Wenn Ärzte Mittel verkaufen …

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Wenn Ärzte Mittel verkaufen … ich meine jetzt nicht mal Medikamente in den Kantonen wo die Selbstdispensation erlaubt ist, sondern von etwas, das bei manchen Ärztegruppen offenbar auch in der Schweiz seit neuerem eingesetzt wird, um ihr Einkommen aufzubessern.

Ich komme darauf, das zu schreiben, weil ich grad gestern eine Kundin hatte, die mir von ihrem letzten Arztbesuch berichtet hat. Sie ist sicher nicht die einfachste Patientin, hat sie doch eine Menge dokumentierter Allergien – tatsächlich hat sie sich von mir eine Liste zusammenstellen lassen, damit der neue Hautarzt den sie besucht die Info auch hat. Ihr momentan akutes Problem ist eine schlecht heilende Wunde, die ihr letzter Hautarzt bei der Entfernung eines möglichen weissen Hautkrebses im Gesicht hinterlassen hat. Deshalb wollte sie nicht mehr zu dem und hat sich einen neuen gesucht, der auch die verschiedenen sonstigen Probleme (sie ist sehr sensibel und hat auch gelegentlich juckende Ausschläge) wieder einmal anschauen sollte. Nun … das hat er nicht wirklich. Sie war wohl bei ihm und hat ihm die Probleme geschildert, aber angeschaut hat er nichts. Ihre Hautausschläge hat er als normales Problem wegen trockener Haut abgetan und ihr ein rückfettendes Duschmittel und Bodylotion aufgeschrieben – beides mit Polidocanol als juckreizstillendem Mittel drin. Nun, zumindest für einmal nicht Cortison … das wäre sonst die Standardverschreibung vom Hautarzt. Auf der Kopfhaut hat sie auch immer wieder Ausschläge, was er auf dasselbe zurückgeführt hat, obwohl sie rasch fettiges Haar und auch fettige Schuppen hat (wie gesagt, angeschaut hat er nichts) – für das hat er aber nichts aufgeschrieben, sondern ihr in der Praxis ein Shampoo von Eucerin verkauft. Sie war nach 7 Minuten wieder draussen – und das bei einem Erstbesuch. Sie meinte auch, dass die Praxis gut besucht war und die Patienten vor ihr auch nicht länger hatten.

Meine Kundin / Patientin war also ziemlich irritiert vom Arztbesuch … und hat sich beim Eucerin gefragt, ob sie das eventuell schon mal hatte, da ihr der Name bekannt vorkam. Nun, wir haben die Produkte ja auch hier, kein Wunder kommt ihr die Marke bekannt vor. Als sie mich aber gefragt hat, weshalb er ihr nichts verschrieben hat, da … habe ich sie darüber aufgeklärt, dass man das Shampoo auch ohne Rezept bekommt – tatsächlich hat das keine „Listung“, das bedeutet es ist freiverkäuflich eigentlich überall … also auch beim Arzt.

Sie fand das nicht so toll, denn wenn sie das gewusst hätte, hätte sie das kaum beim Arzt bezogen. Immerhin hatte sie auch keine Möglichkeit zu überlegen, ob sie das wirklich will.

So etwas kommt aber immer häufiger vor, gerade Hautärzte nehmen  bei sich ein Zusatzsortiment auf von Hautpflegenden Medizinalprodukten, die sie dann selber an die Patienten verkaufen  (dürfen).

Die andere Ärztegruppe, bei denen ich das sehe, sind die Augenärzte. Mein Mann war letztens beim Augenarzt mal wieder den Augendruck messen – und hat dabei wieder eine Packung befeuchtende Augentropfen einfach in die Hand gedrückt bekommen. Er habe trockene Augen. (Wer nicht?). Die Packung des OTC Produktes, das auch nur eine Zulassung als Medizinalprodukt hat (und satte 21 Franken kostet)  musste er nicht gerade dort bezahlen, aber sie fand sich dann in der Abrechnung des Arztes, die wir zugeschickt bekommen separat wieder.

