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In und ums Dosett (Sampler)

Dosette sind die Wochenpackungen, wo man Tageweise (auf morgen – mittag – abend – nacht aufgeteilt) Tabletten und Kapseln einfüllen kann, damit sie möglichst richtig genommen werden. In der Apotheke bieten wir diesen Service auch an – ab 3 regelmässig genommenen Medikamenten pro Woche wird das von der Krankenkasse übernommen. Das ist ein interessantes Mittel um die Compliance zu fördern: also die richtige Einnahme der Medikamente. Es eignet sich für Leute, die damit Probleme haben – das müssen nicht nur ältere Menschen sein. Im Blog habe ich schon diverse Male über Dosette bei uns in der Apotheke geschrieben:

Wenn man für andere Medikamente richtet (ins Dosett oder Blister) ist es wichtig, dass das richtig gemacht wird. Hier ist uns ein Fehler unterlaufen.

Nicht nur wir können Dosette richten, auch die Haushilfe darf das – hier war ich aber etwas unglücklich, wie uns das abgenommen wurde: Verantwortungsabgabe, nicht ganz freiwillig

Das macht die Versandapotheke halt nicht. Dosettiges

Lange durften wir ihm das Dosett leider nicht richten: Ein Lebensende

Compliance-Hilfe und Unterstützung aus der Apotheke – mehr als nur Dosette richten und abgeben.

Dosettologie – oder: man kann nicht alles in ein Dosett richten.

Wofür dann ein Dosett? fragt man sich beim Umgang mancher Patienten mit ihrer Medikation wirklich.

Der engagierte Arzt tut alles, damit der Patient seine lebenswichtigen Medikamente auch nimmt.

Aber es hilft hier anscheinend nicht viel, wenn man sie in Dosette richtet: Ich habe schon alle genommen!

Und manche haben einfach andere Prioritäten. Wie gesund das ist, sei dahingestellt: Lieber Tabletten Schlucken …

Im Dosett sieht man schön, warum „die kleinen weissen“ keine gute Beschreibung ist.

Wenn sie einen automatischen Refill-Service will, weshalb nimmt sie dann kein Dosett?

Das sind ihre Medikamente im Dosett, kein Tabletten-verleih!

Rätselaufgaben in der Apotheke – ein Fall vor der elektronischen identa.

 

 

 

Nicht nur zuschauen – Tun!

praevention

Gesundheit ist wichtig, was viele leider erst merken, wenn sie mal weg ist. Es gibt aber viel, dass man tun kann, um sie zu erhalten. Prävention ist aktive Gesundheitsvorsorge. Das fängt beim Zähneputzen an, geht weiter über eine ausgewogene Ernährung und Gewichtskontrolle, Bewegung für die Gelenke und Genussmittel in kleinen Mengen, nicht in Massen. Und nicht rauchen – das muss ich nicht extra erwähnen, wie ungesund das ist, oder?

Weiteres Medikamentensterben in der Schweiz

Still und leise verschwinden im Moment wieder eine Menge Medikamente.  Glaxo, die Novartis OTC übernommen haben, räumen weiter auf. Die meisten Leute haben das mit dem Euceta noch nicht überwunden, und ich darf ihnen jetzt dies erklären:

Von der Novartis Sparte entfallen:

  • Tossamin Saft: es wird nur noch die Kapseln geben… wenn sie mal wieder lieferbar sind (seit Wochen sind sie es nicht mehr).
  • Voltaren Dolo forte Gel: 150g wird ganz ersetzt mit den 180g
  • Hemeran gibt es in Zukunft nur noch in den nicht kassenpflichtigen Grössen. Also: die Krankenkasse zahlt das nur noch, wenn man eine Zusatzversicherung hat.
  • Bei Panadol fallen 500mg Brausetabletten zu 10 Stück weg (die 20er gibt es noch), die 500mg Zäpfchen fallen weg, und Panadol C Brausetabletten 20 Stück (die 10er gibt es noch).

Bei der Glaxo selber:

  • Bei Besser Atmen (die Nasenstrips) entfallen in Zukunft die Packungen für die sensible Haut. Für die normale Haut gibt es weiterhin.
  • Cetebe: das retardierte Vitamin C Präparat
  • Physiogel: die ganze Linie!
  • Duofilm

Dabei werden hauptsächlich wirtschaftliche Gründe und eine „Straffung des Sortiments“ angeführt. Oder anders gesagt: für die kleine Schweiz lohnt sich der Vertrieb nicht.

Das sind nur die freiverkäuflichen Mittel – bei den rezeptpflichtigen Sachen verschwinden momentan auch immer mehr Medikamente, auch von anderen Firmen.

Ja bin ich denn die Medikamentenvermietung?

An manchen Tagen kommt es mir vor, als ob die Leute denken, dass ich Medikamente nicht abgebe, sondern vermiete. Die Überraschung, wenn ich sage, dass ich das nicht zurücknehmen kann, darf und werde.

Die eine Patientin ruft mir an, weil die Krankenkasse bei ihr ein Medikament nicht übernommen hat. Sie ist bei der Intras versichert und muss in der Apotheke selber zahlen und die Rechnung einschicken. Sie hatte dort bis anhin anscheinend auch eine Zusatzversicherung, aber …

„Die haben mir das Medikament, das über die Zusatzversicherung geht, nicht zurückerstattet. Sie haben irgendetwas gesagt von nicht bezahlten Prämien und deshalb hätte ich momentan keine Zusatzversicherung. Kann ich das Medikament zurückbringen und Sie geben mir das Geld dafür wieder?“
Umm, nein? Das haben sie vor 3 Monaten bezogen. (Ein Wunder, ist es noch nicht aufgebraucht).
Ich kann Medikamente nur zum entsorgen zurücknehmen. Ich kann das auch nicht weiter verwerten – es gibt keine Garantien, wie das in der Zwischenzeit gelagert wurde. Ich erkläre ihr das.

