Monsterpackungen

Eine Entwicklung, die ich jetzt schon eine Zeitlang mitverfolge ist dass es bei den Medikamenten immer grössere Packungen gibt. Und ich meine hier nicht die Anzahl der Tabletten, sondern die Verpackung derselben. Die wird grösser und grösser.

Früher haben die Pharmafirmen bei der Entwicklung noch daran gedacht, dass ihre Medikamente ja in der Apotheke in die Schublade kommen – und dementsprechend eine gewisse Grösse nicht überschreiten sollten: Ihr wisst schon: Mindestens die Höhe der Schublade und Breite der Schublade sollten die Packungsgrösse limitieren. Dem ist jetzt wohl nicht mehr so.

Ein paar Beispiele: Während ich die alte Calcimagon D3 wunderbar in der Schublade versorgen kann, liegt die neue Calcimagon D3 forte Packung, weil sie 1 – 2 mm zu hoch ist schräg drin und riskiert bei jedem Öffnen aufgerissen zu werden.
Die neue Desomedine Augentropfen in Einzeldosen dasselbe. Ich weiss, dass Einzeldosen etwas voluminöser sind, aber das (siehe Bild) ist lächerlich. Das sind nur 10 Plastikfläschchen zu 0.6 ml!


Oder die Competact Tabletten zur Behandlung von Diabetes. Hier die Packung neben den Diamicron. In der Diamicron – die genau die Länge der Schubladenbreite hat – sind übrigens mehr Tabletten drin….


Die Liste ginge weiter.
Bitte liebe Pharmaindustrie: bei der Entwicklung der Packungen solltet ihr berücksichtigen, dass sie sowohl in der Apotheke als auch beim Patienten zuhause gelagert werden – in der Apotheke haben wir die Schubladen, die da die Grösse limitieren sollten und auch der Patient hat wohl nicht wirklich Freude an so Monsterpackungen  – die sehen auch wirklich gfürchig aus!

24 Antworten auf „Monsterpackungen

  1. Da bin ich ja froh, dass wir mittlerweile die Schubladen abgeschafft haben und einen Komissionierautomat nutzen. Da kann ich die Fachhöhe manuell verändern, sollten die Packungen noch größer werden.

    Und bequemer als dieses hinter rennen-Schublade ziehen ist es allemal. ;-)

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      1. Die maximal-Abmessungen weiß ich gerade nicht, werde ich aber morgen auf jeden Fall mal nachmessen.

        Lactulose 500ml passt auf jeden fall rein, 1000ml ist zu schwer. Aber ich schau mal nach den Abmessungen.

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    1. Nein, ins Regal stellen geht nicht – vor allem nicht im Kundenbereich, sonst käme die nächste Kontrollstelle und würde monieren, dass der Kunde sich ja selbst bedienen könnte – was schon bei Packungen der Liste D (Drogeriepflichtig) ein Problem darstellt – bei Liste A und B geht das gar nicht.

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  2. Aus genau dem grund mach ich zuhause die Umverpackung weg und befestige den beipackzettel mit Gummiband an den Blistern. Erspart auch das Gefummel und die tatsache daß man IMMER zuerst die seite der Packung öffnet wo der Beipackzettel steckt*g*. Und der kram braucht viel weniger Platz im Schrank.

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  3. Ich werf die Pappschachtel auch direkt weg und habe nur Medikament oder Medikament mit Packungsbeilage im Schrank.
    Ich finde es absolut unsinnig zu große Verpackungen zu nutzen. Bei Lebensmitteln ist es ja ähnlich, nur dass sie da dem Kunden vorgaukeln wollen es wäre mehr drin.

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  4. Bei den Blistern hatte ich früher schon mal das Problem, dass die einzelnen Ausbuchtungen sehr dicht beieinander lagen- das war die Kindersicherung im Umkehrfall, denn Erwachsenenfinger waren einfach zu dick für die Entnahme. Das kann man etwas verändern, wenn die Packungsgröße zunimmt. Aber das bedeutet ja nicht, die Schachteln ad infinitum aufblasen zu müssen. Bei meinem Insulin (Glargin/Lantus im Fertigpen) fällt mir auf, dass da um die sechs Pens ein Heiden-Kram an Papp-Einlagen versammelt ist- die Schachtel ist ungefähr sechsmal so groß wie sie sein müsste.

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  5. Nicht zu vergessen sind die neuen augenkrebsigen Verpackungen eines gewissen Abführmittels und eines OTC-Krampflösers. Ich warte auf die erste blinkende Verpackung mit LED.

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  6. Das ist wie bei vielen Lebensmittelverpackungen. Große Umverpackung – nix drin. Was das soll, kann glaube ich niemand so richtig erklären. Vielleicht soll es so mehr auffallen? Eieiei.

