Wünsche an Industrie und Registrierung – von einer einfachen Apothekerin

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Obwohl ich mit der Arbeit in der Apotheke grundsätzlich zufrieden bin (v.a., wenn wir den finanziellen Aspekt hier mal raus lassen), gibt es doch ein paar Dinge, die ich mir dafür wünschen würde, Sachen, die ich vermisse / gut brauchen könnte. Die mir die Arbeit doch auch gelegentlich erleichtern würden. Das sind sie:

1. Eine Identa – ich hätte gerne alle Tabletten, Kapseln, Brausetabletten, Dragees und was es noch so gibt, an einem zugänglichen Ort gesammelt in einer Form, dass ich sie suchen und zeigen kann. So wie in der Identa der deutschen gelben Liste. Es kommt nämlich noch gelegentlich vor, dass jemand mit etwas kommt, von dem er nicht mehr weiss, für was es ist. Im Moment habe ich zwar von verschiedenen Firmen (Mepha, Spirig) eine Qualitätsdokumentation, ein festes Buch, wo neben der Medikamentenbeschrieb auch ein Bild drin ist – das ist aber weder übersichtlich noch komplett und es lässt sich auch nicht „umgekehrt suchen“, also von Tablettenform auf den Medikamentennamen schliessen. Die Identa, die es mal gab – von 2002 ist komplett überholt – da sind noch nicht mal Generika drin. Bitte liebe Industrie und Swissmedic – das kann doch nicht so schwer sein. Deutschland schafft das, Amerika schafft das (mitsamt den vielen Importen und Generika: z.B. auf epocrates) und wir in der Schweiz bekommen das nicht fertig?

UPDATE: inzwischen hat auch die Schweiz das hinbekommen – die meisten festen Formen finden sich jetzt in der identa online auf compendium.ch

  1. Die Hilfsstoffe bei der Zusammensetzung der Medikamente angegeben. Speziell Sachen wie Laktose und Gluten. Das ist in der Schweiz nämlich immer noch nicht Pflichtangabe – und es findet sich auch nirgendwo beim Medikament. Wenn es nicht Platz hat im Beipackzettel – zumindest ins Kompendium oder in elektronischer Form gesammelt gehört das irgendwo festgehalten. In anderen Ländern (EU) geht das schliesslich auch! Wir haben nur eine Liste im Internet, die auch noch unvollständig ist, wo ich das mühsam nachschauen kann – so im Sinn, wenn es da drauf steht, ist es Laktosefrei. Wenn nicht, heisst das aber trotzdem nicht, dass Laktose drin sein muss. Und vom Gluten will ich gar nicht anfangen. Da bleibt uns ausser einem direkten Telefon an den Hersteller gar nichts.

UPDATE: das ist nicht besser geworden, eher schlimmer. Die Liste im Internet ist (anscheinend aus rechtlichen Gründen) vom Netz genommen worden. Und die Hersteller schreiben das zum grossen Teil immer noch nicht drauf. 😦

