Antikörpertest / Genesenenzertifikat Updates

4 Wochen Antikörpertests für das „Schweizer Genesenen Zertifikat“. Wie zu erwarten hat das Angebot des Bundes, dass auf einen positiven Antikörpertest in der Schweiz ein Genesenenzertifikat* ausgestellt werden kann (*Kleingedrucktes: für 3 Monate, nur in der Schweiz gültig) für eine riesige Nachfrage in der Apotheke gesorgt. An die 150 Tests haben wir gestemmt – neben dem normalen Apothekenbetrieb (dem neuen „normal“) und den parallel dazu noch laufenden Grippeimpfungen und FSME-Impfungen. Es ist anstrengend.

Was für Leute zieht das Testangebot an?

Es zieht viele an, die wir noch nie in der Apotheke gesehen haben. Die meisten ungeimpft und in der Hoffnung, so einfach zu einem Ausweg aus „2G“ zu kommen – auch wenn sie den selber bezahlen müssen (und es kein Schutz vor einer weiteren Infektion mit dem Corinavirus ist). Ein paar machen das wirklich nur „auf Verdacht“, andere, weil sie ziemlich sicher sind, zum Beispiel da der Partner das hatte und sie zwar vielleicht mit in Quarantäne waren, aber nicht PCR testen gegangen sind, trotz Symptomen.

Ich frage neben den Vorabklärungen zum Test gelegentlich, weshalb sie den Antikörper-Test machen und ob sie eine Ahnung haben, wie lange eine mögliche Infektion her ist – unter anderem auch, weil ich sie darauf aufmerksam machen will, dass die Antikörper nach einer Infektion abnehmen. Bis 5 Monate danach kann eine Infektion so in 99% der Fälle nachgewiesen werden. Danach nehmen die Antikörper ab. Leute, die also zu Beginn der Pandemie (bei uns im März 2020) infiziert waren, bekommen also kaum ein Zertifikat. Hatte man es nur leicht, ist die Antikörper-Bildung auch nicht so hoch und hält nicht so lange. Also kann es gut möglich sein, dass der Patient vor ein paar Monaten einen AK-Test gemacht hat, der damals noch positiv war, es jetzt aber nicht mehr ist.

Ausser dem Wunsch nach einem Zertifikat gibt es noch weitere Gründe für den Antikörpertest. Da war die Frau, die im Ausland gegen Covid geimpft wurde. 3 x sogar – allerdings mit einem in der Schweiz nicht zugelassenen Impfstoff (Sputnik), weshalb sie keinen Status als Geimpft hat – und so zumindest ein Genesenenzertifikat bekommt. Antikörper dürften sich ziemlich sicher nachweisen lassen.

Ein paar Erkenntnisse aus dem Prozess:

Ich nehme im Normalfall keinen Einblick in die Testresultate der Patienten. Wir nehmen in der Apotheke das Blut ab, nehmen die Patientendaten auf, schicken Daten und Probe ins Labor und die Patienten bekommen dann das Resultat. Bei Fragen kann ich Einblick nehmen beim Labor – aber nur, wenn der Patient uns bei der Datenaufnahme dazu die Einwilligung gegeben hat (Dokumentiert mit Kreuzchen am richtigen Ort und Unterschrift). Inzwischen rate ich den Patienten dazu, das Kreuz dort auch wirklich zu machen, denn ein paar Nachfragen hatten wir schon – und bei manchen musste ich dann sagen, dass sie das mit dem Labor selber klären müssen, denn ich komme nicht in ihre Unterlagen rein.

Zwischen Blutentnahme und Testergebnis dauert es (maximal) 4 Tage, bis das Ergebnis kommt. Das kommunizieren wir so. Weder ich noch Patient kann das forcieren. Trotzdem rufen einige Leute am 3. Tag an und fragen, weshalb das Resultat noch nicht da ist. Das Labor ist wirklich zuverlässig und die Resultate meist wenige Stunden nach Eingang da. Nur 3 Fälle, wo das nicht der Fall war: Einmal war die email-Adresse falsch angegeben; ein Teströhrchen ist unterwegs trotz aller Vorsicht ausgelaufen und es war nicht mehr genug Blut drin zum testen; und bei einem Patienten hat die Verknüpfung von Probe mit den Patientendaten nicht geklappt, da war zwar ein Resultat vorhanden, aber es konnte niemandem zugeordnet werden. All das liess sich lösen (einmal mit einer erneuten Blutentnahme) und die Patienten haben ihr Resultat bekommen.