Damit bin ich auch nicht wirklich glücklich. Die (oder ähnliche) hätte er via mich sogar günstiger bekommen … und so wie ich ihn kenne, benutzt er die sowieso nicht. Also habe ich ihm dringend geraten, beim nächsten Mal zu sagen, dass er die nicht will.

Aber ich sehe schon das Problem: Wer „getraut“ sich schon beim Arzt (immer noch dem Halbgott in weiss) zu sagen, wenn der einem etwas „empfiehlt“ (was das Verkaufen ja auch ist, egal ob direkt oder auf Rechnung): „Nein, damit warte ich noch.“ Oder vielleicht: „Gibt es da nicht etwas, das von der Krankenkasse übernommen wird?“ Oder: „Das hole ich lieber in der Apotheke, wenn ich es brauche?“

Ein bisschen ist das ausnützen der Situation.

Und das kommt immer mehr. Offenbar verdienen die Ärzte zu wenig. Wird das jetzt noch schlimmer, mit der neuen Tarmed?

 

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Ein Erfahrungsbericht von“gepflegter Krätze“

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Leserin Johanna hat meinen letzten Krätze-Artikel zum Anlass genommen, von ihrer eigenen Erfahrung damit zu schreiben. Interessant dabei, dass es nicht der „typische“ Fall ist – vielleicht etwas, das man in der Apotheke im Hinterkopf behalten sollte:

Meine Familie hatte vor ca. 10 Jahren die Krätzen(Skabies), allerdings in Deutschland.

Der Artikel ist lang, daher das Wichtigste zuerst:
Bei neuem Juckreiz am Körper, der
– vor allem auftritt oder zunimmt, wenn man zur Ruhe kommt,
– nachts im Bett beginnt oder dort nochmal stärker wird,
– durch nichts zu lindern ist,
– im Laufe der Zeit (Wochen) langsam an Fläche und Intensität gewinnt,
ist unbedingt die Diagnose Krätze (Scabies) in Betracht ziehen. Auch wenn man „kaum was sieht“. Geht zum Hautarzt, wird Euch nicht geholfen, zum nächsten. Lasst Euch nicht abwimmeln. Ich würde sogar so weit gehen, im Zweifelsfall trotz negativer Diagnose einen Versuch der Eigenmedikation zu unternehmen.

Unsere Geschichte:

Die Ansteckung von Familienmitglied Nr.1 erfolgte im Rahmen eines Klinikaufenthaltes. Da dieser sehr lang war, brach die Krankheit auch dort aus, und wurde anschließend fehlbehandelt. Unseren Bitten und Aufforderungen, einen Hautarzt hinzuzuziehen, wurde nicht entsprochen.

Zwei Monate nach Familienmitglied Nr. 1 trat der Juckreiz bei mir auf, es folgte der Rest der Familie. Die richtige Diagnose erhielten wir weitere 2 Monate später, insgesamt 4(!) Monate nach Ausbruch der Krankheit. Dabei wurden in diesem Zeitraum permanent Ärzte konsultiert, die Klinik um entsprechende Ursachensuche und Behandlung gebeten, aufgefordert, etc.

Unsere Erfahrungen:

Der Juckreiz ist unvorstellbar schrecklich. Sobald man zur Ruhe kommt, vor allem abends und nachts im Bett, wird er stärker, mit Fortschreiten der Krankheit immer unerträglicher.

Nichts hilft, kein Kratzen, kein Baden, keine Körperlotion. Ein Kind verwendete Coolpacks und Kühlakkus, diese verschafften neben „Blutigkratzen“ für kurze Zeit Linderung.

Ich war 1,5 Monate nach dem ersten Auftreten des Juckreizes bei mir so sehr am Ende, dass ich mich am liebsten in ein künstliches Koma hätte versetzen lassen, so stark war die Beeinträchtigung, so aussichtslos die Situation.

Der Juckreiz zu Beginn der Erkrankung fühlt sich an wie das leicht ziehende Jucken der Haut ein paar Tage nach einem starken Sonnenbrand.

