Hah!

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Dass in der Schweiz auch vernünftige Urteile gefällt werden, zeigt heute das Bundesgericht.  Es geht um die Umgehung des Selbstdispensations-Verbotes einiger Ärzte, die den Patienten die Medikamente via die Versandapotheke „Zur Rose“ gleich nach Hause liefern lassen und für die „Vermittlung“ der Patienten Geld kassieren – ich habe darüber berichtet im Post Diese Rose stinkt!

Das Bundesgericht bestätigt, dass es sich dabei um illegale Praktiken handelt. In Zukunft darf ein Arzt nur noch dann dem Patienten die Medikamente verkaufen (direkt via Selbstdispensation oder indirekt via Versand zur Rose), wenn er auch eine kantonale Bewilligung zur Selbstdispensation hat. Das ist also vor allem für die Kantone wichtig, wo die Selbstdispensation nicht oder nur teilweise erlaubt ist.

Die pharmasuisse (der Dachverband der Schweizer Apotheker) schreibt dazu:

Die Wahlfreiheit der Patienten muss gewährleistet sein. Deshalb hat auch der Nationalrat anlässlich der Heilmittelgesetzrevision grossmehrheitlich entschieden, dass der Patient Anspruch auf die Ausstellung eines Rezepts hat, dies auch dann, wenn der Arzt selber Medikamente abgeben darf. Es geht nicht an, dass Ärzte den Patienten gegen Entgelt die eigene Versandapotheke empfehlen und ihre Vorteile und Interessen gegenüber dem Patienten nicht offenlegen.

Trotz der Monopolstellung des Arztes bei der Verschreibung von Arzneimitteln wird dieser nicht vom Korruptionsstrafrecht erfasst. Sein Verhalten fällt bisher nicht unter den Tatbestand der Privatbestechung.

Dass das mit der Wahlfreiheit ein echtes Problem ist, zeigt zum Beispiel der facebook-Beitrag der Apotheke Schaffhauserplatz (in Zürich):

Nicht einmal unserer Lehrtochter, die sich klar als angehende Pharma-Assistentin zu erkennen gibt, händigt ihr Arzt ein Rezept aus. Sie müsse die Medikamente in der Praxis kaufen, es sei schon alles parat. Das sind die üblen Auswüchse der Selbstdispensation.

Dagegen hilft das Urteil oben nicht – aber es zeigt, auf welcher Seite das Problem liegt, wenn die Zusammenarbeit zwischen Apothekern und selbstdispensierenden Ärzten so … schwierig wird. Und darum hoffe ich darauf, dass im neuen Heilmittelgesetz dann festgehalten wird, dass jeder Patient ein Recht auf ein (in die Hand gedrücktes) Rezept hat – dann kann er nämlich wirklich selber entscheiden, wo und wie er das einlösen will !

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15 comments on “Hah!

  1. denise sagt:

    da war ich auch schon sauer.. als mein psychiater mir dieses „zur rose“ andrehen wollte, dabei hab ich grad vis a vis einer apotheke gewohnt! die auch wissen, was ich sonst noch so nehmen muss (schilddrüse etc.) und wie sich das verhält.

    jetzt, wo ich auf dem land wohne, die nächste apotheke 20km(!) entfernt (dachte gar nicht, dass es das gibt, in der stadt bern gibts pro 100qm2 mindestens 2) bin ich froh, dass er mir die nötigsten auch so mitgeben kann.

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    • McCloud sagt:

      Es ist sicher auf dem Land praktischer, wenn der Arzt die notwendigen Medikamente gleich mitgeben kann und man nicht 20 km bis zur nächsten Apotheke fahren muss.
      Allerdings verschärft die Selbstdispensation der Ärzte auf dem Land das Problem fehlender Apotheken. Wenn der Arzt Medikamente mitgibt, wird es unwirtschaftlich und damit unwahrscheinlich, dass sich dort eine Apotheke niederlässt.

