Padma 28 Ade (ein COVID-Opfer)

Wir sind bisher weitgehend um die gefürchteten Lieferschwierigkeiten der Medikamente wegen des neuen Coronavirus herumgekommen. Das mag damit zusammenhängen, dass viele von uns die Lager bei den wichtigen Mitteln aufgestockt haben und inzwischen auch wieder produziert wird. Dennoch sehen wir die Auswirkungen. An die 100 Medikamente sind bei uns in der Apotheke nicht lieferbar. wir erhalten Meldungen über Produkte, die nicht mehr produziert werden (zum Glück gibt’s bei den meisten doch noch zumindest ein Generikum). Aber die Nachricht im August, dass es das Padma 28 so wie wir es kennen nicht mehr geben wird, hat mich doch getroffen.

Das Mittel Padma 28 war schon immer etwas speziell. Ein Arzneimittel auf „Tibetischer Grundlage“ mit einer Vielzahl exotischer Inhaltsstoffe (wie Aconit oder Campher). Deshalb auch vielleicht um so überraschender, dass dafür richtige Studien gemacht wurden, so dass die Wirkung bewiesen wurde – und das Mittel via Zusatzversicherung oder mit anderem Namen (Padmed Circosan in der genau gleichen Zusammensetzung) von der Krankenkasse in der Grundversicherung übernommen wurde.

Padma 28 (Padmed Circosan) wirkt bei Durchblutungsstörungen mit Beschwerden wie Kribbeln, Ameisenlaufen, Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen und Armen, Einschlafen von Händen und Füssen und Wadenkrämpfen.
Wirkstoffe: Pulvis ex Aegle sepiar fructus 20 mg, Aquilegiae vulgaris herba 15 mg, Aucklandiae radix 40 mg, Calcii sulfas hemihydricus 20 mg, Calendulae flos cum calyce 5 mg, d-Camphora 4 mg, Cardamomi fructus 30 mg, Caryophylli flos 12 mg, Kaempferiae galangae rhizoma 10 mg, Lactucae sativae folium 6 mg, Lichen islandicus 40 mg, Liquiritiae radix 15 mg, Meliae tousend fructus 35 mg, Myrobalani fructus 30 mg, Pimentae fructus 25 mg, Plantaginis lanceolata folium 15 mg, Polygoni avicularis herba 15 mg, Potentillae aureae herba 15 mg, Santali rubri lignum 30 mg, Sidae cordifoliae herba 10 mg, Aconiti tuber 1 mg, Valerianae radix 10 mg

Weil einer der pflanzlichen Inhaltsstoffe aus einer offiziell geschützten Pflanze stammt (Aconit / Eisenhut), bekam das Mittel in Deutschland irgendwann eine andere Zusammensetzung: ohne diese Pflanze und den Namen Padma basic. In der Schweiz war die Originalzusammensetzung aber weiterhin im Handel. Es wurde uns versichert, dass sie die betreffende Pflanze nur aus selber angebauten Feldern verwenden und keinesfalls aus Wildsammlungen, ausserdem haben wir eine etwas andere Gesetzgebung als die EU. Wir hatten Leute, die extra aus dem Ausland anreisten um es weiter in der Originalzusammensetzung zu erhalten. Eigentlich darf man es aber nicht einführen (eben wegen der geschützen Pflanze) … es sei denn, die Packung ist wirklich für den Eigengebrauch gedacht. Der Tipp war, die Packung zu öffnen und eine der Tabletten herauszudrücken / zu nehmen. 

Das Problem der Wirkstoffbeschaffung hat sich angekündet, zuerst mit dem roten Sandelholz:
Da es sich um ein edles Naturholz handelt, wurde es immer schwieriger das indische rote Sandelholz nachhaltige und artengerechte zu beschaffen. Covid-19 und dem daraus folgenden Lockdown in Indien behindern dies noch zusätzlich.“ Sie stellten also Kapseln ohne das Sandelholz her, weil „durch die vernetzte Wirkung der einzelnen Pflanzen (über 20 in PADMA 28) (kann) der Ausfall eines Bestandteiles durch die anderen aufgefangen werden. Insbesondere vom roten Sandelholz, da es nur als unterstützende Komponente beigefügt wird.“ Das Vorgehen wurde von der Schweizer Behörde genehmigt. Sie hat somit Padma 28 ohne Sandelholz als gleichwertig anerkannt. Es existieren deshalb aktuell Packungen mit der Aufschrift „ohne rotes Sandelholz“