„Oh. Und wie ist das mit der Krankenkasse? Könnten sie das nicht direkt abrechnen?“
Nein, sie haben die Intras, die hat keinen Vertrag mit den Apotheken gemacht …
(und eine Forderungsabtretung mache ich unter den Voraussetzungen auch nicht: Wenn sie die Prämien nicht (rechtzeitig) zahlt, bekommen wir nämlich von der Krankenkasse das Geld auch nicht zurück für die ausgegebenen Medikamente … die erklären dann einfach den Vertrag mit uns als nichtig, weil sie (die Patientin) ihren Verpflichtungen (Prämien zahlen) nicht nachgekommen ist.

Oder dann die andere Patientin mit der Unverträglichkeit auf Durogesic Pflaster. Sie wollte trotzdem wieder eines – ich habe ihr geraten, wenn es denn Pflaster sein muss, es mal mit dem Generikum von Mepha zu versuchen. Das ist (im Gegensatz zum Generikum von der Sandoz) kein Co-Marketing Präparat (also genau dasselbe) – so dass sie noch Chancen hat, dass das ein anderes Klebemittel hat auf das sie nicht reagiert.
Die Kundin war einverstanden, laut ihr sei das auch nicht so schlimm mit der Allergie (es „jucke“ einfach ein bisschen, sie hätte auch das Durogesic genommen.
Am selben Tag, als sie das Fentanyl abholen kommt, bestellt sie (für die Ferien) noch 2 Packungen dazu. Wir raten ihr dringend ab: immerhin hat sie das noch nicht ausprobiert und Betäubungsmittel zu retournieren ist ein Alptraum und geht (wie die anderen Medikamente) sowieso nicht mehr, sobald es einmal die Apotheke verlassen hat … aber sie besteht darauf.
Dann kommt sie 2 Wochen nicht mehr, nach denen ihr Mann die 2 Packungen zurück bringt und uns erklärt, dass sie auch auf diese Pflaster allergisch ist und sie nicht nehmen kann, wir sie also zurücknehmen müssen.
Nein– sorry, aber das bleibt jetzt auf der Abrechnung. Und die Pflaster landen separiert in den Betäubungsmittel-Retouren.

Und was soll ich von dem Herrn halten, dem wir mühsamst etwas besorgen mussten (Kein Medikament in dem Fall, nur ein Nahrungsergänzungsmittel), das unser Grossist nicht hatte und das dann auch noch momentan nicht lieferbar war. Wir haben ihn darauf  hingewiesen – und dass das deshalb etwas dauern kann. Er wollte unbedingt, dass wir es ihm trotzdem organisieren.
Endlich bekommen wir das, nach fast einem Monat … und dann will er es nicht mehr, weil er woanders ein Muster davon bekommen hat und die nicht mal 10 Franken bei uns sind ihm zu viel.
Jahaa – wegen Leuten wie Ihnen verlangen wir im Normalfall eine Vorauszahlung der Produkte (Wieso zum Geier hat man das in seinem Fall nicht???). Jetzt bleiben wir nämlich drauf sitzen.

Ugh.

Photosensibilisierung: mit diesen Medikamenten sollten Sie nicht an die Sonne

Wenn es jetzt (doch) langsam sonniger und wärmer wird, heisst es wieder aufmerksam sein. So manches Medikament macht als Nebenwirkung „Photosensibilisierung“:

Bei der Photosensibilisierung wird die Haut durch Substanzen empfindlicher für Sonnenstrahlung (UV-Strahlen). Nach Sonnenexposition kommt es so schnell zu einer Hautrötung (Sonnenbrand) und sogar zu Blasenbildung, weil die Lichtreizschwelle herabgesetzt ist. Eine Photosensibilisierung tritt bei ausreichender Substanz- und Sonnenexposition bei allen Menschen auf. Zugrunde liegt keine allergische Reaktion, deshalb wird auch von einer phototoxischen Reaktion gesprochen.

Symptome: Eine Photosensibilisierung ist eine unerwünschte Hautreaktion, die sich in den folgenden Beschwerden äussern kann: Juckreiz, Blasenbildung, Pigmentierungsstörung nach der Abheilung

Ursachen: die topische (auftragen) oder systemische (einnehmen) Verabreichung einer photosensibilisierenden Substanz und die anschliessende Bestrahlung der Haut mit Lichtstrahlung (meistens UV-Strahlung). Natürliche oder synthetische Substanzen können die Haut für Strahlung empfindlicher machen.