  1. Vernünftige Packungsgrössen! Leute, hört endlich auf solche riesigen Monsterpackungen zu produzieren – speziell für die rezeptpflichtigen Sachen, die in den Apothekerschubladen Platz haben müssen. Früher hat man da noch drauf geschaut beim Design der Packung, heute : Fehlanzeige. Das liegt nicht nur an der Grösse der Tabletten – letzhin hatte ich die Magnesium Complex in der Hand – gleiches drin und die neue Packung ist doppelt so gross wie die alte! Und wenn wir schon dabei sind: überall neu diese silbrigen Alu(?)Blisterpackungen, mit riesigen Kompartimenten (da, wo dann die Tabletten drin sind) – die Tablette sieht man gar nicht mehr (mit Lichtschutz könnte man das noch erklären, ist aber doof, wenn man eine Tablette zeigen will, die gesucht wird – siehe oben) und wenn man versucht sie herauszudrücken, darf man sie praktisch im Kompartiment suchen, weil die Tablette volumenmässig nur ein Fünftel (wenn überhaupt) des Blisterkompartiments ausmacht. Und wenn man Pech hat, verdrückt man sie dabei auch noch. Ja, ich weiss das, weil wir hier die Dosette noch von Hand richten. Grrrr. Das liegt sicher daran, dass es einfacher ist von der Herstellung – man nimmt dann einfach eine Grösse Blister für alle Grössen von Tabletten. Patientenfreundlich ist das aber nicht. Apothekenfreundlich auch nicht.
  2. Die Verfalldaten. Die sind wichtig – ich finde aber, es geht inzwischen bei manchen Dingen zu weit. Wieso ist es bei allen Produkten inzwischen so, dass das Verfalldatum nicht mehr weiter als 5 Jahre über das Herstellungsdatum liegen darf? Für manches macht das so gar keinen Sinn. Könnte man nicht zumindest für die problemlosen Sachen ein 2. Datum draufdrücken im Sinne von: ungeöffnet und bei guter Lagerung bis X.XX verwendbar? Oder dass man auf die problematischen Sachen z.B. ein ! dahinter druckt? Echt, ich sehe den Sinn nicht, warum Salz, Zucker oder homöopathische Sachen ein Verfallsdatum drauf brauchen. Und erst die meisten Chemikalien! Wenn das Zeug ständig „abläuft“ schaue ich natürlich, dass ich nicht mehr so viel an Lager habe – was dazu führt, dass immer weniger gebraucht wird … ein Teufelskreis. Früher hatten wir viel mehr hier für die Kunden oder Rezepturen, heute braucht eine Herstellung schon wegen dem länger.

Und dann noch ein paar Mittel:

5. Irgamid – das hätte ich gerne wieder zurück – oder etwas vergleichbares. Eine antibiotisch wirksame Augensalbe, die ich ohne Rezept beim Gerstenkorn (Hordeolum) abgeben kann. So Sachen sind häufig – aber mit den richtigen Mitteln gut behandel-bar und unproblematisch. Bitte!

  1. Etwas gegen Husten für Kinder unter 2 Jahren – ohne dass zwingend der Kinderarzt bemüht werden muss. Ich verspreche auch, es entsprechend vorsichtig und nur mit Beratung abzugeben, aber …. Irgendwas. Nicht homöopathisches. Ja?
  • Etwas gegen Übelkeit bei Kleinkindern. Es ist ok, wenn das erst ab 1, maximal 2 Jahren ist, aber rezeptfrei. Kinder mit Kontakt zu anderen Kindern schnappen immer mal wieder einen Norovirus auf (bei meinem selbst schon 2x passiert) – und dann kotzt es 1 Tag lang alle Stunde …. Dann noch mit ihm zum Kinderarzt zu müssen ist … aaarrrgh. Zumindest etwas zum 1x geben, dass das soweit aufhört, dass man es wagen kann. Und üblicherweise ist das sowieso abends/nachts oder am Wochenende. Es gibt ja das Itinerol B6 – das sie vor Monaten aus unerfindlichen Gründen in die Rezeptpflicht aufgenommen haben. Es scheint allerdings, dass niemand weiss, warum. Es gab (so mir bekannt) keinerlei negativen Zwischenfälle – auch der Kinderarzt in der letzten Weiterbildung wusste nicht, warum das neu so ist (und fand es auch doof).

  • Ach, ja und wenn wir schon am träumen sind …

    1. Irgendwann würde ich in der Apotheke gerne Impfen dürfen …

    UPDATE: Dazu wurde schon ganz viel erreicht … und mehr ist hoffentlich am kommen. Mit der entsprechenden Ausbildung und den gegebenen Voraussetzungen dürfen Apotheker in der Schweiz gegen manches (z.Bsp die Grippe) impfen. Cool! siehe hier.

    Und ihr? Was hättet ihr denn gerne für Hilfe / Produkte, die ihr vermisst / Wünsche für die Arbeit?