Nach einiger Zeit juckt nicht nur die Fresstätigkeit der Milben unter der Haut, nach dem ihrem Ableben verbleiben die Milben dort, die Reaktion der Haut bzw. des menschlichen Körpers auf die „Milbenleichen“ führt ebenfalls zu Juckreiz.

Niemand in unserer Familie hatte die klassischen, im Netz zu findenden Krankheitszeichen: Wir hatten kaum Pusteln, kein Sekundärekzem, 2-3 „Milbengänge“ wurden zwar beobachtet, jedoch nicht als Anzeichen von Krätze identifiziert. Im Grunde genommen stimmten unsere Krankheitszeichen kaum mit dem überein, was im Netz zu finden war. Daher las ich auch unzählige Male über Krätze (Scabies) hinweg.

Es gibt eine sogenannte „gepflegte Scabies“. Bei Menschen, die ihren Körper intensiv pflegen, sind die typischen Krankheitszeichen nur schwach ausgeprägt. Meines Erachtens betreiben und betrieben wir keine überdurchschnittliche Körperpflege, jedoch war es offensichtlich eine „gepflegte Scabies“.

Nach unserer Diagnose sprach ich einzelne Leute in meinem Umfeld darauf an, dass sie möglicherweise angesteckt sein könnten (Kinder hatten gespielt, gekuschelt). Man beschrieb auf Nachfrage genau das Hauptsymptom, nämlich Juckreiz, welcher in Ruhe auftrat, nachts im Bett zunahm und durch nichts zu lindern war. Trotz entsprechender Hinweise erhielten diese Leute teilweise erst beim 3. Hautarzt Hilfe, manche kauften sich die Medikamente nach mehreren erfolglosen Arztbesuchen selbst, worauf die Symptome dann auch abklangen.

  • Bei uns ging man tatsächlich nach einer Weile von psychosomatischen Ursachen aus und wollte uns tatsächlich weismachen, der Juckreiz übertrüge sich psychisch auf die anderen Familienmitglieder, so wie man sich auch gleich den Kopf kratzt, wenn man hört, dass jemand Läuse hat. Wir schliefen schlecht, waren gequält durch den permanenten Juckreiz, die Kinder waren blutig gekratzt, wir wussten nicht, ob und wann das je vorbei sein würde, und dann durften wir auch noch rätseln, welch gravierendes psychisches Thema dafür verantwortlich war.

Behandlungsversuche der Ärzte bei uns und Bekannten bzw. Historie:

  1. Arztbesuch wegen Juckreiz. Allgemein- oder Hautarzt stellt trockene Haut fest, verschreibt Creme und ordnet weniger Baden und Duschen an. (Achtung: Hauttrockenheit oder scheinbare Hauttrockenheit kann bereits Symptom sein).
  2. Arztbesuch ein bis zwei Wochen später, da keine Besserung. Verschreibung des ersten Antiallergikums.

  3. Arztbesuch ein bis zwei Wochen später. Inzwischen statt Besserung Verschlimmerung. Verschreibung des zweiten Antiallergikums. Evtl. Allergietest, welcher negativ ausfällt.

  4. Ein bis zwei Wochen später, also 4-8 Wochen nach dem ersten Juckreiz, hat der Patient Glück, wenn er zum Hautarzt geschickt wird und dieser die Krankheit korrekt diagnostiziert.

  5. Nachdem bei Familienmitglied Nr.1 die Diagnose endlich erfolgt war, ging ich ebenfalls zu einem Hautarzt, beschrieb unsere Krankheitsgeschichte, sagte ihm, dass ich die Krätze habe, worauf er grinste und meinte, genau das habe er sich gedacht, der Verlauf und die bis dato erfolglosen Behandlungsversuche seien klassisch. Ich war nicht die Erste mit diesem Leidensweg.