Das hat aber offenbar nicht ausgereicht. Deshalb ändern sie jetzt noch mehr:
Der Sommer 2020 bringt für PADMA eine grosse Veränderung mit sich. Mit rund 50 Jahren Erfahrung und dem Wissen zur tibetischen Medizin haben wir uns dazu entschieden, die bekannte 28er Rezeptur weiterzuentwickeln. PADMA 28 active ist eine Fortführung der bewährten Rezeptur in gewohnter PADMA-Qualität. Das Nahrungsergänzungsmittel PADMA 28 active unterstützt einen gesunden Kreislauf und das Immunsystem.

Eine gesunde Durchblutung unterstützt die Zellernährung, was wiederum für die Zellgesundheit wichtig ist. Wirkstoffe: Isländisches Moos 40 mg, Amlafrüchte 35 mg, Myrobalanenfrüchte 30 mg, Terminaliabellirica-Früchte 30 mg, Kardamom 30 mg, Vitamin C 28 mg, Nelkenpfeffer 25 mg, Alantwurzel 25 mg, Marmelosfrüchte 20 mg, Calciumsulfat 20 mg, Weissdornblüten und -blätter 15 mg, Süssholz 15 mg, Spitzwegerich 15 mg, Vogelknöterichkraut 15 mg, Gänsefingerkraut 15 mg, Gewürznelken 12 mg, Ingwer 10 mg, Herzgespannkraut 10 mg, Baldrian 10 mg, Gartenlattich 6 mg, Ringelblumenblüten 5 mg, natürlicher Campher 4 mg.

Die Padma 28 active sind nur noch als Nahrungsergänzungsmittel ohne Listung zugelassen. Die Krankenkasse wird dementsprechend auch nichts mehr daran bezahlen. 

Padma 28 ändert also definitiv in Padma 28 active. Ob es das Padmed Circosan weiter geben wird? Unbekannt (aber nicht sehr wahrscheinlich). Momentan haben wir noch Packungen von beiden an Lager, aber wenn das aus ist … :-(

Impfauffrischer, Grippe und FSME

Vor ein paar Tagen habe ich einen Teil meiner 2jährlichen obligatorischen Weiterbildung gemacht, damit ich weiterhin impfen darf. In der Schweiz dürfen die Apotheker seit ein paar Jahren impfen. Das neue Heilmittelgesetz sieht diese Möglichkeit vor und die Kantone, respektive die Kantonsärzte definieren die Bedingungen dafür. Das gibt ein ziemlich uneinheitliches Bild (wen es interessier, hier finden sich die Info wo was erlaubt ist: impfapotheke.ch) aber in der meisten Kantonen können die Apotheker inzwischen gegen die Grippe und FSME impfen. (Falls nicht: der Kantonsarzt ist da die richtige Anlaufstelle …(*hint*).

Die Weiterbildung war interessant. 2 Aspekte (eben die Grippe- und FSME-Impfung) möchte ich hier im Blog bringen, da beides aktuell.

Die Grippeimpfung – gerade dieses Jahr mit dem neuen Coronavirus wird sehr empfohlen sie zu machen und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte eigentlich angekündet, dass sie zusätzliche Impfdosen einkaufen würden. Weshalb? Es gibt zwar keinen Zusammenhang zwischen der Grippeimpfung und COVID-19. Die Grippeimpfung verringert weder das Risiko für COVID-19 noch erhöht sie es. Aber es gibt gemeinsame Risikofaktoren und damit die Möglichkeit, die Überlastung aller Gesundheitsdienste zu vermindern, indem möglichst viele Risikopersonen und ihr Umfeld gegen Grippe geimpft werden.

Das Problem ist: So ein Influenza Impfstoff braucht 6 Monate zur Herstellung. Wer also nicht diesen Frühling schon bestellt hat, bekommt keinen zusätzlich. Auch nicht das BAG. Das meldet auch die Infovac in ihrem letzten Bulletin: Alle für den Schweizer Markt vorgesehenen Grippeimpfstoffdosen sind bereits vorbestellt/reserviert. Und wer daran denkt, im Ausland zu bestellen … in anderen Ländern sieht das genau gleich auch, die brauchen sie auch mehr selber.