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    34 comments on “Wünsche an Industrie und Registrierung – von einer einfachen Apothekerin

    1. Irene sagt:

      „Vernünftige Packungsgrössen! Leute, hört endlich auf solche riesigen Monsterpackungen zu produzieren – speziell für die rezeptpflichtigen Sachen, die in den Apothekerschubladen Platz haben müssen.“
      Umgekehrt ebenfalls – wenn ein Medikament bekanntermassen selten kürzer als 18 Monate eingenommen werden muss ist es unsinnig, nur Packungen à 50 Stück zu produzieren. Zu Beginn meiner Basedow-Zeit sah meine Küche wie ein Apothekenwarenlager aus, weil ich damals 6 Stück täglich nehmen musste.

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    2. McCloud sagt:

      1.) Die Identa ist manchmal äußerst hilfreich. Speziell wenn Mutti beim Aufräumen des Zimmers ihres Kindes eine verdächtige Tablette gefunden hat. Normalerweise ist das ja was harmloses. Ich hatte aber auch schon mal Ritalin dabei, welches sich das 12jährige Kind anscheinend auf dem Schulhof erworben hatte. Aber was sage ich Mama, wenn ich feststelle, dass es die Pille ist? Irgendwie muss man da das Interesse der Mutter gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht der Tochter abwägen (das letzte Mal habe ich die Worte „Es ist harmlos. Falls es Sie interessieren sollte, empfehle ich ein Gespärch mit ihrer Tochter.“ gebraucht)
      2.) Das mit den Hilfsstoffen ist ein echtes Versäumnis der SwissMedic. Hierzulande muss sogar bei Lebensmitteln die komplette Inhaltsangabe drauf.
      4.) Verfallsdaten: Sind hierzulande aber auch drauf, zumindest wenn es sich bei Salz oder Zucker um Pharmaqualität handelt. Das dürfte rechtliche Gründe haben: Der Hersteller muss bei Pharmazucker nachweisen, dass er innerhalb der Aufbrauchsfrist sich nicht verändert, was hier auch relativ einfach der Fall sein dürfte. Wenn eine ernste Nebenwirkung passiert, dann wird ja bekanntlich alles erstmal vom Richter durchgecheckt, mit dem Verfallsdatum bist Du da als Hersteller erst mal rechtlich aus dem Schneider.
      6.) Das dürfte hier auch schwierig sein, Mucosolvan und die Thymiansäfte sind auch hier erst ab 2 Jahren. Der Grund dafür dürfte ebenfalls die rechtliche Absicherung sein. Es soll nicht wenige Mütter geben, die ihr Kleinkind monatelang mit Mucosolvan behandeln. Und wenn das Kind in dieser monatelangen Behandlung verstirbt, dann sucht sie sich nen Schuldigen. Und das möchte dann halt nicht die Industrie sein. Von rechtlicher Seite aus müsste das der Hersteller gar nicht mal reinschreiben, die Verschreibungsverordnung fordert so etwas gar nicht mal. Das ist halt die Nummer: „Die Behandlung von Kleinkindern gehört in die Hände eines Kinderarztes“.
      Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Mütter, die ihrem Kind Fenistiltropfen geben, „weil es so schön müde macht“.
      7.) Dito. Siehe Punkt 6.

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    3. NK sagt:

      Das mit dem Gerstenkorn finde ich kritisch – Antibiotika sind bekanntermaßen eine Waffe, die sich bei häufigem Gebrauch abnutzt. Hatte sowas aber auch nie, sodass ich den Leidensdruck nicht kenne.

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      • Pharmama sagt:

        Unreflektiert eingesetzt hast Du absolut recht.
        Ein Gerstenkorn ist allerdings etwas das rasch sehr unangenehm werden kann. Das AB (hier lokal angewendet) hilft hier aber recht gut und schnell – von Problemen damit habe ich noch nicht gehört.

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    4. hajo sagt:

      Liebe Pharmama, auch als Verbraucher stimme ich Dir bei fast allen Punkten zu, nur:
      „.. ungeöffnet und bei guter Lagerung bis X.XX verwendbar?“ scheint mir recht schwer in der Durchführung, weil das entsprechende Datum ja nicht nur für die – sicherlich „guter“ = fachgerechte – Lagerung in der Apotheke gilt, sondern auch für die Lagerung beim Patienten
      .. und da müsste man erst mal definieren, was man unter „guter“ Lagerung versteht. Das wiederum führt zu noch mehr Papier in der Packung und dadurch ist zu befürchten, dass die Packungsgrösse zunimmt.
      Sicherlich keine allzu optimale Lösung, oder?