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      • denise sagt:

        eröffnet eine apotheke in toffen, es wird sich lohnen! 😉

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        • Pharmama sagt:

          Angebot und Nachfrage. Bei nicht mal 2600 Einwohner (irgendwo habe ich mal gelesen, dass es mindestens 3000 braucht, damit eine Apotheke rentiert), die meisten Bewohner des Ortes (?) davon tagsüber wahrscheinlich auswärts arbeitend, 2 Ärzten, die wohl schon jetzt selber Medikamente abgeben (eben weil keine Apotheke in der Nähe ist) und die deswegen wohl auch gegen eine Apotheke lobbyieren würden . und dann führt der Kanton ab 2018 wohl sowieso flächendeckend die SD ein … ich fürchte, das wird so bald keine Apotheke geben. Leider.

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        • McCloud sagt:

          Auch in Deutschland – ohne Selbstdispensation von Ärzten – braucht man im Umkreis grob etwa 3500 potentielle Kunden, damit sich eine Apotheke so eben rentiert und man nicht drauf zahlt. Das ist so eher als untere Grenze zu sehen. Es gibt auch bei dieser Zahl noch viele Apotheken, die sich betriebswirtschaftlich eigentlich nicht mehr rentieren und nur noch bis Rente des Inhabers betrieben werden.
          Klingt etwas zynisch: Und am besten sind diese Kunden über 50 Jahre und haben mehrere Erkrankungen – am besten chronisch.
          Falls ein Altenheim in der Nähe ist oder ein Krankenhaus beliefert werden kann, verringert sich die Zahl von 3500 Kunden etwas.

          Mit 30jährigen gesunden Kunden verdient eine Apotheke nichts. 🙂

          Toffen mit seinen 2999 Einwohnern (Wikipedia) dürfte zu klein sein…

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          • Pharmama sagt:

            (Ich hab meine Zahl von der Gemeindeseite … offenbar ist die Einwohnerzahl abnehmend? Das ist schade, ansonsten sieht das nämlich noch nett aus. Ich mag Dörfer 🙂 )

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  2. Caron sagt:

    „Sie müsse die Medikamente in der Praxis kaufen“

    Bitte was? Den hätte ich ausgelacht. Ich bin ja selten froh, in Deutschland zu leben, aber das …

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  3. BayernChris sagt:

    Die Direktabgabe hat m.E. auch noch den Nachteil, dass der Arzt X seine Standardmedis führt und jeder Patient dafür passend gemacht wird.

    Hier in D hat ein Allgemeinarzt angeblich ca. 200 Medis, die er zu 99,9% verordnet. Würde er sie selbst abgeben, werden es sicher noch ein paar weniger!

    Dann ginge auch wieder das alte Lied von „Aufmerksamkeiten“ der Pharmahersteller an die Ärzte los…

    Nein, ich meine die Aufteilung Arzt/Apotheke hat sich bewährt!

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  4. Sebastian sagt:

    Konzeptionell haben Versandapotheken durchaus Vorteile, allerdings hapert es in der Umsetzung – zumindest in Deutschland – sehr oft. Wenn ich beim Arzt bin, ist meist auch eine Apotheke direkt in der Nähe und nach zwei, drei Stunden Wartezeit beim Arzt noch fünf Minuten zur Apotheke macht auch keinen Unterschied aus.
    Bei Dauermedikationen wäre ein Versandservice der Apotheken allerdings (sehr) wünschenswert: Anrufen oder online bestellen und die Medis kommen ein paar Tage vor Ende der vorherigen Packung nach Hause, geliefert von der Stammapotheke. Diese kennt den Patienten und bei der 10. Folgepackung ist auch keine Beratung mehr notwendig (in DE muss allerdings jede Folgeausgabe neu vom Arzt verschrieben werden, dadurch gibt es schon eine Kontrolle).
    Traumhaft wäre es, wenn der Arzt das Rezept gleich elektronisch ausstellen könnte, so dass gar kein Papier mehr hin- und hergeschickt werden muss.
    Die Variante „bei der Apotheke angestellter Arzt stellt Rezept auf Bestellung aus“ ist unmöglich, da sind die Todesfälle doch nur eine Frage der Zeit. Letztens habe ich auch so eine Seite in DE gesehen, hoffentlich wird die bald dicht gemacht.

