Wünsche an Industrie und Registrierung – von einer einfachen Apothekerin

Obwohl ich mit der Arbeit in der Apotheke grundsätzlich zufrieden bin (v.a., wenn wir den finanziellen Aspekt hier mal raus lassen), gibt es doch ein paar Dinge, die ich mir dafür wünschen würde, Sachen, die ich vermisse / gut brauchen könnte. Die mir die Arbeit doch auch gelegentlich erleichtern würden. Das sind sie:

1. Eine Identa – ich hätte gerne alle Tabletten, Kapseln, Brausetabletten, Dragees und was es noch so gibt, an einem zugänglichen Ort gesammelt in einer Form, dass ich sie suchen und zeigen kann. So wie in der Identa der deutschen gelben Liste. Es kommt nämlich noch gelegentlich vor, dass jemand mit etwas kommt, von dem er nicht mehr weiss, für was es ist. Im Moment habe ich zwar von verschiedenen Firmen (Mepha, Spirig) eine Qualitätsdokumentation, ein festes Buch, wo neben der Medikamentenbeschrieb auch ein Bild drin ist – das ist aber weder übersichtlich noch komplett und es lässt sich auch nicht „umgekehrt suchen“, also von Tablettenform auf den Medikamentennamen schliessen. Die Identa, die es mal gab – von 2002 ist komplett überholt – da sind noch nicht mal Generika drin. Bitte liebe Industrie und Swissmedic – das kann doch nicht so schwer sein. Deutschland schafft das, Amerika schafft das (mitsamt den vielen Importen und Generika: z.B. auf epocrates) und wir in der Schweiz bekommen das nicht fertig?

UPDATE: inzwischen hat auch die Schweiz das hinbekommen – die meisten festen Formen finden sich jetzt in der identa online auf compendium.ch

  1. Die Hilfsstoffe bei der Zusammensetzung der Medikamente angegeben. Speziell Sachen wie Laktose und Gluten. Das ist in der Schweiz nämlich immer noch nicht Pflichtangabe – und es findet sich auch nirgendwo beim Medikament. Wenn es nicht Platz hat im Beipackzettel – zumindest ins Kompendium oder in elektronischer Form gesammelt gehört das irgendwo festgehalten. In anderen Ländern (EU) geht das schliesslich auch! Wir haben nur eine Liste im Internet, die auch noch unvollständig ist, wo ich das mühsam nachschauen kann – so im Sinn, wenn es da drauf steht, ist es Laktosefrei. Wenn nicht, heisst das aber trotzdem nicht, dass Laktose drin sein muss. Und vom Gluten will ich gar nicht anfangen. Da bleibt uns ausser einem direkten Telefon an den Hersteller gar nichts.

UPDATE: das ist nicht besser geworden, eher schlimmer. Die Liste im Internet ist (anscheinend aus rechtlichen Gründen) vom Netz genommen worden. Und die Hersteller schreiben das zum grossen Teil immer noch nicht drauf. :-(

