Lehrstellen, Leerstellen?

In der Apotheke / Drogerie in der ich arbeite bekommen wir aktuell täglich Anfragen zu Lehrstellen und Schnupperlehren. Das ist interessant – ich meine … eigentlich ist es nichts neues, wir bilden sind ein Lehrstellenbetrieb und bilden aus, aber so viele Anfragen hatten wir glaube ich noch nie.

Nach dem Lehrergespräch vor etwa 2 Wochen, ist mir etwas klarer, weshalb. Es ist nicht nur, dass die Schüler (Junior jetzt auch) lernen müssen Bewerbungen zu schreiben. Sie sollen aktiv Schnupperlehren suchen, um einen Einblick in das Berufsleben zu erhalten. Und es scheint schwieriger zu sein, eine Lehrstelle oder Schnupper-Lehr-Stelle zu finden. Gerade jetzt können viele Betriebe keine Anbieten. Lockdown (egal wie halbpatzig), Homeoffice, geschlossene oder heruntergefahrene Betriebe. Ich will nicht die vorgeschriebenen Hygienekonzepte dafür verantwortlich machen, das geht auch mit, wie die normale Arbeit, macht es aber teils aufwändiger.

Es ist ein bisschen eine Trendumkehr. Vor-Corona mussten Geschäfte in manchen Branchen und Orten fast um Bewerber buhlen. In den letzten Jahren hatten wir wenig Auswahl an Lehrlingen, dieses Jahr gehen wir fast unter in Bewerbungen. Gleichzeitig nimmt die Anzahl Studenten wieder zu. Spannend auch, dass die Stadtflucht abnimmt / sich umkehrt, man besinnt sich wieder auf lokales.

Apotheken / Drogerien gehören zu den Geschäften, die offen haben und auch weiter offen bleiben werden. Das macht sie vielleicht auch attraktiver für Bewerbungen, aber ich denke, dass möglicherweise auch andere Betriebe eine Steigerung der Anmeldungen merken?

Jedenfalls – und hier könnte ich die Macht des Internet brauchen – suche ich für Junior Ideen für seine Zukunft, was den Beruf betrifft. Die Apotheke / Drogerie fällt (ich finde: leider) für ihn aus, da er dafür nicht die nötigen schulischen Voraussetzungen hat. Papas Fahrradgeschäft steht ihm zwar immer offen, aber eigentlich suche ich für ihn etwas eigenständigeres.

Er ist in der Oberstufe: Sekundarschule, 2. Klasse: keine Kleinklasse mehr und es läuft gut. Nicht so gut, dass er aufs Gymnasium gehen wird, aber eine Berufslehre und -Schule liegt gut drin. Obwohl er gerne zur Schule geht (und ordentliche Noten schreibt) ist es aber nicht so, dass er das nur um des Lernens willen macht. Er arbeitet gerne mit den Händen, ist handwerklich geschickt, liebt es Sachen auseinanderzunehmen und neu zusammenzubauen (seine Lego-Konstruktionen waren schon immer einzigartig). Er arbeitet lieber mit Metall und Holz und Co als mit Stoff. Er arbeitet gerne selbständig und alleine, sucht aber auch den Kontakt zu anderen Leuten und ist teamfähig. Er ist grundfreundlich und grosszügig – etwas, was er vom Papa hat. Ausserdem hat eine rasche Auffassungsgabe, und als Computer-native ein Händchen für den PC und kann ausgezeichnet auf englisch kommunizieren.

Momentan tendiert er in Richtung Maschinenmechaniker – damit hat mein Papa und mein Bruder auch angefangen, auch wenn sie danach in verschiedenen Branchen gelandet sind (Luftbefeuchter-Kundenbetreuung respektive IT). Ideal fände ich für ihn etwas, das er (als solide Grundausbildung) als Sprungbrett gebrauchen kann oder eine Nische, die vielleicht vor dem Aussterben ist, da kaum Nachfolger gefunden werden. Ich habe nur keine Ahnung, was es da gibt.