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      • Aber es würde ja reichen das „echte“ (nur bei guter Lagerung etc.) Datum nur für Apotheken etc. zu verwenden, die eben z.B. Dosetten richten und deshalb die Pillen sowieso oft nicht in der PVP abgeben. Ein Pharmazeut kennt sich mit der Lagerung doch gewiß gut genug aus, um das nicht falsch auszulegen?

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        • hajo sagt:

          na ja, wenn’s nur um die „Pillen“ geht ..
          aber es gibt noch so Kleinigkeiten wie Hustensaft, Augentropfen u.dgl.
          und die Idee, die armen Apotheker (m/w) die Zusammenstellung der Medikamente (vielleicht gar für 4 Wochen) zuzuschustern, wird wohl auch nicht auf zu einem allgemeinen Hurrah-Schreien führen 😉

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    5. Samuel sagt:

      6. Nitux? Ist für Kinder ab 6 Jahren zugelassen, halt nur bei trockenem Husten. Bei produktivem Husten ist bei allen Präparaten, die den Schleim verflüssigen, die Erstickungsgefahr das Problem. Da kann man nicht viel machen.
      8. Da ist man doch dran, oder?

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    6. Anna sagt:

      Also ich weiss nicht, obs den auch in der Schweiz gibt, aber ich hab früher immer „Hustagil“ bekommen – soll ab einem Jahr gehen…hat immer gut geholfen..

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    7. Evelyn sagt:

      „6. Etwas gegen Husten für Kinder unter 2 Jahren – ohne dass zwingend der Kinderarzt bemüht werden muss. Ich verspreche auch, es entsprechend vorsichtig und nur mit Beratung abzugeben, aber …. Irgendwas. Nicht homöopathisches. Ja?“

      Nein! Wie man so schön sagt, eine Erkältung dauert ohne Medikamente 7 Tage und mit Medikamenten 1 Woche (wobei es bei Kindern eher 14 Tage bzw. 2 Wochen sind).
      Soweit ich weiß, gibt es kein „Hustenmittel“, dass tatsächlich die Symptome lindert, die Dauer der Erkrankung verkürzt, die Komplikationsrate vermindert. – zumindest nicht besser als Placebo.
      (Und wenn Placebo hilft, wieso dann keine Homöopathie?)

      Ganz zu schweigen von den Überdosierungen, die bei kleinen Kindern leicht vorkommen… was leicht ist, da es keine echten Dosisempfehlungen für Kleinkinder gibt. Was schwierig ist, denn wie gesagt, ist der therapeutische Nutzen für die meisten Medikamente nicht belegt. Vgl. hierzu auch http://www.kinderarzt-steck.de/index.php?page=info_aktuelles&newsid=24

      Viele Grüße

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    8. sakasiru sagt:

      Sehen die Medikamente in der Schweiz so viel anders aus, dass du nicht die deutsche Liste verwenden kannst? Ich hätte jetzt gedacht, dass die überall gleich aussehen, und nicht für jedes Land anders produziert werden.

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    9. Moinsen sagt:

      zu 1.: Die Gelbe Liste ist in Deutschland leider auch nicht vollständig….ist sicherlich manchmal ne Hilfe, aber längst nicht immer, da kein Anspruch auf Vollständigkeit. Das Allergeilste sind Firmen, die man dann anruft, und fragt, ob die Tabl. gelb/teilbar/überzogen etc. ist…erst wird man 15mal durchgestellt, und der zuständige Mensch weiß es dann auch nicht und muss erst ne Schachtel anreißen…schön.

      zu 3: Total schön, wenn die Packungen so groß sind, dass sie eigentlich gar nicht mehr in die Schublade gehen…

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    10. delfinstern sagt:

      was ich nicht so ganz verstehe: warum wird bei einem 6er Pack Pillen (also für insg. 24 wochen) jeder „monat“ extra in Pappe und Alu gepackt und mit reichlich Bildern versehn. Reicht da nicht auch ein normaler kleiner streifen? würde man die Pillen näher aneinander packen, würde sogar die hälfte der Packung reichen….. Abgesehn davon, dass wohl noch jeder an nimmt, immer eine Pause zu machen, zumindest gibts nirgends gleich 50 oder 60 auf einmal (zb für 3 monate). Allgemein nimmt die Packungsgröße aber zu, auch bei div. Erkältungsmitteln ist mir das aufgefallen. Selbst die Packungen fürs Pflaster sind in der Regel größer als der Inhalt….