  1. Vernünftige Packungsgrössen! Leute, hört endlich auf solche riesigen Monsterpackungen zu produzieren – speziell für die rezeptpflichtigen Sachen, die in den Apothekerschubladen Platz haben müssen. Früher hat man da noch drauf geschaut beim Design der Packung, heute : Fehlanzeige. Das liegt nicht nur an der Grösse der Tabletten – letzhin hatte ich die Magnesium Complex in der Hand – gleiches drin und die neue Packung ist doppelt so gross wie die alte! Und wenn wir schon dabei sind: überall neu diese silbrigen Alu(?)Blisterpackungen, mit riesigen Kompartimenten (da, wo dann die Tabletten drin sind) – die Tablette sieht man gar nicht mehr (mit Lichtschutz könnte man das noch erklären, ist aber doof, wenn man eine Tablette zeigen will, die gesucht wird – siehe oben) und wenn man versucht sie herauszudrücken, darf man sie praktisch im Kompartiment suchen, weil die Tablette volumenmässig nur ein Fünftel (wenn überhaupt) des Blisterkompartiments ausmacht. Und wenn man Pech hat, verdrückt man sie dabei auch noch. Ja, ich weiss das, weil wir hier die Dosette noch von Hand richten. Grrrr. Das liegt sicher daran, dass es einfacher ist von der Herstellung – man nimmt dann einfach eine Grösse Blister für alle Grössen von Tabletten. Patientenfreundlich ist das aber nicht. Apothekenfreundlich auch nicht.
  2. Die Verfalldaten. Die sind wichtig – ich finde aber, es geht inzwischen bei manchen Dingen zu weit. Wieso ist es bei allen Produkten inzwischen so, dass das Verfalldatum nicht mehr weiter als 5 Jahre über das Herstellungsdatum liegen darf? Für manches macht das so gar keinen Sinn. Könnte man nicht zumindest für die problemlosen Sachen ein 2. Datum draufdrücken im Sinne von: ungeöffnet und bei guter Lagerung bis X.XX verwendbar? Oder dass man auf die problematischen Sachen z.B. ein ! dahinter druckt? Echt, ich sehe den Sinn nicht, warum Salz, Zucker oder homöopathische Sachen ein Verfallsdatum drauf brauchen. Und erst die meisten Chemikalien! Wenn das Zeug ständig „abläuft“ schaue ich natürlich, dass ich nicht mehr so viel an Lager habe – was dazu führt, dass immer weniger gebraucht wird … ein Teufelskreis. Früher hatten wir viel mehr hier für die Kunden oder Rezepturen, heute braucht eine Herstellung schon wegen dem länger.

Und dann noch ein paar Mittel:

5. Irgamid – das hätte ich gerne wieder zurück – oder etwas vergleichbares. Eine antibiotisch wirksame Augensalbe, die ich ohne Rezept beim Gerstenkorn (Hordeolum) abgeben kann. So Sachen sind häufig – aber mit den richtigen Mitteln gut behandel-bar und unproblematisch. Bitte!

  1. Etwas gegen Husten für Kinder unter 2 Jahren – ohne dass zwingend der Kinderarzt bemüht werden muss. Ich verspreche auch, es entsprechend vorsichtig und nur mit Beratung abzugeben, aber …. Irgendwas. Nicht homöopathisches. Ja?
  • Etwas gegen Übelkeit bei Kleinkindern. Es ist ok, wenn das erst ab 1, maximal 2 Jahren ist, aber rezeptfrei. Kinder mit Kontakt zu anderen Kindern schnappen immer mal wieder einen Norovirus auf (bei meinem selbst schon 2x passiert) – und dann kotzt es 1 Tag lang alle Stunde …. Dann noch mit ihm zum Kinderarzt zu müssen ist … aaarrrgh. Zumindest etwas zum 1x geben, dass das soweit aufhört, dass man es wagen kann. Und üblicherweise ist das sowieso abends/nachts oder am Wochenende. Es gibt ja das Itinerol B6 – das sie vor Monaten aus unerfindlichen Gründen in die Rezeptpflicht aufgenommen haben. Es scheint allerdings, dass niemand weiss, warum. Es gab (so mir bekannt) keinerlei negativen Zwischenfälle – auch der Kinderarzt in der letzten Weiterbildung wusste nicht, warum das neu so ist (und fand es auch doof).

  • Ach, ja und wenn wir schon am träumen sind …

    1. Irgendwann würde ich in der Apotheke gerne Impfen dürfen …

    UPDATE: Dazu wurde schon ganz viel erreicht … und mehr ist hoffentlich am kommen. Mit der entsprechenden Ausbildung und den gegebenen Voraussetzungen dürfen Apotheker in der Schweiz gegen manches (z.Bsp die Grippe) impfen. Cool! siehe hier.

    Und ihr? Was hättet ihr denn gerne für Hilfe / Produkte, die ihr vermisst / Wünsche für die Arbeit?

    Wie ist das denn passiert?

    Die junge Frau humpelt in die Apotheke.

