Wenn’s juckt und beisst …

Mann um die 50 in der Apotheke:„Haben Sie Salbe gegen beissende Haut?“

Pharmama: „Ja, haben wir. Suchen Sie eine bestimmte?“

Mann: „Gegen beissende Haut.“

Ich bringe ihn zur richtigen Stelle: „Hier sind unsere Salben gegen Juckreiz: Fenistil, Dermacalm, oder …“

Mann: „Da steht aber nicht drauf gegen beissende Haut.“

Pharmama: „Ja, aber da steht drauf: gegen Juckreiz. Alle diese Produkte sind dafür geeignet.“

Mann: „Ich nehme nur eine, wo genau das auf der Schachtel steht. Danke.“

Honigsüsse Nachfragen

„Für was braucht man Palmhonig?“

Fragt mich der ältere Mann in der Apotheke.

„Mein Enkel hat mir das aus Jamaica mitgebracht und das soll gut sein.“

Pharmama: „Ich muss zugeben, ich kenne das gar nicht. Aber wenn sie einen Moment warten, mache ich mich schlau.“

Google hilft.

Palmhonig: Aus dem eingedickten Zuckersaft einer Palmpflanze.

… Anwendung … ich suche nach medizinischer Anwendung und finde: nichts.

Ich gehe wieder nach vorne. Die Kurzrecherche muss reichen.

Ich erkläre ihm, wo Palmhonig herkommt, dass das also kein wirklicher Honig von Bienen ist, und dass man ihn zum kochen brauchen kann wie normaler Honig. Medizinische Anwendung habe ich nichts gescheites gefunden, was ich noch einmal betone – immerhin fragt er hier in der Apotheke, also …?

„Ach – das habe ich auch nicht erwartet. Ich verwende das also in der Küche wie normaler Honig, ja?“

„Ja.“

„Danke, wiedersehen!“

Ummm … und dafür geht man in die Apotheke? Also … ich bin ja für Rezepte zuständig, aber nicht für die Küche.

Andererseits betreibe ich hier echt Grundlagen.. naja -bildung.

Letztens hatte ich eine, die kam in die Apotheke um zu fragen, ob wir Honig haben. Hatten wir tatsächlich – ich zeige ihn ihr. (ja, wir haben nur eine Variante, nicht den medizinischen, den man für Wundpflege einsetzt, sondern stinknormalen)

Frau: „Da steht drauf Akazienhonig. Haben Sie denn keinen richtigen?“

Pharmama: „Wie meinen Sie richtig?“

Frau: „Na, Bienenhonig. Auch im Kaufhaus nebenan, da haben sie nur Waldhonig oder Blütenhonig oder eben Akazienhonig.“

Pharmama: „Aber … das ist alles Honig – das zeigt nur, wo die Bienen dafür gesammelt haben.“

Frau: „Wirklich? Oh. Dann kann ich den auch nehmen?“

„Ja.“

Kreative Anwendungsformen

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„Kann ich meine Akne-mycin Kapseln auch öffnen, den Inhalt in meine Tagescreme machen und das dann auf das Gesicht auftragen?“

Lieber nicht. Das hat nicht den gleichen Effekt … Oder: vielleicht fragen Sie besser ihren Arzt, damit der was anderes verschreibt?

Sampler: lustige Kundenwünsche

Hier ein paar spezifischere Kundenwünsche der eher amüsanten Natur:

Spezielle Kundenwünsche – 3 an einem einzigen Tag

und gleich nochmal – ich weiss,ich ziehe das an.

Etwas gegen innere Blutungen?!

Sie wollen Darmbakterien?

Ich dachte sie wollen mehr laufen?

Da soll nichts drin sein? (Und kein Placebo)

ein „amerikanisches Panadol„?

Alles für den self made man (oder Hauswerker)

Alkohol? Auf Rezept?

Das was gedacht ist, nicht das, was gesagt ist.

und manchmal weiss man einfach nicht, wie es heisst.

Sowas ist nie für einen selber

sie sind allergisch gegen … was?

Tut mir leid, das gibt’s nur dort.

Auflösungserscheinungen – wenn der Teppich langsam verschwindet?

Jetzt wird es wirklich Frühling – die Insekten kommen raus

Exorzieren – ist das nicht etwas überholt? – keine Lösung für ADHS

Schwamm drüber – ja, besser.