Wirkstoffe

Retinoide: (Vitamin A -Derivate)

  • Isotretinoin (Curakne, Roaccutan, Tretinac)
  • Acitretin (Acicutan, Neotigason)
  • Alitretinoin (Toctino)
  • Motretinid (Tasmaderm Creme)
  • Retinol (Vitamin A Alkohol) – in einigen Vitaminpräparaten, auch topisch
  • Tretinoin (Vitamin A Säure) (Pigmanorm Widmer, Widmer Sebo Psor, Airol Creme, Carbamid)

Tetrazykline (Antibiotikum)

  • Doxycyclin (Doxysol, Oracea, Supracyclin, Vibramycin
  • Minocyclin (Minac, Minocin Akne,)
  • Lymecyclin (Tetralysal)
  • Weitere: Tetracyclin, Demeclocyclin, Tigecyclin

Sulfonamide (Desinfektionsmittel und Antibiotikum)

  • Silbersulfadiazin (Flammazine, Ialugen plus)
  • Trimethoprim und Sulfamethoxazol = Cotrimoxazol (Bactrim, Nopil, Cotrim)
  • Sulfasalazin (Salazopyrin: nur im Darm lokal wirkend)

Chinolone (Antibiotikum)

  • Ciprofloxacin (Ciproxin, Ciprofloxacin),
  • Levofloxacin (Tavanic)
  • Moxifloxacin (Avalox, Vigamox)
  • Norfloxacin (Noroxin, Norsol,)
  • Ofloxacin (Floxal – Augentropfen) und mehr,
  • plus einige Wirkstoffe, die in der CH nicht mehr im Handel sind

Azol-Antimykotika (Pilzmittel)

  • Clotrimazol (Canesten, Gyno Canesten)
  • Econazol (Pevaryl, Gyno Pevaryl)
  • Fluconazol (Diflucan, Fluconazol Sandoz…)
  • Isoconazol (Travogen, Gyno-Travogen)
  • Itraconazol (Sporanox)
  • Ketoconazol (Nizoral, Terzolin)
  • Miconazol (Daktarin)
  • Oxiconazol (Oceral)
  • Posaconazol (Noxafil)
  • In der CH nicht im Handel: Bifonazol, Butoconazol, Efinaconazol, Luliconazol, Sertoconazol, Tioconazol)

Weitere Substanzen und Wirkstoffe:

  • Voriconazol (Vfend)
  • Amiodaron – Antiarrhythmicum: (Amiodaron Mepha)
  • Hydrochlorthiazid – v.a. in Kombination mit anderen Blutdruckmitteln. (Esidrex, alles mit HCT im Namen, und: X/X, plus, comp., Co-, Exforge etc.)
  • Naproxen (Aleve, Apranax, Naproxen, Proxen, Vimovo)
  • Ketoprofen: Fastum Gel
  • Piroxicam (Felden Tbl, lingual, Pirosol, Piroxicam-Mepha)
  • Chlorpromazin – ehem. Mittel bei psychose, zum beruhigen. Keines mehr in der CH

Pflanzeninhaltsstoffe: speziell Furanocumarine wie zum Beispiel in der Herkulesstaude aber auch manchen Wiesengräsern.

Empfehlung: Sonne meiden und/oder starker Sonnenschutz (Faktor 50!)

Quellen: Pharmawiki.ch,

Rettung in der Odyssee

Ohne Apotheke_r(3)

Eine Geschichte von einer Leserin, die anonym bleiben möchte – als Beitrag zur Blogparade.

Mein Mann ist HIV positiv, blöd, aber eigentlich heute keine Katastrophe mehr. Blöd nur, wenn an einem Samstag, eine Stunde nach der Schließzeit unserer Stammapotheke, klar wird, dass eines der ART Medikamente alle ist, blöde Depressionen. Ich selber bin nach einer Woche erst von einer Dienstreise zurück gekommen.

Nun ist guter Rat teuer, der Stammarzt ist nicht zu erreichen, die Stammapotheke hat natürlich keinen Notdienst, aber die Tabletten müssen ran.
Das war der Startschuss für eine mittelprächtige Odyssee, erst mal in der nächsten Klinik mit HIV Ambulanz angerufen, die konnten oder wollten nicht weiter helfen, nach diversen Telefonaten in der örtlichen hausärztlichen Notfallambulanz gelandet, wo, zum Glück ein Arzt mit Ahnung saß, der mir ein Rezept ausgestellt hat.

Gut, das hatte ich schon mal, aber wo einlösen? Welche Apotheke kann mir zu der Zeit ein Medikament [Kivexa] besorgen, dass die meisten Apotheken noch nicht einmal dem Namen nach kennen? Also erst mal ab in die nächstgrößere Stadt, die eine Bahnhofsapotheke haben, die Samstags bis 20.00 Uhr und auch am Sonntag geöffnet hat.
Klar, auch die hatten es nicht da, boten mir erstmal an, es auf Montag zu bestellen, nach kurzer Diskussion mit dem Apotheker, was das für ein Medikament ist, sah auch er das Problem.

Also wurde ich auf einen Stuhl verfrachtet, bekam erst mal einen Kaffee und ganz viel Zuspruch (Ja, ich war an dem Punkt schon ziemlich verzweifelt), und der Apotheker klemmte sich ans Telefon um erst mal seinen Großhändler aus dem Wochenende zu scheuchen. Nachdem der leider auch nicht weiterhelfen konnte, bekam ich den nächsten Kaffee und es wurde weiter telefoniert, bis in einer Krankenhausapotheke, ca. 50 Kilometer weiter das Medikament aufgetrieben wurde.

Mit eigens ausgedruckter Wegbeschreibung wurde ich also auf die Autobahn geschickt, um knapp eine Stunde später das benötigte Medikament entgegen nehmen zu können.

