Das Maskentheater

Emotional war die letzte Woche ein einziges auf- und ab. Endlich sind die lange vorbestellten Masken eingetroffen. Die Preise … sind so, wie sie jetzt sind. Ich darf gar nicht dran denken, dass die 50er Packung Pandemiemaske vor dem ganzen Coronavirustheater unter 10 Franken gekostet hat im Verkauf. Jetzt … bekomme ich sie für das 5 fache angeboten und ich muss zu dem Preis einkaufen, denn günstiger sind sie nirgends mehr erhältlich.

Das Problem ist hausgemacht. Anscheinend hatte es in der Schweiz Masken an Lager – nur wurden einerseits letztes Jahr eine Menge entsorgt, die abgelaufen waren (blöder Zeitpunkt, aber hinterher ist man ja immer klüger) und dann gab es noch die Firmen, die Anfang Jahr Millionen Masken an China verkauft haben. Es ist mir schon klar, dass die das dort brauchten – aber wir hier auch (und das war da schon absehbar). Da hat jemand das schnelle Geld gewittert und die Lage ausgenützt. Jetzt kaufen wir wieder von China ein – wahrscheinlich zu einem höheren Preis. Hergestellt wurden hier keine mehr -das war vorher zu teuer.

Unsere Masken kamen am Dienstag mit der Swiss aus Shanghai. Das Paket war Teil einer Grosslieferung und hat ziemlich gedauert. Aber wir haben sie bekommen – damit stehen wir besser da als manch andere – in den Zeiten sind leider auch Betrüger unterwegs. Damit haben wir Masken nicht nur für den Eigenbedarf (unsere Arbeit in der Apotheke), sondern auch für die Kunden. Wir haben jetzt Hygienemasken (eigentlich Chirurgenmasken, Typ IIR), FFP1 und FFP2 ohne Filter. Die letzten beiden haben wir in kleinere Einheiten abgepackt und verkaufen sie zu 2 und 10 Stück. Freude herrscht!

Nur einen Tag später kam die Nachricht vom Bundesamt für Gesundheit, dass sie nun Masken eingekauft haben und sie in der Schweiz sind. Toll! Und dass die ab Montag an die „führenden“ Detailhändler/Grossverteiler wie Migros, Coop etc. zum Weiterverkauf an die Bevölkerung gehen. Umm – Was?!? Weitere Details machten die Sache nicht besser: eine Million Masken lässt das BAG via Armee an die Grossverteiler täglich ausliefern, damit die das zum Ankaufspreis weiterverkaufen können.

Das ist ein Schlag vor den Kopf der Apotheken (und Drogerien) in der Schweiz, die die Masken nicht bekommen – wir brauchen sie als Gesundheitspersonal für die Umsetzung unserer Schutzkonzepte in der Apotheke und versuchen seit langem über verschiedene Wege an Masken dafür zu kommen. Beim BAG haben die Apotheken auch angefragt, da wurden wir abgeschmettert mit dem Verweis, dass wir als „Detailhändler“ im Gesundheitswesen bei einer Versorgung mit Masken weiter unten stehen als zum Beispiel ein Pfleger oder Arzt im Spital. Aber jetzt werden die Masken für die Bevölkerung an die „führenden Detailhändler“ verteilt …. und dazu gehören die Apotheken dann offenbar auch wieder nicht? Über 2‘200 Standorten, die alle BAG-Vorgaben punkto Abstands- und Hygieneregeln erfüllen, Hauslieferungen an Risikopatienten, 2 mal tägliche Lieferungen von unseren Grossisten, nur angestellte Gesundheitsfachpersonen, die auch punkto „richtige Maske“ und „richtige Anwendung“ beraten können … aber hier werden wir ignoriert?

Dazu kommt noch die Art der Kommunikation, dass die Masken „zum Ankaufspreis“ weitergegeben werden – als ob wir in der jetzigen Situation hier gross etwas draufschlagen. Dass die Masken im Coop/Migros trotzdem teilweise (etwas) unter dem liegen, was wir in der Apotheke für unsere (mühsam selber beschafften) Masken verlangen …. kommt logischerweise schlecht an. Nicht nur bei den Apotheken.