Jetzt ihr: was kennt ihr, was könnt ihr empfehlen an Berufen die dazu passen?

Erste Schnupperlehre(n) sollte er noch dieses Jahr machen, aber nächstes Jahr wird es ernst mit der Suche nach einer Lehrstelle. Ich hoffe, bis dahin sieht es wieder besser aus. Allgemein.

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23 Kommentare zu „Lehrstellen, Leerstellen?

  1. Wenn er Metallverarbeitung mag ist auch Polymechaniker was, ist sehr vielseitig und kann man danach auch in diverse Richtungen weiter wenn man mag. Falls ihn Strom und Elektronik auch interessiert ist auch Automatiker was das passen könnte
    Die SBB bietet (via Login) ihn ihren Werkstätten eine sehr gute abwechslungsreiche Ausbildung an. Falls ihr irgendwo da in der Nähe wohnt ist das sicher einen Blick wert.
    Siehe https://www.login.org/de/offene-lehrstellen

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  2. Kommt drauf an, wie eigenständig er ist. Da ich mich mit den Berufsbezeichnungen in der Schweiz nicht auskenne, nehme ich mal die in Deutschland gebrauchten.

    Tischler ist sicher ein Ding. Da hängt aber sicher auch viel vom Betrieb ab, ob es gefällt.
    Dann, wenn es eine Großstadt ist (oder Nähe davon) vielleicht Kulissenbauer o. ä. am Theater. Die sind wirklich kreativ und gefordert und haben reichlich Abwechslung, da ja doch mehr oder minder immer Einzelstücke gefertigt werden.
    Oder industriemäßig dann sowas wie Post, Telekom, Bahn, Energieversorger. Die bilden meist auch in diversen Bereichen aus – Mechatroniker bspw. oder ähnlich.

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  3. Es muss ja nicht Papas Laden sein – ich plädiere für Velomech mit Weiterbildung auf E-Bike. Mein Mann und ich reisen seit einigen Jahren jedes Jahr (sofern nicht grad eine Pandemie wütet) per Velo mehrere Wochen am Stück durch die Lande, und ich hatte bisher auf jeder Tour ein Problem mit meinem E-Bike, und auch mein Mann mit seinem herkömmlichen Tourenrad braucht manchmal Hilfe unterwegs. Vor 2 Jahren war es unglaublich schwierig, in Deutschland eine Werkstatt zu finden, die uns helfen konnte. Mein Problem konnte ich „aussitzen“, bis ich wieder zurück war; aber einen Platten muss man reparieren. Eine Werkstatt hat uns dann netterweise eingeschoben, alle anderen fanden es normal, Touristen auf der Durchreise einen Abholtermin in 10-14 Tagen anzubieten.
    Da dürfte in den nächsten Jahren die Nachfrage eher noch steigen.
    Alternativ wäre vielleicht irgendwas im Bereich Haustechnik etwas? Küchenbauer? Plättlileger? Ofenbauer?

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  4. Wenn er ganz gut mit Computern/Elektro kann und mechanisch begabt ist, dann ist Mechatroniker sicherlich eine gute Basis, von der er sich dann auch in verwandte Richtungen spezialisieren kann. Allerdings wird er da (erst einmal) im eher industriellen Seting landen, vielleicht mit Schichtdienst und weniger Freiräume.
    Ich finde den schon genannten Tischler auch sehr interessant, gerade wenn er auch kreativ sein möchte. Wenn er da gut ist, kann er sich spezialisieren und selbstständig machen. Eine alte Schulkameraden von mir ist in der Möbelrestauration unterwegs, hat sogar nach dem Meister noch ein Designstudium draufgesattelt.

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  5. Eventuell mal Anlage- und Apparatebauer anschauen.. da gibt es auch interessante und anspruchsvolle Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten..