Wir müssen also mit dem was wir haben, sorgsam umgehen. Das BAG empfiehlt die Grippeimpfung deshalb (wie in den Vorjahren) nun doch (nur) vor allem Risikopersonen: Ab 65 Jahren, Schwangeren, Menschen mit chronischen Krankheiten… UND den engen Kontakten dieser Risikopersonen (auch Kinder ab 6 Monaten).

Wann sollte man impfen? Die Wirkung einer Grippeimpfung hält 4-6 Monate an, meistens kommt der „Peak“ Anfang Jahr. Also sollte man zuerst im Oktober die Risikopatienten mit Co-Erkrankungen oder in Pflegeheimen impfen und ab November den Rest (die über 65 jährigen). Angesichts dessen ist es fraglich, ob der allgemeine Grippeimpftag im November wie bisher stattfindet.

In der Apotheke darf ich übrigens die wirklichen Risikopersonen nicht impfen: die mit Blutverdünner ausser Aspirin Cardio, die Schwangeren, Kleinkinder, Immunsupprimierten. Aber wer über 65 Jahre alt ist und sonst gesund schon – und auch die engen Kontakte der Risikopersonen.

Ich hoffe nur, der von uns bestellte Impfstoff reicht…

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Ansonsten kann ich den Leuten im Herbst/Winter ja anbieten zumindest grad die Zeckenimpfung gegen FSME zu machen. FSME – die Frühsommer-Hirnhautentzündung wird durch Viren verursacht und durch Zeckenstiche übertragen. Im Gegensatz zur Borreliose (die auch durch Zecken übertragen wird und wo man mit Antibiotika die bakterielle Infektion behandeln kann) kann man bei FSME nur symptomatisch behandeln – und es landen auch hier doch einige im Spital und haben lebenslange Folgeschäden. Aber mit einer Impfung kann man vorbeugen. Eine gute Infoseite findet sich hier: zecken-stich.ch

Das Risiko bei einem Stich eine FSME zu bekommen hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. 2018 hatten wir ein Zecken-Rekordjahr mit vielen Infizierten. Nach einem kleinen Rückgang letztes Jahr übertreffen wir dieses Jahr aber 2018 bei weitem. Der Grund dafür liegt heuer am Corona-virus bedingten Lockdown. Es gingen viel mehr Leute raus in die Natur laufen und wurden deshalb gestochen.

FSME kommt übrigens auch aus Asien und hat sich (vergleichsweise langsam) westwärts übers Land ausgebreitet. Das hat mit dem Beuteschema der Zecken zu tun: kleine Zecken gehen eher auf Kleintiere (oft in Gruppen), zB Mäuse. Grössere Zecken „nehmen“ auch grössere Tiere wie Hunde oder halt den Mensch. In Asien ist FSME ein grösseres Problem als bei uns – und deshalb die Impfung unbedingt für Reisende in diese Länder (Japan, China, Mongolei, Russland, Korea und die „stans“: Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Aserbaidschan…) empfohlen. Dort gibt es aggressivere Zeckenarten und die Zeit der Übertragung ist wegen dem wärmeren Klima länger.

Die FSME breitet sich von Osten her via Schweiz auf Rest von Europa aus … seit diesem Jahr auch in England- die Viren haben den Kanal überschritten (via Mäuse wahrscheinlich). In der Schweiz sieht man die Entwicklung an den Risikokarten gut. Inzwischen ist die ganze Schweiz betroffen. Okay – ich könnte jetzt einen auf Asterix und Obelix machen und schreiben: „die ganze Schweiz?“ Nein. Das Tessin und (etwas unerklärlicherweise) Genf ist ausgenommen, obwohl es inzwischen auch da vereinzelt Herde gibt. Die Bilder zeigen übrigens die Risikokarten 2013 und heute 2020.