Am selben Tag kam auch die Nachricht, dass bei Aldi (einen weiteren Detailhändler) die Masken eingetroffen sind, die sie (selber) Anfangs Epidemie aus China bestellt haben. Sie würden sie ab sofort verkaufen. Mir scheint die sind jetzt alle mit denselben Flugzeugen angekommen … Mich würde noch interessieren, wie es um die Qualität dieser Masken im Aldi aussieht. Ist das eine Typ I oder Typ II? CE-Zertifiziert?

Ganz typische Begebenheit hatte meine eine Apothekerin, die im Aldi eingekauft hat und in der Schlange hinter einer Kundin stand, die ein Paket Masken kaufte und dazu meinte: „Letzte Woche wurde ich in der Apotheke beim Maske kaufen abgezockt!“

Na Danke.

P.S. Nach schweizweiten Protesten bekommen die Apotheken jetzt doch einen Teil der Masken für den Eigenbedarf zugeteilt. Wir dürfen sie auch zum Ankaufspreis einkaufen …

Danke.

Plaquenil gegen die Pandemie?

Wie man einen Patienten mit dem neuen Coronavirus am besten behandelt ist noch bei weitem nicht klar. Als virale Infektion lässt es sich sehr schlecht direkt angehen (uns fehlen einfach die Mittel), momentan behandelt man vor allem die Symptome und vielleicht noch die Überinfektion mit Bakterien. Experimentell versucht man es mit schon bekannten antiviralen Mitteln, die gegen andere Viren und Erkrankungen eingesetzt werden. Sehr in den Medien ist aktuell Choroquin und Hydroxychoroqin.

Chloroquin ist ein entzündungshemmender, immunmodulierender, antiparasitärer und antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der Malariamittel. Er wird für die Vorbeugung und Behandlung der Malaria, bei einem Lupus erythematodes und bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. (Quelle Pharmawiki). 1953 in der Schweiz zugelassen wurde das letzte im Handel erhältliche Mittel (Nivaquine) letztes Jahr (2019) ausser Handel genommen. Es gab neuere und „bessere“ Mittel für die Anwendungen und zu wenig Nachfrage.

Hydroxychloroquin ist ein eng verwandter Wirkstoff für die selben Anwendungen und noch im Handel (Plaquenil). Während es in hohen Dosen weniger toxisch ist, hat es neben denselben Nebenwirkungen (Übelkeit, Bauchschmerzen, Hautreaktionen) zusätzlich noch negative Auswirkungen auf das Herz. Ausserdem bestehen diverse Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (Cortison, Methotrexat, Antibiotika etc.)

Beide Wirkstoffe werden aktuell untersucht, ob sie für die Behandlung beim neuen Coronavirus eingesetzt werden können. Obwohl sie in vitro (das heisst: im Reagenzglas) antivirale Wirkung zeigen – unter andererm auch gegen das alte SARS-Covid, lässt sich das nicht automatisch als geeignete Virenbehandlung am Patienten übersetzen. Studien am Mensch sind praktisch nicht vorhanden. Trotzdem hat die FDA – die amerikanische Arzneimittelbehörde – die Medikamente zum Einsatz in Notfällen (im Spital) bei Covid-19 freigegeben. Das vor allem, weil es kaum Alternativen zur Behandlung gibt. Trumps fragwürdige Aussage, das Medikament sei ein „Game Changer“ hat zusätzlich dazu beigetragen, dass die Nachfrage danach weltweit ansteigt.

Das zeigte schon diverse Auswirkungen.

In den USA haben sich einige Menschen selber vergiftet und sind gestorben, nachdem sie das Chloroquin, das auch (frei verkäuflich) zur Behandlung von Parasiten im Aquarium eingesetzt wird, getrunken haben. (Ich schrieb ja, das Zeug ist toxisch?)