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    • Pharmama sagt:

      In Deutschland haben ja viele Vor Ort Apotheken die eigene Online-Apotheke. Das gibt es hier nicht.
      Hier ist es wirklich so: wenn dann die ganze Dauermedikation nur noch über die Online Apotheke geht, muss die Apotheke vor Ort bald dicht machen. Als Lückenbüsser ist sie nicht rentabel.

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      • Sebastian sagt:

        Ich würde mir einen Versand-Service der stationären Apotheken wünschen, die den Patienten ohnehin kennen. Ob diese die Dauermedikation dem Patienten oder dem Postboten mitgeben, dürfte finanziell keinen großen Unterschied machen.
        Mit den reinen Versandapotheken kann ich mich auch nicht recht anfreunden – das sieht alles nach zu viel Kommerz aus, außerdem kann ich nicht 3-5 Tage warten bis der Freiumschlag für das Rezept da, das Rezept bei der Onlineapo und das Medikament dann zugeschickt ist, vor allem weil wir derzeit keine Dauermedikation mehr haben.

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        • Lea sagt:

          Per Post möchte ich meine Medikamente nicht, da ich meine Pakete und eingeschriebenen Sachen willkürlich beim gleichnamigen Nachbarn, vor dem Haus, im Flur oder bei einer von zwei Poststellen finde.
          Bei meiner Hauptapotheke kann ich gäbig per mail bestellen und das Rezept beim abholen abgeben. Ich denke, dass dies bei fast allen Apotheken möglich und gern gesehen ist. Auf Wunsch würde die Apotheke die Medikamente vermutlich auch auf eigene Kosten versenden, da ich eine gewinnbringende Kundin bin. Lohnend währe ein solches Modell jedoch kaum, da kein Personal eingespart werden kann und nur wenig neu Kunden gewonnen werden könnten.

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  5. nicoretta sagt:

    Jaja, die SD-Ärzte… Ich war mal im Kanton Zürich bei einem Spezialisten für Migräne. Er hat mir 4(!) Triptane empfohlen, die ich bitte alle einmal testen soll – er werde sie mir gleich mitgeben. Ich musste 5 oder 6x darauf bestehen, dass ich ein Rezept wolle – immer wieder begleitet von der Frage des Arztes, warum und einer „guten“ Begründung, warum ich es doch bei ihm beziehen solle.
    Der Arzt meinte, dass das für mich die bequemste Lösung sei; wenn ich Nachschub brauche, dann könne ich nur anrufen und die Medikamente kämen innert 1-2 Arbeitstagen per Post. Als Päckchen! Dann muss ich ja jedes Mal warten, bis ich meinen Freitag habe um es dann bei der Post abholen zu können!! So ein Quatsch. Der Arzt wusste, dass ich in der Apotheke arbeite. Eine Frechheit!
    Die MPA wusste nicht einmal, wie mit der Software ein Rezept erstellt wird! O.o
    Es dauerte ewig für die Ausstellung und meine Mutter, die derweil im Wartezimmer sass konnte die ganze Unterhaltung zwischen Arzt und MPA mitverfolgen. Abschätzige Worte über meine Entscheidung und grosse Aufregung, weil keiner wusste, wie so ein Rezept auszudrucken sei… So viel zur „Wahlfreiheit“…
    Ich glaube kaum, dass jemand, der nicht in der Apotheke arbeitet sich das getraut sondern bald einmal klein bei gibt. Mein Vertrauen in den Arzt hat das auch nicht gerade gestärkt…

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