So ein Zeckenbiss … Verzeihung -stich spürt man nicht, so lange sie dranhängt, erst wenn sie weg ist oder man sie entfernt. Ihr Speichel enthält ein Anästhetikum, wenn das weg ist, fängt es an zu jucken. Wer aber eine Zecke findet sollte sie schnellstmöglichst entfernen, da das das Risiko einer Übertragung verringert. Am besten sucht man sich nach einem Wald- und Wiesenspaziergang rasch ab. Ob man die Zecke jetzt abkratzt, abdreht oder abzieht (alles möglichst dicht an der Haut) ist egal – und es ist auch kein Weltuntergang, sollte doch ein Teil des Stechapparates in der Haut bleiben. Für den Körper ist das wie ein Sprissen (Holzsplitter). Gut desinfizieren und die Stelle für die Beobachtung markieren und in die Agenda schreiben. Wenn danach (innert Tagen bis Wochen) Beschwerden auftreten wie grippeartige Symptome, Hautrötungen etc. Dann gehört das zum Arzt.

Die beste Zeit für die FSME-Impfung ist im Winter (2x im Abstand von mindestens einem Monat) und dann kann man im nächsten Winter die 3. Impfung machen, damit der Impfschutz lange gegeben ist. Wie lange? Für eine normale Person 10 Jahre, wer beruflich oft im Wald ist mindestens 5 Jahre. Der Impfschutz der erreicht werden kann nimmt mit dem Alter ab. Für Impfungen allgemein gilt: Frauen, Nichtraucher und unter 30 jährige haben die „beste“ Impfantwort. Bei alten Leuten hat man eine schlechtere Immunantwort. Ab 85 könnte man so eine Impfung (wie die Grippeimpfung) auch lassen, deshalb ist der Schutz durch die Umgebung hier wichtig.

Das Maskentheater

Emotional war die letzte Woche ein einziges auf- und ab. Endlich sind die lange vorbestellten Masken eingetroffen. Die Preise … sind so, wie sie jetzt sind. Ich darf gar nicht dran denken, dass die 50er Packung Pandemiemaske vor dem ganzen Coronavirustheater unter 10 Franken gekostet hat im Verkauf. Jetzt … bekomme ich sie für das 5 fache angeboten und ich muss zu dem Preis einkaufen, denn günstiger sind sie nirgends mehr erhältlich.

Das Problem ist hausgemacht. Anscheinend hatte es in der Schweiz Masken an Lager – nur wurden einerseits letztes Jahr eine Menge entsorgt, die abgelaufen waren (blöder Zeitpunkt, aber hinterher ist man ja immer klüger) und dann gab es noch die Firmen, die Anfang Jahr Millionen Masken an China verkauft haben. Es ist mir schon klar, dass die das dort brauchten – aber wir hier auch (und das war da schon absehbar). Da hat jemand das schnelle Geld gewittert und die Lage ausgenützt. Jetzt kaufen wir wieder von China ein – wahrscheinlich zu einem höheren Preis. Hergestellt wurden hier keine mehr -das war vorher zu teuer.

Unsere Masken kamen am Dienstag mit der Swiss aus Shanghai. Das Paket war Teil einer Grosslieferung und hat ziemlich gedauert. Aber wir haben sie bekommen – damit stehen wir besser da als manch andere – in den Zeiten sind leider auch Betrüger unterwegs. Damit haben wir Masken nicht nur für den Eigenbedarf (unsere Arbeit in der Apotheke), sondern auch für die Kunden. Wir haben jetzt Hygienemasken (eigentlich Chirurgenmasken, Typ IIR), FFP1 und FFP2 ohne Filter. Die letzten beiden haben wir in kleinere Einheiten abgepackt und verkaufen sie zu 2 und 10 Stück. Freude herrscht!

Nur einen Tag später kam die Nachricht vom Bundesamt für Gesundheit, dass sie nun Masken eingekauft haben und sie in der Schweiz sind. Toll! Und dass die ab Montag an die „führenden“ Detailhändler/Grossverteiler wie Migros, Coop etc. zum Weiterverkauf an die Bevölkerung gehen. Umm – Was?!? Weitere Details machten die Sache nicht besser: eine Million Masken lässt das BAG via Armee an die Grossverteiler täglich ausliefern, damit die das zum Ankaufspreis weiterverkaufen können.