Die beiden Wirkstoffe werden vor allem in Indien produziert. Die hätten die Kapazitäten die Welt damit zu versorgen (vorausgesetzt, die Firmen liegen wegen dem Virus nicht flach), aktuell ist die Nachfrage aber so hoch, dass sie nicht nachkommen. Deshalb hat Indien die Ausfuhr eingeschränkt um erst mal den eigenen Markt zu bedienen. Und deshalb haben jetzt auch Firmen, die vorher wegen Qualitätsmangeln geschlossen wurden die Erlaubnis bekommen, das zu produzieren.

Die Nachfrage nach dem zugelassenen Medikament, Plaquenil stieg auch in der Schweiz an. In der Apotheke bekamen wir bald telefonische Anfragen, ob wir das an Lager haben. Wir haben. Aber: das was ich habe, brauche ich für die Behandlung unserer Rheuma-Patienten … und nicht für den fragwürdigen Einsatz an wahrscheinlich noch-nicht-mal-Patienten, die das einfach haben wollen für sich, weil es vielleicht funktioniert beim Coronavirus. Diese „Vorsorger“ liessen sich auch durch den Hinweis, dass das rezeptpflichtig ist nicht abhalten. Ausser neu ausgestellten Rezepten von Ärzten nicht aus der Umgebung oder aus dem Ausland sahen wir hier sogar gefälschte Rezepte dafür.

Auch wenn wir das Plaquenil tatsächlich für unsere Rheuma-Patienten zurückbehalten haben – es gibt sicher genug Apotheken, die diese Rezepte beliefert haben. Deshalb haben wir jetzt alle diese Vorgaben bekommen: Apotheker und Ärzte dürfen Plaquenil nur im Rahmen der zugelassenen Indikationen verschreiben und abgeben. Das heisst für Patienten mit Lupus erythematodes, chronischer Polyarthritis oder Photodermatose. Und ich kann nur noch Bestellen, wenn ich ein spezielles Formular beilege, auf dem ich das oben schriftlich bestätige. Pro Patient / Packung ein Formular.

Daneben sind Studien im Gange, die die Anwendung der Wirkstoffe beim Covid-19 untersuchen. Es sieht nicht wirklich gut aus. In den nötigen hohen Dosen kommt es zu Nebenwirkungen – und eine der Studien wurde wegen erhöhter Sterblichkeit wegen Herzproblemen jetzt eingestellt.

Maskierte Apothekenpreise?

Das mit den Masken … es mehren sich in der Apotheke wieder die Anfragen danach – aktuell grad mit viel Unverständnis, wenn wir sagen müssen, dass wir (immer noch) keine haben – ausser für uns beim Arbeiten zum gegenseitigen Schutz und Schutz der einkaufenden Patienten. Die Leute wollen welche – da kommen inzwischen auch Aussagen wie „egal was es kostet“. Ich verstehe, dass Masken gesucht sind … vor allem, wenn man mitbekommt, dass andere Länder eine Maskentragepflicht einführen und bei uns halblaut darüber nachgedacht wird, vor allem im Zusammenhang mit einem Ausstieg aus dem aktuellen Lockdown.

Während wir in meiner Apotheke immer noch die Masken auftragen, die von der Schweinegrippe-Pandemie von den Personalausrüstung übriggeblieben sind (abgelaufen, aber gehen noch), ist es immer noch sehr schwierig an Masken zu kommen. Was auf den Markt kommt, landet (vernünftigerweise) in den Spitälern zuerst. Masken werden inzwischen in China abgefangen (und offenbar an den meistbietenden verkauft). Masken werden an den Grenzen aufgehalten und von manchen Ländern praktisch anekdiert. Dafür sieht man im Fernsehen, wie Masken jetzt auch in der Schweiz produziert werden – allerdings in Mengen, die den Bedarf noch bei weitem nicht decken. Inzwischen könnte ich theoretisch Masken bekommen – zumindest bekommen wir in der Apotheke regelmässig Angebote welche zu kaufen. Die haben alle Gemeinsamkeiten:

  • ich muss sie direkt bestellen (sie liefern nicht via Grossisten)
  • die Vertriebsfirma hat vorher meist keine Masken angeboten (oder hergestellt), macht das aber jetzt.
  • die Einkaufspreise sind hoch* – und ich muss eine Mindeststückzahl nehmen
  • die Qualität der Masken lässt sich nicht nachprüfen. Sie versprechen zwar alle Qualitätsware, aber so ein CE-Aufdruck und frisch hergestellt in China? … hmmm? Oder neu aus der Schweiz ohne Tests?
  • Lieferbarkeit in „wenigen Tagen bis Wochen“

*Zum hohen Preis: Vor der Pandemie habe ich Hygienemasken eingekauft in ganzen Packungen zu 50 Stück je mit einem Verkaufspreis von um die 25 Franken. Packungsweise.

Jetzt kann ich die Hygienemasken einkaufen zu einem Einkaufspreis von mindestens 0.99 Franken (bis 1.50 Franken) pro Stück (!) mit Mindesteinkaufsmengen von 1000 Stück. Je mehr man nimmt, desto günstiger wird es. Das heisst aber, dass ich im Einkauf schon für so eine 50er Packung etwa 50 Franken zahle und davon gleich 20 Stück nehmen muss und da kommt vielleicht noch Porto und Handling dazu.

Das sind im übrigen nur die Hygienemasken – diejenigen, die nicht den Träger schützen, sondern die Umwelt. FFP2 Masken fangen inzwischen bei einem Stückpreis von etwa 8 Franken an. Im Einkauf.

So die Frage an alle, die jetzt Masken verlangen in der Apotheke „egal zu welchem Preis“: Seid ihr bereit, für die Maske (Qualität unbekannt) pro Stück einen Preis von mindestens 1.00 zu zahlen – und wieviel nehmt ihr davon? Pro Tag braucht ihr (mindestens) 2.

Ich höre jetzt schon dieselben Leute schreien, dass wir „Apothekenpreise“ hätten und uns an der Pandemie bereichern wollen.

(In dem Zusammenhang muss ich an die Pressemeldung letztens denken, nach der SVP Nationalrätin Martullo-Blocher aus China Masken einfliegen lies – für die Coiffeure, damit die wieder aufmachen können. Ganz so altruistisch ist das jedoch nicht … die Masken werden den Coiffeuren auch verkauft werden. Stückweise. VP etwa 0.9 Franken)

Oder dann doch lieber eine Stoffmaske (selbstgenäht), die ähnlichen Fremdschutz aufweist und waschbar ist?

Also: vorläufig haben wir immer noch keine Masken zum verkaufen. Dafür gibt es inzwischen Desinfektionsmittel wieder (genug?) und auch Handschuhe bekommen wir gelegentlich wieder – allerdings nicht alle Grössen.

Testen auf Covid-19

Das waren etwas seltsame Ostern.

Mittwoch mittag fing es an mit Müdigkeit, leichten Kopfschmerzen (nicht der üblichen Migräne) und Gliederschmerzen. Ich ging schlafen in der Hoffnung, dass es morgens besser sein würde. Das war es nicht. Also nahm ich eine Kopfschmerztablette und ging arbeiten – die üblichen Sicherheitsmassnahmen, die wir in der Apotheke implementiert haben, schützen ja auch die Mitarbeiter untereinander. Während der Arbeit fühlte ich mich schlapp, hatte abwechselnd Schweissausbrüche oder Kältegefühl und war sehr froh, dass ich wegen Karfreitag früher abgelöst wurde.

Zu Hause legte ich mich ins Bett im Gästezimmer und sagte Mann und Kind, dass sie mich besser einfach komplett in Ruhe lassen sollen und Abstand halten. Ich hatte kein Husten oder Schnupfen nur gelegentlich etwas Halsschmerzen, die zeitweise in die Ohren „hochzogen“. Donnerstag und den ganzen Freitag verbrachte ich im Bett liegend – ich fühlte mich wie von einer Dampfwalze überfahren, aber ausser dem intensiven Krankheitsgefühl hatte ich kein messbares Fieber. 37,4 Grad zeigt das Quecksilbethermometer (alle anderen 3 digitalen war die Batterie ausgegangen …). Ich hatte kein Hunger, aber zwang mich zu essen (der Kuschelbär brachte es aufs Zimmer) – und schwor, dass wenn das Samstag immer noch so ist, ich mich testen gehen würde auf das Coronavirus. Ich meine: was mag das sein, was mich da praktisch niedergestreckt hat? Gegen die Grippe bin ich geimpft, FSME ist etwas früh (und bin ich auch geimpft) und „nur erschöpft“ wie meine Mutter meinte … das hier fühlte sich sehr anders an.