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      • Pharmama sagt:

        Ist das so bei Euch? Bei uns hat es im 6 Monatspack einfach 6 der Blister die es auch im 1er Pack hat drinnen. Plus ein halbes Büchlein als Packungsbeilage. Karton ist aber nur einer drum.

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    11. Sania sagt:

      Hallo Pharmama

      Ich fände es super wenn es eine einheitliche Regelung bezüglich Packungsgrössen gibt: z.B nur 10 er 30er und 100er.

      viele Kunden haben das Problem das die Packungen nicht gleichzeitig fertig sind, das heisst immer ein anderes Medikament gerade ausgeht.

      Beispiele bei Grosspackungen gibt es mit z.B :
      84 Stk/ 90 STk/ 98Stk/ 100 Stk/ 120Stk/ 156 Stk usw.

      Das sollte doch möglich sein das man da eine einheitliche Lösung finden würde….

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      • Pharmama sagt:

        Ich denke das Problem ist da, dass die Dosierung unterschiedlich sein kann. Einer nimmt 1 Tablette davon pro Tag, andere müssen vielleicht 2 nehmen – da stimmt das wahrscheinlich eh nie.
        Aber blöd sind so Unterschiede wie 28/30, 98/100 … z.B. bei unterschiedlichen Generika.

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    12. kinderdok sagt:

      liebe pharmama — ja!!!
      unterschreube ich alles sofort, und viele meiner kollegen auch – also warum ist das dann so schwer umzusetzen, wenn alle der gleichen meinung sind? der lobbyismus, wie üblich.

      ad 6 – das sehe ich wie evelyn und der kollege steck. finger weg von allen otc-hustenmitteln ohne doc — die unter 2jährigen brauchen nichts – praktiziere ich seit jahrzehnten so – und allen gehts gut.

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    13. Liz sagt:

      Ich wünsche mir eine Positivliste für Schwangere und Stillende, also eine Aufstellung der Medikamente, die man in dieser Zeit einnehmen darf.
      Es kann doch nicht sein, dass ich selbst Recherchen anstellen muss, welches Mittel im ersten Trimester der Schwangerschaft gegen eine Pilzinfektion benutzt werden darf!
      Und ich will wegen sowas auch nicht ins Krankenhaus in die gynäkologische Ambulanz gehen müssen, nur weil mein Gynäkologe Wochenende hat und ich ich dermaßen wund bin, dass ich es nicht mehr aushalten kann.

      Und nein, ein Sitzbad mit Eichenrindenextrakt wird es dann auch nicht mehr richten können. Und über irgendwelche Joghurttampons und Knoblauchzehen möchte ich auch nicht diskutieren.

      Ich will was, das hilft. Zuverlässig und schnell. Und was nicht teratogen wirkt.

      Es gibt ja was, das in der Zeit genommen werden darf – Nystatin.
      Nur die Apothekerin, der ich damals vertraut habe, war nicht bereit, mal eben nachzugucken, ob es erlaubt ist oder nicht. Außer Paracetamol und irgendwelchen irrwitzig teuren Vitamingeschichten wollte sie mir nichts verkaufen.

      Ich weiß ja, jeder will sich absichern. Der Contergan-Skandal wirkt auch noch fast 50 Jahre danach. Aber als Patient fühlt man sich im Stich gelassen, wenn sich jeder nur auf „dazu will ich nichts sagen“ zurückzieht.

      Eine Positivliste wäre daher klasse, es würde Apotheken und Patienten gleichermaßen helfen.