Auf Diät – wenn jede Kalorie zählt

Was ist hier falsch? – das könnte gefährlich werden

Es ist kalt – und mein Haustier verträgt das nicht

Gibt’s die auch in kleiner? – nicht XL, XXL …

Silikongel – für wo?

Berühmte Pflaster – ja, haben wir.

Für das Gedächtnis – definitiv nötig

Sie brauchen die für WAS? – ungewöhnlich, aber kreativ

Feste Vorstellungen – gesucht wird …

Stärkungsmittel – gibt es ja mehrere

Hormone für den Mann – als das „V“ noch jung und unbekannt war.

Geschenkezeit – freut sich darüber wer?

Mitgehört – zu allgemein

Bären-Repellent – falsch angewendet

Und bitte verpacken sie es separat.

 

Beratung für lau – und der SD Arzt profitiert.

Meine liebe Pharmaassistentin (PA) hat gestern etwa eine halbe Stunde damit verbracht einen jungen Mann (Mitte 20) ausgiebigst zu beraten und alle seine Fragen zu beantworten… am Ende hat er gar nichts gekauft und sie war danach so fertig, dass sie eine Pause brauchte.

Sie hat mir das Problem kurz umrissen: Er sei erkältet, er rauche, die letzten paar Male habe das ewig gedauert, bis er das wieder los war (was wahrscheinlich mit dem Rauchen zusammenhängt), jetzt habe er vor allem ein Kratzen im Hals, noch nicht gerade Halsschmerzen und seine Nebenhöhlen fingen an Probleme zu machen, aber noch nicht wirklich Schnupfen … und er wolle etwas, das wirkt, aber es muss pflanzlich sein und am besten nicht einfach Symptombekämpfung, sondern gegen die Ursache.

„Nun,“ – habe ich dann gesagt – „dann soll er am besten aufhören zu rauchen.“

PA: „Ja, das habe ich auch gesagt, aber alles, was ich ihm sonst angeboten habe … er hat mich ausgefragt bis ins Detail über alles, ich musste es ihm teilweise aufschreiben und am Schluss wollte er gar nichts davon.“

Frustrierend.

Und heute kommt er wieder, grinst meine Pharmaassistentin an … aber ich bin näher dran und übernehme ihn, bevor er bei ihr wieder anfängt.

Er packt mir zwei Mittel auf den Tisch: Vogel Salbei-Halsspray und Sinupret forte Tabletten: „Die habe ich gestern von meinem Hausarzt bekommen.“

Ah jaaa? Stimmt die Dosierungsetikette vom Arzt ist drauf.

Er: „Ist das gut? Was kann ich ausser dem noch machen?“

Nun – nach dem gestern ist mir klar, worauf das hinausläuft, also … mache ich es kurz und bündig (immerhin kenne ich seine Probleme schon): „Das hat … drin, das ist gut bei … und für … Haben Sie noch anderen Beschwerden …?“

Er: „Nein …“

Ich: „Dann ist das das richtige. Trinken Sie genug, am besten Tee, versuchen Sie auszuruhen und ihr Immunsystem arbeiten zu lassen.“

Er: „Ich habe auch aufgehört zu rauchen.“

Ich: „Wunderbar.“ (seit gestern :-) ) „Wenn Sie nicht noch einen Tee oder etwas anderes möchten …?“ (Kopfschütteln)“ … dann war das das. Kommen Sie wieder, falls sich etwas ändert.“

Und damit habe ich ihn entlassen.

Er drehte sich beim herausgehen noch zwei mal um, um nach meiner Pharmaasistentin zu schauen (Ja, ich weiss, die ist hübsch und nett … und ausserdem sehr vergeben.) Aber die ist hinten verschwunden. Sie kommt wieder als er draussen ist.

PA: „Was war das?“

ich: „Er hat sich genau die Mittel, die du ihm gestern empfohlen hast beim Hausarzt geholt.“

PA: „Waaas?!?“

Ich: „Ja. Er hat sich von Dir beraten lassen und ist dann zum Hausarzt gegangen und der hat ihm genau das dann abgegeben.“

 

Nett.

Nein – dass er zurück gekommen ist, das war in dem Fall keine Chance ihm doch noch etwas zu verkaufen. Der wollte nur noch einmal mit der netten PA reden. Das wäre dann nochmal eine halbe Stunde gegangen, nach der er wieder ohne etwas anderes gegangen wäre. Behaupte ich.