Samstag morgen ging es mir etwas besser, gut genug mich zum Testzenter zu begeben. Ich muss auch wissen, ob ich am Dienstag wieder in die Apotheke würde gehen können – oder ob ich mich weiter isolieren sollte. Mein Mann brachte mich hin, im Auto, ich ausgerüstet mit Maske, Krankenkassenkarte und einer Bescheinigung, dass ich in der Apotheke arbeite.

Im Testzenter bekam ich erst mal eine neue Maske (die wohl weniger schützte als diejenige, die ich anhatte, aber – Procedere) und viel Händedesinfektionsmittel.

Dann wurde meine Krankenkassenkarte eingelesen, meine Natelnummer abgefragt und ein Test-SMS darauf gesendet wurde.

Dann bekam ich einen Fragebogen mit dem die restlichen Daten aufgenommen wurden: Welche Symptome? Welche anderen Krankheiten? Beruf? Kontakt mit möglicherweise Infizierten?

Weiter ging es zum Fiebermessen im Ohr. 37.4 Grad (immer noch)

Dann zum Arzt, der nochmal alles abfragte, bestätigte, dass ich getestet werde und mich darauf hinwies, dass der Test ein falsch negatives Resultat von bis zu 30% anzeigen könnte. Das Testresultat würde ich per SMS bekommen, wenn negativ oder als Telefonanruf wenn positiv, ich solle das Telefon immer griffbereit halten.

Dann wurde mir mit einem langen Wattestäbchen ein Rachenabstrich gemacht (durch den Mund – ich habe gehört, dass das an manchen Orten via Nase gemacht wird).

Schliesslich wurde ich entlassen, nachdem ich die Unterlagen wieder abgeben durfte (und den Stift, der desinfiziert werden würde) und die Blätter mit den Verhaltensempfehlungen zu Selbst-Quarantäne und Selbstisolation bekommen habe.

Alles in allem sehr unspektakulär und effizient. Ich war nach 20 Minuten wieder draussen – zugegebenermassen waren ausser mir und vielen die dort arbeiteten kaum jemand da.

Zu Hause legte ich mich gleich wieder ins Bett im Gästezimmer. Selbst das bisschen war anstrengend. Und dann wartete ich auf das Testergebnis.

Das kam nachts um 2 Uhr. Per SMS: (das ist an sich schon die Antwort)

Also Negativ. Puh. Das bedeutet, ich kann wieder arbeiten am Dienstag, wenn das weiter so besser wird. Und ich kann aus der Isolation raus. Damit habe ich noch gewartet bis Sonntag morgen, aber seitdem essen wir auch wieder zusammen.

Jetzt bin ich wieder fit genug, nicht nur zum schreiben, sondern auch zum arbeiten morgen. Aber ich frage mich schon, was das jetzt war. Vorsicht ist natürlich weiterhin geboten – wie gesagt, kann der Test auch falsch-negativ sein.

Homeschooling? Geht doch

Die Schule ist geschlossen. Alle Kinder sind zu Hause und machen Homeschooling. Und es geht – irgendwie. Einfach ist anders … für uns ist das ein ausgewachsenes Organisationsproblem. Sowohl ich (als Apothekerin) als auch mein Mann (als selbständiger Mechaniker) arbeiten weiter, da „systemrelevant“.