Keiner dieser Menschen, die mir heute so großartig geholfen haben, haben daran einen Pfennig verdient! Auch der, unglaublich nette und hilfsbereite, Bahnhofsapotheker hat es abgelehnt, sich für seine Mühe bezahlen zu lassen. Da er mir ja das Medikament nicht verkaufen konnte, hatte ich angeboten, das er mir wenigstens die Beratung und die Arbeitszeit, immerhin fast eine dreiviertel Stunde, in Rechnung stellt. (Ehrensache, dass zumindest eine große Ladung Kuchen und Kekse aus der benachbarten Bäckerei ihren Weg in die Apotheke fand)

Also, liebe Internetapothekenbesteller, das kann keine Internetapotheke leisten, unterstützt eure örtlichen Apotheken, wenn es Knopf auf Spitz steht, werdet ihr sie zu schätzen wissen.

Wie muss ich die Tabletten nehmen?

Ohne Apotheke_r(3)

Beitrag zur Blogparade von Sarah:

Vor einer Woche bekam ich vom Zahnarzt das erste Mal Seractil (forte) verschrieben und habe das Rezept gleich in der nächsten Apoteke, an der ich vorbei kam eingelöst. Die Apothekerin war sehr freundlich, klebte mir ein Zettelchen auf die Packung, auf dem sie die Dosierung mit 1-0-1 bezeichnete. Nebenbei hat sie mir noch erklärt was das heißt (eine Morgens, eine Abends, auch wenn ich da selber dahinter gekommen wäre) und das ich am Besten vorher immer etwas essen sollte, weil die Tabletten auf den Magen gehen.

So weit so gut, eine Woche später bekam ich von meinem Zahnarzt wieder ein Rezept von Seractil (forte) und ich ging wieder zur selben Apotheke, weil sie gleich daneben liegt. Diesmal bediente mich ein (ebefalls sehr freundlicher) Mann, der mich auch gleich fragte ob ich diese Tabletten schonmal hatte. Aus Reflex habe ich darauf ’nein‘ geantwortet (denn ich hatte mir den Namen nicht gemerkt), die Packung am Tresen aber dann gleich wiedererkannt. Das war mir peinlich, also beschloss ich nichts zu sagen und mir die Einnahmeinstruktionen nochmal anzuhören. Im Gegensatz zur Dame von letzter Woche hieß es diesmal nur „2x täglich maximal“ und „ein Glas Wasser dazu“ sollte ich schon trinken. Vielleicht hätte ich an der Stelle nachfragen sollen, aber frisch vom Zahnarzt mit langsam pochender Backe habe ich auch das verdrängt.

Jetzt wundere ich mich natürlich was die bessere Empfehlung ist. Vorsichtshalber bleibe ich aber dabei vorher etwas zu essen und bin froh das ich beim ersten Mal Seractil die Info mit dem Essen bekommen habe.

Ich persönlich würde ja kein Medikament mit 1-0-1 oder ähnlichem anschreiben. So schreiben das wohl die Ärzte auf, allerdings sollte man das Patienten-verständlich übersetzen … und am besten nicht nur sagen, sondern aufschreiben. Auch das mit vor oder nach dem Essen gehört auf die Etikette – vor allem, wenn es wichtig ist. Bei diesen … nicht so, also okay.
Das Kompendium bei uns (und der Beipackzettel) sagt dazu:
Seractil Filmtabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit zu den Mahlzeiten eingenommen.
und weiter unten: Falls eine rasche Wirkung am Morgen erforderlich ist, können Sie die erste Dosis morgens auf nüchternen Magen einnehmen. Die folgenden Dosen sollten entweder zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen werden.

Kommt also darauf an, ob du damit Magenprobleme hast. Wenn Du möchtest, dass sie schnell wirken nimm sie vor dem Essen, wenn du Probleme hast mit dem Magen damit. Als Schmerzmittel sollte man sie nur nehmen, wenn man sie braucht, deshalb in dem Fall „maximal“.

Zu schreiben: 2 x täglich ist auch nicht ideal – dann weiss man nicht sicher, wann. Theoretisch gibt es dann immer welche, die das in zu geringem Abstand nehmen. Ideal wäre: morgens und Abends, oder: im Abstand von ca. 12 Stunden

Genug trinken dazu, ist immer schön zu sagen – damit die Tablette nicht im Hals steckenbleibt. Grad bei (sauren) Schmerztabletten ungeschickt.

Also: ich hätte da drauf geschrieben: Bei Schmerzen. morgens und abends je 1 Tablette einnehmen. Und dazu gesagt wie (nicht teilen, genug Trinken, nach dem Essen, falls das Probleme gibt).

Aber … es gibt halt verschiedene Varianten🙂, manche besser, manche schlechter.

Vom Hauslieferservice

Ohne Apotheke_r(3)
Von Sylvia aus einer Grosstadt in Deutschland ein Beitrag zur Blogparade.

Vor etwa zehn Jahren ist meine Oma leider schwer an Krebs erkrankt und dann leider auch daran gestorben. Die letzten Monate hatte sie starke Schmerzen. Da ich noch studiert habe und daher oft zeitlich flexibel war, habe ich sie oft zum Arzt und zur Chemotherapie begleitet. Und sie bekam auch Schmerzmedikamente, die ein spezielles Betäubungsmittel- Rezept benötigen.