Nach der Diagnose waren wir erleichtert, aber das Leiden war noch nicht vorbei. Medikamente töten die Milben, aber die „Milbenleichen“ verbleiben in der Haut, bis diese sich erneuert hat, d.h. der Juckreiz bleibt in verminderter Form bestehen. Aus diesem Grund war ich mir nie sicher, ob wirklich alle Milben tot waren, nahm der Juckreiz zu, brach ich in Panik aus. Ich wiederholte die Standardbehandlung mehrfach, da ich sonst nicht zur Ruhe kam. Die Vorstellung, Milben in der Haut zu haben war unerträglich.

Die Erkrankung an Krätze, weist ähnlich wie ein Befall mit Läusen, nicht auf mangelnde Körperpflege hin. Trotzdem reagiert das Umfeld, als wäre dies so.

Ich informierte das Gesundheitsamt, dort wurde nichts unternommen. Man kuckte mich nur teilnahmslos an, ja, das sei bekannt, Scabies gäbe es wieder.

In der Klinik gab es meines Wissens auch keine gezielten Maßnahmen wie z.B. spezielle Information des Personals und ehemaliger Patienten, was ich unverantwortlich fand, denn es quälten sich inzwischen mit Sicherheit noch weitere Leute und warteten auf Besserung durch Eincremen, Nichtbaden und Antiallergika.

Die für die monatelange Fehlbehandlung verantwortliche Klinikärztin hatte keinen Schneid, mich anzurufen und sich zu entschuldigen, auch die anderen Ärzte, die den Rest der Familie fehldiagnostiziert hatten, äußerten weder Bedauern noch Entschuldigung.

Manchmal ärgere ich mich auch heute noch darüber, dass ich damals auf die Ärzte nicht mehr Druck gemacht habe bzw. nicht einfach noch weitere Ärzte aufgesucht habe, dann wären unserer Familie insgesamt einige Monate Juckreiz erspart geblieben.

Eines für alles – Multitalent Cortison

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Die Mutter reicht mir ein Rezept vom Hautarzt für ihr Kind, ein kleines Mädchen. Ich suche die Sachen zusammen und schreibe es entsprechend den Vorgaben des Haut-Arztes an:

Clarelux Schaum – 1 x täglich auf Stellen der Kopfhaut auftragen.

Dermovate Salbe – 1 x täglich auf Stellen an den Beinen auftragen.

Optiderm Creme – 2-3 x täglich auf die Beine auftragen (nach Diprogenta).

Ich erkläre ihr die Produkte und die Anwendung bei der Abgabe.

Alles gut und sie geht.

Ich ziehe mich ins Büro zurück um ein paar verwaltungstechnische Sachen zu erledigen (Arbeitspläne schreiben gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, muss aber auch erledigt werden). Ich gehe mit Konzentration an die Sache weshalb ich die Zeit nicht sagen kann, die vergangen ist, als auf einmal unser Drogist Urs vor mir steht:

Urs: „Du hattest doch vorher eine Patientin mit dem da.“

Er zeigt mir den Schaum und die Dermovate Salbe

„… und jetzt ist der Vater da und hat eine Frage.“

Hmm, seltsam. Ich dachte eigentlich, das war ein ziemlich einfaches und deutliches Rezept und ich habe doch alles auf die Dosierungsetikette geschrieben …?

Ich gehe nach vorne.

Der Vater deutet auf die Produkte unter meiner Nase: Dermovate und Clarelux

Vater: „Da steht drauf, das ist für den Kopf.“

Pharmama: „Ja?“

Vater: „Und da steht drauf, das ist für die Beine.“

Pharmama: „Ja.“ (?)

Vater: „Aber das kann nicht sein.“

Pharmama: „Weshalb?“

Vater: „Da ist bei beiden dasselbe drin.“

Das stimmt sogar, bei beiden ist es Clobetasol – wie das neu ja auch schön gross auf der Packung steht. Ein Cortison.