Ich gebe zu, ich habe mir das mit dem Homeschooling früher schon überlegt, da ich gesehen habe, wie Junior in der Schule kämpft (mit POS, was einfach die „schweizer“ Diagnose für ADHS ist). Er hatte jegliche Hilfe von aussen, wirklich besser wurde es tatsächlich mit Methylphenydat, nur war dann das Problem, dass sie trotz Kleinklasse mit unerfahrenen Lehrern (sorry) den nötigen Stoff einfach nicht durchbekommen haben. So kam er im letzten Herbst in die Sekundarstufe – und zwar in eine Regelklasse – und hatte von Anfang an viel aufzuholen. Dafür sind die Lehrer jetzt von gut bis super. Das Homeschooling in der Primar musste ich verwerfen, denn: wer hätte das machen sollen? Technisch gesehen hätte ich das machen können (meinem Mann fehlen tatsächlich einige schulische Grundlagen), aber die Familie ist vor allem von meinem Einkommen abhängig. Mein Mann ist selbständig und arbeitet alleine, seine Werkstatt (die er geerbt/übernommen hat) wirft grad genug ab, damit eine Person davon leben kann, müsste er Miete zahlen, sähe es auch damit nicht so gut aus. Dafür habe ich den Handwerker und den Hausmann – er macht wirklich, was er kann. Schule gehört dazu aber weniger, vor allem weil Junior doch noch ziemlich Hilfe braucht/e.

Homeschooling haben wir jetzt seit 2 Wochen. Die erste Woche nach den Ferien war noch normal Schule im Schulhaus mit allen Schülern – minus diejenigen, die in Quarantäne sassen. da Rückkehrer aus einem Hochrisikogebiet. Damit sich nicht alle auf dem Pausenhof trafen, haben sie die Anfangszeiten und Pausen gestaffelt. Kontaktsport (und auch sonst berühren) war verboten, Händewasch- und Hygienelektionen wurden gemacht (ihr kennt den Drill). Dann kam der Notstand. Nix mehr Schule gehen, bis …unbestimmt?

Bei uns wurde das ziemlich pragmatisch gelöst. Da etwas absehbar, wurde den Schülern der Umgang mit dem Programm „Teams“ beigebracht, das jetzt auch für den Schulunterricht benutzt wird. Daneben gibt es einen Whatsapp Chat der Klasse mit dem Lehrer, des Lehrers mit den einzelnen Schülern und des Lehrers mit den Eltern als Gruppe. Wir haben einen neuen (vereinfachten) Stundenplan bekommen – nur noch 2 verschiedene Lektionen am Morgen und 1-2 am Mittag. Sie müssen morgens am Computer sein (es wurde erst eine Umfrage erstellt ob jeder einen hat – und auch Drucker/Scanner etc.) – dann bekommen sie im Teams Aufgaben zugeschickt, die sie zu lösen haben und dann wieder zurückschicken müssen. Teils müssen sie Sachen ausdrucken, dort drauf schreiben oder zeichnen und das wieder einscannen oder Fotografieren und zurückschicken. Anderes können sie direkt in der Datei bearbeiten oder sie müssen ein Word-Dokument schreiben. Das funktioniert … nach kleineren technischen Anfangsschwierigkeiten.

Beispiel: Erster Tag mittags, ich in der Apotheke am arbeiten, Kuschelbär sollte eigentlich zu Hause sein, da bekomme ich reihenweise Whatsapp-Nachrichten, weil Junior erstmalig etwas ausdrucken muss. Wie? Wo? Und wo ist das Papier? Es hat keines mehr. Hilfe? Hilfeeee! Es hatte natürlich schon noch. Nur dass dann die Druckpatrone anfing zu vermelden, dass sie bald leer sei … und wo finde ich jetzt rasch eine, wenn alle Läden geschlossen sind?

