Beratung für lau – und der SD Arzt profitiert.

Meine liebe Pharmaassistentin (PA) hat gestern etwa eine halbe Stunde damit verbracht einen jungen Mann (Mitte 20) ausgiebigst zu beraten und alle seine Fragen zu beantworten… am Ende hat er gar nichts gekauft und sie war danach so fertig, dass sie eine Pause brauchte.

Sie hat mir das Problem kurz umrissen: Er sei erkältet, er rauche, die letzten paar Male habe das ewig gedauert, bis er das wieder los war (was wahrscheinlich mit dem Rauchen zusammenhängt), jetzt habe er vor allem ein Kratzen im Hals, noch nicht gerade Halsschmerzen und seine Nebenhöhlen fingen an Probleme zu machen, aber noch nicht wirklich Schnupfen … und er wolle etwas, das wirkt, aber es muss pflanzlich sein und am besten nicht einfach Symptombekämpfung, sondern gegen die Ursache.

„Nun,“ – habe ich dann gesagt – „dann soll er am besten aufhören zu rauchen.“

PA: „Ja, das habe ich auch gesagt, aber alles, was ich ihm sonst angeboten habe … er hat mich ausgefragt bis ins Detail über alles, ich musste es ihm teilweise aufschreiben und am Schluss wollte er gar nichts davon.“

Frustrierend.

Und heute kommt er wieder, grinst meine Pharmaassistentin an … aber ich bin näher dran und übernehme ihn, bevor er bei ihr wieder anfängt.

Er packt mir zwei Mittel auf den Tisch: Vogel Salbei-Halsspray und Sinupret forte Tabletten: „Die habe ich gestern von meinem Hausarzt bekommen.“

Ah jaaa? Stimmt die Dosierungsetikette vom Arzt ist drauf.

Er: „Ist das gut? Was kann ich ausser dem noch machen?“

Nun – nach dem gestern ist mir klar, worauf das hinausläuft, also … mache ich es kurz und bündig (immerhin kenne ich seine Probleme schon): „Das hat … drin, das ist gut bei … und für … Haben Sie noch anderen Beschwerden …?“

Er: „Nein …“

Ich: „Dann ist das das richtige. Trinken Sie genug, am besten Tee, versuchen Sie auszuruhen und ihr Immunsystem arbeiten zu lassen.“

Er: „Ich habe auch aufgehört zu rauchen.“

Ich: „Wunderbar.“ (seit gestern:-) ) „Wenn Sie nicht noch einen Tee oder etwas anderes möchten …?“ (Kopfschütteln)“ … dann war das das. Kommen Sie wieder, falls sich etwas ändert.“

Und damit habe ich ihn entlassen.

Er drehte sich beim herausgehen noch zwei mal um, um nach meiner Pharmaasistentin zu schauen (Ja, ich weiss, die ist hübsch und nett … und ausserdem sehr vergeben.) Aber die ist hinten verschwunden. Sie kommt wieder als er draussen ist.

PA: „Was war das?“

ich: „Er hat sich genau die Mittel, die du ihm gestern empfohlen hast beim Hausarzt geholt.“

PA: „Waaas?!?“

Ich: „Ja. Er hat sich von Dir beraten lassen und ist dann zum Hausarzt gegangen und der hat ihm genau das dann abgegeben.“

 

Nett.

Nein – dass er zurück gekommen ist, das war in dem Fall keine Chance ihm doch noch etwas zu verkaufen. Der wollte nur noch einmal mit der netten PA reden. Das wäre dann nochmal eine halbe Stunde gegangen, nach der er wieder ohne etwas anderes gegangen wäre. Behaupte ich.

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 02/02/2016 in Apotheke und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. Gibts zu Sinupret forte mittlerweile aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit? Ich habe nur was zum deutlich höher konzentrierten extract gefunden.

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  2. aucheinemama

    Ja, ich kann verstehen, dass so ein Verhalten nervt. Zeit einer Angestellten zu verbrauchen für nix ist nicht nett der Apotheke gegenüber. Klar hätte er die Sachen wenigstens gleich bei Euch kaufen sollen!
    Aber irgendwie ist es doch auch süß, oder habe ich nur gerade einen romantischen Schub?!
    Und wenn ja, gibt’s da was dagegen?!😉

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    • das muss ein romantischer Schub sein … wir fanden’s nur sehr seltsam bis creepy. Vor allem das total fehlende Bewusstsein, was er damit gemacht hat. Und wiesooo? wiesoo?