Pharmama: „Ja. Und?“

Vater: „Aber sie hat verschiedene Sachen auf dem Kopf und an den Beinen, das ist nicht dasselbe.“

Pharmama: „Für was braucht sie es auf dem Kopf?“

Vater: „Sie hat so Haarausfall an runden Stellen.“

Pharmama: „Ja – kreisrunder Haarausfall, das ist auch für das.“

Vater: „Und an den Beinen hat sie an einer Stelle so rote, schuppige Haut.“

Pharmama: „Ja, wahrscheinlich ein Ekzem? Das ist auch dafür.“

Vater: „Aber … kann das sein?“

Pharmama: „Ja. Der Wirkstoff ist ein Cortison.“

(geschockter Blick vom Vater – wieso ist das immer noch so verrufen? Ich kenne keinen einzigen Fall in den bald 20 Jahren Apotheke, der von Kortison aufgetragen oder gar eingenommen üble Nebenwirkungen gehabt hätte. Und trotzdem ist das noch so in den Köpfen der Leute.).

„Das ist ein sehr wirksames Mittel gegen alle Arten von Entzündungen und Hautveränderungen aufgrund vieler Ursachen.“

Vater: „Dann ist das wirklich gegen beide Probleme – derselbe Wirkstoff?“

Pharmama: „Ja. Und es sind verschiedene Mittel, da man Salbe nicht so gut in die Haare schmieren kann: das verfettet alles, deshalb ist das eine ein Schaum.“

Vater: „Okay … Tut mir leid für die Störung!“

Pharmama: „Kein Problem.“

Er nimmt die Produkte und geht wieder.

 

Jaaa … Hautärzte. Die verschreiben sehr gerne Kortisonhaltige Mittel … ich meine, ich versteh’s ja. Ein Multitalent und sehr wirksam mit meist schnellem Effekt. Vielleicht sollten sie es aber noch ein bisschen besser erklären, was sie da verschreiben.

Wenn’s juckt und beisst …

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Mann um die 50 in der Apotheke:„Haben Sie Salbe gegen beissende Haut?“

Pharmama: „Ja, haben wir. Suchen Sie eine bestimmte?“

Mann: „Gegen beissende Haut.“

Ich bringe ihn zur richtigen Stelle: „Hier sind unsere Salben gegen Juckreiz: Fenistil, Dermacalm, oder …“

Mann: „Da steht aber nicht drauf gegen beissende Haut.“

Pharmama: „Ja, aber da steht drauf: gegen Juckreiz. Alle diese Produkte sind dafür geeignet.“

Mann: „Ich nehme nur eine, wo genau das auf der Schachtel steht. Danke.“

Kreative Anwendungsformen

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„Kann ich meine Akne-mycin Kapseln auch öffnen, den Inhalt in meine Tagescreme machen und das dann auf das Gesicht auftragen?“

Lieber nicht. Das hat nicht den gleichen Effekt … Oder: vielleicht fragen Sie besser ihren Arzt, damit der was anderes verschreibt?

Bitte nicht so.

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„Oh – Sie haben ja Zwei!“ ruft der Kunde vor dem Naturheilmittel-Regal stehend aus, kaum bin ich zu ihm gekommen.

Leider steht er so weit weg von den „zwei“, dass ich keine Ahnung habe, wovon er redet. Aber er fährt schon fort:

„Das letzte Mal hatten sie nur einen Sirup!“

Aha – er meint also den Hollundersirup, der –jetzt wo die Erkältungszeit wieder anfängt auch wirklich in mehrfacher Ausführung vorhanden ist.

„Ich nehme dann mal beide.“ – meint der Mann und wendet sich ohne darauf zu warten, dass ich sie mitnehme schon der Kasse zu.

Ich folge ihm mit den beiden Flaschen, nur um von ihm einen Zettel unter der Nase durchgezogen zu bekommen: „Und so eine hätte ich auch gerne noch!“

– der Zettel ist nach einer dreiviertel Sekunde schon wieder in der Tasche verschwunden, aber ich habe darauf gerade noch erkennen können, dass es ein Duschmittel von Weleda ist und Dank der Farbe weiss ich auch welches.