Aber die meisten Rückfragen deswegen haben wir von Leuten, die mit dem Testergebnis nicht zufrieden sind. Meist, weil der Test negativ ausgefallen ist. Nachdem anfangs noch nicht klar war ab welchem Testergebnis das Zertifikat ausgestellt wird – da war es einfach von der Genauigkeit des Labors abhängig, ab wann die Antikörper nachweisen konnten – heisst es inzwischen, dass Resultate ab 1 BAU/ml (Binding Antibody Unit pro Milliliter) als positiv gelten und ein Zertifikat geben. Die Nachweisgrenze liegt bei 0.4 respektive 0.8 BAU/ml. Das ist enorm niedrig. Es handelt sich dabei um die Gesamt-Antikörper, nicht nur um die „neutralisierenden Antikörper“ (NAb).

Was es für einen Antikörpertiter bräuchte für einen Impfschutz oder für den Schutz vor einer Reinfektion ist zurzeit noch nicht definiert. Nach der Studie hier „betrug die Schutzwirkung bei 13-141 BAU/ml nur 12%, aber 89,3% bei 141-1700 BAU/ml und 100% über 1700 BAU/ml.“ Von daher finde ich ein Zertifikat, das praktisch beim Entdecken von Antikörpern ausgestellt wird wirklich als Geschenk der Politik an die Impfunwilligen. Es ist wirklich KEIN Garant, dass sich die Leute nicht gleich wieder mit Covid anstecken können!

So sieht das Testergebnis des Labors aus (Beispiel). Das ist meines, ich habe einen Abklärungstest machen lassen (da ich ja geimpft bin):

Falls ich noch Zweifel an der Covid-Infektion gehabt hätte (zum Beispiel, dass der Selbsttest falsch positiv war), ist das jetzt der Beweis.

SARS-CoV-2-S1-RDB-AK = Antikörper gegen das Spike Protein (in der Hülle) des Coronavirus. Die Antikörper werden nach Impfung UND nach Infektion gebildet. Ergebnis über 250 BAU/ml, also deutlich positiv. Es wäre interessant zu wissen, WIE hoch, aber da wir keine Aussage machen können und dürfen, ab wann noch ein Schutz vorhanden ist, es wieder eine neue Variante gibt und wir sowieso weiter aufpassen müssen … ist das akademisch.

SARS-CoV-2-N-AK = Antikörper gegen das Nukleosid-Protein (im Inneren des Virus). Diese Antikörper werden nur nach einer Infektion gebildet (Bei der Impfung wird ja nur die „Information“ für die Spike Proteine übermittelt). Hier ist mein Nachweis der Infektion.

Nervpunkte

Eine der Anfragen, die wir hatten, war nach einem negativen Test, bei welchem der Patient unbedingt einen Abklärungstest wollte, obwohl er nicht geimpft war. Auf seinem Testresultat ist nur der obere Test (S-AK) abgebildet, mit einem Ergebnis von unter 0.4 BAU/ml. Der Patient wollte genau wissen, wie hoch (oder besser niedrig?) das Ergebnis jetzt genau sei. Mehr als „zwischen 0.0 und 0.4 und damit nicht nachweisbar“ konnte ich ihm auch nicht sagen. Und ehrlich: WOZU???
Ausserdem wollte er wissen, weshalb da kein Ergebnis für die N-AK auf dem Test sei – immerhin habe er mehr bezahlt für den Abklärungstest. Ja – wenn gar keine Antikörper gegen das Spike-Protein nachgewiesen werden können … dann macht man auch den zweiten Test nicht mehr auf die Nukleosid-Antikörper, weil man auch da NICHTS FINDEN WIRD.

Ansonsten haben mich nur diejenigen geärgert, die es nicht schaffen, mit einer anständigen Maske zum Test zu kommen. Nasenpimmel allenthalben, wirklich dreckige Stoffmasken und mindestens einer, dem ich zwei Mal sagen musste, dass er hier im Beratungsraum, wo wir den Test machen unbedingt seine Maske anhaben muss, da ich sonst den Test nicht mache. Das ist ein kleiner, nicht gut belüfteter Raum. Meine Maske schützt ihn und seine schützt mich – deshalb: anziehen! Oder …!