    Frau: „Haben Sie mir etwas für meinen schmerzenden Fuss?“

    Pharmama: „Wissen Sie denn, warum er weh tut?“

    Frau: „Ja. Ich war betrunken und habe mir Nachts den Fuss angehauen, als ich versucht habe das Licht im Aquarium anzumachen.“

    Ah. Ok. :-)

    Alt und Neu: Tobler, Pulmoll und Purgella

    Ellen von der kuchenschwarte hat bei der Renovation ihres neu-alten Hauses ein paar interessante Dosen gefunden:

    Tobler Schokolade:

    Schokolade in der Blechdose? Heute sehen die schon anders aus :-)

    Als nächstes: Pulmoll

    Nun, die gibt es auch heute noch in der Metalldose:

    Und dann Purgella

    Ich bin gespannt, was Du zu Purgella zu sagen hast. Atropin als frei verkäufliches Abführmittel fand ich spontan recht furchterregend, zumal auch die Dosis nicht gerade knapp zu sein scheint. Leider konnte google nichts weiterführendes dazu erzählen… :-)

    Au ja – ich sehe, warum es das nicht mehr gibt … Purgella gab es ab 1972, bis ca. 2003 die Marke gelöscht wurde.

    Und was sagt die Literatur?

    Belladonna ist vielleicht besser bekannt als Tollkirsche – und ja, das zählt zu den Giftpflanzen, auch wenn gewisse Inhaltsstoffe noch verwendet werden: Das Atropin z.B. in der Augenheilkunde – es macht die Pupillen weit, was einen Blick auf den Augenhintergrund ermöglicht.

    Auf den gesamten Körper hat man folgende Wirkung:

    Die Alkaloide wirken in niedriger Konzentration erschlaffend und beruhigend, hohe Konzen­tra­tionen führen jedoch zu Schmerzstillung, Halluzinationen, Schlaflosigkeit und Tod. In therapeutischer Dosis erhöht Atropin die Herzschlagfrequenz und entspannt die glatte Muskulatur. Daher nimmt die Speichel- und Schweissbildung ab, Magendarm- und Gal­lenwegskrämpfe werden gelindert. … führt zur Unterdrückung von Übelkeit und Erbrechen. In Dosen ab 3 mg (-)-Hyoscyamin kommt es zur Stimulation des ZNS, ab 10 mg zu zentralen Lähmungen.

    Quelle http://www.awl.ch/

    Von daher -es handelt sich ja um den Gesamtextrakt (mit etwa 0.3-0.5% Alkaloidgehalt), sind wir noch nicht im gefährlichen Bereich — sofern man sich an die Dosis hält. Trotzdem würde ich mich hüten, hier (wie auf der Dose) von einem unschädlichen (weil pflanzlichen?) Mittel zu reden … auch auffallend: da steht nichts mehr von abführender Wirkung – dafür gibt es heute auch besser wirksameres. Vielleicht bezog sich die „milde Wirkung“ auch auf das..

    Apotheken in aller Welt, 171: Meran, Südtirol, Italien

    Leser Matthias aus Deutschland schickt uns dies:

    vor kurzem war ich in Südtirol, genaugenommen in Meran. In einer kleinen Seitenstraße kam ich an einer Apotheke vorbei und musste an Dich und Dein Blog denken. Also habe ich die Apotheke fotografiert — hier sind die Bilder.
    Wie die meisten Geschäfte in Meran, ist dort alles zweisprachig: italienisch und deutsch.
    Das auffällige grüne leuchtende und blinkende Kreuz scheint auch in Italien der Hinweis auf Apotheken zu sein. Es ist übrigens am Nachbarhaus, an der Ecke zu einer größeren Einkaufsstraße angebracht und soll den Passanten mit auffälligen grünen Pfeilen den Weg zur Apotheke weisen.

    Lustiges Haus: oben traditionell, aber hübsch renoviert, unten modern. Finde ich hübsch!

    Ein loyaler Kunde

    Der ältere Kunde erzählt mir, dass er gezügelt hat und von jetzt an die Medikamente gerne bei uns beziehen möchte.

    Im Gepräch kommt heraus, dass er noch ein Dauerrezept in seiner bisherigen Apotheke hat.

    Ich biete ihm an, anzufragen, ob sie es zu uns schicken würden, aber er sagt …

    „Nein, nein. Das ist schon ok. Ich hole die Sachen drauf noch dort. Wissen sie, die haben sich immer so Mühe gegeben, da lasse ich ihnen das.“

    Ein loyaler Kunde! Super – also mich freut’s, das zu hören. Ich habe ihm noch geraten ihnen dort das auch zu sagen, das freut die nämlich sicher auch.