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    14. Mr. Gaunt sagt:

      Huhuu! Hier spricht die Industrie! 🙂 (O.K. nur einer der da arbeitet, aber immerhin) Hier mein Senf:
      1) Identa
      Für die kleine Schweiz (sorry) ist so ein Kompendium wahrscheinlich wirtschaftlich nicht interessant, so dass kein Verlag wie in Deutschland sich darum kümmert. Die einzelnen Arzneimittelhersteller haben davon wenig. Was mich wundert: Warum ist so etwas noch nicht in die Apo-Software eingebunden, sollte ein einfaches sein.

      2) Hilfsstoffe
      Ein Tritt in den Hintern der Swissmedic hilft vielleicht? 😉
      Bei Spezialitäten kann ich das noch nachvollziehen, da will der Hersteller möglichen Nachahmern das Leben schwer machen. Aber die meisten Generika kommen in der Schweiz ohnehin aus den grossen Töpfen von Teva/Ratiopharm, Sandoz/Hexal und Co., da ist die qualitative Zusammensetzung ohnehin bekannt.

      3) Packungsgrössen
      Ein komplexes Thema, zu dem man Bücher schreiben könnte. Die großen Packungen haben ganz unterschiedliche Gründe, z.B.
      – Standardisierung der Blistergrößen so dass eine Umstellung der Verpackungsanlagen einfacher wird und damit günstiger.
      – Alu-Alu-Blister sind sehr teuer zu produzieren. Das macht man als Hersteller daher nur selten freiwillig. Der Grund kann z.B. in feuchtigkeitsempfindlichen Tabletten liegen, die solche Blister zwingend brauchen. Heiß tiefgezogene Plastikblister (meist PVC oder PVC/PVDC + Alufolie), können den Feuchteschutz nicht immer leisten. Weil Alumium nur wenig verformt werden kann, müssen die Blister technisch anders produziert werden. Sie werden kalt verformt und können keine scharfen Knicke enthalten. Das führt zu deutlich grösseren Näpfen und deshalb zu sehr grossen Blistern.
      – Umstellung der Verpackungsart, z.B. Einzeldosen bei Augentropfen. Die werden dann natürlich viel grösser. Man soll ja die Einzeldosen noch in der Hand halten können und das Verfalldatum und die Charge muss gross genug sein, dass es lesbar bleibt.

      4) Verfall
      Vorsicht beim Verfall! Der von mir komplett gar nicht geschätzte Prof. Glaeske hat das letztens totalen Unsinn erzählt, so nach dem Motto man kann ja Arzneimittel ruhig über den Verfall nehmen. Gelegentlich stimmt dass, ich weiss aber aus der Praxis, dass einzelne Arzneimittel so gerade die deklarierte Haltbarkeit schaffen.
      Die deklarierte Haltbarkeit bezieht sich ohnehin immer auf „gute Lagerung“, nicht auf die unberechenbare Lagerung im Bad bei Hitze und Feuchtigkeit. Hersteller müssen nachweisen, dass das Medikament in der Klimazone haltbar ist. So kann ein Medikament in Europa 5 Jahre haltbar sein, im Indien aber nur 3 Jahre. Die Haltbarkeit ist streng geregelt und muss den Behörden nachgewiesen werden. Die Prüfungen sind SEHR teuer und z.B. für kleine Generikafirmen ein echter Kostenbrocken. Da macht man freiwillig nicht mehr.

      5-8) Da ist wohl überall eher die Behörde in der Pflicht, z.B. gut wirksame sichere Antibiotika-Augensalben aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Bei Kinderarzneimitteln ist es ähnlich. Da kommt aber noch dazu, dass viele Arzneimittel bisher gar nicht an Kindern geprüft werden und deshalb Ihnen normalerweise auch nicht gegeben werden dürfen. In der EU gehört die Einbeziehung von Kindern bei neuen Arzneimitteln glücklicherweise inzwischen zwangsweise dazu, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_%C3%BCber_Kinderarzneimittel

      Jetzt habe ich einen riesigen Roman geschrieben, den wahrscheinlich keiner mehr liest, schnief. 😦

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      • Pharmama sagt:

        Ich hab’s gelesen!
        Die Identa muss ja nicht mehr in Buchform sein. Internetbasiert fände ich das sinnvoller, da einfacher anpassbar.
        Unsere ApoSoftware hat keine Bilder drin. Vielleicht … irgendwann?