Das ist ein Schlag vor den Kopf der Apotheken (und Drogerien) in der Schweiz, die die Masken nicht bekommen – wir brauchen sie als Gesundheitspersonal für die Umsetzung unserer Schutzkonzepte in der Apotheke und versuchen seit langem über verschiedene Wege an Masken dafür zu kommen. Beim BAG haben die Apotheken auch angefragt, da wurden wir abgeschmettert mit dem Verweis, dass wir als „Detailhändler“ im Gesundheitswesen bei einer Versorgung mit Masken weiter unten stehen als zum Beispiel ein Pfleger oder Arzt im Spital. Aber jetzt werden die Masken für die Bevölkerung an die „führenden Detailhändler“ verteilt …. und dazu gehören die Apotheken dann offenbar auch wieder nicht? Über 2‘200 Standorten, die alle BAG-Vorgaben punkto Abstands- und Hygieneregeln erfüllen, Hauslieferungen an Risikopatienten, 2 mal tägliche Lieferungen von unseren Grossisten, nur angestellte Gesundheitsfachpersonen, die auch punkto „richtige Maske“ und „richtige Anwendung“ beraten können … aber hier werden wir ignoriert?

Dazu kommt noch die Art der Kommunikation, dass die Masken „zum Ankaufspreis“ weitergegeben werden – als ob wir in der jetzigen Situation hier gross etwas draufschlagen. Dass die Masken im Coop/Migros trotzdem teilweise (etwas) unter dem liegen, was wir in der Apotheke für unsere (mühsam selber beschafften) Masken verlangen …. kommt logischerweise schlecht an. Nicht nur bei den Apotheken.

Am selben Tag kam auch die Nachricht, dass bei Aldi (einen weiteren Detailhändler) die Masken eingetroffen sind, die sie (selber) Anfangs Epidemie aus China bestellt haben. Sie würden sie ab sofort verkaufen. Mir scheint die sind jetzt alle mit denselben Flugzeugen angekommen … Mich würde noch interessieren, wie es um die Qualität dieser Masken im Aldi aussieht. Ist das eine Typ I oder Typ II? CE-Zertifiziert?

Ganz typische Begebenheit hatte meine eine Apothekerin, die im Aldi eingekauft hat und in der Schlange hinter einer Kundin stand, die ein Paket Masken kaufte und dazu meinte: „Letzte Woche wurde ich in der Apotheke beim Maske kaufen abgezockt!“

Na Danke.

P.S. Nach schweizweiten Protesten bekommen die Apotheken jetzt doch einen Teil der Masken für den Eigenbedarf zugeteilt. Wir dürfen sie auch zum Ankaufspreis einkaufen …

Danke.

Plaquenil gegen die Pandemie?

Wie man einen Patienten mit dem neuen Coronavirus am besten behandelt ist noch bei weitem nicht klar. Als virale Infektion lässt es sich sehr schlecht direkt angehen (uns fehlen einfach die Mittel), momentan behandelt man vor allem die Symptome und vielleicht noch die Überinfektion mit Bakterien. Experimentell versucht man es mit schon bekannten antiviralen Mitteln, die gegen andere Viren und Erkrankungen eingesetzt werden. Sehr in den Medien ist aktuell Choroquin und Hydroxychoroqin.

Chloroquin ist ein entzündungshemmender, immunmodulierender, antiparasitärer und antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der Malariamittel. Er wird für die Vorbeugung und Behandlung der Malaria, bei einem Lupus erythematodes und bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. (Quelle Pharmawiki). 1953 in der Schweiz zugelassen wurde das letzte im Handel erhältliche Mittel (Nivaquine) letztes Jahr (2019) ausser Handel genommen. Es gab neuere und „bessere“ Mittel für die Anwendungen und zu wenig Nachfrage.

Hydroxychloroquin ist ein eng verwandter Wirkstoff für die selben Anwendungen und noch im Handel (Plaquenil). Während es in hohen Dosen weniger toxisch ist, hat es neben denselben Nebenwirkungen (Übelkeit, Bauchschmerzen, Hautreaktionen) zusätzlich noch negative Auswirkungen auf das Herz. Ausserdem bestehen diverse Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (Cortison, Methotrexat, Antibiotika etc.)

