankheiten (und Beschwerden) kommen wieder. Das bedeutet, dass sich die Leute wieder anstecken. Es war lange ruhig in die Richtung, ein Nebeneffekt der (konsequent) angewendeten Massnahmen zur Vorbeugung von Covid-19. Nach den Sommerferien fingen die Leute offenbar an nachzulassen. Vielleicht haben es ein paar auch mitgebracht von den Ferien? Ansteckungen erfolgten dann wohl vor allem zu Hause im Familien- und Freundeskreis. Und in der Schule oder am Arbeitsplatz gab man es dann weiter. Undsoweiterundsofort.

Was die Apotheke als Arbeitsplatz angeht – da fühle ich mich sicher. Unser Schutzkonzept verhält – wir stecken uns nicht an den Kunden an und umgekehrt sie sich nicht an uns. Wir haben immer noch die Plexiglasscheiben vor den Kassen. Wir tragen Hygienemasken (ausser beim Essen und Trinken) rund um die Uhr. Wir halten Abstand in den Pausen und es dürfen nicht mehr als 2 im Pausenraum sein. Wir waschen die Hände und desinfizieren die Oberflächen (fast stündlich). Dennoch hatten wir in den letzten Wochen Ausfälle … Mitarbeiter mit Symptomen, die wir testen geschickt haben. Lehrlinge, die vom Kantonsarzt in die Quarantäne geschickt wurden, da ein Mitschüler positiv getestet wurde (und sie zusammen Mittag gemacht haben ohne Maske). Aber wir hatten Glück – kein einziger positiv-Fall bei uns.

Wenn ich es bekomme, dann auch via Familie. Entweder bringt es mein Kuschelbär aus seiner Werkstatt (bisher hat er noch ohne Maske gearbeitet) oder Junior aus der Schule. Dort haben sie zwar auch ein Sicherheitskonzept, doch das ist (bei Kindern sowieso) notgedrungen löchrig. Im Klassenzimmer sitzen sie ohne Masken recht nahe nebeneinander. Oder sassen. Das ändert jetzt.

Die (stetigen) Nachrichten aus der Schule mit Corona-Updates und Informationen machen immer weniger Freude:

In der Klasse Ihres Kindes wurde ein Schüler positiv auf COVID-19 getestet. Auf Anordnung des kantonsärztlichen Dienstes befindet er sich in Isolation und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. In Absprache mit dem kantonsärztlichen Dienst besteht aktuell kein weiterer Handlungsbedarf. Für Ihr Kind bedeutet das, dass es wie gewohnt zur Schule kommt.

Keine Info wer, aber das ist durchgesickert, ebenso wie die Info, dass das Kind wegen Beschwerden testen gegangen ist … und der Kantonsarzt es nach dem testen und vor dem Ergebnis in die Schule geschickt hat. (Entspricht definitiv nicht den vorgeschriebenen Massnahmen).

Daraufhin ist der Eltern-Whatsapp-Chat kurz explodiert mit „Weshalb hat man ihn nicht zu Hause behalten?“ „Weshalb werden die anderen Mitschüler jetzt nicht alle auch getestet?“ Und (fast natürlich) mit der Covid-Zweifelnden Mutter, die erklärte: „Notabene, Der PCR Test kann MAXIMAL eine Sequenz eines Erregers feststellen, aber NICHT dass der Erreger sich im Menschlichen Körper vermehrt !!! Somit sind die angeblich positiv infizierten, lediglich Test positive Personen ! Daher verstehe ich den ganzen Wahnsinn nicht.