Das funktioniert jetzt vor allem deshalb, weil Junior das doch recht selbständig machen kann (ich bin so stolz auf ihn!). Trotzdem muss das von zu Hause aus gehen – wenn er dann mal ins Tagi muss (das bei uns noch offen ist für Fälle wie unseren, wo beide arbeiten müssen), klappt das nicht mehr, da er – auch wenn er den Computer mitnimmt – dort keinen Drucker hat und auch nicht ins WLAN darf, dafür muss er via Hotspot mit dem Smartphone eine Verbindung einrichten. Auch deshalb versuchen wir, dass er das möglichst nicht muss. Das bedeutet, entweder arbeite ich oder ich bin zu Hause und schaue, dass das mit Junior funktioniert – und er nicht zu viel für Spiele am Compi sitzt. So wirklich Zeit für mich hatte ich in den letzten Wochen nicht – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Ich bin sicher, es kämpfen auch andere mit ähnlichen Problemen. Ich meine … auch der Lehrer ist Vater und hat zu Hause kleinere Kinder und muss daneben den Stoff vorbereiten und Sachen kontrollieren von unseren. Auch er arbeitet mit dem was er hat und wie er kann. Was er wohl von der Anfrage im Elternchat gestern hielt nach der Wochenrückmeldung und den neusten Nachrichten der Behörden zur Schule?:

Ich hätte eine allgemeine Frage zu dem Ganzem, wenn Sie sagen „Falls die Schule bis zu den Sommerferien geschlossen bleibt“; Die Schule/Kanton erspart sich ziemlich viel Material und Stromkosten und Diverses, welches sich auf unsere Privathaushalte auswirkt. Ist Ihnen bekannt, ob wir da Unterstützung bekommen? Und wenn nicht, wo und wie könnten wir das einfordern? Ich denke, die finanzielle Situationslage trifft auch uns Privatpersonen und nicht nur die Geschäfte!

Ich bin jetzt nicht sicher, was sie sich da zusammenrechnet. Für’s Internet zahlen wir sowieso monatlich, Stromkosten und Heizen dürfte nicht wesentlich nach oben gehen, nur wenn 1-2 Personen jetzt für ein paar Stunden mehr täglich zu Hause sind. An Papier zum Ausdrucken haben wir jetzt auch nicht mehr gebraucht als sonst für die Hausaufgaben und das Z’Nüni mussten wir vorher auch schon mitgeben – eine Schule ist ja kein Hotel. … Vielleicht verpasse ich da etwas, aber die Anfrage finde ich jetzt … frech. So wie ich das sehe, erhalten die Schulen schon dermassen weniger finanzielle Unterstützung als früher um dem Bildungsauftrag nachzukommen – und jetzt wo sie die Betreuung nicht im Gebäude selber machen können will man als Privatperson Geld dafür verlangen, dass der Schüler zu Hause ist?

Homeschooling – geht doch. Soll ich jetzt auch was extra dafür verlangen? Ah, nein, das wäre dann frech von mir – immerhin „darf“ ich weiterhin arbeiten.

Bleibt zu Hause! Das Virus ist angekommen

Das Corona-Virus ist da. Das ist unleugbar (für wer immer Augen hat) – dennoch ist das kein Grund zur Panik. Tatsächlich ist das Gefühl in der Öffentlichkeit nicht Panik, nicht mal übertriebene Ängstlichkeit, eher … vorsichtige Unsicherheit betreffend dem, was noch kommen mag. Da gibt es diejenigen, die versuchen sich auf (jede) Eventualitäten vorzubereiten – und darunter gibt es ein paar, die unnötigerweise hamstern. Alles, was sich ansatzweise sinnvoll anhört und verfügbar ist. Manchmal auch eher unsinniges. Die örtliche Toilettenpapiershortage ist wirklich hausgemacht – und kein Dauerzustand. Es gibt genug Firmen, die Toilettenpapier herstellen, das ist aktuell ein Verteilungsproblem, kein Mangel an Ware.