Beide Wirkstoffe werden aktuell untersucht, ob sie für die Behandlung beim neuen Coronavirus eingesetzt werden können. Obwohl sie in vitro (das heisst: im Reagenzglas) antivirale Wirkung zeigen – unter andererm auch gegen das alte SARS-Covid, lässt sich das nicht automatisch als geeignete Virenbehandlung am Patienten übersetzen. Studien am Mensch sind praktisch nicht vorhanden. Trotzdem hat die FDA – die amerikanische Arzneimittelbehörde – die Medikamente zum Einsatz in Notfällen (im Spital) bei Covid-19 freigegeben. Das vor allem, weil es kaum Alternativen zur Behandlung gibt. Trumps fragwürdige Aussage, das Medikament sei ein „Game Changer“ hat zusätzlich dazu beigetragen, dass die Nachfrage danach weltweit ansteigt.

Das zeigte schon diverse Auswirkungen.

In den USA haben sich einige Menschen selber vergiftet und sind gestorben, nachdem sie das Chloroquin, das auch (frei verkäuflich) zur Behandlung von Parasiten im Aquarium eingesetzt wird, getrunken haben. (Ich schrieb ja, das Zeug ist toxisch?)

Die beiden Wirkstoffe werden vor allem in Indien produziert. Die hätten die Kapazitäten die Welt damit zu versorgen (vorausgesetzt, die Firmen liegen wegen dem Virus nicht flach), aktuell ist die Nachfrage aber so hoch, dass sie nicht nachkommen. Deshalb hat Indien die Ausfuhr eingeschränkt um erst mal den eigenen Markt zu bedienen. Und deshalb haben jetzt auch Firmen, die vorher wegen Qualitätsmangeln geschlossen wurden die Erlaubnis bekommen, das zu produzieren.

Die Nachfrage nach dem zugelassenen Medikament, Plaquenil stieg auch in der Schweiz an. In der Apotheke bekamen wir bald telefonische Anfragen, ob wir das an Lager haben. Wir haben. Aber: das was ich habe, brauche ich für die Behandlung unserer Rheuma-Patienten … und nicht für den fragwürdigen Einsatz an wahrscheinlich noch-nicht-mal-Patienten, die das einfach haben wollen für sich, weil es vielleicht funktioniert beim Coronavirus. Diese „Vorsorger“ liessen sich auch durch den Hinweis, dass das rezeptpflichtig ist nicht abhalten. Ausser neu ausgestellten Rezepten von Ärzten nicht aus der Umgebung oder aus dem Ausland sahen wir hier sogar gefälschte Rezepte dafür.

Auch wenn wir das Plaquenil tatsächlich für unsere Rheuma-Patienten zurückbehalten haben – es gibt sicher genug Apotheken, die diese Rezepte beliefert haben. Deshalb haben wir jetzt alle diese Vorgaben bekommen: Apotheker und Ärzte dürfen Plaquenil nur im Rahmen der zugelassenen Indikationen verschreiben und abgeben. Das heisst für Patienten mit Lupus erythematodes, chronischer Polyarthritis oder Photodermatose. Und ich kann nur noch Bestellen, wenn ich ein spezielles Formular beilege, auf dem ich das oben schriftlich bestätige. Pro Patient / Packung ein Formular.

Daneben sind Studien im Gange, die die Anwendung der Wirkstoffe beim Covid-19 untersuchen. Es sieht nicht wirklich gut aus. In den nötigen hohen Dosen kommt es zu Nebenwirkungen – und eine der Studien wurde wegen erhöhter Sterblichkeit wegen Herzproblemen jetzt eingestellt.

Maskierte Apothekenpreise?

Das mit den Masken … es mehren sich in der Apotheke wieder die Anfragen danach – aktuell grad mit viel Unverständnis, wenn wir sagen müssen, dass wir (immer noch) keine haben – ausser für uns beim Arbeiten zum gegenseitigen Schutz und Schutz der einkaufenden Patienten. Die Leute wollen welche – da kommen inzwischen auch Aussagen wie „egal was es kostet“. Ich verstehe, dass Masken gesucht sind … vor allem, wenn man mitbekommt, dass andere Länder eine Maskentragepflicht einführen und bei uns halblaut darüber nachgedacht wird, vor allem im Zusammenhang mit einem Ausstieg aus dem aktuellen Lockdown.