„Sehr gut!“ Lobt mich der Mann, als ich es apportiere „Das haben Sie also auch?“

Ich (lächelnd): „Ja. Darf es sonst noch etwas sein?“

Er: „Nein, das ist alles.“

Nach dem Einkassieren, bei dem er sich unglaublich viel Zeit lässt so ziemlich alle Münzen die er besitzt aus dem Portmone zu klauben und ich versuche meinerseits nicht halb so ungeduldig zu wirken wie er vorher, meint er: „Ich hab’ doch noch was: ein Exsipal!“   (ja, so ausgesprochen)

Von Excipial gibt es unglaublich viele verschiedene Formen, also frage ich zur ersten Unterscheidung: „Creme oder Lotion?“

Er: „Das Flüssige!“

„Okay, und wissen Sie auch noch, ob es die Hydro- oder die Lipolotio gewesen ist, oder vielleicht die Mandelöllotion?“

Er (schon wieder ungeduldig werdend: „Zeigen Sie sie mir, dann sage ich Ihnen welches!“

„Das wird schwierig,“ – meine ich – „die haben letztens die Packungen gewechselt und …“

Dem Mann bin ich ganz offensichtlich nicht schnell genug und er unterbricht mich: „… Wenn ich sie sehe, weiss ich welches, bringen Sie sie her!“

Nun denn. Ich hole Lipo- und Hydrolotio (die Mandelöl ist neu, die lasse ich momentan noch weg, das verwirrt ihn nur noch mehr, denn ich weiss genau, was jetzt kommt) und stelle sie vor ihn auf den Tisch.

Er: „Und welche ist jetzt die Creme und welche die Lotio?“

Ich: „Das sind beides die Lotionen. Die haben die Packung gewechselt und …“

Er: „Meine hat aber nicht so ausgesehen! Die sehen ja beide genau gleich aus!“

(Das will ich ja die ganze Zeit schon erklären!)

Ich: „Ja – mit dem Unterschied, dass auf der einen ein „L“ und auf der anderen ein „H“ steht und …“

Er reisst die eine Packung auf (ich kann es nicht anders nennen, die Schachtel ist danach halb kaputt)

Ich (leicht entsetzt): „Die sind auch innen nur noch weiss!“ und nehme (vorsichtig) die andere Dose heraus zum zeigen.

Er stellt seine vor sich: „Die ist ja nur noch weiss!“

Ich: „Ja – das ist das, was ich ihnen die ganze Zeit gesagt habe. Halt!

Und ich bremse ihn gerade noch, bevor er die Dose auch noch aufmacht.

„Wenn Sie die aufmachen, müssen Sie sie auch kaufen. Versuchen wir doch erst herauszufinden, welche Sie hatten.“

Er. „Sie war flüssig!“

Ich: „Das sind sie beide. War das für normale bis trockene Haut oder für trockene bis sehr trockene?“

Er: „Trockene Haut!“

(Seufz)

Ich: „Okay. Hat die Lotio geklebt, nachdem Sie sie eingestrichen haben?“ (Das macht die fettere Lipolotio nämlich).

Er: „Das weiss ich nicht mehr, aber sie war ziemlich flüssig.“

Ich: „Dann würde ich ihnen raten, die leichtere, die Hydrolotio zu nehmen, die ist ziemlich flüssig.“

Er: „Ach – ich weiss nicht. Ich habe zu Hause noch die alte Dose …“

Ich: „Dann könnten Sie da drauf nachsehen, welche es ist, oder Sie bringen sie mit.“

Er: „Aber die Dose war ganz anders farbig.“

Ich: „Ja – weil die Firma die Packungen gewechselt hat, die sind jetzt alle weiss.“

Er: „Na – dann warte ich noch.“

Bitte.

(Danke gar NICHT liebe Spirig für dieses Zwischenspiel. So was braucht dermassen Nerven und Zeit …)

Könnten Sie sich das mal ansehen?

