Tschüss, Papa!

Mein armer Kuschelbär hat am Hals einen Pickel bekommen – ein eingewachsenes Barthaar, so wie’s aussieht. Und da das schmerzt und er selber nicht ran kommt, hat er seine Haus-Apothekerin (mich) gebeten, ihm das aufzustechen.

Disclaimer: Das ist nicht empfohlen zu machen, speziell bei Pickeln im Gesicht / Hals, aber da ich ein bisschen Erfahrung damit habe / das nicht an einer sehr schlimmen Stelle war und ich auch das Material habe … und eigentlich, zumindest bei meinem Kuschelbär noch gerne an Bibeli herumdrücke …

… Jedenfalls, ich habe mein Werkzeug gesammelt: Alkoholisches Desinfektionsmittel, sterile Nadel, Gazetupfer, Pflaster … da kommt Junior und beäugt meine Vorbereitungen.

„Was machst Du da?“ Fragt er

„Ich muss bei Papa ein Pickel aufstechen.“

„WO? Wie? Kann ich zusehen?“– dabei hängt er schon fast auf mir.

„Okay, aber Du musst Abstand halten.“

Und damit er das auch sicher macht: „Weißt Du, wenn ich mit der Nadel abrutsche und Papa da in den Hals steche, dass es blutet, das ist ganz schlecht.“

Mein Kuschelbär – der wohl ganz sicher gehen will: „Ja. Da könnte ich verbluten!“

Junior: „Und dann?“

Kuschelbär: „Und dann stirbt man?“

Oh mein lieber Mann.

Nun gut. Junior hält jetzt Abstand und ich mache mich an die Arbeit.

Desinfizieren. Ich piekse in den hellen Teil vom Pickel. Eiter kommt raus – und dahinter etwas Blut.

Junior: „Oh. Nein.“

Und dann mit weinerlicher Stimme: „Tschüss Papa!“

So, jetzt wissen wir auch, wie wir mal verabschiedet werden, bevor wir sterben: „Tschüss!“

Ich konnte ihn dann wieder beruhigen, dass das bisschen Blut nicht so schlimm ist und Papa etwas übertrieben hat vorher.

Ein Kommentar zu „Tschüss, Papa!

  1. anna
    ;-) Klingt eigentlich ganz gefasst — und innerfamiläre Umgangsformen dürfen doch etwas lockerer sein…

    BC
    „Wie wir mal verabschiedet werden …“ Toll!

    Irene
    An der Urnenbeisetzung meines Vaters waren nur mein Bruder, meine Mutter, der Pfarrer, der Friedhofsangestellte und ich anwesend.Die Urne war im Grab, Pfarrer und Friedhofsmensch hatten sich diskret in den Hintergrund begeben, wir drei standen am Grab und mussten irgendwann gehen. Da drehte sich mein Bruder noch einmal um und sagte leise „Tschüss, Vati“.

    Ja, das ist eine sehr passende Verabschiedung…

    turtle of doom
    Das ist ja herzig. :D

    Pharmama
    Das war erstaunlich gefasst – und süss :-)

    Pharmama
    und ich hoffe, das dauert noch sehr, sehr lange bis dahin …

    Pharmama
    Jetzt bekomme ich die Tränen. Am Grab ist das halt nochmal was anderes, als wenn die Person noch daneben steht.

    Sarah
    Das ist aber eine süße Geschichte. Da wird sich der Junior sicher freuen, wenn ihr
    sie ihm später einmal erzählt. :)

    machermama
    Mal wieder ein deutliches Beispiel das man sich sehr genau überlegen sollte bei Kindern was man sagt. Die nehmen leider zu oft alles wörtlich ;)

    Kenn ich auch nur zu gut von meinem Großen g*

    Mr. Gaunt
    Ach wie süss. Da hat er wohl einen ziemlichen Schreck bekommen, der arme Junior.

    Tschüss finde ich übrigens eine sehr schöne Verabschiedung. Man kann es sehr schön und effektiv durch den Tonfall variieren von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Das klappt zum Beispiel mit „Auf Wiedersehen“ oder „Pfiat Eana“ nicht, ohne dass es affig klingt. Süddeutschland möge mir verzeihen.

    McCloud
    Ach, mit einem „Servus“ bekommt man das hin… :-)

    Mr. Gaunt
    Neneneeee, lang nicht so schön wie beim Tschüss. „Servus“ bekommt man nicht zart hin. Militärisch knackig oder schön fröhlich durchaus, aber nicht zart-liebevoll oder traurig. Das klingt dann, als wär‘ man besoffen.

    Pharmama
    Ein Grund mehr, sie irgendwo festzuhalten (lies: hier).

    Wolfram
    Na hoffentlich haben alle das gut überstanden…

    bei so einem Barthaar versuche ich nur, das Haar zu erwischen und zu ziehen, der Rest kommt dann von selbst. Und dann kommt der Alaun.

    Sisi
    Einfach nur niedlich

    Don
    Das stimmt.

    Mein Schwager sagte mal angesichts des trüben Juli-Wetters draußen: „Tja, der Sommer fällt wohl dieses Jahr aus.“

    Worauf sein dreijähriger Sohn zu weinen anfing.

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