Einen Tag ging es ihr nach dem Arzt so schlecht (sie selbst sagte „Heute geht es mir aber schlecht“ – und das bei jemanden der nie klagt!), dass ich sie erst nach Hause gebracht habe. Ich bin dann mit dem BTM Rezept alleine zur Apotheke gelaufen. Dort war das benötigte Medikament nicht vorrätig, wurde aber bestellt. Die Apothekerin hat kurz gefragt, für wen das ist. Ich habe ihr gesagt für meine Oma Frau H (steht ja auch auf dem Rezept, aber ich kann gut verstehen, dass sie da nachfragen). Den Nachmittag konnte ich es aber leider nicht abholen, da ich zur Uni musste und sagte es ihr auch. Und auch, dass die erste Dosis heute Abend benötigt wird. Da hat die Apothekerin gesagt, kein Problem, das bringe ich ihrer Oma nachher vorbei!
– hat auch super geklappt. Für den Service bin ich echt dankbar gewesen. Sie ist noch öfter mit Medikamenten bei meiner Oma vorbeigekommen – das hat uns viele Wege erspart

Hauslieferdienst gehört zwar fast zum Standardservice, aber es ist doch wichtig und richtig, das mal wieder in Gedächtnis zu rufen, wie gut das ist, speziell in so Fällen wie hier.
Habt Ihr schon einmal etwas direkt von der Apotheke nach Hause geliefert bekommen? Weshalb?

Vor Medikamentenspenden ist zu bedenken

immer wieder treffe ich in diesem Internetz auf Spendenaufrufe für Medikamente für Flüchtlinge: diverseste Mittel gegen Schmerzen, Pilzbefall, erhöhten Blutdruck,  außerdem (orale) Antidiabetika, Antibiotika, Gerinnungshemmer, cortisonhältige Cremen, usw., sogar diverse Injektionen/Infusionen wie z.B. starke Schmerzmittel, Medikamente mit erhöhtem Suchtpotential: Tramal-Tropfen (explizit), aber auch Psychopharmaka wie Valium, Antidepressiva, etc.. Auch hier in der Umgebung habe ich neuerdings ein paar Zettel affichiert gefunden (sogar mit Abreiß-Kupons) auf denen zum Spenden von Medikamenten aufgerufen wird. Ebenfalls explizit: auch abgelaufene Medikamente nehmen wir gerne …
Da fände ich es sehr hübsch, wenn jemand wie Ihr die Leute einmal darauf aufmerksam machten, dass das nicht so einfach ist.

Danke kelef – das ist wirklich etwas, was diskutiert werden muss.

Ja – es ist lobenswert und eine gute Sache, dass geholfen werden will und man vielleicht auch sieht, was benötigt wird.

Aber. (ich muss das immer wieder mal sagen): Medikamente sind keine normalen Konsumgüter. Medikamente sind Stoffe, die einen direkten Einfluss auf den Körper ausüben und deshalb mit einer Vielzahl von Vorschriften, Regelungen und Gesetzen unterstehen, die sicherstellen sollen, dass dabei niemand zu Schaden kommt.

Dazu gehört eine Einschränkung in der Verordnung (durch die Fachperson Arzt), eine Einschränkung in der Abgabe (durch die Fachperson Apotheke) und auch eine Einschränkung im Handel (das über die Grenzen nehmen in Mengen, die den Eigenbedarf übersteigen ist verboten und grössere Mengen gelten gar als Export von Sonderabfall).

Da ist das Problem der Beschaffung:  Woher sollen diese (oft) verschreibungspflichtigen Medikamente denn kommen? Aus der Hausapotheke der Spender, oder sollen die sich das Zeug selber verschreiben lassen unter Vorspiegelung irgendwelcher Beschwerden? Oder der Erbtante (die ist eh schon über 90 …) den Apothekenschrank ausräumen? Im Krankenhaus klauen oder eine Apotheke überfallen? Woher weiß man, dass das Zeug, das abgegeben wird, richtig gelagert wurde, und nicht irgendwer damit herumgepfuscht hat, schlimmstenfalls sogar absichtlich? Ganz abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen wenn was passiert.

Auch wenn die Medikamente in Ordnung sind, kann man sie nur illegal ausführen: ansonsten bräuchte man nämlich eine offizielle Genehmigung für jede einzelne Packung, so mit Name, Wirkstoff, Chargennummer, Ablaufdatum, etc., und das gleiche gilt auch für die Einfuhr in andere Länder.

Dann die eigentliche Anwendung: Wenn nun solche wild zusammengesammelte Medikamentenspenden in deutscher / schweizer / österreicherischer Aufmachung und mit unbekannter Herkunft nach Griechenland (und wie schaut das mit den Transport- und Lagerbedingungen aus?) gebracht werden, um dort von wem auch immer in einem der überfüllten Lager an Menschen verteilt zu werden, dann KANN das nicht gutgehen. Ein verantwortungsbewusster Arzt würde derlei Spenden übrigens gar nicht verabreichen, weder hier noch dort. Wer diagnostiziert, und wer überwacht die ordnungsgemäße Anwendung, wer übersetzt im Zweifelsfall – und da ist das nächste Problem: eigentlich darf das nämlich nur ein geprüfter Übersetzer, wie soll sonst sichergestellt sein dass der Patient resp. die Angehörigen verstehen, worum es geht. Und wer stellt sicher dass bei Verlegungen an einen anderen Standort die weitere Therapie und die Kontrolle gesichert sind? Und wer hinterfragt mögliche Unverträglichkeiten oder Allergien, die möglicherweise gar nicht bekannt sind? Dazu kommt noch, dass die Medikamente je nach Herkunftsland sehr unterschiedliche Namen haben.