    Anna

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  7. nun, ich darf ein wenig aufklären warum da manches passiert:

    erstens kommen dank der diversen gesetzgebungen immer neue angaben in einer mindestens-8-punkt-schrift auf die schachteln.

    dann gibt es die readability-guideline: man muss lesen können, was auf der schachtel steht. das geht bei der doch recht kleinen schrift nur dann sicher, wenn die zeilen weit genug auseinanderstehen.

    dann gibt es noch die braille-verordnung, die danebengegangenste idee überhaupt, aber da diskutier ich ja seit jahren gerne darüber, das wäre sehr viel billiger und sicherer auch gegangen.

    dann gibt es noch die idee, dass die medikamente unverwechselbar sein sollen, wenn möglich.

    und wenn das alles berücksichtigt ist, kommen noch ein paar global players der einzelnen firmen dazu, als da sind:

    corporate identity: alles soll überall möglichst gleich aussehen, wegen des wiedererkennungseffektes.

    marketing: je gross und bunt und mit firmenlogo (hologramme hat ja z.b. pfizer schon lange) und markenlogo, desto gut.

    hersteller: je grösser die verpackung, desto universeller einsetzbar. es müssen nicht immer beim wechsel von einem produkt zum anderen die maschinen umgestellt werden, man muss nur die entsprechenden kartons, beipackzettel und blister am vorderen ende der verpackungslinie hineinfüttern, dann kommt hinten das richtige produkt heraus und kann gleich in entsprechenden mengen abgepackt werden – auch die überkartons können dann einheitlich verwendet werden, mit entsprechenden aufklebern. das spartsehr viel zeit und kosten.

    das verpacken von gleich grossen kartons auf paletten bei lieferungen verschiedener artikel pro abnehmer ist einfacher.

    auch die benötigten lagerplätze im grosshandel sind so zwar grösser, aber einheitlicher.

    dass das für apotheken und kunden fast alles irrelevant ist, und zudem sehr ärgerlich, das sind randerscheinungen, die können ja nichts dagegen tun.

    um abhilfe zu schaffen müssten interessensvertretungen der länder – und zwar interessensvertretungen der patienten, der apotheker, des grosshandels und der abfallwirtschaft zumindest – sich zusammensetzen, einen entsprechenden „wunschzettel“ ausfüllen und sich dann mit der industrie zusammensetzen.

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    1. Eine Kollegin vom Fach, eindeutig. Zu den Ausführungen ist nichts hinzuzufügen.

      Als Kostendruck-geschädigter Produzent bin ich persönlich für jede Standardisierung der Packungen dankbar. Das spart viel Produktionszeit und damit auch Kosten, die das Medikament günstiger machen.

      @Pharmama: Das Beispiel competact vs. Diamicron finde ich nicht ganz passend. Die competact Tabletten sind grosse Brummer, welche bei 866 mg reinem Wirkstoff viel mehr wiegen als die kleinen Diamicron mit 30 mg Wirkstoff. Die competact dürften ca. 8-10 x so gross sein. Das passt nur in deutlich grössere Blister.

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  8. “ die können ja nichts dagegen tun.“ – Doch! Ich motze laut in meinem Blog und bei jedem Pharmavertreter der mich fragt (und auch wenn er nicht fragt)! Und wenn es Alternativen gibt, dann werde ich die bevorzugen.

    Aber Danke für die Erläuterungen, das erklärt ein paar der Monsterpackungen – wenn auch nicht alle.

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  9. motzen reicht nicht, und den pharmavertretern ist das sowieso egal. die lernen, dass sie in solchen fällen sagen sollen: „ich werde das weiterleiten“, und in hartnäckigen fällen: „ich werde das mit grosser priorität weiterleiten, danke für ihren wertvollen input“.

    und dann passiert: nix. weil: siehe oben.

    entweder alle zusammen kloppen denen auf die finger, oder alle zusammen finden sich damit ab. den standpunkt der hersteller hat ja mr. gaunt schon dargelegt, und da kann man ja auch nichts dagegen sagen – je einheitlicher die packungen sind, desto kostengünstiger werden sie.

    diese kostensenkungen sind insbesondere auch deshalb wichtig, weil die kosten durch die ständig kürzer werdenden fristen der zulassenden behörden enorm steigen. kaum wird eine nebenwirkung „abgesegnet“ und muss in den beipacktext, dann muss das auch umgehend so geschehen. das heisst dann, dass die packungen mit den überholten zetteln nur mehr eine kurze zeit vom hersteller abgegeben werden dürfen.

    hat man nun grosse packungen, so hat der hersteller eine chance wenigstens die ware in den blistern oder flaschen zu retten: er muss „nur“ umkarton und beipackzettel vernichten. grosse schachteln können maschinell geöffnet und geleert werden, bei kleinen ist das praktisch unmöglich, handarbeit aber unbezahlbar.

    und bitte: ich will die industrie nicht verteidigen, ich will nur erklären warum manche dinge, die so unlogisch erscheinen, dann doch einen guten grund haben.

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  10. Das ist doch eine gängige Praxis, die auf allen Sektoren stattfindet und über die auch alle Nase lang im Fernsehen/in der Zeitung berichtet wird: Größere Packung, gleicher Inhalt, Kunde erfolgreicht geleimt! Traurig, aber wahr.

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  11. Das ist doch wie in der freien Wirtschaft.. es gab früher die Coca Cola Dosen, jetzt gib es die Monster Cola Flaschen (2 Liter?).

    Die Firmen verdienen dadurch mehr, weil die größere Packung etwas billiger ist, als die Kleine :(

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