        Wenn die AluAluBlister so teuer sind, frage ich mich, warum ich die Dinger in letzter Zeit immer häufiger sehe.

        Verfall Medikamente: Bin ich mit einverstanden. Und die Chemikalien?

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        • Mr. Gaunt sagt:

          Die neuen Arzneistoffe sind immer häufiger komplexe Moleküle, die empfindlicher sind. Vielleicht soll auch eine für alle Klimazonen geeigneite Verpackung eingesetzt werden, dann landet man schnell beim Alu-Alu. Das ein oder andere Mal mag vielleicht auch eine Marketingentscheidung mitspielen, um z.B. ein teueres neues Medikament in einer gefühlt hochwertigen Verpackung zu präsentieren.
          Mit einer Statistik kann ich leider nicht dienen, nur mit den Erfahrungen, die ich so mitbekomme.

          Bei den Chemikalien ist das natürlich so eine Sache. Sicher gibt es massenweise unkritische Stoffe wie viele anorgische Salze, Zucker usw., aber die Wirkstoffe können genau so problematisch sein wie Medikamente.

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        • logopädix sagt:

          Du suchst eine Identa? Dann kann ich das „Kompendium“ als iPhone Applikation empfehlen, da ist eine Identa mit dabei.
          Uups. Grade weitergelesen, komme wohl etwas zu spät. Naja 😉

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    15. Giftmischerin sagt:

      Die online Version des Kompendiums für Smartphones und Tablets enthält eine Identa (die iPhone-App ev. auch).
      Weiss jedoch nicht ob diese aktuell ist..
      http://m.compendium.ch/searchPills.aspx

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    16. Radioaktiver sagt:

      Zu Itinerol Zäpfchen: Der Grund für die Rezeptpflicht ist eine Gruppenrevison von Antihistaminika irgendwo im hohen Norden. Da aber alles europäisch Kompatibel sein muss, ist die Rezeptpflicht auch weiter im Süden eingeführt worden.

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    17. Wolfram sagt:

      Ich hatte neulich ein Medikament mit der Aufschrift „unter 10°C aufzubewahren bis zum Anbruch“, danach, so erklärte es mir auch die Apothekerin, sei das nicht mehr nötig. Frag ich mich, wieso: darf das Zeug einfach dahingammeln, wenn es mal angebrochen ist? (es handelte sich um Nasentropfen)

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      • stefan sagt:

        Normalerweise müsste sich im Beipackzettel dann noch ein gesonderter Hinweis befinden: Nach Anbruch x Wochen haltbar.

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      • Mr. Gaunt sagt:

        Hallo Wolfram,

        das Medikament hält unangebrochen nur kühl gelagert das aufgedruckte Verfalldatum ein. Die Kühllagerung verhindert bei wenig konservierten Lösungen ein Verkeimen. Das wird aber weniger der Grund sein, denn heutzutage gibt es für Nasentropfen bessere Lösungen.
        Der Grund für die Kühllagerung ist wahrscheinlich, dass nur gekühlt das Zersetzen des Wirkstoffs lange genug vermieden wird. Denn das ist eine chemische Reaktion, die kann gut mit Kälte unterdrückt werden.
        Bei Anbruch „vergammelt“ das Medikament dann in der Tat. Aber angebrochen und ungekühlt ist es nicht lange haltbar. Das muss vom Hersteller getestet und der Behörde nachgewiesen werden (sog. Anbruchstabilität). Auf der Verpackung und im Beipackzettel steht dann z.B. „nach Anbruch nicht mehr als 4 Wochen haltbar“ oder ähnliches.
        Insulinpens sind die bekanntesten Beispiele, die für den Gebrauch aus dem Kühlschrank genommen werden und dann ein paar Wochen ungekühlt genutzt werden. Und in dem Fall sogar nicht mehr gekühlt werden sollen.

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