Während wir in meiner Apotheke immer noch die Masken auftragen, die von der Schweinegrippe-Pandemie von den Personalausrüstung übriggeblieben sind (abgelaufen, aber gehen noch), ist es immer noch sehr schwierig an Masken zu kommen. Was auf den Markt kommt, landet (vernünftigerweise) in den Spitälern zuerst. Masken werden inzwischen in China abgefangen (und offenbar an den meistbietenden verkauft). Masken werden an den Grenzen aufgehalten und von manchen Ländern praktisch anekdiert. Dafür sieht man im Fernsehen, wie Masken jetzt auch in der Schweiz produziert werden – allerdings in Mengen, die den Bedarf noch bei weitem nicht decken. Inzwischen könnte ich theoretisch Masken bekommen – zumindest bekommen wir in der Apotheke regelmässig Angebote welche zu kaufen. Die haben alle Gemeinsamkeiten:

  • ich muss sie direkt bestellen (sie liefern nicht via Grossisten)
  • die Vertriebsfirma hat vorher meist keine Masken angeboten (oder hergestellt), macht das aber jetzt.
  • die Einkaufspreise sind hoch* – und ich muss eine Mindeststückzahl nehmen
  • die Qualität der Masken lässt sich nicht nachprüfen. Sie versprechen zwar alle Qualitätsware, aber so ein CE-Aufdruck und frisch hergestellt in China? … hmmm? Oder neu aus der Schweiz ohne Tests?
  • Lieferbarkeit in „wenigen Tagen bis Wochen“

*Zum hohen Preis: Vor der Pandemie habe ich Hygienemasken eingekauft in ganzen Packungen zu 50 Stück je mit einem Verkaufspreis von um die 25 Franken. Packungsweise.

Jetzt kann ich die Hygienemasken einkaufen zu einem Einkaufspreis von mindestens 0.99 Franken (bis 1.50 Franken) pro Stück (!) mit Mindesteinkaufsmengen von 1000 Stück. Je mehr man nimmt, desto günstiger wird es. Das heisst aber, dass ich im Einkauf schon für so eine 50er Packung etwa 50 Franken zahle und davon gleich 20 Stück nehmen muss und da kommt vielleicht noch Porto und Handling dazu.

Das sind im übrigen nur die Hygienemasken – diejenigen, die nicht den Träger schützen, sondern die Umwelt. FFP2 Masken fangen inzwischen bei einem Stückpreis von etwa 8 Franken an. Im Einkauf.

So die Frage an alle, die jetzt Masken verlangen in der Apotheke „egal zu welchem Preis“: Seid ihr bereit, für die Maske (Qualität unbekannt) pro Stück einen Preis von mindestens 1.00 zu zahlen – und wieviel nehmt ihr davon? Pro Tag braucht ihr (mindestens) 2.

Ich höre jetzt schon dieselben Leute schreien, dass wir „Apothekenpreise“ hätten und uns an der Pandemie bereichern wollen.

(In dem Zusammenhang muss ich an die Pressemeldung letztens denken, nach der SVP Nationalrätin Martullo-Blocher aus China Masken einfliegen lies – für die Coiffeure, damit die wieder aufmachen können. Ganz so altruistisch ist das jedoch nicht … die Masken werden den Coiffeuren auch verkauft werden. Stückweise. VP etwa 0.9 Franken)

Oder dann doch lieber eine Stoffmaske (selbstgenäht), die ähnlichen Fremdschutz aufweist und waschbar ist?

Also: vorläufig haben wir immer noch keine Masken zum verkaufen. Dafür gibt es inzwischen Desinfektionsmittel wieder (genug?) und auch Handschuhe bekommen wir gelegentlich wieder – allerdings nicht alle Grössen.

Testen auf Covid-19

Das waren etwas seltsame Ostern.

Mittwoch mittag fing es an mit Müdigkeit, leichten Kopfschmerzen (nicht der üblichen Migräne) und Gliederschmerzen. Ich ging schlafen in der Hoffnung, dass es morgens besser sein würde. Das war es nicht. Also nahm ich eine Kopfschmerztablette und ging arbeiten – die üblichen Sicherheitsmassnahmen, die wir in der Apotheke implementiert haben, schützen ja auch die Mitarbeiter untereinander. Während der Arbeit fühlte ich mich schlapp, hatte abwechselnd Schweissausbrüche oder Kältegefühl und war sehr froh, dass ich wegen Karfreitag früher abgelöst wurde.