Interessant auch, dass wir schon ein paar hatten, die Angst vor Nadeln oder Blut haben. Falls das der Fall ist: bitte gerne vorher sagen! Wir machen das sowieso im Sitzen, aber man kann das auch machen mit komplett geschlossenen Augen der getesteten Person. Wir nehmen uns auch gerne mehr Zeit für diejenigen … besser aber, man weiss das vorher, als dass sie unerwartet beim Pieksen „abliegen“.

Wir machen die Antikörpertests ausschliesslich auf Termin – das funktioniert wunderbar, mit Terminvergabe im Internet (oder halt bei uns via Telefon, dann tragen wir es dort ein). Die Patienten geben die Telefonnummer an und werden benachrichtigt beim Buchen und kurz vor dem Termin selber. Wir nehmen keine, die einfach in der Apotheke einlaufen und wir rechnen dazwischen genug Zeit ein. Wenn wir nur das machen würden, könnten wir 4 x so viele Tests machen, aber … eben, wir haben noch mehr als genug anderes zu erledigen. Anderes, was zu unseren Hauptaufgaben zählt. Von daher kratzt es mich nicht, wenn ein Termin abgesagt wird (dann wird er für andere frei) oder selbst wenn jemand einfach nicht kommt. Und wenn jemand mehr als 15 Minuten zu spät zum verabredeten Termin kommt – dann heisst es: bitte neu anmelden. Oder ohne Termin zum Labor gehen, das ohne Voranmeldung testet. Da steht man momentan halt einfach mehrere Stunden an.
Interessant finde ich bei den Abmeldungen immer die Begründung. „Früherer Termin gefunden“, „konnte woanders testen“, „bin in Quarantäne“ (Danke, dass sie nicht kommen), „war impfen“ (Bester Grund ever!) und „schlechte Bewertung durch den Kollegen“ (da war wohl jemand mit dem Testergebnis nicht zufrieden?)

8 Kommentare zu „Antikörpertest / Genesenenzertifikat Updates

  1. „Es zieht viele an, die wir noch in der Apotheke gesehen haben.“

    Fehlt da ein „nie“?

    Das „Geschenk“ an die Ungeimpften finde ich wirklich erschütternd. Das Zertifikat verspricht einen falschen Schutz vor den kleinen Covidlis. Doppelt erschütternd, dass die Leute ein Zertifikat wollen, aber keinen Schutz.

    Naja, vermutlich glauben sie auch, dass sie gar keinen Schutz brauchen… „Plandemie“ und so.

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  2. Ach du meine Güte,
    ein Zertifikat, was eigentlich nutzlos ist im Sinne der Pandemie und Ansteckungen. Genau wie die vielen Schnelltests hier meiner Meinung nach, da die, wenn ich das richtig weiß, erst nach 4 Tagen Infektionsbeginn anschlagen würden. Aber solang es der Staat zahlt … Ob die wissen, dass auch sie der Staat sind?

    Und bei euch zahle ich selbst für ein Zertifikat, das, wenn ich es denn bekomme, vor nix schützt? Warum lass ich mich dann nicht gleich impfen? Ist das nicht viel billiger?

    Gefällt 3 Personen

      1. Ich mache mit den Testwilligen ebenfalls ein ausführliches Vorgespräch, bei dem ich die Motive für das Nichtimpfen herauszufinden versuche. Manchmal klappt es dann auch, die Leute doch noch zur Impfung zu bewegen. ISt aber leider mehr die Ausnahme als die Regel.

        Das Ak-Zertifikat ist wirklich ein Witz, aber das alte Genesenenzertifikat ist es letztlich auch, vor allem, wo jetzt Omikron das Kommando übernimmt. Die Frage ist nicht, ob die Impfpflicht kommt, sondern nur wann.

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        1. Deinen Kommentar kann ich unterschreiben.

          Ich konnte mal jemanden zur Impfung bewegen, indem ich ihm sagte: „Hier bekommen Sie die Impfung, keinen Test. Und wir haben eine nette Ärztin, die Zeit hat, eures schmerzhafte Knie anzugucken…“

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  3. Was ich mich aber frage – gibt es da verschiedene Tests mit grundlegend unterschiedlichen Dimensionen beim Befund? Der Test, den wir in unserer Praxis anbieten, hat eine Nachweisgrenze von 15 BAU/ml und eine Grauzone von 15 bis 28 BAU/ml. Das Zertifikat soll erst bei >28 BAU/ml ausgestellt werden.

    Abgesehen davon: müsste es bei Deinem Test unter „Referenzbereich“ nicht >0.8 bzw. >1.0 heissen, anstatt <0.8 und <1.0?

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