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  6. Hoi Pharmama,
    Mein Junior hat ähnliche Spezialeffekte wie Deiner.
    Er hat von „unserem“ ex-Radio-TV-Menschen im Nachbardorf, der jetzt mehr in Sache Multimedia macht, eine Einladung zum Schnuppern bekommen, weil er ständig dorthin fährt, irgend welche Kabel kauft oder dem Patron Löcher in den Bauch fragt über Apparate und wie man alte Weissderguggerwas für Geräte wieder zum Laufen bringt. Keine Ahnung, wie der Beruf heute heisst :-) (aber Junior ist erst 11, hat also noch Zeit)
    Bei uns auf der Liste sind sonst noch: Automatiker (da müsste er sich in Mathe aber noch mega verbessern), Käser (Milchverabeitungstechniker?), Youtuber, Gamer, und Kleinkindererzieher (FaBe?)

    Meine Kollegin Sarah hat einen Artikel betreffend Berufswahl für „solche Kinder wie unsere“ geschrieben, vielleicht magst du ihn als Inspiration nutzen? Ich habe ihn unter meinem Namen verlinkt.

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  7. Ich kann Anlagenbau empfehlen (k.A. wie das bei euch in der Schweiz heißt). Wir hier in Österreich haben da definitv einen Fachkräftemangel und da wir ein Internationaler Konzern sind weiß ich aus dem DACH-Austausch, dass dieses Problem auch in Deutschland und der Schweiz besteht. Die Betriebe bilden auch aus und wenn man gut ist hat man auch gute Karrierechanchen. Es ist ein Metallverarbeitender Beruf, sehr vielseitig und in zumindest bei uns in Österreich das Gewerbe mit dem besten Kollektivvertrag.

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  8. Hallo Pharmama,
    die Schweiz hat einen guten Ruf bei Holzblasmusikinstrumenten – und der Beruf hat nicht nur mit Holz zu tun…
    Also Instrumentenbau (evtl auch anderer Art?), aber da sollte ein bisschen Begabung für Musik vorliegen (ich weiß nicht, ob er ein Instrument spielt oder daran Interesse hat?)
    Nur ein Vorschlag!
    Liebe Grüße
    stuttgarterapothekerin
    (die demnächst in einer ähnlichen Situation stecken wird…)

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  9. Bei deiner Beschreibung „Nimmt Sachen auseinander und baut sie wieder zusammen“ musste ich spontan an little Dilbert denken:

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  10. Wenn die Möglichkeit besteht, irgendwann in das Geschäft von Papa einzusteigen, etwas das ein eigener Weg ist, aber diesen Schritt auch offen lässt. Fahrradmechaniker hat Zukunft, vielleicht aber auch mit einer anderen mechanischen Lehre anfangen, mit der man auch über einen Umweg zum Fahrrad zurück kommen kann. Schnupperlehre in einem ähnlichem Betrieb wie dem vom Papa, aber wenn es irgendwie geht, nicht dort (zumindest nicht die erste). Vielleicht eher in einer Autowerkstatt anfangen.

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  11. hey, nix auf dem Silbertablett servieren! Es gibt sooo tolle Betätigungsfelder, aber es muss von Herzen kommen, wenn man sich engagieren soll. Einfach mal ein paar Praktika absolvieren, oder die Berufsberatung vom Arbeitsamt in anspruch nehmen. Ich halte es für falsch, die Kinder in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Sie sollen SELBST entscheiden wo es für sie lang gehen kann. Alles andere ist wie zum Jagen tragen. Also grundfalsch.