Dazu kelef (die einen Hund hat und Erfahrung in der Pharmaindustrie):

Ich muss leider den Tiervergleich heranziehen, auch Tierärzte „verwechseln“ Markennamen und Wirkstoffnamen und behandeln dann gegen eine Sorte Würmer zweimal, und an der zweiten Sorte stirbt das Tier. Ist dem Verein, für den ich tätig war, tatsächlich mehrfach so passiert, ditto mit Antibiotika. Und dann stellen wir uns einmal vor, da laufen ehrenamtliche Helferlein durch ein überfülltes Flüchtlingslager und verteilen fröhlich Antibiotika, Wurmmittel, Cortisonpräparate etc., ich will nicht wissen was da schon alles passiert ist, nur können die Patienten weder genau hinterfragen noch erklären oder erklärt bekommen.

Den Leuten ist einfach nicht klar, dass sie sich auf diese Weise ganz leicht ins Kriminal katapultieren können: Sozialbetrug oder Körperverletzung sind keine Kavaliersdelikte, und abgelaufene Medikamente können durchaus, müssen aber ganz und gar nicht noch in Ordnung sein, bestenfalls wirken sie nicht, schlimmstenfalls schaden sie noch zusätzlich massiv.

Es gibt gute Gründe weshalb die grossen und professionellen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Apotheker ohne Grenzen, das Rote Kreuz etc. keine solchen Medikamentenspenden entgegennehmen. Wir in der Apotheke haben das früher übrigens gemacht und sie an ein so ein Hilfswerk weiter gegeben, können das aber (aus den genannten Gründen) heute nicht mehr.

Aber – es gäbe legale Lösungen.

Es gibt ja grundsätzlich z.B. die Möglichkeit, dass Herstellerfirmen Ware spenden oder mit entsprechenden Rabatten an Ärzte oder Ärztezentren, die sich für Flüchtlinge einsetzen, liefern resp. über den Großhandel liefern lassen (auch der Großhandel könnte da auf die Marge verzichten): Das wäre mal eine gute Werbekampagne für die Herrschaften. Finanziert werden könnte das dann über Spenden. Das wäre eine saubere und gesetzeskonforme Lösung.

Also, liebe Leser: Wenn ihr solche Medikamentenspenden-Aufrufe lest, dann bedenkt das, bevor ihr die Hausapotheke ausräumt.

 

Kreative Anwendungsformen

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„Kann ich meine Akne-mycin Kapseln auch öffnen, den Inhalt in meine Tagescreme machen und das dann auf das Gesicht auftragen?“

Lieber nicht. Das hat nicht den gleichen Effekt … Oder: vielleicht fragen Sie besser ihren Arzt, damit der was anderes verschreibt?

Dossiereröffnung

Aufnahme eines Patienten und Eröffnung eines neuen Patientendossiers:

Pharmama: „Sind irgendwelche Erkrankungen bekannt? Zucker, hoher Blutdruck, Schilddrüsenerkrankungen …?“

Patient: „Nein.“

Pharmama: „Nehmen Sie Medikamente regelmäßig ein?“

Patient: „Ja, Triatec und Aspirin Cardio.“

Pharmama: „Dann … haben Sie also doch hohen Blutdruck?“

Patient: „Nur, wenn ich meine Medikamente nicht nehme.“

und das ist der Grund weshalb ich jetzt bei neuen Patienten vor allem nach den Medikamenten frage …

Sampler: Esoterisches, Alternatives und Wunderbares

Letzthin auf facebook gesehen:

„Bitte nicht abscannen, die Strahlung macht alles kaputt.“

PTA einfach: „Ok.“

Schnell die PZN eingetippt. Kundin ist zufrieden und geht.

Der Apotheker: „Haben Sie ihr gesagt, dass beim Wareineingang die Ware schon abgescannt wurde?“

„Nö.“

🙂

Begegnungen dieser Art gibt es auch in der Apotheke immer wieder: Esoterisches in der Apotheke.… und manche Kunden benutzen sehr seltsame Methoden der Entscheidungsfindung.

Es ist ja auch nicht einfach für uns in der Apotheke – seit der Abstimmung zur Komplementärmedizin in der Schweiz wird eine Menge der teils sehr fraglichen Alternativmedizin auch (wieder) von der Krankenkasse übernommen. So etwas wie die homöopathiefreie Apotheke kann es schon alleine deshalb nicht geben.

Ich habe ein paar Probleme mit den homöopathischen Sachen. Das fängt an bei der Frage nach dem „wofür“ , der Dosierung, bis zu Problemen beim Bestellen von so alternativ-Medizin .. und sie haben ausgesprochen seltsame Inhaltsstoffe: Stinktiersekret (Pertudoron), Schweinenasenschleimhaut (Euphorbium) – das seltsamste, was ich mal gesehen habe ist Berliner Mauer. Aber etwas positives hat es: vergiften kann man sich damit nicht.

Aber ganz allgemein: Es gibt eine Menge Mittel – von Medikamenten, die von Pharmafirmen entwickelt, erforscht und von den Behörden nach Auswertung der Studienlage zugelassen werden – über Präparate und Zubereitungen, die nur eine „Zulassung“ als Nahrungsergänzungsmittel haben, wobei da nicht viel verlangt wird für die Zulassung … kaum Nachweise für die Wirksamkeit und vielleicht  noch dass es keine schädigenden Stoffe enthält – bis zu Sachen, die nicht verkehrsfähig sind, (nicht mal als Lebensmittel), die bis auf Behauptungen eigentlich gar nichts vorweisen können, oder deren Einsatz nicht den medizinischen Erkenntnissen entspricht oder gar gefährlich ist.