Leider gibt es auch diejenigen, die noch nicht mitbekommen haben wollen, was die Stunde geschlagen hat und worum es geht. Das Virus ist jetzt da – und es ist nicht einfach nur eine neue Grippe. Trotzdem: Bitte keine Panik. Es ist zwar niemand immun dagegen, die Übertragbarkeit ist nur mittelhoch, die Sterblichkeit ist mit aktuell geschätzt 2% eher niedrig, aber: Leute werden sterben. Vor allem die älteren und chronisch Kranken sind gefährdet. Eindämmen ist nicht mehr möglich, die Fallzahlen sind auch bei uns im (exponentiellen) Anstieg. Es geht jetzt einzig darum dass die Übertragungswege unterbrochen werden, dass nicht viele gleichzeitig krank werden. Denn auch wenn Covid-19 bei 80% der Fälle mild bis sehr mild verläuft … etwa 14% erkranken schwer und müssen ins Spital. Etwa 6% benötigen eine Intensivbehandlung und müssen Intubiert / beatmet werden. Die Spitäler sind am aufstocken und vorbereiten, aber – das wird nicht reichen, vor allem wenn die Leute so unvernünftig sind und die erst schwer empfohlenen und dann vom Bund auferlegten Massnahmen nicht umsetzen!

Der ausgerufene Notstand und die Schliessung von Geschäften bis auf die für die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten (etc.) hat noch nicht den gewünschten Effekt gebracht: Die Leute versammeln sich immer noch ohne Rücksicht auf das „Social Distancing“ und es sind immer noch zu viele unterwegs. Das sehe ich täglich auf dem Arbeitsweg und in der Apotheke. Viele ältere Personen scheinen auch entweder noch nicht begriffen zu haben, dass sie ein hohes Risiko haben ernsthaft zu erkranken / zu sterben und gehen weiterhin fröhlich einkaufen.

  • An alle: Bitte bleibt zu Hause!
  • Wenn ihr rausgeht, haltet viel Abstand zu den anderen Leuten : 2 Meter!),
  • Wascht die Hände regelmässig und ausgiebig mit Seife (20 Sekunden einseifen, dann abspülen).
  • Wenn das grad nicht geht mit dem waschen, dann benutzt Händedesinfektionsmittel!
  • Husten und Niesen bitte nur in die Ellenbeuge (Kleider regelmässig waschen ist dann auch angezeigt).
  • Wenn ihr Euch krank fühlt (Fieber und/oder Husten) dann bleibt ihr nicht nur zu Hause, dann begebt Euch in Isolation! Und zwar bis das weg ist, oder wenn es schlimmer wird, nehmt Kontakt mit einem Arzt auf: per Telefon! Der sagt Euch, wie weiter vorzugehen ist.
  • Schützt speziell die Risikopatienten: Eure Eltern und Grosseltern sind sehr gefährdet. Bietet ihnen oder älteren Nachbarn Hilfe an, damit sie nicht raus müssen. Man kann für Sie Sachen besorgen und vor die Türe stellen.

Seid solidarisch! Das ist ein Kampf gegen das Virus, der aktuell für die meisten vom Sofa und von zu Hause aus geführt werden muss. Viele müssen jetzt zu Hause bleiben, damit die wenigen, die direkt im Gesundheitssystem gegen die Auswirkungen des Virus kämpfen, nicht total überfordert werden. Das heisst im übrigen nicht, dass ihr das einfach habt zu Hause – da muss viel umgestellt werden. Homeoffice für diejenigen, die das können, Homeschooling für alle Kinder im Schulalter … für manche grad beides gleichzeitig. Man sitzt auf einmal gezwungenermassen so dicht aufeinander (und ständig) da sind Probleme vorprogrammiert. Für manche mag es nur Langeweile sein, gegen das sie zu Hause zu kämpfen scheinen, aber … das ist nicht so. Ihr tut grad aktiv etwas gegen die Virusausbreitung, indem ihr eben NICHT draussen unterwegs seid und euch mit andern trefft!

Wer so grad Zeit hat, kann sich den Vortrag oben anschauen – er ist vom 16. März von einem kanadischen Wissenschaftler – Folien auf englisch, aber deutsch gesprochen. Er erklärt die Sachen sehr gut – auch weshalb Masken für die Allgemeinheit keine Option sind.

Einfach ist es nicht. Wenn ihr wollt, könnt ihr in den Kommentaren hinterlassen, wie die Situation bei Euch zu Hause ist. Was tut ihr? Wer darf/muss arbeiten? Wie geht es mit der Schule zu Hause?