Kann ich natürlich so nicht stehen lassen, darum hab ich’s ihr – und dem Rest der Gruppe – gerne erklärt. Damit man die Sequenz feststellen kann, braucht es eine gewisse Menge, und das bedeutet, dass sich das Virus stark vermehrt hat. Und da man (aktuell) nur testet, wenn man schon Symptome hat … ja, dann ist man krank. Dass von den positiv getesteten etwa 5% im Spital landen und von denen 20% auf die Intensivstation und 50% davon intubiert werden müssen (und davon etwa die Hälfte dann stirbt). Dass wir von den langfristigen Schäden (eventuell auch leichter Covid-Infektionen) immer noch nur wenig wissen. Wen es interessiert, wie man so Falschaussagen und auch Pseudo-Fragen beantworten kann, der findet hier eine gute Übersicht: https://www.facebook.com/psHolstein/posts/2964634043637072

Die Reaktion darauf war (natürlich): „Jeder nimmt die Tatsachen so wahr wie er möchte und bildet sich die eigene Meinung dazu, deshalb ist jede Diskussion darüber überflüssig.“

In der Zwischenzeit kamen nach dem Wochenende erst 3, dann 4 Kinder nicht in die Klasse, ob wegen Symptomen oder vorsichtigen Eltern ist natürlich nicht bekannt. Meiner ging (inzwischen tragen sie auch im Klassenzimmer Masken) … bis er am Mittwoch abend Halsschmerzen bekam und dezent Temperatur (37.8°C) . Da das am Donnerstag nicht weg war, ist Kuschelbär mit ihm testen gegangen.

Ebenfalls Donnerstag (abends) kam dann diese Nachricht: „Aufgrund eines zweiten positiven Corona-Falles in der Klasse Ihres Kindes hat der kantonsärztliche Dienst verfügt, dass sich alle Schülerinnen und Schüler bis und mit Montag in Quarantäne begeben müssen. Ihr Kind darf während dieser Zeit die Wohnung/das Haus nicht verlassen! Dies gilt auch für das Wochenende. Versuchen Sie auch innerhalb der Familie, den direkten Kontakt zu vermeiden. Morgen Freitag und am Montag findet Fernunterricht statt. (Lehrer) informiert die Schülerinnen und Schüler darüber. Sollte Ihr Kind in den kommenden Tagen Symptome entwickeln (krank werden), nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit einem Arzt (Kinderarzt oder Hausarzt) auf und informieren sie (Lehrer) entsprechend.“

Alles klar. Als Eltern der betroffenen Kinder, darf man trotzdem weiterarbeiten. Allerdings verzichte ich lieber darauf meinen 80 jährigen Papa im Spital zu besuchen, in das er wegen einem Unfall zu Hause am Dienstag gekommen ist. Oder meine Mama, die jetzt alleine zu Hause ist :-(

Donnerstag morgen war hart. Ich war in der Apotheke arbeiten, Junior mit Kuschelbär am Test machen und mein Papa im Spital, frisch operiert und unwillig zu bleiben. Daneben vorbereiten, was ich mache, wenn Junior positiv getestet wird – dann darf ich nämlich auch nicht mehr arbeiten. Und so üppig sind wir nicht besetzt in der Apotheke, dass man einen 10 Tages-Ausfall mal eben so easy kompensiert. Mir ist schon klar, dass das wohl kommt … es ist dasselbe Problem wie im Spital mit dem Pflegepersonal. Und dann … was, wenn mein Mann das bekommt? Er ist etwas älter als ich, nimmt Blutdruckmedikamente und könnte ein paar Kilo weniger wiegen. Er ist gefährdeter … und ich muss ihn schicken um Junior testen zu lassen.

Am Freitag morgen die Entwarnung: Junior ist negativ getestet worden. Puh!

Ich durfte Freitag und Samstag arbeiten. Aktuell hat Junior Schule via Computer. Mal sehen, wie es morgen aussieht.

Covid-kommt definitiv näher, nein – es ist da. Gibt es hier überhaupt noch jemanden, der nicht jemanden kennt, der es hat oder hatte? Und wie? Seid froh und dankbar, wenn es nur leichte Beschwerden sind. Ich bin es für jeden und ich will es trotzdem (auch leicht) nicht bekommen.