Ich habe im Blog schon über ein paar dieser Mittel geschrieben:

Verleitende Namen (über Vitamin B17)

Mit manchen Leuten kann man nicht diskutieren (kolloidales Silber)

Wenn es quakt wie eine Ente … (MMS : Miracle Mineral Supplement)

Für nicht so helle Lämpchen (Petrol)

Asiatische Woche (Schlankheitsprodukte aus dem Internet)

Auch da drunter fällt Borax – darüber sollte ich ein anderes Mal schreiben.

Es gibt auch Zwischendinge … Mittel, wo man zwar einiges weiss, die aber trotzdem nicht verkehrsfähig sind: Rote Reishefe gegen zu hohes Cholesterin scheint tatsächlich zu wirken – allerdings hat es den gleichen Mechanismus wie die Statine und man erkauft sich die Wirkung mit denselben Nebenwirkungen … zusätzlich weiss man nicht, was da noch für Zusatzstoffe drin sind. Das Mittel bekommt deshalb keine Zulassung als Lebensmittel (es hat ja eine medizinische Wirkung) und keine als Medikament (es fehlen die nötigen Studien, die die Firma, die das auf den Markt bringen will liefern muss).

Dann das Melatonin. Ein natürlich vorkommendes Hormon, das bei uns beim Schlaf-Wachrhythmus eine Rolle spielt und zum Beispiel bei Jetlag seinen Einsatz findet. Das war lange in keinem Land als Arzneimittel zugelassen, konnte (und kann) in mehreren Ländern (z.B. in den USA) aber als sogenannte Nahrungsergänzung rezeptfrei gekauft werden. Immerhin war es trotz der schlechten Studienlage zur Wirkung ziemlich „problemlos“: wenig Nebenwirkungen. Dann hat es tatsächlich eine Firma geschafft und das als Medikament zugelassen (siehste: es ist möglich!) und jetzt ist das Circadin mit 2mg Melatonin auf Rezept erhältlich. Es hat aber eine Limitation, es wird erst ab einem Alter von 55 Jahren von der Krankenkasse übernommen. In Frankreich sind Produkte als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, die enthalten einfach weniger Melatonin.

Es gäbe noch mehr solche häufig als Wundermittelchen angepriesene Produkte: grüne Kaffebohnen,  Grapefruitkernextrakt, Bittermelone … oder „Superfood“ wie Goji Beeren, Noni-Saft und Chia-Samen. Letzteres „Vogelfutter“ sehe ich praktisch als verbesserte Version von Leinsamen: ein sehr gutes Quellmittel und Schleimbildner … aber man muss bei dem enorm gut drauf achten, dass man ja genug Flüssigkeit dazu einnimmt, ansonsten drohen Darmverschluss. Deshalb empfiehlt die die europäische Lebensmittelbehörde EFSA eine Höchstmenge von maximal 15 Gramm Chia, also ein Esslöffel voll, den der Verbraucher auf einmal speisen darf (!)

Und wenn wir grad bei Wundermittelchen sind: es war ja ein wahrer „Coup“, wie damals die Regividerm mit Avocado und Vitamin B12 beworben wurde – nachzulesen hier Entstehung und Niedergang eines Wundermittels.

 

Das richtige Medikament am richtigen Ort

Im Bestelleingang ein Rezept für Isotretinoin Kapseln. Es ist für einen Mann, der bei uns auch sonst Medikamente bezieht, bei ihm habe ich auch halb im Kopf welcher Art, deshalb gehen bei mir die Alarmglocken an.

Ich geb’s zu – bei Isotretinoin bin ich  (über?)vorsichtig. Es ist ein Mittel gegen Akne, das nicht nur Einschränkungen hat für die Abgabe bei Frauen (die dabei auf keinen Fall schwanger werden dürfen, da sonst Missbildungen beim Baby zu erwarten sind), es soll auch nicht bei Personen mit einer Vorgeschichte mit Depressionen oder psychischen Problemen verordnet werden, da es selber Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken machen kann.

Dass das nicht nur theoretisch so ist, musste ein Freund von mir am eigenen Leib erfahren. Dessen damalige Freundin bestand darauf, dass er sich das Mittel vom Hautarzt verschreiben liess, weil es ihr ja „so gut geholfen hat und er etwas für sich machen sollte“. Anscheinend hat ihn der Arzt nicht wirklich nach seiner Vorgeschichte gefragt und er ist dann während der Behandlung mit dem Medikament in eine üble Depression gefallen. Anfangs konnte er es sich noch nicht einmal erklären, woher diese schwarzen Gedanken, dieses Nicht-mehr-wollen-und-können (wieder) kommen. Ich hätte es ihm sagen können. Und wenn er es bei mir eingelöst hätte, hätte ich ihm davon strickt abgeraten, da ich seine Vorgeschichte kannte, aber … er hat es nicht bei mir eingelöst (verstehe ich auch).
Erst als er die Packungsbeilage gelesen hat und es gegen den Widerstand der Freundin wieder abgesetzt hat ist das besser geworden. Damit hatte er hatte noch Glück, denn (Fachinformation):

„ein Abbruch der Isotretinoin-Behandlung reicht manchmal nicht aus, um die Symptome zum Verschwinden zu bringen …“

Jedenfalls bin ich bei der Kontrolle der bestellten Medikamente und bei diesem Patienten weiss ich, dass er diverse Medikamente gegen psychische Störungen nimmt. Zur Sicherheit schaue ich nochmals nach im Computerdossier. Ja, Risperdal und Temesta und weitere. Der Computer reklamiert bei so etwas übrigens nicht und zeigt für das keine Wechselwirkung an (!) – es geht da auch wieder um ein Problem der Indikation, da gibt es verschiedene für diese Medikamente und es muss nicht zwingend gegen Depressionen sein.
Es ist Aufgabe des Arztes vor der Verschreibung hier sehr gut die Vorgeschichte abklären, damit das nicht zu Problemen führt. Das Medikament wurde verschrieben vom Hausarzt, der auch die Temesta und Risperdal verschrieben hat und nicht von einem Hautarzt, also müsste er es eigentlich wissen.