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Ich habe zugegebenermassen einiges mehr Mühe, wenn ich Haut beurteilen soll und sie ist … dunkel. Ich sehe bei afrikanisch oder indisch-stämmigen Leuten einfach fast nicht, ob das jetzt entzündet ist oder nicht. Bläschen sind viel weniger gut sichtbar – am besten sehe ich noch, ob es trockene Schuppen hat. Manches spürt man auch besser, als dass man es sieht.

Ich bin sicher dass wenn man das häufiger hat, das auch besser geht, aber ich habe da einfach keine Übung.

Aber … für das nächste Mal wäre es eine wirklich sehr gute Idee, erst mehr zu fragen, was das sein könnte – statt die betroffenen Hände des Kindes gleich anzufassen … auch wenn die Mutter das Kind einem in die Arme drückt.

Vor allem, wenn es sich nach allem Nachfragen dann wahrscheinlich um einen Fall von Krätze handelt.

Oh – Ah – bitte gehen Sie damit zum Arzt. Und sagen ihm vorher, was ich vermute.

WO ist das Desinfektionsmittel?

Aber mal davon abgesehen: ist es nicht erstaunlich, was für Farben die Haut so haben kann?

allhuman

Wart’z ab

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„Haben Sie Mittel gegen Warzen?“ Fragt mich der ältere Mann.

Pharmama: „Eine Menge. Wo haben Sie die Warze denn?“

Mann: „Auf dem Auge.“

Pharmama: „Auf dem Auge??“

Mann: „Ja, hier.“ – Er zeigt sie mir kurz. Es ist eine Alterswarze und ja, direkt oberhalb des beweglichen Augenlids.

Pharmama: „Das ist eine Alterswarze – und an der Stelle … da kann ich ihnen nichts geben zum wegmachen. Da müssten sie zum Arzt.“

Mann: „Ich gehe sicher nicht zum Arzt. Reine Geldverschwendung. Geben Sie mir einfach etwas dagegen.“

Pharmama: „Ich kann ihnen keines von den Mitteln geben. Die sind für Warzen an den Händen und Füssen. Ums Auge hat man sehr empfindliche Haut, da kann ich ihnen nichts geben zum wegätzen oder weg-eisen.“

Mann: „Wo haben sie die Warzenmittel?“ Er schaut sich suchend um, wenn er die im Griffverkauf sehen würde, würde er wohl eines nehmen, um mich zu „zwingen“ es ihm zu verkaufen.

Ich rühre mich nicht vom Fleck.

Pharmama: „Nochmal: Ich KANN ihnen für diese Stelle kein Warzenmittel geben. Sie riskieren ihr Augenlicht.“

Mann: „Lassen Sie das mein Problem sein. Geben sie mir einfach eins von den Mitteln, die sie haben.“

Pharmama: „Nach dem was sie mir erzählt haben kann ich ihnen guten Gewissens kein Mittel verkaufen.“

Mann: „Und inoffiziell?“

Ich schüttel den Kopf.

Man stelle sich vor, was passiert, wenn er mit der Säure (ja, das ist es) danebentropft – ins Auge… oder sich mit dem Eisstift glatt durch die Haut ‚brennt‘ …

Er schaut mich wütend an: „Und was mache ich jetzt damit?“

Pharmama: „Wenn Sie die Warze weghaben möchten, dann zeigen sie sie einem Arzt.“

„Alles Halsabschneider!“ murmelt er wütend, während er sich auf dem Weg aus der Apotheke macht.

😦 Ob er jetzt den Arzt damit meint oder mich, weiss ich nicht.

Ich verstehe ja, dass das frustrierend ist, wenn man gar nichts bekommt, aber … das hat gute Gründe. Kann er das nicht verstehen??

Schwarztee-Umschläge

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Schwarzteeumschläge kann man einsetzen zur Behandlung entzündlicher Haut. Sie helfen bei Rötung, Nässen, Spannungsgefühl. Neurodermitisähnlichem und Ekzemartigem. Der Vorteil: Schadet nicht. Auf die normale Behandlung (wo verschrieben), also Kortisonsalben und Grundpflege durch fettende Salben und Cremen sollte man deshalb aber nicht verzichten.