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  12. Da ich aus Deutschland stamme kenne ich die Regelungen in der Schweiz nicht exakt, mutmaße aber das sie ähnlich der deutschen sind. Hier ist mein (Geheim-)Tipp an junge Leute – Schornsteinfeger / Kaminfeger.
    Das klassische Bild hat schon längst ausgedient. Mittlerweile muß man sehr viel über Technik, insbesondere auch Umweltschutz wissen, braucht aber auch handwerkliches Geschick, von daher interessant und zukunftsträchtig. Man hat hier hier nicht nur beratende, sondern auch eine kontrollierende Funktion – im Kundenkontakt verschafft das einen eine sehr respektable Position. Je nach Engagement bieten sich hier auch sehr gute Aufstiegschancen…

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  13. In meinem bayerischen Landkreis gibt’s eine Siebdruckfirma, die durfte ich im Rahmen meiner IT-Tätigkeit in einer Elektronik-Firma mal besichtigen.
    Klingt langweilig, Siebdrucker? Nun, was die wirklich machen sind komplette Frontplatten für diverse Gerätschaften, auch für die wirklich großen Maschinen. Da müssen also auch die Platten zugeschnitten und die erforderlichen Öffnungen exakt passend da „irgendwie“ reingebracht werden. Da sind wir dann bei der Metallbearbeitung.
    Größere Stückzahlen werden maschinell gefertigt, da braucht es Computerkenntnisse, speziell CNC. Aber sie machen auch Sonderanfertigungen, also Einzelstücke oder Kleinstserien. Da lohnt sich dann das Programmieren und Maschineneinrichten nicht, sondern man macht das manuell.
    Du merkst, der Siebdruck, also das Beschriften, ist nur ein kleiner Teil der Aufgabe. Aber kein unwichtiger, da man Einiges über Lacke und Farben und deren Verhalten auf unterschiedlichen Metallen wissen muss.
    Und Maschinen werden außerdem immer gebaut werden. Die Sache hat also Zukunft.

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  14. Ihr habt doch da unten eine funktionierende Uhrenindustrie. Wäre das nicht was?
    Ansonsten: Mein Vater war gelernter Werkzeugmacher. Das ist eine Metallausbildung, so etwa wie Schlosser. Damit ist er dann in die Motorentechnik reingekommen, und von dort aus ging es dann als Maschinist und später Schiffsingenieur auf große Fahrt. Zum Schluss war er dann Reedereiinspektor und hat Schiffs-Neu- und Umbauten und Reparaturen auf der ganzen Welt beaufsichtigt – und das bis zum 71. Lebensjahr. Danach hat er sich bei uns im Vorgarten einen (natürlich funktionierenden) Hubschauber gebaut – natürlich kein Modell! Er hatte jedenfalls was von der Welt gesehen, und er hatte ein erfülltes Leben gehabt. Ein einzigartiger Mensch.

    Was kann man daraus lernen? Nicht zu früh spezialisieren, möglichst viel mitnehmen, immer neugierig bleiben und schauen, was das Leben einem so bietet.

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  15. Orthopädietechniker. Beine bauen ist super! Man verbindet ganz viele Gewerke, arbeitet im Team, aber trotzdem selbstständig. Man muss pfiffig sein, Menschen so nehmen wie sie sind (Körperteile/-Funktionen gehen selten ohne Trauma verloren) und kann und sollte seine Erfahrungen benutzen, um noch bessere Versorgungen zu bauen. ADHS ist definitiv kein Problem, wenn man sich an den Maschinen zusammenreißen kann und halt bei Kunden ruhig bleibt, bei denen das wichtig ist. Gibt auch genug andere Kunden und an der Klatsche haben wir alle einen… wir arbeiten mit Metall, Kunststoffen aller Art, Carbon, Harz, Elektronikteilen, etc. Jede Versorgung ist individuell, aber der Ablauf ist immer gleich, man hat also Strukturen zum Langhangeln, aber Platz zum Entfalten. Man kann sich zumindest in Deutschland auch spezialisieren. Wie das in der Schweiz aussieht, weiß ich nicht. Aber dass es dort gute Techniker gibt. Es gibt viele Austauschprogramme und einige meiner Mitschüler waren in der Schweiz und begeistert von der Qualität der Versorgungen

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