Zu Hause legte ich mich ins Bett im Gästezimmer und sagte Mann und Kind, dass sie mich besser einfach komplett in Ruhe lassen sollen und Abstand halten. Ich hatte kein Husten oder Schnupfen nur gelegentlich etwas Halsschmerzen, die zeitweise in die Ohren „hochzogen“. Donnerstag und den ganzen Freitag verbrachte ich im Bett liegend – ich fühlte mich wie von einer Dampfwalze überfahren, aber ausser dem intensiven Krankheitsgefühl hatte ich kein messbares Fieber. 37,4 Grad zeigt das Quecksilbethermometer (alle anderen 3 digitalen war die Batterie ausgegangen …). Ich hatte kein Hunger, aber zwang mich zu essen (der Kuschelbär brachte es aufs Zimmer) – und schwor, dass wenn das Samstag immer noch so ist, ich mich testen gehen würde auf das Coronavirus. Ich meine: was mag das sein, was mich da praktisch niedergestreckt hat? Gegen die Grippe bin ich geimpft, FSME ist etwas früh (und bin ich auch geimpft) und „nur erschöpft“ wie meine Mutter meinte … das hier fühlte sich sehr anders an.

Samstag morgen ging es mir etwas besser, gut genug mich zum Testzenter zu begeben. Ich muss auch wissen, ob ich am Dienstag wieder in die Apotheke würde gehen können – oder ob ich mich weiter isolieren sollte. Mein Mann brachte mich hin, im Auto, ich ausgerüstet mit Maske, Krankenkassenkarte und einer Bescheinigung, dass ich in der Apotheke arbeite.

Im Testzenter bekam ich erst mal eine neue Maske (die wohl weniger schützte als diejenige, die ich anhatte, aber – Procedere) und viel Händedesinfektionsmittel.

Dann wurde meine Krankenkassenkarte eingelesen, meine Natelnummer abgefragt und ein Test-SMS darauf gesendet wurde.

Dann bekam ich einen Fragebogen mit dem die restlichen Daten aufgenommen wurden: Welche Symptome? Welche anderen Krankheiten? Beruf? Kontakt mit möglicherweise Infizierten?

Weiter ging es zum Fiebermessen im Ohr. 37.4 Grad (immer noch)

Dann zum Arzt, der nochmal alles abfragte, bestätigte, dass ich getestet werde und mich darauf hinwies, dass der Test ein falsch negatives Resultat von bis zu 30% anzeigen könnte. Das Testresultat würde ich per SMS bekommen, wenn negativ oder als Telefonanruf wenn positiv, ich solle das Telefon immer griffbereit halten.

Dann wurde mir mit einem langen Wattestäbchen ein Rachenabstrich gemacht (durch den Mund – ich habe gehört, dass das an manchen Orten via Nase gemacht wird).

Schliesslich wurde ich entlassen, nachdem ich die Unterlagen wieder abgeben durfte (und den Stift, der desinfiziert werden würde) und die Blätter mit den Verhaltensempfehlungen zu Selbst-Quarantäne und Selbstisolation bekommen habe.

Alles in allem sehr unspektakulär und effizient. Ich war nach 20 Minuten wieder draussen – zugegebenermassen waren ausser mir und vielen die dort arbeiteten kaum jemand da.

Zu Hause legte ich mich gleich wieder ins Bett im Gästezimmer. Selbst das bisschen war anstrengend. Und dann wartete ich auf das Testergebnis.

Das kam nachts um 2 Uhr. Per SMS: (das ist an sich schon die Antwort)

Also Negativ. Puh. Das bedeutet, ich kann wieder arbeiten am Dienstag, wenn das weiter so besser wird. Und ich kann aus der Isolation raus. Damit habe ich noch gewartet bis Sonntag morgen, aber seitdem essen wir auch wieder zusammen.

Jetzt bin ich wieder fit genug, nicht nur zum schreiben, sondern auch zum arbeiten morgen. Aber ich frage mich schon, was das jetzt war. Vorsicht ist natürlich weiterhin geboten – wie gesagt, kann der Test auch falsch-negativ sein.