Ich versuche den Arzt zu erreichen, bevor der Patient kommt und habe Glück. Leider … versteht der überhaupt nicht, was denn mein Problem ist – respektive, weshalb ich mich hier einmische.
Ja, er weiss, dass Herr … diese anderen Medikamente bekommt. Er denke aber nicht, dass da ein Problem besteht, da er das gegen etwas anderes nimmt und nicht gegen Depressionen. Er habe auch keine Vorgeschichte in Depressionen … wenn man von dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik absieht, wo er sich selber einmal eingeliefert hat und die ihm auf dem Entlasszettel auch eine Depression bescheinigt haben …. seiner professionellen Meinung nach eine klassische Fehldiagnose. Deshalb solle ich das ihm geben und er soll das nehmen.

Ich habe dem Arzt dann gesagt, ich mache das, aber ich halte unser Gespräch im Computer fest und ich werde den Patienten darauf hinweisen, dass er beim Auftreten von Problemen das absetzt und ihn kontaktiert. Wirklich wohl fühle ich mich dabei nicht.
Eben weil der Patient diese anderen Medikamente nimmt, muss ich ihm die Nachricht wirklich einfühlsam rüberbringen, sonst nimmt er womöglich auf einmal etwas nicht mehr, das er wirklich nehmen sollte. Das Isotretinoin selber ist nicht so wichtig, im Grunde ist es auch „nur“ ein …Lifestile Medikament. An Akne selber ist, (so unangenehm das sein kann) noch niemand gestorben.

Wenige Minuten später steht der Patient selber, übrigens ein Mann um die 35, mit dem Abholzettel vor mir und ich erkläre ihm die Sache.
Dabei bin ich bin ein bisschen überrascht, denn er ist nicht wirklich stark betroffen, in meinen Augen sind die Rötungen noch nicht Grund genug derartiges zu verschreiben … aber ich erkläre ihm, dass ich wegen Bedenken mit dem Mittel den Arzt kontaktiert habe und dass der überzeugt ist, dass das bei ihm geht.
Darauf will er es sich noch einmal überlegen mit der Einnahme. Ich soll das im Moment zurückstellen. Darüber … bin ich nicht unglücklich.

Nachtrag 1: Er hat seine Psychologin kontaktiert und die ist auch der Meinung, dass er das besser nicht nimmt. Ich darf das zurückschicken.

Nachtrag 2: Er ging dann zu einem Hautarzt und hat seine Rötungen anschauen lassen. Der hat ihm dann ein Rezept ausgestellt nicht für Aknemedikamente sondern gegen Rosazea …

Ich denke, das ist für den Patienten ganz gut gelaufen und zeigt, wie wichtig es ist, dass da mehrere „Player“ im Gesundheitssystem zusammenspielen und auch miteinander reden. Das hätte (muss nicht, aber hätte) ziemlich übel ausgehen können.

„Alles“

Der ältere Mann in der Apotheke gegen Ende des Jahres: „Geben Sie mir alles von meinen Dauerrezepten, was die Versicherung bezahlt. Ich komme später es abholen.“

Und dreht sich wieder um.

„Moment!“ – sage ich: „Es wäre mir lieber, wenn Sie mir sagen würden was alles. Sie haben auch verschiedene Ärzte, die …“

„Ich sagte doch, alles!“

Und geht.

Sowas finde ich unhöflich und macht mir meine Arbeit nicht wirklich leichter. Ich kann ihn nicht mehr fragen: er hat verschiedene Blutdruckmedikamente von verschiedenen Dauerrezepten und ob er auch die Salben vom Hautarzt vor 3 Monaten meint – der Ausschlag wird inzwischen wahrscheinlich schon weg sein  …

Aber: „Alles.“ Hmpf. Ok. Kann er haben.

Alles zusammengestellt, angeschrieben, verrechnet. Auf die Seite gestellt.

Statt ihm kommt die Frau es abholen – wieder keine Möglichkeit zum fragen.

Ich höre 2 Wochen nichts, Neujahr kommt und dann kommt er zurück, beklagt sich lautstark, dass er das wegen uns muss und will tatsächlich zwei der Medikamente zurückgeben, weil er „die nicht mehr braucht und schon länger nicht mehr nimmt.“

Nope.

Ich bin kein Medikamentenverleih. Medikamente sind einmal abgegeben nicht retournierbar. Sie könnten sonst was damit gemacht haben. So steht es in den Regelungen und selbst wenn nicht … würde ich in dem Fall darauf beharren, da das nicht ein Fehler von uns war.

Ich entsorge sie für Sie. Und vielleicht lernen Sie daraus, dass wenn Sie uns die nötige Aufmerksamkeit schenken, Sie viel Zeit (und Geld) sparen können.

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