 

Für Schwarztee-Umschläge braucht man:

Schwarztee ohne Zusätze und ohne zusätzlichem Früchtemix.

So geht das: 

Übergiessen Sie den Teebeutel mit heissem Wasser und lassen Sie ihn lange ziehen.

Legen Sie den Teebeutel erst auf die betroffene Stelle, wenn er gut abgekühlt ist. Anstatt den Teebeutel direkt auf die Haut zu legen, können Sie auch einen Waschlappen (oder Watte) mit dem Tee befeuchten und auf die betroffene Stelle legen.

Lassen Sie den Tee ca. eine Halbe Minute einwirken.

Fetten Sie danach die betroffenen Stellen unbedingt mit einer fettenden Salbe ein. (Excipial Creme, Mandelölsalbe oder ähnlichem)

Machen Sie diese Behandlung je nach Anweisung ein‐ bis zweimal pro Tag.

So wirkt es

Die Bittersubstanz des Schwarztees härtet die Haut ab. Mit anderen Worten: Die Haut wird "witterungsfähiger".

Die Kälte der Schwarztee‐Umschläge macht die Gefässe zu. Die Rötung nimmt deshalb ab.

Nicht erschrecken: Die Schwarztee‐Umschläge haben einen gerbenden Effekt auf die Haut. Diese kann leicht gelblich erscheinen.

 

Übernommen wurde der Text von Dr. Scheideggers Homepage http://www.allergieundhaut.ch, wo sich auch noch mehr Interessantes findet.

(Siehe auch die Merkblätter)

Ich durfte Dr. Scheidegger schon in Weiterbildungen erleben – und das war sehr lehrreich und auch hilfreich für die Praxis. Speziell die Schwarzteeumschläge – so einfach sie sind – konnte ich schon ein paar Mal (und erfolgreich) empfehlen.

Hier ein Danke an den Arzt, der sich für die Weiterbildung der Apotheker einsetzt!

Sag’s mir!

Ich liebe Rückmeldungen, speziell natürlich jene, die gut sind, aber auch sonst. Ich bin neugierig – und wenn ich etwas empfehle, wüsste ich gerne, ob es auch wirklich so gewirkt hat, wie es soll.

Heute lag auf meinem Schreibtisch ein Zettel mit der Nachricht:

Frau Ambach* bedankt sich. Sie sagt, es sei schwarzer Eiter drin gewesen und sie knapp an einer Blutvergiftung vorbeigekommen.

Ah ja. Sie war gestern morgen hier mit einem Problem. An ihrem Oberarm hatte sie eine Stelle  im Muskel, unter der Haut, die ihr wehtat. Sie wollte mich fragen, ob sie da weiter Zugsalbe draufmachen soll. Ich habe mir den Arm angeschaut – von aussen war kaum etwas zu sehen, eine leichte Rötung, wo die Zugsalbe bisher drauf war. Ich habe versucht etwas zu ertatsten, dabei gemerkt, dass die Stelle einiges wärmer war als die Umgebung (Entzündung?) und tief innen eine Verhärtung, aber verschiebbar. Schmerzen hatte die Frau keine auch nicht beim abtasten, aber sie meinte da sei etwas drin – es spanne.

Ich habe ihr dann geraten da nicht selbst weiter zu basteln, sondern gleich zum Arzt zu gehen, da ich denke, dass sie da eine Entzündung hat, ziemlich tief unter der Haut und vielleicht Eiter. Und der geht nicht alleine weg.

Und Zugsalbe … ist okay für Eitriges direkt unter der Hautoberfläche, aber bei tieferen Sachen kommt das nicht hin … und sie ist auch kein Magnet für Holz, Glas oder anderes.

Frau Ambach ging dann anscheinend gleich – und es war eine Eitertasche. Ein Abszess, den sie ihr im Spital geöffnet haben und sie dann mit einem Rezept für Antibiotika und Schmerzmittel wieder heimgeschickt.

Ich finde das spannend.

(wie üblich: alle Namen geändert)