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  3. Oh, ich dachte erst, dass sei der typische Fall: Sich beraten lassen und dann in einer Onlineapotheke kaufen. Dass die Story so endet, hat mich überrascht.

    Ich schätze mal, der hat sich da rein gar nichts bei gedacht, dass er ihre Zeit und Energie in Anspruch genommen habt und dachte sicherlich, sie würde sich freuen, dass er alles besorgt hat, was sie ihm empfohlen hat, da das ja zeigt, wie sehr er ihre Meinung schätzt… g

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  4. Ich fände es unheimlich wenn ein Kunde (bzw. Nicht-Kunde weil er nix gekauft hat) wegen einem Plausch mit mir nochmal zurückkommen würde weil ich ihm vielleicht gefallen habe. Ob man jetzt vergeben ist oder nicht… man MUSS ja freundlich zu den Kunden sein. Und dann wird dieses nett sein vielleicht als Interesse ausgelegt? Brrrrrrrrrrr

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  5. Ich bin heilfroh, dass sie bei uns in Deutschland auf DIE Idee noch nicht gekommen sind…

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  6. Was hat er denn davon, das beim Hausarzt zu holen? Geht das dann auf Rezept auch bei solchen Mitteln so dass er nichts zahlen muss oder es zumindest zurück bekommt?

    Außerdem: Sprecht Ihr so etwas eigentlich nicht an? Mindestens durch die Blume sollte er wissen, dass er ertappt ist, so in die Richtung „Wie Ihnen meine Kollegin gestern schon…“ oder „Schön dass Sie sich für unsere Empfehlung entschieden haben, toll!!“.

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    • Das sind wirklich gute Fragen. Was hatte er davon? Keine Ahnung. Entweder brauchte er noch eine Zweitmeinung, oder er dachte er spart mit der Methode Geld oder …? Ich weiss es nicht. Das sollte man auch wirklich ansprechen. Ich war in dem Moment einfach zu baff … Ich hab’s nicht getan. Ich schreibe das hier vielleicht auch, dass andere dann darauf besser reagieren können, falls das mal vorkommt. Ich würde das in Zukunft vielleicht sogar echt deutlich sagen: dadurch, dass sie sich bei uns beraten lassen, nur um das dann woanders zu holen, schaden sie uns. Dann sind wir vielleicht irgendwann nicht mehr da, wenn sie uns brauchen.

      >

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      • Würde ich an deiner Stelle machen, da ich denke, dass es häufig gar kein böser Wille der „Fast-Kunden“ ist, sondern sie schlicht und einfach nie darüber nachgedacht haben, dass sie euch damit schaden.

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    • Also das wäre jetzt auch meine Frage gewesen: wAs hat er davon? Das würde ich ihn auch ganz offen fragen in so einem Moment. Meistens übersehen solche Kunden ja, dass sie zum Arzt müssen, da warten, dann nochmal zurück müssen. Kostet sowohl Zeit als auch Geld. Und wenn er dann noch zu euch kommt, kostet das wieder Zeit …

      „… sehr vergeben …“😉 Vielleicht sollte sie dann einfach einen Ring tragen, der das etwas deutlicher betont. Dann dürfte das zumindest für die Herren geklärt sein …

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  7. Sollte das nicht normalerweise andersrum laufen? Das Patientengespräch und Empfehlung/Verschreibung gibts beim Arzt und die Medikamente in der Apotheke? So war das ursprünglich jedenfalls mal gedacht. Und jetzt macht ihr das Patientengespräch kostenlos (und hängt viel mehr Zeit rein) und der Arzt kassiert doppelt …

    Was glaubt der Typ eigentlich, warum ihr euch vor Schränken voll mit Medis die Beine in den Bauch steht? Damit er zum Flirten vorbeikommen kann?!

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  8. Das war ja ein Arschlochkunde.

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